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NOTIZEN FÜR EIN ANDERES LEBEN : Auch im zweiten Band der Aphorismenreihe sind es die kleinen Erkenntnisse des Alltags, die sich wie Perlen, zu etwas Einmaligem, mehr oder weniger kurzen Sinneinheiten verdichten. Während Band 01 die Jahre 1998 bis 1999 reflektiert, ist es im Band 02 1999 bis 2000. Und es ist eben dieser Abstand, der zum einen zeigt, was überdauert, aber auch, was heute vielleicht anders gedacht werden sollte. Der Romanist ein langer Text, der einem kurzen Gedanken entspringt.. Der Aphorismus ist ein kurzer Text, der einem langen Gedanken entspringt.
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Seitenzahl: 33
Veröffentlichungsjahr: 2024
Wieder einmal danke ich allen, die mich durch Rat und Tat bestärkt haben, weiterzuschreiben. Und wie im ersten Band, habe ich keine Gedanken entfernt. Selbst jene nicht, denen ich heute kritisch gegenüberstehe oder von denen ich mich distanzieren würde. Leben ist Wandel, Gedanken und Ansichten sind Erfahrungen, somit auch Wandel.
Žan Mokran, Frankfurt am Main 2024
Widmung
Aphorismen (1999-2000)
Mit dem Adler fliegen (2000)
Ebenfalls erschienen
Man kann Länder nicht vereinen, die durch die härteste Barriere voneinander getrennt sind: die Sprache.
Was eine gemeinsame
Sprache meist an
Freundlichkeit schafft,
schafft eine fremde Sprache
meist an Unfreundlichkeit.
Kommunismus:
Schienenersatzverkehr ohne erste Klasse.
Zivilisation:
Mit Designerbrillen und offenen, per Laserstrahl gerichteten Augen, blind durch die Welt laufen.
Für das Leben gibt es kein Layout, keine Passerkreuze und Sicherheitskopien.
Das Leben gibt nicht, sondern fordert.
Von jedem gleichviel, egal wie hoch er getaktet ist.
Wer nicht auf Kühlung und Lüftung achtet, riskiert Systemabstürze am laufenden Band.
Am Computer sehen wir, wie fehlerhaft wir eigentlich sind und wie abhängig Gott von uns sein muss.
Wenn Gott mit uns genauso wenig Geduld gehabt hätte, wie wir mit unseren Schöpfungen, hätte er uns aus der Ursuppe gefischt und weggeworfen.
Wo Licht ist, ist auch Schatten.
Richtig.
Aber: Wo Licht ist ist vor allem: Licht!
Die Ameise weiß nicht warum sie krabbelt, sie krabbelt einfach. Das Wasser weiß nicht, warum es fließt, es fließt einfach.
Und wir?
Wir stellen sowohl unser Krabbeln als auch unseren Fluß des Lebens in Frage.
Als ob wir damit etwas ändern.
Romantik:
Deine Füße in meinen Socken. Aber nicht, weil dir kalt ist.
Wenn wir träumen, sind wir in der Welt, die wir erschaffen könnten.
Erwachsen werden:
das Althergebrachte festhalten- aber nur solange es nötig ist.
Was ist schon schlimm daran, alte Zöpfe abzuschneiden?
Sie wachsen ohnehin wieder nach!
Geschichte:
Den Schatz in den Händen halten, ihn im Wüstensand verteilen und vergessen.
Und dann:
Enkel, die ihn vergeblich suchen.
Wäre den Menschen
die Geschichte nicht so
egal, bräuchten sie
später keinen
Geschichtsunterricht.
Die Idee einer
Sache
ist meist besser,
als die Sache
selbst.
Und da war da noch der Geschichtswissenschaftler, der zu seinem Großvater sagte: „Paß mal auf, jetzt erkläre ich dir mal, wie das damals war, als du jung warst...“
Oder war es doch der Sandwurm, der dem Fisch erklärte, wie sich Wasser anfühlt?
Seltsam: Menschen bitten mich, von meinem Thron zu steigen. Dabei schauen sie zu mir hinunter, denn ich sitze ja auf dem Boden.
„Die Geister, die ich rief..“ die wurde der Zauberlehrling nicht mehr los.
Ich habe meine noch nicht mal gerufen.
Kommt „Paß“ von passieren oder hineinpassen?
Liebe kann nicht warten. Sie darf es noch nicht einmal.
„Ich liebe dich“ sagt sich leichter als es sich denkt. Und es denkt sich wiederum ein vielfaches leichter, als es sich fühlt.
Ausgesprochener Tadel und unausgesprochenes Lob führen zum gleichen Ergebnis.
Der Motte ist die Glühbirne Sonne genug.
Der Schneeflocke ist der Schneeball Eisgebirge genug.
Dem Winzigsten ist das Winzige groß genug.
Warum versuchen, das Große oder sogar Größte zu begreifen?
Eine Hand vorsichtig zu berühren, kann Vorsicht oder aber auch Zärtlichkeit sein.
Amerikanische Anwälte machen uns vor, wie der Kosmos funktioniert: Verlange den Kosmos und du kriegst zumindest einen Stern.
Willst du einen Ball, verlange alle Bälle und du kriegst zumindest viele Bälle.
Die Zeitlupe ist unsere eigentliche Geschwindigkeit. Deshalb mussten wir sie erfinden.
LAND: Den Fremden freundlich begrüßen, aber vorsichtshalber das Messer bereit halten.
STADT: Den Fremden ignorieren und ihn dann hinterrücks sicherheitshalber mit dem Messer erstechen.
LAND: Weiß er nicht wie tief der See ist, steigt er nicht hinein.
STADT: Weiß er nicht wie tief der See ist, springt er erstmal hinein- und ertrinkt.
LAND: Man fragt nach dem Weg, jemand sagt lächelnd „Das weiß ich leider nicht“
STADT: Man fragt nach dem Weg, jemand sagt „Schauen sie doch auf den Stadtplan“
STADT-LAND. Lauter Klischees. Es gibt sicherlich genügend Gegenbeispiele, aber ich habe noch keins erlebt.
Gedankenpause