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Der Schwerpunkt dieses Buches liegt darin, wie Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter in der Pflege, oder für die, die gerade eine Ausbildung in der Pflege abgeschlossen haben, besser miteinander umgehen. Für ein besseres Miteinander zwischen Kolleginnen/Kollegen! Einblicke in meine Erfahrung erläutern zuerst in bestimmten pflegerischen Kapiteln, wie ich Tools in der Pflege sehe, und diese nicht nur bei zu pflegenden Personen angewandt habe, sondern sie lassen sich auch bei Ihren Kolleginnen/Kollegen anwenden. Diese Erfahrung möchte ich mit Ihnen teilen.
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Ein Buch für und über Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter in der Pflege. Schwerpunkt liegt darin, wie Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter in der Pflege, oder für die, die gerade eine Ausbildung in der Pflege abgeschlossen haben, besser miteinander umgehen. Für ein besseres Miteinander, zwischen Kolleginnen/Kollegen! Einblicke, meiner Erfahrung erläutern zuerst in bestimmten pflegerischen Kapiteln, wie ich Tools in der Pflege sehe, und diese nicht nur bei zu pflegenden Personen angewandt habe sondern, sie lassen sich auch bei Ihren Kolleginnen/Kollegen, anwenden. Diese Erfahrung möchte ich mit Ihnen teilen.
Vorwort
Der erste Schritt
Das „Vor Einem“
Zu Pflegende heute
Die Pflegeorientierte Verschrenkungstheorie
Zwei Schwestern
Selbstbestimmtheit
Kolleginnen und Kollegen
Nette Kolleginnen/Kollegen
Autoritär sein
Empathie
Ehrlichkeit und Haltung
Infantilisieren und Respekt
Verlängerte 4 Minuten
Demente denken anders
Ankern
Meine persönliche Note
Begegnungen
Intuition weist uns den Weg
Erneuerung in der Pflege
Fehler durch Hektik
Der Abschied
Fazit
Danksagung
Fachbegriffserklärung
Autor
Die folgenden Themen sind Ausschnitte aus meinem beruflichen Lebensweg in der Pflege, die Sie sicherlich kennen, jedoch nur aus dem Lehrplan! In der Praxis findet man einen persönlichen Weg um diese heraus zu filtern und anzuwenden. Viel Spaß beim Erkennen dieser Pflegewerkzeuge, denn ohne diese kann man nicht arbeiten.
Tür auf und raus aus dem Gebäude, in dem Sie Ihre Pflegeausbildung absolviert haben. Stolz halten sie ihr Zeugnis in der Hand und gehen voller Erleichterung zu Ihrem Fahrzeug oder begeben sich auf den Weg nach Hause. In dieser Zeit geht einem all der Stress, all die Mühen, die es abverlangte, um an das ersehnte Ziel zu kommen, durch den Kopf. All die Prüfungen, das Lernen…endlich ist erst mal Schluss damit. Ja, dem ist nur teilweise zuzustimmen.
Vorerst mal Pause machen, sich einen wohlverdienten Urlaub
gönnen. Das trifft zu!
Schließlich hat man sich diese Auszeit redlich verdient. Doch mit dem Lernen wird es in der Pflege nie ein Ende nehmen.
Sollte es auch nicht. Man wird ständig gefordert, an jedem einzelnen Tag kommt neues Wissen hinzu, manchmal ohne es zu merken. Dinge, die während des Tages unwichtig erscheinen, werden im Unterbewusstsein abgespeichert. Dies wird einem erst bewusst, wenn sich zum Beispiel einige Tage später Pflegehandlungen wieder spiegeln. Der sogenannte „Aha-Effekt“ kommt hier zum Vorschein. Wenn Sie aufmerksam genug sind, merken Sie sich dieses Erlebnis und wachsen dadurch. Nicht nur kognitiv sondern ihre Pflegehandlungen werden damit von Tag zu Tag strukturierter und präziser.
Aber wie geht es nun weiter…?
Nach der Auszeit sollten Sie in einem Bereich arbeiten, der Sie interessiert, fordert und vor allem auch Spaß macht!
Im Prinzip ist es egal, wo Sie anfangen zu arbeiten.
Hauptsache Sie sammeln Erfahrung.
Eindrücke, der Arbeitsplatz, Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte, die Leitung des Hauses und schließlich der Träger umfassen Ihre Arbeitswelt, in der Sie sich jeden Tag bewegen. Doch Sie dürfen niemals vergessen, wer in Ihrem Beruf im Mittelpunkt steht…! Es sind die
Patientinnen und Patienten
Bewohnerinnen und Bewohner
Klientinnen und Klienten
In weiterer Folge als "illi curandum" benannt.
Diese Menschen bedürfen Ihrer vollen Aufmerksamkeit und Hingabe. Sie sind der Fokus Ihres Berufes. All das Gelernte, all Ihre Emotionen und Ihre Intuition sollten jeden Tag in diese Gruppe einfließen. Ich weiß, Störfaktoren behindern dies oft.
Einige Kolleginnen/Kollegen behaupten, dass wir Tätigkeiten nicht unbedingt durchführen brauchen, da sie nicht in unseren Arbeitsbereich fallen, wie zum Beispiel…
die Mülleimer ausleeren, Betten neu überziehen, wenn es dafür genug Personal gibt, den Boden reinigen, bei der Geschirrgebarung mithelfen. Sicher könnte man diese Arbeiten ignorieren und auf die dafür vorgesehenen Interdisziplinären Gruppen abwälzen.
Doch es liegt an Ihnen, ob sie den Begriff „miteinander Arbeiten“ verinnerlichen wollen oder strikt in ihrem Arbeitsbereich verharren wollen. Natürlich dürfen Sie ihre Haupttätigkeit, für die sie ausgebildet wurden, nicht vernachlässigen.
Diese steht immer im Vordergrund!
Aber…Denken Sie darüber nach, für wen Sie eigentlich arbeiten?
Egal ob Sie im Krankenhaus, in einem Altenpflegeheim, in der Hauskrankenpflege, im sozialen Bereich tätig sein werden oder tätig sind, Sie arbeiten immer nur für die Gruppe von Menschen, die ich vorher erwähnt habe. Diese müssen im Mittelpunkt ihres Daseins, am Arbeitsplatz, fokussiert werden.
Ich sehe es so! Es liegt an Ihrem persönlichen Charakter, ob Sie nicht nur geradeaus schauen, sondern auch hin und wieder einmal nach rechts oder links einen Blick werfen wollen. Dieser Gedanke trifft in vielen Situationen zu. Mal hinter die Kulissen einer zu Pflegenden Person schauen. Warum verhält sie sich so? Was steckt dahinter?
Erst wenn Sie die Historie der im Mittelpunkt stehenden Person kennen, werden Sie das wahre Ich der "illi curandum" und im sozialen Bereich der Klientin/ des Klienten, verstehen.
Erwin Böhm hielt vor einigen Jahren einen Vortrag, an dem ich teilnahm. Er gab zu verstehen, dass man all die Fakten, all das Gelernte für einen kurzen Moment vergessen darf.
„Sehen Sie nur das, was Sie da vor sich im Rollstuhl sitzen haben, schauen, hören, riechen Sie. Sammeln Sie so viele Eindrücke wie möglich. Erst dann handeln oder entscheiden Sie, wie sie bei dieser Person agieren, oder wenn Handlungsbedarf nötig ist, vorgehen. Das Wichtigste dabei ist, seien Sie voll und ganz für diese Person da!“
Ich weiß, das widerspricht dem vorherigen Absatz, doch Erwin Böhm weiß genau, wovon er spricht. Schließlich ist diese Legende sein ganzes Leben in der Pflege tätig gewesen.
In Rente schrieb er Fachbücher und hielt Vorträge, die man sich unbedingt einmal online anhören sollte.
Erwin Böhm
Erfassen Sie alles von der zu pflegenden Person…
welche Bewegungen fallen Ihnen auf?
Wie reagiert sie auf ihre
a
Initialberührung?
wendet sie sich a von Ihnen ab?
ist die
1
Adabtionszeit verzögert?
ist eine
2
Apraxie oder
3
Agnosie erkennbar?
sind Schmerzen ersichtlich > verzerrtes Gesicht, zuckt die Person bei Bewegung/Berührung zusammen, heben sich die Schultern, ständige Microbewegungen (Unruhe)
wurde eine
4
Polyneuropatie diagnostiziert?
ist die Person müde, schwach?
wie ist die
5
Vigilanz -> wirkt die Person munter oder schläfrig?
ist sie kränklich, blass, rot im Gesicht?
zyanotisch > sind die Lippen blau angelaufen, transpiriert die Person?
Temperatur > sind die
6
Akren kalt/warm?
wie ist die Atmung?,
Geräusche > wurde eine
b
7
Gelenksathrose diagnostiziert, Stöhnen, Schreie!
Kommunikation (Sprache) > undeutlich, unterbrochen, verwaschen, liegt eine
8
Aphasie vor? Gibt sie Antwort, verneint sie oder nickt sie mit dem Kopf? Schließt sie die Augen langsam und öffnet diese wieder(Ja/Nein)?
Wie ist die Compliance? Ist sie/er desorientiert? Schlägt sie/er mit den Armen herum oder auf Sie ein? Bekommen Sie Tritte zu spüren? Werden Sie weggestoßen oder greift sie/er nach Ihnen und lächelt dabei?
a /1/2/3/4/5/6 > S→
b /7/8 > S→
Die/Der "illi curandum" ist nicht mehr zufrieden mit einem Bett in einem Zimmer und dass ab und zu jemand vorbei schaut, um nach dem Rechten zu sehen. Nein, die/der zu Pflegende will mehr!
Sie/Er möchte, dass Sie jederzeit für sie/ihn da sind. Egal um welche Uhrzeit! Und sie/er besteht auf eine vorzügliche Mahlzeit. Abgesehen vom Trinkangebot. Alle Getränke müssen verfügbar sein! Die/der heutige zu Pflegende will Wein/Bier trinken! Ist doch selbstverständlich! Solange es die Medikamente nicht beeinflusst, kann die/der zu Pflegende alles bekommen, was sie/er will, soweit Sie es mit dem Arzt abgeklärt haben und Sie ihren/seinen Segen dafür schriftlich bekommen haben, ist dem nichts entgegen zu setzen. Natürlich muss im ganzen Haus WLAN verfügbar sein! In jedem Zimmer muss ein Flachbildschirm integriert sein. Internet TV, versteht sich von selbst. Besuchszeiten? Gibt es für anspruchsvolle "illi curandum" schon lange nicht mehr. Angehörige/Freunde/Bekannte dürfen selbstverständlich jederzeit einmal vorbei schauen, um deren Liebste(n) Hallo zu sagen. Also, seien Sie nicht so kleinlich und verweigern Sie ja nicht deren Wünsche! Sie müssen Ihnen alles bieten! Jeder Wunsch, muss erfüllt werden! Diskussionen > zwecklos! Alles was sich umsetzen lässt, wird/muss erfüllt werden!
Denn, sollten Sie auf deren Wünsche nicht eingehen, folgen Beschwerden. Bei Ihren Vorgesetzten oder der Leitung des Hauses, ist doch klar! Also Diskussionen über fordernde Wünsche sind zwecklos! Tun Sie es einfach!
Versuchen Sie diese Erwartungen umzusetzen! Jeglicher Widerstand bereitet Ihnen nur unnötiges Kopfzerbrechen. Sie werden es in der Praxis kennenlernen. Letztendlich wird die/der zu Pflegende gewinnen. Angehörige werden an Sie heran treten, um das Verweigern der Wünsche anzuzweifeln. Diese werden um einen Grund bitten, warum es nicht möglich ist, auf die Wünsche ihrer Leidenden einzugehen? Langwierige Erklärungen werden Sie plagen. Letztendlich wird die/der "illi curandum" gewinnen. Besser, Sie finden gleich eine Lösung, dann ersparen Sie sich das langwierige Hin und Her. Die/der heutige zu Pflegende ist fast genau so wie ein(e) Kundin(e) in der Hauskrankenpflege. Die/der Kundin(e) ist König(in). Vergessen sie das nicht! Grenzen setzen ist gut, jedoch werden Sie durch Erfahrung erkennen, dass der Widerstand, sinnlos ist! Es wird Ihren Arbeitsalltag wesentlich vereinfachen, wenn Sie die Wünsche der zu Pflegenden respektieren. Sie müssen ja nicht vor den zu Pflegenden am Boden herumkriechen und deren Füße küssen. Das verlangt ja keiner! Dienen müssen Sie auch nicht! Doch versetzen Sie sich in deren Lage. Sie…würden genau so handeln. Wenn die Wünsche nicht aus der Welt gegriffen sind, sich geplant umsetzen lassen, warum geben Sie dann nicht gleich einfach nach und erfüllen diese?
Die/der zu Pflegende will ihr/sein Leid durch ein bisschen Luxus mildern. Wenn ein TV Gerät oder ein Internet-Zugang gewünscht wird, erschwert dies das Erfüllen vielleicht ein wenig.
Jedoch ein Butterbrot um ein Uhr in der Früh zu zubereiten, dies zu verweigern, ist lächerlich! Habe ich bei Kolleginnen erlebt. Einfache Wünsche nur aus Autoritätsgründen abzuschlagen, halte ich für Gewalt in der Pflege.
Es kommt dann zu Aussagen wie: „ Wenn man den zu Pflegenden den kleinen Finger reicht, wollen sie die ganze Hand!“ Sollten Wünsche aus irgendeinem Grund nicht zu erfüllen sein, muss man es einfach nur realistisch erklären. Dabei echt und ehrlich bleiben. Dann wird Sie jede(r) ernst nehmen.
Meines Erachtens gibt es vier Säulen um mit einer Person, gemeinsam an ein Ziel zu gelangen:
Sympathie
Motorik
Compliance
Sie werden sich fragen; „Wo ist die vierte Säule?“
Über die vierte, die wichtigste Säule möchte ich Ihnen später berichten, nachdem ich näher auf die bereits erwähnten Werkzeuge eingegangen bin.
Das Wort, „Sympathie“ gefällt mir überhaupt nicht! Denn wenn Sie in der Pflege an eine Person herantreten und sich darüber Gedanken machen, ob Ihnen ein(e) "illi curandum" sympathisch ist, haben Sie schon verloren. Sie müssen all ihr Wissen in diese zu pflegende Person einfließen lassen. Egal welches Krankheitsbild Ihnen entgegen tritt und welche Herkunft, Kultur, Hautfarbe diese Person vorweist.
Sie sollten völlig neutral, ohne Vorurteile arbeiten!
Mit der „Motorik“ meine ich das Tun. Welche Handlungen werden bei dieser Person unternommen? Wie interagiert die zu pflegende Person mit Ihnen? Ist es ein Zusammenarbeiten, oder richtet sich die Handlung nur von Ihnen ausgehend in eine Richtung, oder umgekehrt? Wenn Sie gut sind, spüren Sie, ob die Pflegehandlung harmonischer Natur ist oder nicht.
Denken Sie daran, es sollten beide einen Nutzen davon tragen! Ist dies der Fall, dann spricht man von „Compliance“.
Doch bis die Compliance erst einmal zustande kommt, bedarf es der vierten Säule! Das „Vertrauen“.
Wenn sich die/der zu Pflegende nicht in Ihre pflegenden Hände fallen lassen kann, wird die Compliance niemals zustande kommen. Erst wenn Sie das Vertrauen einer Person gewonnen haben, wird Sie Ihnen Ihr fachliches Wissen abkaufen. Sie will dann genau das tun, was Sie für richtig halten. Sie wird ihren Anweisungen folgen und mit Ihnen zusammen, die von Ihnen angeordneten Pflegehandlungen durchführen.
Vertrauen verbindet! Ist die/der zu Pflegende Ihnen gegenüber misstrauisch, weil Sie zu grob zupacken, zu laut sprechen, oder sogar schreien, dann resigniert die/der zu Pflegende und lässt die Pflegehandlung nicht zu. Folglich können Sie nicht mehr mit dieser Person weiter arbeiten, oder nur schwer. Die Kommunikation friert ein. Sie werden merken, dass die/der zu Pflegende sich von Ihnen abwendet, sich zurück zieht. Die Compliance wird nicht mehr funktionieren. Ein Geben und Nehmen steuert nicht mehr auf ein gemeinsames Ziel zu. Oft ist das der Fall bei Pflegepersonen, die zu lange in dem Job arbeiten. Sie werden berufsblind! Die/der "illi curandum" wird nicht mehr ernst genommen. Es zählt nur noch, dass der tägliche Pflegeplan durchgeführt wird. Und zwar die Pflegehandlung selbst, die durchgeführt werden muss, um jeden Preis! Egal, ob die zu pflegende Person will oder nicht! Um, das Vertrauen einer Person zu gewinnen, gehört natürlich die Sympathie, die von Ihnen ausgeht, dazu. Strahlen Sie diese einmal aus, werden Ihnen alle aus der Hand „fressen“!
Deswegen sollten Sie ein freundliches Lächeln ausstrahlen, sanfte Berührungen bei Ihrer Arbeit anwenden und Ihre Sprechweise immer berücksichtigen/anpassen.
Sie werden sehen, das „Feedback“ wird enorm sein!
Erst diese Woche hatte ich diesbezüglich ein Erlebnis mit einer Bewohnerin, das mich selbst verblüffte.
Sie ist erst vor wenigen Tagen im Pflegeheim eingezogen. Man konnte ihr ansehen, dass sie sich sehr schwer tat, ihren letzten Lebensabschnitt hier zu verbringen. cAdipositas ist ihr Handikap und sie leidet an 9Linksherzinsuffizienz. Ihre Unterschenkel bis zu den Zehenspitzen sind 10ödematös. Schon nach leichter Anstrengung ist sie kurzatmig. Deshalb hat sie ein Sauerstoffgerät in ihrem Zimmer gleich hinter ihrem Bett platziert. Dass sie eigentlich immer nach der Abendpflege, beim zu Bett bringen, nicht missen möchte. Gestern sollte eine Kollegin die Abendpflege bei ihr übernehmen, da ich bei einem 11Wachkoma-Bewohner mit der Pflege beschäftigt war. Plötzlich rannte eine Kollegin in das Zimmer des Wachkoma-Bewohners. Ich war fast fertig mit der Positionierung des Bewohners, als sie mich schmunzelnd darum bat, ich solle sofort, nachdem ich hier fertig bin, zu der neuen Bewohnerin kommen, da sie sich von niemandem anderen anfassen lässt, außer von mir.
In der Pflege versteht man solche Wünsche der zu Pflegenden, weil es legitim ist. Nach längerer Zeit der Pflege fühlen sich zu Pflegende bei gewissen Pflegepersonen wohl.
Bei manchen lassen sie die Pflege zu, bei manchen nicht. Diese Erfahrung kenne ich eigentlich nur beim Duschen.
Es gibt weibliche Patientinnen/Bewohnerinnen/Kundinnen, die das Duschen von Pflegern ablehnen. Ist auch okay!
Ein letzter Kontrollblick zu dem Wachkomma-Bewohner. Sein Oberkörper dreißig Grad hoch positioniert, der Wasserbeutel am Ständer läuft, und der Katheter-Schlauch ist frei von jeglichen Abknickungen. Bevor ich diesen „Check“ nicht vollzogen habe, verlasse ich so ein Bewohnerzimmer nicht! Ich ließ die Tür einen Spalt offen und ging mit schnellen Schritten zu dieser Bewohnerin.
Sie saß im Rollstuhl beim Tisch in ihrem Zimmer. Schämte sich, weil sie auf die Pflege von anderen angewiesen war und meine Kolleginnen mich holen mussten. Ich tröstete sie und erklärte ihr, dass es keine Umstände gab. Weinerlich erklärte sie mir, warum sie mich holen ließ. Ich fühlte mich geschmeichelt, war jedoch sehr gespannt, warum gerade ich ihr bei der Abendpflege behilflich sein sollte. Mit seufzender Stimme fing sie an, es mir zu erklären.
„Wissen Sie, Sie sind der Einzige, der viel Kraft hat, und dadurch vertraue ich Ihnen. Ich habe so viel Angst zu stürzen, wegen meinen dicken Beinen, und nur Sie geben mir Sicherheit!“
Es war wie Balsam für mich! Denn ich liebe meine Arbeit sehr.
Ich versuche alles zu geben, wo andere Kolleginnen/Kollegen Grenzen setzten, wo es oft nicht notwendig ist.
Ich denke, dass dieses Denken der alten Schule angehört? Natürlich nicht in diesem Fall, aber Sie wissen, was ich meine.
Seien Sie offen für Neues, tun Sie einfach das, was die zu Pflegenden von Ihnen wollen( nicht verlangen!).
Verlangen wäre zu fordernd! Schließlich sind wir keine Dienerinnen/Diener!
Zurück zu der netten Dame. Sie war so froh, dass ich ihr beim Aufstehen aus dem Rollstuhl im Badezimmer half. Ich gab ihr genug Zeit, sich zur Toilette zu drehen und sich hin zu setzen.
Sie wiederholte es mehrmals, dass ich ihr Sicherheit gebe und sie sich auf mich verlassen kann. Ich spürte, wie wichtig es ihr war, das ICH ihr half. Mein Kollege war gestern bei ihr. Doch er war völlig überfordert! Ich habe ihm gesagt, dass die neue Bewohnerin, viel Zeit für ihre Beine beansprucht, die man ihr geben muss. Das dies der Schlüssel für die Compliance bei ihr sei. Er war neidisch… ☺
Das gilt auch, wenn Sie mit ihren Kolleginnen/Kollegen zusammen arbeiten.
Egal welchen Rang diese haben, egal wie autoritär sie sind, es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als den richtigen Schlüssel zu finden um Ihren beruflichen Alltag, so angenehm wie möglich zu gestalten. Schließlich arbeiten Sie alle zusammen! Und wieder muss ich das „Miteinander“ hervorheben. Miteinander, nicht gegeneinander arbeiten! Geduldig sein. Der/dem genug Zeit geben. Nicht drängeln.
Es nützt niemandem etwas, wenn ständig gestritten wird, Zänkereien im Umlauf sind, und letztendlich, die "illi curandum" darunter leiden müssen, nur weil das Team nicht funktionieren will. Gelingt es Ihnen nicht, sich in das Pflegeteam zu integrieren, dann sollten Sie die Station, oder das Haus schleunigst wechseln!