Perry Rhodan 3290: Gravitationsdrift - Robert Corvus - E-Book

Perry Rhodan 3290: Gravitationsdrift E-Book

Robert Corvus

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Beschreibung

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Vielleicht kann Perry Rhodan, der als erster Mensch auf Außerirdische gestoßen ist, endlich sein großes Ziel erreichen: Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Milchstraße – das Geisteswesen ist in Fragmente zersplittert worden, die sich an verschiedenen Stellen im Kosmos befinden. Eines dieser Refugien wurde bereits von dem Raumschiff TEZEMDIA und seiner Besatzung entführt. Während Perry Rhodan sich an die Verfolgung macht, hat Gucky in der Galaxis Wolf-Lundmark-Melotte ein anderes Fragment gefunden – und Shinae, Reginald Bulls Tochter, die das gesuchte Fragment in ihrem Bewusstsein aufnimmt. In der Milchstraße trifft derweil die Blaugoldflotte mit dem ersten gefundenen ES-Fragment ein. Aber auch die Kosmokarawane von NADALEE erscheint und sucht das Wegasystem auf. Dort befindet sich ein Treffpunkt der Superintelligenzen – beschützt von der GRAVITATIONSDRIFT ...

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Seitenzahl: 188

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Nr. 3290

Gravitationsdrift

Wo sich Superintelligenzen treffen – in den Orkanen eines Gasplaneten

Robert Corvus

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Trügerische Gärten

2. Zweifelhafte Freunde

3. Unsichere Wege

4. Unbekannte Spieler

5. Riskante Züge

6. Frische Karten

Stellaris 100

Vorwort

»Die Planetenwächter« von Olaf Brill

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr.

Vielleicht kann Perry Rhodan, der als erster Mensch auf Außerirdische gestoßen ist, endlich sein großes Ziel erreichen: Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien.

Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit.

Doch ES weilt nicht mehr in der Milchstraße – das Geisteswesen ist in Fragmente zersplittert worden, die sich an verschiedenen Stellen im Kosmos befinden. Eines dieser Refugien wurde bereits von dem Raumschiff TEZEMDIA und seiner Besatzung entführt.

Während Perry Rhodan sich an die Verfolgung macht, hat Gucky in der Galaxis Wolf-Lundmark-Melotte ein anderes Fragment gefunden – und Shinae, Reginald Bulls Tochter, die das gesuchte Fragment in ihrem Bewusstsein aufnimmt. In der Milchstraße trifft derweil die Blaugoldflotte mit dem ersten gefundenen ES-Fragment ein. Aber auch die Kosmokarawane von NADALEE erscheint und sucht das Wegasystem auf. Dort befindet sich ein Treffpunkt der Superintelligenzen – beschützt von der GRAVITATIONSDRIFT ...

Die Hauptpersonen des Romans

Axelle Tschubai – Die Botschafterin zieht die Fäden.

Hroch-Tar Kroko – Der Soldat kämpft gegen einen Feind in seinem Körper.

Janou LeCount – Der Sergeant tut mehr als seine Pflicht.

Tevvka Grecoa – Die Terranerin führt das Kommando.

Bouner Haad

1.

Trügerische Gärten

Die Sensoren des SERUNS von Oberst Tevvka Grecoa maßen Standardschwerkraft, eine Temperatur von zehn Grad Celsius und eine für die Terranerin atembare Luft mit den Hauptbestandteilen Stickstoff und Sauerstoff. Beruhigend, wenn man bedachte, dass ein paar Meter weiter, jenseits des Rumpfs der geheimnisvollen Station, fraglich war, woran sie zuerst stürbe: am Druck, der ihren Körper zerquetschen, am Atmosphärengemisch, das sie beim ersten Atemzug vergiften oder an der Hitze, in der sie verdampfen würde.

Sie ließ ihren Helm im Kragen einfalten. »Hört mich jemand? Wir kommen in Frieden!«

Das kosmische Konklave war eine Scheibe von etwa drei Kilometern Durchmesser und sechshundert Metern Höhe. Exakte Messungen waren Grecoas Jagdkreuzer so tief in der Atmosphäre des Riesenplaneten Siskul unmöglich gewesen.

Durch ein Panoramafenster sah man das Gas vorüberwirbeln. Der enorme Außendruck zwang es in einen Zustand, den die Physiker superkritisch nannten, wobei es Eigenschaften von Flüssigkeiten annahm. Es sah aus wie schnell strömendes Quecksilber. Ein Anblick, der voraussetzte, dass die Station Außenscheinwerfer aktiviert haben musste; vom Jagdkreuzer aus war das Licht nicht zu sehen gewesen, es konnte nur wenige Meter in die Atmosphäre hinausdringen.

Grecoas Schiff hatte nicht angedockt. Zamunat Pettpér hatte sie an Bord der Station gebracht. Er war ein Teleporter und fungierte vornehmlich als Leibwächter des Thort. Auf diese Mission war er abkommandiert worden, um an der Befreiung ferronischer Forscher mitzuwirken. Er hatte sie und den Oxtorner Janou LeCount, einen vielversprechenden Sergeanten, mittels seiner Paragabe des zeitverlustfreien Ortswechsels in die Station versetzt. Eine Begleiterscheinung seiner Fähigkeit war ein temporärer Temperaturabfall am Zielort. Der SERUN registrierte bereits, dass sich die Luft wieder erwärmte.

»Haltet die Hände von den Waffen fern und lasst die Schirme desaktiviert!«, befahl Grecoa.

LeCount ging ein paar Schritte auf Abstand, wie es der Einsatzroutine bei den Raumlandetruppen entsprach; man wollte verborgenen Gegnern keine Gelegenheit geben, mit einer einzelnen Granate die komplette Einsatzgruppe zu treffen. Pettpér dagegen blieb an ihrer Seite. Der einen Meter sechzig große Ferrone war kein Soldat. Da Grecoa die kommandierende Offizierin war, betrachtete er sie wohl als seine Schutzperson.

Aus seiner Warte gab die unübersichtliche Umgebung, in die er sie versetzt hatte, zweifellos Anlass zur Sorge, und eine militärische Bewertung musste zum selben Ergebnis kommen. Dennoch gönnte sich Grecoa einen Moment des Staunens über die unvermutete Schönheit dieses Ortes, zumal die reichhaltige Bepflanzung und die Verspieltheit der Architektur den Eindruck eines erholsamen Refugiums vermittelten, obwohl er inmitten der tobenden Orkane des Gasriesen lag.

Die grobe Anmutung dessen, was sie sah, ähnelte dem Lichthof eines Wolkenkratzers. Die drei Besucher standen auf einer Art Empore aus stumpf-silbernem Metall, das hineingebürstete Rillen griffig machten. Ohne Brüstung endete sie an einem Abgrund. In diesen Abgrund ragten ohne erkennbare Ordnung zusammengefügte Module – Wohnungen vielleicht, Lagerräume oder Aggregate. Ihre gewürfelt wirkende Zusammensetzung erinnerte an die Fragmentraumer der Posbis, die ebenfalls so aussahen, als hätte jemand versucht, verschiedenste dreidimensionale Elemente zu einem Würfel zusammenzuschieben, aber irgendwann weit vor dem Ziel die Geduld verloren haben musste. In diesem Fall schienen die angestrebten Formen allerdings keine Würfel, sondern Säulen gewesen zu sein.

Die Gestaltung der Module fiel individuell aus, mit in Reliefs strukturierten Oberflächen, bunt bemalt wie ein Kobraschiff der Yodoren. Es gab Zugänge, teils verhängt, teils offen, und Lichtschein in verschiedenen Farben. Pflanzen wuchsen an den Modulen und aus ihnen hervor, hingen in meterlangen, grünen Bärten über die Fassaden oder reckten verdrehte Äste einem unbekannten Ziel entgegen.

Geschwungene, teils um ihre Längsachse gedrehte Brücken verbanden die Module ebenso wie leuchtende Energiebahnen sowie durchhängende Leinen, deren Nutzen Grecoa unklar blieb. In viele waren Lichtkugeln geflochten, aber im Inneren des Konklaves herrschte gleichmäßige Helligkeit, deren Ursprung nicht zu entdecken war. Zur Beleuchtung brauchte man die Kugeln also nicht.

Treppen und Strickleitern schienen dazu angebracht, vertikale Strecken zu überwinden, verliefen aber teils schräg oder waagerecht. Der Durchmesser einiger Lichtsäulen passte zu Antigravschächten, die Terraner befördern konnten.

In jeder Richtung endete der Blick an einem der verwinkelten Bauten oder einem Pflanzendickicht, mal schon nach zehn, mal erst nach neunzig Metern. Ober- und unterhalb ihrer Position bog der offene Bereich ab, vielleicht verlief er in einem Ring mit einigen Hundert Metern Radius durch das kosmische Konklave.

Schlangenartige Wesen bewegten sich zitternd durch die Luft, ohne Notiz von den Neuankömmlingen zu nehmen. Da sie keine Extremitäten sah, nahm Grecoa an, dass sie ihre Flugfähigkeit aus gasgefüllten Organen gewannen. Es gab Geräusche, die die Terranerin mit Wind in einer Weide assoziierte, mit Vogelgesang und dem Zischen von Reptilien, Türenschlagen und dem sanften Zusammenstoß großer Massen. Das Rauschen mochte auch von außen kommen, vom superkritischen Gasgemisch, das am Panoramafenster vorbeiströmte.

Grecoa trat so weit vor, dass ihre Fußspitzen über den Rand der Empore ragten. Ein Luftzug aus der Tiefe zupfte an ihren blonden Locken. »Möchte jemand mit uns sprechen? Wir würden gerne den Konklavehüter treffen!«

Die gefangenen Soldaten aus Wolf-Lundmark-Melotte hatten ihnen davon berichtet, dass dieser Ort ein Treffpunkt der Superintelligenzen ES und NADALEE sein sollte. Zuweilen hätten sie auch Nachrichten füreinander hinterlegt, was der Grund war, aus dem sich die Tassparen dafür interessierten: Sie wollten wissen, ob ES ihrer Kosmokarawane Anweisungen für den Fall der Fragmentierung erteilt hatte. In den langen Zeiträumen der Abwesenheit der Superintelligenzen wachten Hüter über solche kosmischen Konklaven, jedenfalls meistens.

Grecoa wies ihre Anzugpositronik an, in den Geräuschen nach Sprachmustern zu suchen. Das Ergebnis fiel negativ aus.

»Beobachtungen und Vorschläge?«, fragte sie.

»Diese Station hat eine uneinheitliche Schwerkraft«, sagte LeCount, dessen von Oxtorne geprägte Physis auf nahezu fünf Gravos ausgelegt war.

Bei einer Körpergröße von knapp zwei Metern spannten sich seine Schultern einen Meter zwanzig breit, beides wurde durch den SERUN mit Gefechtsweste noch erhöht. Die samtbraune Haut seiner Glatze schimmerte im diffusen Licht.

»Es gibt eine Vielzahl von Schwerkraftvektoren.« Mit der flachen Hand deutete LeCount unterschiedliche Richtungen an, in denen die Anziehungskraft wirkte. »Möglicherweise variiert auch die Stärke.«

»Das erklärt den Springbrunnen dort drüben.« Pettpér zeigte auf ein Bassin, das aus ihrer Perspektive schräg unter einem grob würfelförmigen Bauelement angebracht war. Es enthielt eine kräftig blaue Flüssigkeit, die in der Mitte herausgeschleudert wurde – aus ihrem Blickwinkel wiederum schräg nach unten. Statt jedoch in den Abgrund zu stürzen, bog sie sich zurück und plätscherte schräg aufwärts wieder ins Bassin.

Dieser Ort war wunderschön, aber seine Unübersichtlichkeit machte ihn gefährlich. »Erkundungssonden ausschicken!«, befahl Grecoa. »Nur unbewaffnete Einheiten.«

*

Axelle Tschubais Kehle war staubtrocken. Mit krächzender Stimme wies sie die Positronik ihres Diplomatenquartiers an, eine abgesicherte Verbindung zur OLYMP-Fregatte CHRISTOS KAKKALOS herzustellen.

Homer G. Adams musste auf den Anruf gewartet haben, er nahm ihn augenblicklich entgegen. Der körperlich alt erscheinende, tatsächlich aber sogar vielfach ältere Mann saß in einem geflochtenen Stuhl. Seine graublauen Augen blickten sie stechend an. »Was sagst du über das Dossier?«, fragte er ohne Umschweife.

»Dass ich mich früher damit hätte beschäftigen sollen.«

»Das hättest du.«

»Seit dem Eintreffen der Kosmokarawane war ich ständig in der Nähe des Thort«, rechtfertigte Axelle sich. »Wir haben uns beraten, ich musste mich auf das Treffen mit den Tassparen vorbereiten ...«

»... wofür hilfreich gewesen wäre, die Informationen zu kennen, die die THORA in Wolf-Lundmark-Melotte über sie gesammelt hat.«

»Das hätte ich, wenn ihr sie mir früher zur Verfügung gestellt hättet.«

»Niemand konnte wissen, dass Kmossens Schergen im Wegasystem zuschlagen würden«, wischte Adams ihre Parade beiseite. »Aber als Botschafterin hättest du die Informationen anfordern können. Sowohl Monkeys Bericht vom Einsatz bei den Akonen als auch die Nachrichten, die uns über die Hyperfunk-Relaisstrecke von der THORA erreicht haben.«

»Das stimmt.« Sie hätte auch Hunderttausende, ach was, Millionen andere Dokumente anfordern können. Nur konnte sich kein Mensch innerhalb einer Woche mit dem gesamten Wissen vertraut machen, das die Verwaltung des Solsystems gespeichert hatte. Axelle hatte sich auf die spezifischen Informationen zu Ferrol fokussiert, nicht auf aktuelle Berichte über die Suche nach den ES-Fragmenten oder den Kampf gegen den Club der Lichtträger.

»Gehen wir die Kernpunkte durch«, entschied Adams. »Du befindest dich an einem abhörsicheren Ort?«

»Selbstverständlich.« Axelle blieb ruhig, obwohl die implizite Unterstellung, sie könnte ein solches Gespräch in einem Zimmer führen, wo man sie belauschen könnte, eine Unverschämtheit war. »Ich befinde mich in meinem Botschafterquartier. Die Ferronen garantieren diplomatische Standards, und ich habe die Abhörsicherheit von terranischen Experten überprüfen lassen. Sie fanden nichts zu beanstanden.«

Adams trank aus einer Porzellantasse mit zerbrechlich wirkendem Henkel. »Die THORA hat vor einem Monat das Informationspaket von Bouner Haad empfangen. Offensichtlich eine Aufzeichnung, gerafft abgestrahlt von einem Schiff in der Kosmokarawane SHARIKAL. Das passt dazu, dass Haad offenbar die Reise der Tassparen von WLM in die Milchstraße mitgemacht hat.«

Illustration: Swen Papenbrock

»Aber nicht dazu, dass er sich uns gegenüber auf Tinnsith so feindselig verhalten hat.«

»Schwarzer Sternenstaub. Seine Wirkung ist im Dossier beschrieben.«

»Das habe ich bemerkt«, erwiderte Axelle, »aber haben wir einen Beweis, dass diese suggestive Substanz bei ihm am Werk ist?«

»Hast du eine stichhaltigere Hypothese?«

Sie sah sich in ihrem Besprechungszimmer um, als könnten die hinter den Wandpaneelen verbauten Speichereinheiten ihr eine gute Erklärung liefern. »Nein«, sagte sie kleinlaut.

»Sie haben ihn übernommen, umgedreht, bekehrt – wie auch immer.« Adams massierte sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel. »Bei einem Haluter schwierig, aber die Kosmokarawane führt Technologie mit, die von der Superintelligenz NADALEE stammt. Damit lässt sich viel erreichen. Und Kmossen, der in den Schatten, verfügt ebenfalls über beachtliche Mittel. Womit wir beim nächsten wichtigen Punkt wären: Vrochonen haben sich der Kosmokarawane angeschlossen.«

Er übermittelte das Bild eines schlauchförmigen Raumers mit Verdickungen an Bug und Heck.

»Protoch, der mich im Wegasystem begrüßt hat, taucht in Haads Bericht auf«, fuhr Adams fort. »Er hat Guckys Team in WLM eine Menge Ärger bereitet.«

»Vor allem wohl Haad selbst.« Im Kampf gegen die Schattengarde war eines der beiden Herzen des Haluters durch Shinshid unrettbar zerstört worden.

»Jedenfalls war Kmossen in WLM auf der Jagd nach demselben ES-Fragment, das nach unseren jüngsten Informationen Shinae Bull-Zindher in sich trägt.«

Ein Name wie eine Legende ... Reginald Bulls Tochter, die in der transgalaktischen Stadt Allerorten lebte ...

»Wenn ich nichts übersehen habe, wissen wir nicht, ob die geplante Flucht damit geglückt ist?«, versicherte sich Axelle.

»Das stimmt.« Adams nickte. »Den letzten Teil seines Berichts muss Haad in großer Eile eingesprochen haben. Er endet mit dem Plan, sich die Unterstützung eines Shandasar Parpandum zu sichern, um durch einen sogenannten Transrezeptor an Bord der RAS TSCHUBAI zu gelangen.«

Wenn man die Entfernung von mehreren Hundert Millionen Lichtjahren bedachte, klang dieses Vorhaben nach einer Unmöglichkeit. Aber Adams hatte die Erklärung bereits erwähnt: das Technologieniveau einer Superintelligenz ...

»Da wir Haad auf Tinnsith begegnet sind, kann der Transfer nicht geglückt sein. Zumindest nicht für ihn.«

»Eine wichtige Einschränkung.« Adams nahm einen weiteren Schluck. »Möglich, dass Haad gefangen wurde, aber die anderen entkommen sind. Wir werden es erfahren, sobald die RAS TSCHUBAI heimkehrt.«

Axelle räusperte sich.

»Ja?«, fragte Adams.

»Ich erinnere mich an eine Begebenheit während unserer Verhandlungen auf Tinnsith ... bei dem Gespräch mit Hentalon Basim. Ich habe erwähnt, dass wir in Kmossen, dem in den Schatten, den Puppenspieler hinter dem Club der Lichtträger vermuten.«

»Wie hat er darauf reagiert?«

»Er hat nichts gesagt, und tassparische Mimik ist für mich nicht zu deuten. Aber Stargardt und Baccarin, die beiden Terraner aus dem Commonwealth, haben in diesem Moment die Kämpfe vom Zaun gebrochen.«

»Aha!« Adams wirkte ehrlich interessiert. »Glaubst du, sie wollten verhindern, dass du dich mit dem Tassparen über Kmossen austauschst?«

»Rückblickend erscheint es mir so.«

»Aber gegenwärtig befindet ihr euch beide im Roten Palast und niemand kann euch davon abhalten, miteinander zu sprechen.«

»Der Thort muss es genehmigen. Ich werde mich darum bemühen.«

»Gut.«

»Dabei wäre hilfreich, wenn ich ihm gute Nachrichten aus dem Solsystem überbringen könnte.«

»Du hast die volle Unterstützung der Liga.« Adams schien zwar enttäuscht, dass sie sich nicht früher mit den wichtigen Informationen beschäftigt hatte, jedoch auch gewillt, weiter mit ihr zusammenzuarbeiten. »Cascard Holonder neigt nicht zur Panik, aber er beobachtet genau, wie sich die Lage im Wegasystem entwickelt. Die Flotte der Liga steht vorsorglich in höchster Alarmbereitschaft.«

Dann würde sich die Botschafterin, die das ausgelöst hatte, bei so manchem Raumfahrer oder Soldaten unbeliebt gemacht haben, wusste Axelle. Niemand bekam gerne den Planetenurlaub gestrichen, verschob leichten Herzens das Wiedersehen mit Freunden und Familie nach monatelangem Patrouillendienst an der Yodor-Sphäre oder las mit Vergnügen einen Anschlag in der Schiffsbar, dass berauschende Getränke nicht ausgeschenkt wurden.

»Auch die Kommandanten der LEUCHTKRAFT sind alles andere als erfreut vom Auftauchen dieser zwanzigtausend Schiffe.«

»Der Thort hat die Hoffnung geäußert, die LEUCHTKRAFT könnte sich im Wegasystem zeigen«, sagte Axelle. »Eine kobaltblaue Walze könnte Eindruck machen und den Gesprächen eine positive Dynamik geben.«

»Zweifellos, aber Vetris-Molaud und Soynte Abil lehnen das kategorisch ab.«

Erinnerungen aus Cassiopeia stiegen in Axelle auf. Der damalige Maghan des neuen Tamaniums hatte sich der Mission gegen FENERIK zunächst inkognito angeschlossen. Auf die uralte Meisterin der Insel waren sie vor Ort gestoßen. Beide hatten das Kommando über das Kosmokratenschiff von Alaska Saedelaere übernommen und übten es offenbar noch immer aus.

»Es ist bedauerlich, dass sie sich nicht dazu entschließen können, uns zu unterstützen«, meinte Axelle.

»Ich bin offen gestanden froh darum.« Adams' graublaue, ein wenig wässrige Augen ließen keinen Zweifel daran, wie viel dieser Mann gesehen hatte.

Er zählte zu Perry Rhodans ersten Wegbegleitern und hatte die Geschichte der Menschheit geprägt, wenn auch meist aus dem Maschinenraum heraus, nicht vom Promenadendeck. Er war ein Mensch, der weder sich noch anderen etwas beweisen musste.

»Die LEUCHTKRAFT hat ein ES-Fragment an Bord. Wir kennen keine Methode, es sicher zu transferieren.«

»Es wäre unverantwortlich, es vor die Geschützmündungen von zwanzigtausend potenziell feindlichen Raumern zu bringen«, ergänzte Axelle.

»Zumal bei dem waffentechnischen Niveau, das du auf Basis deiner Beobachtungen beim Untergang der BOX-1883 schilderst«, bestätigte Adams.

»Das sehe ich ein.«

»Du lässt dich von Argumenten überzeugen. Das würde Antanas Lato freuen.«

Ein weiterer Mensch, den Axelle während der FENERIK-Krise kennengelernt hatte. Ihn hatte sie allerdings in den Jahren seither mehrmals getroffen, da er zum Wissenschaftsteam gehört hatte, das beim Umbau der RAS TSCHUBAI beraten hatte.

»Wie kommst du auf den?«, fragte Axelle.

»Er befindet sich ebenfalls an Bord der LEUCHTKRAFT.«

»Was?«, rief Axelle. »Ich dachte, Antanas wäre mit Perry in die Kondorgalaxis geflogen!«

»Das ist er tatsächlich. Ohne ihn wären sie nie dorthin gelangt. Er hat die Kastellans-Insigne von Alschoran übernommen.« Adams tippte an seine linke Schläfe, wo die von ES bestellten Hüter der Milchstraße ihr Erkennungszeichen trugen. »Die war wohl für die Passage von Morschaztas aus notwendig.«

»Und Alschoran hat sie freiwillig hergegeben?«

»Über den wäre einiges zu berichten ...«, deutete Adams an. »Jedenfalls stimmt Lato den Maghanen zu, dass die Sicherheit des Fragments Priorität genießt, und die ist am ehesten im Solsystem zu gewährleisten.«

»Nur am ehesten?«

»Selbst in Terrania sind unsere Feinde aktiv.«

Axelle schwieg betreten. Sie wusste, dass der Club der Lichtträger Adams entführt und gefoltert hatte.

*

Schon bei der Musterung hatte man Tevvka Grecoas Impulsivität als größtes Hindernis für ihre Karriere in der Flotte identifiziert. Ein spezielles Trainingsprogramm hatte ihr geholfen, die Stärken dieser charakterlichen Disposition zu nutzen und die Gefahren einzudämmen. Sie hatte es bis zum Oberst gebracht und kommandierte die PATOMAN-Flottille im Wegasystem, weil sie ihre Soldaten, vor allem ihre Offiziere, mit ihrer Leidenschaft ansteckte. Sie liebte es, ihre Mähne offen zu tragen, vor dem Kommandosessel herumzutigern, statt darin zu sitzen, die Stimme zu heben, die Fäuste zu schütteln und markige Bemerkungen zum Besten zu geben. Insbesondere der Sprachstil setzte sich auf ihren Raumern durch, was bei Neuankömmlingen, die Nüchternheit mit militärischer Präzision verwechselten, oft für Irritationen sorgte.

Die Erkundung des kosmischen Konklaves erforderte jedoch, was Grecoa sich erst durch konsequentes Persönlichkeitstraining angeeignet hatte: Zurückhaltung, Geduld, Zurückhaltung, Vorsicht, Zurückhaltung, Bedächtigkeit, Zurückhaltung, Sensibilität, Zurückhaltung, Ruhe und Zurückhaltung.

Sie befanden sich nicht in einem Kampfeinsatz, und idealerweise würde das so bleiben. Wenn sie den Hüter dieses Konklaves fänden, der sie möglicherweise bereits beobachtete, mussten sie ihn für sich und die Sache der Galaktiker gewinnen. Er sollte ihnen hinterlegte Botschaften von NADALEE oder ES aushändigen, damit sie diese zum Auffinden und Zusammensetzen der Fragmente des Wanderers verwenden könnten. Dazu mussten sie beweisen, dass sie sein Heim respektierten.

Grecoa hätte es lieber gehabt, wenn sie sich mit ihren Strahlern durch eine Kompanie Gegner hätte kämpfen und danach durch ein paar Stahlplastwände hätte brennen können, um an ihr Missionsziel zu gelangen. Doch diese Option stand nicht zur Wahl.

Grecoa bemühte sich, ihre Frustration nicht allzu deutlich zu zeigen, während sie ihre Hand durch die blaue Flüssigkeit zog, die in dem Brunnen schwappte, auf dessen Rand sie saß. Von diesen runden Konstruktionen gab es auffällig viele in der verschachtelten Architektur des Konklaves mit ihren wechselnden Schwerkraftvektoren und kubischen Modulen, die sich gegeneinander verschoben und so die Position wechselten, wie sie beobachtet hatten.

Die Brunnen waren stets rund mit einem Durchmesser zwischen vier und zehn Metern. Ihr Material variierte stark und umfasste beispielsweise einen gelben Verbundstoff, violettes, halbdurchsichtiges Kristall und einen Stein von so tiefem Schwarz, dass er das Licht der Umgebung zu schlucken schien. Manche waren überreich mit eingelassenen Juwelen und Adern aus Edelmetall verziert, andere schlicht gehalten. Gemeinsam war ihnen das Fluidum, das sie füllte: eine kräftig blaue Flüssigkeit mit hohen Anteilen von Wasserstoff und Kohlenstoff, dazu geringeren Mengen an Stickstoff, Schwefel und Chlor. Bei den kleineren Brunnen sprudelte eine einzelne Fontäne in der Mitte empor, bei den größeren konnte es ein Dutzend sein, die unterschiedlich hoch aufstiegen. Choreografierte Wasserspiele waren das zwar nicht, jedoch nett anzuschauen, und das Plätschern hatte etwas Beruhigendes.

Ruhe. Wie Grecoa das hasste! Aber es war sinnvoll, abzuwarten, während die ausgeschickten Sonden die zugänglichen Bereiche des Konklaves vermaßen.

Die Sensoren im Handschuh sammelten Daten, die dem SERUN eine detailliertere Analyse der Flüssigkeit ermöglichen. Dass Terraner diesen Stoff nicht als Durstlöscher verwenden sollten, war bereits klar.

Für die kleinen Tiere, die sich an diesem wie an vielen anderen Brunnen aufhielten, galt das jedoch nicht. Sie sprangen immer wieder ins Nass, planschten darin herum und schluckten es in rauen Mengen, vor allem, wenn man bedachte, dass keines von ihnen größer war als eine Katze.

»Wie viele Arten das wohl sind?«, überlegte Sergeant Janou LeCount.

»Du interessierst dich für Biologie?«, fragte Grecoa erstaunt.

»Nicht für Pflanzen, aber alles, was hüpft, krabbelt und fliegt, hat es mir angetan.« Der Blick des Hünen war beinahe entschuldigend. »Nur als Hobby. Als Kind hatte ich einen Plumbadran.«

»Ah, noch ein Liebhaber der Fellkugeln von Xoaixo«, erkannte Zamunat Pettpér.

Überrascht wandte sich Grecoa dem Ferronen zu. »Du auch?«

Abwehrend hob er seine Hände. »Ich persönlich widme mich lieber Schalentieren. Aber bei Hofe sind Plumbadrane beliebt.«

Ihr Blick kehrte zu LeCount zurück. Der Versuch, sich den wuchtigen Soldaten mit einem flauschigen Haustier vorzustellen, misslang.

Dabei schien er eine intuitive Verbindung zu den Kleintieren am Brunnen aufzubauen. Er kitzelte den Kehlsack einer aufgedunsen wirkenden, sechsbeinigen Kreatur mit Glupschaugen, ließ eine zweiköpfige Schlange um seinen Kragen kriechen, tätschelte die Flanke eines Wesens mit ledrigem Schwanz, das dafür seinen Hinterlauf aus dem Weg hob. Er ließ auch einen Kopffüßer auf seine linke Hand krabbeln und warf ihn in hohem Bogen in die Brunnenfontäne, was diesem augenscheinlich gefiel, denn er zirpte laut und kehrte zu LeCounts Hand zurück.

»Ich sehe keine zwei Tiere, die ich für fortpflanzungstechnisch kompatibel halten würde«, sagte Pettpér.

»Sie kommen wahrscheinlich deswegen so wunderbar miteinander aus«, beobachtete LeCount.

In der Tat fanden sich viele zu Spielgruppen zusammen, Eigenbrötler gab es kaum.

»Fressfeinde scheinen sie jedenfalls nicht zu sein«, sagte Grecoa, um etwas zum Gespräch beizutragen.

»Futtern mit Freunden, nicht mit Fieslingen«, quietschte der glupschäugige Sechsfüßer.

Grecoa sprang auf. »Der spricht!«

»Ich kann viele Worte«, sagte das Tierchen.

»Werfen!«, verlangte der Kopffüßer auf LeCounts Hand.

Der Oxtorner tat ihm den Gefallen, runzelte aber die Stirn. »Mich wundert weniger, dass sie reden, als dass sie uns verstehen.«

»Das ist in der Tat merkwürdig.« Grecoa prüfte den Translator ihres SERUNS. »Die sprechen Interkosmo.«

»Ihr doch auch«, versetzte der Gekraulte altklug.

Sie befanden sich in einem Refugium tief in der sturmgebeutelten Atmosphäre eines Gasriesen, und dennoch ... »Man hat also Kontakt zur Milchstraße«, erkannte Grecoa.

»Wir befinden uns inmitten der Milchstraße«, stellte Pettpér fest.

»Ja, natürlich, aber isoliert von allem zivilisatorischen Austausch«, erklärte Grecoa ihren Gedanken. »Oder wusstet ihr von dieser Station?«

»Ihre Bewohner sind offensichtlich besser über uns informiert als wir über sie«, gestand der Ferrone zu.

Schräg unter ihnen verschoben sich zwei würfelförmige Module scharrend gegeneinander.

»Wie heißt du denn eigentlich?«, fragte LeCount den Sechsbeiner.

»Ich bin Klonkar! Und du?«

»Du kannst mich Janou nennen.«

»Und ich bin Pemprun!«, rief der Kopffüßer. »Wirf mich, Janou!«

Der Oxtorner tat ihm den Gefallen.

Es war ein friedliches Idyll wie bei einem Familienausflug. Grecoa seufzte schwer.

»Ich könnte ein paar Soldaten von der HS'ERT 03 holen«, bot Pettpér an. »Dadurch könnten wir unseren Suchbereich schneller erweitern.«