STAR GATE – das Original: Die 6. Kompilation - Wilfried A. Hary (Hrsg.) - E-Book

STAR GATE – das Original: Die 6. Kompilation E-Book

Wilfried A. Hary (Hrsg.)

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Beschreibung

STAR GATE – das Original: Die sechste Kompilation  

Wilfried A. Hary (Hrsg.): „Die Bände 51 bis 60 der laufenden Serie STAR GATE – das Original – zusammengefasst!“

 

Die Serie STAR GATE – das Original existiert nun schon seit 1986(!). Einige Autoren sind daran beteiligt. Viele Leser schätzten das frühere Heftformat und genießen das Taschenbuchformat, in dem die Serie inzwischen erscheint, aber es gibt nicht wenige Leser, die immer wieder auch nach einem umfangreichen Buchformat verlangen, vergleichbar etwa mit den Silberbänden der Perry-Rhodan-Serie.

Für diese haben wir nun nach den ersten fünf die sechste Kompilation geschaffen, basierend auf den Bänden 51 bis 60 der laufenden Serie!

 

Die Kompilation beinhaltet die Romane:

51 »Raumpatrouille« Wilfried Hary (AS)

52 »Der Wald der Augen« Frederick S. List (FSL)

53 »Der Alte Feind« Wilfried Hary (KF)

54 »Der große Coup« Wilfried Hary (KF)  

55 »Der Gegenschlag« Wilfried Hary (KF)

56 »Entscheidung auf NAI-ROG« Wilfried Hary (KF)  

57 »Aktion „Apfelernte“ I« W. Berner (KF)

58 »Aktion „Apfelernte“ II« W. Berner (KF)

59 »K.I. – Künstliche Intelligenz« Wilfried Hary (GB)

60 »Tor der Welten« Wilfried Hary (GB)

 

Viel Freude beim Lesen dieser immerhin wieder ganze 10(!) Bände umfassenden  Kompilation!

Euer Wilfried A. Hary (Hrsg.)

 

Urheberrechte am Grundkonzept zu Beginn der Serie

STAR GATE - das Original:

Uwe Anton, Werner K. Giesa, Wilfried A. Hary,

Frank Rehfeld

 

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch)

by hary-production.de

 

Achtung: „STAR GATE - das Original“ ist eine eigenständige Serie, die nachweislich Jahre vor Serien ähnlichen Namens begann, wie sie im Fernsehen laufen oder liefen oder im Kino zu sehen sind oder waren! Daher der Zusatz „das Original“!

 

ISSN 1860-1855

© neu 2017 by HARY-PRODUCTION

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken * Telefon: 06332-481150 * HaryPro.de * eMail: [email protected]

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

 

Coverhintergrund: Anistasius, Titelbild: Gerhard Börnsen

 

Nähere Angaben zum Herausgeber und Hauptautor siehe hier: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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Wilfried A. Hary (Hrsg.)

STAR GATE – das Original: Die 6. Kompilation

„Die Bände 51 bis 60 der laufenden Serie STAR GATE – das Original – zusammengefasst!“

Nähere Angaben zum Herausgeber und Hauptautor siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._HaryBookRix GmbH & Co. KG81371 München

STAR GATE – das Original:

 

Die 6.

Kompilation

 

Wilfried A. Hary (Hrsg.)

 

Impressum:

 

Urheberrechte am Grundkonzept zu Beginn der Serie STAR GATE - das Original: Uwe Anton, Werner K. Giesa, Wilfried A. Hary, Frank Rehfeld.

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de.

ISSN 1860-1855

 

Diese Fassung basiert auf den Romanen 51 bis 60 der laufenden Serie!

 

© 2017 by HARY-PRODUCTION

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: [email protected]

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und

Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

 

Lektorat: Werner Schubert

 

Titelbild: Gerhard Börnsen

Coverhintergrund: Anistasius

 

Achtung: „STAR GATE - das Original“ ist eine eigenständige Serie, die nachweislich Jahre vor Serien ähnlichen Namens begann, wie sie im Fernsehen laufen oder liefen oder im Kino zu sehen sind oder waren! Daher der Zusatz „das Original“!

 

 

Vorwort

 

Die Serie STAR GATE – das Original existiert nun schon seit 1986(!). Einige Autoren sind daran beteiligt. Viele Leser schätzten das frühere Heftformat und genießen das Taschenbuchformat, in dem die Serie inzwischen erscheint, aber es gibt nicht wenige Leser, die immer wieder auch nach einem umfangreichen Buchformat verlangen, vergleichbar etwa mit den Silberbänden der Perry-Rhodan-Serie.

Für diese haben wir nun nach den ersten fünf die sechste Kompilation geschaffen, basierend auf den Bänden 51 bis 60 der laufenden Serie!

 

Die Kompilation beinhaltet die Romane:

51 »Raumpatrouille« Wilfried Hary (AS)

52 »Der Wald der Augen« Frederick S. List (FSL)

53 »Der Alte Feind« Wilfried Hary (KF)

54 »Der große Coup« Wilfried Hary (KF)

55 »Der Gegenschlag« Wilfried Hary (KF)

56 »Entscheidung auf NAI-ROG« Wilfried Hary (KF)

57 »Aktion „Apfelernte“ I« W. Berner (KF)

58 »Aktion „Apfelernte“ II« W. Berner (KF)

59 »K.I. – Künstliche Intelligenz« Wilfried Hary (GB)

60 »Tor der Welten« Wilfried Hary (GB)

 

Viel Freude beim Lesen dieser immerhin wieder ganze 10(!) Bände umfassenden Kompilation!

Euer Wilfried A. Hary (Hrsg.)

 

Einführung

 

„Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein - wahrlich!“

 

Das Randall-Team befindet sich nach einigen Abenteuern in der fernen Prupper-Galaxis. In der Todeszone am Rand dieser Galaxis treffen sie auf ein Mysterium der besonderen Art – und auf einen Computer, der sich erinnert:

Auf dem Planeten NAI-ROG entstand vor langer Zeit das Tor zu einem Paralleluniversum, und drei rücksichtslose Glücksritter nutzten rigoros ihre Chance.

Einer ließ inzwischen sein Leben. Nun sind Neb Reniets und sein jüngerer Bruder Dilk allein. Während sich Neb Reniets im Paralleluniversum um einen Krieg zwischen den Sternenreichen Gro-pan und San-dir-um kümmern muss, bleibt sein Bruder allein zurück auf dem Planeten NAI-ROG, den sie erst erfolgreich mit einer Art Hypnoprojektor erobert haben.

Es gelang dem Präsidenten von NAI-ROG, Ming-Bir, in letzter Sekunde, eine Warnmeldung ins All gehen zu lassen. Jetzt ist eine Überprüfung zu erwarten, was Neb Reniets Sorgen bereitet. Deshalb möchte er schleunigst zurückkehren durch das Weltentor, nachdem er den Krieg vorerst erfolgreich hat beeinflussen können. Er will endlich nach dem Rechten sehen...

 

Prolog

 

»Wir fliegen durch das Weltentor zurück!«, entschied Neb Reniets kurzerhand.

Sofort wurde sein Befehl in die Tat umgesetzt.

Viel lieber hätte er jetzt wieder den Gedankenhelm übergestülpt, um jedes Detail des Rückzugs der Flotte von San-dir-um zu erfahren. Er musste schließlich wissen, wie lange sie diesmal brauchen würde, um erneut anzugreifen. Und sie würde erneut angreifen, davon war er felsenfest überzeugt. Außerdem hätte er gern erfahren, was die gro-panische Flotte zu tun gedachte.

Er richtete eine entsprechende Anfrage an den PSI-Funkoffizier, der ihm daraufhin erklärte, dass die Flotte sich soeben neu formierte.

Die bange Frage nach dem obersten Flottenkommando auf dem Regierungsplaneten des Sternenreiches Gro-pan wurde mit den Worten beantwortet: »Es ist voll des Lobes über die Militärbasis des namenlosen Wüstenplaneten – und auch über das erfolgreiche Handeln des hiesigen Flottenkommandos!«

Das hatte Neb Reniets hören wollen. Jetzt war er einigermaßen beruhigt und auch überzeugt, dem Wüstenplaneten und allem, was hier ablief, vorübergehend den Rücken kehren zu dürfen. Er konnte zurzeit sowieso nichts tun. Wenn er nur daran dachte, den Gedankenhelm aufzusetzen, verzog er schon angewidert die Mundwinkel. Nein, er brauchte dringend ein wenig Abstinenz. Sonst trug er doch noch bleibende Schäden davon.

Also jetzt schleunigst hinüber und nachschauen, ob mein kleiner Bruder nicht doch irgendwelche Dummheiten anstellt. Nicht auszudenken wäre das...

Sein Raumschiff kam zum Weltentor und brauchte die Energieblase, als die es Neb Reniets erschien, nur zu berühren. Ein Sogeffekt entstand. Das Raumschiff wurde auf der anderen Seite, im heimatlichen Universum, auf dem Dschungelplaneten NAI-ROG, regelrecht wieder ausgespuckt.

»Verbindung mit meinem Bruder!«, befahl Neb Reniets – um Sekunden später schon zu erfahren: Sein Bruder war gar nicht mehr da!

»Wie, nicht mehr da?«, echote er verblüfft. Wenn er mit allem gerechnet hätte, damit sicherlich nicht.

»Er ist gestartet, mit unbekanntem Ziel. Dabei hat er den Schutzschirm eingeschaltet, womit er komplett aus der Erfassung verschwand. Als habe sich das Schiff in nichts aufgelöst, wie die Raumüberwachung berichtet. Allerdings hat er anfragen lassen, ob die Tarnung wirklich so perfekt erfolgt. Man konnte es ihm nur bestätigen.«

»Wohin, um alles in der Welt, ist er geflogen?«, rief Neb Reniets genervt.

»Er hat keinerlei Nachricht hinterlassen. Es tut mir leid, Herr Reniets, Ihnen nichts anderes sagen zu können.«

Neb Reniets brauchte eine Weile, bis er sich beruhigt hatte. Dann sagte er: »Trotzdem versuchen, mit seinem psionischen Funkoffizier Kontakt aufzunehmen. Egal, wo er sich befindet, das müsste doch möglich sein – oder?«

Hoffentlich!, fügte er in Gedanken hinzu. Wer wusste denn, ob die psionische Verbindung mit den technischen Möglichkeiten aus dem Paralleluniversum hier die gleiche Reichweite hatte?

Nach fünf Minuten vergeblicher Mühe stand fest: Sein Bruder hatte sich zumindest außerhalb der Reichweite begeben, wobei in keiner Weise klar war, wie groß diese Reichweite überhaupt bemessen war.

Neb Reniets tobte erst einmal fünf weitere Minuten und vergaß dabei sogar, dass er sich körperlich eigentlich ziemlich elend fühlte.

Als er sich von diesem Wutausbruch endlich erholt hatte, fühlte er sich tatsächlich besser als zuvor. Als hätte ihn das keineswegs zusätzlich geschwächt, sondern sogar neue Lebensgeister geweckt.

»Ist sonst noch was vorgefallen in meiner Abwesenheit?«, fragte er seufzend.

»Ja«, kam die Antwort, vor der er sich beinahe gefürchtet hatte. »Es hat ein Raumschiff an der geostationären Orbitstation angedockt. Ein Teil der Besatzung befindet sich inzwischen im SG-Bahnhof. Zwei Männer. Ulo Naitsirch und Captain Keerc. Sie treten in diesen Augenblicken aus dem Empfangs-Gate, das sie von der Orbitstation zum Raumhafen gebracht hat.«

Neb Reniets runzelte die Stirn und schielte nun doch nach dem Gedankenhelm. Es half alles nichts. Um sicher zu sein, ob es sich um ein harmloses Schiff handelte, gab es nur eine Möglichkeit: Er musste das verdammte Ding wieder aufsetzen.

Aber eigentlich fühlte er sich schon viel besser. Bei Weitem noch nicht fit genug, um wirklich vollen Einsatz zu bringen, doch in einem Notfall wie diesem...

In Gedanken verfluchte er noch einmal die hoffnungslose Unfähigkeit seines jüngeren Bruders, bevor er den Befehl gab, mit eingeschalteten Schutzschirmen zu dem fremden Raumschiff hinaufzufliegen, um aus allernächster Nähe die Überprüfung vorzunehmen. Denn er wusste, dass ihm die Schutzschirme perfekte Unsichtbarkeit boten. Das fremde Raumschiff würde überhaupt nichts von der besonderen Überprüfung mitbekommen, und das war auch gut so.

Noch während des Fluges setzte er sich zurecht und stülpte sich den Gedankenhelm trotz seines Widerwillens über den Kopf. Beim psionischen Kontakt mit dem Biogehirn zuckte er wie erschrocken zusammen. Es war einfach nur unangenehm diesmal. Nichts von diesen Allmachts­gefüh­len stellte sich ein. Am liebsten hätte er den Gedankenhelm sofort wieder heruntergerissen. Doch zähneknirschend musste er sich überwinden.

Kaum in Position, war er endlich so weit. Zumindest teilweise. Er konzentrierte sich und streckte seine unsichtbaren Scanfühler aus. Seine Ortungsmöglichkeiten waren hier nur einen Bruchteil so großartig wie drüben im Paralleluniversum, doch es genügte voll und ganz, um ihn innerhalb weniger als einer Minute feststellen zu lassen, dass es sich keineswegs um ein harmloses Schiff handelte.

»Ein getarnter Raumkreuzer der Raumpatrouille, verdammt noch eins! Und mein Bruder tut gerade so, als hätten wir hier längst alles voll im Griff. Verdammt und abermals verdammt! Was soll ich bloß machen mit dir? Am liebsten würde ich dich in die Wüste schicken, ja, aber du bist nun mal mein Bruder – leider!«

 

*

 

Es hatte keinen Zweck. Er musste den Gedankenhelm wieder vom Kopf ziehen. Wenn er das nicht tat, lief er wirklich Gefahr, gesundheitliche Schäden davonzutragen. Er benötigte einfach noch mehr Erholung.

Ausgerechnet jetzt, zu diesem Zeitpunkt!

Ein krasser Widerspruch zu dem Gefühl, als er »drüben« die Flotte von San-dir-um praktisch im Alleingang in die Flucht geschlagen hatte – quasi als eine Art Überwesen, um nicht zu sagen: Als Gott!

Aber es war in der Tat nicht leicht, ein Gott zu sein. Vor allem, was die Risiken und Nebenwirkungen betraf, die er jetzt am eigenen Leib ertragen musste. Er fluchte lautlos in sich hinein, auch auf die Gefahr hin, dass es ihn zusätzlich schwächte.

Dann wandte er sich an den PSI-Funkoffizier: »Wie haben die sich angemeldet? Ich meine, aus welchem Grund sind sie angeblich hier?«

»Dieser Naitsirch gilt als schwerreich. Er hat angeblich so viel Vermögen, dass er selbst längst schon keinen Überblick mehr hat«, gab der Offizier bereitwillig Auskunft.

Es wäre viel leichter gewesen, es persönlich in Erfahrung zu bringen, aber in seinem Zustand war Neb Reniets leider auf die Hilfe Dritter angewiesen. Wenn doch wenigstens sein Bruder hinterlassen hätte, wohin er geflogen war! Der konnte doch nicht einfach so den Planeten verlassen, ausgerechnet dann, wenn es brenzlig wurde.

Oder vielleicht gerade deswegen?

Neb Reniets sinnierte kurz über diese Möglichkeit, verwarf sie jedoch sogleich wieder. Nein, sein Bruder war zwar ein Taugenichts und elender Feigling, darüber hinaus ziemlich dumm, aber er hatte bestimmt andere Motive gehabt, obwohl Neb grübeln konnte, wie er wollte, ohne auf diese Motive zu kommen. Kein Wunder, denn seine Gedankengänge unterschieden sich von denen seines Bruders wie die eines Genies von dem, was Prupper unter einem Affen verstanden. So jedenfalls lautete seine eigene Meinung zu diesem Thema.

Er konzentrierte sich wieder auf den Offizier.

»Wie ist er denn angeblich zu diesem beträchtlichen Vermögen gekommen, dieser Ulo Naitsirch?«

»Darüber gibt es nur Spekulationen – offiziell. Die Sicherheitsorgane haben natürlich sämtliche verfügbaren Informationen zum Schiff und zu seiner Besatzung überprüft. Sie haben aber nichts Verdächtiges gefunden. Es handelt sich anscheinend tatsächlich um eine Art Globetrotter, der von einem Planeten zum anderen fliegt, um irgendwie sein Vermögen zu schmälern, was ihm bislang offensichtlich nicht gelungen ist.«

»Soll es ja tatsächlich geben, so etwas«, murmelte Neb Reniets vor sich hin. »Es gibt genügend besiedelte Planeten in unserer Galaxis, die außerdem auch noch interessant genug sind. Wenn man jeden besuchen wollte, müsste man tausend Leben haben, so viele sind das. Ohne die Planeten, die noch darauf warten, überhaupt erst entdeckt zu werden.«

»Das ist in unserer Galaxis nicht viel anders – mit Verlaub bemerkt«, meinte der PSI-Funkoffizier dazu, und Neb Reniets wunderte sich wieder einmal darüber, dass die Gro-paner trotz der Hypnobeeinflussung tatsächlich in der Lage waren, eigene Gedanken zu fassen. Die einzige Auswirkung der Beeinflussung bestand darin, dass sie den Gebrüdern Reniets auf Gedeih und Verderb gehorchten. Nun, das genügte ja auch voll und ganz. Ansonsten waren sie in keiner Weise beeinträchtigt.

Das war auch bestens so, denn sonst hätte das Oberste Flottenkommando des Sternenreiches Gro-pan längst Lunte gerochen. Es hätte sich gefragt, was denn auf dem Stützpunkt Wüstenplanet eigentlich schieflief und ob es gar mit dem seltsamen Phänomen zusammenhing, das offiziell ein entartetes Transmitterexperiment der Feinde war, aber tatsächlich ein natürlich entstandenes Weltentor, das zwei parallele Universen miteinander verband.

Neb Reniets schloss die Augen, um so besser seine chaotisch werdenden Gedanken ordnen zu können.

»Egal, was man herausfindet über das Schiff und seine Besatzung, eines ist sonnenklar: Es handelt sich auf jeden Fall um ein getarntes Schiff der Raumpatrouille.«

Natürlich wusste der PSI-Offizier nicht, was Neb Reniets damit meinte, denn der war ein Gro-paner und stammte aus dem Paralleluniversum, wo die Gro-paner in der Tat ganz andere Probleme hatten.

Neb Reniets erklärte es ihm in knappen Worten: »Die Raumpatrouille ist die eine Hälfte der galaktischen Militär- und Polizeimacht. Die andere Hälfte ist die galaktische Verteidigung. Die ist ziemlich umfassend, denn wir haben einen tödlichen Gegner, genauso wie ihr. Nur heißt unser Gegner nicht San-dir-um, sondern Dhuul. Außerdem befindet sich der Gegner in einer fernen Galaxis, von wo aus er vor Jahrtausenden einen schrecklichen Krieg zu uns brachte. Und noch eine Unterscheidung gibt es: Unsere Feinde sehen ziemlich ähnlich aus wie wir und ihr. Nur haben sie nicht unsere graue oder eure grüne Haut, sondern sind eher hellhäutig. Überwiegend zumindest. Und sie haben sehr helle Haare. Blond sagt man, glaube ich, dazu. Bei uns völlig unbekannt. Ach was, das sagt euch sowieso nur wenig. Ihr kennt Haare ja erst, seit ihr mich kennt.«

Und Haare hatte er sogar überreichlich, denn Neb Reniets besaß nicht nur einen wild wuchernden Vollbart, sondern auch lange, ziemlich krause Kopfhaare, alle in steingrau, genauso wie seine Haut. Ein krasser Gegensatz zu den grünen und völlig unbehaarten Gro-panern.

»Und während die galaktische Verteidigung euer Reich sichert ... Was macht inzwischen die Raumpatrouille?«, wunderte sich der Gro-paner.

»Bei euch gibt es lediglich die Raumflotte, die das Reich Gro-pan sowohl nach innen als auch nach außen schützt. Hier, in der Galaxis der Prupper, teilt sich die Raumflotte diese Aufgabe. Während die galaktische Verteidigung für die äußere Sicherheit verantwortlich zeichnet, ist die Raumpatrouille für die innere Sicherheit verantwortlich. Das ist die Sicherheit zwischen den Sternen innerhalb der Galaxis von uns Pruppern.«

»Und ein Schiff dieser Raumpatrouille ist hier, um zu ... schnüffeln?«

»Genau richtig erkannt!«, lobte ihn Neb Reniets. »Aber das sollen die Sicherheitsorgane von NAI-ROG noch nicht wissen. Sie sollen getrost weiterhin sorgfältig beobachten und alles tun, dass die beiden, die ausgestiegen sind, keinerlei Verdacht schöpfen. Unter keinen Umständen dürfen die beiden behindert werden. Es wäre sogar gut, wenn auch andere Besatzungsmitglieder das Schiff verlassen würden. Je mehr, desto besser.«

»Und dann, wenn ich mir die Frage erlauben darf?«

»Tja, dann werde ich irgendwann doch noch persönlich eingreifen müssen. Aber zuvor muss ich mich schonen. Es geht leider nicht anders. Ich habe bei den Vorgängen drüben, im Paralleluniversum, zu viele Kräfte gelassen. Und der Scanvorgang vorhin hat mir sozusagen den Rest gegeben. Wenn ich in diesem Zustand gegen dieses Raumschiff vorgehe, birgt das zu große Unsicherheiten und somit Risiken. Es darf unter keinen Umständen geschehen, dass vom Schiff der vorangegangene Notruf des Planeten bestätigt wird, nachdem ich mir alle Mühe gegeben habe, ihn per Daten-Gate als Fehlalarm hinzustellen.«

»Sie wollen sich zurückziehen, Herr Reniets?«

»Ich will nicht, sondern ich muss, leider. Das heißt, ich gehe jetzt in meine Kajüte und versuche zu schlafen. Nur wenn wirklich etwas absolut Ungewöhnliches geschieht, darf man mich stören. Ansonsten, wie gesagt: Die Sicherheitsleute der Raumbehörde sollen Augen und Ohren offen halten. Natürlich auch die Sicherheitskräfte am Boden. Aber die wissen schon selbst, wie sie das anzustellen haben.«

Er stand wie angekündigt auf und ging zur Tür. Dort drehte er sich ein letztes Mal zu dem psionischen Funkoffizier um: »Auch wenn mein Bruder wieder auftauchen sollte: Ich bin für ihn vorerst nicht zu sprechen!«

Dieser Befehl war eindeutig.

Der Offizier salutierte und bestätigte gleichzeitig.

Dann war Neb Reniets draußen.

 

1

Captain Keerc schaute ihn nur an. Mehr war nicht nötig, denn Ulo Naitsirch verstand auch so, was er meinte: »Was bist du bloß so misstrauisch? Hier ist alles normal. Die vom obersten Flottenkommando haben uns doch mitgeteilt, dass es sich lediglich um einen Fehlalarm handelte. Und wir sind trotzdem hergekommen. Logisch, wir sind getarnt. Aber dennoch...«

Ulo grinste nur. Er schaute sich kurz um.

Soeben hatten sie den Star-Gate-Bahnhof von NAI-ROG verlassen. Auf dem Anflug hierher hatten sie sich auf die Schnelle sachkundig gemacht über diese Welt. Dabei hatten sie einige interessante Dinge herausgefunden: Zum Beispiel, dass es keinem fremden Raumschiff je erlaubt war, auf dem Planeten zu landen. Alle mussten an der geostationären Orbitstation andocken. Da diese ziemlich klein ausgefallen war und kaum Andockoptionen bereithielt, gab das Anlass zu der Vermutung, dass es nicht so oft vorkam, dass fremde Raumschiffe den Planeten anflogen.

Kein Wunder, denn der Hauptverkehr fand üblicherweise per Star Gate statt. Raumschiffe wurden kaum benötigt. Abgesehen von Yachten wie die seinige, die auch Planeten anfliegen wollten, auf denen es noch kein Star Gate gab. Sie hatten für diesen Zweck sogar immer komplette SG-Bausätze im Frachtraum. Wenn sie so einen Planeten entdeckten und er annehmbare Verhältnisse aufwies, aber noch kein SG besaß, nahmen sie den Planeten nach prupperischem Recht einfach in Besitz, indem sie ihr eigenes SG dort errichteten. Das war hier, in der Prupper-Galaxis, vor dem Gesetz durchaus erlaubt und sogar erwünscht, während es im Einflussbereich des Bundes von Dhuul-Kyphora absolut unmöglich gewesen wäre. Aber davon wussten sie nichts, denn der Bund herrschte Millionen von Lichtjahren entfernt von der Prupper-Galaxis.

Nur wenn sich auf der betreffenden Welt größere Bodenschätze oder anderes wertvolles Gut befand, meldete der Planetenbund der Prupper-Galaxis Besitzansprüche an. Die Entdecker wurden dann zwar äußerst großzügig an der Ausbeute beteiligt, aber der Löwenanteil wanderte zwangsläufig in die Kassen des Bundes: Irgendwie musste ja die teure Flotte finanziert werden, die sich aufteilte in galaktische Verteidigung und innere Sicherheit mit Namen Raumpatrouille.

Ulo Naitsirch war tatsächlich so reich, wie er vorgab. Es war keineswegs nur Teil seiner Tarnung. Dass er trotzdem für die Raumpatrouille flog, konnte man beinahe als eine Art Hobby bezeichnen. Und die Führung der Raumpatrouille machte das nur zu gern mit, weil sie sich eben keine bessere Tarnung für verdeckte Einsätze wünschen konnte. Eine Tarnung zumal, die sie nicht das Geringste kostete, also ihren Etat nicht zusätzlich belastete.

Hier würde ihnen die Tarnung besonders gut bekommen, fand Ulo Naitsirch und winkte seinem Kapitän vage zu. Keerc war zwar ein exzellenter Raumfahrer, aber in gewissen Dingen war er für Ulos Geschmack doch ein wenig zu naiv. Wieso störte er sich beispielsweise überhaupt nicht an der Tatsache, dass die NAI-ROGer keinerlei Misstrauen zeigten – zumindest nicht offiziell?

Noch bevor sie das Schiff verlassen hatten, war dies das entscheidende Argument von Ulo Naitsirch gewesen – intern, gegenüber seiner Besatzung:

»Dieser psionische Funkoffizier hatte Kontakt mit uns. Wir haben ihm unsere Schiffskennung durchgegeben, also auch unseren Schiffsnamen PERIS-SE-IDAM. Anschließend wird behauptet, es habe sich lediglich um einen Fehlalarm gehandelt. Unsere Führungsorgane innerhalb des Flottenkommandos fielen auch prompt darauf herein und gaben ausdrücklich Entwarnung. Aber wir wollten ja sowieso einmal hierher. Als Globetrotter, einfach so. Jetzt sind wir da – und niemand wundert sich darüber? Wieso spricht uns niemand an auf den Fehlalarm? Wieso sagt uns niemand wortreich und entschuldigend, wie es eigentlich dazu kommen konnte?«

Er hatte in die Runde geschaut. Niemand hatte ihm geantwortet.

»Ich will es euch sagen«, war er fortgefahren: »Es ist, als könnte man den psionischen Funkoffizier gar nicht mehr danach fragen, mit wem er eigentlich Kontakt hatte!«

»Aber auch dann«, hatte Rotnem, der Kyborg, aufbegehrt. »Sie hätten jedes Schiff befragen müssen, ob es sich denn nun um jenes Schiff handeln könnte, mit dem der Funkoffizier Kontakt hatte. Es wäre normal gewesen.«

Ulo hatte ihm wohlwollend zugenickt. »Ganz recht. Wenigstens einer, der versteht, worum es mir geht. Es kann ja wohl kaum damit zusammenhängen, dass die Planetarier hier ganz besonders zugeknöpft sind gegenüber Fremden und deshalb eine solch immens wichtige Befragung unterlassen. Sicher ist also, hier ist etwas nicht in Ordnung. Was es ist, müssen wir noch herausfinden. Dafür werde ich mich jedenfalls höchstpersönlich bemühen.«

Rotnem hatte natürlich mitkommen wollen. Klar. Aber Ulo hatte es abgelehnt: »Wenn die dich sorgfältig scannen, merken sie, dass du kein normaler Prupper, sondern ein Kyborg bist. Das Risiko können wir nicht eingehen. Nein, ich nehme nur Captain Keerc mit. Der ist am unverdächtigsten von uns allen. Es sei denn, er hat was dagegen einzuwenden?«

Ein fragender Blick hatte den Captain getroffen.

Der hatte zunächst überlegen müssen. Er machte nie ein Geheimnis daraus, dass er zum Heldentum nicht unbedingt geboren worden war. Als Raumfahrtexperte, der er war, brauchte er normalerweise auch gar nicht in den persönlichen Einsatz zu gehen. Dafür war er sowieso auch nur unzureichend ausgebildet. Bei den anderen Besatzungsmitgliedern sah das schon ganz anders aus. Aber genau das war schließlich der Grund, wieso Ulo ihn hatte mitnehmen wollen. Da Captain Keerc schon seit Jahrzehnten im Raumdienst stand, konnte man unschwer Informationen über ihn herausfinden. Niemals in seiner gesamten Laufbahn hatte es offiziell auch nur die geringste Berührung mit der Raumpatrouille gegeben. Er arbeitete für diese inzwischen ja auch nur deshalb, weil er sich ohnedies bereits an Bord der Yacht befand, in seiner Funktion als Schiffsführer und Hauptverantwortlicher für Technik und Navigation. Somit war er von allen wirklich derjenige, der am unverdächtigsten war.

Er hatte jedenfalls nach einigem Zögern eingewilligt – und jetzt schauten sich beide hier um. Die Hauptstadt von NAI-ROG unterschied sich in einem Punkt von den meisten anderen planetaren Hauptstädten: Hier war alles ungewöhnlich ruhig, um nicht zu sagen: ausgesprochen provinziell!

»Die leben hier vom Export von Genmaterial«, murmelte der Captain vor sich hin. »Wie kann man von so etwas überhaupt leben?«

Ulo Naitsirch musste lachen. »Denen reicht es zumindest, wie wir sehen. Alles wirkt zwar extrem beschaulich, um nicht zu sagen hinterwäldlerisch, aber es ist nichts von dem zu erkennen, was man als Armut bezeichnen könnte. Und vergiss nicht, der Planet ist äußerst reich an ungewöhnlicher Flora und Fauna. Auch wenn nur ein Bruchteil von dem stimmt, was über diese Flora und Fauna geschrieben steht, ist es immer noch ziemlich fantastisch. Ich wundere mich eigentlich nur über eines: Wieso sind wir nicht viel früher hierher gekommen, um uns das aus der Nähe zu betrachten?«

Er war der Überzeugung, dass seine Worte völlig unverdächtig blieben, auch wenn jedes einzelne belauscht wurde.

Endlich entdeckte er, was er gesucht hatte: Das Gebäude für Touristik. Es stand am Rande des relativ großen SG-Bahnhofs und wirkte äußerst unscheinbar. Anscheinend spielte Tourismus auf NAI-ROG nicht wirklich eine Rolle.

Ulo Naitsirch dachte sich, dass es keinerlei Misstrauen erzeugen konnte, wenn er sich dorthin wandte. Captain Keerc folgte ihm zögernd, aber als Ulo Naitsirch seine Schritte beschleunigte, beeilte er sich, den Anschluss nicht zu verlieren, als befürchtete er, allein zurückgelassen zu werden.

Immer wieder schaute er sich verstohlen um. Ob sie wirklich beobachtet wurden, wie sein Freund und Chef offenbar annahm? Wenn ja, geschah es so dezent, dass man es wahrlich nicht bemerken konnte.

Er richtete seinen Blick wieder nach vorn.

Die Tür zu dem Gebäude stand offen, wie einladend. Sie traten beide ein. Gegenüber dem Eingang gab es einen halbhohen Tresen. Dahinter saß eine sehr schlanke und sehr hübsche Prupperin. Die graue Hautfarbe stand ihr ausgesprochen gut. Ihr hübsches Gesicht wirkte wie von einem Künstler aus reinstem Granit gemeißelt. Nur die helleren Augen stachen daraus hervor. Die nachtdunklen Pupillen richteten sich auf die Neuankömmlinge. Das Lächeln erschien gefroren, verfehlte jedoch nicht seine Wirkung: Es berührte die beiden angenehm, obwohl sie genau wussten, dass dieses Lächeln nicht ehrlich gemeint war, sondern nur zum Geschäft gehörte.

»Touristen?«, fragte sie statt einer Begrüßung. Ja, es hatte wie eine Frage geklungen, tatsächlich. Und Freude hatte bei diesem Wort mitgeschwungen – diesmal echte Freude.

Die Schlanke sprang auf und schüttelte ihre langen, dunkelgrauen Haare in den Nacken. Eine anmutige Geste, die auf dem Rücken von Ulo Naitsirch einen angenehmen Schauer verursachte – und nicht nur auf seinem Rücken.

»Na, allzu oft werden Sie wohl nicht von dieser Gattung heimgesucht, die normalerweise andere Planeten belästigt wie die sprichwörtlichen Schmeißfliegen.« Er benutzte natürlich ein anderes Wort als Schmeißfliegen, doch es kam dem irdischen Wort in der Bedeutung hundertprozentig gleich.

»In der Tat!«, freute sich die Prupperin, trotz des eigentlich ziemlich unfeinen Vergleichs. »Was kann ich für Sie tun?«

Ulo Naitsirch wechselte einen kurzen Blick mit seinem Captain. Dann meinte er leichthin: »Wir sind neu auf NAI-ROG – logisch, als Touristen, nicht wahr? – und haben von diesem Dschungel gehört, der angeblich so eine Art Eigenleben hat. Ich meine, als sei er irgendwie ein wenig intelligent und wollte sich gegen die prupperischen Bewohner wie gegen Invasoren wehren. Das finden wir reichlich übertrieben, aber solange wir diesen Dschungel nicht selbst erlebt haben...«

Ihr Gesicht umwölkte sich deutlich. »Das tut mir ehrlich leid, aber wir haben nur einen einzigen Fremdenführer, nämlich Romf Nerlat. Doch der ist leider zurzeit nicht abkömmlich.«

»Nur einen einzigen Fremdenführer, wie? Für einen ganzen Planeten, der darüber hinaus so faszinierend ist wie NAI-ROG?«, wunderte sich Ulo Naitsirch.

Sie druckste ein wenig herum.

»Ja, wissen Sie, das hängt damit zusammen, dass es uns nicht so recht ist, wenn Fremde unserem Dschungel einen Besuch abstatten. Wie soll ich es ausdrücken: Der Dschungel mag das selbst nicht sonderlich. Er könnte es als eine Art Provokation auffassen.«

»Und Sie sind ganz sicher, dass es sich nicht bloß um eine Art ... Aberglauben handelt?«, provozierte Ulo Naitsirch sie, doch sie ging überhaupt nicht darauf ein, sondern fuhr ungerührt fort:

»Deshalb ist Romf Nerlat der einzige Prupper, der für eine Fremdenführung infrage kommt, denn er kennt sich von uns allen am besten damit aus und tut bei seiner Führung alles, um eine Provokation der heimischen Flora und Fauna zu unterbinden.«

»Na, allzu oft scheint er ja nicht in den Einsatz gehen zu müssen«, vermutete Ulo Naitsirch aufs Geratewohl, einer inneren Eingebung folgend.

»Ach, erst vor wenigen Tagen kamen drei Touristen hierher und haben ihn angefordert. Sie konnten ihn als Letzte buchen. Seitdem ist er mir als krank gemeldet. Oder war es kurz danach?«

»Ach, was hat er denn?«

Sie machte eine hilflos anmutende Geste. »Das entzieht sich leider meiner Kenntnis – und bevor Sie danach fragen: Ich weiß auch nicht, wann er wieder einsatzfähig sein wird. Ich muss darauf warten, dass man es mir mitteilt.«

»Das finde ich seltsam«, gab Ulo Naitsirch zu.

»Ach was, das ist ganz und gar nicht seltsam. Sie sind schließlich hier auf NAI-ROG!« Ihr überaus gewinnendes Lächeln nahm ihren Worten die Schärfe. »Vergessen Sie nicht: Andere Planeten, andere Sitten! Sie kennen ja das Sprichwort – und auf NAI-ROG trifft dies ganz besonders zu, wie Sie sicherlich auch noch auf eigene Faust feststellen werden. Bei uns ticken zum Beispiel die Uhren wesentlich langsamer als auf anderen Welten. Bei uns ist alles wesentlich gemütlicher und beschaulicher. Deshalb sind wir alle so gern hier, trotz der Gefahr durch den Dschungel, die allgegenwärtig bleibt – zumindest außerhalb der Hauptstadt und den wenigen Siedlungen, die untereinander lediglich per planetarem SG-Netz in Verbindung stehen.«

»Aber wieso gibt es dann überhaupt ein Touristikbüro, wenn eine Fremdenführung gar nicht möglich ist?«

»Da haben Sie offensichtlich etwas missverstanden, werter Herr«, belehrte ihn die Prupperin prompt. Sie tat es jedoch nach wie vor überaus charmant, wie sie überhaupt alles ausgesprochen charmant vorbrachte. »Es gibt über Fremdenführung hinaus auch noch ganz andere Möglichkeiten für Touristen.«

»Welche denn? Ohne Fremdenführer den Dschungel kennenlernen?«

»Nein, nein, das ist ja völlig ausgeschlossen – zumindest, was die direkte Annäherung an den Dschungel betrifft. Wir hatten aber auch automatische Gleiter, die von Touristen gebucht werden durften. Sie flogen einen genau vorgeschriebenen Kurs und blieben dabei hoch genug über dem Dschungel. Aber die Touristen hatten die Möglichkeit, sich während des Fluges eingehend vom Bordcomputer in Kenntnis setzen zu lassen über die Besonderheiten unseres Dschungels. Außerdem hatten die automatischen Gleiter optische Systeme, die einen dem Dschungel virtuell hautnah kommen ließ.«

»Sie reden andauernd in der Vergangenheitsform. Gibt es denn diese Möglichkeit inzwischen ebenfalls nicht mehr?«

»Nein, leider nicht!« Ihr Bedauern war durchaus echt, wie Ulo Naitsirch fand. Überhaupt, so erschien es ihm, hatte diese junge Prupperin ganz und gar nichts mit ihrer Überwachung zu tun, sonst hätte sie sich anders benommen – nämlich unverdächtiger. Und dass es eine lückenlose Überwachung ihrer beiden Personen gab, daran zweifelte er keinen Augenblick.

Anscheinend haben unsere Überwacher nicht damit gerechnet, dass wir uns ausgerechnet an das Touristikbüro wenden?, schlussfolgerte er insgeheim. Oder sie fanden es nicht wichtig genug, die junge Dame auf unser eventuelles Kommen vorzubereiten.

Wie dem auch war: Er schoss die nächste Frage ab, die nur logisch erschien: »Seit wann sind die automatischen Gleiter nicht mehr im Angebot? Hat das etwa mit dem kranken Romf Nerlat zu tun?«

Sie machte abermals eine hilflos anmutende Geste. »Es kommt zwar zeitlich damit zusammen, aber das scheint mir eher ein Zufall zu sein.« Ihre Stimme senkte sich und wirkte plötzlich sehr vertraulich. »Also, wenn Sie mich fragen ...« Sie schaute sich unwillkürlich um, als befürchtete sie, belauscht zu werden. »Also, ich bin der Meinung, dass der Dschungel draußen mal wieder verrücktspielt. Es hat vor Kurzem ja auch einen Alarm am Todesstreifen gegeben. Was sich dort genau abspielte, darüber schweigt seltsamerweise die Berichterstattung. Und ich weiß auch haargenau, wieso das so ist: Der Dschungel spielt eben mal wieder verrückt! Und man hat alles total im Griff. Würde man aber darüber berichten, hätte die Bevölkerung nur unnötig Panik. Also vertuscht man es lieber und verstärkt stattdessen die Überwachung des Todesstreifens, damit uns dieser mörderische Dschungel auch ja nicht zu nahe kommt.«

»Mörderisch?«

»In der Tat!« Sie nickte heftig. »Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen entsprechendes Infomaterial zur Hand. Sie können auch einen wahrlich winzigen Ausschnitt der hier verbreiteten Flora und Fauna in einem unserer Museen besichtigen. Natürlich sind alle Lebewesen dort hundertprozentig unter Verschluss. Aber Sie werden allein schon bei ihrem Anblick begreifen, wie gefährlich es dort draußen für uns Prupper ist. Selbst ein durchtrainierter Mann wie Sie ...« – ein bewundernder Blick streifte die Gestalt von Ulo Naitsirch, was diesem sichtlich gefiel, obwohl er sich gegen dieses Gefühl zu wehren versuchte – »... würde keine zehn Sekunden überleben, wenn er es wagen sollte, diesen Dschungel zu betreten!«

Das klang ziemlich überzeugend. Auch was sie sonst noch sagte...

»Kann es denn sein, dass die – äh – Krankheit des einzigen Fremdenführers Romf Nerlat eben mit diesem Dschungel dort draußen in Zusammenhang steht?«, fragte Captain Keerc und erntete dabei nicht nur von Ulo Naitsirch einen überraschten Blick.

»Sie haben ja völlig recht!«, entfuhr es der hübschen Prupperin hinter dem Tresen. »Er ist mit diesen drei Touristen losgezogen. Dabei muss etwas schiefgelaufen sein. Deshalb die Maßnahmen. Ja, logisch, jetzt passt alles zusammen. Wieso bin ich da nicht selbst draufgekommen?«

Jetzt fühlte sich auch Captain Keerc überaus geschmeichelt.

Ulo Naitsirch runzelte unwillkürlich die Stirn. Nicht weil er so etwas wie Eifersucht empfand, sondern weil er bei sich dachte: Vielleicht irre ich mich ja auch gewaltig und es handelt sich ganz einfach nur um die Masche der jungen Dame, um jeglichen Verdacht von sich abzulenken? Vielleicht ist sie im Gegensatz zu meiner ursprünglichen Vermutung sogar ein wichtiges Bindeglied zur Überwachung von uns beiden?

Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr leuchtete ihm dieses Argument ein.

Er schätzte die junge Dame ab. Jemand, der so hübsch und darüber hinaus auch noch so clever erschien, war mit Sicherheit in festen Händen – normalerweise.

Er setzte das überzeugendste Lächeln auf, zu dem er fähig war. Und er wusste durchaus, dass er damit auf Prupperfrauen in der Regel den besten Eindruck machte.

»Übrigens mal was anderes: Wann haben Sie eigentlich Feierabend hier? Ich meine, wenn wir schon keinen Fremdenführer für den Dschungel bekommen können, wie wäre es denn dann mit einer Fremdenführerin für die Stadt?«

»Offiziell gibt es eine solche gar nicht!«, schnurrte sie und schaute wie verlegen zu Boden.

»Was nicht ist, kann ja leicht werden, nicht wahr?«

»Nicht solange ich im Dienst bin.« Sie wagte es nicht, ihn direkt anzuschauen.

»Und wie steht es ... nach dem Dienst?«

Jetzt hob sie den Kopf und strahlte ihn an, als wäre gerade eben erst die Sonne aufgegangen. »Nach dem Dienst wäre das eigentlich nicht das geringste Problem!«

»Na, dann ... kommen wir doch einfach auf dieses großzügige Angebot Ihrerseits zurück. Und ab wann könnten wir mit dieser überaus charmanten und sicherlich nicht weniger sachkundigen Führung rechnen?«

»Ähm, eigentlich ist gerade sowieso nix los. Außerdem habe ich jede Menge Überstunden. Darüber hinaus ...« Sie klatschte begeistert in die Hände. »Wissen Sie was? Ich mache einfach Feierabend, jetzt gleich, auf der Stelle. Wenn Sie bitte vor die Tür gehen würden? Ich schließe dann alles ab und so – na, Sie wissen ja ... Ich will mich auch ganz kurz umziehen.« Sie lächelte jetzt ein wenig verlegen. »Bin eben eine Frau, Sie verstehen? Und Frauen sind bekanntlich ein wenig ... nun, sie sind ein wenig auf ihr Äußeres bedacht.«

»Ein wenig!«, bestätigte Ulo Naitsirch – immer noch lächelnd wie der sprichwörtliche Eroberer.

»Es dauert nicht lange, versprochen!«

Die beiden verließen weisungsgemäß den Schalterraum und gingen vor die Tür.

Captain Keerc blies die Wangen auf und murmelte unwirsch: »Was soll das denn? Ich denke, wir schauen uns hier um und ...?« Er brach ab.

»Tun wir doch auch – sogar unter sachkundiger Leitung«, meinte Ulo Naitsirch leichthin.

»Aber wir können uns mit ihr nicht so frei bewegen, als würden wir...«

Ulo Naitsirch unterbrach ihn mit einer warnenden Handbewegung und kam dann sehr nahe, um seinem Captain ins Ohr flüstern zu können: »Sie gehört mit zur Überwachung. Ist das nicht offensichtlich? Und solange sie bei uns ist, werden sich die Überwacher in Sicherheit wiegen.«

Als er sich zurückzog und seinen Captain anschaute, gönnte dieser ihm einen überraschten Blick.

Darauf wäre er anscheinend selbst nie gekommen.

Dann richteten sie beide ihre Blicke auf die Glastür, die sich hinter ihnen geschlossen hatte.

Die junge Prupperin war schneller fertig, als es für eine junge Frau üblich war – sehr viel schneller sogar. Als könnte sie es gar nicht erwarten, an der Seite der beiden Besucher die Hauptstadt NAI-ROG-City zu erobern...

2

Die Raumflotte von Gro-pan – beziehungsweise das, was von anfangs rund tausend Kriegsschiffen noch übriggeblieben war – stand nach wie vor in Bereitschaft im namenslosen System mit dem Wüstenplaneten. Auf Letzterem befand sich das Weltentor und dieses wiederum wurde von der militärischen Basisstation bewacht, die hier lag. Allerdings hatten die immer noch rund tausend Kriegsschiffe dieser Militärbasis einen entscheidenden Nachteil gengenüber der Hauptflotte, wie sie draußen im Weltraum stationiert war: Sie hatten noch nicht die umgebauten Waffen- und Verteidigungssysteme, wie sie erforderlich gewesen wären, um bei einem feindlichen Angriff vonseiten San-dir-ums eine echte Chance zu haben. Eine solche Auf- und Umrüstung sollte erst später erfolgen.

Inzwischen war man »daheim«, im Sternenreich Gro-pan, emsig bemüht, immer mehr Kriegsschiffe mit neuer Technik auszurüsten – einer Technik, die darüber hinaus ständig weiter erforscht und somit auch verbessert wurde. Eie solche Schlappe wie beim letzten Raumkampf durfte man sich nicht mehr erlauben. Darin war sich das Oberste Flottenkommando von Gro-pan ausnahmsweise mit der Reichsführung einig. Obwohl man immer noch darüber rätselte, wie es der Militärbasis und ihrer vor Ort befindlichen Flotte überhaupt hatte gelingen können, die drohende Niederlage doch noch in einen Sieg zu verwandeln. Vom Eingreifen eines Neb Reniets ahnte man ja nichts. Die lapidare Erklärung, man habe es mit Sachverstand und Strategie geschafft, erschien dem Obersten Flottenkommando mehr als fadenscheinig, doch es wollte nicht tiefer bohren. Immerhin war man dankbar, dass es überhaupt gelungen war – und hatte man letztlich nicht auch die neuen technischen Errungenschaften allein der Militärbasis vor Ort zu verdanken? Denen war es doch tatsächlich gelungen – trotz ihrer hoffnungslosen Unterlegenheit –, beim ersten Ansturm schon genügend gegnerische Raumschiffe zu erbeuten, um die technischen Möglichkeiten des Gegners erforschen zu können.

Dabei war in der Tat Erschreckendes zu Tage gekommen: Gro-pan war San-dir-um hoffnungslos unterlegen! Nur gut, dass dies nicht nur Gro-pan, sondern auch San-dir-um selbst vorher nicht bekannt gewesen war. Sonst hätte San-dir-um mit Sicherheit längst schon das Sternenreich Gro-pan überrollt, um alles Leben auf den bewohnten Planeten des Reiches auszulöschen, um damit jegliche Gefahr aus dieser Richtung ein für alle Mal zu eliminieren.

Dass man dabei keinerlei Skrupel gehabt hätte, dafür sorgte allein schon der bereits Jahrtausende währende Konflikt zwischen beiden Reichen, wobei der Hass aufeinander eine Größenordnung erreicht hatte, die keinerlei Steigerung mehr möglich machte.

Und umgekehrt hätte Gro-pan bei einer entsprechenden Überlegenheit und dem damit verbundenen geringen Risiko für die eigenen Schiffe und das eigene Reich auch nicht anders gehandelt: Sie hätten ohne mit den wimpernlosen Augenlidern zu zucken das gesamte Sternenreich San-dir-um für alle Zeiten von der Sternenkarte entfernt!

Entsprechend angespannt war zurzeit die Lage auf beiden Seiten. Gro-pan – beziehungsweise seine oberste Führung – erwartete den nächsten Angriff, wohl wissend, dass sie diesem Angriff nicht zuvorkommen konnten. Weil ihre Schiffe noch längst nicht so weit waren, um das Risiko eines solchen Angriffs auch nur zu normalisieren. Und wenn der Angriff des Erzfeindes zu früh erfolgte, wusste keiner aus der obersten Führung, wie der Krieg ausgehen würde. Es blieb zu befürchten, dass ihre Chance, daraus als Sieger hervorzugehen, nach wie vor verschwindend gering war.

Umso mehr wunderte man sich letztlich, dass die San-dir-umer überhaupt noch zögerten!

Andererseits: Schließlich hatten sie beide bereits erfolgten Raumkämpfe verloren. Trotz ihrer Überlegenheit! Das schien für sie wie ein Schock zu sein, der sie irgendwie lähmte und deshalb zögern ließ.

Bis die Materialisierung von genau einem Dutzend Kriegsschiffen von San-dir-um registriert wurde. Nicht etwa draußen im All, weit weg vom Wüstenplaneten, sondern ... unmittelbar darüber! In einer Nähe, wie sie ausdrücklich verboten war – und zwar in beiden Sternenreichen, völlig unabhängig voneinander –, weil eine Materialisierung in einer solchen Nähe das planetare Gravitationsfeld stören konnte, mit ungeahnten Folgen für die ganze Welt.

Als wäre es sogar ihre Absicht, solche Folgen zu provozieren, um die hier stationierte Militärbasis des verhassten Feindes zusätzlich zu schädigen!

Oder gab es einen anderen Grund für dieses rücksichtslose und unverantwortliche Vorgehen?

Sie eröffneten allerdings weder das Feuer noch zeigten sie sonstige Aktivitäten. Sie materialisierten ganz einfach und hingen über dem Planeten.

War es vielleicht Zufall, dass sie Stellung bezogen hatten – genau über dem Weltentor? Genauer: Sie schwebten in einer Höhe von lediglich dreißigtausend Kilometern darüber. Für die hochgezüchteten Ortungseinrichtungen von Sand-dir-um eine Entfernung, als befänden sie sich unmittelbar über dem Weltentor.

Die Verteidiger der Militärbasis, die hier Stellung bezogen hatten, zögerten nur sekundenlang, bevor sie angriffen. Sie formierten sich blitzschnell und eröffneten das Feuer auf das Dutzend. Doch sie waren noch nicht aufgerüstet, so dass ihr Beschuss völlig wirkungslos blieb. Es schien das Dutzend in keiner Weise zu stören. Sie wehrten sich auch nicht, als hätten sie Besseres zu tun.

Das konnte nur eines bedeuten: Sie widmeten sich ganz speziell dem Weltentor!

Und die Führung der Militärbasis schlussfolgerte nicht unklug: »Das ist eine Art Stoßtrupp! Sie nehmen wohl an, ihre Niederlage allein dem Tor zu verdanken. Sie wissen schließlich genauso wenig von unserem Herrn Neb Reniets wie die Oberste Flottenführung im Sternenreich Gro-pan!«

Also musste schleunigst ihrem Herrn Neb Reniets Bescheid gegeben werden!

Einer machte sich sofort auf den Weg durch das Weltentor. Er saß in seinem Scout-Fluggerät und hatte nicht einmal das Schutzfeld eingeschaltet. Es war eigentlich egal, ob die Feinde dies jetzt orteten oder nicht. Die Mitteilung an Neb Reniets besaß oberste Priorität. Ergo mussten sie das in Kauf nehmen. Zumal der Feind mit der Tatsache, dass der Scout einfach so von einem Augenblick zum anderen verschwand, kaum etwas anzufangen wusste.

Oder vielleicht doch?

Immerhin bestand die Möglichkeit, dass Gro-pan verdächtigt wurde, hier für das Paralleluniversum überaus gefährliche Transmitterexperimente vorgenommen zu haben, die irgendwie entartet waren. Das läge zumindest für sie halbwegs auf der Hand, weil umgekehrt die Militärbasis ihr eigenes Flottenkommando auf Weisung von Neb Reniets in dieser Art belog. Nur behauptete sie, es handele sich hier um ein gefährliches Experiment von San-dir-um. Da es zwischen beiden Reichen keinerlei Gedankenaustausch gab – das verhinderte allein schon die Todfeindschaft! –, würde sich der Irrtum wohl kaum aufklären lassen. Es bestand jedoch die Gefahr, dass die Mitteilungen an das oberste Flottenkommando von Gro-pan vom Feind abgehört wurden. Dann würden sich die San-dir-umer mächtig wundern, denn sie wussten natürlich selbst nichts von solchen Experimenten. Sie konnten also hundertprozentig sicher sein, mit dem Weltentor nicht das Geringste zu tun zu haben.

Genau dieses berücksichtigte die Führung der Militärbasis und kam zu der eigenen Schlussfolgerung: »San-dir-um wird die Falschmeldung, die wir an unser Oberstes Flottenkommando weitergegeben haben, für eine Finte halten. Sie werden eher annehmen, es sei eine Art Verschlüsselung – und in Wahrheit eben das Eingeständnis, dass man das Experiment nicht mehr im gewünschter Weise beherrscht.«

Auch das wollten sie Neb Reniets mitteilen – schon gespannt darauf, wie seine Order lauten würde. Am liebsten wäre es ihnen ja gewesen, er hätte sich persönlich bemüht, wäre mit seinem Raumschiff aufgetaucht und hätte das Problem mit dem Dutzend Feindschiffen auf seine Weise gelöst.

Viel Zeit dafür bliebe nicht mehr, denn schon wurde das Flottenkommando vor Ort misstrauisch. Logisch, es hatte durchaus die Materialisationen registriert und startete jetzt eine Anfrage, weil es keinerlei Mitteilungen über den Sachverhalt bekommen hatte.

Die Militärbasis wollte ja abwarten, wie die Order ihres Herrn Neb Reniets lautete.

Jetzt durften sie nicht mehr länger zögern, und während sie darauf hofften, dass zumindest der Scout von der Berichterstattung an Neb Reniets zurückkehrte, der für ihre Begriffe schon viel zu lange »drüben« verweilte, gaben sie an die Flotte im Weltraum durch:

»Es gibt ungeklärte Aktivitäten am Fanal.« So nannten sie das Weltentor, weil es genauso auch jedem gro-panischen Betrachter erschien. Eigentlich war es noch schlimmer: Das Weltentor wirkte auf sie sowohl mit unbewaffnetem Auge als auch in der Ortung als dämonischer Moloch, der bereit war, nicht nur den Wüstenplaneten, sondern gleich das ganze Universum zu verschlingen.

Neb Reniets hatte es zu Begin selbst getestet: Wenn er mit seinen prupperischen Augen hinschaute, sah er nur eine Art Energieglocke, durch die jene bewaldete Hügelspitze schimmerte, die in seinem Heimatuniversum seit der Öffnung des Weltentores fehlte. Wenn er sich jedoch mit seiner Ortung bemühte, die auf Technik und Physik dieses Paralleluniversums hier beruhte, sah das Weltentor völlig anders aus: Eben wie das weit aufgerissene, überaus gierige Maul des furchterregendsten Molochs, den sich ein krankes Gehirn überhaupt ausdenken konnte. Kein Wunder, dass die Gro-paner anfangs gezögert hatten, sich diesem Moloch auch nur zu nähern, obwohl er in Wirklichkeit völlig harmlos war – ein zufällig entstandenes Weltentor eben, das zwei parallele Universen miteinander verband, auf unbestimmbare Zeit.

»Und die Kriegsschiffe von San-dir-um?«, kam die bange Anfrage des Flottenkommandos, während die Militärbasis beobachtete, dass sich bereits Teile aus der Flotte lösten und mit Irrsinnswerten in Richtung Wüstenplanet beschleunigten. Sie wollten sich offensichtlich persönlich um das Phänomen kümmern.

Die Militärbasis schlussfolgerte, dass sie keine Chance hatte, den drohenden Kampf zu verhindern. Sobald die Kriegsschiffe von Gro-pan nahe genug waren, würden sie alles tun, um die zwölf gegnerischen Schiffe zu vernichten.

Und das in solcher Nähe zum Weltentor? Hatte ihnen Neb Reniets denn nicht eingetrichtert, dass dies ungeahnte Folgen haben könnte?

Ein schlimmer Konflikt, den sie trotz ihrer befürchteten Chancenlosigkeit abzuwenden versuchten mit den Worten: »Keinerlei Angriff auf die zwölf Schiffe. Bitte! Sie befinden sich zu nah an dem Energiephänomen. Entladungen in der Art eines massiven Beschusses könnten ungeahnte Reaktionen erzeugen.«

Das nutzte überhaupt nichts. Eben wie befürchtet. Die Schiffe, die sich aus dem Verband gelöst hatten, beschleunigten weiterhin und näherten sich, schussbereit.

Und was ging inzwischen bei den zwölf gegnerischen Kampfraumern vor? Wieso verharrten sie einfach stillschweigend im Raum über dem Planeten? Nichts tat sich bei ihnen!

Zumindest nichts, was erkennbar gewesen wäre.

Bis die Militärbasis den eigenen Schiffen vor Ort befahl: »Genaueste Ortung: Gibt es Energieemissionen bei den Schiffen? Und wenn ja: Welcher Art sind sie?«

Die Antwort erfolgte bereits nach Sekunden, so eindeutig waren die Ergebnisse: »Die scannen sorgfältig das Weltentor. Sie untersuchen das Phänomen, anscheinend, um mehr Erkenntnisse zu sammeln.«

Kaum waren diese Worte verklungen, als die zwölf Schiffe das Feuer eröffneten. Sie taten es alle auf einmal.

Nur noch zwanzig Sekunden, bis die Kampfraumer von Gro-pan nahe genug waren, um erfolgreich das Feuer gegen das Dutzend zu eröffnen. Das schien die Gegner aber ganz und gar nicht zu interessieren. Sie schossen sozusagen aus allen Rohren – und nicht etwa auf die Verteidiger des Weltentors oder die anfliegenden Angreifer, die sich aus der Flotte von Gro-pan gelöst hatten, sondern ... gezielt auf das Weltentor selbst!

Die Gro-paner sahen den Moloch – und die Energiebahnen, die geeignet gewesen wären, den gesamten Kontinent vom Antlitz des Wüstenplaneten zu tilgen, indem sie ihn in eine kochende Lavabrühe verwandelt hätten. Neb Reniets hatte sie eindringlich gewarnt. Aber er war sich selbst in keiner Weise sicher gewesen.

Das zeigte sich jetzt, als die vernichtenden Energien in Konflikt mit dem Moloch gerieten.

Was geschah mit ihnen? Wurden sie einfach verschlungen, wie ein Raumschiff, das durch das Weltentor flog, um auf der anderen Seite wieder ausgespien zu werden? Wurde dadurch vielleicht sogar NAI-ROG auf der andere Seite des Tores vernichtet? Ganz oder auch nur ... zum Teil?

Das konnte niemand von ihnen erkennen, auch eventuelle Beobachter auf den zwölf Schiffen von San-dir-um nicht, die wahrscheinlich fassungslos mit ansahen, dass ihre vernichtenden Energien einfach nur verschlungen wurden. Wie ein Wasserstrahl, den man direkt in das Maul eines durstigen Riesen spritzte.

Und dann waren die anfliegenden Gro-paner nahe genug, um ihrerseits das Feuer zu eröffnen.

Im gleichen Moment erloschen die Schutzschirme bei den Schiffen von San-dir-um. Das war nötig, um überhaupt eine Transition zu ermöglichen. Und genau diese tätigten sie jetzt!

Die vernichtenden Energiestrahlen der Angreifer würden ihre Ziele nicht mehr erreichen können.

Die Erschütterungen des Raumzeitkontinuums, ausgelöst durch die gemeinsame Transition, waren diesmal allerdings noch stärker als bei ihrer Materialisierung. Während die Energiestrahlen der Angreifer sich im Nichts verloren und dabei den Wüstenplaneten knapp verfehlten, entstand auf dem Planeten selbst ein Erdbeben, das sich mächtig fortpflanzte und erst nach Tausenden von Kilometern verebbte. Die Militärbasis konnte es nicht mehr erreichen, denn diese befand sich auf der anderen Seite des Planeten, was die San-dir-umer wahrscheinlich nicht einmal wussten. Und wenn schon: Es hatte sie wohl kaum interessiert, denn sie waren nicht transitiert, um eben dieses Erdbeben zu erzeugen, sondern um sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Ob es sich wieder um vollautomatisierte Raumschiffe gehandelt hatte?

Aber auch solche galt es zu retten, ehe noch die Erkenntnisse aus den Scans und auch aus dem Beschuss des Weltentors verlorengingen.

Alle Aufmerksamkeit der Militärbasis wandte sich dem Weltentor zu, während die angreifenden Kriegsschiffe wieder abdrehten. Sie blieben vorerst im Orbit um den Wüstenplaneten, als würden sie dem Frieden nicht trauen. Zumal es sich herausgestellt hatte, dass die Militärbasis mit ihren eingeschränkten waffentechnischen Möglichkeiten gar nicht in der Lage war, das Weltentor wirkungsvoll zu verteidigen.

»Eines verstehe ich nicht«, sinnierte der Kommandeur der Restflotte, die sich im Sonnensystem postiert hatte: »Wieso beschießen sie ihr eigenes Experiment?«

Der Kommandant der Militärbasis auf dem Wüstenplaneten war allerdings weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen, obwohl er innerlich immer noch betete, ihr Herr Neb Reniets möge sich doch bitte so schnell wie möglich zurückmelden, um ihnen beizustehen in dieser schweren Stunde:

»Es ist dies ein entartetes Experiment, vergessen?«, fragte er schlagfertig zurück. »Sie wollten offensichtlich ihr eigenes Experiment vernichten, ehe unsere Wissenschaftler daraus Schlüsse ziehen können.«

»Ja, gibt es denn überhaupt die Möglichkeit, daraus Schlüsse für eigene Experimente zu ziehen?«

Der Kommandeur der Flotte war offenbar auch nicht gerade den Unklugen zuzurechnen.

»Leider immer noch nicht im entscheidenden Maße, denn das Fanal ist ein Energiemoloch, der alles verschlingt, was es wagt, ihm zu nahe zu kommen. Sie haben selbst erlebt, was aus dem Beschuss wurde.«

»Ja, die Energiestrahlen sind einfach verschlungen worden.«

»Na, sehen Sie!«

In diesem Moment geschah, was die Führung der Militärbasis so sehnlich erwartet hatte: Der Scout kehrte endlich zurück von der Berichterstattung an Neb Reniets.

Gleichzeitig wurde ihnen erst klar, dass dies ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt war, denn die Schiffe aus der Flotte waren viel zu nah. Ihnen entging das Auftauchen des Scouts dadurch natürlich in keiner Weise.

Aber auch jetzt bewies der Kommandant der Militärbasis äußerste Schlagfertigkeit. Er benötigte nicht einmal eine Sekunde, um zu einer für auch für das Oberste Flottenkommando ihrer Zentralwelt plausiblen Erklärung zu gelangen – und dabei auch noch gesteigertes schauspielerisches Talent zu beweisen:

»Beim Raumgott: Das ist einer unserer Scouts, die spurlos verwanden, als sie es wagten, dem Moloch zu nahe zu kommen! Jetzt ist er zurückgekehrt. Ob das mit dem Beschuss zusammenhängt? Wie auch immer, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich vorübergehend den Kontakt abbreche, um mich dem Heimkehrer zu widmen.«

Er ließ einfach unterbrechen, ohne einen Protest abzuwarten. Schließlich unterstand er nicht dem Kommando des Flottenkommandeurs und war hier sein eigener Herr. Nach wie vor mussten die Militärbasis einerseits und die Flotte draußen andererseits als zwei getrennte Einheiten betrachtet werden. Das würde sich erst ändern, wenn die Oberste Flottenführung auf der Zentralwelt von Gro-pan dies anders bestimmte. Eine solche Order jedoch war bislang von dort nicht gekommen.

Der Kommandant der Militärbasis ließ sich persönlich und auf PSI-Basis mit dem Scoutpiloten verbinden. Er wollte wissen, wie denn nun die Order von Neb Reniets lautete, die sie so sehnsüchtig erwarteten.

3

Inzwischen war es zur Routine für die Scoutpiloten geworden, das Weltentor zu passieren. Im einen Augenblick noch erschien ihnen das flammende Fanal in Form eines allesverschlingenden Molochs – und im nächsten Augenblick wurden sie tatsächlich davon verschlungen, ob mit eingeschaltetem oder ausgeschaltetem Schutzschirm, um im gleichen Moment in einem anderen Universum und über einer völlig fremdartigen Planetenoberfläche ausgespien zu werden.

Der Scout, der derzeit am Weltentor auf NAI-ROG postiert war, meldete automatisch dem Neuankömmling »Keinerlei besondere Vorkommnisse«, was zwar nicht ganz der Wahrheit entsprach, aber so lautete nun einmal seine Order. Neb Reniets hatte sich ja genau deshalb zurückgezogen, weil er der Meinung gewesen war, derzeit keine besonderen Vorkommnisse bewältigen zu müssen. Einmal abgesehen davon, dass sein Bruder nach wie vor spurlos verschwunden blieb.

Der Neuankömmling übermittelte hingegen: »Ein Dutzend Kriegsschiffe von San-dir-um materialisierte nur dreißigtausend Kilometer über dem Weltentor!«

Danach versuchte er, Verbindung zu bekommen zum Leitschiff mit Neb Reniets.

Das war nicht das Problem. Aber als er seine Mitteilung gegenüber Neb Reniets persönlich machen wollte, wurde dem abschlägig beschieden, und der PSI-Funkoffizier des Schiffes bat ihn zu warten. Den Bereich des Weltentors brauchte er dazu nicht zu verlassen. Er blieb einfach über dem Dschungel schweben und tat, was ihm befohlen worden war: Eben warten! Was inzwischen auf dem Leitschiff geschah, konnte er nur erahnen.

Dort versuchte nämlich der PSI-Offizier vergeblich, über Bordfunk seinen Herrn zu wecken. Es war ja verfügt worden, ihn nur dann zu wecken, wenn es dringlich genug war. Für den PSI-Funkoffizier war es dringlich genug, wenn ein Dutzend Raumschiffe der Todfeinde einfach so über dem Wüstenplaneten auftauchte.

Doch Neb Reniets meldete sich nicht!

Sofort alarmierte der Offizier die beiden Ärzte, die sich nach wie vor an Bord befanden, auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Auf alle?

Schließlich war Neb Reniets kein Gro-paner, sondern ein Prupper. Das hießt, zwangsläufig hatte er einen etwas anders gearteten Metabolismus. Zwar war es den beiden kundigen Ärzten inzwischen gelungen, mithilfe der medizinischen Einrichtungen des Schiffes den Metabolismus von Neb Reniets einigermaßen zu entschlüsseln, aber das machte sie noch lange nicht zu Experten, was die Behandlung von möglichen körperlichen Beeinträchtigungen bei einem Prupper betraf. Vor allem mangelte es an wirksamen Medikamenten, obwohl sich die Ärzte inzwischen sogar sachkundig zu machen versucht hatten, indem sie mit Kollegen auf NAI-ROG in Kontakt getreten waren. Das war möglich gewesen, weil sie mit den NAI-ROGern zumindest eines verband: Sie hatten einen gemeinsamen Herrn, auf den sie auf Gedeih und Verderb geeicht waren: Neb Reniets. In erster Linie sogar. In zweiter Linie natürlich auch auf dessen Bruder Dilk Reniets, von dem niemand wusste, wo er sich zurzeit befand.

Doch es half alles nichts: Sie mussten sich um Neb Reniets kümmern. Wenn dieser sich nicht meldete, dann stimmte etwas nicht mit ihm. Davon gingen sie in ihrer anfänglichen Panik aus.

Als sie die Kajüte ihres Herrn erreicht hatten, zwangen sie sich zur Ruhe: Nein, Panik war nur unnötig kontraproduktiv!

Sie traten ein, nach dem vergeblichen Versuch, ihren Herrn zum Öffnen zu veranlassen. Jetzt war ihnen endgültig klar, dass er dringend ihrer Hilfe bedurfte.

Sie stürmten seine Koje: Er lag auf dem Rücken, sein steingraues Gesicht wirkte eingefallen, sofern man das durch den wild wuchernden Bart erkennen konnte. Jetzt sah er aus, als sei er kein lebendes Wesen, sondern komplett aus Granit gemeißelt. Denn sogar die Haare und der Bart hatten die Farbe von Granit.

Für die Gro-paner allein schon ziemlich beängstigend, denn sie waren es gewohnt, dass ein intelligentes Lebewesen grüne Haut besaß und keinerlei Haarwuchs. Sie hatten Haare überhaupt zum ersten Mal in ihrem Leben gesehen, als sie Neb Reniets´ ansichtig geworden waren. Es wäre ein Schock für sie gewesen, wären sie zu diesem Zeitpunkt noch im Vollbesitz ihres freien Willens gewesen. Aber Neb Reniets war erst dann persönlich in Erscheinung getreten, nachdem alle Gro-paner der Militärstation, einschließlich des medizinischen Personals, auf seine Seite übergewechselt waren. Er hatte mit dem Hypnoprojektor entsprechend vorgesorgt.

Hilflos standen sie jetzt da, bis einer die Initiative ergriff und sein medizinisches Instrument bemühte, indem er dieses auf die Brust von Neb Reniets setzte.

Ein Prupper hatte so etwas wie ein Herz, genauso wie ein Gro-paner. Eine der Übereinstimmungen zwischen beiden Rassen. Das Herz schlug so schwach, dass es nur noch mit der höchsten Empfindlichkeitsstufe des Instrumentes nachgewiesen werden konnte.

Ganz klar: Neb Reniets lag im Koma!

Nun lautete die Frage: Konnte man einen solchen Zustand noch als normal bezeichnen oder war er die Folge des Kampfes, den er im Paralleluniversum als gottgleiches Überwesen gegen die San-dir-umer geführt hatte? Immerhin war es nur durch sein Eingreifen gelungen, ihre ganze Armee in die Flucht zu schlagen. Das war eine Leistung, die deutlich ihre Spuren bei ihm hinterlassen hatte. Deshalb hatte er sich letztlich ja auch hierher zurückgezogen.

Der andere Mediziner bemühte sich jetzt, Neb Reniets zu wecken. Wobei ihm nicht ganz klar war, wie er das überhaupt anstellen sollte. Bis er auf die Idee kam, den Herzschlag des Pruppers künstlich zu erhöhen.

Sein Kollege blieb ein wenig skeptisch.

Sie verglichen Neb Reniets zwangsläufig mit einem Gro-paner: Bei ihnen war es nicht unüblich, in einen solchen Zustand zu fallen. Auf diese Weise konnte ein Gro-paner bis zu einem Jahr völlig ohne Nahrungsaufnahme und ohne jegliche körperliche Schäden überleben. Er benötigte dazu einfach nur genügend Licht, Luft und Wasser. Denn ihre grüne Hautfarbe kam nicht von ungefähr: Das Grün in ihrer Haut diente der Photosynthese! Wie bei einer grünen Pflanze. Da ihre Hautoberfläche im Verhältnis zum Blätterkleid eines Baumes jedoch ungleich geringer war, mussten sie in einen komaähnlichen Zustand fallen, damit die Energieausbeute ausreichend blieb und nicht vom Energieverbrauch überwogen wurde. Zwischendurch mussten sie aufwachen, um Wasser zu sich zu nehmen. Und vor allem durften sie nicht bekleidet sein. Wobei es keine Rolle spielte, dass die Körpertemperatur absank. Bis knapp über dem Gefrierpunkt war für sie noch nicht lebensbedrohlich.

Angesichts dieses Hintergrundwissens war es für die beiden wackeren gro-panischen Mediziner ein Ding der Unmöglichkeit, den gegenwärtigen Zustand von Neb Reniets richtig einzuschätzen. Gab es bei einem Prupper vielleicht auch so etwas wie ein gewolltes Koma, um die Lebensfunktionen auf ein Minimum zu beschränken, vergleichbar mit dem Winterschlaf gewisser Tiere?

Sie hatten keine Ahnung.

Bis der eine die zündende Idee hatte, wohl, weil auch der Versuch, den Herzschlag von Neb Reniets mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln künstlich zu erhöhen, genauso gescheitert war wie sämtliche vorangegangenen Versuche, den Zustand von Neb Reniets in irgendeiner Weise zu verändern.

»Wir sollten einen hiesigen Kollegen bemühen!«

Sein Kollege atmete erleichtert auf: Ja, gewiss, das war die einzige Lösung, die jetzt noch blieb.

Sofort gab er es weiter an den psionischen Funkoffizier, wobei er oberste Dringlichkeit anmahnte. Nun, da es um ihrer aller Herrn ging, gab es keinerlei Zögern mehr. Weder für einen Gro-paner noch für einen Prupper. Sofern er beeinflusst war. Aber die Unbeeinflussten hatte man allesamt rechtzeitig weggesperrt, damit sie nicht gefährlich werden konnten.

Ein prupperischer Experte war rasch ausfindig gemacht, zumal man ja mit den prupperischen Kollegen bereits im Vorfeld ein wenig Kontakt gepflegt hatte, um aus diesem Kontakt betreffend ihren gemeinsamen Herrn zu lernen. Er wurde in Windeseile herbeigeflogen. Leider besaß das Schiff kein Star Gate, weil es so etwas im Paralleluniversum nicht gab. Damit wäre alles natürlich viel schneller erfolgt.

Daher dauerte es nicht nur nach dem Empfinden der beiden verzweifelten gro-panischen Ärzte viel zu lange, bis er endlich eintraf. Und er hatte auch noch völlig unzureichendes medizinisches Equipment bei sich, wie sie fanden.

Er beruhigte sie jedoch lächelnd und mit den Worten: »Das reicht vollkommen aus, wie Sie noch feststellen werden. Ich habe keine Ahnung, wie weit Sie mit Ihren medizinischen Erkenntnissen in Ihrem Universum sind, aber wir hier ...« Er unterbrach sich und kümmerte sich erst einmal um ihren gemeinsamen Patienten.

Er brauchte nur einen einzigen Blick, um zu bestimmen: »Er ist in eine Art künstliches Koma gefallen!« Dann schüttelte er den Kopf und sagte, ohne die beiden grünhäutigen Kollegen dabei anzuschauen: »Nein, das ist keineswegs normal bei einem Prupper. Ganz im Gegenteil: Er ist in einem lebensbedrohlichen Zustand. Aber keine Bange, Sie haben mich rechtzeitig zur Beratung und Unterstützung hinzugezogen.«

Er nahm ein seltsames Gerät in beide Hände und setzte es auf die Brust des Patienten.

»Jetzt bitte nicht erschrecken. Ich muss seinen Herzschlag wirkungsvoll anregen – und das sieht für einen Laien in diesen Dingen ziemlich schlimm aus.«

Es krachte fürchterlich, und ein Stromstoß wurde frei, der den Körper von Neb Reniets sich wild aufbäumen ließ.

Noch ein paar Mal widerholte sich dieser erschreckende Vorgang, wobei die beiden gro-panischen Ärzte vor lauter Schrecken zu atmen vergaßen. Sie wussten haargenau, dass ein solches Vorgehen einen normalen Gro-paner auf der Stelle getötet hätte, aber Neb Reniets reagierte völlig anders darauf.

»Dem Raumgeist sei Dank: Sein Herz schlägt wieder kräftiger«, atmete der prupperische Arzt auf. »Das waren Elektroschocks. Ich weiß, ziemlich brachial, diese Methode, aber in diesem Fall das einzig Richtige. Keine Bange, es gibt keinerlei negative Nebenwirkungen. Aber wir haben unser aller Herrn damit das Leben gerettet! Er befindet sich nunmehr in einem Zustand des Tiefschlafs. Den muss ich allerdings lückenlos überwachen, wenn Sie gestatten, werte Herren Kollegen. Dann können wir sicher sein, dass er sehr wohl genesen wird.«

Sie nickten nur, unfähig, auch nur ein einziges Wort über die grünen Lippen gehen zu lassen.

Da kam die Anfrage aus der Zentrale: »Ist es möglich, Herrn Reniets mit der neuerlichen Lage zu konfrontieren? Die Militärbasis erwartet seine Befehle.«

Der prupperische Arzt antwortete anstelle seiner Kollegen: »Nein, leider, es ist nicht möglich. Der Patient benötigt dringend Ruhe. Selbst wenn das gesamte Universum inzwischen abbrennt: Wenn wir ihm diese Ruhe nicht gönnen, ist sein Leben gefährdet. Und das wollen wir doch alle nicht, ist es so?«

»Ich bitte vielmals um Entschuldigung!«, meinte der Funkoffizier erschrocken. »Ich – ich werde den Scout drüben eine entsprechende Mitteilung machen lassen. Die Gesundheit unser aller Herrn geht auf jeden Fall vor.«

Damit war die Angelegenheit entschieden und die Ärzte konnten sich wieder voll und ganz ihrem Patienten widmen, ohne Gefahr zu laufen, ein weiteres Mal gestört zu werden.

Einer der beiden gro-panischen Ärzte hatte nur noch eine Frage: »Wie lange wird es wohl dauern, bis sich unser Herr so weit erholt hat, dass er wieder Entscheidungen treffen kann, werter Kollege?«

Der Prupper schürzte in üblicher Prupperart die steingrauen Lippen, die sich dabei wie ein Spalt in einem Granitblock öffneten, und meinte skeptisch: »Mit ein paar Stunden müssen wir mindestens rechnen. Auch wenn wir ihm inzwischen kräftigende Mittel spritzen. Ich schlage sogar vor, wir hängen ihn an den Tropf. Dann ist er wieder richtig fit bei seinem Erwachen. Und keine Bange, ich kenne mich mit so etwas wirklich bestens aus!«, beeilte er sich noch zu versichern, ehe er mit seinem Vorschlag Protest ernten konnte.

*

Ulo Naitsirch gab sich locker und fröhlich, wie eben ein gewöhnlicher Tourist, der sich anschickte, eine neue Welt zu erobern und das auch noch mit einer bildhübschen jungen Dame an seiner Seite. Nur sein Kapitän gab sich ziemlich bedrückt. Verstohlen warf er immer wieder Blicke in die Runde, so dass Ulo wirklich an sich halten musste, ihn deswegen nicht zu rügen: Noch auffälliger konnte man sich nun wirklich nicht nach etwaigen Beobachtern umschauen! Aber wie konnte er ihm das klarmachen, ohne dass ihre Begleiterin davon etwas mitbekam?

Eigentlich gar nicht!, beschloss er und bemühte sich stattdessen, es zu ignorieren.

Aber da meldete sich auch schon die junge Dame, die sich ihnen inzwischen als Gryssela vorgestellt hatte: »He, dein Freund benimmt sich irgendwie komisch. Ist der eigentlich immer so?«

Er hatte sie gefragt, ob das ihr einziger Name sei. Sie hatte daraufhin geantwortet: »Ja, gewiss, die meisten hier auf NAI-ROG tragen nur einen Namen. Mehr brauchen wir in der Regel nicht. Es gibt halt nicht so viele Leute auf NAI-ROG wie vielleicht auf anderen Welten.«

»Nun, dieser – äh, wie hieß er noch gleich, der Fremdenführer?«

»Romf Nerlat?«

»Der hat auf jeden Fall zwei Namen.«

»Klar, sagte ich doch: Die meisten hier auf NAI-ROG benötigen nur einen Namen, so wie ich. Aber Romf Nerlat hat das von seinen Eltern geerbt, die als Kolonisten hierher kamen. Leider leben sie schon eine Weile nicht mehr.«

»Du kennst ihn wohl ziemlich genau, wie?«

»Ja, schließlich sind wir so etwas wie Kollegen.«

»Und seine Eltern? Sind die etwa...?«

»Genau, im Dschungel! Sie wurden Opfer des Dschungels. Sie waren ebensolche Forscherseelen wie ihr einziger Sohn.«

Ulo hatte sich an das Gespräch erinnert und kehrte mit seinen Gedanken jetzt wieder in die Gegenwart zurück.

»Äh, mein Freund hier? Ach, Captain Keerc ist eigentlich immer so.«

»Und wie hältst du das aus?«, schnurrte Gryssela.

Keerc bekam es natürlich mit und ärgerte sich ganz offensichtlich, obwohl er nichts dazu sagte.

»Ganz gut, normalerweise. Also, wenn du nichts gesagt hättest, mir wäre nichts Ungewöhnliches an seinem Verhalten aufgefallen.«

»Ehrlich?« Sie gurrte jetzt, was wohl ein unterdrücktes Lachen bedeuten sollte. Dabei schielte sie nach Keerc. »Ich stelle mir gerade vor, wie das so bei euch an Bord abläuft. Er schleicht umher und schaut immer wieder verstohlen hinter sich, um anschließend den Kopf einzuziehen und leicht geduckt ...« Jetzt konnte sie nicht mehr an sich halten und prustete lauthals los. »Haha, selten so gelacht! Ihr seid wirklich kuriose Typen. Das erlebt man nicht alle Tage. Es hat sich echt gelohnt, mit euch auf den Trip zu gehen.«

Ulo grinste nur zaghaft und beobachtete dabei seinen Captain. Der war jetzt stinksauer, beherrschte sich jedoch mühsam, wohl, weil er sich daran erinnerte, was ihm Ulo wegen ihrer Begleiterin eingetrichtert hatte. Aber auch, weil ihn sein schlechtes Gewissen plagte: Es wurde ihm bewusst, dass er sich in der Tat höchst verdächtig benommen hatte.

Als sich die junge Dame endlich von ihrem Heiterkeitsausbruch erholt hatte, hieb sie Keerc kameradschaftlich auf die Schulter und entschuldigte sich.

»He, Captain, war nicht böse gemeint. War halt saulustig für mich. Kann dich aber wirklich gut leiden. Oder bist du jetzt für alle Tage sauer auf mich?«

»Wie könnte ich?«, meinte er schnippisch. »Man macht sich ja nur lächerlich über mich. Das ist doch ganz normal, oder?«

Ihr Lächeln, das sie sich gerade noch gegönnt hatte, erstarb. Sie zog einen Schmollmund, was in ihrem steingrauen Gesicht wirklich herzallerliebst wirkte.

»Och, jetzt bist du aber wirklich sauer auf mich.« Sie hieb sich spielerisch auf den eigenen Mund. »Du böses, böses Mädchen, du! Was sagst du nur für verletzende Dinge. Das muss doch das Herz eines harten Captains bis ins Mark erschüttern, so dass es nimmer mehr heilen mag.«

Die hat es wirklich drauf!, dachte Ulo Naitsirch entgeistert und betrachtete das Duo.

Tatsächlich, Captain Keerc lächelte jetzt sogar selbst. Und dann begann er zu lachen.

»Ist ja schon gut, Kleine. Niemand kann dir länger als eine Minute böse sein. Ich auch nicht.«

»Sag mal, Captain ...« Kam jetzt schon wieder die nächste Frechheit? »Äh, heißt du eigentlich so? Ich meine, wenn du zwei Namen hast wie dein Kumpel, dann wäre ja dein Vorname Captain, oder?«

»Ich habe auch nur einen Namen, genauso wie du, Kleines. Captain, das ist sozusagen meine Berufsbezeichnung.«

»Ach was, ein echter Captain? Dann bist du ja sozusagen der Boss von euch beiden?«

Ganz schön neugierig, dachte Ulo und schaute sich in dem kleinen Lokal um, in das sie Gryssela geführt hatte. Es befand sich nicht weit vom Star-Gate-Bahnhof entfernt, und sie waren bislang die einzigen Gäste. Er hatte sie prompt gefragt, ob sie nicht irgendwohin gehen sollten, wo mehr los sei. Sie hatte ihn aus großen, runden Augen angeschaut und gegengefragt:

»Wo mehr los ist?« Das musste sie anscheinend erst einmal verarbeiten, ehe sie den Kopf schüttelte und hinzufügte: »Du glaubst tatsächlich, dass es so etwas hier, in NAI-ROG-City, gibt. Und das zu dieser Tageszeit?«

»Tageszeit?«, hatte er seine nächste Frage gestellt.

»Na, wir haben Mittagszeit in dieser Ecke der Welt. Da befindet sich jeder ordentliche Prupper, der hier aufgewachsen ist, daheim. Wenn er jetzt hier in diesem oder in irgendeinem anderen Lokal wäre, könnte man ja glatt annehmen, er habe kein Zuhause. Es gibt kaum einen schlimmeren Verdacht als diesen. Selbst für einen eingefleischten Single wie mich.«

»Du bist noch Single?«

»Nicht noch, sondern schon wieder, und ich habe nicht vor, das bald zu ändern, obwohl man damit in dieser Stadt an Ansehen verliert. Ist mir jedoch egal. Ich bin ja auch zur hellen Mittagszeit hier mit euch, statt bei der Arbeit oder gar daheim zu sein.«

»Seltsame Sitten«, hatte sich Ulo nicht davon abhalten können zu bemerken.

Sie hatte darüber nur herzlich gelacht. »In der Tat, Fremder von einem anderen Stern, in der Tat! Aber umso besser andererseits: Dann sind wir hier ganz unter uns, nicht wahr?«

Inzwischen war ihm das nicht mehr ganz so recht. Sie waren allein geblieben, was ja nur bedeuten konnte, dass es keine Bewacher geben musste. Sie wurden so schon gut genug überwacht. Entweder, weil es unsichtbare Kameras gab, oder weil Gryssela mit ihnen zusammen war. Oder beides.

»Nein, ich bin trotzdem nicht der Boss«, hörte er mit halbem Ohr Captain Keerc sagen. »Ulo ist der Besitzer der Yacht. Er hat mich vor Jahren eingestellt als seinen Captain.«

»Dann hast du schon auf anderen Schiffen gedient – vorher?«

»Nun, sagen wir mal so, in aller Bescheidenheit, wohlgemerkt: Er hat mich nicht gerade deshalb bei sich eingestellt, um seine Yacht zu führen, weil ich ein blutiger Anfänger bin.«

»Du fliegst schon länger Raumschiffe?«

»Schon seit Jahrzehnten, wenn ich ehrlich sein will!« Er warf sich unwillkürlich in die Brust.

»Dann bist du ja ein richtig reifer Mann, was? Habe ich dir eigentlich schon gesagt, dass ich auf reife Typen stehe?«

»Nein, noch nicht, aber es freut mich zu hören.«