Grundlagen des Kommunalverfassungsrechts in Schleswig-Holstein - Björn Petersen - E-Book

Grundlagen des Kommunalverfassungsrechts in Schleswig-Holstein E-Book

Björn Petersen

4,7

Beschreibung

Die 14. Auflage dieses Grundrisses stellt in knapper und verständlicher Form die einschlägigen Vorschriften des Kommunalverfassungsrechts Schleswig-Holstein dar. Alle seit Erscheinen der Vorauflage erfolgten Rechtsänderungen sind berücksichtigt. Der Leitfaden enthält zahlreiche praktische Beispiele und Schaubilder, welche die Materie in besonderer Weise anschaulich machen. Das Werk wendet sich nicht nur an Lernende an Fach- und Hochschulen, sondern stellt auch für die ehrenamtlich in der Kommunalpolitik Tätigen eine nützliche Hilfe für die tägliche Arbeit dar.

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Grundlagen des Kommunal­verfassungsrechts in Schleswig-Holstein

Grundriss für die Aus- und Fortbildung

Björn PetersenBüroleiter in einer Kommunalverwaltung in Schleswig- Holstein undDozent für Kommunalrecht und Organisationswesen, Kommunalberater

15., überarbeitete Auflage

Deutscher Gemeindeverlag

15. Auflage 2024

Alle Rechte vorbehalten

© Deutscher Gemeindeverlag GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print

ISBN 978-3-555-02322-9

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-555-02323-6

epub: ISBN 978-3-555-02324-3

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Die 14. Auflage dieses Grundrisses stellt in knapper und verständlicher Form die einschlägigen Vorschriften des Kommunalverfassungsrechts Schleswig-Holstein dar. Alle seit Erscheinen der Vorauflage erfolgten Rechtsänderungen sind berücksichtigt. Der Leitfaden enthält zahlreiche praktische Beispiele und Schaubilder, welche die Materie in besonderer Weise anschaulich machen. Das Werk wendet sich nicht nur an Lernende an Fach- und Hochschulen, sondern stellt auch für die ehrenamtlich in der Kommunalpolitik Tätigen eine nützliche Hilfe für die tägliche Arbeit dar.

Björn Petersen ist Büroleiter in einer Kommunalverwaltung in Schleswig-Holstein, Berater und Dozent für Kommunalrecht und Organisationswesen.

Vorwort

Die 15. Auflage dieses Grundrisses will – wie die zwischenzeitlich vergriffenen Vorauflagen – in knapper und möglichst verständlicher Form die einschlägigen Vorschriften des Kommunalverfassungsrechts unter Berücksichtigung der aktuellen Gesetzesänderungen darstellen.

Ziel der Schrift ist es, die für die Praxis wirklich bedeutsamen Vorschriften auch für diejenigen eingängig darzustellen, die mit der teilweise sehr komplizierten Materie nicht täglich zu tun haben. Deshalb wurden auch die Zusammenhänge mit den übergeordneten Vorschriften des Grundgesetzes und der Landesverfassung sowie anderer Rechtsnormen dargestellt.

Die 15. Auflage wendet sich einerseits an ehrenamtliche Kommunal­politikerinnen und Kommunalpolitiker, die sich einen umfassenden Überblick über das Kommunalrecht verschaffen wollen; sie ist in gleicher Weise als Hilfsmittel für Auszubildende und Anwärter der Beamtenlaufbahnen, für Studenten der Verwaltungsfachhochschule sowie für Teilnehmer von Angestelltenlehrgängen an der Verwaltungsakademie, aber auch Quereinsteiger gedacht.

Der Leitfaden enthält eine Reihe praktischer Beispiele und graphischer Darstellungen, die die Materie in besonderer Weise anschaulich machen.

Kiel, im Dezember 2023Björn Petersen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abkürzungsverzeichnis

1.Grundbegriffe des Kommunalrechts

1.1Begriff des Kommunalrechts

1.2Begriff der Gemeinde

2.Rechtsgrundlagen des Kommunalrechts

2.1Bundesrecht

2.2Landesrecht

3.Rechtsnatur und Rechtsstellung der Gemeinden

3.1Rechtsnatur der Gemeinden und Gemeindeverbände

3.2Rechtsstellung der Gemeinden und Gemeindeverbände

3.3Selbstverwaltung als verfassungsrechtliche Grundlage

3.3.1Selbstverwaltung nach dem Grundgesetz

3.3.2Selbstverwaltung nach Art. 54 LVerf

4.Aufgaben der Gemeinden und Kreise

4.1Allzuständigkeit der Gemeinden, subsidiäre Allzuständigkeit der Gemeindeverbände

4.2Selbstverwaltungsaufgaben

4.3Aufgaben zur Erfüllung nach Weisung

4.4Aufgaben als allgemeine untere Landesbehörde

5.Gemeinden

5.1Haupt- und ehrenamtlich verwaltete Gemeinden und Städte

5.2Städte

5.3Zentrale Orte

6.Äußere Zeichen der Gemeindehoheit

6.1Gemeindename

6.2Wappen, Flagge, Siegel

7.Territoriale Grundlage der Gemeinden

7.1Gebiet

7.2Gebietsänderung

8.Personelle Grundlagen der Gemeinden

8.1Einwohner/innen

8.1.1Benutzung von öffentlichen Einrichtungen

8.1.2Unterrichtung der Einwohner/innen

8.1.3Einwohnerversammlung

8.1.4Einwohnerfragestunde

8.1.5Hilfe bei Verwaltungsangelegenheiten

8.1.6Anregungen und Beschwerden

8.1.7Einwohnerantrag

8.1.8Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten

8.1.9Einwohnerzahl

8.2Bürger/innen

8.2.1Bürgerentscheid

8.2.2Bürgerbegehren

8.3Pflichten der Bürger/innen

8.3.1Verpflichtung zur Übernahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit oder eines Ehrenamtes

8.3.2Ausübung der ehrenamtlichen Tätigkeit

8.3.3Verschwiegenheitspflicht

8.3.4Ausschließungsgründe

8.3.5Treuepflicht

8.3.6Vertretung der Gemeinde in Vereinigungen

8.4Entschädigung

8.5Kündigungsschutz

8.6Gewährung der erforderlichen Zeit

9.Innere Gemeindeverfassung

9.1Begriff

9.2Verfassungssysteme

9.3Gemeinde-/Stadtvertretung

9.3.1Rechtliche Stellung

9.3.2Zusammensetzung und Wahl

9.3.3Wahlberechtigung und Wählbarkeit

9.3.4Wahlverfahren

9.3.5Mitglieder der Gemeindevertretung

9.3.6Fraktionen

9.3.7Vorsitzende/r der Gemeindevertretung

9.3.8Sitzungen und Verfahren der Gemeindevertretung

9.3.8.1Einberufung der Gemeindevertretung

9.3.8.2Beschlussfähigkeit

9.3.8.3Beschlussfassung

9.3.8.4Wahlen

9.3.8.5Abberufungen

9.3.8.6Öffentlichkeit von Sitzungen

9.3.8.7Niederschrift

9.3.9Aufgaben der Gemeindevertretung

9.3.10Auflösung der Gemeindevertretung

10.Ausschüsse der Gemeindevertretung

10.1Bildung der Ausschüsse

10.2Zusammensetzung der Ausschüsse

10.3Wahl der Ausschussmitglieder

10.4Ausschussvorsitzende

10.5Verfahren der Ausschüsse

10.6Aufgaben der Ausschüsse

11.Bürgermeister/in

11.1Ehrenamtlich verwaltete Gemeinden und Städte

11.2Hauptamtlich verwaltete Gemeinden und Städte

11.2.1Rechtsstellung, Wahl

11.2.2Wiederwahl

11.2.3Abwahl

11.2.4Stellvertretung d. hauptamtlichen Bgm.

11.2.5Aufgaben

11.3Besonderheiten in Städten

11.3.1Rechtstellung und Wahl von Stadträtinnen und Stadträten

11.3.2Stellvertretung d. Bgm.

11.3.3Abberufung von Stadträtinnen und Stadträten

12.Ortsteile, Beiräte

12.1Ortsteile

12.2Beiräte

13.Kommunaler Organstreit

14.Aufsicht über Gemeinden und Gemeindeverbände

14.1Aufgabe der Staatsaufsicht

14.2Arten der Staatsaufsicht

14.2.1Fachaufsicht, Dienstaufsicht

14.2.2Kommunalaufsicht

14.3Kommunalaufsichtsbehörden

14.4Kommunalaufsichtsbehördliche Mittel

14.4.1Auskunftsrecht

14.4.2Beanstandungsrecht, einstweilige Anordnung

14.4.3Anordnungsrecht

14.4.4Ersatzvornahme

14.4.5Bestellung von Beauftragten

15.Kommunalverbände

15.1Kreise

15.1.1Rechtsnatur

15.1.2Aufgaben

15.1.3Organe

15.1.3.1Kreistag

15.1.3.2Landrätin/Landrat

15.2Ämter

15.2.1Rechtsnatur, Rechtsstellung

15.2.2Bildung und Verwaltung von Ämtern

15.2.3Aufgaben der Ämter

15.2.4Verwaltungsformen und Organe

15.2.4.1Amtsausschuss

15.2.4.2Amtsvorsteher/in

15.2.4.3Amtsdirektor/in

16.Kommunale Zusammenarbeit

16.1Zweckverbände

16.2Öffentlich-rechtliche Vereinbarungen

16.3Verwaltungsgemeinschaften

17.Kommunale Landesverbände

Stichwortverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1Staatsaufbau

Abbildung 2Aufgabenarten

Abbildung 3Organe und Aufsichtsbehörden

Abbildung 4Verwaltungsformen

Abbildung 5Bewohner des Gemeindegebietes

Abbildung 6Bürgerentscheid

Abbildung 7Ausschließungsgründe

Abbildung 8Entschädigungen

Abbildung 9Wahl d. ehrenamtlichen Bgm.

Abbildung 10Einberufung der Gemeindevertretung

Abbildung 11Stimmzettel für geheime Abstimmungen

Abbildung 12Ausschluss der Öffentlichkeit bei Sitzungen

Abbildung 13Zuständigkeiten der Gemeindevertretung

Abbildung 14Übertragung von Entscheidungen

Abbildung 15Ausschüsse der Gemeindevertretung

Abbildung 16Wahlvorschläge für hauptamtliche Bgm.

Abbildung 17Verfahren bei der Wahl hauptamtlicher Bgm.

Abbildung 18Abwahl von hauptamtlichen Bgm.

Abbildung 19Stadtverfassung

Abbildung 20Widerspruch gegen Beschlüsse der Gemeinde­vertretung

Abbildung 21Kommunalaufsicht

Abbildung 22Mittel der Kommunalaufsicht

Abbildung 23Bildung von Ämtern

Abkürzungsverzeichnis

Abs.AbsatzAbschn.AbschnittAmtsbl.Amtsblatt für Schleswig-HolsteinAmtsdirekt.Amtsdirektorin/AmtsdirektorAmtsvorst.Amtsvorsteherin/AmtsvorsteherAOAmtsordnung für Schleswig-HolsteinArbeitgeb.Arbeitgeberin/ArbeitgeberArbeitnehm.Arbeitnehmerin/ArbeitnehmerArt.ArtikelBeamt.Beamtin/BeamterBeamtStGBeamtenstatusgesetzBewerb.Bewerberin/BewerberBGBBürgerliches GesetzbuchBgm.Bürgermeisterin/BürgermeisterBürg.Bürgerin/BürgerBürgervorst.Bürgervorsteherin/BürgervorsteherBVerfGEBundesverfassungsgericht (Entscheidungssammlung)BVerwGBundesverwaltungsgerichtd.die, der, des, dem, denEhrenbeamt.Ehrenbeamtin/EhrenbeamterEinw.Einwohnerin/EinwohnerEntschVOEntschädigungsverordnungFAGFinanzausgleichsgesetzGemeindevertr.Gemeindevertreterin/GemeindevertreterGGGrundgesetz für die Bundesrepublik DeutschlandGKAVOLandesverordnung zur Durchführung der Gemeinde-, der Kreis- und der AmtsordnungGKWGGemeinde- und KreiswahlgesetzGkZGesetz über kommunale ZusammenarbeitGOGemeindeordnung für Schleswig-HolsteinGStGGleichstellungsgesetzGuLbGesetz über die Errichtung allgemeiner unterer Landesbehörden in Schleswig-HolsteinGVOB1.Gesetz- und Verordnungsblatti. d. F.in der Fassungi. V. m.in Verbindung mitJuFöGJugendförderungsgesetzKandid.Kandidatin/KandidatKreispräsid.Kreispräsidentin/KreispräsidentKrOKreisordnung für Schleswig-HolsteinLandr.Landrätin/LandratLBGLandesbeamtengesetzLebenspartn.Lebenspartnerin/LebenspartnerLVBLeitende Verwaltungsbeamtin/Leitender VerwaltungsbeamterLVerfVerfassung des Landes Schleswig-HolsteinLVerfGGLandesverfassungsgerichtsgesetzLVwGLandesverwaltungsgesetz Schleswig-HolsteinMitarbeit.Mitarbeiterin/MitarbeiterOVGOberverwaltungsgerichtProtokollführ.Protokollführerin/ ProtokollführerStadtpräsid.Stadtpräsidentin/StadtpräsidentStadtr.Stadträtin/StadtratStadtvertr.Stadtvertreterin/Stellvertr.Stellvertreterin/Stellvertreteru. a.unter anderemUrt.UrteilVertret.Vertreterin/VertreterVerwaltungsbeamt.Verwaltungsbeamtin/Verwaltungsbeamtervgl.vergleicheVorsitzend.Vorsitzende/VorsitzenderWahlbeamt.Wahlbeamtin/WahlbeamterWähl.Wählerin/Wählerz. B.zum BeispielZiff.Ziffer

Grundlagen des Kommunal­verfassungs­rechts in Schleswig-Holstein

1.Grundbegriffe des Kommunalrechts

1.1Begriff des Kommunalrechts

Das Kommunalrecht umfasst alle Rechtsvorschriften, die Regelungen zur Rechtsstellung der Gemeinden, Kreise und Ämter, ihren Aufgaben, ihrer inneren Verfassung, ihrer Bildung und Auflösung, ihr Verhältnis zum Staat, ihre Beziehung zu ihren Einw. und Bürg. und ihren Aufgaben enthalten. Es handelt sich um Gesetze und Verordnungen auf Landesebene. Das Kommunalrecht gehört zum öffentlichen Recht.

1.2Begriff der Gemeinde

Gemeinden im Sinne des Kommunalrechts sind die politischen Gemeinden, also die Gemeinwesen, die die durch das Zusammenleben der Menschen auf Ortsebene entstehenden Probleme zu lösen haben. Die Gemeinden leiten ihre Hoheitsgewalt als Träger der öffentlichen Verwaltung (§ 2 Abs. 1 LVwG) von den Ländern ab.

2.Rechtsgrundlagen des Kommunalrechts

2.1Bundesrecht

Die Gesetzgebungskompetenz für das Kommunalrecht liegt bei den Ländern (Art. 30 i. V. m. Art. 70 GG). Das GG enthält eine institutionelle Garantie für die Gemeinden, die ihren Bestand als unterste ebene des Staates sichert. Es beinhaltet weiter eine Weisung für die Länder, für eine demokratische Ausgestaltung der kommunalen Selbstverwaltung (Art. 28 GG) zu sorgen. Weitere für die kommunale Selbstverwaltung bedeutsame Regelungen enthält das GG vor allem in Art. 106 Abs. 5 bis 8 (Anteil an der Einkommensteuer, Anteil an der Umsatzsteuer, Realsteuergarantie, Steuerverbund, Ausgleich für Sonderbelastungen).

2.2Landesrecht

Die landesverfassungsrechtliche Garantie für die Gemeinden und Gemeindeverbände enthält Art. 54 LVerf. Diese Norm legt fest, dass die Gemeinden berechtigt und im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit verpflichtet sind, in ihrem Gebiet alle öffentlichen Aufgaben in eigener Verantwortung zu erfüllen. Die eigentliche Ausgestaltung des Kommunalrechts erfolgt durch die Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein (GO), die Kreisordnung für Schleswig-Holstein (KrO) und die Amtsordnung für Schleswig-Holstein (AO). Von besonderer Bedeutung sind ferner das Gesetz über kommunale Zusammenarbeit (GkZ), das Gesetz über die Errichtung allgemeiner unterer Landesbehörden (GuLb), das Gemeinde- und Kreiswahlgesetz (GKWG), das Kommunalprüfungsgesetz (KPG) und das Gesetz über die Zusammenarbeit zwischen Trägern der öffentlichen Verwaltung und Privaten (GZöVP). Daneben gibt es eine Reihe von Verordnungen, die sich auf Ermächtigungsgrundlagen in der GO, der KrO und der AO stützen, so z. B. die Durchführungsverordnung zur GO, zur KrO und zur AO, die Gemeindehaushaltsverordnung, die Entschädigungsverordnung, die Verordnung über die Genehmigungsfreiheit von Rechtsgeschäften der Gemeinden und die Stellenplanverordnung.

3.Rechtsnatur und Rechtsstellung der Gemeinden

3.1Rechtsnatur der Gemeinden und Gemeindeverbände

Die Gemeinden sind nach ihrer Rechtsnatur die untersten Träger öffentlicher Gewalt (Abbildung 1). Sie bilden – unabhängig von der Gesamtheit der Personen, die sie umfassen – einen selbstständigen Rechtsträger. Das gilt sowohl für die Persönlichkeitsrechte (z. B. Gemeindename), als auch für die Vermögensrechte. Es handelt sich um juristische Personen. Da sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen, sind sie juristische Personen des öffentlichen Rechts. Sie sind ferner Träger der öffentlichen Verwaltung nach § 2 LVwG.

Die Gemeinden sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie unterscheiden sich von anderen Körperschaften dadurch, dass sie Gebietshoheit besitzen, d. h., dass jeder, der sich auf ihrem Gebiet aufhält, ihren Herrschaftsrechten unterworfen ist. Es handelt sich um Gebietskörperschaften (§ 1 Abs. 2 GO).

Gemeindeverbände bestehen aus gemeindlichen Körperschaften. Sie besitzen Selbstverwaltungsbefugnisse unter dem Gesichtspunkt der nachrangigen Allzuständigkeit; sie können Aufgaben wahrnehmen, wenn ihnen diese durch Gesetz ausdrücklich zugewiesen werden oder wenn die Gemeinden wegen zu geringer Leistungsfähigkeit und Größe nicht in der Lage sind, die Aufgaben zu erfüllen (§ 2 Abs. 1 KrO; BVerfG, Die Gemeinde 1989, S. 169). Gemeindeverbände sind in Schleswig-Holstein die 11 Kreise, nicht aber die Ämter, Zweckverbände oder sonstige gemeindliche Zusammenschlüsse.

Abb. 1: Staatsaufbau

3.2Rechtsstellung der Gemeinden und Gemeindeverbände

Um am Rechtsleben teilnehmen zu können, müssen die Gemeinden und Kreise über bestimmte Rechtseigenschaften verfügen. Sie besitzen die Rechtsfähigkeit, die Geschäftsfähigkeit, die Parteifä­higkeit, die Prozessfähigkeit und haften für ihre Organe und gesetzlichen Vertr. nach den Vorschriften des BGB (§§ 31, 89 und 278).

3.3Selbstverwaltung als verfassungsrechtliche Grundlage

Selbstverwaltung bedeutet: Verwaltung der eigenen Angelegenheiten in eigener Verantwortung, mit eigenen Organen, auf eigene Kosten und unter Mitwirkung der Bürg. Zu unterscheiden ist die Selbstverwaltung im politischen Sinne von der Selbstverwaltung im juristischen Sinne. Bei der Selbstverwaltung im politischen Sinne steht die Mitwirkung des ehrenamtlichen Elements bei der Willensbildung und Verwaltung im Vordergrund (z. B. Gemeindevertretung, Ausschüsse). Bei der Selbstverwaltung im juristischen Sinne handelt es sich um die eigenverantwortliche Erfüllung von Aufgaben durch eigene Organe unter der Rechtsaufsicht des Staates, wobei die Unabhängigkeit gegenüber dem Staat entscheidend ist. Diese Art der Selbstverwaltung üben auch andere Träger der öffentlichen Verwaltung aus. Für die Gemeinden und Gemeindeverbände gelten beide Begriffselemente.

3.3.1Selbstverwaltung nach dem Grundgesetz

Nach Art. 28 Abs. 2 GG muss den Gemeinden das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft in eigener Verantwortung zu regeln. Die Verfassung schützt damit sowohl die Universalität der kommunal wahrzunehmenden Aufgaben, als auch die Art und Weise der Aufgabenerledigung. Die Kreise als Gemeindeverbände haben nur im Rahmen ihres gesetzlich geregelten Aufgabenbereichs die gleichen Rechte.

Art. 28 Abs. 2 GG ist eine institutionelle Garantie. Die Gemeinden und Gemeindeverbände können sich bei Verletzung des Art. 28 Abs. 2 GG durch den Bundesgesetzgeber an das Bundesverfassungsgericht wenden (Art. 93 Abs. 1 Ziff. 4b GG). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist der Kernbereich oder auch Wesensgehalt der Selbstverwaltung unantastbar (BVerfGE 7, 358; 11, 266; 38, 258). In das Selbstverwaltungsrecht kann, soweit es sich um Randbereiche handelt, durch Gesetz eingegriffen werden. Dabei haben sich die Gesetze auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken (BVerfGE 26, 228; 56, 298).

Art. 28 Abs. 2 GG ist der Auftrag der Verfassung an die Länder, den Gemeinden und Gemeindeverbänden durch Gesetze die kommunale Selbstverwaltung zu gewährleisten. Dabei wird der Grundsatz der Allzuständigkeit hervorgehoben („alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“). Die Aufgaben der Gemeinden müssen in der örtlichen Gemeinschaft wurzeln oder auf sie einen spezifischen Bezug haben (z. B. Theater, Museen, Straßen, Schulen, Kindergärten, Sozialstationen, Versorgungs- und Verkehrsbetriebe). Gleichzeitig will Art. 28 Abs. 2 GG eine Konzentration der Verwaltung bei der Gemeinde erreichen. Die Aufgabenerledigung hat „in eigener Verantwortung“ zu erfolgen, also ohne Weisungen oder Bevormundung durch den Bund oder das Land. Die Gemeinden haben sich aber bei ihrer Aufgabenerledigung rechtskonform zu verhalten.

Schließlich weist Art. 28 Abs. 2 GG den Gemeinden auch eine Rechtsetzungsbefugnis zu („zu regeln“), die ein wesentliches Element der Selbstverwaltung ist.

Abstriche am kommunalen Aufgabenbereich dürfen nur durch Gesetz oder – sofern dafür eine entsprechende Ermächtigungsgrundlage vorhanden ist – durch Verordnung vorgenommen werden. Dabei darf der Wesenskern der kommunalen Selbstverwaltung nicht angetastet werden. Unzulässig ist es, die Selbstverwaltung innerlich so auszuhöhlen, dass die Gemeinden die Möglichkeit zu einer kraftvollen Betätigung verlieren. Auch die Entziehung der Masse der kommunalen Aufgaben sowie die Missachtung typusbestimmender Merkmale, die die kommunale ­Selbstverwaltung prägen (BVerfGE 52, 95), ist verfassungswidrig. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Merkmale:

•  Gebietshoheit

Die Tätigkeit der Gemeinden ist auf ihr Gebiet bezogen. Wer sich auf dem Gemeindegebiet aufhält oder dort Grundbesitz hat oder ein Gewerbe ausübt, ist ihren Herrschaftsrechten unterworfen. Die Gemeinden sind in ihrem Gebiet für alle öffentlichen Aufgaben zuständig (Allzuständigkeit), soweit diese nicht aufgrund gesetzlicher Regelungen von anderen Trägern der öffentlichen Verwaltung wahrgenommen werden.

•  Organisationshoheit

Die nach außen in Erscheinung tretende Organisation (z. B. Festlegung der Organe) ist aus Gründen der Einheitlichkeit weitgehend durch Gesetz geregelt; die Gewährleistung des Kernbereichs der kommunalen Selbstverwaltung verbietet aber Regelungen, die eine eigenständige organisatorische Gestaltungsfähigkeit der Kommunen im Ergebnis ersticken würde (BVerfG, Die Gemeinde 1995, 48). Die Gesetzeslage lässt in zahlreichen Fällen Spielräume für die Gemeinden, so z. B. bei der Bildung von Ausschüssen (§ 45 GO). Die Verantwortlichkeit für die innere Organisation der Gemeindeverwaltung liegt allein bei den Gemeinden (z. B. Aufgaben- und Verwaltungsgliederungspläne, Geschäftsverteilung). Zuständig hierfür ist das verwaltungsleitende Organ unter teilweiser Einbeziehung des jeweiligen Kollegialorgans (§§ 55, 65 GO).

•  Personalhoheit

Die Personalhoheit beinhaltet das Recht, im Rahmen des geltenden Beamten- und Tarifrechts das Personalwesen eigenverantwortlich auszugestalten und zu praktizieren. Hierzu gehören neben der Gestaltung des Stellenplanes z. B. Einstellungen, Beförderungen und Entlassungen.

•  Planungshoheit

Die Planungshoheit berechtigt die Gemeinden, ihr Gebiet durch Bauleitpläne (Flächennutzungsplan, vgl. § 5 BauGB, Bebauungsplan, vgl. § 8 BauGB) und andere Planungen (z. B. Orts- und Schulentwicklungsplanung, Kindergartenplanung, Naturschutzplanung) eigenverantwortlich zu ordnen und zu gestalten.

•  Finanz- und Steuerhoheit

Die Gemeinden sind berechtigt, eigene Einnahmen (z. B. Steuern, Gebühren, Beiträge) zu erheben und diese eigenverantwortlich zu verwenden. Sie verfügen über ein eigenes Etatrecht (BVerfG, NVwZ 1987, 123).

•  Rechtssetzungsbefugnis

Im Bereich der eigenen Angelegenheiten dürfen die Gemeinden eigene Rechtsvorschriften erlassen (Satzungen).

3.3.2Selbstverwaltung nach Art. 54 LVerf

Art. 54 Abs. 1 LVerf bestimmt, dass die Gemeinden berechtigt und im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit verpflichtet sind, in ihrem Gebiet alle öffentlichen Aufgaben zu erfüllen, soweit die Gesetze nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmen. Die Kreise als Gemeindeverbände haben im Rahmen ihrer gesetzlichen Zuständigkeit die gleiche Stellung (vgl. Ziff. 4.1).

Art. 54 Abs. 1 LVerf konkretisiert den Auftrag des Grundgesetzes. Die Vorschrift geht aber insofern über Art. 28 GG hinaus, als sie die Gemeinden nicht nur zur Selbstverwaltung berechtigt, sondern hierzu auch verpflichtet. Diese Verpflichtung findet ihre Grenzen in der Leistungsfähigkeit (Verwaltungs- und Veranstaltungskraft) der Gemeinden. Anders als Art. 28 GG verpflichtet Art. 54 LVerf die Gemeinden nicht nur zur Erledigung der „Aufgaben der örtlichen Gemeinschaft“, sondern zur Wahrnehmung aller in ihrem Gebiet anfallenden „öffentlichen Aufgaben“. Gemeint sind damit auch Aufgaben, die ihren Ursprung beim Bund und beim Land finden (Aufgaben zur Erfüllung nach Weisung). Schließlich verpflichtet die LVerf die Gemeinden, ihre Aufgaben „zu erfüllen“ (GG: „zu regeln“). Zur Aufgabenerfüllung gehört nicht nur die Regelungsbefugnis, also die Willensbildung, sondern auch die Ausführung der Willensbildung.

Wenn auf der Ebene der Gemeinden und Kreise durch die Übertragung neuer Aufgaben Mehrbelastungen entstehen, so muss ihnen dafür nach Art. 57 Abs. 2 LVerf. ein finanzieller Ausgleich gewährt werden (Konnexitätsprinzip). Die Einzelheiten hierzu regelt das Konnexitätsausführungsgesetz vom 27.4.2012 (GVOBl. S. 450).

Bei Verletzung von Art. 54 Abs. 1 und 2 LVerf können Gemeinden und Kreise nach Art. 51 Abs. 2 Nr. 4 LVerf in Verbindung mit § 3 Nr. 4 LVerfGG das seit dem 1. Mai 2008 bestehende Landesverfassungsgericht anrufen.

4.Aufgaben der Gemeinden und Kreise

4.1Allzuständigkeit der Gemeinden, subsidiäre Allzuständigkeit der Gemeindeverbände

Nach Art. 54 LVerf und § 2 Abs. 1 GO sind die Gemeinden berechtigt und im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit verpflichtet, in ihrem Gebiet alle öffentlichen Aufgaben in eigener Verantwortung zu erfüllen, soweit die Gesetze nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmen. Sie haben das Wohl ihrer Einwohner zu fördern. Dabei handeln sie zugleich in Verantwortung für die zukünftigen Generationen (§ 1 GO). Das geschieht dadurch, dass die Gemeinden die dafür notwendigen Einrichtungen und Dienstleistungen planen, errichten und bereitstellen und hierbei deren Bedeutung auch für die langfristige Zukunft berücksichtigen. Die Gemeinden haben ferner Minderheiten (z. B. die dänische Minderheit, die Sinti und Roma und die friesische Volksgruppe) zu schützen.

Die Gemeinden sind für eine Aufgabe zuständig, wenn die Zuständigkeit nicht durch Gesetz einem anderen Träger der öffentlichen Verwaltung (Bund, Land oder sonstige Körperschaften bzw. Anstalten des öffentlichen Rechts, vgl. § 2 LVwG) zugewiesen worden ist (BVerfG, Die Gemeinde 1989, S. 169). Der Gesetzgeber darf den Gemeinden Aufgaben mit relevantem örtlichen Charakter nur aus Gründen des Gemeininteresses, vor allem etwa dann entziehen, wenn anders die ordnungsgemäße Aufgabenerfüllung nicht sicherzustellen wäre und wenn die den Aufgabenentzug tragenden Gründe gegenüber dem verfassungsrechtlichen Aufgabenverteilungsprinzip des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG überwiegen. Dieser Grundsatz gilt auch gegenüber den Kreisen (vgl. § 21 KrO). Gemeindliche Angelegenheiten sind die Bedürfnisse und Interessen, die in der örtlichen Gemeinschaft wurzeln oder auf sie einen spezifischen Bezug haben. Auf die Verwaltungskraft der einzelnen Gemeinden kommt es dabei nach der sogenannten „Rastede Entscheidung“ des BVerfG (BVerfG 79, 127 ff) nicht an. Die Gemeinden haben bei ihrer Aufgabenverteilung zu prüfen, ob die jeweilige Aufgabe nicht auch durch Private erfüllt werden kann. Ist dies der Fall, so haben die Gemeinden den Privaten den Vortritt zu lassen (§ 2 GO).

Ausdrücklich erwähnt die GO, dass die Gemeinden in Verantwortung für die zukünftigen Generationen handeln (§ 1 Abs. 1 GO) und dass sie zur Verwirklichung des Grundrechtes der Gleichberechtigung von Mann und Frau beizutragen haben (§ 2 Abs. 3 GO). Gemeinden mit eigener Verwaltung müssen hierzu Gleichstellungsbeauftragte bestellen. Weitere Einzelheiten regelt das Gleichstellungsgesetz vom 13.12.1994 (GVOBl. S. 562), das auch für den kommunalen Bereich gilt.

Die Kreise verfügen über eine nachrangige Allzuständigkeit. Diese setzt ein, soweit öffentlich Aufgaben von den kreisangehörigen Gemeinden und Ämtern wegen zu geringer Leistungsfähigkeit und Größe nicht erfüllt werden können (§ 2 KrO). Die Kreise haben sich wegen des verfassungsrechtlichen Vorranges der Gemeinden bei Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft Zurückhaltung aufzuerlegen.