Ren Dhark Weg ins Weltall 114: Gefangen in Maffei 1 - Jan Gardemann - E-Book

Ren Dhark Weg ins Weltall 114: Gefangen in Maffei 1 E-Book

Jan Gardemann

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Beschreibung

Wächter Simon und seine Mitstreiter machen eine schockierende Entdeckung: Die Schwarze Macht sammelt nicht nur Balduren-Artefakte, sondern unterhält auch Experimente, die die gesamte Milchstraße in Gefahr bringen könnten. Währenddessen landen Ren Dhark und seine Gefährten mit der POINT OF auf dem Planeten Matrix. Sie müssen einen Ausweg aus der Raum-Zeit-Anomalie finden, sonst bleiben sie für immer gefangen in Maffei 1... Jan Gardemann, Nina Morawietz und Gabriel Wiemert schrieben diesen mitreißenden SF-Roman nach dem Exposé von Anton Wollnik.

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Seitenzahl: 370

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ren Dhark

Weg ins Weltall

 

Band 114

Gefangen in Maffei 1

 

von

 

Jan Gardemann

(Kapitel 1 bis 6)

 

Nina Morawietz

(Kapitel 7 bis 14)

 

Gabriel Wiemert

(Kapitel 15 bis 21)

 

und

 

Anton Wollnik

(Exposé)

Inhalt

Titelseite

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

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Impressum

Prolog

Am 21. Mai 2051 startet die GALAXIS von Terra aus zu einer schicksalhaften Reise in den Weltraum. Durch eine Fehlfunktion des »Time«-Effekts, eines noch weitgehend unerforschten Überlichtantriebs der Terraner, springt das Raumschiff über beispiellose 4.300 Lichtjahre. Genau einen Monat später erreicht es das Col-System, wo es auf dem Planeten Hope landet. Weil ein Weg nach Hause unmöglich erscheint, beschließen die Raumfahrer, auf dem Planeten zu siedeln, und gründen die Stadt Cattan.

Rico Rocco schwingt sich zum Diktator auf und lässt sämtliche Kritiker verfolgen und auf den Inselkontinent Deluge verbannen. Dieses Schicksal trifft auch den zweiundzwanzigjährigen Ren Dhark, seinen besten Freund Dan Riker sowie eine Reihe weiterer Terraner. Doch damit endet die Geschichte nicht. In einer Höhle entdecken die Verbannten nicht nur Artefakte einer mysteriösen fremden Hochkultur, sondern auch ein unvollendetes Raumschiff, das eine prägnante Ringform aufweist.

Nachdem Rico Rocco bei einem Angriff der Amphi umgekommen ist, wird Ren Dhark zum neuen Stadtpräsidenten Cattans gewählt. Er lässt den Ringraumer reparieren, welcher später von Pjetr Wonzeff auf den Namen POINT OF INTERROGATION, kurz POINT OF, getauft wird. Im April 2052 bricht der Ringraumer unter Dharks Kommando zu seinem Jungfernflug zur Erde auf. Damit beginnt ein neues Kapitel in der terranischen Raumfahrt. Nicht zuletzt dank Dharks Forscherdrang entdecken die Menschen weitere Hinterlassenschaften der Mysterious, die es ihnen ermöglichen, neue Ringraumer zu bauen und immer weiter in die Tiefen des Weltraums vorzudringen. Die POINT OF jedoch bleibt trotz allem einzigartig, was nicht zuletzt am Checkmaster liegt, dem eigenwilligen Bordgehirn dieses Raumschiffes.

Ren Dhark bleibt der Kommandant der POINT OF und erforscht mit seiner Mannschaft in den folgenden Jahren nicht nur das Weltall, sondern rettet auch immer wieder die Menschheit und sogar ganze Galaxien. Im Mai 2074 lässt sich der unvermutet aktivierte Schutzschirm um Terra nicht mehr abschalten. Die Erde ist damit vom Rest des Universums isoliert. Niemand ahnt, dass es sich in Wahrheit um einen von den Thanagog installierten Zweitschirm handelt, um Ren Dhark zu einer Reise nach ERRON-3 zu bewegen. Dort wollen sie in den Besitz des Schebekaisen gelangen, eines Artefakts, das mutmaßlich von den Balduren stammt. Ihr Plan geht auf.

Zurück in der Milchstraße zeigen die Thanagog ihr wahres Gesicht: Dabei kommt nicht nur die Wahrheit über den angeblich entarteten Schutzschirm um Terra heraus, sondern auch, dass die transitierende Sonne eigentlich das Mutterschiff der Schemenhaften ist. Bei dem Versuch, das Artefakt der Balduren von den Thanagog zurückzuholen, wird Ren Dhark Zeuge davon, wie die Wächter den Kern des Sonnenschiffes und damit die Lebensgrundlage eines ganzen Sternenvolkes zerstören. Shamol, der Herrscher der Thanagog, vernichtet das Schebekaisen und wendet sich in seiner Verzweiflung an Dhark. Er habe das alles nur getan, um sein Volk vor der buchstäblichen Auflösung zu bewahren. Weil die Erde nicht mehr in Gefahr schwebt, willigen der Commander und seine Experten ein zu helfen. Die Thanagog können gerettet werden, indem sie zu einem Megawesen verschmelzen, und fliegen in die Weiten des Weltraums hinaus.

Wenige Tage später finden Ren Dhark und seine Gefährten auf einem entlegenen Planeten ein weiteres Schebekaisen. Dieses öffnet ihnen auf Terra ein Portal zu einem mutmaßlichen Balduren-Tempel. Dort stürzt Iondru in die Galaxis Maffei 1 und verschwindet spurlos. Da taucht unvermittelt die Schwarze Macht im Sonnensystem auf. Ren Dhark muss ihr das Schebekaisen übergeben. Weil er ohne das Relikt nun nicht mehr in den Balduren-Tempel zurückkehren kann, fliegt er mit der POINT OF nach Maffei 1. Dort findet er zwar Iondru, doch auf dem Rückweg in die Milchstraße gerät sein Ringraumer unvermittelt in eine Raum-Zeit-Anomalie, aus der es kein Entkommen gibt …

1.

Ren Dhark besah sich die Bildkugel nachdenklich. Die im Zentrum der bildgebenden Sphäre dargestellte Sonne war nicht größer als eine Rosine. Ein einzelner Planet, nicht mehr als ein Stecknadelkopf, umkreiste das Gestirn. Die Proportionen stimmten nicht mit der Realität überein; das Abbild diente allein der Orientierung. Es entsprach jedoch der Wahrheit, dass diese gelbe Sonne lediglich einen einzigen Trabanten besaß, eine Welt, die in der habitablen Zone ihre Bahnen zog und über keinen Mond verfügte.

Darüber hinaus existierte weit und breit nichts als die Leere des Weltraums. Dieses Gestirn sowie sein Planet schienen, abgesehen von der POINT OF, die einzigen Körper im Umkreis von vielen Tausenden von Lichtjahren zu sein. »Matrix-System« hatte der Astrophysiker Claus Bentheim dieses Gespann genannt, und so war die Mannschaft übereingekommen, den Planeten auf den Namen »Matrix« zu taufen.

Dhark berührte die winzige Planetenperle mit aneinandergelegtem Daumen und Zeigefinger und zog diese dann auseinander. Daraufhin vergrößerte sich die bläuliche Kugel und verdrängte die Sonne aus dem Darstellungsbereich.

Kritisch furchte der ehemalige Commander der Planeten die Stirn. Matrix ähnelte der Erde: Auf dieser Welt herrschten für Menschen ideale Bedingungen. Irgendwann einmal schien es auf diesem Planeten tatsächlich eine Zivilisation gegeben zu haben. Diese hatte vor etlichen Jahrhunderttausenden offenbar zuletzt ein bis heute nachweisbares Zeugnis auf dieser Welt hinterlassen.

Die Spürer der POINT OF hatten auf der Oberfläche Strukturen entdeckt, die entfernt an die berühmten Nazca-Linien in den peruanischen Anden auf Terra erinnerten. Dabei könnte es sich sowohl um Überbleibsel einstiger Städte handeln als auch um Geoglyphen, also Scharrbilder, die irgendwelche Lebewesen oder mythische Gestalten darstellten, die für die Bewohner von Matrix eine Rolle gespielt hatten.

Von den intelligenten Bewohnern schien außer dieser Hinterlassenschaft allerdings nichts geblieben zu sein, denn es gab keinerlei Anzeichen für die Existenz einer aktiven Zivilisation.

Dhark wischte über die Bildkugel hinweg, woraufhin sich Matrix rasch zu drehen begann. Schließlich stoppte er diese kleine Spielerei, indem er entschlossen die Fingerspitzen der rechten Hand auf die holografieähnliche Sphäre legte und die Rotation des Planeten zum Stillstand brachte. Dann wandte er sich seinen Kameraden zu, die ihn und die Bildkugel abwartend umstanden.

»Also gut«, sagte er gedehnt. »Es bleibt uns wohl keine andere Wahl, als diesen Planeten genauer zu untersuchen.«

»Wir könnten weiterhin versuchen, einen Ausweg aus dieser Raum-Zeit-Anomalie zu finden«, warf Arc Doorn ein.

»Das haben wir bereits mehrfach getan«, entgegnete Hen Falluta. Der Erste Offizier deutete auf den Planeten in der Bildkugel. »Aber wir kehren immer zum Matrix-System zurück.«

Doorn warf sein schulterlanges rotes Haar mit einer Kopfbewegung zurück, in der sich Stolz und ein unbeugsamer Wille widerspiegelten. »Ich werde den Eindruck nicht los, dass wir gezwungen werden, diesen Planeten zu erforschen. Und das gefällt mir nicht!«

Chris Shanton wischte sich mit der Hand über Gesicht und Kinnbart. Er wirkte danach allerdings nicht weniger angespannt als zuvor. Der wohlgenährte Ingenieur fuchtelte fahrig mit den Armen herum. »Warum bringen wir es nicht rasch hinter uns und fliegen runter zu diesem Planeten? Womöglich tut sich dann für uns im Weltraum ein Durchlass auf, und wir können mit der POINT OF hinaus aus diesem Taschenuniversum.« Mit der flachen Hand beschrieb er eine gleitende Bewegung durch die Luft – wie ein Kind, das ein elegant dahinfliegendes Flugobjekt nachahmte.

Jimmy, der neben den Füßen seines Konstrukteurs Sitz gemacht hatte, begleitete diese Geste mit einem zischenden Geräusch, das er so modulierte, dass es wie die Düse eines vorbeirauschenden Jets klang.

Shanton bedachte den Roboterhund, dem er das Aussehen eines schwarzfelligen Scotchterriers gegeben hatte, daraufhin mit einem giftigen Blick.

»Wäre schön, wenn es so einfach wäre«, sagte Dhark.

»Vielleicht ist es das ja tatsächlich«, wollte Shanton nicht von seiner Vorstellung ablassen.

»Deine Sichtweise impliziert, dass wir aus einem bestimmten Grund in diese Anomalie geraten sind, Shanton«, wandte Artus ein. Der intelligent gewordene Großserienroboter aus Stahl hatte sich auf der gegenüberliegenden Seite der Bildkugel postiert. Seine im Vergleich zum tonnenartigen Torso dünn erscheinenden Röhrenarme hingen bewegungslos an den Seiten herab. Stocksteif und bewegungslos stand er da. Wären die Worte nicht eindeutig aus dem Gitter seines Mundschlitzes hervorgekommen, hätte man annehmen können, er befände sich im Ruhemodus.

»Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das tatsächlich sind, Artus!« Der Mann, der dies mit kühler Überzeugung in der Stimme sagte, war von den Balduren aus den Genen von Ren Dharks im Säuglingsalter ums Leben gekommenen Sohn Ion Alexandru geklont und künstlich zu einem jungen Mann herangereift worden. Diese genetische Verwandtschaft hatte für Iondru allerdings so gut wie keine Bedeutung. Sein Wesen war viel zu komplex und vielschichtig und ließ sich nicht auf diesen rein biologischen Aspekt reduzieren.

Er legte die Hand auf seine breite Brust. Während der Annäherung an das Matrix-System hatte sich sein Körper in eine intensivere goldene Aura gehüllt, ganz so, als wollte sie Iondru deutlich machen, dass er im Begriff war, sich einem für ihn bedeutenden Ort zu nähern. Nun, da die POINT OF in eine Umlaufbahn um Matrix eingeschwenkt war, war das Phänomen verblasst und Iondru sah wieder wie ein normaler Mensch und nicht wie ein Goldener aus.

»Ich spüre ganz deutlich, dass es so ist«, bekräftigte er und klopfte mit der Hand auf sein Brustbein. »Ich bin aus einem zwingenden Grund hier!«

Doorn verzog spöttisch den Mund. »Das mag ja auf Sie zutreffen, Iondru. Aber nicht auf mich.« Er deutete um sich. »Und auf die anderen in diesem Ringraumer vermutlich ebenfalls nicht.«

Iondru zuckte andeutungsweise mit den Schultern. »Wir sind aber nun einmal hier.«

Parock stampfte mit seinen vier säulenartigen Beinen so heftig auf, dass Dhark und seine Kameraden eine leichte Erschütterung unter ihren Füßen spürten. Der vier Meter große Kraval saß in seinem Spezialsessel und bewegte ungeduldig seine tentakelartigen Arme. Sein gesamter mit dunklen Schuppen bewachsener Körper bestand aus dicht gepackten Muskelpaketen, die so kompakt und ausdauernd waren, dass die Natur es für überflüssig befunden hatte, die Kraval zusätzlich mit Knochen auszustatten.

»Ich bin dafür, diese Welt heimzusuchen«, polterte er mit seiner raumgreifenden, tiefen Stimme. »Sollten wir wirklich von einer höheren Macht hierhergeleitet worden sein, sollten wir ihr zeigen, was sie davon hat, wenn sie glaubt, uns wie Spielfiguren herumschieben zu können.«

Falluta bedachte den Koloss von Brock mit einem skeptischen Blick. »Was schwebt dir denn vor, was wir auf diesem Planeten tun sollten?«, fragte er in einem Tonfall, als befürchtete er, Parock plante eine militärische Okkupation.

»Na, was wohl?« Parock schürzte die wulstigen Lippen und zog die Panzerschuppen bedrohlich über seinen Augen zusammen. »Wir entreißen dieser Welt ihr Geheimnis. Und dann sehen wir zu, dass wir von hier wegkommen!«

»Das ist es, was wir am besten können«, bestätigte Shanton eindringlich und sah in die Runde. »Forschen und kosmische Rätsel lösen. Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass wir aufgrund einer Notlage handeln müssen.« Sein Blick blieb an Arc Doorn haften. »Wann waren wir denn je wirklich frei zu entscheiden, ob wir uns eines Problems annehmen oder nicht?«

Doorn verschränkte trotzig die Arme vor der Brust, wusste auf Shantons Frage offenkundig aber nichts zu antworten.

Dhark nickte bedächtig. »Sie haben recht, Chris. Dennoch müssen wir alle Optionen zuvor abwägen, ehe wir uns entscheiden.«

»So viele Optionen stehen uns doch gar nicht zur Verfügung«, äußerte sich Artus neutral, rührte sich diesmal allerdings, indem er das grüne Stirnband mit dem goldenen »A« darauf auf seinem Stahlschädel zurechtrückte.

Dass dieses Stirnband zuvor verrutscht wäre, war allerdings schwer vorstellbar, da Artus sich etliche Minuten lang keinen Millimeter bewegt hatte.

»Man hat immer eine Wahl«, ließ Doorn sich erneut vernehmen, blieb es den Anwesenden allerdings schuldig zu erklären, wie diese in ihrem aktuellen Fall aussehen sollte.

»Wir haben es noch nicht mit Waffengewalt versucht«, machte Leon Bebir auf eine Möglichkeit aufmerksam, die bisher noch keiner bedacht zu haben schien. Der Zweite Offizier saß derzeit im Pilotensessel und hielt die POINT OF per Gedankensteuerung in der Umlaufbahn der Sauerstoffwelt.

»Wie wollen Sie denn bitteschön einer Raum-Zeit-Anomalie mit den Bordwaffen unseres Ringraumers beikommen?«, erkundigte sich Shanton leicht amüsiert. »Und wo wollen Sie ansetzen? Aufs Geratewohl ins Nichts feuern?«

»Es existiert irgendwo ein Wendepunkt«, war Bebir nicht um eine Antwort verlegen. »Eine lokale Barriere, die das Schiff räumlich und zeitlich zurückwirft. Optisch haben wir diese Barriere in der Bildkugel wahrnehmen können, als die Darstellung darin verwischte und anschließend den Raumsektor zeigte, von dem wir uns zuvor wegbewegt hatten. Wenn wir diesen Umkehrpunkt mit Nadelstrahl oder den Wuchtkanonen konzentriert beschießen, könnten wir ihn vielleicht durchbrechen oder kollabieren lassen.«

Parock lachte polternd auf. »Dein Vorschlag hat durchaus etwas für sich«, lobte er den Zweiten Offizier. »Unsere Not ist aber nicht so groß, dass wir zu diesen drastischen Mitteln greifen müssten, meine ich.«

Dhark nickte. »Das sehe ich genauso.« Herausfordernd ließ er den Blick durch die Zentrale schweifen, fasste jeden der Anwesenden einmal kurz ins Auge. »Es ist nicht bloß eine Zwangslage vonnöten, damit wir aktiv werden«, rief er seinen Führungsoffizieren in Erinnerung.

»Neugierde, Wissensdurst, Forscherdrang«, kam es aus Artus’ Sprechgitter hervor.

Dhark nickte vielbedeutend und zeigte zur Bildkugel. »Ich denke, es geht nicht nur mir so, wenn ich jetzt sage, dass mir Matrix wie ein gewaltiges Fragezeichen vorkommt. Mag uns auch jemand mit penetranter Nachhaltigkeit dieses Rätsel vor die Nase halten – das ändert für mich nichts daran, dass ich dieses Geheimnis unbedingt lösen möchte.«

Iondru lächelte, wie man lächelte, wenn eine zuvor verfahrene Diskussion endlich eine Richtung einschlug, die man selbst für wünschenswert hielt. »Es wäre auch gut möglich, dass wir auf diesem Planeten mehr über diejenigen erfahren, die für diese Anomalie verantwortlich sind«, warf er ein.

»Du implizierst, dass diese Raum-Zeit-Tasche künstlichen und nicht natürlichen Ursprungs ist«, merkte Artus daraufhin neutral an.

»Tief in meinem Innern bin ich überzeugt, dass sie künstlich hervorgerufen wurde«, bestätigte Iondru.

Doorn verzog höhnisch den Mund. »Sie glauben, die Balduren haben diese Anomalie erschaffen«, mutmaßte er.

Iondru rieb sich den Nacken. »Für mich sieht es sehr danach aus. Die Balduren haben mich erschaffen. Und irgendetwas in mir zieht mich zu dieser Welt hin.« Er deutete zur Bildkugel und den Planeten, der sie fast vollständig ausfüllte. »Matrix ruft mich, daran besteht kein Zweifel.«

»Vielleicht sollten Sie gerade deshalb nicht dorthin gehen«, gab Doorn ernst zurück.

Iondru schien in sich hineinzuhorchen. »Ich kann nicht anders«, sagte er dann leise und schüttelte den Kopf. »Ich muss ergründen, was es mit dieser Welt auf sich hat!«

Dhark straffte seine Körperhaltung. »Weder lassen wir uns zu etwas drängen noch lassen wir uns von etwas abhalten. Hier und jetzt werden wir frei entscheiden, ob wir Matrix untersuchen wollen oder nicht.« Er stemmte die Hände in die Hüften. »Ich sehe keinen Grund, warum wir keine Expedition auf diese Welt schicken sollten.«

Zustimmende Rufe wurden laut.

Sogar Arc Doorn nickte schließlich, wenn auch mit trotzig vor der Brust verschränkten Armen.

*

Parock schlug vor, die Expeditionsgruppe mit seinem Spezial-Xe-Flash zum Planeten hinunterzufliegen. »An Bord meines Kleinraumers ist genug Platz für diverse Ausrüstungsgegenstände, für die in den zweisitzigen Flash kein Platz wäre«, argumentierte er. »Und die POINT OF könnte hier oben in der Umlaufbahn auf Beobachtungsposition bleiben.«

»Das klingt vernünftig«, äußerte sich Hen Falluta. »Solange wir nicht wissen, was uns dort unten erwartet, halte ich es für sicherer, unseren Ringraumer von Matrix’ Oberfläche fernzuhalten. Sollte es auf dem Planeten Schwierigkeiten geben, könnten wir von hier oben schnell eingreifen oder die Flash runterschicken.«

»So machen wir es.« Ren Dhark legte Falluta eine Hand auf die Schulter. »Sie übernehmen das Kommando, solange ich fort bin.«

Der Erste Offizier machte ein zerknirschtes Gesicht. »Ich hatte befürchtet, dass Sie das sagen würden, Sir«, sagte er förmlich.

»Dann wissen Sie auch, dass Sie mich nicht davon abhalten können, die Expedition anzuführen«, gab Dhark knapp zurück.

Parock ließ die Muskelschläuche seiner Arme spielen. »Keine Sorge. Ich bin an Dharks Seite und werde auf ihn aufpassen.«

Dhark grinste kurz. »Wir passen gegenseitig aufeinander auf.«

»Wen werden Sie noch mitnehmen?«, erkundigte sich Leon Bebir.

»Jedenfalls keinen der Praktikanten«, gab Dhark zurück, da er annahm, dass sein Zweiter Offizier mit seiner Frage genau darauf angespielt hatte.

Tatsächlich atmete Bebir erleichtert durch. »Ich möchte nicht den Anschein erwecken, meine Tochter von eventuellen Gefahren fernhalten zu wollen …«, setzte er zu einer Erklärung an, aber Dhark stoppte seine Worte, indem er kurz die Hand hob.

»Es wäre für mich sowieso nicht infrage gekommen, unsere Praktikanten mitzunehmen«, sagte er. »Wir wissen nicht, was uns auf Matrix erwartet. Diese unerfahrenen Leute haben auf dieser Expedition also nichts verloren.« Ein strenger Ausdruck machte sich auf seinem markanten Gesicht breit. »Aus gegebenem Anlass werde ich die Praktikanten vorerst sowieso von allen Aktivitäten ausschließen. Dass Tom Taylor der Hyperfunknetz-Aktivistin Suzi Forty auf den Leim gegangen ist, sensible Informationen an sie weitergegeben hat und offenbar mit ihr durchgebrannt ist, zeigt, wie unbedarft die Praktikanten noch immer sind. Um Mister Taylor im Auge zu behalten, habe ich die Cyborgs Val Brack und Kai Nunaat auf der Erde zurücklassen müssen. Dieses Fehlverhalten darf für unsere Praktikanten nicht ohne Folgen bleiben, auch wenn diese für Mister Taylors Fehltritt nicht unmittelbar verantwortlich sind.

Nichtsdestotrotz werde ich ihnen erst einmal nicht mehr so viele Freiheiten gewähren wie zuvor. Sie müssen sich mein Vertrauen erneut verdienen.«

»Ich bin froh, dass Sie das so sehen«, sagte Bebir. »Meine Tochter soll keine falschen Vorstellungen von der Raumfahrerei bekommen. Den Aspekt, dass alle gemeinsam die Folgen für den Fehler eines Einzelnen tragen müssen, erachte ich für äußerst wichtig. Die Besatzung eines Raumschiffs ist eine Schicksalsgemeinschaft. Das Tun des einen wirkt sich auch auf die anderen aus. Das kann den Praktikanten gar nicht früh genug begreiflich gemacht werden.«

Dhark bedachte seinen Zweiten Offizier mit einem verständnisvollen Lächeln. Er kannte Bebir nun schon sehr lange. Dessen Begeisterung für die Raumfahrt war nach wie vor ungebrochen, und das, obwohl er während der Einsätze von seiner Frau und seiner Tochter mitunter lange getrennt gewesen war. Nun befand sich Judy, sein einziges Kind, im Rahmen eines Praktikantenprogramms an Bord der POINT OF. Und dies stellte den rothaarigen Leutnant vor ganz neue Herausforderungen.

Bebir war zwar professionell genug, um sein Handeln und Agieren nicht von übermäßiger Sorge um seine Tochter beeinflussen zu lassen. Aber Dhark wusste aus eigener Erfahrung, welche besonderen Probleme zwischen Eltern und ihrem Nachwuchs bestehen konnten. Ihm selbst war es mit Iondru anfangs so ergangen. Es war für ihn ein zum Teil schmerzlicher Prozess gewesen zu akzeptieren, dass Iondru nicht sein leiblicher Sohn war. Die väterlichen Gefühle in den Griff zu bekommen, die Iondru zuerst durchaus in ihm hervorgerufen hatte, war eine schwierige Aufgabe gewesen. Diese Phase lag längst hinter ihm, und sein Verhältnis zu Iondru hatte sich seitdem merklich gewandelt. Er sah ihn mehr als einen Freund oder Kameraden an.

Eine ähnliche Entwicklung würde auch Leon Bebir mit seiner Tochter durchlaufen müssen, und Dhark fand, dass dieser seine Sache bisher ziemlich gut machte. Leon war durchaus in der Lage, Judy neutral als Praktikantin anzusehen und sie nicht anders zu behandeln als die vier anderen Teilnehmer dieses Programms. Hin und wieder aber konnte er dennoch nicht umhin, seiner Vaterrolle gerecht zu werden, wofür Dhark vollstes Verständnis hatte.

Der Commander wandte sich Iondru zu. »Mach dich bereit!«, sagte er. »In einer Stunde brechen wir zum Planeten Matrix auf.«

Iondru nickte beiläufig, als hätte es für ihn nie außer Frage gestanden, dass er bei dieser Expedition mit von der Partie sein würde.

Dhark überlegte nicht lange und bestimmte auch Arc Doorn, Chris Shanton, Artus und Amy Stewart dazu, ihn auf die Sauerstoffwelt zu begleiten. Seine Lebensgefährtin informierte er über Bordsprech von seiner Entscheidung, denn Amy nahm gerade an einem freundschaftlichen Treffen mit den anderen an Bord verbliebenen Cyborgs Lati Oshuta, Jes Yello und Bram Sass teil.

Anschließend besprach Dhark mit der Wissenschaftlichen Abteilung, welche Gerätschaften in Parocks Xe-Flash für die Expedition verladen werden sollten.

Eine Stunde später war es dann so weit. Parock saß in dem Spezialsessel vor den für seine Tentakel ausgelegten Bedienfeldern des Kleinraumers. Dieser verfügte nur über ein einziges Deck, damit der Kraval sich bequem darin bewegen konnte. Die übrigen Expeditionsteilnehmer hatten auf den Sitzen Platz genommen, die für dieses Unternehmen in dem geräumigen Innenraum montiert worden waren. Im rückwärtigen Teil stapelten sich die Kisten mit den Ausrüstungsgegenständen.

»Festhalten!«, scherzte Parock und aktivierte das Intervallfeld des Xe-Flash. »Es geht los!«

*

Im flachen Winkel ließ Parock den carboritschwarzen Kleinraumer in die Atmosphäre des Planeten eintauchen. Für den Anflug hatte er die Tagseite gewählt und steuerte nun auf ein Gebiet zu, das weitflächig mit Geoglyphen bedeckt war.

Mit einem Tentakelende deutete der Kraval auf einen Bildschirm, der so hoch angebracht war, dass die Terraner ebenfalls einen Blick darauf werfen konnten. »Die Analyse der Luft hat begonnen«, erläuterte er die Symbole, bei denen es sich um Idiome aus der Sprache der Kraval handelte. »Die Schwerkraft beträgt knapp über einem Gravo«, fügte er hinzu, wobei seine Stimme ein wenig enttäuscht klang, wie Dhark zu erkennen meinte. Vermutlich hatte sich Parock gewünscht, auf Matrix Schwerkraftbedingungen zu finden, die mehr denen auf seiner Heimatwelt Brock entsprachen, wo vier Gravo herrschten.

Als der Xe-Flash kurz darauf auf seinen spinnenbeinähnlichen Auslegern auf der Planetenoberfläche aufsetzte, hatten die Spürer die Diagnose der Atmosphäre abgeschlossen.

»Erstaunlich«, sagte Parock, während er die Werte vom Bildschirm ablas. »Nicht nur, dass die Daten der Fernortung bestätigt werden, was die exakte Luftzusammensetzung betrifft, die Geräte können darüber hinaus auch keine schädlichen Keime, Sporen oder Viren entdecken.« Er drehte sich mit seinem Sessel zu seinen Begleitern um. »Wie es aussieht, können wir bedenkenlos auch ohne W-Anzug auf Matrix herumspazieren.«

Dhark beschloss, sich auf die Untersuchungen zu verlassen, und überließ es seinen Gefährten zu entscheiden, ob sie einen der worgunschen Schutzanzüge anlegen wollten oder nicht. Darauf wollten sie alle jedoch gerne verzichten.

Obwohl die W-Anzüge weder die Bewegung einschränkten noch den Tastsinn minderten, bevorzugten sie es dennoch, die Luft dieser Welt über ihr Gesicht streichen zu fühlen und frei einzuatmen.

Nachdem sich die Expeditionsteilnehmer mit Analysegeräten, Suprasensoren und einigen archäologischen Gerätschaften ausgestattet hatten, begaben sie sich gemeinsam in die Schleuse. Das Außenschott in der Form eines romanischen Fensters glitt auf und gab den Blick auf die Landschaft frei.

Vor den Raumfahrern erstreckte sich eine ebene Fläche, die in weiter Ferne in bergiges Gelände überging. Karges Gestrüpp, Gräser und Moose bildeten die vorherrschende Vegetation. Schmale Gebiete aus Geröll, Schutt und Felsgestein verliefen kreuz und quer über die Landschaft.

Die in die Schleusenkammer eindringende Luft fühlte sich angenehm warm an und duftete würzig nach Gräsern. Das Licht der Sonne besaß eine für das menschliche Auge angenehme Intensität. Einige wenige Schäfchenwolken zogen träge über das Blau des Himmels.

»Fast schon kitschig«, kommentierte Chris Shanton und strich sich dabei behaglich über die Brust. »Matrix würde einen idealen Kolonieplaneten abgeben.«

Dhark, der Iondrus Unruhe spürte, trat einen Schritt beiseite und deutete auffordernd nach draußen die Rampe hinunter. »Du darfst als Erster den Fuß auf diese Welt setzen, wenn du möchtest«, sagte er an den Klon gerichtet.

Diese Einladung erfreute Iondru sichtlich. Er nickte dankend und schritt die Rampe des Xe-Flash hinab. Dabei sah er sich bedachtsam, aber durchaus auch besitzergreifend um. Es war ihm anzusehen, dass er diese Welt mit dem Selbstverständnis betrat, dass sie etwas ganz Spezielles für ihn bereithielt – etwas, das er erst noch entdecken, das aber unzweifelhaft vorhanden sein musste.

Dhark, Stewart, Doorn und Shanton folgten Iondru auf dem Fuße. Artus schritt mit ein wenig Abstand hinter ihnen her. Parock aber wartete ab, bis Iondru das Ende der Rampe erreicht und matrixischen Boden betreten hatte. Dann katapultierte er sich mit seinen vier säulenartigen Beinen aus der Schleuse hinaus ins Freie.

Im hohen Bogen flog der massige Koloss über die Köpfe der Raumfahrer hinweg und landete schließlich etwa dreißig Meter entfernt auf einem felsigen Rund. Staub und kleine Steine wirbelten um den Kraval herum auf.

»Dann machen wir uns mal an die Arbeit!«, rief er seinen Freunden gut gelaunt zu. »Entreißen wir dieser Welt ihr Geheimnis!«

*

Iondru kniete auf einem glattgewetzten Findling und stieß eine Sonde in den Schotter, der den Stein umgab. Der Felsbrocken gehörte zu einer ebenerdigen Formation aus Quadern, die sich mehrere Kilometer in nordöstliche Richtung erstreckte und knapp dreihundert Meter breit war. Bei diesem Streifen handelte es sich um eine jener Spuren, die sie aus dem Weltraum betrachtet für Scharrbilder gehalten hatten.

Iondru legte den Hand-Suprasensor vor sich auf den Stein und rief ein Programm auf, das eine Verbindung zur Sonde herstellte. Anschließend ließ er die Sonde eine Schockwelle in den Boden abstrahlen. Aus dem empfangenen Echo generierte das Programm dann ein Tiefenbild.

Iondru erhob sich und sah zu Ren Dhark hinüber, der am Rand des Gesteinsbandes stand. »Der Brocken, auf dem ich hier stehe, reicht fast einhundert Meter in die Tiefe!«, rief er dem Commander zu. Er deutete die Formation entlang. »Dieses gesamte Konstrukt setzt sich allerdings weit mehr als dreihundert Meter tief im Erdboden fort.«

»Beachtlich«, kommentierte Dhark neutral. Mit der Stiefelsohle kratzte er die dünne Moosschicht von einem etwa kopfgroßen flachen Stein. Die darunter zum Vorschein gekommene Maserung deutete auf natürliche Erosion als Ursache für die Abflachung des Brockens hin. Ähnliche Spuren wiesen auch die übrigen Felsen auf, die er bisher in Augenschein genommen hatte. »Die Oberfläche dieser Gesteinsbänder lässt keinen Rückschluss darauf zu, ob sie mithilfe von Werkzeugen oder Maschinen in diese Positionen gebracht wurden.«

Iondru zuckte mit den Schultern. »Die Untersuchung mit dem Tiefensonar lässt diese Schlussfolgerung aber sehr wohl zu«, sagte er. »Die Seitenflächen der Quader sind spiegelglatt. Etliche dieser Brocken sind zwar in mehrere Teile zerplatzt oder weisen Risse auf. Meines Erachtens deuten die glatten Seitenflächen aber darauf hin, dass sie mit äußerster Akkuratesse bearbeitet wurden.«

Dhark nickte. »Dass diese Strukturen ebenerdig sind, scheint also daran zu liegen, dass Unwetter und andere Naturereignisse sie mit den Jahrtausenden geschliffen haben. Ursprünglich könnten diese Gebilde also bedeutend höher gewesen sein.«

»Davon können wir fest ausgehen«, war Iondru überzeugt. »Womöglich haben wir es mit den Grundmauern von ziemlich wuchtigen Gebäuden zu tun.«

»Ihr jetziger Zustand kann nur das Werk von mehreren Hunderttausend Jahren gewesen sein. Das Klima dürfte während dieser Zeitspanne ziemlich verrückt gespielt und Urgewalten entwickelt haben. Erdbeben und tektonische Verschiebungen mit inbegriffen.« Dhark ließ den Blick über die Ebene schweifen.

Die Spur des ebenerdigen Felsbandes verlor sich in der Ferne zwischen Gräsern und Sträuchern. Etwa fünfzig Meter voraus kreuzte aber eine weitere, wesentlich schmalere Bahn das Felsband. Diese wirkte eher wie ein Pfad und bestand hauptsächlich aus Schotter und Kieselsteinen. Chris Shanton und Amy Stewart waren diesen natürlichen Weg vorhin eingeschlagen und hatten sich inzwischen so weit von dem Xe-Flash wegbewegt, dass sie zwischen den Büschen nicht mehr zu sehen waren.

Arc Doorn untersuchte derweil eine auffällige Gestrüppgruppe in der Nähe. Parock und Artus hatten sich indes aufgemacht, die Umgebung in einem größeren Radius nach Auffälligkeiten abzusuchen.

»Das muss eine ziemlich beachtliche Anlage gewesen sein«, sagte Dhark, während Iondru neuerliche Messungen mit dem Sonar durchführte. »Die Überreste sind aber dennoch sehr rudimentär. Es lässt sich kaum feststellen, wie diese mutmaßlichen Gebäude einst ausgesehen haben mochten, noch wie die Städte oder Siedlungen strukturiert waren.«

Iondru nickte bedauernd. »Große Teile der Fundamente könnten weit in den Boden eingesunken sein, wenn dieser im Laufe des natürlichen klimatischen Wandels sumpfig geworden war. Andere Teile sind vielleicht von Flüssen weggespült worden, die sich gebildet hatten und nun aber kein Wasser mehr führen.«

Arc Doorn kam aus Richtung der Büsche zu ihnen herüber. Er hatte die Hände zusammengelegt und hielt sie vor sich. »Sehen Sie mal, was ich gefunden habe!«, rief er im Näherkommen. Seine Hände schienen etwas zu umschließen. Er ging zielstrebig auf Iondru zu, als betrachtete er ihn als Leiter dieses Unternehmens, was er aufgrund seines fast schon zwanghaft zu nennenden Engagements irgendwie ja auch war, wie Dhark einräumen musste.

Der Commander empfand wegen Doorns Verhalten keinen Groll, sondern ging nun ebenfalls auf Iondru zu. Er erreichte ihn im selben Moment, als Doorn die Hände öffnete, um dem Klon seinen Fund zu präsentieren.

Auf der Handfläche des Worgunmutanten tummelten sich mehrere grasgrüne Würmer. Ihre langen, dünnen Leiber waren spärlich mit Härchen bewachsen. Vorne endeten die Wesen in einem Saugmund, mit dem sie Doorns Handfläche abtasteten. Sie saugten sich nicht an der Haut fest, sondern schienen sie eher zu prüfen, wie einen Fremdkörper, den sie nicht recht einzuordnen vermochten.

»Würmer«, sagte Iondru in einem Tonfall, der verriet, dass er diesen Fund nicht nur für unbedeutend hielt, sondern es auch für überflüssig erachtete, dass Doorn ihm diese Kreaturen zeigte.

Dieser formte mit der Hand nun eine Schüssel und schüttelte sie, sodass die Würmer in die Mitte purzelten. Dann winkelte er den Arm abrupt an und beförderte die Kriechtiere schwungvoll in seinen geöffneten Mund. Doorn kaute und schien dabei in sich hineinzuhorchen. »Sie haben einen minzigen Geschmack«, berichtete er. »Die Konsistenz erinnert an Gelatine.«

»Was soll das?«, erkundigte sich Iondru leicht befremdet.

Doorn schluckte und fuhr sich dann mit der Zunge über die Zähne. »Ich habe zuvor eine Analyse dieser Würmer durchgeführt«, erläuterte er. »Sie enthalten hochwertiges Eiweiß und einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Darüber hinaus sind sie äußerst vitaminreich und beinhalten eine Menge Mineralstoffe. Diese Würmer sind ein vorzüglicher Nährstofflieferant und für Menschen durchaus bekömmlich. Und sie schmecken sogar recht annehmbar.«

»Na und?«

Doorn lächelte nachsichtig. »Bisher haben wir keine Säugetiere oder andere größere Lebewesen auf Matrix entdecken können. Gut möglich, dass Würmer die vorherrschende Spezies auf dieser Welt sind.«

»Und sie sind nahrhaft«, vervollständigte Dhark.

Iondru furchte die Stirn. »Sie könnten den einstigen Bewohnern also als Nahrungsquelle gedient haben. Wollen Sie das sagen?«

Doorn nickte. »Wir sollten in Betracht ziehen, dass diese Würmer ein lebendes Überbleibsel der Zivilisation darstellen, die auf Matrix einst gelebt hat. Ich halte es für gut möglich, dass den Urahnen dieser Würmer von den intelligenten Bewohnern Eigenschaften angezüchtet wurden, die sie besonders widerstandsfähig und resistent machten. Auf diese Weise stellten sie sicher, dass ihre Nahrungsquelle nicht versiegen konnte. Und das ist sie bis heute nicht. Allerdings in stark abgewandelter Form, wie ich vermute. Diese Würmer haben sich weiterentwickelt, bis sie das wurden, was sie jetzt sind.«

Iondru nickte. »Also schön«, sagte er brummig. »Sie haben eine interessante Entdeckung gemacht, Mister Doorn.«

Dhark legte Iondru eine Hand auf die Schulter. »Abwarten«, sagte er. »Wir haben erst kürzlich mit unseren Untersuchungen angefangen. Sicherlich entdecken wir noch Bedeutenderes als diese ehemaligen Speisewürmer.«

Doorn zuckte gleichmütig mit den Schultern, enthielt sich aber eines Kommentars.

Müßig ließ Iondru den Blick schweifen. »Mein Gefühl, dass ich hier am richtigen Ort bin, ist gleichbleibend stark«, sagte er nachdenklich. »Also wird es hier wohl auch irgendwo …«

Dharks Armbandvipho gab einen Ton von sich und ließ den Klon verstummen. »Amy«, sprach der Commander seinen erhobenen Arm daraufhin an. »Was gibt es?«

»Wir haben etwas gefunden, das ihr euch ansehen solltet«, drang Stewarts Stimme aus dem Apparat.

Dhark warf seinen Kameraden einen fragenden Blick zu, die daraufhin zustimmend nickten. »Wir sind unterwegs«, informierte er seine Lebensgefährtin und schaltete die Ortungsfunktion ein, sodass er Amys Vipho lokalisieren konnte. Anschließend machten sie sich auf den Weg.

*

Der Schotterpfad, dem Amy Stewart und Chris Shanton gefolgt waren, endete nach mehreren Hundert Metern vor einer gewaltigen ebenerdigen Felsplatte. Dahinter erstreckte sich ein weiteres breites Gesteinsband, das quer dazu in beide Richtungen wegführte.

Unmittelbar hinter dieser Bahn fiel das Gelände steil ab. Eine rechteckige, trichterförmige Vertiefung mit einem Querschnitt von etwa vierhundert Metern durchbrach die Gleichförmigkeit der Landschaft. Die Senke war in etwa genauso tief wie ihr Querschnitt.

Aus den Trichterwänden ragten die eckigen Kanten gewaltiger Felsblöcke. Sträucher, die ihre Wurzeln in die Zwischenräume der Quader ins Erdreich gesenkt hatten, klebten wie Parasiten an den Steilwänden. Sie boten eine ideale Kletterhilfe, um in die Tiefe zu gelangen.

Stewart und Shanton hatten sie genutzt und waren zur Sohle der Senke hinabgestiegen, die fast quadratisch war. Die beiden winkten den Ankömmlingen oben am Rand der Vertiefung zu.

Ren Dhark und seine Begleiter machten sich an den Abstieg. Als sie wenig später unten angelangt waren, blickten sie sich um.

»Was gibt es hier denn Besonderes?«, erkundigte sich der Commander, da ihm auf den ersten Blick nichts Erwähnenswertes auffiel.

Shanton deutete die Kraterwand hinauf. »Wir glauben, dass wir es hier mit einem ehemaligen Kellergelass zu tun haben. Eine Halle, tief unter dem einstigen Bodenniveau der Bauwerke.«

Iondru rieb sich den Nacken. »Wir befinden uns also wohl wirklich inmitten der Überbleibsel eines gigantischen Gebäudekomplexes. Zu diesem Schluss waren auch wir bereits gelangt.«

Stewart kniete sich hin, nahm eine Handvoll loser Erde und ließ diese durch ihre Finger rieseln. Einige der Krumen glitzerten kurz im Sonnenlicht auf.

»Unsere Untersuchung hat ergeben, dass im Boden Spuren von Metalllegierungen nachzuweisen sind«, erklärte sie. »Um die herzustellen, ist ein aufwendiges Verfahren nötig.« Sie richtete sich auf und klopfte Staub von ihren Handflächen. »Auf natürliche Weise können diese Legierungen wohl eher nicht entstanden sein.«

Doorn ließ den Blick über den Boden schweifen. »In diesem unterirdischen Gelass könnten also Maschinen gestanden haben«, mutmaßte er. »Vielleicht die Energieversorgung für die Gebäude.«

»Jetzt ist aber nur noch Pulver von diesen Anlagen übrig«, sagte Shanton. Er nickte gewichtig. »Auf Matrix existierte vor sehr langer Zeit einmal eine höherentwickelte Zivilisation, so viel ist sicher. Und sie vermochten mehr als nur Scharrbilder in den Boden zu kratzen.«

»Die gar keine Geoglyphen sind, wie wir jetzt wissen.« Iondru kniete sich hin, grub die Hände tief in den losen Untergrund und wühlte darin herum. Prüfend rieb er den Staub zwischen den Fingern. Dabei war seine Stirn konzentriert gefurcht. Schließlich erhob er sich und zuckte ein wenig ratlos mit den Schultern. »Das ist ja alles schön und gut«, sagte er. »Aber das ist es nicht, was uns hierhergeführt hat.«

»Was denn dann?«, erkundigte sich Doorn.

Iondru blickte unstet vor sich hin. »Ich habe es noch nicht herausgefunden.«

In diesem Moment fiel ein Schatten auf die Raumfahrer, und als sie beunruhigt aufblickten und gegen das Licht der Sonne anblinzelten, wurden sie einer riesigen Gestalt gewahr, die sie vom Rand des Kraters aus belauerte.

*

»Parock, Artus!« Ein vorwurfsvoller Unterton schwang in Ren Dharks Stimme mit, während er zu den beiden aufblickte, wobei er die Augen mit seiner Hand beschattete. »Müsst ihr uns so erschrecken?«

»Es war uns nicht bewusst, dass euch unser Anblick ängstigen könnte«, rief Parock frohgemut.

Dass die Raumfahrer ihre Gefährten nicht sofort erkannt hatten, hatte nicht nur an dem sie blendenden Sonnenlicht gelegen. Der Kraval hatte Artus Huckepack genommen, sodass die massige Silhouette mit dem röhrenförmigen Etwas auf dem Buckel extrem fremdartig erschienen war.

Artus kletterte vom Rücken des Vier-Meter-Kolosses hinunter. »Wir hatten uns gedacht, dass ihr zur Abwechslung auch mal etwas weniger Karges und Trostloses sehen möchtet als diese weitläufige Ebene hier.« Er deutete mit seinen dürren Röhrenarmen um sich. »Matrix hat durchaus mehr zu bieten als bloß Geröll und Gestrüpp.«

»Wir haben während unseres kleinen Rundgangs ein Tal gefunden«, erklärte Parock. »Dessen Anblick wird euch umhauen!«

Dhark warf seinen Gefährten auf dem Grund des Kraters einen fragenden Blick zu, wie er es kürzlich oben auf der Ebene schon einmal getan hatte. Seine Begleiter in die Entscheidungen einzubeziehen verlieh dieser Expedition mehr den Anschein eines Ausflugs, was ihm aufgrund der niedrigen Gefahrenlage auch durchaus gerechtfertigt erschien. »Wollen wir uns das mal ansehen?«

»Gern«, antwortete Doorn. »Ich habe nämlich langsam die Nase voll von dieser Tristesse.« Vielbedeutend sah er um sich und verzog dabei säuerlich das Gesicht.

Iondru zuckte unschlüssig mit den Schultern. »Von mir aus«, sagte er zögernd. »Ich habe sowieso nicht den Eindruck, dass in diesen Ruinen irgendetwas Spektakuläres geschehen könnte.«

Die Gruppe kraxelte die Trichterwand hinauf und schloss sich dann Parock und Artus an. Sie wandten sich in südliche Richtung, weg von den ebenerdigen, felsigen Strukturen.

»Aus welchem Grund bist du auf Parocks Rücken geklettert?«, wollte Stewart von Artus wissen. »Du kannst schnell genug rennen, um mit seinen Sprüngen mitzuhalten.«

Der Großserienroboter schob sein Stirnband zurecht, das ihm wegen des wilden Ritts auf Parocks Rücken halb über das konturlose Gesicht gerutscht war. »So hat es mehr Spaß gemacht«, sagte er nüchtern.

Eine halbe Stunde marschierte die Gruppe durch karges Gebiet. Das einzig Sehenswerte waren die skurrilen Formationen, die die Büsche und Sträucher hier und da bildeten. Im Schutz dieser Gewächse fühlten sich die grünen Würmer offenbar besonders wohl. Sie belagerten die Blätter und Äste genauso wie den Boden, der von den Sträuchern beschattet wurde. Dass die Würmer sich von den Sträuchern ernährten, darauf ließen etliche abgeschlafft und ausgelaugt aussehende Pflanzenteile schließen, die kaum noch Feuchtigkeit in sich hatten. Es fiel den Raumfahrern auf, dass die Schädlinge die Pflanzen aber nicht rücksichtslos aussaugten. Während der Nahrungsaufnahme schienen sie vielmehr systematisch vorzugehen und darauf zu achten, dass die Büsche nicht komplett abstarben, sondern ihnen als Nahrungsquelle erhalten blieben.

»Wir sind gleich am Ziel«, verkündete Parock.

Die Gruppe schritt auf einen hohen Erdwall zu, der längs ihrer Marschrichtung verlief und den Blick auf das Dahinfliegende verstellte. Der Kraval galoppierte voran und blieb dann oben auf dem Kamm der Anhöhe stehen. Seiner Körperhaltung nach zu urteilen, gab er sich staunend einem erhebenden Anblick hin.

Dass dem wirklich so war, davon konnten sich die Expeditionsteilnehmer bald überzeugen. Andächtig verharrten auch sie auf der Kuppe des Erdwalls und sahen in das langgestreckte Tal hinab, das dahinter seinen Anfang nahm. Felsige Hügelketten schlossen das Tal links und rechts ein, das in der Ferne immer breiter wurde und nach etlichen Kilometern in eine dunstige Ebene überging, deren Bodenniveau sogar noch ein wenig niedriger zu sein schien als das der Talsohle.

Die in das Tal abfallenden Hänge waren von niedrigen Bäumen bewachsen. Zwischen ihnen ragten in großen Abständen klobige Felsquader hervor, die stark verwittert aussahen, offenkundig aber einmal Bestandteil jener Bauten gewesen waren, deren Überreste diese rätselhaften, die Landschaft querenden Bahnen und Bänder bildeten. Diese Quader fanden sich auch auf dem Talgrund. Wie im Spiel hingeworfene Würfel lagen sie verstreut herum, waren teilweise in den Boden eingesunken und mit Moosen bewachsen.

Darüber hinaus war das gesamte Tal dicht und flächendeckend mit den gleichen Büschen und Sträuchern bewachsen, die auch auf der Hochebene zu finden waren. Da diese Gewächse nicht höher als ein bis zwei Meter wurden und auf den Quadern keinen Halt fanden, wirkte es, als wären die Felswürfel auf einem flauschigen grünen Langhaarteppich gebettet.

»Ein Fluss«, durchbrach Stewart das Schweigen und deutete auf die linke Flanke des Tals.

Dort, wo der bewaldete Hang endete, verlief eine gewundene schmale Linie durch das Buschwerk. Sie folgte dem Verlauf des Tals, verbreiterte sich dabei kaum merklich und verlor sich dann im Dunst der sich anschließenden Ebene.

Über dem schmalen Wasserlauf flirrte und schwirrte es glitzernd. Es handelte sich jedoch nicht um Dunst, der im Sonnenlicht gleißte, dafür waren die Wolken zu inhomogen und die Glitzerpunkte zu unstet. Vielmehr schien es sich um Schwärme kleiner fliegender Lebewesen zu handeln. Ihr elfenhaftes Schimmern und Glitzern ließ das Tal fast märchenhaft erscheinen. Ohne diesen optischen Effekt wäre der Wasserlauf für die Terraner von ihrem Aussichtspunkt aus kaum zu erkennen gewesen. Dies war nur Stewart mit ihrem künstlich erweiterten Sehvermögen möglich gewesen.

»Ich bin kurz unten gewesen«, erklärte Parock. »Das Flusswasser ist kristallklar und rein. Mein Analysegerät hat keine schädlichen Stoffe darin festgestellt.«

»Und was hat es mit diesem geheimnisvollen Flirren und Glitzern auf sich?«, fragte Iondru interessiert.

»Motten«, antwortete der Koloss von Brock prosaisch. »Abertausende von denen flattern über dem Wasser umher. Ihre Flügel sind silbrig und brechen das Sonnenlicht.«

Doorn deutete mit dem Daumen hinter sich. »In unserem Landegebiet ist weit und breit keine Wasserstelle aufzufinden gewesen«, sagte er. »Ich hatte bereits vermutet, dass der Boden mit seinen Felsbrocken, dem Kies und der losen Erde nicht in der Lage ist, das Regenwasser zu speichern. Es versickert in die Tiefe.« Mit einem Kopfnicken deutete er ins Tal hinab. »Und in diesem Einschnitt tritt es dann aus und sammelt sich zu einem Fließgewässer.«

Stewart legte die Hand beschattend an die Stirn und spähte in die Ferne. »Irgendwo weit draußen muss ein Meer existieren, in das dieser Fluss mündet.«

»Ein malerischer Anblick«, schwärmte Shanton. Er wandte sich Ren Dhark zu. »Wäre dies nicht ein idealer Ort für einen Landurlaub?«

Der Commander wiegte abwägend den Kopf. »Diesen Gedanken hatten viele von uns, als die ersten Ortungsergebnisse der Matrix-Oberfläche in der POINT OF verbreitet wurden. Ob den Leuten aber noch immer der Sinn nach einem längeren Aufenthalt in dieser Raum-Zeit-Anomalie steht, wird sich erst noch zeigen müssen. Ich denke, es macht viele nervös zu wissen, in diesem Taschenuniversum gefangen zu sein. Um daran nicht ständig erinnert zu werden, braucht es sicherlich mehr als nur eine schöne Landschaft und die Aussicht auf ein Bad im Meer.«

Dhark wandte sich Iondru zu. »Wie sieht es aus? Wirst du in diesem Tal womöglich finden, wonach du suchst?«

Wieder einmal zuckte der Klon mit den Schultern. »Ich kann es dir nicht sagen. Meine Empfindungen sind noch immer dieselben. Weder sind sie beim Anblick dieses Tals schwächer geworden noch haben sie sich intensiviert.«

Doorn seufzte. »Die Sonne wird bald untergehen. Wie lange wollen wir diese Erkundung denn noch ausdehnen?«

»Bis wir wissen, was hier auf mich wartet«, gab Iondru harsch zurück.

Doorn verschränkte die Arme vor der Brust. »Dann sollten Sie sich langsam Gedanken machen, wie Sie diese Suche beschleunigen können!«

Parock deutete mit einem Schlaucharm auf seinen mit Hornschuppen gepanzerten Nacken. »Ich könnte dich Huckepack nehmen«, schlug er Iondru vor. »Wir hüpfen dann ein wenig in der Gegend herum und sehen, was deine innere Eingebung dir zuflüstert. Bis zur Abenddämmerung könnten wir auf diese Weise ein ziemlich großes Areal abgedeckt haben.«

»Das klingt nach einer guten Idee«, sagte Dhark aufmunternd. »Und wenn das nicht den gewünschten Erfolg bringt, können wir immer noch mit dem Xe-Flash über der Planetenoberfläche hin- und herkreuzen.«

Iondru sah mit einem skeptischen Blick zu Parock auf, nickte dann aber. »Machen wir es so.«

Ohne lange zu fackeln, schlang Parock einen Schlaucharm um Iondrus Körpermitte, hob ihn hoch und setzte ihn schließlich auf seinem Rücken ab. »Gut festhalten«, sagte er, winkelte seine vier Säulenbeine ein wenig an und sprang.

Kurz darauf schrie und jauchzte Iondru wie ein Rodeo-Reiter, während sie den steilen Hang ins Tal hinabschossen.

*

Die Schleuse des Xe-Flash stand offen. Mit Einbruch der Abenddämmerung war die Luftfeuchtigkeit gestiegen und die Temperatur merklich gefallen. Die Luft roch noch immer stark nach den Gräsern. Auf diese Sinneseindrücke hatten die Raumfahrer nicht verzichten wollen, während sie in dem Kleinraumer auf die Rückkehr der beiden Ausflügler warteten, und hatten daher für Frischluftzufuhr gesorgt.

Draußen gab es nichts mehr zu untersuchen. Die Bodenproben und die biologischen Präparate waren in die Transportkisten eingelagert und alle Daten gesichert worden.

Um sich die Zeit zu vertreiben, sichteten Dhark und seine Begleiter die Landkarten, die an Bord der POINT OF angefertigt worden waren, während der Ringraumer seine Kreise in der Umlaufbahn gezogen hatte.

»Auf Matrix scheint es vor langer Zeit eine erhebliche Menge Wasser gegeben zu haben«, kommentierte Chris Shanton die Darstellung auf dem Hauptbildschirm über ihren Köpfen. »Doch mit den Jahrtausenden hat der Planet etliches davon an den Weltraum verloren.«

Shantons Annahme beruhte auf der Tatsache, dass die Meere von Matrix in sich abgeschlossene Wasserflächen bildeten. Steppenartige Gebiete, die von Salzseen durchzogen wurden, waren offenkundig einst Teil dieser Ozeane gewesen. Mit Absinken des Meeresspiegels waren diese Flächen trocken gelaufen. Zurückgeblieben waren sumpfige Gebiete oder aber trockene Steppen.

Die Kontinente konnten ursprünglich nicht sehr groß gewesen sein, nahmen jetzt allerdings einen Großteil der Planetenoberfläche ein. Die Landmassen in den Zentren der Kontinente lagen hoch über dem Meeresspiegel. Inmitten der sumpfigen Steppen muteten sie wie auftragende Flicken auf einem abgewetzten, fadenscheinigen Stoff an.

»Unser erster Eindruck von dieser Welt war weitaus positiver gewesen, als diese Landkarten rechtfertigen«, merkte Amy Stewart an. »Matrix wäre für Kolonisten sicherlich nicht die erste Wahl. Es gibt weitaus attraktivere Welten als diese.«

Draußen war jetzt ein dumpfer Laut zu hören.

Dhark hob kritisch eine Augenbraue. »Parock? Oder diesmal doch ein matrixisches Ungeheuer, das wir bisher nicht bemerkt haben?«

»Nicht erschrecken!«, tönte prompt die Stimme des Kraval zu ihnen herein. »Wir sind es bloß!«

Leichtfüßiges Getrappel bewegte sich die Rampe herauf. Parock erschien in der Schleuse. Er verharrte und beugte sich herab, damit Iondru bequem von seinem Rücken steigen konnte.

»Wie ist es gelaufen?«, erkundigte sich Dhark.

Iondru zuckte verstimmt die Schultern. »Nichts«, sagte er niedergeschlagen und ließ sich in einen der Sessel fallen.

»Wir sind mehr oder weniger ziellos umhergeirrt«, berichtete Parock. »In den Sümpfen wären wir dann fast einmal im Morast steckengeblieben.« Er wedelte mit seinen Schlaucharmen herum. »Ich habe mich durch den Schlick gewühlt, bis ich festen Boden unter den Beinen hatte. Anschließend haben wir uns ins Meer gestürzt, um den ganzen Dreck von uns abzuwaschen.«

»Klingt nach einem kurzweiligen Ausflug«, merkte Shanton trocken an und schüttelte sich.

»Das war er auch«, ging Parock auf die nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung ein. »Das Wasser hat angenehme Temperaturen. Nur die Brandung war ein wenig lasch.«

»Wie geht es jetzt weiter?«, wollte Doorn wissen.