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Gute Verkäufer interessieren sich ehrlich für ihre Kunden und deren Bedarf. Peter Gerst erklärt, weshalb Quereinsteiger, Fachleute und Nebenbei-Verkäufer die beste Einstellung zum Verkaufen an den Tag legen, indem sie ehrlich und offen auf Kunden zugehen. Lernen Sie, diese positive Einstellung ganz bewusst einzunehmen. Auch erfahrene Verkäufer können davon profitieren. Inhalte: - Wie Sie mit Authentizität und ehrlichem Interesse Verkaufserfolge erzielen - Mit unterschiedlichen Kundentypen in vertrauensvollen Kontakt kommen - So nehmen Sie Kunden für sich ein: Ihr magischer Fragenkatalog - Einwände souverän behandeln und den Kunden typgerecht zum Abschluss leiten - Nach dem Kauf ist vor dem Kauf: So binden Sie Kunden
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2019
Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Peter GerstKunden überzeugen und gewinnen – Verkaufen für Nicht-Verkäufer1. Auflage 2019
© 2019, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Munzinger Straße 9, 79111 FreiburgRedaktionsanschrift: Fraunhoferstraße 5, 82152 Planegg/MünchenInternet: www.haufe.deE-Mail: [email protected]: Jürgen Fischer
Konzeption, Realisation und Lektorat: Nicole Jähnichen, www.textundwerk.deUmschlagentwurf: RED GmbH, KraillingUmschlaggestaltung: Kienle gestaltet, StuttgartSatz: Reemers Publishing Services GmbH, Krefeld
Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.
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In meinen Trainings, Seminaren und Coachings begegne ich immer wieder Menschen, die in ihrem Beruf Produkte, Dienstleistungen oder Ideen verkaufen sollen (und das durchaus auch wollen), die sich aber selbst als „Nicht-Verkäufer“ typisieren und sich mit ihrer Aufgabe schwertun. Meist deshalb, weil sie Verkaufen als etwas Unehrliches und vielleicht auch Aufdringliches sehen. Das ist schade. Denn erstens funktioniert Verkaufen hervorragend, wenn man es ehrlich, authentisch und völlig unaufdringlich betreibt. Und zweitens könnten gerade diese „Nicht-Verkäufer“ erfolgreich und mit sehr viel Freude verkaufen. Denn sie haben die beste Einstellung dafür: Sie interessieren sich ehrlich für Ihre Kunden und deren Bedarf.[2]
Menschen spüren, ob es ihrem Gegenüber nur um Profit geht oder ob er ihnen wirklich Nutzen bringen möchte. Wenn Sie Letzteres persönlich wollen und von der Sache her auch können, dann fliegen Ihnen die Aufträge fast automatisch zu. Die Voraussetzung ist allerdings, dass Sie dabei ehrlich interessiert sind und sympathisch-souverän auftreten. Wenn Sie wissen möchten, was Sie alles tun und sagen können, damit Ihr Kunde Sie auch tatsächlich so wahrnimmt und erlebt, dann werden Sie in diesem TaschenGuide selbst echten Nutzen finden und künftig authentisch, glaubwürdig und gerade deshalb erfolgreich und mit viel Freude verkaufen. Versprochen!
Peter Gerst
Gerade wenn Sie sich nicht als Verkaufsprofi sehen, haben Sie wahrscheinlich die besten Voraussetzungen, um leicht und erfolgreich zu verkaufen.
In diesem Kapitel erfahren Sie u. a., warum
Sie als Nicht-Verkäufer in guter Gesellschaft sind,
die übliche Vorstellung vom Verkaufen überholt ist,
Sie Empathie, Authentizität und ehrliches Interesse viel weiter bringen als jeder Verkaufstrick.[3]
„Ich bin nicht so der Verkäufer-Typ.“ Haben Sie das auch schon mal so gedacht? Oder vielleicht sogar ausgesprochen? Ich höre es seit vielen Jahren immer wieder in meinen Seminaren, Trainings und Coachings. Nicht nur, wenn es unmittelbar ums Verkaufen geht, sondern auch, wenn es sich darum dreht, Menschen von sich und seiner Sache zu überzeugen: von den Ideen, die man hat, von den Vorschlägen, die man einbringt, oder eben den Produkten und Leistungen, die man verkauft.
Wer in solchen Momenten von sich sagt, er sei nicht so der Verkäufer-Typ, will in der Regel damit ausdrücken, dass er die Sache, für die er steht, nicht so gut an den Mann oder die Frau bringen kann. Dahinter steht meist die Vorstellung, dass man als Verkaufsprofi gut reden können muss, dass man am besten auch extravertiert ist und kein Problem damit hat, zur Not auch aufdringlich zu sein und Leute zu beschwatzen … Alles Eigenschaften, die „Nicht“-Verkäufer nach eigener Einschätzung entweder nicht haben, oder auch gar nicht haben wollen, wie zum Beispiel die Eigenschaft, auch mal aufdringlich und schwatzhaft zu sein. Wenn Sie sich selbst auch nicht so als Verkäufer-Typ sehen, wird Ihnen das sicher bekannt vorkommen.
Naheliegenderweise schätzen sich häufig Menschen als Verkaufslaien ein, die zwar auch „verkaufen“, aber nicht im eigentlichen Sinne Verkäufer sind: beispielsweise Chefs, die ihren Mitarbeitern neue Ideen oder Arbeitsweisen „verkaufen“ wollen, oder Fachreferenten, die in Vorträgen ihr Wissen und ihre Erkenntnisse „verkaufen“ möchten, oder Menschen, die sich selbst und ihre Fähigkeiten gut „verkaufen“ wollen, um einen bestimmten Job zu bekommen oder um sich im Unternehmen stark zu positionieren.[4]
Interessanterweise sehen sich aber auch viele Menschen als Nicht-Verkäufer-Typ, die durchaus Produkte und Dienstleistungen verkaufen, so beispielsweise Freiberufler, Einzelunternehmer, Geschäftsführer, Niederlassungs- und Abteilungsleiter, Ingenieure, Fachleute, Projektleiter … alles Menschen, die neben ihrem Hauptjob auch noch irgendwie Produkte und Dienstleistungen vertreiben. Was sie alle eint: Sie machen das nicht wirklich gerne und sie glauben, dafür nicht die passenden Fähigkeiten zu haben.
Aber auch so mancher Verkaufsprofi denkt, nicht wirklich einer zu sein. Ich habe zu meiner eigenen Überraschung sehr viele Menschen getroffen, die im Vertrieb arbeiten und sich trotzdem nicht wirklich mit dem Verkäufer-Dasein identifizieren. Das sind in der Regel Menschen, die sich als Fachleute sehr gut mit einem Spezial-Arbeitsfeld auskannten und deshalb dazu erkoren wurden, in diesem Bereich Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen. Einige davon haben das Angebot eher widerwillig angenommen, andere durchaus gerne. Und dann haben sie den Job angetreten – und entweder ihre Vorurteile hinsichtlich des Verkaufens bestätigt gefunden, oder sie haben erlebt, dass die Produkte und Leistungen, von denen sie überzeugt waren, doch nicht so bereitwillig gekauft wurden, wie sie angenommen hatten. Woraus sie schlossen, dass sie eben doch nicht so die Verkäufer-Typen sind. Vielleicht ist es Ihnen auch so ergangen. Falls ja, habe ich eine gute Nachricht für Sie: Solche negativen Erlebnisse haben in der Regel nichts mit den eigenen verkäuferischen Fähigkeiten zu tun. Sie gründen vielmehr auf einem Missverständnis hinsichtlich dessen, was Verkaufen ist bzw. was Verkaufen sein kann. Doch dazu später mehr.[5]
Zuvor will ich noch die Frage beantworten, woher ich weiß, dass es solche Menschen im Vertrieb und im Verkauf gibt und dass es auch noch viele sind. Ich weiß es ganz einfach deshalb, weil sie es irgendwann in meinen Verkaufstrainings erzählen. Entweder gleich zu Beginn, um mir zu signalisieren, dass es vergebliche Mühe ist, wenn ich ihnen, wie so viele andere vorher, mit den typischen Verkäufersprüchen und -weisheiten komme, die sie nicht brauchen und die bei ihnen nicht ziehen. Oder sie sprechen es irgendwann im Laufe des Trainings erfreut und erleichtert aus, weil sie gemerkt haben, dass ich eben nicht die üblichen stereotypen Verkaufsparolen mit ihnen durchgehe, sondern dass ich für eine ganz andere Art des Verkaufens stehe.
Wenn der Satz kommt: „Ich bin ja nicht so der Verkäufer-Typ“, sage ich ganz einfach: „Gut so!“ Sie fragen sich, warum das gut sein soll? Weil die bekennenden Nicht-Verkäufer in der Regel für eine Einstellung stehen, mit der sie ganz hervorragend verkaufen können: Sie wollen ihrem Kunden nämlich nichts andrehen, was dieser nicht braucht. Sie interessieren sich stattdessen für seinen wirklichen Bedarf und wollen ihm echten Nutzen bringen. Und das ist in vielerlei Hinsicht gut so – unter anderem, weil das übliche Modell, das bei vielen Menschen für das Verkaufen steht, schon lange an Wirkung verloren hat.[6]
Drücker, das sind die reisenden Verkäufer, die oft jenseits des rechtlich Zulässigen Haustürgeschäfte tätigen und sich dabei allerlei Tricks bedienen, die teils krimineller, teils „nur“ unmoralischer oder psychologischer Natur sind. Immer aber werden sie in Zusammenhang gebracht mit Unehrlichkeit und einer gewissen Penetranz. Auch wenn kaum jemand, der im Verkauf arbeitet, mit Drückermethoden unterwegs ist, unterstellen viele Menschen diese Methoden doch allen Verkäufern, vor allem den erfolgreichen. Verkäufer sind eben Menschen, die psychologische Tricks draufhaben, die nie die ganze Wahrheit sagen, die einem etwas versprechen, was nicht gehalten wird, die einen penetrant zum Kaufen drängen, die einen schwindlig reden können und so weiter und so fort.
Doch auch wenn es so wäre: Alle wissen inzwischen um die üblichen Verkäufertricks, die deshalb schon lange keine mehr sind. Käufer sind heute wesentlich selbstbewusster und informierter. Sie lassen sich nicht mehr so leicht beschwatzen, haben dank des Internets viele Vergleichsmöglichkeiten und im Zweifelsfall immer eine gute Alternative. Das gilt erst recht im beruflichen Umfeld, wenn der Käufer ein Geschäftsführer, Bereichsleiter oder gar Einkäufer ist.[7]
Wer nach den klassischen Verkaufsmethoden viel Druck macht, wird vielleicht zwar höflich ertragen, aber nicht wirklich gemocht und im Zweifel zugunsten angenehmerer Verkäufer fallengelassen.
Wer heutzutage im Vertrieb und Verkauf erfolgreich ist, der ist es fast immer deshalb, weil er sich eben gerade nicht mehr der überkommenen Methoden bedient. Statt „auf Teufel komm raus“ seine Produkte an den Mann und die Frau bringen zu wollen, kann man im Verkauf auch die Haltung haben: Ich will und werde nur dann verkaufen, wenn mein Kunde das auch braucht, was ich ihm biete. Diese Haltung ist nicht nur für den Kunden angenehm, sondern auch für denjenigen, der verkauft. Und das Entspannende daran: Man muss noch nicht mal ein toller Redner sein.
Als ich mit dem Verkaufen begann, ging es um Computer und Computersysteme. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als die ersten PCs und Netzwerke in Unternehmen eingeführt wurden. Ich hatte zwar wenig technische Ahnung, wusste aber von meiner früheren Arbeit, welchen Nutzen sie bringen können. Von diesem Nutzen wollte ich andere Unternehmen überzeugen. Natürlich nicht mit üblen Drückermethoden. Die brauchte ich nach meiner Vorstellung auch gar nicht, weil meine Produkte ja hilfreich und die Leistungen unserer Firma ganz klar nützlich waren. Deshalb, so glaubte ich, würde es ausreichen, wenn ich mit ein bisschen rhetorischem Geschick möglichst viel Tolles über meine Angebote erzählte. Doch damit kam ich nicht weiter, wie ich schnell feststellte. Die Fachleute merkten irgendwann, dass mein Know-how begrenzt war, und für die Nicht-Fachleute war ich nur ein weiterer dieser viel redenden Verkäufer, denen es nur um Profit geht.[8]
Weil ich mit Reden nicht weiterkam, machte ich aus der Not eine Tugend: Ich hielt meinen Mund und hörte so gut und intensiv zu, wie ich nur konnte. Das tat ich stets mit dem Interesse herauszufinden, was meine potenziellen Kunden wirklich brauchten. Wenn ich dies schließlich wusste, fuhr ich zurück in meine Firma und erklärte es meinen IT-kundigen Kollegen so lange, bis sie eine echte Lösung für unsere Kunden fanden. Der Weg zum Auftrag war dann nur noch sehr kurz. Und nicht nur das: Kunden bestätigten immer wieder, dass sie sich für uns entschieden hatten, weil sie merkten, dass ich ihnen nichts aufschwatzen wollte.