Hypnotherapie bei Depressionen - Claudia Wilhelm-Gößling - E-Book

Hypnotherapie bei Depressionen E-Book

Claudia Wilhelm-Gößling

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Beschreibung

Depressionen zählen zu den am häufigsten auftretenden psychischen Störungen und gehören bei aktuell steigender Tendenz schon jetzt zu den sog. Volkskrankheiten. Dieses Manual stellt ein umfassendes Repertoire von hypnotherapeutischen Strategien und Techniken zur Behandlung von Depressionen vor, die von dem Autorenteam basierend auf langjährigen klinischen Erfahrungen entwickelt wurden und sich in einer randomisiert-kontrollierten Studie als ebenso wirksam erwiesen haben wie die kognitive Verhaltenstherapie. Nach vielen begeisterten Rückmeldungen zur erfolgreichen Anwendung liegt nun die 2. Auflage vor. Sie wurde vollständig überarbeitet und an die Neuerungen der Diagnosesysteme OPD-3 und ICD-11 angepasst. Die Module und das Arbeitsmaterial zum Download wurden für den therapeutischen Einsatz optimiert.

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Seitenzahl: 376

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Titelei

Geleitwort zur Buchreihe

Geleitwort von Dr. Burkhard Peter

Geleitwort von Dr. Gunther Schmidt

Geleitwort von Bernhard Trenkle

Inhalt der Onlinematerialien

Karteikarten

Arbeitsblätter

Metaphern

Teil A Hintergrund

1 Einleitung

1.1 Diagnose der Depression

1.2 Leitlinienempfehlungen für die Behandlung

1.3 Psychotherapie bei Depression

1.4 Stellenwert der Hypnotherapie

2 Einführung in die Hypnotherapie

2.1 Allgemeines

2.2 Die Haltung in der Hypnotherapie

2.3 Hypnotherapeutische Basisstrategien

2.4 Überschneidungen

2.4.1 Magie

2.4.2 Tiefenpsychologie

2.4.3 Verhaltenstherapie

2.4.4 Achtsamkeit

2.4.5 Systemische Therapie

2.5 Therapeutische Geschichten und Metaphern

2.5.1 Funktionen von Metaphern

2.5.2 Theorie der Metapher

2.5.3 Metaphern in der Arbeit mit depressiven Patientinnen und Patienten

3 Psychotherapeutischer Hintergrund zur Hypnotherapeutischen Depressionstherapie

3.1 Therapieziele

3.2 Hypnotherapeutische Techniken bei depressiven Patientinnen und Patienten

3.2.1 Hypnotherapeutische Fragestrategien bei depressiven Patientinnen und Patienten

3.2.2 Implikationen der Fragestellungen

3.3 Zum psychodynamischen Hintergrund der Depression

3.3.1 Hypnotherapeutische Einstreutechnik

3.4 Strukturbezogene Hypnotherapie – Zur Anwendung des Manuals bei Ich-strukturellen Einschränkungen

3.4.1 Zur Diagnostik des Ich-Struktur-Niveaus

3.4.2 Der innere Phantasieraum als eine emotionale Fähigkeit

3.4.3 Ich-Struktur und Trauma

3.4.4 Implikationen für die Therapie

3.5 Verwendung des Manuals

3.5.1 Logik der Modulform

3.5.2 Modul-Bausteine

3.5.3 Trancen als Audiodatei

3.5.4 Überblick über die Module

3.6 Depressive Symptome utilisieren und phasenorientierte Einordnung der Module

3.6.1 Hypnotherapeutischer Zugang zur depressiven Symptomatik

3.6.2 Metastruktur des Manuals

Teil B Hypnotherapeutische Depressionstherapie

Vorbemerkung

4 Anfang der Therapie

4.1 Motivierung und Basisinformationen

Durchführung

4.2 Erste Tranceerfahrung

Durchführung (in Anlehnung an Lankton und Lankton 1983)

4.3 Sicherer Ort

Durchführung

5 Entlastung, Stärkung und Ressourcenaktivierung

5.1 Ballonfahrt – Basismodul

Durchführung und zeitlicher Ablauf

5.2 Tieftrance und Posthypnotische Suggestion

Durchführung

5.3 Einflechten

Durchführung

5.4 Kompetenzstärkung

Durchführung und zeitlicher Ablauf

5.5 Loslassen

Durchführung und zeitlicher Ablauf

5.6 Lösungserfahrungen

Durchführung und zeitlicher Ablauf

5.7 Zukunftsprojektion

Durchführung und zeitlicher Ablauf

5.8 Lösungsvision Kinotechnik

5.9 Selbsthypnose – Basismodul

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6 Depressionsspezifische Techniken

6.1 Paradiesort

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.2 Grübeln

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.3 Wieder einschlafen

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.4 Kindheitserfahrungen

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.5 Ballonfahrt – Aufbaumodul

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.6 Kompetenzerfahrung

Durchführung der Sitzung (Textbeispiel) und zeitlicher Ablauf

6.7 Stellvertreter-Technik

Durchführung

6.8 Der »Genug-Ort«

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.9 Interaktionsmuster

Durchführung der Sitzung und zeitlicher Ablauf

6.10 Vom Grübeln zum Handeln

Durchführung und zeitlicher Ablauf

6.11 Sinnfindung

Durchführung

6.12 Suizidalität

Hinweise zur therapeutischen Haltung und Vorgehen

6.13 Neutralisieren von lebensfeindlichen Botschaften

Durchführung der Sitzung und zeitlicher Ablauf

6.14 Krisenintervention: akute Suizidalität

Durchführung und zeitlicher Ablauf

7 Zwischenstand

7.1 Bestandsaufnahme – Zwischenresümee

Durchführung der Sitzung und zeitlicher Ablauf

8 Abschluss der Therapie

8.1 Rückfallprophylaxe 1 – Selbsthypnose Aufbaumodul/Ziele verwirklichen

Durchführung und zeitlicher Ablauf

8.2 Rückfallprophylaxe 2 – Zeitprogression nahe Zukunft

Durchführung und zeitlicher Ablauf

8.3 Abschlusssitzung

Durchführung

Teil C Verzeichnisse

Literatur

Stichwortverzeichnis

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Störungsspezifische Psychotherapie

Herausgegeben vonAnil Batra und Alexandra Philipsen

Weitergeführt vonAnil Batra und Fritz Hohagen

Begründet vonAnil Batra und Gerhard Buchkremer

Eine Übersicht aller lieferbaren und im Buchhandel angekündigten Bände der Reihe finden Sie unter:

https://shop.kohlhammer.de/stoerungsspezifische-psychotherapie

Claudia Wilhelm-GößlingCornelie SchweizerCharlotte DürrKristina FuhrDirk Revenstorf

Hypnotherapie bei Depressionen

Ein evidenzbasiertes Manual für die psychotherapeutische Arbeit

Mit Beiträgen von Martin Braun,Elsbeth Freudenfeld, Wolfram Dorrmann,Heinz-Wilhelm Gößling, Clemens Krause,Ortwin Meiss und Bernhard Trenkle2., überarbeitete Auflage

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Pharmakologische Daten, d. h. u. a. Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen, verändern sich fortlaufend durch klinische Erfahrung, pharmakologische Forschung und Änderung von Produktionsverfahren. Verlag und Autoren haben große Sorgfalt darauf gelegt, dass alle in diesem Buch gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, können Verlag und Autoren hierfür jedoch keine Gewähr und Haftung übernehmen. Jeder Benutzer ist daher dringend angehalten, die gemachten Angaben, insbesondere in Hinsicht auf Arzneimittelnamen, enthaltene Wirkstoffe, spezifische Anwendungsbereiche und Dosierungen anhand des Medikamentenbeipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen und in eigener Verantwortung im Bereich der Patientenversorgung zu handeln. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

Dieses Werk enthält Hinweise/Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat und die der Haftung der jeweiligen Seitenanbieter oder -betreiber unterliegen. Zum Zeitpunkt der Verlinkung wurden die externen Websites auf mögliche Rechtsverstöße überprüft und dabei keine Rechtsverletzung festgestellt. Ohne konkrete Hinweise auf eine solche Rechtsverletzung ist eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten nicht zumutbar. Sollten jedoch Rechtsverletzungen bekannt werden, werden die betroffenen externen Links soweit möglich unverzüglich entfernt

2., überarbeitete Auflage 2025

Alle Rechte vorbehalten© W. Kohlhammer GmbH, StuttgartGesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Heßbrühlstr. 69, 70565 [email protected]

Print:ISBN 978-3-17-044091-3

E-Book-Formate:pdf: ISBN 978-3-17-044092-0epub: ISBN 978-3-17-044093-7

Geleitwort zur Buchreihe

Wer in die Vergangenheit blickt, stellt fest: Psychotherapie ist immer im Wandel.

Nach einer Phase der methodenspezifischen Diversifizierung spielen in der heutigen ambulanten und stationären Versorgung von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen störungsspezifische Behandlungsansätze eine zunehmende Rolle. In vielen Fällen sind diese verhaltenstherapeutisch geprägt und multimodal aufgebaut. Dabei werden nicht nur schulenübergreifend wirksame Behandlungskomponenten, sondern auch Erkenntnisse zu Basisvariablen der psychotherapeutischen Arbeit verwendet und integriert.

Die Reihe »Störungsspezifische Psychotherapie« hat die störungsspezifische Entwicklung bereits im Jahr 2004 aufgegriffen und bietet mittlerweile für über 20 Störungsbilder evidenzbasierte Manuale an. Klassische Themen wie die Therapie von Angst- oder Essstörungen, Suchterkrankungen oder Psychosen wurden um störungsspezifische Anleitungen für die Behandlung von Symptomen, Syndromen oder speziellen Fragestellungen (Tourettesyndrom, Adipositasbehandlung, Insomnie, stationäre Behandlungsbesonderheiten u.v.m.) ergänzt und durch einzelne Manuale zu Techniken und verwandten Methoden in der Psychotherapie (Achtsamkeitstraining, Hypnotherapie, Interpersonelle Therapie) erweitert.

Die Reihe »Störungsspezifische Psychotherapie« wurde 2004 begründet von Anil Batra und Gerhard Buchkremer, in der Folge weitergeführt von Anil Batra und Fritz Hohagen und mittlerweile herausgeben von Anil Batra und Alexandra Philippsen. Die Buchreihe wird fortlaufend erweitert und aktualisiert, wobei neue Techniken, alternative Vorgehensweisen und die aktuelle Studienlage berücksichtigt werden. Damit sollen die Bände psychotherapeutisch arbeitenden Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen in der praktischen Arbeit neben einer Einführung in die besondere Problematik verschiedener Erkrankungen auch konkrete Anleitungen, online abrufbare praxisnahe Tools sowie Techniken und Vorgehensweisen auch in therapeutisch herausfordernden Situationen zur Verfügung stellen.

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Reihe hilfreiche Anregungen für die klinische Praxis geben zu können.

Anil Batra, TübingenAlexandra Philipsen, Bonn

Geleitwort von Dr. Burkhard Peter

Dieses Manual ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Buch:

Es ist überaus praxisrelevant: Für die psychoherapeutische Praxis stellt es 30 Module vor, die hier auf die hypnotherapeutische Behandlung von Depression ausgerichtet sind, auf andere Störungsbilder aber leicht übertragen werden können. Diese Module werden nicht nur inhaltlich erklärt, sondern auch mit konkreten verbalen Induktions- und Anwendungs-Texten ausgestattet. (Im Zusatzmaterial befindet sich zusätzlich eine Reihe therapeutischer Geschichten und Metaphern, die für die hypnotherapeutische Arbeit hilfreich sind und die mit einem Link von der Kohlhammer Website heruntergeladen werden können.)

Es ist theoretisch fundiert: Dieser anwendungsbezogene Praxisteil stützt sich auf die verständliche Darstellung hypnotherapeutischer Prinzipien für die Psychotherapie im Allgemeinen und für die Behandlung von Depressionen im Besonderen.

Es ist wissenschaftlich evaluiert: Auf Grundlage dieses Manuals wurde der hypnotherapeutische Strang einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) an der Universität Tübingen durchgeführt, in welcher Hypnotherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie verglichen wurde. Damit handelt es sich um das erste empirisch evaluierte Hypnosemanual überhaupt.

Vierzig Jahre nach Gründung der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (M. E.G.) stellt diese Tübinger Depressionsstudie einen entscheidenden Schritt auf dem Weg der Anerkennung von Hypnotherapie bei affektiven Störungen dar, und dieses Buch demonstriert anschaulich deren praktische Durchführung.

Mit großer Anerkennung und herzlichem Dank an die Autorinnen und Autoren, Forscherinnen und Forscher.

München, Februar 2020Dipl.-Psych. Dr. phil. Burkhard PeterGründungsvorsitzender M. E.G. (1978 – 1984)

Geleitwort von Dr. Gunther Schmidt

Das hier vorliegende Manual stellt für den Bereich der Hypnotherapie, nicht nur bei diagnostizierten Depressionen, sondern generell eine wichtige Pionierleistung dar. Für den deutschsprachigen Raum ist es das erste Manual überhaupt, welches die moderne, ressourcenorientierte Hypnotherapie sowohl theoretisch, v. a. aber in klaren, sehr übersichtlichen und praktisch sofort umsetzbaren Schritten für eine spezifische Anwendung darlegt. Darüber hinaus bietet es auch viele Strategien, die sehr wirksam auch auf andere Beschwerdebilder und Anliegen angewendet werden können.

Jede Psychotherapeutin oder jeder Psychotherapeut, die oder der mit als depressiv diagnostizierten Klientinnen oder Klienten arbeitet, weiß, wie schwierig es oft ist, Betroffene dabei zu unterstützen, sich wieder aus oft apathischem Opfer-Erleben und quälender Bedrückung heraus zu bewegen. Gleichzeitig zeigen weltweit die Forschungsergebnisse für diesen Bereich, dass Psychotherapie alleine oder (z. B. bei sehr schweren Symptomen) mit begleitender medikamentöser Unterstützung klar zu besseren Ergebnissen führt als z. B. Pharmakotherapie alleine, was leider in der Praxis bei vielen niedergelassenen Professionellen noch keineswegs wirksam genug durchgedrungen ist. Jedes Forschungsergebnis, welches die Wirksamkeit von Psychotherapie in diesem Bereich belegt, ist deshalb wichtig. Die hier vorliegende Arbeit ist hervorgegangen aus solcher Forschung und ist gleichzeitig deren systematische Grundlage.

Das Erscheinen dieses Manuals freut mich aber auch noch aus anderen Gründen. Viele Kolleginnen und Kollegen, die schon lange gerade bei Menschen mit depressiver Dynamik Hypnotherapie mit außerordentlich gutem Erfolg anwenden, dafür aber keine systematischen evidenzbasierten Forschungsergebnisse vorlegen konnten, können nun mit gutem Gefühl auch auf gut beforschte überzeugende Ergebnisse hinweisen. Denn dieses Manual ist entstanden als Basis-Konzept für genau solche Forschung. Die Milton Erickson Gesellschaft (M. E.G.), bei der ich seit früher Zeit ihres Bestehens die Ehre habe, ihr anzugehören und in ihr mitwirken zu können, hatte sich ja mit umfassendem Konsens aller ihrer Gremien und ihrer Mitglieder entschlossen, diese Forschung mit erheblichen finanziellen Mitteln und mit den tatkräftigen therapeutischen Beiträgen erfahrener Mitglieder aus ihren Reihen zu unterstützen und bei der Umsetzung aktiv zu helfen. Diese Forschung wäre ohne die M. E.G. so nicht möglich gewesen. Auch damit hat die M. E.G. einmal mehr einen wertvollen Dienst geleistet, der weit hinausgeht über die üblichen Funktionen einer Fachgesellschaft. Dafür möchte ich ausdrücklich danken.

Dieses Manual kann auch, da bin ich sicher, für viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die ihren als depressiv diagnostizierten Klientinnen und Klienten schnelle und wirksame Hilfe anbieten wollen, deutlich mehr Sicherheit und klare Orientierung für die Umsetzung effektiver hypnotherapeutischer Strategien geben, gerade angesichts der Vielfalt von Konzepten, die manchmal für Professionelle auch wirken können wie eine »Konfusionstechnik«, da sie teilweise sehr unterschiedliche, manchmal auch widersprüchliche Strategien empfehlen.

Auch hinsichtlich eines weiteren wesentlichen Aspekts finde ich es sehr wertvoll. Es gibt neben der stringenten Systematik eines logisch präzise aufbereiteten praktischen Vorgehens auch einen klar verstehbaren, strukturierten Überblick über wesentliche Grundaspekte der modernen Hypnotherapie. Auch in unserer heutigen Zeit erscheint mir gerade dies sehr notwendig im Feld der Psychotherapie, da es immer noch auch unter vielen Professionellen anderer psychotherapeutischer Fachrichtungen (und bei »Laien« ohnehin) viele teilweise bizarre Missverständnisse und Vorurteile über Hypnotherapie gibt, die sehr hinderlich wirken dafür, dass diese so effektive und gleichzeitig so wertschätzende und achtungsvolle Methode mehr bedürftigen Menschen zugänglich gemacht wird. Denn die moderne Hypnotherapie, insbesondere die Konzepte in ihr, die aufbauen auf den Arbeiten von Milton Erickson, bietet in umfassender und absolut kongruenter Form ein psychotherapeutisches Vorgehen, welches belegbar konsequent ermöglicht, dass sich Klientinnen und Klienten in ihrer Einzigartigkeit und Autonomie kongruent gewürdigt erleben und dabei meist schnell und nachhaltig wirksam dabei unterstützt werden können, ihre im eignenen unbewussten Erfahrungsrepertoire »schlummernden« Kompetenzen und Potenziale zieldienlich zu aktivieren. Die hier dargelegte Hypnotherapie stellt also beweisbar das diametrale Gegenteil dar von den so oft völlig abschreckend schrägen Vorstellungen über Hypnose, wie sie z. B. in den häufig sehr entwürdigenden Szenarien einer Bühnenhypnose und »Blitzhypnosen« etc. vermittelt werden.

Dieses Manual bietet in seriöser Weise auch viel hilfreiches Anschauungsmaterial dafür, solch ungünstige Missverständnisse über dieses so wertvolle und wirksame Verfahren zu vermitteln. Ich wünsche ihm auch deshalb den hoffentlich großen Erfolg, den es aus meiner Sicht sehr verdient.

Dr. med. Dipl. rer. pol. Gunther SchmidtLeiter des Milton-Erickson-Instituts HeidelbergÄrztlicher Direktor der sysTelios-Klinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung Waldmichelbach-Siedelsbrunn

Geleitwort von Bernhard Trenkle

Das ist das erfolgreiche Projekt, vor dem wir international von den Expertinnen und Experten mehrfach gewarnt wurden. Wir haben uns für dieses Forschungsvorhaben bei internationalen Spezialistinnen und Spezialisten für Hypnose und Depression Rat eingeholt. Sowohl Michael Yapko, der mehrere Fachbücher zum Thema Hypnose und Depression verfasst hat, als auch der Direktor der Milton H. Erickson Foundation, Jeffrey Zeig, haben geraten, Verhaltenstherapie ohne Hypnose mit Verhaltenstherapie mit Hypnose zu vergleichen und so zu belegen, dass Hypnose in der Depressionstherapie sinnvoll ist.

Wir wollten jedoch unsere in der therapeutischen Arbeit bewährten Konzepte erstmalig zu einem eigenständigen Hypnotherapie-Manual zusammenstellen und dieses neue Manual mit dem »Goldstandard« (randomisiertes Kontrollgruppen-Design) der psychotherapeutischen Depressionstherapie vergleichen. Die kognitive Verhaltenstherapie war natürlich schon Jahrzehnte eingeführt und das entsprechende Behandlungsmanual überprüft, als wirksam belegt und sicher im Verlauf der langen Entwicklung modifiziert und optimiert.

Das Erstellen unseres Manuals war dann doch nicht so einfach und unkompliziert. Vorteilhaft war, dass die beteiligten Ausbilderinnen und Ausbilder der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose seit über 30 Jahren Erfahrung haben, fortgeschrittene Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten verschiedener Schulen hypnotherapeutisch fortzubilden. Von dorther lagen aus diesen Seminaren schon viele Konzepte und Texte für Therapiestunden vor. Wie man so etwas nun in ein Manual packt, das Therapiestunde für Therapiestunde einen sinnvollen Aufbau hat und das dann von verschiedenen Therapeutinnen oder Therapeuten bei ganz unterschiedlichen Patientinnen und Patienten eingesetzt werden kann, das war für fast alle von uns Neuland.

Zahlreiche erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten und Ausbilderinnen und Ausbilder wie Ortwin Meiss, Heinz-Wilhelm Gössling, Clemens Krause, Wolfram Dorrmann, Martin Braun, Elsbeth Freudenfeld sowie die Autorinnen und Autoren dieses Buches und ich selbst haben da wichtige Vorarbeit geleistet, Sitzungen erarbeitet und viele erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu Rate gezogen. Ich selbst habe meine vielfältigen internationalen Kontakte genutzt, um bei internationalen Spezialistinnen und Spezialisten Know-how zu erfragen.

Dabei waren die große Forschungs- und Therapieerfahrung von Prof. Dirk Revenstorf sowie die psychiatrische und psychotherapeutische Erfahrung der Chefärztin einer psychiatrischen Klinik, Claudia Wilhelm-Gössling, besonders wertvoll. So wurden durch die Synergie aller Beteiligten die Einzelteile zu einem so sinnvollen und erfolgreichen Ganzen zusammengefügt.

Das zugegebenermaßen etwas tollkühne Risiko hat sich gelohnt. Das in diesem Buch dargelegte Manual hat sich als genauso wirksam erwiesen wie die bekanntermaßen effektive kognitive Verhaltenstherapie nach Aaron Beck. Wir glaubten, das von unserer klinischen Erfahrung her zu wissen, und die Rückmeldungen unserer verhaltenstherapeutischen Kolleginnen und Kollegen mit Hypnoseausbildung gingen in diese Richtung. Wirklich hochkarätig wissenschaftlich belegt war das bisher noch nicht.

Die Leserinnen und Leser bekommen mit diesem Buch kompakt drei bis vier Jahrzehnte klinischer Erfahrung von vielen Kolleginnen und Kollegen im Bereich Hypnotherapie für die Behandlung von Depression komprimiert in 30 Modulen für 20 Sitzungen als Grundlage für die therapeutische Arbeit mit depressiven Klientinnen und Klienten.

Damit lässt sich hervorragend arbeiten und damit liegt ein geschlossenes, als wirksam belegtes hypnotherapeutisches Behandlungskonzept für die Therapie von Depressionen vor.

Der Pionier moderner Hypnotherapie war gegen das Gründen von Therapieschulen und meinte, jede Patientin und jeder Patient wäre absolut individuell, sozusagen mit einer eigenen Therapieschule, zu behandeln. Das Behandlungsmanual lässt Spielraum für das individuelle Maßschneidern von Therapien auf spezielle Situationen. Das Manual der kognitiven Verhaltenstherapie war genauso wirksam. Frühere Studien hatten schon belegt, dass kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit Hypnotherapie der reinen Verhaltenstherapie überlegen ist.

Die Kombination von bewährten, überprüften Methoden und Techniken und das individuelle Eingehen auf besondere Situationen kombiniert mit der Offenheit für wirksame Konzepte anderer Therapieansätze dürfte in der Summe für die Patientinnen und Patienten den meisten Erfolg bringen.

In diesem Sinne ist diesem bahnbrechenden Pionierwerk ein großer Erfolg zu wünschen.

Bernhard Trenkle, Dipl.-Psych., Dipl.-Wi.-Ing.Präsident der International Society of Hypnosis ISH (2018 – 2021)

Inhalt der Onlinematerialien

Wichtige Informationen sowie den Link, unter dem die Zusatzmaterialien verfügbar sind, finden Sie in am Ende von ▸ Kap. 8 am Ende des Bands.

Karteikarten

Karteikarte 1: Basisinformationen (▸ Kap. 4.1)

Karteikarte 2: Erste Tranceerfahrung (▸ Kap. 4.2)

Karteikarte 3: Sicherer Ort (▸ Kap. 4.3)

Karteikarte 4: Ballonfahrt – Basismodul (▸ Kap. 5.1)

Karteikarte 5: Tieftrance und Posthypnotische Suggestion (▸ Kap. 5.2)

Karteikarte 6: Einflechten (▸ Kap. 5.3)

Karteikarte 7: Kompetenzstärkung (▸ Kap. 5.4)

Karteikarte 8: Loslassen (▸ Kap. 5.5)

Karteikarte 9: Lösungserfahrungen (▸ Kap. 5.6)

Karteikarte 10: Zukunftsprojektion (▸ Kap. 5.7)

Karteikarte 11: Lösungsvision Kinotechnik (▸ Kap. 5.8)

Karteikarte 12: Selbsthypnose – Basismodul (▸ Kap. 5.9)

Karteikarte 13: Paradiesort (▸ Kap. 6.1)

Karteikarte 14: Schlafstörungen – Grübeln (▸ Kap. 6.2)

Karteikarte 15: Wieder einschlafen (▸ Kap. 6.3)

Karteikarte 16: Kindheitserfahrungen (▸ Kap. 6.4)

Karteikarte 17: Ballonfahrt – Aufbaumodul (▸ Kap. 6.5)

Karteikarte 18: Kompetenzerfahrung (▸ Kap. 6.6)

Karteikarte 19: Stellvertreter-Technik (▸ Kap. 6.7)

Karteikarte 20: Der »Genug-Ort« (▸ Kap. 6.8)

Karteikarte 21: Interaktionsmuster (▸ Kap. 6.9)

Karteikarte 22: Vom Grübeln zum Handeln (▸ Kap. 6.10)

Karteikarte 23: Sinnfindung (▸ Kap. 6.11)

Karteikarte 24: Suizidalität (▸ Kap. 6.12)

Karteikarte 25: Neutralisieren von lebensfeindlichen Botschaften (▸ Kap. 6.13)

Karteikarte 26: Krisenintervention – akute Suizidalität (▸ Kap. 6.14)

Karteikarte 27: Bestandsaufnahme – Zwischenresümee (▸ Kap. 7.1)

Karteikarte 28: Rückfallprophylaxe 1 – Selbsthypnose Aufbaumodul/Ziele verwirklichen (▸ Kap. 8.1)

Karteikarte 29: Rückfallprophylaxe 2 – Zeitprogression nahe Zukunft (▸ Kap. 8.2)

Karteikarte 30: Abschlusssitzung (▸ Kap. 8.3)

Arbeitsblätter

Arbeitsblatt 1: Onlinematerialien zur Strukturbezogenen Hypnotherapie (▸ Kap. 3)

Arbeitsblatt 2: Onlinematerial – Sprachmodelle der Hypnotherapie (▸ Kap. 3.2)

Arbeitsblatt 3: Onlinematerial – Motivierung und Basisinformationen (▸ Kap. 4.1)

Arbeitsblatt 4: Onlinematerial – Erste Tranceerfahrung (▸ Kap. 4.2)

Arbeitsblatt 5: Trance im Wortlaut – Innerer Sicherer Ort (▸ Kap. 4.3)

Arbeitsblatt 6: Trance im Wortlaut – Ballonfahrt Basismodul und Ballonfahrt Aufbaumodul (▸ Kap. 5.1 und 6.5)

Arbeitsblatt 7: Trance im Wortlaut – Tieftrance und Posthypnotische Suggestion (▸ Kap. 5.2)

Arbeitsblatt 8: Fallbeispiel – Tieftrance und Posthypnotische Suggestion (▸ Kap. 5.2)

Arbeitsblatt 9: Trance im Wortlaut – Ressourcenaktivierung – Loslassen (▸ Kap. 5.5)

Arbeitsblatt 10: Trance im Wortlaut – Ressourcenaktivierung – Lösungserfahrungen (▸ Kap. 5.6)

Arbeitsblatt 11: Onlinematerial – Lösungsvision Kinotechnik (▸ Kap. 5.8)

Arbeitsblatt 12: Onlinematerial – Selbsthypnose – Basismodul (▸ Kap. 5.9)

Arbeitsblatt 13: Onlinematerial – Innerer Paradiesort (▸ Kap. 6.1)

Arbeitsblatt 14: Onlinematerial – Schlafstörungen – Grübeln (▸ Kap. 6.2)

Arbeitsblatt 15: Onlinematerial – Kindheitserfahrungen (▸ Kap. 6.4)

Arbeitsblatt 16: Fallbeispiel zur Durchführung – Kompetenzerfahrung (▸ Kap. 6.6)

Arbeitsblatt 17: Fallbeispiel – Stellvertreter-Technik (▸ Kap. 6.7)

Arbeitsblatt 18: Trance im Wortlaut – Der »Genug-Ort« (▸ Kap. 6.8)

Arbeitsblatt 19: Onlinematerial – Interaktionsmuster (▸ Kap. 6.9)

Arbeitsblatt 20: Fallbeispiel –- Suizidalität (▸ Kap. 6.12)

Arbeitsblatt 21: Onlinematerial – Neutralisieren von lebensfeindlichen Botschaften (▸ Kap. 6.13)

Arbeitsblatt 22: Onlinematerial – Krisenintervention: akute Suizidalität (▸ Kap. 6.14)

Arbeitsblatt 23: Bestandsaufnahme – Zwischenresümee (▸ Kap. 7.1)

Arbeitsblatt 24: Onlinematerial – Rückfallprophylaxe 1 – Selbsthypnose Aufbaumodul/Ziele verwirklichen (▸ Kap. 8.1)

Arbeitsblatt 25: Onlinematerial – Rückfallprophylaxe 2 – Zeitprogression nahe Zukunft (▸ Kap. 8.2)

Arbeitsblatt 26: Trance im Wortlaut – Abschlusssitzung (▸ Kap. 8.3)

Metaphern

Überblick über die thematisch gruppierten Geschichten und Metaphern1:

Opfer sein

1.

Der erste Preis

2.

Das Kreuz, das nicht passt

3.

Die Kokosnuss

4.

Wer hat die Tonne hierher gestellt?

5.

Binde dein Kamel fest

6.

Das geliehene Geld

7.

Frosch und Skorpion

Hilflosigkeit

8.

Der Elefant

9.

Der Baum

10.

Die Frösche im Milchtopf

Kognitive Stile/Rigidität

11.

Göttliche Erlaubnis

12.

Das perfekte Kamel

13.

Das Glück lag am Wegesrand

14.

Die Mönche

15.

Das Gewächshaus

Kognitive Stile/negative Sichtweisen

16.

Der beste Verkäufer

17.

Faul in der Sonne

18.

Die Macht der Gewohnheit

19.

Schritt zur Seite

20.

Die viel zu kleine Wohnung

21.

Die verlorenen Juwelen

Perspektiven

22.

Der Ölbaum

23.

Mal sehen

24.

Der Tempel der tausend Spiegel

25.

Kung Fu und der Bambus

Wahlmöglichkeiten und Veränderungen

26.

Die Probe

27.

Die zwei Hemden

28.

Adler und Henne

Pacing und Leading

29.

Der gefürchtete Restaurantbesuch

30.

Die Trauer des Königs

Verschiedenes

31.

Die drei Türen

32.

Der Einbeinige

33.

Die Steinpalme

34.

Die Metamorphose der Raupe

35.

Das Porträt des Vogels

36.

Till Eulenspiegel

37.

Die zwei Wölfe

38.

Turandot

39.

Adler als Huhn

40.

Reisaffen

Endnoten

1Die Bedeutung des Begriffs »Metapher«, wie sie im Buch verwendet wird, geht über die sprachwissenschaftliche Bedeutung hinaus und schließt stellvertretend auch »Parabeln« und »Erzählungen«, die mit bildhaften Übertragungen spielen, mit ein.

Teil A Hintergrund

1 Einleitung

Kristina Fuhr

Depressionen sind zu einer Volkskrankheit geworden. Bezogen auf die mit einer Krankheit gelebten Lebensjahre (Years lived with Disease/Disability, YLD), die regelmäßig von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhoben werden, sind psychische Störungen weiterhin der Hauptgrund für chronische Erkrankungen in der europäischen Bevölkerung (GBD 2019 Mental Disorder Collaborators 2022). Dabei standen Depressionen mit etwa 7,5 % bereits im Jahr 2015 mit an vorderster Stelle für YLD (Global Health Estimates 2015; World Health Organization 2017). Es scheint, als wären die Prävalenzen für die Major Depressionen in den letzten Jahren angestiegen, wenn man beispielsweise die Prävalenzraten in den USA in den letzten Jahrzehnten miteinander vergleicht (Kessler et al. 2003; Kessler et al. 2012). Dabei wurden im Jahr 2003 Lebenszeitprävalenzen von 16 – 20 % (Kessler et al. 2003), zehn Jahre später bereits von knapp 30 % berichtet (Kessler et al. 2012). Die 12-Monatprävalenz dagegen liegt kontinuierlich um die 7 – 10 % (Kessler et al 2003, 2012; Jacobi et al. 2014). Das Ersterkrankungsalter hat sich hin zu jüngeren Jahrgängen verschoben, die meisten Betroffenen erkranken bereits vor dem 31. Lebensjahr (Jacobi et al. 2004). Welchen Einfluss die Covid-19-Pandemie auf die Prävalenzraten hat, muss in einigen Jahren abschließend diskutiert werden. Erste Hinweise zeigen eine Zunahme der Prävalenzen, speziell von Depressionen (COVID-19 Mental Disorders Collaborators 2021). Insgesamt mehr als 300 Mio. Menschen leiden unter Depressionen und machen etwa 4,4 % der Weltbevölkerung aus (World Health Organization 2017). In Deutschland liegt die Ein-Jahres-Prävalenz ebenfalls bei etwa 10 %, wobei in der Regel etwa doppelt bis zwei Drittel so viele Frauen im Vergleich zu Männern betroffen sind (Jacobi et al. 2014; Steinmann et al. 2012). In weniger als 20 % der Fälle kann eine depressive Episode chronisch verlaufen, aber auch wenn es zu vollständigen Remissionen kommt, besteht oft ein erhebliches Rezidivrisiko. In mind. 50 % aller Fälle kommt es nach einer ersten depressiven Episode zu weiteren Episoden, wobei das Rezidivrisiko mit jeder Episode ansteigt, nach der dritten Episode liegt es bereits bei 90 % (Belsher und Costello 1988; BÄK et al. 2022). Depressionen weisen außerdem sehr hohe Komorbiditätsraten auf, insbesondere mit anderen psychischen Störungen, so zeigen um die 60 % mind. eine weitere und knapp 25 % sogar drei oder mehr komorbide Störungen (Jacobi et al. 2014), häufig finden sich darunter Angststörungen (50 %), aber auch substanzbezogene Störungen (30 %), somatoforme Störungen oder Persönlichkeitsstörungen. Es zeigen sich aber auch Komorbiditäten mit verschiedensten körperlichen Erkrankungen, u. a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes (für einen Überblick siehe DGPPN et al. 2015, S. 18 – 19). Die gute Nachricht ist, dass die Dauer einer depressiven Episode durch eine Behandlung um etwa die Hälfte auf im Mittel 16 Wochen verkürzt werden kann (Kessler et al. 2003). Die schlechte Nachricht ist, dass nur 42 % aller Betroffenen eine adäquate Behandlung erhalten (Kessler et al. 2003; DGPPN et al. 2015). Nach wie vor ist es deswegen wichtig, die Situation für Betroffene zu verbessern. Viele Fälle bleiben auch in Deutschland nicht adäquat im Gesundheitssystem versorgt. Deswegen werden bestehende Behandlungsmöglichkeiten erweitert sowie alternative Therapiemöglichkeiten gestestet und in vielen Studien wissenschaftlich evaluiert.

1.1 Diagnose der Depression

Depressive Episoden sind gekennzeichnet von Traurigkeit und Interessensverlust (als Hauptkriterien), fast täglich anhaltend über mindestens zwei Wochen. Hinzu kommen Symptome wie Selbstwertverlust oder Schuldgefühle, Schlafstörungen und Appetitstörungen, Erschöpfung, Suizidgedanken, schlechte Konzentration, aber auch Antriebsstörungen. Die Symptome führen zu Beeinträchtigungen bei Arbeits- und Schulleistungen und in anderen Bereichen. Unterschieden wird zwischen einzelnen oder rezidivierenden Episoden, klassifiziert außerdem nach aktuellem Schweregrad. Je nach aktueller Ausprägung, früheren Episoden sowie Vorerfahrungen bzw. Präferenzen für eine bestimmte Behandlung, haben verschiedene Gesellschaften und Gremien in der nationalen Versorgungsleitlinie anhand der empirischen Evidenz verschiedene Behandlungsempfehlungen abgeleitet (DGPPN et al. 2015; BÄK et al. 2022). Bezüglich der Diagnosestellung ist anzumerken, dass sich die Kriterien für eine depressive Episode im Großen und Ganzen auch bei den neuesten Entwicklungen der Klassifikationssysteme (z. B. DSM-5, American Psychiatric Association 2013, und ICD-11, World Health Organisation 2019/2021) nicht verändert haben, auch wenn jede Depression anders aussehen kann, z. B. durch eine unterschiedliche Kombination der verschiedenen Symptome. Gerade das heterogene Bild der Depressionen (melancholischer Typus, atypische oder agitierte Form der Depression, Schlafstörungen, die im Vordergrund stehen, oder auch chronische Verläufe etc.) macht es schwer, eine geeignete standardisierte Behandlung zu finden, welche das jeweilige Symptombild adäquat adressieren kann.

1.2 Leitlinienempfehlungen für die Behandlung

Die nationale S3-Versorgungsleitlinie zur unipolaren Depression (DGPPN et al. 2009, 2015; BÄK et al. 2022) begründet ihre Empfehlungen zur Diagnosestellung und Behandlung auf die aktuelle Evidenz, die zudem im Expertenkonsensus erarbeitet und formuliert werden. Vorrangig werden dafür Übersichtsarbeiten sowie Ergebnisse randomisiert kontrollierter klinischer Studien (RCTs) als wissenschaftliche Grundlage herangezogen. Die aktuellste Leitlinienversion, Reports und Bearbeitungen sind unter https://www.leitlinien.de/nvl/ abzurufen.

Die nationale Versorgungsleitlinie zur Depression ist eine der umfangreichsten Leitlinien und eine der wenigen, die sich speziell auf die in Deutschland am weitesten verbreitete psychische Erkrankung bezieht. Entsprechend detailliert werden hier die verschiedenen Behandlungsansätze vorgestellt, Hintergründe über das nationale Versorgungssystem gegeben und entsprechende Empfehlungen für die einzelnen Behandlungsansätze anhand deren Evidenz abgeleitet. Die Leitlinie empfiehlt z. B. bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden die Anwendung einer Psychotherapie allein oder alternativ zu einer medikamentösen Behandlung. Dies gilt mit Ausnahme der schweren Depression, bei der eine Kombinationsbehandlung empfohlen wird (BÄK et al. 2022). Nach wie vor gilt die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) als evidenzbasiert mit dem höchsten bzw. eindeutigsten Empfehlungsgrad. Insbesondere für die KVT liegen inzwischen die meisten Studien und Belege in Form von RCTs, aber auch diversen Meta-Analysen und anderen Überblicksartikeln vor (DGPPN et al. 2009, 2015). In der aktuellen Version der Leitlinie (BÄK et al. 2022) werden Evidenzen für die Richtlinienverfahren, die vom Versorgungssystem abgedeckt werden (KVT, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Analytische Psychotherapie und Systemische Therapie) dargestellt und bei den Empfehlungen schulenübergreifend von Psychotherapie gesprochen, ohne die KVT vorrangig zu behandeln. Die vorliegende Literatur belegt, dass bei leichten und mittelgradigen (teilweise auch bei schweren) Formen der depressiven Störung psychotherapeutische Verfahren kurzfristig ähnlich wirksam sind wie medikamentöse Therapien und langfristig sogar höhere Wirksamkeit insbesondere auf die Verhinderung von Rückfällen aufweisen (z. B. Hollon et al. 2005, DGPPN et al. 2015). Ein anderer Überblicksartikel konnte zeigen, dass psychologische Interventionen (z. B. KVT oder Verhaltensaktivierung) gegenüber der üblichen Standardbehandlung, aber auch gegenüber einer strukturierten Pharmakotherapie überlegen waren (Cuijpers et al. 2011). Ein kritischer Review (Turner et al. 2008), der auf eine Verzerrung bei der Veröffentlichung von Studienergebnissen hinsichtlich einer Überschätzung der Wirksamkeit von Antidepressiva hinweist, kann wiederum für die weitere Psychotherapieforschung optimistisch stimmen.

1.3 Psychotherapie bei Depression

Insgesamt zeigte sich im überwiegenden Teil der für die Leitlinie betrachteten Studien und Überblicksartikel entweder eine Überlegenheit oder Äquivalenz der Wirksamkeit von KVT im Vergleich zu anderen Behandlungsbedingungen. Einige der Meta-Analysen zeigten, dass die KVT in der Akutbehandlung gegenüber Warteliste, Pharmakotherapie und anderen Psychotherapieansätzen (Interpersonelle Psychotherapie, psychodynamische Therapie, supportive Therapie oder Entspannungsverfahren) in der Reduktion depressiver Symptome im Mittel nach 16 Wochen überlegen war (z. B. Gloaguen et al. 1998; Gaffan et al. 1995). Andere hingegen fanden keine Unterschiede in der Wirksamkeit der KVT und der psychodynamischen Therapie oder anderer Ansätze (Shinohara et al. 2013; Mazzucchelli et al. 2009). Zwei Meta-Analysen, die sich explizit mit der Wirksamkeit von psychodynamischen Kurzpsychotherapien befassten, fanden eine äquivalente Wirksamkeit wie für die KVT oder Interpersonelle Psychotherapie (Crits-Christoh et al. 1992; Leichsenring 2001). Des Weiteren wurden auch systematisch verschiedene Psychotherapieformen in ihrer Wirksamkeit miteinander verglichen, wie z. B. die KVT und die Psychodynamische Therapie, wobei sich eine äquivalente Wirksamkeit der psychodynamischen Therapie gegenüber der KVT zeigte, was als weitere Evidenz für die Wirksamkeit der Psychotherapie allgemein gewertet wurde (z. B. Driessen et al. 2014).

Trotz der vielversprechenden Evidenz für die Wirksamkeit der Psychotherapie bei Depressionen liegen die Erfolgsquoten bei der KVT nur bei etwa 50 % (z. B. Luty et al. 2007). Mit dem Ziel einer Optimierung und Verbesserung der klinischen Wirksamkeit psychotherapeutischer Angebote für unipolar-depressive Störungen werden immer wieder neue Behandlungsansätze entwickelt und beforscht. So wurden Verfahren der sog. dritten Welle der Verhaltenstherapie z. B. im Rahmen der Schematherapie (Young et al. 2003, 2007), der emotionsfokussierten Therapie (Greenberg und Watson 2006) sowie der Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy (CBASP) (McCollough 2003) in den letzten Jahrzehnten stärker beforscht. In der Leitlinie (BÄK et al. 2022) werden sowohl CBASP als auch die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie als Weiterentwicklung der KVT aufgrund der Anzahl vorliegender Studien beschrieben.

1.4 Stellenwert der Hypnotherapie

Erste Erwähnungen fand die Hypnotherapie (HT) in der klinischen Literatur bereits im 18. Jh. Bis heute liegen jedoch erst wenige randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zu hypnotherapeutischen Methoden, insbesondere zur Behandlung von Depressionen, vor. Frühe Studien befassten sich mehr mit klinischen Einzelfallberichten (z. B. Erickson und Kubie 1941; Yexley 2007). Die Hypnotherapie findet deswegen auch keinerlei Erwähnung in der aktuellen S3-Versorgungsleitlinie zur Depression. Auch wenn es einige RCTs gibt, in denen unter Hypnose eine mittlere Wirksamkeit gefunden wurde (Flammer und Bongartz 2003), so beziehen sich die meisten der Studien mehr auf medizinische als psychische Störungen, zudem wurde in der Regel nicht mit einer vergleichbaren Behandlung, sondern mit einer Kontrollgruppe ohne Behandlung verglichen, was die Generalisierbarkeit der Ergebnisse limitiert. In der bislang einzigen Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP)2 zur Hypnotherapie (Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie 2006) besteht eine wissenschaftliche Anerkennung nur für die Rauchentwöhnung, die Begleitung im Methadonentzug sowie bei der Behandlung von psychophysiologischen Störungen, nicht aber für die Behandlung der Depression.

Eine Meta-Analyse zur Effektivität der HT zusätzlich zur KVT belegt additive Effekte der Hypnose auf verschiedene medizinische Probleme und einige Angstsymptome (z. B. Kirsch et al. 1995). Was die Effektivität der HT bei Depressionen angeht, so liegen bisher zwar einige Studien vor, die jedoch methodische Schwierigkeiten aufweisen. Es gibt inzwischen zwei Meta-Analysen zur Behandlung von depressiven Symptomen mit HT (Shi et al. 2009; Milling et al. 2019), die eine signifikante Reduktion der Symptomatik nachweisen konnten, teilweise wurden aber auch Studien miteinbezogen, bei denen Personen mit lediglich selbstberichteten erhöhten depressiven Symptomen untersucht wurden oder eine zufällige Zuteilung zu den Studienbedingungen nicht eindeutig erkennbar war. Eine zufällige Zuteilung und eine diagnostizierte depressive Störung wären aber Voraussetzung für eine Anerkennung durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie oder für eine Berücksichtigung für die Leitlinien. Ein Update der Meta-Analyse zu additiven Effekten der HT (Ramondo et al. 2021) fand auch bei der Behandlung von Depressionen Effekte der HT zusätzlich zur KVT im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit KVT. Die Studienlage zur Evidenz der Hypnotherapie bei Depressionen mit Stand 2022, die alle veröffentlichten RCTs in dem Bereich berücksichtigte, ist in einem narrativen Review zusammengefasst (Fuhr et al. 2022). In einer RCT, die eine Gruppentherapie mit HT mit Yoga (jeweils zusätzlich zu Psychoedukation) und einer Bedingung mit reiner Psychoedukation verglich, zeigte sich zwar eine Symptomreduktion für Patientinnen und Patienten mit Dysthymie bzw. Depression, allerdings unterschied sich die Gruppe mit HT bezüglich des Anteils von Personen in Remission nicht signifikant von der Kontrollgruppe mit reiner Psychoedukation (Butler et al. 2008). Eine neuere Studie zeigte eine Überlegenheit der hypnotherapeutischen Behandlung gegenüber Gestalttherapie in Kombination mit KVT und einer Kontrollgruppe in Bezug auf die Reduktion der depressiven Symptomatik (Gonzalez-Ramirez et al. 2017). In beiden Studien handelte es sich tatsächlich um Patientinnen und Patienten in klinisch diagnostizierter depressiver Episode. Die Fallzahl war allerdings extrem gering und die Auswahl der Patientinnen und Patienten für die Studie sowie die Zuteilung zu den Bedingungen bleibt unklar bzw. quasi-experimentell. Dagegen zeigte sich die »kognitive Hypnotherapie«, die aus einer Kombination von KVT mit zusätzlichen hypnotherapeutischen Elementen bestand, der reinen Behandlung mit KVT überlegen (Alladin und Alibhai 2007). An dieser Studie ist kritisch anzumerken, dass ein zusätzlicher Effekt der HT auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass in dieser Bedingung zusätzliche Interventionen stattgefunden hatten, so dass eine Äquivalenz der beiden Bedingungen im Hinblick auf die erhaltene »Dosis« nicht gegeben war und somit auch die Ergebnisse nicht vergleichbar sind. Bislang fehlten insofern noch weitere Wirksamkeitsnachweise insbesondere auf Basis von RCTs, speziell zur Behandlung von Depressionen mit HT im Vergleich mit der kognitiven Verhaltenstherapie.

Das hier präsentierte Manual wurde im Rahmen einer Psychotherapiestudie zum Vergleich von Hypnotherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie in Deutschland systematisch zusammengestellt. Das RCT wurde durchgeführt, um zeigen zu können, dass HT im Vergleich zur KVT bezogen auf die Reduktion der depressiven Symptomatik nicht unterlegen ist. Als Vergleichsbedingung wurde die KVT gewählt, die in den Behandlungsleitlinien mit der höchsten Evidenz empfohlen wird. Die Studie wurde zwischen 2014 und 2018 am Universitätsklinikum Tübingen durchgeführt und finanziell von der Milton Erickson Gesellschaft (M. E.G.) unterstützt. Verschiedene Hypnotherapeutinnen und Hypnotherapeuten der M. E.G. haben für die Anwendung in der Studie das hier präsentierte Manual als eine Sammlung verschiedener therapeutischer Strategien aus dem Bereich der hypnotherapeutischen Arbeit zusammengestellt. Neu an dem Manual ist, dass die verschiedenen hypnotherapeutischen Module in ein strukturbezogenes Modell der Hypnotherapie (▸ Kap. 3), und somit in ein psychodynamisches Verständnis, eingebettet sind.

In der Studie wurden insgesamt 152 Patientinnen und Patienten mit aktueller noch leichter oder mittelgradiger depressiver Episode jeweils zur Hälfte einer Behandlung mit HT oder KVT randomisiert zugewiesen. Die Dauer der ambulanten Einzelbehandlung beinhaltete jeweils bis zu 20 Sitzungen in einem Zeitraum von sechs Monaten. Nach Ende der psychotherapeutischen Behandlung mit HT oder KVT sowie sechs und zwölf Monate später wurden alle Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer bezüglich ihrer Symptomatik – durch für die Studienbedingung blinde Diagnostikerinnen und Diagnostiker – nachbefragt. Die Teilnahme an der Studie war mit der 12-Monats-Katamnese für die Patientinnen und Patienten nach insgesamt anderthalb Jahren beendet (für den Studienablauf siehe Fuhr et al. 2017). Im Rahmen der durchgeführten Studie konnte gezeigt werden, dass die HT der KVT nicht unterlegen war (Fuhr et al. 2021). Die Nicht-Unterlegenheit konnte sich auch dreieinhalb Jahre nach Behandlungsende an einem Teil der Gesamtstichprobe finden (Fuhr et al. 2023).

In den folgenden Kapiteln wird eine kurze Einführung in die Hypnotherapie gegeben (▸ Kap. 2), das strukturbezogene Modell vorgestellt, das der Anwendung der Module des Manuals zugrundeliegt (▸ Kap. 3), um schließlich in Teil B vertieft in die Hypnotherapeutische Depressionstherapie einzutauchen und die einzelnen Module der Behandlung zu erläutern (▸ Kap. 4 – 8 in Teil B).

2 Einführung in die Hypnotherapie

Dirk Revenstorf

2.1 Allgemeines

Bestimmte Dinge werden in jeder Therapie ähnlich ablaufen, egal ob es um eine kognitiv-verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische, humanistische, systemische oder eine andere Art der Behandlung geht. Derartige Aspekte sind z. B. Einfühlung, Interesse zeigen, Exploration von aktuellen Themen oder von Erfahrungen seit bzw. in der letzten Sitzung. Hypnotherapie unterscheidet sich allerdings im sprachlichen Duktus von anderen Therapieformen, da dem »Pacing« besondere Bedeutung gegeben wird (s. u.). Pacing im hypnotherapeutischen Sinne bedeutet, als Therapeutin oder Therapeut zunächst ganz an die Gefühlswelt, die Gedanken, die vorherrschenden Sinnesmodalitäten und das gezeigte Verhalten der Patientin oder des Patienten anzuknüpfen, die Äußerungen der Patientin oder des Patienten dabei (eventuell sogar wortwörtlich) zu wiederholen sowie ggf. auch schon mit einigen eingestreuten Bemerkungungen zu ergänzen und so ein vertieftes Verständnis für das jeweilige Erleben des oder der Anderen zum Ausdruck bringen. Darüber hinaus ist das Besondere an der Hypnotherapie die Einbeziehung eines veränderten Bewusstseinszustandes, der durch die Hypnose ausgelöst wird. Dieser Zustand hat spezifische Charakteristika, die therapeutisch auf unterschiedliche Weise genutzt werden können und hier kurz beschrieben werden.

Hypnose ist ein traditionelles Heilverfahren, das eine der Urformen der Psychotherapie darstellt, wenn man Mesmers Gruppensitzungen im 18. Jahrhundert als Vorläufer psychotherapeutischer Behandlung versteht. Er sah die Heilung in einer vermuteten Regulierung von Energieströmen im Organismus. Die heutige Hypnotherapie, die sich im 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss des amerikanischen Psychiaters Milton H. Erickson entwickelte (Erickson und Rossi 2006), ist eine breit angelegte Methode mit einem vollkommen anderen Verständnis von Psychotherapie und Heilung. Sie verfügt über eine Vielzahl von Techniken, die praktisches Handwerkszeug zur Erreichung bestimmter medizinischer und psychotherapeutischer Ziele liefern. Hypnotherapie im Sinne von Erickson ist in erster Linie an Problemlösung und Gesundung und erst in zweiter Linie an Ursachenforschung und Diagnostik orientiert.

Hypnose, bzw. »hypnotische Trance« ist nach neueren neurobiologischen Erkenntnissen ein veränderter Bewusstseinszustand, in dem die Aufmerksamkeit fokussiert, die Absorption in Vorstellungen intensiviert und gleichzeitig die (kritische) Selbstreflexion vermindert ist, und in dem die Begrifflichkeiten der Alltagsvernunft in den Hintergrund treten (Revenstorf, Peter und Rasch 2023; Revenstorf 2017; Peter und Revenstorf 2018). Dadurch entsteht eine größere Durchlässigkeit zu körperlichen Prozessen, zur Erinnerung, zum emotionalem Erleben, ein eher intuitiver Zugang zu Bildern sowie eine erhöhte Suggestibilität. Hypnotische Trance geht im Allgemeinen mit einer Innenwendung der Aufmerksamkeit und einer größeren gedanklichen Freiheit einher, als sie das Alltagsbewusstsein zulässt, wodurch innere »Suchprozesse« und neue assoziative Verknüpfungen erleichtert werden. Die menschliche Informationsverarbeitung besteht nach konstruktivistischer Auffassung, die sich neurophysiologisch gut untermauern lässt, nicht etwa darin, sich direkt an der Wahrnehmung der Realität, im Sinne von S. Freud am Lustprinzip oder im Sinne von B. F. Skinner an der positiven Vertärkung zu orientieren. Vielmehr besteht Orientierung des Organismus darin, aus bisheriger Erfahrung konstruierte Modelle der Realität auf Wahrnehmungen und Handlungentwürfe im Sinne J. Piagets als Assimilationsversuch anzuwenden und dann die mangelnde Präzision der Vorhersage im günstigen Fall durch Akkomodation der Modelle zu verbessern (Laukkonen und Slagter 2021). Diese impliziten Modelle entstehen anhand der Alltagsvernunft und dem Selbstbild – d. h. neurophysiologisch gesehen unter Einfluss des Default-Mode-Netzwerkes (mit Beteiligung des präfrontalen Kortex und des Prekuneus). Genau dieses Netzwerk, das schweifende Gedanken und theoretische Spekulationen generiert, ist in der hypnotischen Trance mehr oder weniger außer Kraft gesetzt. Das heißt, dass im Zustand der hypnotischen Trance keine gedankliche Überarbeitung der Wahrnehmungen und Handlungsentwürfe stattfindet, was wiederum bedeutet, dass die oben erwähnten Modelle der Realität unterlaufen werden und sich der Organismus mit dem Input der Sinnesorgane und der Interozeption, mit Bildern, Erinnerungen und Suggestionen vorbehaltlos befasst. Gewissermaßen ohne stille Kommentare wie: »Das kann doch gar nicht funktionieren« (Ratio) oder »Kann ich das? Was werden die anderen denken?« (Selbstbild) u. ä. Hypnotische Trance könnte man daher einen Zustand der »Ichlosigkeit« nennen, in dem das Alltags-Ich mit seinen vorgefassten Begriffen und Vorstellungen (ähnlich wie im Traum) vorübergehend außer Kraft gesetzt wird.

Diese vorbehaltlose Verarbeitung ist unterhalb des komplexen Assimilationsprozesses angesiedelt und mehr am Hier und Jetzt, der sinnlichen Wahrnehmung, der auftauchenden Bilder und Gedanken orientiert und weniger an dem, was war und dem, was sein wird. Das bringt eine erhöhte Durchlässigkeit von Bildern und somatischen Prozessen mit sich und kann zur Beeinflussung medizinischer und psychosomatischer Probleme, zur Unterbrechung motorischer Muster, zur Erweiterung des Selbstbildes und anderer kognitiv-affektiver Schemata sehr nützlich sein, wie Erickson immer wieder betont hat und wie es in seinen Prinzipien (s. u.) zum Ausdruck kommt.

Wissenschaftstheoretisch favorisiert die Hypnotherapie daher einen Standpunkt, in dem davon ausgegangen wird, dass Denken und Verhalten durch Schemata gesteuert werden, in die bestimmte, begrenzende Konzeptionen bezüglich der Umwelt und des Selbstverständnisses eingehen. Der veränderte Bewusstseinszustand der hypnotischen Trance erleichtert eine Revision von solchen Sichtweisen und Haltungen, an denen der Organismus aus Gründen der Gewohnheit und Bahnung festhält, obwohl sie zugegebenermaßen dysfunktional geworden sind. Die allgemeinen hypnotischen Phänomene (Katalepsie, Zeitverzerrung, Amnesie, Hypermnesie, sensorische Illusionen) zeigen anschaulich, wie weit die Alltagsvernunft in der Trance zurücktreten kann. Sie sind experimentell gut untersucht worden, wogegen manche der theoretischen Annahmen der Erickson'schen Hypnotherapie, z. B. bezüglich der Wirkungsweise strategischer Interventionen oder der Notwendigkeit von Amnesie und Konfusion bisher eher spekulativ sind.

Ein wesentliches Merkmal hypnotherapeutischer Arbeit liegt im ressourcenorientierten Vorgehen, d. h. der Ausrichtung auf die Fähigkeiten und noch unentwickelten Potenziale der Patientin oder des Patienten und nicht auf deren Defiziten. Während die defizitorientierte psychiatrische Diagnostik eher zu einer Selbstwertschwächung der Patientin oder des Patienten beiträgt, wird mit dem »Utilisationsprinzip« darauf hingearbeitet, Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Symptome – etwa Suchtverhalten, Phobien, Zwänge, Somatisierungen und zum Teil auch Schmerzen – werden als (meist obsolete) Lösungsversuche für bestimmte Probleme verstanden. Dafür wird in der Therapie eine Alternative angestrebt, die sich vom Problemverhalten dadurch unterscheidet, dass dafür bisher ungenutzte eigene Möglichkeiten der Patientin oder des Patienten einbezogen (utilisiert) werden.

Mehr als in anderen Therapieformen wird das Behandlungsangebot auf die Individualität der Patientin oder des Patienten abgestimmt. Es richtet sich nicht so sehr nach einem neu zu erlernenden Soll-Zustand, sondern versucht den Ist-Zustand und manchmal sogar das Symptom selbst für eine Veränderung zu nutzen. So entdeckte Erickson in der Wohnung einer vereinsamten, in ihre Depression versunkenen alten Dame ein (einsames) Usambarveilchen und animierte sie, Usambaraveilchen zu züchten und sie schließlich auf dem Wochenmarkt zu vertreiben. Die Betonung der individuellen Besonderheiten unterstützt auch die Entwicklung einer positiven therapeutischen Beziehung. Dabei dient der charakteristische Interaktionsstil des Gegenübers als Hinweis für die Gestaltung der Therapiebeziehung, was auch in Hinblick auf die Psychodynamik der Beziehung und eine eventuelle Strukturschwäche (»Ich-Struktur-Niveau« ▸ Kap. 3.3) von Interesse ist. Mit Eigenschaften wie »Ressourcenorientierung«, »Utilisation« und veränderter Informationsverarbeitung bei inneren »Suchprozessen« erweist sich die Hypnotherapie als eine flexible Methode, die auch mit anderen Therapieformen kombiniert werden kann.

Ein Unterschied zu anderen Therapieformen besteht im Verzicht auf absolute Transparenz des Vorgehens in der Hypnotherapie und dem Vertrauen auf unbewusste Verarbeitungsprozesse. Es wird angenommen, dass die Patientin bzw. der Patient aufgrund einer (momentanen) Verengung des Erlebens nicht in der Lage ist, Ressourcen bewusst zu nutzen und ihr bzw. ihm dazu in hypnotischer Trance aufgrund der Vorbehaltlosigkeit der mentalen Verarbeitung besser geholfen werden kann. Das gelingt manchmal eher indirekt mithilfe von Strategien der Utilisation, der Verlagerung auf einen Nebenschauplatz mit Kaskadeneffekt, der Destabilisierung und der Beiläufigkeit (s. u.).

Empirische Belege der Wirksamkeit hypnotherapeutischer Interventionen liegen in unterschiedlichsten Bereichen vor, wie in der Schmerz- und Angstbehandlung und bei Verhaltensstörungen wie Tabakabusus und Übergewicht (Hagl 2020; Revenstorf, Peter und Rasch 2023). Hypnotherapie wurde 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) der Bundesregierung als Behandlungsmethode für bestimmte Indikationen anerkannt (Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie 2006).

2.2 Die Haltung in der Hypnotherapie

In der Tradition des 19. und 20. Jahrhunderts wurde Hypnose als autoritäres Verfahren der Fremdsuggestion verstanden, die durch die in Trance erhöhte Suggestibilität besser rezipiert wird. Dagegen kann das Vorgehen Ericksons dadurch charakterisiert werden, dass an die Eigeninitiative der Patientin oder des Patienten appelliert wird. Ericksons Grundhaltung beinhaltet, die Patientinnen und Patienten auf die bereits erlernten Möglichkeiten zurückzuführen und dabei zu unterstützen, einen Weg zu beschreiten, der ihr oder ihm möglichst entgegenkommt (Pacing). In der Hypnotherapie wird versucht, es der Patientin und dem Patienten leicht zu machen, die Therapieangebote im Rahmen seiner bzw. ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Möglichkeiten anzunehmen. Einem Menschen, dem es wichtig ist, die Kontrolle über die Situation zu behalten, wird z. B. die Alternative angeboten, mit offenen oder geschlossenen Augen in Trance zu gehen, um ihm so einen Entscheidungsspielraum zu lassen. Mit einem skeptischen Menschen wird man dessen Zweifel teilen (z. B. »Ich weiß nicht, ob Sie heute schon wirklich tief in Trance gehen können«). Er wird nicht belehrt, selten wird ihm gut zugeredet und man wird darauf bedacht sein, ihm nichts »überzustülpen«. Die therapeutische Trance-Induktionen wurde von jeher als mütterlich fürsorglich und zugleich väterlich Sicherheit gebend verstanden (Ferenci 1909). Dabei wird im Auge behalten, Hypnose nicht im Dienste des eigenen Narzissmus zu verwenden, und darauf verzichtet, die Deutungshoheit an sich zu nehmen. Letzteres ist verbunden mit der Bereitschaft »zurück zu rudern«, wenn der »Rapport« verloren zu gehen droht.

Die Therapeutin oder der Therapeut suggeriert nicht Veränderungen, die ihm oder ihr vernünftig erscheinen, sondern überlässt es den internen »Suchprozessen« der Patientin oder des Patienten, was der nächste Schritt ist und welcher Lösungsweg für sie bzw. ihn passt. Die drei Prinzipien Ressourcenorientierung, Utilisation und Anregung von »Suchprozessen« entsprechen weitgehend dem, was auch Humanisten wie Carl Roger oder Fritz Perls unter einer angemessenen Psychotherapie verstehen.

In der Hypnotherapie wird davon ausgegangen, dass das Symptom ein Lösungsversuch ist, der unter bestimmten Umständen und zu einer bestimmten Zeit funktional gewesen sein kann, aber obsolet geworden ist. Beispielsweise wird dem strengen und strafenden Gewissen vieler Depressiver (»Über-Ich« ▸ Kap. 3.3, »Genug-Ort« ▸ Kap. 6.8) eine gute Absicht unterstellt – etwa dafür zu sorgen, dass man Anerkennung erhält, sich nicht abgelehnt fühlt etc. Diese gute Absicht gilt es anzuerkennen und auf anderem Wege zu erreichen, etwa durch Mitgefühl sich selbst gegenüber. Dadurch kann das Gewissen mit der Zeit milder und vielleicht sogar unterstützend werden. Es geht also nicht um die Beseitigung eines Defizits, sondern um eine Erweiterung des Erfahrungsspektrums und des Selbstverständnisses. Dabei kommen Ericksons therapeutische Prinzipien zur Anwendung, hier noch einmal zusammengefasst:

Utilisation: Die individuellen Merkmale (z. B. Werthaltungen) und Interaktionsmuster (z. B. Kontrollbedürfnis) inkl. des Symptoms und des sog. »Widerstands« (Selbstbestimmtheit) werden für die Veränderung genutzt. Ein Sonderfall der »Utilisation« ist die Technik des »Pacings« und »Leadings«, wobei die Patientin bzw. der Patienten therapeutisch zunächst gespiegelt wird, um dann allmählich kleine Veränderungen in die Darstellung einfließen zu lassen.

Minimale Veränderung mit Kaskadeneffekt: Um die Veränderung einzuleiten, wird oft an einer scheinbar irrelevanten Stelle, auf die die Patientin oder der Patient nicht vorbereitet ist, sozusagen auf einem Nebenschauplatz, begonnen. War das erfolgreich, ergibt sich unter Umständen eine Neuorganisation des Gesamtsystems im Sinn eines Domino- oder Kaskadeneffektes.

Destabilisierung: Um das Aufgeben festgefahrener Positionen und Verhaltensmuster zu erleichtern, kann durch affektive, kognitive oder interaktive Destabilisierung (»Konfusion«) die mentale Beweglichkeit der Patientin oder des Patienten wiederhergestellt werden. In der Folge ist die Problemlösung oder Annahme einer förderlichen Suggestion erleichtert. Destabilisierung eignet sich als therapeutisches Prinzip bei Vorliegen einer rigiden (neurotischen) Persönlichkeitsstruktur. Bei emotionaler Instabilität hingegen, bei der es eher um Förderung einer besseren Strukturiertheit geht (»Ich-Struktur« ▸ Kap. 3.4.3), ist eine Destabilisierung nicht empfehlenswert.

Beiläufigkeit: Um den Widerstand zu umgehen, hat Erickson diverse Kommunikationsmuster vorgeschlagen, die die relevante Information indirekt vermitteln (»Einbettung«, »Implikation«, »Stellvertreter«, »Negation der Negation«, »Pacing« und »Leading«).