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Marie übernachtet bei Lotte und die Mädchen beginnen gut gelaunt den gemeinsamen Abend. Sie sind allein zu Hause und ein heftiger Sturm wütet, so dass der Strom ausfällt und das Telefon nicht mehr funktioniert.
Da beobachten sie plötzlich, wie jemand um das Nachbarhaus schleicht und dann über den Zaun klettert.
Es klingelt. Was sollen die Freundinnen tun?
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Die beiden Freundinnen Lotte und Marie konnten es kaum abwarten. Die Herbstferien hatten angefangen und Marie durfte bei Lotte übernachten. Das hatte sie schon öfter gemacht, doch dieses Mal war es etwas ganz Besonderes: Die Mädchen waren allein zu Hause, weil die Eltern ausgehen wollten und Lottes große Schwester Laura bei einer Freundin schlief.
„Das wird so toll, wir können aufbleiben, solange wir wollen und keiner meckert!“, hatte Lotte schon Tage vorher geschwärmt und Marie hatte sich freudig die Hände gerieben. Ja, es würde eine unvergessliche Nacht werden. Die Mädchen wollten Chips essen und Fernsehen gucken, sie wollten sich Gruselgeschichten erzählen und Gummibärchen im Bett essen.
„Aber wir können uns ja auch lustige Geschichten erzählen!“, hatte Lotte irgendwann gesagt. Bei genauerer Überlegung hatte sie nämlich ein bisschen Angst. Es wurde jetzt sehr früh dunkel und die Herbststürme fegten ums Haus. Die Mutter hatte gesagt, dass Kaisers eine Woche in Spanien wären. Das Nachbarhaus stand also ganz leer.
Marie hatte im Gegensatz zu Lotte überhaupt keine Bedenken. Sie bestand auf den Gruselgeschichten und hatte dafür sogar extra ein dickes Buch von ihrem Bruder eingesteckt. Es war das einzige Buch, was er besaß und sie sollte gut darauf aufpassen und es heil wieder zurück bringen.
„Wenn du auf das Buch kleckerst oder es verlegst, dann bist du für immer verflucht und Lotte gleich mit!“, hatte Tobias mit tiefer Stimme gesagt, als er ihr das Buch feierlich überreicht hatte. Seine Hand hatte ein wenig gezittert.
„Ich passe schon gut darauf auf, keine Sorge!“, hatte Marie geantwortet und das zerfledderte Buch mit dem Titel „Es gibt ihn wirklich“ in ihre Reisetasche gepackt.
„Woher hast du das Buch eigentlich?“, hatte sie ihren Bruder gefragt.
„Das ist mein Geheimnis. Du darfst es keinem weitersagen: Es lag im Altpapier vor dem Struckschen Haus und es erzählt von dem alten Dorfgeist. Eigentlich ist es gar nicht für deine Altersklasse bestimmt, aber du hast Glück, dass ich so nett bin und es dir ausleihe. Ihr werdet sicher viel Spaß damit haben!“
Marie nickte. Für das Buch hatte sie Tobias zwei Euro geben müssen, aber das war es ihr wert.
Endlich war der Abend gekommen und Lohmeiers hatten bereits die Matratze in Lottes Zimmer geräumt.
Lotte hatte den ganzen Tag geputzt und Staub gewischt, damit alles schön aussah.
"Marie sollte jeden Abend hier übernachten!", schlug ihr Vater vor, als er das blitzblanke Zimmer sah.
„Macht keinem die Tür auf, geht nicht an das Telefon. Hier ist unsere Nummer. Ruft nur an, falls etwas ist!“, sagte Lottes Mutter beim Abschied, als sie ihrer Tochter liebevoll über das Haar strich.
„Was soll denn sein?“, fragte Lotte mutig, doch sie hatte einen dicken Kloß im Hals.