9,99 €
Skylennas Welt dreht sich nicht mehr nur um Dessin, als sie von einem neuen Geheimnis erfährt, das er verborgen gehalten hat. Geplagt von Verrat, Wut und lähmenden Wellen der Verwirrung, muss Skylenna ihre Gefühle beiseite legen und sich darauf konzentrieren, DaiSzek vor der Vexamen-Breed zu retten. Doch nach einer Tragödie begibt sie sich allein auf eine Reise, um dunkle Geheimnisse ihrer Vergangenheit aufzudecken. Die verlorenen Erinnerungen ihrer Kindheit. Die fehlenden Teile von Dessins großem Plan. Was, wenn diese düstere Wahrheit ausreicht, um sie die Klippe hinunterzustürzen? Was geschieht, wenn das süße, mitfühlende Mädchen verschwunden ist und nur noch ein Monster bleibt? Skylenna ist nicht länger eine hilflose Schachfigur. Stattdessen nimmt sie die Fäden in die Hand und inszeniert das dunkelste Puppenspiel, das jemals die Bühne der Emerald Lake Anstalt erreicht hat.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Brandi Elise Szeker
The Puppeteer and the Poisoned Pawn
THE PUPPETEER AND THE POISONED PAWN
© 2025 VAJONA Verlag GmbH
Die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel
»The Puppeteer and The Posoned Pawn«.
Übersetzung: Lara Gathmann
Korrektorat: Désirée Kläschen und Susann Chemnitzer
Umschlaggestaltung: Stefanie Saw
Satz: VAJONA Verlag GmbH, Oelsnitz, unter Verwendung
von Motiven von Canva
VAJONA Verlag GmbH
Carl-Wilhelm-Koch-Str. 3
08606 Oelsnitz
Für Theo James,
(oder seinen Doppelgänger)
Wir hätten großartig zusammen sein können.
Dein Verlust. Ich kann beide Beine hinter den Kopf klemmen.
Hinweis
Für diejenigen, die keine Trigger haben – außer Fremdgehen –, das hier ist für euch.
Ich werde nie eine Fremdgeh-Trope schreiben!
Dieses Buch enthält explizite Inhalte und könnte von einigen Leser*innen als anstößig empfunden werden. Bitte prüft die Triggerwarnungen vor dem Lesen. Das Buch ist nicht für Personen unter achtzehn Jahren bestimmt. Bitte bewahrt eure Bücher an einem Ort auf, an dem Minderjährige keinen Zugriff darauf haben. Es geht um eine düstere, dystopische Gesellschaft, die absichtlich problematisch dargestellt wird. Bitte beachtet, dass es sich um eine fiktive Welt handelt, die in keiner Weise die persönlichen Überzeugungen der Autorin widerspiegelt. Wir werden sehen, dass die Gesellschaft im Laufe der Serie wächst und ihren moralischen Kompass korrigiert.
Trigger:
Grundlose Gewalt, (romantisierte) psychische Erkrankungen, Trauer, Depressionen, Tod von geliebten Menschen, Selbstmord, grundlose und detaillierte Folter, Körperverletzung (wie Brandwunden), Essstörungen, Halluzinationen, Frauenfeindlichkeit, Pädophilie, Kindesmissbrauch, Tierquälerei, Zerstückelung, weibliche Unterdrückung, Erniedrigung, Verhungern, Body Shaming, explizite sexuelle Szenen, explizite Sprache, religiöses Trauma, Horror
Bitte lies nicht weiter, wenn du dir nicht sicher bist, ob die Inhalte dieses Buchs etwas für dich sind.
Ernsthaft.
Lass es.
Anmerkung der Autorin
Ich empfehle allen, dies zu lesen, bevor sie mit dem Buch fortfahren. Dies ist ein Werk der Fiktion, ja. Die psychischen Beeinträchtigungen, die bestimmte Figuren haben, basieren jedoch auf realen Störungen. Besonders hervorheben möchte ich die dissoziative Identitätsstörung (DIS). Manche kennen sie als ›gespaltene Persönlichkeit‹ oder ›multiple Persönlichkeitsstörung‹. Das ist nicht die richtige Terminologie. Dieses fiktive Werk möge denjenigen die Augen öffnen, die einer DIS mit Angst oder mangelndem Respekt begegnen.
Die Repräsentation der DIS in diesem Roman erfolgt anhand einer moralisch grauen, gefährlichen Figur. Dies ist KEINE akkurate Darstellung einer DIS. Es ist eine symbolische Darstellung dessen, wie die DIS in der modernen Gesellschaft erscheint – gefürchtet, missverstanden und als ein Mysterium des Geistes zum Anglotzen. Bitte seid euch bewusst, dass der Rest der Serie eine Reise für die fiktive Gesellschaft und die Charaktere sein wird, um es besser zu verstehen und korrekt darzustellen.
Aber erlaubt mir, die Dinge für diese nicht fiktionale Welt richtigzustellen. Diese Menschen sind KEINE Ungeheuer. Sie sind KEINE Verbrecher.
Sie sind freundliche, intelligente, wunderbare Menschen, die Opfer von schrecklichem Unrecht und Missbrauch geworden sind.
Diese Nachricht soll euch ermutigen, die richtigen Fragen zu stellen und zu versuchen, die Situation besser zu verstehen. Für weitere Informationen über die DIS besucht bitte folgende Webseiten:
https://did-research. org/home/map
http://traumadissociation. com/index
https://did-research .org/did/alters/functions
https://did-research .org/did/myths
PS: Wenn du mit den Darstellungen verschiedener Formen von Traumata in dieser Serie nicht übereinstimmst, nimm bitte Rücksicht auf diejenigen, die anders damit umgehen und sich als Überlebende ihrer Erfahrungen richtig repräsentiert fühlen. Jeder hat seine eigenen Begegnungen und Wege, um zu heilen. Auch wenn bestimmte Beschreibungen, Situationen oder Erklärungen nichts für dich sind, können sie jemand anderem helfen oder ihn stärken.
Playlist
Für jede BADASS-Szene:
Feel Invincible von Skillet
Dangerous Woman von Tom Evans & Justas Kulikauskas
Everybody Wants To Rule the World von Lorde
You Should See Me in a Crown von Billie Eilish
DARKSIDE von Neoni
Daisy (slowed) von CedanVibe
Mount Everest von Labrinth
Toxic von 2WEI
Für jede Szene voller Dunkelheit, Herzschmerz und
seelenerschütternder Liebe:
Never Enough von Loren Allred
Dying Soul von Antonio Pinto
Shelter von Birdy
It’s Ok (Slowed) von Edith Whiskers
Broken (Acoustic) von Jonah Kagen
Train Wreck (Violin) von Joel Sunny
Broken von Isak Danielson
Control von Zoe Wees
Weitere Playlists für The Puppeteer and The Poisoned Pawn findet ihr, wenn ihr auf Apple Music oder Spotify nach
›Brandi Szeker‹ sucht!
Es ist nicht der Name, der mich als Erstes trifft.
Es ist das stolze Glitzern in seinen gletscherblauen Augen. Die Neigung seines Kopfes.
Das leichte Lächeln auf seinen dünnen Lippen. Er saugt meinen Schock wie einen großen Erfolg in sich auf, freut sich über seine Täuschung und erwartet gespannt jede meiner Reaktionen. Denn es ist ihm gelungen, mich zu täuschen. Er hat es geschafft, mich an meinem schwächsten Punkt zu treffen.
Aurick Demechnef.
Der Führer unseres Landes.
Der Mann, der mich vor der Kälte rettete. Der Freund, der sich nach Scarletts Tod um mich kümmerte. Er holte mich aus dem Schnee, gab mir ein Zuhause, einen Job, Unterstützung, die er mir entzog, als er mich das erste Mal schlug.
Und es war alles nur ein Trick.
Warum?
Der Verrat bohrt sich in meine Eingeweide. Scharf und gezackt, wie ein rostiger Nagel. Ich öffne meinen Mund und schließe ihn wieder. Die Worte drängen sich an die Oberfläche und verpuffen dann, bevor sie meine Lippen verlassen.
Eine große Hand streift meine Schulter, und obwohl es Dessin ist, zucke ich zusammen, als hätte man mich gerade geschlagen. Ich reiße meinen schockierten Blick von Aurick los und lenke ihn auf Dessins Mahagoniaugen, in denen ein vorsichtiger Ausdruck liegt.
Wie konnte er mir das verheimlichen?
Jämmerliche, glänzende Tränen sammeln sich in meinen Augen und trüben meine Sicht. Ich bin ein verängstigtes, in die Enge getriebenes Tier. Gedanken hämmern gegen die Innenseite meines Schädels. Aurick Demechnef. Ein Trick. Ein Lügner. Alle haben gelogen.
»Skylenna«, sagt Dessin leise.
»Nein.« Das kleine Wort entkommt mir in einem Keuchen. Ein Hauch von Atem aus einer kollabierten Lunge.
»Warte«, sagt jemand hinter mir. »Das ist Aurick?«
Ich konzentriere mich auf den flackernden Kerzenleuchter zu meiner Linken, die glatten Kirschholzwände, vermeide die mir zugewandten Gesichter, ignoriere meinen Namen, der gesagt wird, unterdrücke den Drang, im Sprint loszulaufen.
Die ganze Zeit über habe ich in der Anstalt eine Freundschaft mit Dessin aufgebaut, ohne dass er es mir gesagt hat. Ja, es gab Situationen, in denen er seine Verachtung für Aurick andeutete. Aber was ist mit dem Moment, als Aurick mich geschlagen hat? Einen Abdruck auf mir hinterlassen hat? Fand er nicht, dass ich es verdient hätte, es zu erfahren?
Ein paar Männer bleiben hinter Auricks Schreibtisch und warten auf Befehle, lehnen sich in die Schatten, bis sie gebraucht werden.
»Wie –« Meine Frage ist wie vom Erdboden verschluckt. Ich schaue in diese kalten, glasigen Augen und frage mich, warum ich es nicht gesehen habe. Das Geld. Die Macht. Die Fragen über Dessin. Die ständige Neugierde auf die Anstalt.
Ist es das, was mit Sern passiert ist? Dessin sagte, Demechnef hätte sie gefunden und versucht, ihre Familie gegen sie aufzubringen, weshalb er ihr das Rückgrat gebrochen habe.
»Er hat mich benutzt, um an dich heranzukommen«, sage ich schließlich zu Dessin. Aurick gibt einen Laut von sich, der einem Lachen nahekommt. Als ob er nicht wüsste, wo er anfangen soll, weil ich so tief im Dunkeln tappe.
Ich drehe meinen Kopf zu ihm, schneide mit einem Blick aus Feuer und Blut in seine Silhouette. »Du warst mein Freund.« Und dieses Mal schaue ich nicht weg. Ich lasse die Tränen über meine unteren Wimpern quellen, sie tropfen von meinem Kinn auf den Boden.
Aurick lässt die Schultern hängen, aber er hält meinen Blick fest, als ob Wegsehen die Niederlage bedeuten würde.
»Wir haben viel zu besprechen.« Seine Stimme ist distanziert, ohne jegliche sentimentalen Gefühle, die er mir gegenüber haben könnte.
Dieser Mann ist ein Fremder. Er sieht aus wie Aurick. Klingt wie Aurick, aber wir sind uns noch nie begegnet.
»Du –« Ich räuspere mich. »Du musst mich für so eine Idiotin gehalten haben.« Ich schaue zwischen Aurick und Dessin hin und her und kann mich nicht entscheiden, auf wen ich den größten Teil meines Hasses richten soll.
»Wir können über meinen fehlenden moralischen Kompass diskutieren oder wir können zur Sache kommen«, sagt Aurick und richtet sich auf.
»Wir sind bereits bei der Sache«, knurrt Dessin.
»Nein. Er hat recht.« Ich ziehe mich zurück in die Behaglichkeit von Ruths Hand, die meinen Rücken auf und ab fährt. »Wir sind aus einem bestimmten Grund hier. Lass uns loslegen.«
Dessin sieht mich an, unsicher, wie es nach diesem Hindernis weitergehen soll.
»Ich nehme an, du bist wegen etwas Bestimmtem hier, nachdem du fünf Jahre lang dafür gesorgt hast, dass wir dir immer knapp auf den Fersen waren.« Aurick setzt sich hinter den Schreibtisch und schenkt sich ein Glas Scotch ein.
Ein Muskel in Dessins Kiefer zuckt. »Die Vexamen-Zucht hat mir etwas weggenommen. Und du wirst mir helfen, es zurückzubekommen.«
»Was haben sie genommen?«
»Das geht dich nichts an.«
Ich möchte mich einmischen und sie dafür schelten, dass uns das nicht weiterbringt. Aber ich kann nicht. Ich bin wie erstarrt, gefangen in einer gläsernen Hülle. Eine zerbrochene Puppe zum Anglotzen.
»Wenn du meine Hilfe willst, schon«, argumentiert Aurick mit einem kühlen Lächeln.
»Oh, du wirst mir auch ohne diese Information helfen. Denn du bist derjenige, der will, dass ich diesen Krieg gewinne.« Dessin ragt wie ein Sensenmann über dem Schreibtisch auf, Schatten sammeln sich um ihn herum. Mir dreht sich der Magen um, als seine Hände die Kante des Tisches umklammern und das Holz durch sein Gewicht ein ächzendes Geräusch von sich gibt.
»Gut.« Aurick lehnt sich in seinem Stuhl zurück. »Aber ich kenne dich. Es gibt nichts, was ich in diesem Arrangement sagen kann, das dich glauben lassen würde, dass ich nicht versuchen würde, deinen Plan zu durchkreuzen.«
Der Raum ist so still, dass wir die Stimmen draußen laut hören können.
»Und um ehrlich zu sein, sehe ich kein Szenario, in dem du mich nicht hintergehen würdest. Mir bliebe nichts anderes übrig, als euch alle einzusperren, euch mit Mind Phantoms vollzupumpen und mein Bestes zu versuchen, den rebellischen Teil eurer Gehirne neu zu ordnen.«
Ich sehe Aurick an wie einen Tornado, der auf mich zukommt. Eine unheilvolle Präsenz. Warum dachten wir, wir könnten Demechnef vertrauen? Sie werden uns nicht helfen. Er hat es zugegeben.
»Ich habe etwas, das deine Meinung ändern wird. Möchtest du den Namen des Mannes erfahren, der deine Verlobte in die Luft gejagt hat? Derselbe Mann, der gleichzeitig ein Vexamen-Spion ist und sich in unserer Stadt aufhält?«
»Einer deiner Tricks?«
»Ich habe unwiderlegbare Beweise.« Dessin blinzelt nicht. »Aber wenn ich sie dir geben soll, wirst du sofort einen Vertrag mit meinen Bedingungen für unsere Kapitulation aufsetzen. Wir trainieren unter meinen Bedingungen. Halten uns an meine Regeln. Keine Folter. Keine Mind Phantoms. Ich habe das Sagen.«
»Irgendwie fühlt es sich an, als würden wir lauschen, meinst du nicht auch?«, flüstert Niles mir ins Ohr. Bevor ich mit den Augen rollen kann, zwickt Chekiss Niles in den Arm.
Nach einer kurzen Bedenkzeit nickt Aurick. »Lass sehen.«
»Setz zuerst den Vertrag auf.«
Aurick scheint es besser zu wissen, als sich mit Dessin darüber zu streiten. Die nächsten fünfzehn Minuten stehen wir einfach da, während sie die Feinheiten unseres Aufenthalts bei Demechnef aushandeln.
»Stellt euch hinter mich.« Warrose ist plötzlich an meiner Seite und bedeutet Ruth und mir, uns schnell hinter ihn zu bewegen. Ich sehe ihn fragend an, woraufhin er den Blick auf eine Ecke des Raumes richtet.
»Jetzt, bitte«, flüstert Warrose, eine Strähne seines langen dunklen Haars fällt über sein Auge. Ich trete einen kleinen Schritt zurück und stelle mich auf die Zehenspitzen, um über seine Schulter zu spähen und zu sehen, was passiert.
Dessin unterschreibt unten auf dem Pergament, dann greift er in seine Tasche und holt einen Umschlag hervor. Alt und zerknittert. Ich blinzle, um ihn besser sehen zu können.
Warte.
Ist das der Umschlag, den mein Vater für Kane hinterlassen hat?
Aurick reißt ihn auf und wirft das zerfetzte Papier zur Seite, als er ein Foto und etwas herauszieht, das wie ein Brief aussieht. Seine Augen weiten sich, die Hände ballen sich zu Fäusten und er hört auf zu atmen.
Warrose greift nach Ruths und meinen Armen, um uns an Ort und Stelle zu halten.
Der Raum verändert sich, als läge ein Gestank in der Luft. Dessin bleibt vollkommen still, beobachtet Aurick, wartet auf seine Reaktion. Es ist ein kurzer Blick hoch aus diesen blauen Augen. Eine Lawine von Gefühlen.
»Masten«, knurrt Aurick und wischt mit seinem Arm über den Schreibtisch, sodass sich alles, was darauf lag, über den Boden verteilt. Seine Scotchflasche zerspringt und die kalte Flüssigkeit ergießt sich über unsere Schuhe.
Masten. Er ist der Vexamen-Spion. Er hat Red getötet.
»Findet ihn!«, bellt er drei seiner Männer an.
Dessin tritt zur Seite, als Aurick aus seiner gefassten Haltung aufspringt, seinen Schreibtisch umstößt und niemand Bestimmten anbrüllt.
Warrose gluckst. »Du willst ihn nicht überwältigen?«
»Nicht im Geringsten«, sagt Dessin.
»Ich habe dir vertraut!«, brüllt Aurick und rammt seine Fäuste in die Kirschholzwände. »Meinem engsten Freund!«
»Das ist krank, nicht wahr?«, ergreife ich das Wort und trete um Warrose herum. »Jemandem zu vertrauen, der ein Doppelleben führt.« Ich hoffe, dass meine Worte ihm in die Rippen stechen, sich durch seine Knochen schneiden und sein Herz brechen, so wie er meines gebrochen hat.
Aurick hält inne und blickt zu mir herüber, während ihm der Schweiß von der Schläfe tropft.
»Wenn du damit fertig bist, komme ich zurück, um zu besprechen, wie wir die Vexamen-Zucht aufspüren können. Wir finden selbst zu unseren Zimmern.« Dessin bedeutet uns, durch die Tür zu gehen, durch die wir gekommen sind. Ich tausche einen Blick mit dem keuchenden Aurick, als wir an ihm vorbeikommen, während dieser besiegt die Wand hinunterrutscht. Einen Blick, der ihm sagt, dass ich das hier nicht vergessen werde.
Ich werde ihm nicht verzeihen.
Es gibt nur drei Zimmer, die wir uns teilen können, direkt nebeneinander. Dessin ist es wichtig, dass wir nicht getrennt werden.
Als Niles sieht, wie extravagant die Einrichtung ist – üppiger Teppich, dunkle Kirschholzwände, glitzernde Kronleuchter und große Federbetten –, pfeift er anerkennend und ruft: »Wir hätten uns schon früher stellen sollen!«
Doch dann realisiert er, dass er mit Chekiss zusammen schlafen muss, und seine gute Laune verflüchtigt sich schnell wieder.
Ich versuche, Ruth in ein gemeinsames Zimmer zu zerren, denn ich kann Dessin gerade nicht ansehen und ich lasse sie nicht in einem Zimmer mit einem fremden Mann schlafen.
»Hey«, bellt Dessin. »Nein. Du kommst mit mir. Ich werde dich nicht aus den Augen lassen.«
»Pech gehabt«, erwidere ich.
Warrose steht ein Stück weit weg, als würde er lieber in den Krieg reiten, als uns beim Zanken zuzusehen.
»Es ist okay. Ich kann mir mit Warman ein Zimmer teilen.« Ruth drückt meine Hand.
»Warrose«, korrigiert er sie, seine Stimme wie knirschende Blätter und Gewitterstürme.
»Mm-hmm.«
Ich schaue zwischen den beiden hin und her. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich Warrose vertrauen kann. Er hat etwas an sich, seine beruhigende Präsenz, die schützende Energie, die er ausstrahlt. Aber wenn ich ehrlich bin, geht es eher darum, dass ich nicht mit Dessin allein sein will. Ich weigere mich, mich von ihm dazu überreden zu lassen, seinen Verrat zu akzeptieren.
»Nein. Verdammt, nein.« Ich schaue Dessin in die Augen und es ist beinahe schmerzhaft. Meine Augen tränen unwillkürlich, als würde ich direkt in die Sonne blicken.
»Wir sind in der Kaserne mit Hunderten von nicht vertrauenswürdigen Männern, die nach den Frauen gucken kommen könnten, die gerade angekommen sind. Ich kann nicht zulassen, dass ihr beide zusammen in einem Raum bleibt. Ungeschützt.«
Sein Ton ist streng und doch flehend. Seine Überlegungen sind stichhaltig. Ich möchte Ruth nicht in Gefahr bringen, nur weil ich persönliche Gefühle für Dessin hege.
Ich nicke Ruth zu. »Okay, aber wenn du dich unwohl fühlst, hol mich bitte.«
Sie umarmt mich sanft und küsst mich auf die Wange.
Wir begeben uns in unsere Zimmer. Ich gehe direkt zum Fußende des Bettes, ziehe meine Schuhe aus und vermeide es, in seine Richtung zu schauen.
»Ich will darüber reden«, sagt Dessin und schließt die Tür. Jetzt willst du also über Aurick Demechnef reden?
Etwas in mir spuckt Feuer. Der kranke Geschmack des Verrats überzieht meine Kehle. Mir wird schlecht. Ich möchte ihm meinen Schuh an den Kopf werfen. Wie konnte er mir das nur verheimlichen?
Er hat seine Geheimnisse bewahrt. Ich habe mich gezwungen, das an ihm zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass er es am besten weiß. Zu akzeptieren, dass er einen Plan für uns hat. Zu akzeptieren, dass ich eine dumme, dumme Frau bin, die es nicht wert ist, die Tiefen seines Geistes zu kennen. Das ist Aurick Demechnef. Meine Hände ballen sich auf der Samtdecke des Bettes zu Fäusten. Er wird dir wehtun. So wie Jack dir wehgetan hat. Die Wut lässt die Muskeln in meinem Bauch, meinem Rücken und meinen Schenkeln vibrieren. Ich glühe vor Schmerz, der an meinem Herzen nagt und eine Messerspitze langsam in meine Arterien stößt. Wie konnte er mir das antun?
»Fick. Dich.« Ich kann kaum noch atmen. Tränen des Ekels betteln darum, mich von dem stechenden Druck hinter meinen Augen zu befreien.
»Ich weiß, du verstehst nicht –«
»Weil ich ein dummes kleines Mädchen bin, richtig? Hast du innerlich gelacht, als du erfahren hast, dass ich mich freiwillig in die Höhle des Löwen begeben habe? Hast du den Kopf über meine Naivität geschüttelt, als ich seine Hausregeln wie ein Haustier befolgt habe?« Ein Feuerregen durchzuckt meine Seele.
Dessins Gesichtsausdruck wird hart, gefährlich. Als hinge sein Zorn an einem seidenen Faden. »Nicht«, warnt er.
»Oder als ich mich in die Ecke seines Zimmers verkrochen habe, nachdem er mich geschlagen hatte? Nachdem seine Faust auf meinen Wangenknochen traf? Oder als ich schluchzend in der Ecke gesessen und mich gefragt habe, warum du mich nicht gerettet hast? Hast du da gelacht?« Ich springe auf die Beine, den Körper in Kampfhaltung verkrampft. Mein Blut rast wild durch meine Adern, ein Fluss aus Säure.
Dessin zittert förmlich, seine Brust hebt sich schnell, um mehr Sauerstoff zu bekommen. »So wahr mir Gott helfe, Skylenna.«
»Ich hasse dich!«, krächze ich, meine Tränen quellen über und kommen so schnell, dass sie einen Ozean füllen könnten. »Ich will weder dich noch Kane heute Abend sehen. Geh!« Ein Schluchzen bricht aus meiner Brust. Auch Kane kann ich im Moment nicht trauen. Was immer Dessin weiß, weiß Kane auch. Sie haben mich beide belogen. Sie haben mich beide wie eine Idiotin dastehen lassen. Sie ließen mich im Haus eines schrecklichen Herrschers leben, eines gestörten Psychopathen.
Dessin sieht mich einen langen Moment an und beobachtet, wie ich schluchze, schniefe und meine Arme um meinen eigenen Körper schlinge, um mich zu trösten und den rasenden Zusammenbruch zu beruhigen.
Er nickt einmal, als wäre das alles, was er tun könnte, um nicht zu mir zu eilen, mich in seine Arme zu nehmen und mich zu beruhigen. Mir zu sagen, dass ich bei ihm sicher bin.
Es dauert ein paar Augenblicke, während ich darum kämpfe, meine Fassung wiederzuerlangen. Seine braunen Augen werden glasig und sein Körper entspannt sich. Die Schultern sinken, die Fäuste lockern sich, seine Brauen werden weicher. Es ist, als ob er in einen Tagtraum abdriften würde.
Er geht, aber sein Körper bleibt. Der Mann, der vor mir steht, blinzelt mehrmals und blickt sich verwirrt im Raum um. Doch als sein Blick auf mir landet, verziehen sich seine Lippen zu einem Lächeln. Aber es ist schnell, vorübergehend. Er scheint meine rosigen, tränenverschmierten Wangen und meine bebenden Schultern zu bemerken. Das verruchte Lächeln verschwindet und ein Paar dunkler Augen mustert mich, studiert meine Körpersprache.
»Bist du verletzt?« Es ist sein Akzent, der ihn verrät. Die seidige, elegante Art, wie er jedes Wort ausspricht. Der beruhigende, sinnliche Tonfall. Die glühenden Kohlen in seinen Augen.
Greystone.
»Ja.« Ich nicke und schniefe. »Ich bin verletzt.«
Ich bin völlig zerfetzt. Mein Inneres ist eine Pfütze um mich herum. Und ich kann nicht atmen.
Greystone tritt einen Schritt näher, sein Gesicht ist untypisch ernst und verkniffen vor Sorge. Er tippt seine Finger aneinander, unsicher, wie er mich trösten kann.
»Darf ich dich trösten?«, fragt er.
Weitere Tränen strömen aus meinen Augen, als ich nicke. »Ja.« Bitte.
Greystone schließt den winzigen Abstand, der noch zwischen uns ist, und wischt mit seinen Daumen die Tränen von meinen Wangen. Ich lehne mich in seine Berührung, dankbar für die Nähe, den sanften Trost.
»Es ist okay«, säuselt Grey und sein kühler Atem streift meine Wange.
Mit rücksichtsvoller Vorsicht schlingt Greystone seine Arme um meine Schultern und zieht mich an seine Brust. »Es ist okay.«
Ich lege meine warme, feuchte Wange an seine Schulter. »Er ist ein Mistkerl«, wimmere ich.
»Das weiß ich schon seit einiger Zeit, ja«, seufzt er.
Ich gluckse zwischen den Schluchzern und kuschle mich enger an seine Brust. Sein Duft ist mein sicherer Ort und etwas anders als der von Dessin. Es ist das reiche Aroma von Zedernholz und dunklem Moschus. Ich liebe es, ihre Unterschiede zu bemerken. Das, was jeden Alter einzigartig macht.
»Du riechst gut«, flüstere ich.
»Das weiß ich auch.«
Ich lache wieder. »Es tut mir leid, dass du so auftauchen musstest. Ich bin sicher, das ist nicht dein normaler Trigger.«
»Eigentlich«, er schiebt mir mein gewelltes goldenes Haar von einer Schulter, »ist das Geräusch von Weinen, das wie Stöhnen klingt, ein negativer Trigger für mich.«
Ich richte mich auf, während sich mein Magen zu einem Knoten verdreht. »Oh.« Etwas Schreckliches frisst sich in meine Gedanken. Ich kann mir nicht vorstellen, was dieses Geräusch ihn durchleben lassen muss.
»Denken wir nicht weiter darüber nach«, sagt er leise. »Legen wir uns hin.«
Ich lasse mich von ihm zu dem weichen Bett führen. Es quietscht nicht einmal, als wir uns auf die riesigen Kissen legen. Ich schlüpfe unter das cremefarbene, seidige Laken, unter das Gewicht der Bettdecke. Greystone lehnt sich an das Kopfteil und positioniert mich zwischen seinen Beinen, die Arme um mich geschlungen, während er mich an seine Brust zieht. Ich runzle die Stirn. So habe ich Scarlett immer gehalten, wenn sie einen Zusammenbruch hatte. So konnte ich ihr Temperament zügeln.
»Wusstest du es?«, frage ich behutsam. »Die Sache mit Aurick.«
»Was ist mit ihm?«
»Dass er der Anführer und Erbe von Demechnef ist?«
»Natürlich«, murmelt er und zuckt mit den Schultern, als wäre es offensichtlich.
Ich beiße meinen Kiefer fest zusammen. »Und du hast auch nicht daran gedacht, es mir zu sagen?«
»Warum sollte das Gespräch darauf fallen?«
»Weil ich unter seinem Dach gelebt habe!« Ich drehe meinen Hals, um einen Seitenblick auf ihn zu erhaschen.
Greystone wird völlig still. Die Arme fest um meine Taille geschlungen.
»Hast du?«
Wow, Dessin hält ihn wirklich nicht auf dem Laufenden. Ich seufze und lehne mich zurück an seine Brust, atme tief durch, um das in mir entflammte Bedürfnis, um mich zu schlagen, zu beruhigen. Aber es ist schwer. Wie kann ich diese Art von Verrat ignorieren? Wie können wir das überwinden?
»Wir sind uns ähnlicher, als ich anfangs dachte«, sage ich.
»Wir sind beide zu jeder Stunde des Tages unersättlich erregt?«
Ich schnaube. »Nein. Wir werden beide im Dunkeln gelassen.«
»Ah.« Er atmet aus, sein Atem windet sich durch mein Haar. »Anscheinend bin ich leichtsinnig und nicht besonders gut darin, Geheimnisse zu bewahren.«
»Wenigstens kennst du die Gründe, aus denen sie dich anlügen.«
Er ist so still, dass ich mich frage, ob er eingeschlafen ist.
»Ich wünschte, Scarlett hätte jemanden wie dich gehabt, der sie beschützt, als sie ein Kind war«, sage ich.
»Deine Schwester.« Er nickt, erleichtert, dass er zumindest das weiß.
»Ja. Sie wurde als kleines Mädchen … verletzt. Am Ende war es zu viel für sie.«
»Ich verstehe.«
»Was ich damit sagen will, ist, dass du viel wichtiger bist, als man dir zugesteht. Deine Existenz hat Kane wahrscheinlich das Leben gerettet, so wie ich mir wünsche, dass sie Scarlett das Leben gerettet hätte.« Ich drehe mich nach links und sehe ihn an, immer noch zwischen seinen Beinen liegend. »Du bist wichtig, Greystone.«
Seine kalten, dunklen Augen weiten sich, während sein Atem schwer wird. Er sucht in meinen Augen nach der Wahrheit in meiner Aussage. Es bricht und wärmt mir das Herz, zu sehen, wie dankbar er ist, geschätzt zu werden. Ich nicke zweimal und schenke ihm ein trauriges Lächeln.
»Bitte lass mich dich küssen«, haucht er gegen meinen Mund, seine Hand gleitet meinen Hals hinauf. Er ist heiß unter seinem Hemd, fiebrig bei der Berührung, als würde er in Flammen aufgehen, wenn er den Geschmack meiner Lippen nicht bekommt.
»Okay.«
Er senkt seinen Kopf, um meinen Mund zu erobern. Plötzlich wird mir klar, dass ich ihn noch nie geküsst habe. Und es ist anders. Sein Atem ist heiß, seine Lippen öffnen sich langsam auf meinen, seine Zunge gleitet träge in meinen Mund, als würde er sich Zeit nehmen, mich zu erforschen.
Ich schmiege mich an seine Brust und spüre, wie er an meinem Hintern hart wird. Die Art und Weise, wie er sich bewegt, ist wie eine Kunst. Er genießt meinen Geschmack, lässt seine Zunge gegen meine gleiten. Und mein Gott, er weiß, was er tut. Denn dieses Lecken, dieser süße Geschmack, lässt mich meinen Rücken seiner Erektion entgegenwölben. Ich drücke mich an ihn und stöhne auf, als er meinen Mund mit seinem Daumen aufschiebt und an meiner Unterlippe saugt.
»Brauchst du mich heute Nacht, Hübsche?«, fragt er rau meinen Lippen.
»Ja.« Ich brauche ihn wirklich. Es lindert meine brennende Wut, die wie ein Tumor in meinem Bauch sitzt. Ich will vergessen, was Dessin getan hat. Ich will so tun, als wäre nichts davon passiert. Nur für heute Nacht.
»Ja, was?«
»Bitte. Ja, bitte!« Ich rolle meine Hüften gegen ihn und lasse ihn die Weichheit meines Hinterns spüren.
Er lacht dunkel, seine Hände gleiten meine Taille hinauf und bleiben auf meinen Brüsten liegen. »Möchtest du, dass ich dir heute Abend etwas Neues beibringe?«
Ich nicke und keuche, als seine Finger meine Nippel streicheln. Mein Kopf fällt zurück gegen seine Schulter.
»Gut, denn mir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn ich daran denke, wie du deinen weit aufreißt.«
Ich weiß nicht, was er damit meint, aber sein Tonfall bringt mich dazu, meine Schenkel zusammenzukneifen und zu versuchen, das heiße Bedürfnis, dort berührt zu werden, zu kontrollieren. Mit einem Arm unter meinen Beinen und dem anderen um meinen Rücken hebt er mich vom Bett und setzt mich sanft auf dem Teppich ab. Ich ziehe meine Füße unter meinen Hintern und schaue zu ihm hoch, während er über mir thront.
»Mein Gott«, säuselt er und leckt sich über die Lippen, während er meinen Körper mit diesen hinterlistigen Augen verschlingt. »Du bist umwerfend, wenn du so auf den Knien sitzt. Ein wunderschönes kleines Opfer für mich.«
Ich schlucke laut und versuche, meine stockenden Atemzüge zu beruhigen.
»Bring es mir bei«, flehe ich. Lass mich vergessen.
Er lächelt. »Ich möchte, dass du mein Bedürfnis nach dir spürst.« Er greift nach meiner Hand und führt sie zu der prallen Länge in seiner Hose. Ein Strom schwirrender Energie schießt meinen Arm hinauf, als ich sein sichtbares Verlangen nach mir berühre. Ich habe fast vergessen, wie groß er ist, meine Hand bedeckt kaum den unteren Teil seines Schafts.
»Mmm.« Greystone drückt meine Hand stärker gegen sich, drängt mich, sein Pulsieren unter meinen Fingern zu spüren. »Knöpfe sie auf.«
Ich schaue auf die drei Knöpfe seiner schwarzen Hose, die genau unter meiner Handfläche sitzen. Ich nicke und hebe meine andere Hand, um die Hose zu öffnen.
»So ist es gut«, lobt er mich. »Jetzt zieh sie runter.«
Ich blinzle. Zieh sie runter. Ich habe ihn nur in der Dunkelheit des dreizehnten Zimmers gesehen. Und dieser Raum ist angenehm beleuchtet. Und ich bin auf meinen Knien. Meine Hände zittern, als ich nach seinem Hosenbund greife und die Hose herunterziehe, bis er frei ist. Lang und hart wie Stein. Ich versuche, nicht schockiert auszusehen, meinen Mund geschlossen zu halten. Aber Graystone beobachtet mich, und er ist größer, als ich mich erinnere.
»Du willst deine Hände um mich legen«, sagt er, sein Akzent ist wie eine Zunge, die zwischen meinen Beinen leckt. »Also, tu es. Berühre mich.«
Ich fahre mit meinen Fingern zuerst über seine Spitze und dann den Schaft entlang. Ein leises Ausatmen entweicht seiner Brust. Das Gefühl ist leicht an meinen Fingerspitzen, aber stark genug, um mich vor elektrischer Begierde und unstillbarer Erregung zusammenfahren zu lassen. Ich presse meine Knie zusammen, unfähig, mit der Bedürftigkeit umzugehen, die er in mir auslöst.
»Na los, wickle deine hübschen kleinen Hände darum.«
Meine Pussy tropft und ich kann nicht sagen, was mich mehr erregt: seine Stimme oder die Härte zwischen meinen Händen.
Ohne weiter darüber nachzudenken, tue ich, was er sagt, umschließe ihn mit beiden Händen, spüre das Pulsieren unter meinen Fingern, die Hitze in meinen Handflächen.
»Braves Mädchen.«
Sein Stöhnen ist ein Aphrodisiakum, ein heiserer Klang, der mich in einen wollüstigen Rausch versetzt. Ich möchte Dinge mit ihm machen. Berühren, reiben, spüren, wie er sich in mir bewegt.
»Bitte.« Ich streichle ihn verzweifelt, als ob ich etwas brauche, es aber nicht genau benennen kann. Es ist die Spannung, die sich wie ein Topf mit kochendem Wasser in meiner Mitte aufbaut und mich zu einem tollwütigen Tier macht.
»Öffne deinen Mund für mich.« Seine Stimme ist distanziert und angestrengt, aber immer noch sehr beherrscht. »So ist es richtig, ein bisschen weiter.«
Ich klappe meinen Kiefer auf und schaue ihn mit gespannter Erwartung an.
»Willst du meinen Schwanz schmecken?«
Will ich das? Ja. Verdammt, ja. Ich nicke wie hypnotisiert.
Er kneift die Augen zusammen. »Zeig mir deine Zunge.«
Die Spitze seines Schwanzes gleitet so langsam in meinen Mund, dass es eine Qual ist. Ich stöhne auf, weil ich spüre, wie er meinen Kiefer lockert, und das scheint seine sorgfältige Verführung zu entfesseln.
Sein dicker Schwanz dringt in meinen Mund ein, bis er an einem Punkt stoppt.
»Lass deine Hände darum. Ja, genau so.« Er streicht mir die Haare aus dem Gesicht. »Du kannst mich schmecken, an mir saugen oder mich lecken, wie du willst – Mmm.« Sein Kopf fällt zurück und das Geräusch, das er ausstößt, lässt mich innerlich erzittern.
Das kehlige Stöhnen durchtränkt mein Höschen und beraubt mich aller damenhaften Ideale, die ich noch habe. Ich lecke seine Länge entlang, rauf und runter, schmecke, wirbele, bete jeden Zentimeter an. Und je mehr ich das tue, desto heftiger keucht er. Die Töne, die er von sich gibt, heizen das Kribbeln zwischen meinen Beinen noch mehr an. Ich beginne zu stöhnen, während ich ihn in mich hineinwürge und seine Spitze den hinteren Teil meiner Kehle berühren lasse.
»Du bist so ein braves Mädchen«, sagt er.
Ich brauche das. Genau hier kann ich vergessen, ich kann glauben, dass es nie passiert ist. Und ich habe es sogar geschafft, meine Wut zu ertränken und sie mit Lust zu füllen. Greystone knurrt im Einklang mit dem Rhythmus meiner Bewegungen und nutzt meine Hände, die den Rest seines Schafts umfassen. Er windet sich, seine Finger flechten sich in mein Haar, er ist mir völlig ausgeliefert.
»So?«, frage ich und ziehe mich sanft zurück.
»Ja.« Er lächelt, die Augen nur halb geöffnet und verhangen. »Das machst du so gut.«
Ich nehme ihn wieder in meinen Mund, diesmal gieriger, schneller, tiefer.
»Sweetheart, du bringst mich dazu, mich – zu verlieren.«
Aber ich höre nicht auf. Ich nehme eine Hand von ihm, um mich selbst zu berühren, reibe zwischen meinen Beinen, bis ich einem Inferno der Lust nachjage. Ich stoße ein gehauchtes Stöhnen aus und Greystone ballt seine Hände zu Fäusten und grunzt.
»Willst du, dass ich dir in den Mund spritze, Sweetheart?«
»Mm-hmm.«
»Dann musst du für mich kommen und deine hübsche kleine Klit direkt vor mir reiben. Kannst du das tun?« Sein Ton ist autoritär und mit dicken Tropfen der Lust durchzogen. Als Antwort stöhne ich gegen ihn.
»Denn wenn ich dich wieder küsse, möchte ich das Zeichen schmecken, das ich in dir hinterlasse. Dass du uns gehörst.«
Ich explodiere. Völlig überwältigt von einem Feuersturm aus Euphorie, Glückseligkeit und quälender Lust, den man leicht mit einer Droge verwechseln könnte. Das Geräusch, das meine Kehle hinaufrumpelt, wird von seinem Schwanz unterbrochen, der mich ausfüllt. Greystone zuckt und keucht, als er sich über meine Zunge ergießt, salzig und süß zugleich. Als er aufhört zu pulsieren, zieht er sich aus mir heraus, fasziniert davon, wie Tropfen von ihm durch meine Lippen sickern.
Mit der Daumenkuppe wischt er die heiße Flüssigkeit weg.
»Schluck.«
Ein Schlucken und es rinnt mir die Kehle hinunter. Alles von ihm.
Greystone brummt zustimmend, hebt meinen zitternden Körper vom Boden hoch, steckt mich unter die Decke und schmiegt seinen Körper an meinen.
»Du bist nicht mehr allein im Dunkeln«, flüstert er.
»Ich schwitze an ganz komischen Stellen.« Niles holt mich ein und joggt links neben mir her, als wäre er kurz davor, tot umzufallen.
Als ich aufgewacht bin, war Dessin schon weg und traf sich mit Kriegsstrategen, um zu planen, wie wir DaiSzek retten werden. Ließ mich zurück, um in meiner Enttäuschung, meiner Einsamkeit, meinem stillen Zorn zu schwelen.
Warrose sorgte dafür, dass der Rest von uns sich anzog, frühstückte und den Berg zum Training verließ. Chekiss wurde in die Bibliothek geschickt; seine Lungen können nach Jahren des Ertrinkens keine körperliche Anstrengung mehr vertragen. Er liest lieber über Kriegsstrategien. Schärft seinen Verstand mit allem, was Demechnef ihm bieten kann.
Warrose führt uns in einem langsamen Joggen durch felsiges Gelände. Wir sind mit Wanderstiefeln, lockeren moosgrünen Tuniken und weichen schwarzen Hosen ausgestattet.
»Dito«, antworte ich Niles. Ich bin von Kopf bis Fuß mit klebrigem Schweiß bedeckt und keuche, als würde ich gleich eine Lunge aushusten, dabei sind wir erst seit sieben Minuten unterwegs.
»Beeil dich, Ruthie«, ruft Niles über seine Schulter.
Ich schaue zurück zu Ruth und sehe, wie sie in einen schnellen Gang verfällt und den Kopf schüttelt. Ich werde langsamer und warte darauf, dass sie mich einholt. »Ich bin durch.« Sie wedelt mit der Hand, scheucht uns weg.
Niles und ich kommen beide zum Stehen.
»Bist du verletzt?« Warrose ist plötzlich zwischen uns und stapft auf Ruth zu, die sich völlig außer Atem auf den Boden setzt.
»Nein.« Sie schüttelt den Kopf. »Aber Frauen sind nicht dafür gemacht, Sport zu treiben, deshalb fasten wir und kontrollieren unser Essen.«
Ah. Wir müssen sie zu den Sturmweisen bringen. Da könnte sie einiges lernen.
Warrose schnaubt, ein tiefer, rauer Ton. »Das ist Bockmist.«
»Wie bitte?«
»Bock. Mist.« Er betont jedes Wort, als würde er versuchen, mit einer fremden Spezies zu sprechen. »Eine Frau kann alles tun, was ein Mann tun kann. Sogar mehr.«
Ruth richtet ihren Rücken auf und weicht seinem tödlichen Blick aus.
»Ich gehe nicht mehr weiter. Ich treffe euch alle in unseren Zimmern wieder.« Sie verschränkt ihre vor Schweiß glänzenden Arme, fest entschlossen, ihre Position im Dreck nicht zu verlassen.
Warrose steht drei Sekunden lang still und beobachtet sie wie ein Aasgeier, den Kiefer verspannt beim Anblick ihres zierlichen Starrsinns.
»Ruth …«, warne ich.
»Mir war nicht bewusst, dass ich mich in der Gegenwart einer Königin befinde.« Die Worte verlassen seinen Mund wie Gift aus den Zähnen einer Schlange.
»Ich bin nicht interessiert an – Oh, hey! Was machst du da?!« Ruth quiekt, als er ihren zierlichen Körper über seine Schulter wirft. »Du bist komplett verschwitzt!« Sie schlägt ihm auf den Rücken.
Niles und ich tauschen mit hochgezogenen Augenbrauen einen Blick, dann brechen wir in Gelächter aus.
»Los geht’s, wir haben noch einen Kilometer vor uns«, befiehlt Warrose, während er losrennt.
»Wowwww!« Niles verschluckt sich und versucht sich an einem langsamen Klatschen. »Ich lade mich in seiner Gegenwart praktisch selbst wieder mit Testosteron auf!«
Er rennt mit einer fünfundfünfzig Kilo schweren Frau, die wie eine Stoffpuppe über seiner Schulter hängt. Und Niles und ich starren, unfähig, uns zu bewegen, unfähig, unsere Augen von Ruths schreiendem, wippendem Kopf loszureißen.
»Jetzt!«, bellt Warrose.
Niles gibt mir einen spielerischen Schubs, während wir losjoggen, um sie einzuholen …
»Du hast also unwissentlich in der Höhle des geheimen Demechnef-Anführers gelebt.«
»Ich möchte wirklich, wirklich nicht darüber sprechen.« Der Schmerz ist noch zu frisch. Das Laufen hilft, aber jedes Mal, wenn mir Dessin oder Aurick in den Sinn kommen, möchte ich schreien.
»Ich habe ihn nie gemocht.«
»Du hast ihn nie getroffen.«
»Ich habe ein Gespür für Menschen.«
Ich lache durch meine schweren Atemzüge hindurch. »Sind wir wieder bei Amor?«
»Er ist wahrscheinlich kein schlechter Kerl. Er hat seine Verlobte verloren. Seine Seelenverwandte an den Sensenmann zu verlieren, kann schreckliche Dinge im Kopf eines Menschen anrichten.«
Ich erinnere mich an die kurzen Momente, in denen er über Red gesprochen hat. Wie sein Vater sie verletzt hatte. Wie sie ihm alles erzählt hat. Vielleicht hat Niles recht.
Wir halten vor einem Kanal, türkisfarbenes Wasser und leises Plätschern begrüßen uns. Warrose dreht sich zu uns um. »Wir schwimmen rüber und dann sind wir für heute fertig.«
Nein. Nope.
»Bevor ich da ankomme, bin ich schon ertrunken«, spricht Niles aus, was ich denke.
»Nein, bist du nicht.«
Ruth zappelt, bis Warrose sie absetzt. »Ich werde schwimmen«, stimmt sie zu, weil sie nicht wieder über seine Schulter geworfen werden möchte.
Ich seufze. »Gut. Aber ich hoffe für dich, dass es einiges zu essen gibt, wenn wir zurückkommen.«
Niles nickt zustimmend.
Er und Warrose ziehen ihre feuchten Tuniken aus und werfen sie auf den Boden.
Ich schaue zu Ruth hinüber, deren Gesicht meinen offenen Mund widerspiegelt. Sie starrt, als hätte sie noch nie Männer ohne Shirt gesehen.
Niles ist schlank und durchtrainiert, wahrscheinlich weil er in der Anstalt sein Bestes gegeben hat, um seinen kräftigen Körperbau zu erhalten. Aber Warrose ist ein ganz anderer Typ. Sein Bauch ist in hervorstechende Quader unterteilt, Arme und Brust sind wie massive Hügel. Er ist ungefähr so groß wie Niles, nur drei oder vier Zentimeter kleiner als Dessin.
Obwohl Niles in seiner goldenen Haut strahlt, ist Warrose’ dunklerer Teint auf ganz andere Art ein schöner Anblick. Seine Haut hat einen hellen Braunton, kombiniert mit Augen, die je nach Lichteinfall grün, braun oder golden schimmern und zum Wasser passen, das an unseren Füßen vorbeischwappt. Sie wenden sich dem Kanal zu, beide glänzen vor Schweiß. Ruth und ich gaffen wie zwei hirnlose Kleinkinder.
»Schreit, wenn ihr Hilfe braucht«, sagt Warrose und streicht sein langes, dunkles Haar zurück.
»Wirklich aufmunternde Worte«, stöhnt Niles.
Die Männer gehen zuerst rein, sie steigen in das kristallklare Wasser und lassen sich in den langsamen Strom gleiten.
Ruth legt mir eine Hand auf die Schulter. »Diese Kleidung wird uns nur verlangsamen.«
Ich sehe sie an und bemerke das verschmitzte Funkeln in ihren braunen Augen, das schüchterne Zucken ihrer spitzen Schulter. »Ich wusste, dass ich dich schon immer mochte.« Ich lächle zurück. Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, um es Dessin und Kane unauffällig heimzuzahlen.
Während Niles und Warrose uns den Rücken zuwenden, ziehen Ruth und ich schnell unsere Kleidung aus. Ich werfe einen Blick auf Ruths Unterwäsche. Sie trägt ein rosafarbenes Seidenhöschen und einen passenden BH. Ihre Rippen stehen hervor, als hätte sie seit Jahren nichts Anständiges mehr gegessen. Scharfe Hüftknochen, eingefallener Bauch, flache Brust. Ich schaue schnell weg, angewidert von dem, was die Stadt ihr angetan hat, aber auch voller Hoffnung, dass wir ihr wieder eine gesunde Perspektive aufs Essen vermitteln können.
Sie wirft einen Blick auf meine Unterwäsche. Ein schwarzes Spitzenset, das Runa in meinem Rucksack verstaut hat, zusammen mit ein paar anderen. Ich werde mich bei ihr bedanken müssen, wenn ich sie jemals wiedersehe.
Wir steigen in das kühle Wasser hinab.
»Auf gar keinen Fall.« Warrose stoppt, schaut nur in unsere Gesichter, um einen Blick auf unsere unbekleideten Körper zu vermeiden.
»Die Kleidung würde uns ausbremsen«, sagt Ruth.
»Zieht sie wieder an.« Sein Blick ist unlesbar. Seine Augen glitzern wie das Meer in der Morgensonne. »Ich werde nicht noch einmal fragen.«
»Gut, dann mach es nicht.« Damn, Ruth.
Niles formt mit seinen Lippen ein O.
Warrose dreht sich zu mir, die Kinnlade runtergeklappt. »Dessin würde mir die Milz rausschneiden, wenn er wüsste, dass ich dich … unanständig bekleidet gesehen habe.«
»Dessin hat kein Mitspracherecht mehr bei dem, was ich tue«, sage ich und halte Ruth an den Händen, während wir uns tiefer in den Kanal gleiten lassen.
Wir zischen, schnaufen und stöhnen über den eisigen Strom, der über unsere Haut fließt. Aber als ich mich daran gewöhnt habe, ist es angenehm, wie ein kaltes Getränk an einem heißen Tag.
Warrose starrt mich einen Moment lang an und fährt sich mit der nassen Hand durch sein glänzendes Haar.
»Wenn ihm irgendjemand erzählt, dass ich Skylenna halbnackt gesehen habe, schläft diese Person draußen in der Kälte. Verstanden?«
Alle nicken. Niles tut dies mit einem Lächeln, bei dem sich seine Wangen vor Entzücken röten.
Wir fangen an zu schwimmen, strampeln mit den Beinen und paddeln mit den Armen durch das Wasser, das in den riesigen Emerald Lake führt. Ich habe das noch nie jemandem erzählt, aber ich bin schon mein ganzes Leben lang eine bemerkenswert starke Schwimmerin gewesen. Wenn ich mit meinem Vater in die Red Oaks gefahren war und wir uns an den Nachmittagen in der Lagune hatten treiben lassen, schwamm ich stets so schnell ich konnte von einer Seite zur anderen.
Und obwohl ich vom Joggen geschwächt bin und bereits Muskelkater habe, gleite ich mit jedem Zug voran, atme tief durch die Nase ein, während ich den Strom an mir vorbeischiebe und Warrose einhole.
»Sieh mich nicht an«, sagt er, nur leicht außer Atem.
»Habe ich nicht.«
»Ich spreche nicht mit dir.«
Wasser spritzt mir ins Gesicht und ich falle ein paar Zentimeter zurück, um es aus den Augen zu bekommen.
»Es ist nichts Persönliches«, keuche ich.
»Sag das noch mal, wenn meine Eier nicht mehr an meinem Körper hängen.«
Ich zucke zusammen.
»Er macht das so, weißt du? Passt die Strafe dem Verbrechen an. Er entscheidet, welche Körperteile dein Ego am meisten verletzen würden.« Warrose stößt ein Lachen aus.
Ich weiß es. Ein ungewolltes Bild von Albatross’ Gesicht taucht in meinem Kopf auf. Die dicken rosafarbenen Narben, die Dessins Namen formen. Die Stellen, an denen sein Mund zugenäht worden war. Er ist ziemlich kreativ, das muss ich ihm lassen.
»Er wird dir nicht wehtun, weil er weiß, dass mich das nur noch mehr aufregen würde.« Es fällt mir immer schwerer, einen Satz zu bilden, weil ich kaum Luft kriege. Ich bin praktisch am Keuchen.
»Was er getan hat, war nicht aus Rache, Skylenna. Du hast keine Ahnung, was für eine Last er auf sich lädt, wenn er dich im Ungewissen lässt. Es macht ihn fertig. Aber er muss es tun. Und ganz ehrlich, du wirst dir wie ein Arschloch vorkommen, wenn du begreifst, warum er es tun musste.«
»Hey, ihr Wasserratten! Ich stecke fest!«, ruft Niles hinter uns. Warrose und ich drehen uns um und treten Wasser.
»Was ist los?«, frage ich.
Auch Niles tritt auf der Stelle, hat aber Mühe, den Kopf über Wasser zu halten.
»Mein Fuß! Er hat sich in einer Wurzel verfangen oder so.«
Warrose knurrt leise. »Ich komme.«
»Lass dir Zeit. Ich ertrinke nur.«
Ruth treibt neben mir und versucht, ihre Atmung unter Kontrolle zu halten. Sie blickt mich mit rotgeränderten Augen an und formt mit den Lippen ein Ich hasse das hier. Ich schnaube. Ich auch.
Bevor Warrose Niles erreicht, taucht rechts von ihnen ein goldenes Objekt auf, langsam und einschüchternd. Niles schreit auf und sein Mund schwappt voll Wasser. Es ist ein Kopf, ein hübsches Gesicht, braune Haut und große Augen. Der Waldjunge. Der Mann von den Naiadales. Die Emerald-Lake-Kolonie.
»O Scheiße!«, jammert Niles und fuchtelt mit den Armen, um von dem Mann wegzukommen.
»Es ist okay!«, rufe ich, während ich meine Arme durch das Wasser schiebe, um näher an ihn heranzukommen. »Er wird dir nicht wehtun.«
»Er hat versucht, mich zu töten!«
Der Naiadales-Mann hebt eine dicke, gewundene Wurzel aus dem Wasser, die an beiden Enden ungleichmäßig abgeschnitten ist. Er hat Niles losgeschnitten. »Frei«, sagt er, ein beruhigendes Flüstern.
Niles starrt ihn an, die rosa Lippen leicht geöffnet, das nasse Haar fällt ihm in die Stirn.
»Ich bin Rydran.« Und schon ist er weg, sinkt zurück ins Wasser, die Beine treiben ihn aus unserem Kreis der Erschöpfung.
Ruth und ich sitzen einander im Speisesaal gegenüber, das Wasser tropft von unseren Haaren in unsere Schöße, wir haben schrumpelige Finger und tragen weite Männerkleidung.
Es ist, als ob Auricks Herrenhaus zu einem riesigen Speisesaal umfunktioniert wurde. Gewölbebögen aus Kirschbaumholz und Wände, die mit komplizierten Mustern verziert sind. Es gibt fünf rechteckige Tische, die kilometerlang zu sein scheinen, dekoriert mit silbernen Platten mit gebratenen Schweinen, gedünstetem Gemüse und frisch gebackenem Brot. Das Lachen der Männer und das Klirren von Silberbesteck dröhnt durch den Raum.
»Die Leute starren uns an«, kommentiert Ruth und nimmt einen kleinen Bissen von einer Erdbeere.
»Das liegt daran, dass es hier keine Frauen gibt. Sie denken wahrscheinlich darüber nach, wie sie dich und Sky–«
»Willst du, dass ich Dessin erzähle, wie dieser Satz endet?« Warrose starrt Niles an und stochert mit seiner Gabel in einem Haufen Brokkoli herum.
»Iss dein Essen, Junge.« Chekiss setzt sich mit seinem Teller zu uns und schenkt mir ein schüchternes Lächeln.
Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder Ruth zu und beobachte, wie sie das Essen beiseiteschiebt und ein Stück Obst zerpflückt, bis es klein genug ist, um ihr kein schlechtes Gewissen zu machen.
Mir dreht sich der Magen um. Sah ich damals bei den Sturmweisen auch so aus? Einer Gehirnwäsche unterzogen?
Und was noch schlimmer ist, ich kann für sie nicht das tun, was Asena für mich getan hat. Ich kann ihr nicht sagen, dass es akzeptabel ist, zu essen, bis sie satt ist. Denn wir sind nicht mehr im North Saphrine Forest. Wir sind im Herzen von Demechnef. Der Quelle, aus der diese lächerlichen gesellschaftlichen Normen stammen.
Aber als ich versuche, mich abzuwenden und mich auf das Gezänk zwischen Niles und Chekiss zu konzentrieren, sehe ich, wie Warrose Ruth dabei studiert, wie sie ihr Essen hin- und herschiebt. Er stößt sie mit seinem Ellbogen an.
»Iss«, sagt er in gedämpftem Ton, als wollte er keine Aufmerksamkeit darauf lenken, dass sie ihr Essen nur umschichtet.
Sie hebt eine Augenbraue. »Das tue ich.«
»Nein, du spielst mit deinem Essen.« Sein Ton wird weicher. Die leichte Falte auf seiner Stirn zeigt, dass er versucht, geduldig mit ihr und den Normen zu sein, mit denen sie aufgewachsen ist. Wie falsch sie auch sein mögen.
»Nein, ich portioniere mein Essen wie eine Dame.«
Seine Augenlider fallen zu, als würde er gegen den Drang ankämpfen, die Augen zu verdrehen.
»Meine liebe Königin, wenn du nicht isst, wirst du ohnmächtig. Wenn du in Ohnmacht fällst, muss ich deinen glitschigen Körper vom Boden heben und dich zurück in unser Zimmer tragen. Zwing mich nicht dazu. Ich bin müde.« Er schluckt, dann lehnt er sich näher zu ihr. »Bitte. Ich versuche nur zu helfen.«
Ruth wendet sich ihm mit einem herablassenden Lächeln zu. »Du bist keine Frau, also lass es mich dir erklären. Wenn ich allein bin, kann ich mir vielleicht heimlich einen oder zwei Snacks gönnen. Aber wenn ich in der Öffentlichkeit bin, muss ich auf diese Weise essen. Wenn ich es nicht tue, wird jemand etwas dazu sagen. Man könnte mich sogar in die Frauenabteilung der Anstalt stecken.«
»Wenn irgendjemand –«
»Dürfen wir uns setzen?«
Zwei Männer stehen rechts von mir, legen mir eine Hand auf die Schulter und lächeln mich spöttisch an. Mein Magen dreht sich und meine Finger zucken in dem Bedürfnis, seinen festen Griff von meiner Haut zu reißen.
Sie sehen aus wie Brüder. Dunkelbraune Haut, dicht am Kopf geflochtenes Haar und kastanienbraune Westen mit goldenen Quasten.
Soldaten.
»Das dürft ihr nicht«, sagt Warrose ruhig, doch seine Augen glühen vor Irritation.
»Komm schon, War! Du verschwindest ohne ein Wort und jetzt stellst du uns nicht mal den hübschen Damen vor?« Ein kurzer Druck auf meine Schulter.
»Nimm die Hand weg.« Sein Ton ist nicht laut, doch er trieft vor einer langsamen Todesdrohung. Warrose hält seinen Blick auf die Stelle gerichtet, ab der seine Hand meine Schulter umfasst.
»Mit dir macht es sowieso keinen Spaß –«
Warrose ist fast so schnell wie Dessin. Eine rasche Bewegung, wie das Schließen einer Venusfliegenfalle. Er zieht eine Machete hervor und lässt sie auf die Hand zusinken, die mich umklammert. Kurz bevor er einen sauberen Schnitt macht, stoppt er. Die breite Klinge schwebt nur eine Haarlänge über dem Handgelenk des Mannes.
»Weg«, knurrt er und hält seinen angreifenden Arm ganz still, dann folgt er dem Blick des anderen Mannes zu Ruth. »Sie ist kein Gemälde, das ausgestellt wird. Die Augen weg von ihr. Wenn ich dich noch einmal dabei erwische, wie du sie anstarrst, kratze ich dir die Augen mit dieser rostigen Machete aus.«
Nun, er ist sehr offensichtlich Dessins Freund.
»Mein Gott! Entspann dich.« Die Hand löst sich von meiner Schulter. Die beiden Männer schimpfen, dass Warrose den Verstand verloren hätte, bevor sie den Speisesaal verlassen.
Ruth erregt meine Aufmerksamkeit mit ihren hochgezogenen Brauen und den geschürzten Lippen. Wow, sagt sie tonlos.
Ich weiß, antworte ich.
Wir schauen beide weg, bevor wir anfangen, über den Gesichtsausdruck der anderen zu lachen. Es fällt mir nicht schwer, das dämliche Lächeln auf meinem Gesicht wegzuwischen, als Dessin den Speisesaal betritt. Der Raum wird leiser, laute Stimmen verwandeln sich in gedämpftes Flüstern, Köpfe drehen sich, um ihn zu beobachten, um zu sehen, wie er jedes bisschen dominante Energie im Raum für sich beansprucht.
Ich schlucke meinen Bissen Schinken hinunter und weiche seinem Blick aus, als er näher kommt. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Warrose ihm zunickt. Plötzlich vergeht mir der Appetit und wird durch einen sauren Brechreiz ersetzt. Ich bleibe ganz ruhig, als Dessin sich auf den Platz neben mir setzt. Meine Augen konzentrieren sich so sehr auf das Essen, dass sie zu brennen beginnen.
»Wie lautet der Plan? Reiten wir im Morgengrauen los, um den pelzigen Sensenmann zu retten?« Warrose schiebt Dessin ein Glas Wasser zu.
»Nein.« Trotz meiner Wut gleitet seine tiefe Stimme zwischen meine Beine. »Die Späher haben berichtet, dass sie an der Küste sind. Sie haben ein paar Kilometer um das Hangman’s Valley Fallen ausgelegt, um uns zu fangen oder zu töten. Es wird ein paar Tage dauern, bis ich einen Plan davon machen und ausarbeiten kann, wie ich da durchkomme.«
»Wie wir da durchkommen«, berichtigt Warrose ihn.
»Nein. Ich schaffe das allein.«
»Das Hangman’s Valley ist der Wald mit allen tödlichen Bestien, die es gibt. Das ist meine Spezialität. Und dieses Mal wird DaiSzek dir nicht helfen. Ich komme mit dir, Bruder.« DaiSzek. Sein Name brennt ein Loch in mein Herz.
»Ich komme auch mit«, verkünde ich leise.
»Nein«, antwortet Dessin, ohne mich anzusehen. »Du bleibst hier, bis wir zurückkommen.«
»Auf gar keinen Fall, verdammte Scheiße!« Ich drehe meinen Kopf zu ihm, meine Knochen zittern unter meiner Haut vor kalter, stiller Wut. Mein Junge ist da draußen und Gott weiß, was die Vexamen-Zucht mit ihm macht. Ich werde mich nicht länger wie eine hilflose Puppe zurücklehnen. Ich will kämpfen. Ich will auch stark sein.
Der Tisch versteift sich, die Schultern gehen zurück, sie versuchen, uns nicht anzusehen, während Dessin und ich einander anstarren. Sein Gesicht ist unleserlich, doch seine dunklen Mahagoniaugen flackern, als ob etwas, das tief in seinem Unterbewusstsein vergraben ist, versucht, sich den Weg nach draußen zu bahnen.
»Ich werde trainieren! Ich werde meinen Körper stärken. Ich werde alles tun, was du willst. Aber ich werde nicht hier sitzen und warten. Da müsstest du mich in Ketten legen und mich ausknocken.« Meine Stimme zittert ebenso wie meine Hände, zerbricht in dünne Glasscherben und kündigt an, dass ich jeden Moment in Tränen ausbrechen könnte.
Dessin sagt kein Wort. Er lässt den Blick sinken und atmet flach und unregelmäßig ein.
»Dessin … Du weißt, wie die Vexamen ihre Tiere behandeln. Wir haben keine Zeit zum Streiten. Wir müssen ihn einfach zurückholen.« Warrose’ Kiefer verspannt sich, als würde ihm das Wissen um seine Worte den Magen umdrehen.
»Was machen sie mit ihren Tieren?«, frage ich, unsicher, ob ich es wissen will. Aber ich muss es hören. Die Augen davor zu verschließen, hilft niemandem.
Warrose öffnet den Mund, um etwas zu sagen, aber Dessin hebt eine Hand. »Wage es nicht.«
Sein Gesicht sagt alles. Es verrät uns, dass er kurz vor dem Abgrund steht. Dass er jeden Moment in Flammen aufgehen, in feurige Wut ausbrechen wird. Der Druck auf seinen Schultern ist ein scharfer Dolch in seinem Herzen. Trotz meines Schmerzes möchte ich ihn umarmen, ihm sagen, dass alles gut wird, dass es nicht seine Schuld ist. Aber ich kann es nicht. Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, wie sehr er mich mit seiner Auslassung der Wahrheit verletzt hat.
Am Tisch herrscht mehrere Minuten lang unangenehmes Schweigen, bevor Dessin endlich wieder das Wort ergreift.
»Du wirst weitertrainieren, bis wir bereit sind, zu gehen. Dann werden wir DaiSzek gemeinsam befreien.«
Ich schleiche mich zum Zimmer von Warrose und Ruth, drehe leise den Kristallknauf und schlüpfe hinein, ohne ein Geräusch zu machen. Das einzige Licht, das auf die glänzenden Holzwände fällt, kommt vom Kamin. Ruth liegt auf dem Teppich, flach auf dem Bauch, und liest. Warrose kommt zwei Schritte aus dem Waschraum und rubbelt sich mit einem Handtuch durch sein langes, nasses Haar.
Er sieht mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Er trägt kein Shirt, sein Körper ist mit Tätowierungen überseht. Grauschwarze Markierungen, wie mit einem Kalligraphiestift in einer fremden Sprache über seine Muskeln gezeichnet. Er zieht das Handtuch enger um seine Hüften.
»Ich habe eine Frage«, kündige ich an und schließe die Tür hinter mir.
»Okay.« Er wringt sich die Haare aus. Stoppt. »Kann ich zuerst eine Hose anziehen?«
»Das wäre das Beste.«
Er verschwindet im Waschraum und Ruth schaut mich über ihr Buch hinweg an.
»Er wollte mich meine Lady-Doll-Kur nicht machen lassen«, flüstert sie.
»Das ist wahrscheinlich auch besser so.«
»Nein, ist es nicht. Ich fühle mich ganz trocken und leblos ohne sie.« Sie knickt ein Eselsohr, um ihre Seite zu markieren. »Weißt du noch, wie gerne wir zusammen gebadet haben? Und wie wir Auricks Essen und Wein heimlich gegessen und getrunken haben?«
Sein Name ist wie ein Schwert, das meine Brust durchbohrt, mir die Knochen bricht und meine Lungen mit Blut füllt. Zu viele Emotionen schießen durch mich hindurch. Ich könnte weinen, schreien, einen Wutanfall bekommen oder schweigend dasitzen. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll.
»Es ist eine ekelhafte Regel, um Frauen zu kontrollieren.« Warrose stürmt an mir vorbei, in einer nachtschwarzen Hose und ohne Hemd. Ich sehe zu Ruth hinüber, die auf seine Arme starrt.
Dann setze ich mich auf das Doppelbett neben seinem. »Wovon hast du gesprochen, als du sagtest, die Vexamen-Zucht behandle ihre Tiere nicht gut? Wie behandeln sie sie?«
Er schüttelt schnell den Kopf, um die Frage abzuwehren. »Dessin hatte recht. Ich hätte das nicht sagen sollen.«
»Nun, das hast du aber. Jetzt sag es mir. Ich verdiene es, das zu wissen.«
»Das möchte ich lieber nicht.«
»Sag es ihr, du Feigling!« Ruth hat sich aufgesetzt und sieht in ihrem weißen Nachthemd und mit gerunzelter Stirn ziemlich niedlich aus.
»Feigling?« Warrose wendet ihr den Kopf zu. »Jetzt bin ich also feige?«
Mir schwirrt die Angst vor dem Unbekannten im Kopf herum. Wie wird DaiSzek behandelt werden? Würde es mich verletzen, wenn ich es wüsste? Würde ich mich dadurch nur noch machtloser fühlen?
»Ja. Du bist zu feige, etwas zu tun, das Dessin nicht gefallen würde. Das macht dich zu einem feigen Feigling.«
»Das bin ich nicht.« Warrose sieht sowohl amüsiert als auch verärgert aus, während er auf Ruth herabblickt, als wäre sie eine Plage, die er nicht loswird. »Und wow, du wirst wirklich immer besser mit deinen Beleidigungen. Feiger Feigling.«
»Beweise es. Sag es ihr.«
Ich setze mich aufrecht hin. »Ich kann das ertragen.«
Warrose atmet laut aus. »Gut, aber du musst schwören, dass du nicht weinend zu ihm rennst, sobald ich es dir sage.«
Ich nicke einmal.
»Vexamen ist nicht gerade der zivilisierteste Ort. Sie machen die Dinge ganz anders. Ihre Kultur. Ihr Militär. Ihre Gesetze. Es würde dir den Magen umdrehen, wenn du die Geschichten hören würdest, die ich erzählen könnte.« Er streicht sich mit einer großen Hand durch sein nasses Haar. »Aber vor allem haben sie etwas, das sich Fleischkarneval nennt.«
Das hört sich wirklich nicht gut an.
»Beim Fleischkarneval bringen Metzger die Tiere, die sie finden, mit und foltern sie zur Unterhaltung der Menge. Sie … Nun, ich erspare dir die grausamen Details. Aber es ist nicht schön.«
»Sie – Was?!« Meine Stimme ist ein ersticktes, zittriges Durcheinander.
»O mein Gott!« Ruth lässt ihr Buch auf den Boden fallen und krabbelt an meine Seite. »Oh, Skylenna!«
Ich kann nicht atmen. Ist es warm hier drin? Meine Füße sind in den Stiefeln verkrampft und ich spüre, wie mir das Abendessen in die Speiseröhre steigt. Nicht mein DaiSzek. Nicht mein Junge!
»Wir werden ihn zurückholen«, sagt Warrose.
Ich schüttle den Kopf, obwohl ich nichts zu sagen habe. Sie können DaiSzek nichts tun. Er ist ein Monster. Eine Legende. Eine Kraft, die stärker ist als alles, was sie ihm entgegenstellen könnten.
Aber was, wenn sie ihn unter Drogen setzen? Was ist, wenn er sich nicht wehren kann, wenn sie ihn zu diesem Fleischkarneval bringen?
Ich bin auf den Beinen und gehe abwesend zur Tür. Mein Name wird gerufen. Schritte folgen mir. Der Schmerz in meiner Brust ist lähmend. Die Angst, meinen Freund zu verlieren, der Verrat von Dessin und seine Geheimnisse, die Erkenntnis, dass Aurick mich benutzt hat. Es beißt sich in mein Fleisch, saugt mir die Seele aus.
»Ich muss das alleine verarbeiten«, sage ich und öffne die Tür, um zu gehen.
Das Letzte, was ich höre, ist, wie Warrose zu Ruth sagt: »Du kommst doch zu meiner Beerdigung, oder?«
Ich öffne die Tür zu meinem Zimmer. Trete mechanisch ein, als wären meine Gelenke verrostet und alt, als stünde ich kurz davor, in Stücke zu zerfallen.
Dessin sitzt in einem Sessel am Feuer. Die Ellbogen auf den Knien, den Kopf in den Händen. Auch er durchlebt eine harte Zeit. Er weiß, was auf dem Spiel steht. Er weiß, was mit unserem Jungen passieren könnte.
»Ich kann es nicht verstehen.« Meine Worte schweben von meinen Lippen in die warme Luft wie ein Schmetterling im Flug. Und einen Moment lang merkt man nicht, wie schwer sie sind.
Dessin dreht den Kopf und sieht mich mit müden Augen vor der Tür stehen. So traurig. So besiegt.
»Ich kann mich nicht entscheiden, was ich im Moment fühlen soll. Hass auf dich und deine Lügen. Wahnsinnige Wut, dass du mich unter seinem Dach hast leben lassen, nachdem er mich geschlagen hat. Und dass du es mich auf die demütigendste Weise hast herausfinden lassen.« Ich atme scharf ein, er sieht mich mit einem stoischen, vorsichtigen Blick an.
»Oder …« Meine Kehle schnürt sich zu und bildet einen dicken Klumpen, den ich nicht hinunterschlucken kann. »Angst. Weil ich nicht weiß, was passieren wird. Ich wusste nicht, wie die Vexamen ihre Tiere behandeln. Ich wusste nichts von den Fleischkarnevalen. Ich wusste nicht, dass –« Ich hole stockend Luft, heiße Tränen steigen mir in die Augen. »Ich könnte ihn für immer verlieren!« Das Schluchzen bricht durch meine Mauern und zerschmettert mein Herz. Mein Arm streckt sich nach dem Türknauf aus, ein Rettungsanker, der mich auf den Beinen hält.
Dessin erhebt sich blitzschnell von seinem Platz und ist an meiner Seite, seine Hände schweben über mir, weil er weiß, dass er mich nicht trösten darf.
»Ich darf ihn nicht verlieren, Dessin!« Ich schluchze hysterisch, als ob es keinen Sauerstoff mehr im Raum gäbe, als ob ich an meinem eigenen Kummer ersticken würde. »Wir haben schon so viel verloren. Er ist die einzige Familie, die wir haben!«
»Es tut mir leid, Skylenna. Es tut mir so verdammt leid. Bitte lass mich dich trösten«, fleht er angestrengt, atmet schwer in mein Gesicht. Ich nicke, kann seine Reaktion durch meine Tränen nicht sehen, aber ich spüre sie, sobald seine großen Hände sich um mein Gesicht legen. Er hält mich, als könnte ich in winzige Stücke zu seinen Füßen zerbrechen. Die zerbrechliche Puppe, von der er befürchtet, sie könnte nicht mehr funktionieren.