Hühnerliebe - Katharina von der Leyen - E-Book
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Hühnerliebe E-Book

Katharina von der Leyen

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Beschreibung

Ein Huhn bleibt selten allein, denn diese zutraulichen, sehr beschäftigten, pflegeleichten und klugen Haustiere erobern immer mehr Herzen und bevölkern mittlerweile sogar urbane Gärten. Das ist nicht verwunderlich, denn Hühner sind genügsam, kostengünstig und sehr unkompliziert und bescheren uns jeden Tag mit einem Ei.  Die liebevolle Hühnermama Katharina von der Leyen zeigt in diesem allumfassenden Praxisratgeber, wie man die geflügelten Freunde wirklich glücklich macht und gesund erhält. Sie teilt ihr umfangreiches Hühnerwissen mit besonderen Methoden wie Rosenblätter in der Einstreu gegen Ungeziefer und Tipps für Hühnerwellness und -entertainment. Mit vielen faszinierenden Hintergrundgeschichten rund um das neue Lieblingstier. - Umfangreiches Hühnerwissen: Alle wichtigen Informationen zu Hühnerhaltung, Hühnerrassen, Hühnerstall, Freilauf und Krankheiten  - Anleitung zum glücklichen Huhn: Lieblingsfutter, Hühnerwellness und -Entertainment - Hintergründe zur Anatomie der Tiere und zum Wunder Ei - Zahlreiche erprobte und leckere Rezepte, um Eier schnell und vielseitig zu verwerten  

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Seitenzahl: 271

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Impressum

© eBook: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

© Printausgabe: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

GU ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, www.gu.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung durch Bild, Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Projektleitung: Fabian Barthel

Lektorat: Sylvie Hinderberger

Bildredaktion: Mat Kovacic, Petra Ender

Covergestaltung: ki36 Editorial Design, München, Bettina Stickel, Petra Schmidt

eBook-Herstellung: Linda Wiederrecht

ISBN 978-3-8338-8302-6

1. Auflage 2022

Bildnachweis

Coverabbildung: Claudia Rahlmeier

Illustrationen: Zita Schlegel; Pola Studio offices; Vera Kapser und Eva Maria Kapser; Matias Kovacic

Fotos: Matias Kovacic; Alamy; stock.adobe.com; Oliver Giel; Bernhard Haselbeck; www.huehnerkraeuter.de; Imago; iStock; Laif/Guardian/Eyevine; Mauritius Images; Claudia Rahlmeier; Seasons Agency; Shutterstock; Tierfotoagentur; Trio Bildarchiv; Katharina von der Leyen

Syndication: www.seasons.agency

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Wichtige Hinweise

Alle Ratschläge und Empfehlungen in diesem Buch wurden sorgfältig recherchiert und in der Praxis erprobt. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autorin noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, eine Haftung übernehmen. Da einige Erreger von Hühnerkrankheiten auch auf den Menschen übertragen werden können, empfiehlt es sich, im Umgang mit den Hühnern strikte Hygiene einzuhalten und nach jedem Kontakt mit den Tieren und nach Arbeiten im Stall die Hände gründlich zu waschen. Bei Verletzungen umgehend den Arzt aufsuchen und ggf. die Tetanus-Impfung auffrischen lassen. Technische Geräte im Stall sollten zu Ihrer Sicherheit ein TÜV-Prüfzeichen besitzen.

Nichts sagt so deutlich. »Alles wichtig, alles meins« wie ein Haushof-patrouillierender Haushahn.

HÜHNERLIEBE!

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Hühner sind das personifizierte Bild des Land-Idylls. Dabei sind sie längst viel mehr als eierlegende bäuerliche Nutztiere (oder eierlegende Eierlegenden): Als zutrauliche, hübsche, sehr beschäftigte, pflegeleichte, kluge und angenehme Haustiere erobern sie inzwischen auch immer mehr urbane Gärten.

Wer sich Hühner in den Garten holt, holt sich die Natur zurück und damit etwas nicht Planbares, aber Geerdetes: Hühner tun uns gut. Im Gegensatz zu vielen anderen Haustieren sind Hühner äußerst genügsam, kostengünstig zu halten und sehr unkompliziert. Sie fordern nur wenig, kommen mit relativ wenig Zuwendung klar und bescheren uns trotzdem jeden Tag das Wunder Ei. Eier von eigenen Hühnern schmecken deutlich besser und sind gesünder, weil wir selbst steuern, was die Tiere zu fressen bekommen. Gleichzeitig können wir unseren Kindern anhand von drei, vier Hühnern ganz beiläufig einiges über Nachhaltigkeit und Verantwortung beibringen.

»Ich wollt,

ich wär ein Huhn.

Ich hätt’ nicht viel zu tun.

Ich legte vormittags ein Ei

und abends wär ich frei.

Mich lockte auf der Welt,

kein Ruhm mehr und kein Geld.

Und fände ich das große Los,

dann fräße ich es bloß.

Ich bräuchte nie mehr ins Büro.

Ich wäre dämlich aber froh.

Ich wollt, ich wär ein Huhn.

Ich hätt nicht viel zu tun.

Ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei.

Peter Kreuder/Hans Fritz Beckmann/Wilbur Pauley

Hühner sind nicht wählerisch, was ihre Unterkunft betrifft, solange sie wetterfest, sauber und sicher vor Feinden wie Fuchs, Marder, Katzen und Raubvögeln ist. Sie sind ideale Resteverwerter und freuen sich über Reste vom Mittagessen ebenso enthusiastisch wie über Salat, abgestandenes Müsli oder Babybrei. Sie sind großartige Düngerlieferanten, können erstaunlich anhänglich sein und entschleunigen besser als Yoga, weil sie so überhaupt nichts von uns erwarten. Und wenn man sich erst einmal die Zeit nimmt, ihnen genauer zuzusehen, wird man feststellen, dass sie, anders als die anonymen Hühner, die man vielleicht irgendwann mal in der Kindheit oder auf einem Bauernhof kennengelernt hat, echte Persönlichkeiten sind.

Das Hühnerleben gleicht einer Büro-TV-Serie auf höchstem Niveau: Von tiefen Freundschaften über feste Gemeinschaften beim Spaziergang, fieses Mobbing und Zickenkrieg bis hin zu Kitas ist Hühnern nichts Menschliches fremd, selbst trauernde Witwen, Kindermädchen, Jugendgangs und zweckgebundene Wohn- und Schlafgemeinschaften gehören dazu. Die Menschlichkeit von Hühnern wirkt beruhigend: Vor meinem Hauptgehege stand lange Zeit eine Bank, auf der immer wieder Spaziergänger oder Nachbarbauern saßen und einfach nur den Hühnern zusahen. Wirklich das Beste, was man zum »Runterkommen« machen kann, ist: einfach Hühner schauen und dabei zwangsläufig über sich selbst nachdenken.

Der Seidenhuhn-Hahn hat den ganzen Tag zahllose Aufgaben zu erfüllen, um seinen Hofstaat zufriedenstellen zu können.

VON WEGEN DUMMES HUHN

Hühner sind keineswegs geistlose, dusselige Eier-Automaten, sondern zeigen komplexe Verhaltensweisen, ausgeklügelte Alltagsrituale und verfügen über ein ausgeprägtes soziales Gefüge inklusive enger Freundschaften, Cliquen und Außenseitern, Kindergruppen und Brutgemeinschaften. Vor allem haben sie den ganzen Tag unglaublich viel zu tun. Der Hahn muss seine Damen beschützen, er muss ihnen ein kleines Tänzchen vormachen, sobald er etwas zu fressen gefunden hat, und manche Hähne machen es sich sogar zur Aufgabe, regelmäßig jedes einzelne Legenest zu überprüfen, als wollten sie sicherstellen, dass es darin weich genug ist und nicht zieht.

Die Damen beobachten einander den ganzen Tag, um es den anderen dann gleichzutun, sie spenden Applaus, wenn eine von ihnen ein Ei gelegt hat, warnen sich gegenseitig, wenn Gefahr in Verzug ist, und unterstützen einander bei der Kükenaufzucht. Bei meinen Seidenhühnern herrscht eindeutig »Frauenpower« beim Brüten: Sie brüten grundsätzlich zu zweit oder sogar zu dritt, und wenn eine aufsteht, um aufs Klo zu gehen, zu fressen oder zu trinken, rollt die zweite Henne derweil alle Eier unter sich, damit sie nicht auskühlen. Sobald die andere zurückkommt, holt sie sich ein paar Eier zurück, um weiterzubrüten.

Weil Küken schon im Ei mit ihren Glucken kommunizieren, klappt anschließend auch die Aufzucht mit mehreren Müttern: Durch leises Gackern, Gemurmel und Gepiepe, das die Küken im Ei von den mehreren Müttern hören, wird schon vor dem Schlüpfen eine Bindung aufgebaut. Die Hennen teilen sich die Aufzucht, zeigen den gemeinsamen Küken, wo sie Futter finden und was alles essbar ist, sie warnen sie vor Gefahr und zeigen ihnen zu zweit oder dritt den Weg nach draußen – und wieder ins Hühnerhaus hinein.

Hühner sind echte Charaktervögel mit eigenen Persönlichkeiten. Manche von ihnen haben sehr viel Charme, andere gar nicht. Hühner lernen ganz leicht kleine Kunststücke wie Slalom oder Klavierspielen. Die braune Legehenne Paula der Filmtiertrainerin Renate Hiltl (die beispielsweise auch den Collie aus dem letzten »Lassie«-Film trainiert hat) kann Schnüre aufknoten und Plakate auseinanderrollen. Wenn Hühner erst einmal Vertrauen geschöpft haben, werden viele ganz handzahm, wobei sie deutliche Unterschiede zwischen bekannten und fremden Menschen machen. Betrachtet man die Vogelwelt insgesamt, sind Hühner sogar ziemlich intelligent. Sie sind lernfähig, können zählen und verstehen das Konzept von »Null«. Man kann ihnen mithilfe klassischer Konditionierung beibringen, Farben zu unterscheiden. Fast alle Hühner lernen früher oder später, wie sie am schnellsten aus ihren Volieren oder Gehegen herauskommen. Sie unterscheiden nicht nur ihre Menschen und Hunde von fremden Menschen und Hunden. Meine eigenen Hühner zum Beispiel sind gewohnt, dass bei uns dauernd fremde Hunde zu Besuch kommen, und nehmen das einigermaßen entspannt hin – solange ich in der Nähe bin. Sie tolerieren wildes Fangenspielen der hauseigenen Hunde, aber wenn fremde Hunde anfangen, im Garten zu toben, verziehen sie sich vorsichtshalber in ihr Haus oder ihre Voliere.

Hühner lernen, indem sie andere Hühner beobachten und es ihnen nachmachen (weshalb Hühner, die frisch irgendwo einziehen, ihnen fremde Dinge wie Rucola, Granatäpfel oder Bananen häufig nicht fressen, bis es ihnen irgendwann ein alteingesessenes Huhn vormacht). Schon deshalb ist es wichtig, die älteren Hühner in der Herde zu behalten, denn sie haben eine wichtige Vorbildfunktion. Hühner sorgen sich um das Wohlergehen anderer Hühner, sie sind empathisch; man weiß, dass eine Henne, die Stress bei ihren Küken bemerkt, aus lauter Sorge ihrerseits einen erhöhten Puls bekommt. Hühner machen sich Sorgen, wenn Mitglieder ihrer Herde krank sind, und versuchen, sie zum Mitkommen aufzufordern. Sie sitzen neben ihren Freundinnen oder ihrem Hahn, wenn es ihnen bzw. ihm nicht gut geht. Es gibt sogar immer wieder Geschichten, dass Hühner sich ganzer Würfe winziger verwaister Kätzchen annehmen und sie wärmen. Wenn das nicht Mitgefühl ist, was denn dann?

Hühner sind zu richtigen Bindungen fähig, was jeder Hühnerhalter schnell bemerkt: Es sind immer die gleichen, die einem durch den ganzen Garten folgen, die sich streicheln lassen oder zwischen den Füßen sitzen, wenn man irgendwo stehen bleibt. Eine meiner blau gesäumten Orpingtons kommt jedes Mal wie auf Kommando herbeigeeilt, wenn ich mich zum Arbeiten an einen bestimmten Gartentisch setze, und sitzt dort so lange wie ich – sicherlich auch in der Hoffnung, dass aus meinen Taschen irgendwelche Kekse fallen könnten, aber auch, weil sie Gesellschaft schätzt. Das ist auch der Grund, warum die Hühner, kaum sitzen wir auf der Terrasse, zu mehreren unter einem nahe gelegenen Busch Platz nehmen und mit geschlossenen Augen Siesta machen: Sie suchen die entspannte Nähe. Es sind auch immer die gleichen Hühner, die bestimmte Dinge miteinander tun, die nebeneinander auf den Stangen sitzen oder zusammen staubbaden. Ich habe eine alte Seidenhuhn-Henne, Berta, die so gut wie blind ist. Das wird von allen anderen Seidenhühnern im Stall respektiert: Berta wird nicht gepickt und keiner der überschwänglichen Junghähne versucht, sie zu bespringen (was sie ansonsten bei allen Hennen machen, die sich nicht auf eine Stange retten). Es sieht sogar so aus, als würde man ihr Platz machen, wenn ich Futter in den Stall stelle. Sie hat eine Freundin, Mary Christmas, die immer an ihrer Seite ist, mit ihr zusammen in einem bodenebenen Legenest schläft und sie zum Fressen und Trinken begleitet. Berta verlässt den Hühnerstall nicht mehr nach draußen, weshalb auch Mary Christmas viel weniger im Freien ist, oft nur sehr eilig, etwa weil es draußen Rucola oder Bananen gibt. Berta ist nicht unglücklich mit ihrem Schicksal, sie bewegt sich langsam, aber stetig durch den Stall und sitzt am liebsten auf meinen Gummistiefeln, die sie von fremden Gummistiefeln genau unterscheiden kann.

Ich nehme Mary Christmas regelmäßig mit in ein Pflegeheim für Demenzkranke, wo ich Patienten mit einigen meiner Hunde, einem kleinen weißen Ziegenbock und ebendiesem Huhn besuche. Hühner als Therapietiere sind längst keine Seltenheit mehr: In vielen Seniorenheimen werden mittlerweile Hühner gehalten, um den Patienten etwas zu tun und ein Gesprächsthema zu geben. Die Bewohner erzählen mir immer von den Hühnern, die sie in ihrer Kindheit hielten, immer wieder höre ich besondere Geschichten über besondere Hühner, die länger leben durften als die anderen, oder wie sie sich ihre ersten Puppen kaufen konnten, indem sie sich mit der Aufzucht von Küken ihr eigenes Geld verdienten. Mary Christmas sitzt währenddessen friedlich auf dem Tisch und lässt sich von den alten Damen mit Sonnenblumenkernen, Gras und Bananenstückchen füttern, als wäre das ihr täglich Brot.

Selbst wenn im Englischen die Redewendung »to chicken out« bedeutet, sich feige davonzumachen: Ist es manchmal nicht einfach klüger, nicht in die direkte Konfrontation zu gehen, sondern sich lieber in Sicherheit zu bringen? Und sowieso: Wer je erlebt hat, wie eine Henne oder ein Hahn die Brut gegen viel größere Tiere wie Hunde, Gänse oder Katzen verteidigt, wird nicht mehr auf die Idee kommen, Hühner »feige« zu nennen. Hühner verstehen sehr gut, was in ihrer Welt vorgeht.

GUTEN START INS HÜHNER(HALTER)LEBEN

Viele Menschen beginnen ihre Karriere als Hobby-Hühnerhalter durch »Learning by Doing« und eignen sich ihr Spezialwissen erst im Laufe der Zeit an. Wenn der neue Hühnerhalter instinktiv weiß, was Hühner brauchen, haben seine Hühner Glück. Oft haben es »Erstlingshühner« allerdings nicht so gut, wie man es ihnen wünschen würde. Erfahrung gehört zur Hühnerhaltung zweifellos dazu: Je länger man sich mit Hühnern beschäftigt, desto besser kennt man sie und erkennt möglicherweise unübliche Verhaltensweisen und Symptome. Dennoch wundert man sich manchmal, wie wenig auch jahrelange Hühnerhalter von ihren Tieren wissen. Darum habe ich dieses Buch geschrieben: weil mir nach unzähligen Gesprächen mit Hühnerhaltern, Züchtern und potenziellen Hühnerfreunden klar wurde, dass die Wissensschicht ziemlich dünn ist und oft auf Althergebrachtem (auch althergebrachten Irrtümern!) beruht, nicht auf Fakten. Und es ist doch so: Je besser man Bescheid weiß, desto leichter werden alle Projekte, die man sich vornimmt. Auch die Hühnerhaltung.

Kapitel 1

HÜHNER-HALTUNG

Die wichtigsten Dinge, die Sie wissen sollten, wenn Sie sich Hühner anschaffen wollen: von den gesetzlichen Vorschriften über die gute Nachbarschaft bis zur Wahl der richtigen Rasse.

GANZ LEGAL

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Immer mehr Menschen träumen davon, selbst Hühner zu haben. Doch ist das überhaupt überall erlaubt? Was Sie prüfen müssen, wenn Sie bei sich zu Hause Hühner halten möchten.

Grundsätzlich gelten Hühner als Kleintiere, die laut Baunutzungsverordnung auch in reinen Wohngebieten ohne Extragenehmigung gehalten werden dürfen. Es gilt allerdings »das Gebot der Rücksichtnahme« – und da wird es kompliziert. In besagter Baunutzungsverordnung heißt es nämlich: »In einem Wohngebiet ist die Zulassung von Anlagen der Kleintierhaltung nur zulässig, soweit die Kleintierhaltung den Rahmen der für eine Wohnnutzung typischen Freizeitbetätigung nicht sprengt und auch nicht der Eigenart des Gebiets widerspricht.« Das lässt natürlich Raum für Interpretationen und in Einzelfällen kann es durchaus sein, dass ein Gericht das in einen ganz engen Rahmen fasst. Insbesondere dann, wenn ein Hahn ins Spiel kommt, kann es mühsam werden.

AUF GUTE NACHBARSCHAFT

Hühner sind längst kein reines Landvolk mehr. Wer einen eigenen kleinen Garten oder Hinterhof hat, kann auch in der Stadt drei, vier von ihnen halten. Wenn Hühner sauber gehalten werden, riechen sie nicht mehr als die Wildgänse im Park oder die drei großen Golden Retriever der Nachbarn. Hühner sind auch nicht lauter als die donnernde Stereoanlage im dritten Stock oder die alle Jahre wieder eingesetzten Laubbläser. Hühner erlauben ihren städtischen Besitzern ein Haustier, das auch noch für ein gesundes Frühstück sorgt. Es ist unendlich viel einfacher, sich um Hühner zu kümmern, als um Hunde und anders als die Nachbarkatzen sind Hühner nachts ganz leise.

Wahrscheinlich hat jeder in seinem Leben schon einmal mit unangenehmen Nachbarn zu tun gehabt. Sei es nun Hundegebell, eine laute Party, samstagnachmittägliche laute Musik oder kreischende Kinder: Wenn der eigene häusliche Frieden durch ungewollten Krach gestört wird, kommt es leicht zu Frustrationen. Und obwohl wir unsere Hühner lieben, können wir leider nicht davon ausgehen, dass unsere Nachbarn unseren Enthusiasmus teilen. Bei vielen löst sich die Liebe zur Natur in heiße Luft auf, sobald sie regelmäßig einen Hahn krähen hören. Darüber diskutieren zu wollen ist sinnlos. Unterschiedliche Menschen haben die unterschiedlichsten Wahrnehmungen und Empfindungen, welche Geräusche sie stören. Das normale Gegackere von Hennen ist recht leise und unregelmäßig und gilt daher üblicherweise nicht als Störgeräusch. Hähne dagegen krähen. Auch wenn die Häufigkeit und Tonfrequenz von einzelnen Individuen abhängen, begrüßen Hähne das Tageslicht üblicherweise mit unüberhörbarer Begeisterung und setzen das Krähen dann mehr oder weniger häufig und laut über den ganzen Tag fort. Wenn sie nachts (etwa durch Hundegebell oder eine Party in der Nachbarschaft) geweckt werden, krähen sie ebenfalls. Hähne krähen einfach, so wie Singvögel singen. Sie markieren dadurch ihr Territorium, antworten anderen Hähnen in der Umgebung und teilen ihren Hennen mehr oder weniger wichtige Botschaften mit. Dagegen lässt sich nichts tun.

Meistens ist es so, dass in einem dörflichen Umfeld ein Hahn nicht nur geduldet wird, sondern auch ohne Erlaubnis gehalten werden darf. Dennoch gibt es zu Krähzeiten und Lautstärke die unterschiedlichsten Urteile. Bevor Sie also das erste Federvieh im Garten scharren lassen, sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und rufen Sie einmal bei der Gemeinde an. Sind die Hühner erst einmal eingezogen, müssen sie außerdem noch der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde gemeldet werden – und dasselbe gilt, wenn man die Hühnerhaltung irgendwann wieder aufgibt.

Wenn wir unsere Hühner frei laufen lassen, müssen wir davon ausgehen, dass sie irgendwann im Garten der Nachbarn landen. Nicht durchdringbare Zäune sind also ein Muss, vor allem dann, wenn es in der Nachbarschaft Hunde gibt. Denn wenn unsere Hühner mit ihren Plüschpopos vor fremden Hundenasen herumlaufen, kann weder der fremde Hund noch dessen Halter etwas dafür, wenn der Hund die Hühner jagt: Es ist sozusagen sein gutes Recht.

Manche Nachbarn befürchten, dass Hühnerhaltung Mäuse oder Ratten anziehen könnte. Das stimmt auch, allerdings ist das Risiko nicht höher als bei einem üblichen Komposthaufen. Sorgen Sie dafür, dass das Umfeld Ihres Stalls oder Geheges ordentlich aussieht, und lassen Sie kein Futter offen herumstehen, dann haben Ihre Nachbarn keinen Anlass zu Beschwerden.

Es ist gar nicht schwer, dafür zu sorgen, dass auch Ihre Nachbarn Ihre Hühner sympathisch werden. Meistens helfen schon wenige ausgesuchte Eier.

Mit und ohne Nachbarn müssen Hühner amtlich erfasst werden: Jedes einzelne Huhn im Garten muss beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden, das verlangt das Tierseuchengesetz (§ 14).

Wichtig sind bei der Anmeldung:

Name und Anschrift des Halters

Art und Anzahl der gehaltenen Tiere

Nutzungsart und Standort der Tierhaltung

Bundeskleingartengesetz

Wer in seinem Kleingarten Hühner halten möchte und nicht nur Gartenzwerge, muss sich zuerst mit der Satzung des zuständigen Vereins auseinandersetzen. In Kleingärten ist die Tierhaltung laut Bundeskleingartengesetz grundsätzlich nämlich erst einmal verboten. Besser gestellt sind da die Laubenkolonisten aus den ostdeutschen Bundesländern, die noch vor der Wende mit der Hühnerhaltung im Kleingarten begonnen haben. Ihre Tierhaltungen genießen Bestandsschutz.

Wenn im Westen die Vereinssatzung oder die Nutzungsordnung des Kleingartengebiets die Hühnerhaltung ausdrücklich erlaubt, so steht der privaten Hühnerhaltung nichts im Weg. Ansonsten kann vielleicht mit dem Vereinsvorstand besprochen werden, ob eine Hühnerhaltung ausnahmsweise erlaubt werden kann. Vielleicht lassen sich sogar genügend Mitstreiter im Verein finden, um eine hühnerfreundliche Satzungsänderung herbeizuführen.

WELCHES HUHN PASST ZU MIR? – AUSGESUCHTE HÜHNERRASSEN FÜR ALLE LEBENSLAGEN

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Heutzutage gibt es weltweit etwa 350 Hühnerrassen. Allein im europäischen Rassegeflügelstandard werden ca. 180 unterschiedliche Hühnerrassen und Farbschläge geführt. Welches Huhn passt zu Ihnen?

Auf rund acht Milliarden Menschen, die momentan auf der Erde leben, kommen ca. 50 Milliarden Hühner. Und ihre wahre Geschichte ist bis heute nebulös. Wahrscheinlich stammen die heutigen Haushühner vom südostasiatischen Bankiva- oder Buschhuhn ab, dessen Wildformen noch heute vorkommen. Die frühesten Hinweise auf Haushühner fanden Archäologen in China und Indien, sie stammen aus der Zeit von 5400 v. Chr.

Das Huhn wurde verehrt, geopfert und als Statussymbol gehalten. Die Weltkultur ist so voller Symbole, Projektionen und auf das Huhn bezogene Metaphern, dass es kein Wunder ist, dass man diesem Tier lange Zeit Superkräfte zuschrieb. Das Ei ist das Symbol für Leben schlechthin, der Anfang von allem. Glucken gelten als Inbegriff für (übertriebene) Mütterlichkeit. Ein schwarzer Hahn steht für den Teufel, während die Wetterhähne auf den Kirchturmspitzen die Gläubigen an Aufrichtigkeit und Treue gemahnen sollen. Der Gockel ist aber auch das Symbol für (übertriebene) Männlichkeit, wahrscheinlich, weil Hennen sich so sehr an seinen schönen Schwanzfedern und dem großen roten Kamm orientieren – so sehr, dass sie nach einem Deckakt mit einem Hahn, der ihnen nicht gefällt, dessen Sperma wieder abstoßen können. Das soll ihnen mal eine nachmachen.

Als sicher gilt, dass das moderne Haushuhn vor etwa 8000 Jahren in Südchina und gleichzeitig in Indien, Burma und Thailand entstand. Wahrscheinlich sorgte dann der Hahnenkampfsport dafür, dass sich Hühner auf der ganzen Welt verbreiteten – nicht etwa die köstlichen Eier.

Die ersten domestizierten Hühner in Europa gab es um 700 v. Chr. in Südeuropa. Vor allem in Klöstern wurden sie als Fleisch- und Eierlieferanten gehalten.

Auch auf Bauernhöfen wurden Hühner jahrhundertelang frei gehalten. Sie schliefen auf Bäumen oder in den Scheunen und die Schlauen unter ihnen versteckten dort auch ihre Eier, damit man sie ihnen nicht wegschnappte, und brüteten sie aus. Weil sich Hühner auf diese Weise hauptsächlich innerhalb ihrer eigenen Familie vermehrten, entstanden durch Inzucht viele sogenannte Landhuhnrassen.

Die große Tierfreundin Queen Victoria, die nebenbei ab 1876 auch noch Kaiserin von Indien war, importierte Brahmas aus Indien und Chochins sowie Langschwanz aus China, die sie auf Schloss Windsor in einem prächtigen Hühnerstall unterbrachte und die damals als Inbegriff von Exotik galten. Viele Adelige taten es ihr nach. Exotische Hühner wurden zum Statussymbol.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begriff der Mensch den wirtschaftlichen Wert von Hühnern und begann, Hühnerrassen mit bestimmten Eigenschaften wie Gewicht und Größe (für Fleisch) sowie Legefreudigkeit (für Eier) zu züchten. Im Jahr 1874 wurde in USA von der American Poultry Association ein Standard für Hühnerrassen eingeführt (eine Art Exzellenzkriterien).

Eine Hühnerrasse ist eine Gruppe von Hühnern, die sich äußerlich gleichen, ähnliche Gene haben und bei einer Verpaarung Nachkommen produzieren, die wiederum den ihren sehr gleichen.

Wie die meisten domestizierten Tiere wurden auch Hühner über Generationen für bestimmte Eigenschaften selektiert, die dem Menschen nützten. Unter diesen Eigenschaften waren beispielsweise

Eierleistung

verschiedenfarbige Eierschalen

schnelle Gewichtszunahme (Mastrassen)

mehr Brustfleisch

ruhiges Verhalten und

Resistenz gegen Krankheiten

Man unterscheidet bei den Hühnerrassen verschiedene Kategorien:

Legerassen

Fleischrassen

Mehrzweckrassen

Kampfhühner sowie

Zier- und Langschwanzgeflügel

Zier- und Langschwanzgeflügel wurde eigentlich nur als Augenweide gehalten; in China galten die häufig sehr bunten oder extrem langschwänzigen hübschen Tiere als Statussymbol, denn ihre Eier sind meistens so klein, dass sie sich höchstens als »Snackeier« eignen.

Rassehühner können wunderschön, faszinierend, exotisch und manchmal auch sehr seltsam aussehen. Häufig wirken sie wie Kunstprodukte, sind riesig oder winzig klein, tragen gigantische Hauben, wie elektrisiert abstehende Federn, haben befiederte oder seltsam lange oder kurze Beine. Manchmal fragt man sich, wo dabei überhaupt noch die Natur bleibt. Und doch lieben wir Hühner, weil wir so eine Sehnsucht nach der Natur haben.

Was wollen Sie?

Hühner sind nicht gleich Hühner und nicht jedes Huhn passt ohne Weiteres in jede Umgebung. Am besten stellen Sie sich also vor der Anschaffung einige Fragen: Was für eine Aufgabe sollen Ihre Hühner erfüllen? Dürfen sie frei im Garten herumlaufen? Möchten Sie vor allem wegen der Eier Hühner halten? Wollen Sie die Tiere auch schlachten? Möchten Sie Hühner für Ihre Kinder zum Anfassen oder um kleine Kunststücke mit ihnen zu üben?

HÜHNERRASSEN, DIE VIELE EIER LEGEN

Hühner, die zuverlässig jeden Tag Eier legen – auch im Winter –, sind sogenannte Legehühner oder Legehybriden, also jene typischen weißen oder braunen Hühner, die auch weiße oder braune Eier legen und daher auf den Eierkartons abgebildet sind. Diese Turbo-Hühner legen jährlich 260 Eier oder mehr und werden üblicherweise im Alter von 18 Monaten als sogenannte Suppenhühner ausgemustert, weil ihre Legeleistung dann nachzulassen beginnt. Man kann diesen häufig geschundenen Tieren ein neues, schönes Leben schenken, indem man sie beispielsweise über den Verein »Rettet das Huhn e. V.« adoptiert.

Legerassen haben aufgrund ihrer unglaublichen Leistung einen sehr hohen Nährstoffbedarf und müssen unbedingt mit hochwertigem und nährstoffoptimiertem Legemehl gefüttert werden, sonst überleben sie ihre eigene Legeleistung nicht lange.

Andere Rassen, die um die 200 Eier jährlich legen, sind Bielefelder, Bresse, Sundheimer, New Hampshire oder Amrocks.

Ein typisches Haushuhn, das jährlich ca. 260 oder mehr Eier legt.

Bressehühner oder »Le Bleues« tragen die Nationalfarben Frankreichs und stammen aus der Region Bresse.

Die seltenen Sundheimer gelten als das älteste »Zweitnutzungshuhn«.

Ramelsloher bestehen seit 1870 und sind in der Nähe von Hamburg entstanden.

Australorps gibt es in schwarz, weiß und blaugesäumt. Sie können nur schlecht fliegen und sind sehr friedlich, auch Hähne können zusammen gehalten werden.

Hampshires haben ein ruhiges Temperament und werden schnell zahm. Sie sind robust und können so gut wie nicht fliegen.

Das Welsumer Huhn ging Ende des 19. Jahrhunderts wohl aus rasselosen Bauernhühnern hervor. Es legt ab dem Frühjahr bis zu 80 Gramm schwere Eier.

WINTERLEGER

Wenn es nicht gleich Hochleistung sein muss, Sie aber gerne auch im Winter frische Eier zum Frühstück hätten, bieten sich diejenigen Hühnerrassen an, die unter dem wenig romantischen Begriff »Winterleger« zusammengefasst werden. Hennen dieser Rassen legen vor allem in den ersten beiden Lebensjahren durchgängig Eier, danach lässt ihr Eifer etwas nach – Winterleger hin oder her.

Als Winterleger gelten Australorps, Bresse, Dominikaner, Deutsche Lachshühner, Dresdner, Jersey Giants, New Hampshire, Orpingtons, Plymouth Rocks, Rhodeländer, Seidenhühner, Sundheimer, Sussex, Welsumer und Wyandotten.

Das Seidenhuhn wird sehr leicht zutraulich und kann aufgrund seiner Federstruktur nicht fliegen. Es ist ein zuverlässiger Winterleger und gluckt zuverlässig.

HÜHNER FÜR DEN GARTEN

Hühner sind wahre, richtige, ursprüngliche Jäger und Sammler. Sie laufen ständig sehr geschäftig umher, jagen Schmetterlinge und Grashüpfer, verschlucken winzige Frösche und Mäusekinder, scharren hier und dort, um ein paar Käfer zu fressen, sich den ein oder anderen Regenwurm aus dem Boden zu picken oder die anderen Hühner lautstark davon in Kenntnis zu setzen, dass hier ein delikates Ameisennest ist. Hühner überfressen sich im Auslauf nie, obwohl sie tatsächlich den ganzen Tag fressen – die Futtersuche ist das, was sie umtreibt. Je mehr Platz sie dafür zur Verfügung haben, desto weniger gestresst sind sie. Und je besser sie manchen Semi-Feinden, Mobbern oder Zicken in der eigenen Herde aus dem Weg gehen können, desto friedlicher ist diese.

Hühner brauchen ein Umfeld, in dem es große Mengen an Pflanzen gibt, die gleichzeitig Futter, Schutz vor Regen, praller Sonne und Raubvögeln bieten – ein Gelände also, welches das Dschungelgefühl ihrer ursprünglichen Herkunft imitiert. In Gärten mit großen Rasenflächen sieht man Hühner vor allem unter den Büschen am Rand, denn eine ungeschützte Rasenfläche ist eine gute Landemöglichkeit für Bussard, Habicht oder sogar größenwahnsinnige Sperber.

Brahmas sind ruhig und zutraulich, brauchen als eine der größten Rassen aber viel Platz.

Bielefelder wurden als Lege-Fleisch-Rasse gezüchtet und sind für schnelles Wachstum und gute Eierleistung bekannt.

Orpingtons legen ca. 340 Eier im Jahr, sind sehr anhänglich und handzahm.

Das Sussex, ein Winterleger, gilt als neugieriges Zweinutzungshuhn.

Es mag schockierend klingen, aber entgegen der allgemeinen Auffassung sind Hühner nur bedingt gut für den Garten. Es stimmt, dass sie den Kompost oder Rasenschnitt umharken, aber dasselbe machen sie unglücklicherweise auch mit den Beeten. Sie sorgen im Freilauf im Laufe des Tages dafür, dass der Rasen gedüngt wird, sofern sie trotz Scharrens und Kuhlenaushebens zum Staubbaden von diesem überhaupt viel übrig lassen. Sie suchen nach Käfern und Würmern, aber sie fressen auch alle Beeren, die gesamte Petersilie und die meisten anderen Kräuter ebenso. Sie fressen das Streuobst und viele lästige Unkräuter, aber leider auch die frischen Zucchini, die Gurken und den kompletten jungen Salat. Wahrscheinlich verstehen Sie jetzt besser, warum die Gemüsegärten von Bauernhöfen immer eingezäunt sind.

Die gemütlichen, freundlichen und legefreudigen Wyandotten stammen ursprünglich aus den USA. Heute werden auch Zwergformen dieser Rasse gezüchtet.

Mit gutem Management kann man frei laufende Hühner und einen schönen Garten aber durchaus verbinden. Es hängt von der Größe und dem Design des Gartens ab, den Pflanzen, die bereits vorhanden sind oder noch gepflanzt werden, der Pflege, die Sie aufwenden möchten, der Jahreszeit, in der die Hühner tatsächlich den ganzen Garten nutzen dürfen, der Anzahl der Hühner und der Auswahl der Rassen, denn manche sind etwas pflanzen- und wurzelfreundlicher als andere. Je ruhiger die Rasse, desto weniger Grabungsarbeiten im Garten. Zu den »gartenfreundlichen« gehören beispielsweise Australorps, Brahmas, das Bielefelder Kennhuhn, Cochins, New Hampshire, Orpingtons, Sussex oder Wyandotten.

Das Zwergseidenhuhn ist im Vergleich zu anderen Hühnern schon als normale Großrasse winzig. Als Zwergrasse wiegt es nur noch ungefähr 600 Gramm.

ZWERGRASSEN

Es gibt Zwergrassen und Zwergformen von bestimmten Hühnerrassen. Letztere sind in den meisten Fällen verkleinerte Versionen der sogenannten Großhühnerrassen. Dazu gehören Zwerg-Orpingtons, Zwerg-Australorps, Zwerg-Brahmas (die mit 1200 Gramm Hennengewicht vergleichsweise trotzdem ganz schön groß sind), Zwerg-Cochins, Zwerg-Wyandotten, Mille Fleur d’Uccles, Zwerg-Paduaner, Zwerg-Holländer-Haubenhühner, Zwerg-Chabos, Zwerg-Burma oder Zwerg-Seidenhühner.

»Echte« Zwergrassen, von denen es keine Großformen gibt, sind beispielsweise die Antwerpener Bartzwerge und Grubbe Bartzwerge, Zwerg-Brabanter, Zwerg-Ardenner, Zwerg-Friesen, Sebright und Japanischen Zwergseidenhühner.

Der Vorteil kleinwüchsiger Hühnerrassen ist natürlich auch, dass sie weniger Platz brauchen. Sie sind üblicherweise einfach nur ein Viertel so groß wie diese. Weil ihre Beine kürzer und häufig befedert sind, scharren sie zudem meist weniger und verletzen die Erde dabei nicht so stark. Außerdem können sie nicht so hoch in die Zweige oder über Zäune springen oder fliegen.

Der Nachteil der Zwerghühner ist, dass sie auch deutlich kleinere Eier legen (meistens nur halb oder gar nur ein Drittel so groß wie normale »L«-Eier). Und falls man sie schlachten möchte, ist auch weniger Fleisch an ihnen.

Zwerg-Paduaner brauchen oft besondere Fress- und Wassernäpfe, damit Bart und Haube nicht leiden

Das neugierige Zwerg-Amrock eignet sich gut für Anfänger und Familien.

Zwerg-Welsumer sind aktiv und brauchen viel Beschäftigung.

Antwerpener Bartzwerge gehören zu den echten Zwergrassen. Sie sind lebhaft, werden aber schnell zahm.

Araucaner legen hübsche türkis- bis olivfarbene Eier.

Faverolles legen hellbraune Eier von ca. 60 Gramm.

Die Eier der amerikanischen Wyandotten reichen in der Farbe von hell- bis dunkelbraun.

Mit ihrer außergewöhnlichen Farbkombination steht das Vorwerkhuhn ziemlich alleine da. Es ist anspruchslos und legt viele weiße Eier.

Eier müssen nicht immer nur hellbraun oder weiß sein. Je nach Hühnerasse sind sie von Natur aus bunt »gefärbt«.

BUNTE EIER

Jedes Ei an sich ist ein Kunstwerk, selbst jene Eier, die manchmal etwas aus der Form geraten sind (wie es zu diesem Phänomen kommt, erfahren Sie auf >). Manche Hühnerrassen legen zudem tatsächlich Eier in verschiedenen Farben wie Dunkelbraun, Gelb, Grün, Hellblau, Türkis oder Rosa.

Zu den bunt legenden Rassen gehören:

Marans legen dunkle (schoko)braune Eier. Ebenfalls dunkelbraune Eier legen zum Beispiel Barnevelder, Rhodeländer, Wyandotten (je nach Huhn sind die Eier gelb bis dunkelbraun) und Welsumer (ihre Eier sind häufig getupft).

Die spanischen Empordanesa und die italienischen Penedesenca legen rotbraune Eier.

Gelbe (stroh- oder braungelbe) Eier legen beispielsweise Deutsche Reichshühner, Dresdner, Niederrheiner, Phönix, Plymouth Rock, Sachsenhühner, Sussex (teilweise gesprenkelt), Vorwerk oder die deutsch-japanische Rasse Yokohama, die rötlichgelbe bis gelbe Eier legt, und auch das nur zu Sonn- und Feiertagen: Yokohamas legen nur ungefähr 65 Eier im Jahr. Wer so unglaublich schön ist, muss eben nicht auch noch viel leisten.

Grüne Eier – blaugrüne, khakifarbene, braungrüne oder olivgrüne – legen vor allem Araucana und deren Mixe (die dann »Olivleger« genannt werden) oder die Schwedischen Isbar, Cream Legbar und Javaneser.

Rosa Eier legen Faverolle und La Flèche (sehr zartrosa, fast weiß). Schweizerhühner legen rosa getupfte Eier.

Sehr viele Rassen legen aber auch einfach nur weiße Eier so wie zum Beispiel weiße Legehybriden, Deutsche Sperber, Eulenbarthühner, Antwerpener Bartzwerge, Friesenhühner, Hamburger, Holländische Haubenhühner, Leghorn, Lakenfelder, Italiener, Ostfriesische Möwen, Paduaner, Rheinländer, Vogtländer oder Westfälische Totleger.

Vorwerkhühner legen Eier in feinem Weiß-Creme.

Bei den Brahmas fällt der große, massig gebaute Körper ins Auge, verstärkt wird dieser Eindruck noch durch das üppige Federkleid. Der eher kurze Körper geht fließend in den niedrig getragenen Schwanz über. Brahmas haben kurze, üppig befiederte Hälse, der Kopf ist im Verhältnis zum Körper recht klein.

HÜHNERRASSEN MIT BEFEDERTEN FÜSSEN

Hühnerrassen, deren Füße befedert sind, scheinen weniger eifrig in der Erde zu scharren als Hühner mit nackten Beinen. Deshalb können sie für all jene, die ihre Hühner frei im Garten herumlaufen lassen möchten, ohne auf die Unversehrtheit von Rasen und Beeten verzichten zu müssen, eine gute Wahl sein.

Einige der Rassen mit befederten Beinen sind Cochins, Brahmas und Zwerg-Brahmas, Faverolles, Seiden- und Zwergseidenhühner, Sultans, Lachshuhn, Zwerg-Bredas oder Federfüßige Zwerghühner.

HÜHNERRASSEN FÜR KINDER

Wenn man Hühner halten möchte, mit denen auch Kinder etwas anfangen können, sollte man sich mit Rassen umgeben, die als zutraulicher gelten. Dazu gehören außer den Seidenhühnern, die sehr interessiert an Menschen sind und aufgrund ihrer Federkonstruktion nicht (weg)fliegen können, vor allem die etwas schwereren Rassen wie Orpingtons, Australorps oder Cochins. Sie sind grundsätzlich etwas entspannter und gemächlicher.

Hühner sind nicht wirklich verschmust. Das ein oder andere Huhn mag durch Gewöhnung auf dem Schoß sitzen bleiben oder Futter aus der Hand nehmen, manche hocken bei ihren Menschen auch auf der Schulter, aber das sollte man nicht prinzipiell erwarten. Seidenhühner sind gute »Sitzhühner«, die in aller Ruhe auf dem Knie sitzen bleiben, wenn sie einen kennen (genauso wie Cochins oder Orpingtons). Dafür kann man Seidenhühnern nicht viel beibringen: Sie lassen sich nur schwer konditionieren. Braune Legehybriden können sehr anhänglich werden und sind laut der Filmtiertrainerin Renate Hiltl die Hühner, die sich am leichtesten trainieren lassen. Auch Lachshühner, Ramelsloher, Antwerpener Bartzwerge oder Grubbes können sehr zahm werden, was natürlich vor allem davon abhängt, wie viel wir uns mit ihnen beschäftigen und wie oft wir ihnen etwas mitbringen. Denn wenn wir ehrlich sind, betrachten Hühner uns vor allem als wandelnde Futterautomaten. Was den Kuschelfaktor betrifft, können Hühner eine Katze nun einmal nicht ersetzen.

EINE BUNTE TRUPPE HALTEN