Die Palme des Sieges - Günter Krieger - E-Book

Die Palme des Sieges E-Book

Günter Krieger

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Beschreibung

Der junge Herzogsohn Mieszko soll eines Tages in die Fußstapfen seines berühmten Vaters Bolesław treten, den alle Welt den Tapferen nennt. Herzog Bolesław träumt schon seit langem von der polnischen Königskrone. Als Mieszko erfährt, dass er Richeza, die Nichte des deutschen Kaisers Otto, heiraten soll, sträubt sich alles in ihm dagegen, denn er liebt Jadwiga, die Zofe seiner Mutter. Dreizehn Jahre später kommt es dennoch zur Vermählung. Im Jahr 1025 erhält das Paar im Dom zu Gnesen die Königswürde von einem päpstlichen Legaten - gegen den Willen des neuen deutschen Kaisers Konrad. In einer Zeit voller Intrigen, Kriege und Aufstände kämpfen Mieszko und Richeza für ihren Traum von einem geeinten und christlichen Polen, was sich zunehmend als Sisyphusaufgabe erweist. Wird ihr Sohn Kasimir die Anarchie im Land beenden?

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Seitenzahl: 351

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Impressum

Titel

Prolog

Erster Teil

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Zweiter Teil

1

3

4

5

6

7

8

9

10

1

12

13

14

Dritter Teil

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Epilog

Nachwort

Impressum:

Krieger, Günter: Die Palme des Sieges – Der Traum vom Königreich Polen: Richeza & Mieszko II.

Hamburg, acabus Verlag 2025

1. Auflage 2025

ISBN 978-3-86282-870-8

Dieses Buch ist auch als eBook erhältlich und kann über den Handel oder den Verlag bezogen werden.

ePub-eBook: 978-3-86282-871-5

Lektorat: Andrea Simon, Amandara M. Schulzke acabus Verlag

Korrektorat: Astrid Standtke, Amandara M. Schulzke

Umschlaggestaltung, Buchsatz & Innengestaltung: Phantasmal Image

Druck: CPI Books GmbH, Birkstraße 10, 25917 Leck,

Mail: [email protected]

Der Verlag behält sich das Text- and Data-Mining nach § 44b UrhG vor, was hiermit Dritten ohne Zustimmung des Verlages untersagt ist.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

Der acabus Verlag ist ein Imprint der Bedey & Thoms Media

GmbH,Hermannstal 119k, 22119 Hamburg

acabus Verlag (www.bedey-thoms.de), [email protected]

©acabus Verlag, Hamburg 2025

Gedruckt in Deutschland

Günter Krieger

Die Palme

des Sieges

Der Traum vom Königreich Polen:Richeza & Mieszko II

Historischer Roman

Gott gebe mir ein gutes Schwert

und keine Gelegenheit, es zu gebrauchen.

Aphorismus aus Polen

Prolog

Gnesen, Frühjahr 997

Herzog Bolesławs siebenjähriger Sohn Mieszko hatte bei seinen abenteuerlichen Erkundungsgängen durch den Palast einen Gang entdeckt und eine bemerkenswerte Feststellung gemacht: Die eisenbeschlagene Eichentür wies am Ende des Ganges auf Hüfthöhe ein kleines Astloch auf, wodurch er, wenn er in die Hocke ging, mühelos in die große Halle spähen und sogar verstehen, wenn auch nicht immer begreifen konnte, was dort gesprochen wurde. Nun war es meist ziemlich langweilig, was es bei Vaters Audienzen zu belauschen gab, aber ihm gefiel das Gefühl, Träger eines kleinen Geheimnisses zu sein, das er mit niemandem teilen musste. Fuchsbau nannte er sein Versteck, denn Füchsen sagte man Klugheit nach. Und Mieszko war klug genug, sich nicht erwischen zu lassen, wenn er seinen Bau aufsuchte.

An dem Tag, als ein Reiter im Burghof erschien und den Herzog unverzüglich zu sprechen verlangte, suchte Mieszko geistesgegenwärtig sein Versteck auf, denn es musste etwas besonders Wichtiges sein, was der Mann, einer von Vaters Kriegern, ihm mitzuteilen hatte.

Und so erfuhr Mieszko von der Ermordung des Adalbert, jenes weitbekannten Missionars und früheren Prager Bischofs, den der Herzog in das Land der Prußen geschickt hatte, um den Heiden dort das Evangelium zu verkünden.

Adalbert tot? Mieszko wurde ganz kalt vor Schreck, denn Adalbert war der freundlichste Gottesmann, den er kannte.

Selten hatte Mieszko seinen Vater, den man Chrobry, den Tapferen nannte, so zornig gesehen. Dass Missionare immer noch zum Freiwild für heidnische Barbaren werden konnten, fiel auch auf ihn zurück: Ein christlicher Herrscher, der seine Schutzbefohlenen nicht zu beschützen vermochte? Warum zum Teufel es ihnen nicht gelungen sei, Adalbert zu retten?, fuhr er den Boten an. Dies sei schließlich ihr verdammter Auftrag gewesen.

Der Mann schaute eingeschüchtert zu Boden. Adalbert, so erzählte er mit gedämpfter Stimme, habe ihre Warnungen in den Wind geschlagen und darauf bestanden, nur mit seinem Halbbruder Gaudentius, einen heiligen Hain der Prußen zu betreten, um dort eine Heilige Messe zu lesen. Im Hain aber seien sie bald von feindseligen und bis auf die Zähne bewaffneten Einheimischen umringt gewesen, angeführt von einem heidnischen Priester. Mit diesem habe Adalbert ein heftiges Streitgespräch geführt, worauf der Heide einem seiner Leute befohlen habe, ihn mit seinem Speer zu durchbohren. Nachdem dies geschehen war, habe man dem noch lebenden und um das Seelenwohl seiner Mörder betenden Adalbert vor den Augen seines entsetzten Halbbruders den Kopf abgeschlagen und auf einen Pfahl gespießt. Gaudentius selbst habe man laufen lassen, damit er, anderen Missionaren zur Warnung, von diesem grausamen Geschehen berichten könne.

Eine Weile herrschte drückende Stille. Vater hatte die Augen geschlossen und massierte sich müde die Stirn. Sein Zorn schien in Ohnmacht, Trauer und Verzweiflung umgeschlagen zu sein. Ihn, der sich nie dazu herabließ, Schwäche zu zeigen, plötzlich so ratlos zu sehen, hätte Mieszko nicht für möglich gehalten. Und vermutlich hätte der Herzog sich anders verhalten, hätte er gewusst, dass sein Sohn ihn heimlich beobachtete.

Vater entließ den Boten schließlich mit einem stummen Wink. Nachdem dieser gegangen war, sah Mieszko eine Träne über Vaters Wange rollen. Es sollte das erste und letzte Mal sein, dass er ihn weinen sah. Herzog Bolesław weinte um einen Heiligen, aber das konnte man damals noch nicht wissen.

Erster Teil

Nichte und Sohn

Wie herrlich nun Bolesław den Kaiser aufnahm, und wie er ihn durch sein Land nach Gnesen führte, ist ganz unglaublich und unbeschreiblich.

Chronik des Thietmar von Merseburg

(Anfang 11. Jahrhundert)

1

Gnesen, Februar 1000

Mieszko war aufgeregt wie noch nie in seinem Leben. Bald würde er den Kaiser sehen, mit eigenen Augen. Bisher hatte er nur von ihm gehört. Man erzählte wundersame Dinge über ihn. Das Reich der römischen Cäsaren wolle er wieder auferstehen lassen, hieß es. Mieszko wusste, dass Otto der Dritte kaum zwanzig Jahre zählte und somit nur zehn Jahre älter war als er selbst. Wieviel Ruhm würde dieser Mann wohl am Ende seines Lebens angehäuft haben, wenn man ihn schon jetzt das Wunder der Welt nannte?

Mieszkos Vater, Herzog Bolesław, erhoffte sich vom Kaiser die polnische Königskrone. Dies erklärte er zwar nicht öffentlich, aber Mieszko hatte gehört, wie er darüber mit dem aus Posen angereisten Bischof Unger gesprochen hatte. Genau genommen hatte Mieszko es von seinem Fuchsbau aus belauscht, denn der Vater hatte ihn bei jenem Treffen nicht dabeihaben wollen. Er sei noch zu jung für die Politik, sagte er.

Viele hielten Bolesław für einen strengen Herrscher. Ein strenger Vater war er allemal. Man nannte ihn Chrobry den Tapferen, und die lange Narbe, die sich quer über seine linke Wange zog, war der sichtbare Beweis dafür, dass er in der Schlacht keinen Zweikampf scheute. Mieszko wünschte sich auch so eine Narbe, aber das würde wohl noch warten müssen.

Nicht selten hatte Mieszko das Gefühl, dass Vater ihn bloß für einen dummen Jungen hielt. Nie lobte er ihn, nie schenkte er ihm mehr Aufmerksamkeit als unbedingt erforderlich. Mieszkos Lehrer indes waren voll des Lobes für ihn. Das Lernen fiel ihm leicht, und außerdem konnte er mit seinen zehn Jahren schon vortrefflich reiten und mit allen Waffen umgehen. Aber Vater? Von ihm kam nie ein anerkennendes Wort.

Vor einigen Tagen hatte sich der Herzog mit fünfzig Gefolgsleuten auf den Weg gemacht, um dem Kaiser, der von Rom aus aufgebrochen war, entgegenzureiten. Bolesław gedachte, ihn würdevoll zu empfangen, um ihn dann weiter nach Gnesen zu führen. Mieszko hatte ihn angefleht, ihn begleiten zu dürfen. Auch Mutter hatte ein gutes Wort für ihn eingelegt. Trotzdem hatte die Antwort Nein gelautet. Widerworte waren zwecklos. Ein Nein des Vaters war wie in Stein gemeißelt.

Nun, es würde wohl noch eine oder zwei Wochen dauern, bevor Vater und der junge Kaiser in Gnesen eintrafen, womöglich auch länger, denn noch lag eisiger Winter über dem Land und machte das Reisen auf den unwegsamen Straßen beschwerlich. Für die Menschen in Gnesen blieb daher umso mehr Zeit, die Häuser und Straßen für die Ankunft des Kaisers in aller Pracht zu schmücken, wie der Herzog es angeordnet hatte. Bis dahin waren Mieszkos Tage ausgefüllt mit Unterricht und Waffenübungen, Langeweile kam nicht auf. Allein sonntags, nach der Frühmesse, fand er etwas Zeit für sich, die er nicht in der heimischen Burg verbringen wollte. Das hatte einen Grund: Vor ein paar Tagen, kurz bevor Vater mit seinen Leuten aufgebrochen war, hatte Mutter ein Kind entbunden. Es war keine leichte Geburt gewesen, Mutter hatte sich noch nicht davon erholt. Neben seinen Schwestern Reglindis und Edita hatte Mieszko jetzt also auch noch einen Bruder. Der schrie sich den ganzen Tag die Seele aus dem Leib, weshalb Mieszko es vorzog, auf eigene Faust einen Ausflug in die Umgegend zu machen. Der noch im Kindbett weilenden Mutter verschwieg er seine Absicht, sonst würde sie zu seinem Schutz auf Begleitung beharren. Mieszko war nicht der Meinung, dass er noch des Schutzes bedurfte, denn er trug sein Kurzschwert bei sich. Wer sich mit ihm anlegen wollte, würde es sicher bereuen.

Ein paar Meilen vor der Stadt gab es einen See, einen ruhigen, abgelegenen Ort, wohin Mieszko sich gerne zurückzog. Im Sommer zum Fischen oder zum Schwimmen, und jetzt, im Winter, um aus purem Vergnügen auf der Eisfläche herumzurutschen. Als er dort ankam, fiel ihm etwas auf: In Ufernähe hatte jemand ein großes Loch in das Eis geschlagen. Aus dem Wasser ragte ein Kopf mit langem rotem Schopf heraus. Die Person war offensichtlich nicht in Gefahr, sie badete und summte eine Melodie, während sie sich die Arme mit einem Schwamm abrieb. Noch hatte sie ihn nicht entdeckt, aber Mieszko erkannte nun, um wen es sich handelte. Es war Jadwiga, die das eiskalte Wasser allem Anschein nach nicht scheute, und die zur Dienerschaft seiner Mutter Emnilda gehörte.

Da er nicht wollte, dass sie ihn sah, ging er hinter einem Gebüsch in Deckung, wobei seine Schwertscheide gegen einen Stein schlug. Das klirrende Geräusch ließ Jadwiga herumfahren. Mieszko rührte sich nicht.

»Wer ist da?«, rief sie.

Mieszko hielt die Luft an.

»Du da, hinter dem Strauch. Zeig dich!«

Furcht schien sie nicht zu kennen. Und da sie ihn ohnehin entdeckt hatte, trat er hervor.

»Mieszko?« Jadwiga gab sich erstaunt. »Was machst du hier?«

»Dasselbe könnte ich dich fragen«, antwortete Mieszko verlegen.

»Was ich mache, ist ja wohl deutlich zu sehen: Ich nehme ein Bad.«

»Du könntest ertrinken«, sagte Mieszko.

»Ich könnte mir kein schöneres Grab vorstellen als diesen See. Bist du hier, um mich heimlich zu beobachten?«

»Was? Nein! Ich wollte nur …«

»Na los, schließ die Augen. Ich will aus dem Wasser steigen.«

Er tat, was sie ihm sagte, konnte es aber nicht lassen, zwischen zwei Fingern hindurch zu spähen. Jadwiga war nur zwei oder drei Jahre älter als er, aber er registrierte mit unwiderstehlicher Neugier, dass alles, ja wirklich alles an ihr bereits Frau war. Nachdem sie in ihr Kleid geschlüpft war, nahm er die Hände von den Augen.

»Du hast geguckt«, sagte sie, aber es klang nicht sonderlich empört.

Mieszko widersprach nicht. Er hoffte nur, dass er nicht rot geworden war. »Ist dir kalt?«, fragte er.

»Möchtest du mich wärmen?«

Für jemanden aus der Dienerschaft hatte sie ein forsches Mundwerk, immerhin war er der Sohn des Herzogs. Doch irgendwie war er fasziniert von Jadwiga. Sie trat ihm so weit entgegen, bis er jede einzelne Sommersprosse in ihrem Gesicht erkennen konnte. Sie strich sich die langen Haare glatt, die nach vorn über ihre Schulter fielen. Mieszko hatte sie noch nie ohne Haube gesehen. Dass sie jedoch mehr fror, als sie zugeben wollte, konnte er an ihrem leichten Zittern und den sich abzeichnenden Brustwarzen unter ihrem Kleid ausmachen. Er nahm seinen Umhang ab und legte ihn sorgsam über ihre Schultern.

»Du bist sehr aufmerksam, Mieszko.«

Ihr Lächeln ließ sein Herz hüpfen.

»Sag mir, was möchtest du zum Dank dafür haben?«, fragte sie.

Er wurde den Verdacht nicht los, dass es ihr Spaß machte, ihn in Verlegenheit zu bringen. Aber das wollte er nicht zulassen. Sie mochte die Ältere sein, aber er war der Sohn des Bolesław. Wenn jemand verlegen sein sollte, dann bitteschön Jadwiga.

»Du könntest mich küssen«, schlug er vor.

Sie lachte. »Küssen? Dich?«

»Traust du dich nicht, weil ich einmal Herzog sein werde?«

»Von mir aus kannst du Kaiser werden. Du hast ja nicht einmal Barthaare. Hast du überhaupt schon einmal ein Mädchen geküsst?«

Nun hatte sie ihn doch wieder eingeschüchtert.

»Nein«, gab er kleinlaut zu.

»Na schön, dann werde ich es dir beibringen.«

Ohne Vorwarnung nahm sie seinen Kopf zwischen ihre kalten Hände und zog ihn näher zu sich heran. Da er etwas kleiner war als sie, musste er sich auf die Stiefelspitzen stellen. Zuerst spürte er ihre Lippen auf seinen, dann ihre Zungenspitze, die sich beharrlich einen Weg in seinen Mund bahnte. Mieszko war erstaunt über sich selbst, dass er das nicht widerlich fand. Und wäre es nicht Jadwiga gewesen, die über ihn herfiel, hätte er es ganz bestimmt widerlich gefunden. Er schloss die Augen und fragte sich, was als nächstes geschehen würde. Doch so plötzlich, wie sie alles in Angriff genommen hatte, ließ sie wieder von ihm ab.

»Nun?«, fragte sie. »Weißt du jetzt, wie es geht?«

»Ich weiß nicht recht«, murmelte Mieszko, wie aus einem Traum erwacht. »Am besten zeigst du es mir noch einmal.«

Sie gab ihm seinen Umhang zurück und kniff ihm in die Wange. »Heute nicht mehr, Junge. Deine Mutter braucht meine Dienste. Du weißt, die Geburt deines Bruders hat sie sehr erschöpft, hinter ihr liegt eine harte Zeit. Erzähl ihr ja kein Wort hiervon, verstanden?«

Das wäre Mieszko im Traum nicht eingefallen.

»Warte, ich begleite dich.«

»Nicht nötig, ich kenne den Weg. Oder willst du, dass man uns zusammen sieht? Das wäre nicht ratsam.«

Er sah ihr hinterher. »Wann kann ich dich wieder treffen?«

»Sonntags komme ich manchmal hierher, um zu baden«, rief sie, lächelnd über die Schulter blickend.

Mieszko roch immer noch den Duft ihrer Haare, hatte ihren Geschmack auf seiner Zunge. In diesem Moment beschloss er, Jadwiga zu heiraten. Eines Tages. Er wäre schließlich nicht ewig zehn Jahre alt. Und er würde nicht bis zum nächsten Sonntag warten, um ihr das mitzuteilen.

2

Jadwiga träumte wieder von ihrem Vater.

Sie besucht ihn im Kerker. Den Kerkermeister musste sie mit einer Silbermünze bestechen. Vater hängt in Ketten an der feuchten Mauer des Verlieses. Mit fiebrigen Augen sieht er der Tochter entgegen.

»Jadzia«, kommt es heiser aus seiner Kehle. »Befreie mich, mein Kind.«

»Tata, ich kann dich nicht befreien. Wie sollte ich das anstellen? Wenn ich es könnte, hätte ich es längst getan«, sagt sie unter Tränen.

Sie umarmt ihn und spürt seinen rauen Bart an ihrer Wange. Sein ausgemergelter Körper zuckt vor Schmerzen.

»Sie wollen mir die Zunge abschneiden«, stöhnt er.

Ihr läuft es kalt über den Rücken.

»Das werden sie bestimmt nicht tun«, erwidert sie, obwohl sie weiß, dass genau dies geschehen wird. »Das lasse ich nicht zu, Tata.«

»Wirst du mich rächen, mein Kind?«

»Ja, das werde ich«, beteuert sie.

Selbst im Schlaf weiß Jadwiga, dass etwas in ihrem Traum nicht stimmt. Sie war damals noch ein Kind von vier Jahren, als die Sache mit ihrem Vater geschah. In Wahrheit hat sie nur schwache Erinnerungen an ihn. Aber in ihren Träumen ist sie die Jadwiga von heute, und Vater lebt noch. Ihre Begegnung ist aus der Zeit gefallen. Träume lassen solche Ungeheuerlichkeiten zu, ob man das will oder nicht.

Plötzlich spürt sie Vaters Hand kalt auf ihrer Schulter. Sie erschreckt. Wie ist es ihm gelungen, sich von der Kette zu lösen?

»Jadzia, hilf mir!«, fleht er sie erneut an. Sein Blick macht ihr Angst, denn seine Augen sind feuerrot.

»Ich weiß nicht wie, liebster Tata.«

Jadwiga will diesem Traum nur noch entrinnen. Ein glückliches Ende wird es nicht geben, soviel ist sicher. Es ist ein Traum ohne Trost, und er wird nur noch schlimmer werden, wenn sie nicht aufwacht. Die Hand auf ihrer Schulter rüttelt sie.

Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Schweißgebadet riss sie die Augen auf. Jemand stand neben ihrem Bett und hielt ein Öllicht in der Hand. Erneut wollte das nackte Grauen über sie kommen – bis sie ihren nächtlichen Besucher erkannte.

»Mieszko! Was um alles in der Welt machst du hier?«

»Du hattest einen schlechten Traum«, erwiderte der Junge ernst.

»Ja, aber das hast du ja wohl kaum vorausgesehen. Willst du mir also verraten, was du in meiner Kammer zu suchen hast?«

Mieszko setzte sich ungefragt zu ihr aufs Bett.

»Ich muss dir etwas sagen, Jadzia.«

»Mitten in der Nacht? Bist du verrückt geworden?«

»Für mich ist es wichtig.«

»Na schön, dann sprich! Aber leise.«

Das fehlte noch, dass man den Jungen nachts in ihrer Kammer vorfand.

»Ich habe beschlossen, dich zu heiraten«, sagte er ohne Umschweife.

Jadwiga starrte ihn an. Für eine kurze Weile war sie sprachlos. »Dir das Küssen beizubringen ist eine Sache, Mieszko. Sich über mich lustig zu machen, eine andere. Verschwinde, sofort!«

»Es liegt mir fern, mich über meine künftige Frau lustig zu machen.«

Er schien es tatsächlich ernst zu meinen. Jadwiga seufzte. »Hör mir gut zu, Mieszko. Du kannst mich nicht heiraten. Du bist der Sohn des Herzogs. Er würde es niemals erlauben. Eines Tages wird man dir eine Prinzessin zur Frau geben, keine Kammerdienerin wie mich. Geh zurück ins Bett, bevor man dich hier entdeckt. Deine Mutter würde mich in Stücke reißen.«

»Wenn ich älter bin, entscheide ich selbst, wen ich heirate.«

»Nein, das wirst du nicht. Niemand von deinem Stand entscheidet das selbst. Weißt du das denn nicht? Außerdem könnte dein Vater eine geistliche Laufbahn für dich vorgesehen haben. Du musst nicht heute schon übers Heiraten nachdenken.«

Es schmerzte ihn, dass sie ihm das geradeheraus ins Gesicht sagte. Ja, es gab Stimmen, die behaupteten, Bolesław würde eines Tages Bezprym zu seinem Nachfolger bestimmen, den älteren Sohn aus einer früheren Ehe, die Bolesław allerdings für ungültig hatte erklären lassen.

»Wenn er einen Priester aus mir machen will, dann laufe ich mit dir fort, dorthin, wo uns niemand findet.«

Nun tat er ihr leid. Sanft streichelte sie seine Wange. »So einfach ist das nicht, mein Lieber.«

Er wirkte gekränkt.

»Eines Tages wirst du es einsehen, Mieszko.«

»Niemals.«

»Du bist gerade mal zehn Jahre alt.«

»Ich werde bald elf.«

»Das macht keinen Unterschied.«

Wahrscheinlich war es ein Fehler gewesen, ihm am See den Kopf zu verdrehen, aber ihr hatte der Sinn danach gestanden. Wenn sie eines Tages Rache für ihren Vater nehmen wollte, dann konnte der junge Piast ihr vielleicht nützlich dabei sein.

»Noch ist dir ja niemand versprochen, soviel ich weiß«, sagte sie tröstend. »Und noch trägst du keine Kutte. Bis dahin können wir uns hin und wieder treffen, wenn du möchtest. Du darfst es nur niemandem verraten. Kein Sterbenswörtchen zu irgendwem, hast du mich verstanden?«

Seine Mundwinkel hingen herab, aber er nickte.

»Versprich es mir, Mieszko.«

»Ich verspreche es.«

»Gut, dann geh jetzt wieder schlafen. Wenn du mir künftig etwas mitzuteilen hast, dann schleich dich nicht nachts in meine Kammer. Wir könnten großen Ärger bekommen, und glaub mir, ich noch viel mehr als du.«

Nachdem er mit hängendem Kopf gegangen war, lag Jadwiga bis zum Morgengrauen wach und dachte nach. Mieszko war ein sehr hübscher Knabe und wirkte reifer als seine Altersgenossen. Eines nicht allzu fernen Tages würde er ein stattlicher Mann sein, wie sein Vater. Es wäre eine Schande, wenn man aus ihm einen Kleriker machen würde. Blieb nur zu hoffen, dass ihm die Kaltherzigkeit des Vaters abging.

Der Kaiser traf mit großem Gefolge und schier endlosem Tross drei Tage später ein, geleitet von Herzog Bolesław. Das Spektakel übertraf selbst die Feierlichkeiten im Jahr zuvor, als man den heiliggesprochenen Märtyrer Adalbert in einem Wandgrab der Kathe-drale beigesetzt hatte. Dieses Grab war der eigentliche Grund für die Reise des Kaisers nach Gnesen. Otto III. war als Pilger gekommen. Mit Adalbert, der sein Prager Bistum vor Jahren wegen Streitigkeiten mit böhmischen Klerikern verlassen hatte, verband ihn eine tiefe Freundschaft, bevor er im Land der Prußen den Tod fand. Seine Ermordung hatte die christliche Welt erschüttert.

Mieszko hatte gute Erinnerungen an den Heiligen. Adalbert hatte, wenn er bei Hofe weilte, immer Aufmerksamkeit für ihn übriggehabt, was sich keineswegs von allen hohen Gästen behaupten ließ. Er konnte sich noch gut an sein Gesicht erinnern: die sanften, aber stets wachsamen Augen, die leicht höckerige Nase, die faltige Stirn unter seiner Bischofsmütze und den graumelierten Bart, auf dessen Pflege er viel Wert zu legen schien. Einmal, als Adalbert Mieszkos Betrübtheit bemerkte, nahm er ihn beiseite.

»Was hast du denn, mein Junge? Wer macht dich traurig?«

Mieszko zögerte keine Sekunde, sich ihm anzuvertrauen. »Mein Vater.«

Der künftige Heilige stellte keine Fragen nach dem Warum, er nickte nur. Mieszko sah sich trotzdem zu einer Erklärung genötigt.

»Er schenkt mir kaum Beachtung.«

»Mein Vater war auch so«, erwiderte Adalbert.

Mieszko wunderte sich. Er hatte gedacht, dass ein erhabener Mann wie Adalbert einen ebenso erhabenen Vater haben müsste.

»Er war ein böhmischer Fürst«, fuhr Adalbert fort. »Seine ganze Kraft widmete er der Sicherung seiner Herrschaft. Ich glaube, dass er uns Kinder liebte, aber sein Herz war voll mit weltlichen Dingen. Starke Persönlichkeiten, wie er oder dein Vater, kennen alle Kniffe der Macht, aber ihre Söhne kennen sie schlecht. Denk daran, wenn du selbst einmal einen Sohn haben wirst. Und vergiss nie, dass du auch einen Vater im Himmel hast. Er kannte dich bereits, bevor du geboren wurdest.«

Mieszko hatte lange nicht mehr an diese Worte gedacht, aber er hatte sie nicht vergessen. Er hatte Adalbert sogar von seinem Versteck, dem Fuchsbau, erzählt. Adalbert hatte gelächelt. »Füchse sind klug, nicht wahr?«, sagte er. »Wenn aber der Sohn seinen Vater heimlich belauscht, sollte er das besser beichten.«

Jetzt, da sich alles bei Hof um den Heiligen drehte, kamen ihm all diese Gespräche wieder in Erinnerung, als hätten sie gestern erst stattgefunden. Bis heute hatte er seine Aktivitäten im Fuchsbau nicht gebeichtet. Er hatte schließlich nicht vor, davon zu lassen.

Gnesen platzte aus allen Nähten. Bis weit vor die Stadt prangten die Zelte der mitgereisten Soldaten. Von weither strömten Krämer, Gaukler und Dirnen herbei.

Der Kaiser und sein näheres Gefolge waren bei Hof untergebracht, darunter auch Gaudentius, ein Benediktiner und Halbbruder des Adalbert, der damals Augenzeuge seines Märtyrertodes gewesen war. Der Herzog ließ nichts aus, um den Kaiser zu beeindrucken. Alle Höflinge waren angehalten worden, ihre kostbarsten Kleider zu tragen, und Bolesław hatte jedem Strafe angedroht, der in einfachen Leinen- oder Wollkleidern vor den Kaiser träte. Die Festmahle, die er gab, waren so üppig, dass Otto ihn am dritten Tag freundschaftlich bat, ihn bei der Tafel zu entschuldigen, da er eigentlich mit der Absicht zum Fasten hergekommen sei. Seine Krieger ließ Bolesław vor der Stadt spektakuläre Manöver durchführen, um ihm auf diese Weise kundzutun, dass er auf seine Truppen zählen konnte, wenn er demnächst wieder gegen die heidnischen Elbslawen ins Feld zog. Später erzählte man, der Kaiser habe dem Herzog sein Diadem aufgesetzt, als Geste seiner Freundschaft und zum Zeichen, dass er mehr verdiene als nur den Herzogstitel.

Bischof Unger von Posen geleitete den barfüßigen Kaiser zum blumengeschmückten Grab des Adalbert, an dem der Pilger einen ganzen Tag im Gebet verbrachte. Unger war es auch, der Bolesławs und Emnildas kürzlich geborenen Sohn in Gegenwart des Kaisers taufte; er erhielt den Namen seines kaiserlichen Taufpaten, Otto.

Dafür beneidete Mieszko seinen Bruder. Womit hatte der Knirps, der nur schreien und in die Windeln machen konnte, der seine Mutter an den Rand des Todes gebracht hatte, womit hatte dieser winzige Nichtsnutz solche Ehre verdient? Und er, Mieszko? Bisher war er kaum auch nur in die Nähe des Kaisers gekommen. Entweder konnte er wegen der vielen Menschen nicht zu ihm vordringen oder der Kaiser besprach mit dem Herzog hinter verschlossenen Türen kirchenpolitische Dinge, wie es hieß. Der Vater zeigte jedenfalls keine Initiative, Mieszko dem hohen Gast vorzustellen. Mieszko fasste sich schließlich ein Herz und beklagte sich darüber bei seiner Mutter Emnilda, die rechtzeitig zum kaiserlichen Besuch wieder halbwegs zu Kräften gekommen war.

»Keine Sorge, du wirst dem Kaiser noch persönlich begegnen, du wirst schon sehen.« Das klang geheimnisvoll. Offenbar wusste sie mehr, als sie verraten wollte.

Am Tag, bevor der Kaiser abreiste, erfuhr Mieszko, was seine Mutter gemeint hatte. Er trieb sich gerade bei den Ställen herum, um die prächtigen Pferde der Deutschen zu bewundern, als seine Schwestern ihn aufsuchten. Reglindis, die Ältere, hielt Edita, die fünfjährige Schwester der beiden, an der Hand.

»Hier steckst du also«, sagte Reglindis atemlos. »Wir haben dich überall gesucht.«

»Wozu?«

»Weil Vater und der Kaiser dich sehen wollen, du Träumer. Du willst sie doch nicht warten lassen, oder?«

Sogleich spürte er vor Aufregung sein Herz klopfen.

»Wo?«

»In der großen Halle. Beeil dich!«

Er rannte los. Gütiger Himmel, wie redete man bloß mit einem Kaiser? Warum hatte er sich nicht schon vorher Gedanken darüber gemacht? Nun, er würde ihm einfach nur antworten, dann konnte er nichts falsch machen.

Vor der Tür standen zwei Wachen seines Vaters und machten keine Anstalten, ihm Einlass zu gewähren.

»Man hat nach mir verlangt«, sagte Mieszko. »Also lasst mich eintreten!«

»Dicke Luft da drinnen. Bischof Unger ist noch da. Warte besser, bis er herauskommt!«

Das tat der Bischof auch wenig später und schritt mit zornig umwölkter Stirn wortlos an Mieszko und den Wächtern vorüber. Was immer drinnen besprochen worden war, es hatte ihm nicht gefallen. Aber die Sorgen eines Bischofs waren es nicht, über die sich Mieszko Gedanken machte, als er die Halle betrat.

Anwesend waren der Vater, seine Mutter Emnilda, der junge Kaiser und Gaudentius, der Halbbruder des Märtyrers Adalbert. Debattierend standen sie beieinander. Langsam trat er näher, aber sie schienen ihn nicht wahrzunehmen. Es war der Kaiser, der ihn zuerst bemerkte.

»Du musst Mieszko Lambert sein, der künftige Herrscher Polens. Sei mir gegrüßt, junger Piast.«

Er sprach ihn mit seinem vollen Namen an, was sonst kaum jemand tat. Mieszko stand wie vom Donner gerührt. Zum ersten Mal hatte er die Gelegenheit, dem Kaiser von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen. Otto war schlank und großgewachsen, sein Gesicht bartlos, das Haar unter dem Diadem so schwarz wie das Gefieder eines Raben. Auf seinem blauen Mantel waren goldgestickte Sterne zu sehen. Er war ein Kaiser wie aus einem Märchen.

»Niederknien, Dummkopf«, hörte Mieszko seinen Vater flüstern.

Eine Ohrfeige hätte ihn nicht unsanfter aus seiner Starre reißen können. Hastig ging er auf die Knie und senkte den Kopf.

»Schon gut, junger Freund, erhebe dich!«

Als Mieszko wieder aufrecht stand, hatte sich ihm der Kaiser bis auf Armeslänge genähert, was seine Aufregung nicht eben schmälerte.

»Mein … mein Kaiser«, stammelte er.

Gaudentius ergriff das Wort. »Nun, dein Kaiser und der Herzog haben dir etwas mitzuteilen«, sagte er bedeutungsschwer.

Mieszko sah seinen Vater an, doch dessen Miene blieb unbewegt. Mutter aber nickte ihm wohlwollend zu.

Der Kaiser legte eine Hand auf Mieszkos Schulter. Sein Griff war sanft und warm, seine Augen wirkten verträumt.

»Deine Eltern und ich«, verkündete er, »haben darüber nachgedacht, was unsere Völker noch tiefer vereinen könnte; und wir sind zu einer Entscheidung gelangt, junger Mieszko Lambert. Eine kluge Entscheidung, daran besteht kein Zweifel. Eine logische Entscheidung.«

Das mochte ja sein, aber was hatte das mit ihm zu tun? Vater hatte ihm nie auch nur ein Sterbenswörtchen über seine Absichten verraten. Sollte sich das mit der Anwesenheit des Kaisers geändert haben?

»Du sollst meine Nichte Richeza heiraten. Sie ist die Tochter meiner Schwester Mathilde.«

Mieszko stand der Mund weit offen. »Richeza?«

Der Kaiser lächelte.

»Natürlich nicht heute. Auch nicht morgen. Richeza ist erst sechs Jahre alt. Du wirst dich also noch eine Weile gedulden müssen.«

Er hätte es am liebsten in die Halle geschrien: Ich will sie aber nicht heiraten! Alle Blicke ruhten auf ihm und eine Weile herrschte seltsames Schweigen.

»Hast du dem Kaiser nichts zu erwidern?«, fragte schließlich sein Vater. Den drohenden Unterton in seiner Stimme kannte Mieszko nur zu gut. Er riss sich zusammen.

»Wenn das Euer Wille ist, mein Kaiser.«

Das war offenbar nicht die Antwort, die Vater hatte hören wollen.

»Mein Sohn will sagen, dass er hocherfreut und dankbar ist. Es ist ihm eine unbeschreibliche Ehre, Mitglied der Familie Seiner Majestät zu werden.«

Der junge Kaiser nickte ernst. Wahrscheinlich war ihm nicht entgangen, wie wenig Mieszko die Neuigkeit begeisterte. Wie zum Trost klopfte er ihm auf die Schulter, bevor er Gaudentius einen Wink gab. Der Benediktiner trat vor und schlug das Kreuzzeichen über Mieszko.

»Der Herr segne die Verlobung von Mieszko, Sohn des Herzogs Bolesław, und Richeza, Tochter des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen. Möge die Ehe, die sie führen werden, Gott gefällig sein und mögen die Kinder, die Er ihnen schenken will, vom Geist erfüllt werden.«

Mieszko konnte es kaum glauben: Er war gerade verlobt worden. Mit einem sechsjährigen Mädchen, das er noch nie gesehen hatte und das weit entfernt lebte. Wäre er doch einfach bei den Pferden geblieben.

»Du musst dich bekreuzigen«, hörte er Gaudentius eindringlich flüstern.

Er tat es, was blieb ihm auch anderes übrig? Er fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen.

»Du kannst gehen!«, befahl ihm sein Vater.

Dieser Aufforderung kam Mieszko gerne nach. Ihm war, als würde ihm jeden Moment die schwarze Balkendecke auf den Kopf fallen. Immerhin vergaß er diesmal nicht, sich tief vor dem Kaiser zu verbeugen, bevor er die Halle verließ.

Draußen atmete er tief durch. Wenigstens gab es nun zwei Gewissheiten: Der Kaiser sah ihn als künftigen Herrscher Polens, über Bezprym hatte niemand ein Wort verloren. Außerdem würde ihm eine Laufbahn als Kleriker erspart bleiben, denn selbst sein Vater würde es nicht wagen, die mit dem Kaiser getroffene Vereinbarung zu widerrufen.

Aber was war mit Jadwiga?

Sicher, sie hatte ihm prophezeit, dass am Ende alles genau so kommen würde. Trotzdem musste er unbedingt mit ihr reden. Bald!

Nach der Abreise Ottos des Dritten kehrte allmählich wieder Ruhe in der Stadt und bei Hofe ein. Jadwiga war froh, dass ihre Herrin, Herzogin Emnilda, jetzt endlich die Zeit bekam, sich von den zurückliegenden Anstrengungen vollständig zu erholen. Hinter Emnilda lag eine beschwerliche Zeit: Zuerst die schwierige Geburt des kleinen Otto und das anschließende Kindbettfieber, dann, kaum dass sie wieder auf den Beinen war, der Besuch des Kaisers und die vielen Festlichkeiten, an denen sie teilnehmen musste, und nicht zuletzt die allgemeine Verwirrung, die des Kaisers eigenmächtige Entscheidung, Gnesen zum Erzbistum zu erheben, bei dem von ihr geschätzten Bischof Unger von Posen ausgelöst hatte. Unger sah sein Gebiet verkleinert, da die Bistümer Krakau, Breslau und Kolberg von nun an dem frisch ernannten Gnesener Erzbischof unterstanden. Und dieser hieß Gaudentius. Unger war wütend abgereist und in sein Bistum zurückgekehrt.

Jadwiga waren solche kirchenpolitischen Entscheide einerlei, für ihren persönlichen Alltag hatten sie keinerlei Bedeutung. Täglich besuchte sie mit ihrer Herrin und den anderen Dienerinnen die Frühmesse in der Kathedrale, die Gaudentius zelebrierte. Neuerdings war in einem Schrein vor dem Altar auch die heilige Lanze zu bestaunen, die der Kaiser bei seinem Besuch dem Herzog vermacht hatte. Dass es nur eine Nachbildung war, spielte keine Rolle. Wer die echte Lanze besaß, mit der der römische Hauptmann den Tod Jesu am Kreuz überprüft haben soll, galt als unbesiegbar. In ihrer Spitze war zudem ein Nagel vom Kreuz eingearbeitet. Des Kaisers Großvater gleichen Namens, den man den Großen nannte, hatte vor einem halben Jahrhundert mit Hilfe der Lanze die heidnischen Ungarn vernichtend geschlagen. Jadwiga erinnerte sich an die abfälligen Worte ihres Vaters, den solche Geschichten nicht beeindruckt hatten: »Die alten Götter haben uns wenigstens keine Wunder vorgegaukelt.« Solche Ansichten waren ihm letztlich zum Verhängnis geworden.

Am Dienstag vor dem Osterfest passte Mieszko sie nach dem Messgang in der Vorhalle der Kathedrale ab. Er trat hinter einer Säule hervor und packte sie am Arm.

»Jadzia«, flüsterte er.

Erschrocken blickte sie nach ihrer Herrin, die mit anderen Dienerinnen soeben durch das Tor nach draußen schritt. Sie zerrte ihn hinter die Säule.

»Mieszko, bist du verrückt? Du darfst mich nicht …«

»Ja, ich weiß. Dennoch musste ich dich sehen. Hast du es schon gehört?«

»Was gehört?«

»Das mit meiner Verlobung.«

»Natürlich habe ich davon gehört. Es gibt niemanden bei Hof, der es noch nicht weiß.«

»Aber was wird aus uns?«

Sie seufzte. »Mieszko, wir haben darüber gesprochen. Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.«

»Sie ist erst sechs Jahre alt.«

»Sagt ein zehnjähriger Knabe.«

»Ich bin kein Knabe mehr.«

»Wie du meinst. Immerhin wird noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor du sie heiratest. Sie ist sicher wunderschön. Der Kaiser würde dem Sohn des Herzogs von Polen doch kein hässliches Entlein zur Frau geben.«

»So wunderschön wie du ist sie ganz bestimmt nicht.«

Ob sie wollte oder nicht, das schmeichelte ihr. Sie nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und drückte die Lippen auf seinen Scheitel. »So, und jetzt muss ich gehen, bevor jemand was merkt«, sagte sie.

»Warte!« Wieder hielt er sie fest.

»Mieszko, lass mich! Hast du denn heute keinen Unterricht?«

»Du hast gesagt, dass wir uns ab und zu treffen können.«

»Ich soll das gesagt haben?«

»Das weißt du genau.«

»Vielleicht habe ich das gesagt. Aber hier und jetzt ist es unpassend.«

Sie machte sich los und beeilte sich, ihre Herrin einzuholen. Es wäre besser gewesen, ihn ein für allemal zurückzuweisen, dachte sie bei sich.

Aber das hatte sie nicht fertiggebracht.

3

Gut der Richeza in Klotten an der Mosel, Spätsommer 1047

Liebste Schwester,

sei mir von Herzen gegrüßt. Möge Gottes Segen allzeit über dich kommen.

Gestern erhielt ich deinen Brief mit der Nachricht von dem Missgeschick, das dich heimgesucht hat. Mit jedem Lebensjahr kommen neue Leiden hinzu, die uns plagen, wovon auch ich aus eigener Erfahrung zu erzählen wüsste. Glücklicherweise blieb mir ein gebrochenes Bein bisher erspart, wie es nun dir widerfahren ist. Ich kann nur hoffen und beten, dass die Verletzung rasch ausheilt und dir viele helfende Hände die Zeit der Genesung erleichtern. Weil ich es aber nicht nur mit guten Wünschen aus dem fernen Essen belassen möchte, entsende ich dir heute in schwesterlicher Liebe eine meiner Damen nach Klotten, eine Pflegerin, damit sie dich unterstützt und umsorgt. Sie heißt Adelheid und stammt aus gutem Haus, ihr Vater ist ein rheinischer Graf. In unserer Abtei bewirtschaftet sie die Kräutergärten und versorgt die Kranken, weshalb sie über reiches heilkundliches Wissen verfügt, wie es selbst viele Ärzte nicht vorweisen können. Lass dich nicht von ihrer zierlichen Gestalt und ihrem jungen Alter täuschen, denn sie weiß anzupacken wie keine Zweite. Ich kann dir versichern, dass du bei ihr in den besten Händen bist. Bitte sieh es mir nach, dich nicht zuerst um Erlaubnis gefragt zu haben, aber zu deinem Wohl wollte ich keine Zeit verlieren. Wenn du genesen bist, gib mir Bescheid, dann will ich Männer schicken, die Adelheid zurück nach Essen bringen.

Möge der Herr dich beschützen.

Deine Schwester Theophanu

Richeza ließ das Schreiben auf ihren Schoß sinken. Von ihrem gepolsterten Sessel aus blickte sie der jungen Frau, die vor ihr stand, tief in die blauen Augen. Theophanu hatte ihr ihren eigenen Reisewagen zur Verfügung gestellt, um sie nach Klotten bringen zu lassen.

»Ihr heißt also Adelheid.«

»Ja, Königliche Hoheit.« Das weiß umschleierte Haupt hielt sie in Ehrfurcht gesenkt. Ihre Stimme klang leise, aber klar wie ein Glöckchen.

»Euer Gesicht kommt mir bekannt vor, Adelheid. Sind wir uns schon einmal begegnet?«

»Nein, Königliche Hoheit. Leider noch nicht.«

»Sie ist sehr jung für eine Kanonisse«, sagte Richezas Leibdienerin Gisla, die den Ankömmling argwöhnisch musterte.

Richeza wusste, dass Gisla sie am liebsten umgehend zurück nach Essen geschickt hätte. Sie duldete es nicht gern, wenn jemand anderes als sie selbst die Wünsche ihrer Herrin erfüllte. Schließlich tat sie das schon seit fast fünfzig Jahren.

»Und kräftig wirkt sie auch nicht«, fuhr Gisla fort. »Was sage ich, sie ist schmächtig wie eine Hungerleiderin. Wie kann sie dich vom Stuhl ins Bett oder auf den Abtritt bringen?«

»Oh, das wird mir wohl gelingen«, behauptete Adelheid. »Ich habe eine Menge Übung darin.«

»Meine Schwester hätte sie nicht geschickt, wäre sie dazu außerstande«, fand Richeza. »Und du, Gisla? Mit Verlaub du bist selbst nicht mehr die Jüngste.«

Gisla schwieg dazu. Aus gutem Grund, denn vor einigen Tagen wäre die Herrin um ein Haar gestürzt, als sie ihr aus dem Sessel helfen wollte. Das wollte Richeza ihrer Leibdienerin jedoch nicht zum Vorwurf machen, sie war immerhin schon weit über sechzig und diente ihr schon, solange sie denken konnte. Zwei Hausdiener übernahmen es seitdem, sie mit einem Tragsessel durchs Haus zu tragen.

»Wann ist das passiert, Königliche Hoheit?«, fragte Adelheid. Ihr fachkundiger Blick begutachtete das hochgelagerte Bein.

»Sprecht nur, wenn Ihr gefragt werdet«, herrschte Gisla sie an.

»Schon gut, meine Liebe«, sagte Richeza besänftigend. »Wenn sie mich pflegen soll, muss sie auch Fragen stellen dürfen.«

»Dann hast du es also schon entschieden?«, fragte Gisla schmallippig.

»Vor gut einer Woche bin ich die Treppe hinabgestürzt«, kam Richeza auf Adelheids Frage zurück. »Es ist das Schienbein, das gebrochen ist.«

»War es ein unvorsichtiger Tritt oder fehlendes Gefühl in Euren Beinen?«, forschte Adelheid weiter.

Gisla rollte mit den Augen. »Was tut das zur Sache? Das Bein ist gebrochen. - Schon gut, ich schweige«, fügte sie hinzu, bevor sie sich erneut königlichen Widerspruch anhören musste.

»Es war ein unvorsichtiger Tritt. Es war dunkel und ich habe einfach nicht aufgepasst.«

»Gibt es eine offene Wunde?«

»Glücklicherweise nicht.«

»Das ist gut. Darf ich mir das Bein ansehen, Königliche Hoheit?«

»Das müsst Ihr wohl.«

»Als wäre nie ein Medicus hier gewesen«, murmelte Gisla.

Adelheid beugte sich über das Bein, um es genauer in Augenschein zu nehmen. Mit zwei geschliffenen Hölzern und einer Bandage war der Unterschenkel bis zum Knie geschient worden.

»Wie sehr schmerzt es Euch in diesem Augenblick?«

»Nun, ich will es nicht beschönigen, es schmerzt durchaus heftig. Dabei hatte ich gehofft, dass es nach einer Woche besser sein würde.«

»Das Holz drückt auf den Bruch, deshalb lässt der Schmerz nicht nach.«

»Ich selbst habe die Bandage heute Morgen erneuert«, protestierte Gisla und Adelheid war klug genug, sie nicht bloßzustellen.

»Die Schienung muss verrutscht sein. Ich werde alles erneuern, wenn Ihr gestattet, Königliche Hoheit.«

»Nur zu.«

Adelheid kniete nieder und machte sich ans Werk. Richeza staunte, mit welcher Umsicht und Sanftheit sie arbeitete. Sie wusste genau, wie das Bein anzuheben und zu bewegen war, ohne ihr weitere Schmerzen zu verursachen.

»Verspürt Ihr Besserung?«, fragte Adelheid, nachdem es getan war.

»In der Tat. Meine Schwester hat recht. Ihr seid sehr begabt.«

»Gut gemacht«, lobte auch Gisla. Das kam ihr nicht leicht über die Lippen.

»Gisla wird Euch ein Quartier zuweisen, Adelheid. Eure Reise war sicher anstrengend, und es soll Euch an nichts mangeln. Später werdet Ihr mit mir und meiner Leibdienerin das Abendmahl einnehmen.«

Adelheid verneigte sich. »Habt Dank, Königliche Hoheit.«

»Nun, dann folgt mir, wertes Stiftsfräulein. Was Ihr in der Abtei habt, sollt Ihr im Haus einer Königin erst recht nicht entbehren.«

Richeza schmunzelte. Mit ihrer unaufgeregten Art war es Adelheid gelungen, Gisla zumindest ein Stück weit für sich einzunehmen. Das gelang weiß Gott nicht jedem. Die junge Kanonisse gab sich demütig und bescheiden, zugleich schien sie außergewöhnlich klug und selbstbewusst zu sein. Theophanu und die Essener Stiftsdamen würden ihre Dienste sicher vermissen.

Auch Adelheids Tischmanieren beeindruckten Richeza. Sie aß schweigend und in Maßen, wünschte Wasser statt Wein und schenkte der Küchenmagd, die das Essen auftrug, ein freundliches Lächeln. Am Hof zu Gnesen hätte man sie eine fromme Asketin genannt oder verspottet.

Nach dem Mahl eröffnete Richeza die Unterhaltung.

»Ich hoffe, das Essen war nach Eurem Geschmack, Adelheid.«

»Danke, es war vorzüglich, Königliche Hoheit.«

»Viel gegessen habt Ihr aber nicht«, stellte Gisla klar. »Kein Wunder, dass Ihr so dürr seid.«

»Erzählt uns etwas von Euch, Adelheid«, ermunterte Richeza die junge Kanonisse.

»Ja, erzählt. Was hat Euch in das Essener Damenstift geführt? War es Berufung? Oder war es der Wille Eures Vaters?«

»Vergebt meiner Kammerdienerin ihre Direktheit«, sagte Richeza. »Ich habe schon vor langer Zeit aufgegeben, ihr das auszutreiben. Ihr müsst darauf nicht antworten.«

»Ich will es dennoch tun. Berufung? Nun, das wäre übertrieben. Der Wille meines Vaters? Das Gegenteil ist der Fall. Mein Vater wollte mich verheiraten. Da habe ich das Stift vorgezogen.«

Gisla verschluckte sich fast an ihrem Wein. »Um Himmels willen. Sah Euer Bräutigam so schrecklich aus?«

»Nein, so war es nicht. Dennoch zog ich das Stift vor. Wenn man nicht den Kaiser selbst zum Oheim hat, scheint dies leichter möglich zu sein.«

Richeza war überrascht von dieser direkten Anspielung aus dem Mund der bis dahin eher zurückhaltenden jungen Frau. Einer Fremden standen solche Bemerkungen gegenüber einer Königin – denn noch immer trug sie diesen Titel – nicht zu. Es wäre angebracht gewesen, sie zurechtzuweisen. Für gewöhnlich übernahm das Gisla.

»Na, na«, sagte diese dann auch pflichtbewusst, doch ohne die sonst übliche Schärfe. »Ihr redet mit einer Königin.«

»Vergebt mir.« Adelheid senkte beschämt den Kopf. »Ich wollte nicht unhöflich sein.«

»Aber Eure Worte sind wahr«, beschied ihr Richeza. »Als in Gnesen meine Vermählung mit Mieszko beschlossen wurde, hätte niemand gewagt, dagegen Einspruch zu erheben.«

»Ihr wart nicht einmal zehn Jahre alt.«

»Sie war sechs, Kindchen«, erklärte Gisla. »Sie war sechs und tausend Meilen weit weg.«

»Euer Oheim, der Kaiser, hatte einen weiten Weg auf sich genommen, um Euch zu verheiraten.«

Richeza lachte. »Aber nicht doch, meine Liebe, so viel Ehre käme mir nicht zu. Er reiste nicht meinetwegen zu Herzog Bolesław. Kaiser Otto befand sich auf dem Rückweg aus Rom. Ihr wisst, es lag ihm am Herzen, das Reich der Römer zu erneuern, ein Heiliges Imperium zu erschaffen und alle christlichen Herrscher unter einer Krone zu vereinen. Herzog Bolesław war meinem Oheim ein eifriger Vasall im Kampf gegen das slawische Heidentum. Der Heilige Adalbert, von heidnischen Pruzzen ermordet, war ein persönlicher Freund meines Oheims gewesen. Sein gewaltsamer Tod hatte seinerzeit große Bestürzung ausgelöst. In Gnesen hatte Herzog Bolesław ein prächtiges Grab für den Märtyrer errichten lassen, nachdem er seinen Leichnam für Gold hatte auslösen müssen. In erster Linie war es eine Pilgerreise des Kaisers, zumindest offiziell, aber darüber hinaus hatten er und der Herzog vieles zu besprechen. Sie empfingen meinen Oheim mit großen Ehren und viel Pomp, kostbare Geschenke und Reliquien von unermesslichem Wert wurden ausgetauscht, und er erhob Gnesen wurde zum Erzbistum erhoben. Mit dieser Entscheidung, die ihm eigenmächtig nicht zugestanden hätte, machte sich Kaiser Otto nicht nur Freunde. Mieszkos Verlobung mit mir beschlossen sie nur am Rande, vielleicht aus einer spontanen Idee heraus. Jedenfalls lag der Gedanke einer dynastischen Verbindung zwischen Ottonen und Piasten nahe, wenn die beiden Herrscher ihre Ziele verwirklicht sehen wollten. Indem mein Oheim meinem künftigen Schwiegervater symbolisch das kaiserliche Diadem aufsetzte, sah dieser sich wohl fast am Ziel, eines nicht allzu fernen Tages die Königskrone zu empfangen. In Gnesen wurden viele Saaten gesät.«

»Und weiß Gott, nicht jede Saat ging auf«, verkündete Gisla grimmig.

Die junge Kanonisse hatte Richeza aufmerksam zugehört.

»Erinnert Ihr Euch noch, Königliche Hoheit, wie Ihr später von der Vereinbarung des Ehebündnisses erfahren habt?«

»Ob ich mich erinnere? Aber gewiss, meine Liebe. Zwar war ich noch ein Kind, doch wie könnte ich diesen Tag vergessen? Mein Oheim, der Kaiser, teilte es mir persönlich mit, als er wenige Wochen später, inzwischen begleitet von meinem künftigen Schwiegervater, nach Aachen kam.«

»Man nannte den Herzog schon damals Chrobry