Women Living Deliciously - Florence Given - E-Book

Women Living Deliciously E-Book

Florence Given

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Beschreibung

Nach dem Sunday-Times-Nummer-1-Bestseller »Frauen schulden dir gar nix« liefert uns Florence Given mit ihrem neuen Memoir eine Anleitung fürs Glücklichsein. Sie fordert, dass das Leben von Frauen schöner, bunter, lustiger sein soll und da machen wir doch gerne mit.  Seit Jahrhunderten gibt das Patriarchat vor, wie Frauen zu leben haben und dass ihre Körper nur zum Anschauen da sind. Dass sie ihre Lust verstecken müssen und keine wahre Freude erleben dürfen. Doch damit ist jetzt Schluss! Instagram-Star Florence Given will mit ihrem zweiten feministischen Manifest Frauen ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. "Women Living Deliciously" ist eine Liebeserklärung an das Leben und der Appell an Frauen, das Leben bewusst und in vollen Zügen zu genießen, selbstbestimmt und ohne Scham.  »Meine Hoffnung ist, dass wenn eine Frau dieses Buch liest, ihr mindestens eine Sache einfällt, die sie genau in diesem Moment tun kann um sich daran zu erinnern, dass ihr Leben ganz allein ihr gehört.«

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EPUB
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Seitenzahl: 478

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Florence Given

Women Living Deliciously

Deutsche Ausgabe

Aus dem Englischen von Andreas Helweg, Simone Jakob und Pauline Kurbasik

Kurzübersicht

Buch lesen

Titelseite

Über Florence Given

Über dieses Buch

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Hinweise zur Darstellung dieses E-Books

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Über Florence Given

Florence Given, 1998 geboren, ist eine in London lebende Künstlerin und Autorin, die vor allem aus den sozialen Medien bekannt ist. Ihre wiedererkennbaren, knalligen Illustrationen stehen für feministisches Empowerment. Über eine beeindruckende Follower:innenschaft auf Instagram macht sie auf Themen rund um Schönheitsideale, Gender und Sexualität aufmerksam.

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Über dieses Buch

Nach dem Sunday-Times-Nummer-1-Bestseller »Frauen schulden dir gar nix« liefert uns Florence Given mit ihrem neuen Memoir eine Anleitung fürs Glücklichsein. Sie fordert, dass das Leben von Frauen schöner, bunter, lustiger sein soll und da machen wir doch gerne mit. 

Seit Jahrhunderten gibt das Patriarchat vor, wie Frauen zu leben haben und dass ihre Körper nur zum Anschauen da sind. Dass sie ihre Lust verstecken müssen und keine wahre Freude erleben dürfen. Doch damit ist jetzt Schluss! Instagram-Star Florence Given will mit ihrem zweiten feministischen Manifest Frauen ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. “Women Living Deliciously” ist eine Liebeserklärung an das Leben und der Appell an Frauen, das Leben bewusst und in vollen Zügen zu genießen, selbstbestimmt und ohne Scham. 

»Meine Hoffnung ist, dass wenn eine Frau dieses Buch liest, ihr mindestens eine Sache einfällt, die sie genau in diesem Moment tun kann um sich daran zu erinnern, dass ihr Leben ganz allein ihr gehört.«

Inhaltsverzeichnis

Ich liebe Frauen

Einleitung

JÄTEN: Was raubt dir die Freude?

Wer schön sein will, muss leiden

Der Schönheits-Tic

Mit dem Patriarchat Schluss machen

Schrumpfen oder über sich hinauswachsen?

Der Mythos der »Perfekten Feministin«

Wie hat sich toxische ...

Werde dein eigener Kompass, ...

Du bist der*die Regisseur*in deines Lebens

Du hast schon immer ...

Wessen Stimme ist es überhaupt?

Und wie schalten wir ...

Was ist »Freude« und warum brauchen wir sie?

Bereiten uns die kleinen ...

Deine Freude ist ansteckend

Mind The Gap

Nein.

Du bist für deine Pausen verantwortlich

Mentale Bänke

Albernheit schützt vor Burnout

Verspielt, nicht perfekt

Styling Muss Spass Machen

Wie wir lächerlich attraktiv ...

PFLANZEN: Dich wiederentdecken

Feier dein Leben – nach deinen eigenen Regeln

Wie du herausfindest, was ...

Angst ist ein Geschenk

Kein Opfer

Kümmere dich um dein ...

So wirst du fucking elektrisierend

Baby Steps

Morning Glory!

Sonntagmorgen ist ein Mindset

Die notwendige Kunst, sich Romantik zu gönnen

Leben passiert auch dann, ...

Liebe dich so sehr, dass sich Respektlosigkeit fremd anfühlt

Tu nicht mehr so, ...

Selbstausdruck bringt Selbstrespekt

Wie du anfängst, dich ...

Nicht du bist unsicher, sondern das Leben

Die Kunst, sich leicht begeistern zu lassen

Hör auf zu warten, ...

Wenn du versucht bist, ...

BLÜHEN: Wachse in dein genussvolles Leben hinein

Erzwungene Positivität fühlt sich scheisse an!

Wie wir unsere Emotionen ...

Grenzen, Grenzen, Grenzen

Energetische Grenzen

»Nein« zu sagen schafft ...

Das Leben ist zu kurz, um ständig cool zu sein

Cringe!

Cringe akzeptieren trotz Shame!

Hör auf, dich zu ...

Deine Ideen sind grossartig feier sie und setz sie um

Wir fangen alle ganz ...

Fuck, ich liebe Menschen

Wenn Angst uns daran ...

Ehrfurcht

Der Funke in dir, ...

Das Leben ist deine ...

Wie du deiner Geliebten »Leben« deine Aufmerksamkeit schenkst

Bleib stehen und rieche an den Rosen

Riechen

Alleinsein ist heilig

Liebe dein Leben, solange du eins hast

Quellen

Anmerkungen

Dankbarkeit

Ich liebe Frauen. Meine Liebe zu Frauen ist die treibende Kraft für alles, was ich tue. Frauen sind meine Musen, und ich möchte nach und nach zu einer Welt beitragen, in der wir nicht mehr das Gefühl haben, um begrenzten Platz kämpfen zu müssen, sondern »andere Menschen auf dem Weg nach oben mitzuziehen«.

Einleitung

Ich liebe Frauen.

Ich sehne mich danach, eine Welt voller Frauen zu erleben, die ihr Leben so doll wie möglich lieben. Ohne Entschuldigungen, ohne Ausreden, ohne Rechtfertigungen. Ich sehne mich nach einer Welt, in der Frauen ganz in ihrem Körper leben und ihn für das nutzen, wozu er gedacht ist: um Erfahrungen zu machen, sie zu genießen, wertzuschätzen und jeden Teil von sich ganz auszukosten. Ich möchte, dass mehr Frauen die überschäumende Freude eines Lebens zu ihren eigenen Bedingungen entdecken. Ich will, dass sie lernen, ihr Licht leuchten zu lassen und zur Sonne ihres eigenen Lebens zu werden.

Da du dieses Buch in die Hand genommen hast, bin ich mir sicher, ein Teil von dir weiß, dass du zu mehr bestimmt bist. Ein Teil von dir, der von einem Leben erschöpft ist, in dem es immer nur darum geht, zu gefallen, dich klein zu machen und dich abzustrampeln, um die Erwartungen anderer zu erfüllen, wünscht sich verzweifelt, über sich hinauszuwachsen und zu erblühen. Der Teil, der sich danach sehnt, sich mit der spielerischen, lebendigen, unbeschwerten Version von dir zu verbinden, die sich hinter der Ernsthaftigkeit, dem Stress und der Verbitterung verbirgt, die entstehen, wenn du das Gefühl hast, dass das Leben dich im Griff hat und nicht umgekehrt. Aber diesen »Funken«, der dir fehlt, wirst du nicht auf den Seiten dieses Buches finden. Er hat dich nie verlassen. Er ist immer noch in dir drin. Du musst ihm nur das Gefühl geben, dass er sich sicher genug fühlt, um sich nach draußen zu wagen.

Du bist nicht dazu bestimmt, dich in die kleinen Rollen zu zwängen, die andere für dich geschrieben haben, sondern dazu, die verdammte Hauptrolle in deinem Leben zu spielen. Und auch nicht dazu, eine Polly Pocket in Menschengestalt zu sein – hübsch, perfekt, starr und begrenzt. Du musst nicht schrumpfen, dich klein machen und anpassen, nur damit andere Menschen mit deinem beengten Leben happy sind. Du bist nicht auf dieser Welt, damit sich die Leute mit deinem Lifestyle wohlfühlen oder deine Entscheidungen gutheißen. Man feiert das Leben nicht, indem man die Zustimmung anderer Menschen erringt, sondern durch die mutige Reise, auf der man seine eigenen Werte entdeckt und verkörpert, unabhängig davon, ob die Leute sie verstehen oder nicht. Wenn du dein Leben nicht selbst gestaltest, werden es andere für dich tun.

In meinem ersten Buch Frauen schulden dir gar nichts habe ich aufgezeigt, wie das Patriarchat Frauen schon seit Jahrhunderten zurückhält und wie sich das heute noch in der Welt äußert. In diesem Buch will ich deine Aufmerksamkeit auf die Barrieren lenken, die die Gesellschaft in deinem Inneren errichtet hat. Ich möchte die Samen der Selbstzweifel ausjäten, die wie Unkraut in deinem Kopf gewuchert und dein ganzes verdammtes Glaubenssystem geformt haben. Ich will dir klarmachen, wie diese Überzeugungen die Kontrolle über dein Leben übernommen haben. Und dann will ich, dass du über sie hinauswächst. Ich will, dass du dich aus dem mentalen Käfig befreist, in dem du ein ängstliches und viel kleineres Leben führst als das, für das du in Wirklichkeit bestimmt bist. Und ich will, dass dieses Buch zur Erlaubnis für dich wird, mutig den vielen Stimmen in deinem Kopf zu trotzen, die dich dazu bringen wollen, dich klein zu machen. Du sollst erkennen, dass sie eigentlich gar keine Macht über dein Leben haben, wenn du die Entscheidung triffst, dich ihnen zu widersetzen. Und ich will, dass du dein volles Potenzial ausschöpfst. Du bist zu Größerem bestimmt, und du weißt es, verdammt!

Das hier ist das Buch, das ich mir gern in die Hand gedrückt hätte, als ich völlig überfordert und blind gegenüber der Schönheit des Lebens war, um diese frühere Version von mir daran zu erinnern, dass es immer etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt, dass sie, egal wie festgefahren ihr alles erscheint, immer die Macht hat, zumindest etwas zu verändern. Um ihr zu sagen, dass sie sich nicht aus Angst davor, andere einzuschüchtern, klein machen muss, und dass es sicher für sie ist, aufzublühen. Obwohl wir diese Grenzen in unserem Kopf erleben können, hat unsere äußere Erfahrung der Welt einen großen Einfluss auf unsere inneren Grenzen und darauf, wie viel wir uns zutrauen – für manche ist es, je nach Identität, Umfeld und Verantwortung, eine größere Herausforderung, diese Grenzen zu überwinden. Wachstum geschieht in kleinen Schritten, und es gibt ein schönes Leben, das dich stärkt – du brauchst nur den festen Glauben daran, dass du es erreichen kannst. Ich hoffe, dass ich dich dabei unterstützen kann, mutigere Entscheidungen zu treffen, damit du aufhörst, anderen gefallen zu wollen, und damit auch du daran glaubst, dass du dazu fähig bist, ein genussvolles Leben für dich zu erschaffen.

Wir können zwar nicht kontrollieren, was uns im Leben passiert, aber sehr wohl, wie wir darauf reagieren. Wir können entscheiden, was wir als Nächstes tun. Wir alle haben die Wahl, wie wir mit dem Scheiß umgehen, der uns zustößt, und ich wünsche mir nichts mehr, als dich an deine persönliche Macht und Handlungsfähigkeit zu erinnern. Selbst wenn das Einzige, worauf wir Einfluss haben, unser Blickwinkel ist, können wir durch kleine Maßnahmen eine echte Veränderung in unserer Selbstwahrnehmung herbeiführen: vom Gefühl, hilflos im Drehbuch anderer Leute festzusitzen, hin zu einer ermächtigten Person, die ihr eigenes Drehbuch verfasst. Selbst in unserem Schmerz und unserem Trauma können wir fruchtbaren Boden für Neuanfänge entdecken.

Ich schreibe dies aus meiner individuellen menschlichen Perspektive heraus, und obwohl ich nicht versuchen will, die gesamte kollektive weibliche Erfahrung zu beschreiben, hoffe ich, dass du Teile von dir in diesem Buch und in meiner Geschichte wiedererkennst – und dass du dich dadurch ein kleines bisschen mehr über dein Leben freuen kannst. Auch wenn ich hoffe, dass wir eines Tages aus dem begrenzenden Käfig der Geschlechterrollen befreit sind, verwende ich im gesamten Buch die Begriffe »Frauen« und »Männer«, um die Art und Weise, wie wir alle sozialisiert wurden, um uns in diese binären Rollen einzufügen, vereinfacht darzustellen. Dies ist ein Buch für jede*n, unabhängig von ihrem*seinem Gender, die*der das nagende Gefühl kennt, sich selbst im Weg zu stehen. Kühnheit ist ansteckend, und ich hoffe, dass etwas von meiner auf dich abfärbt.

Ich habe das Buch in drei verschiedene Phasen unterteilt. Im ersten Teil JÄTEN: Was raubt dir die Freude? werden wir die Glaubenssätze und Gewohnheiten aufdecken, die dir die Energie rauben, damit du sie dir zurückholen und bewusst in die Dinge stecken kannst, die du LIEBST. Was hält dich zurück? Welche Stimmen in deinem Kopf wollen, dass du weiterhin ein kleines, ängstliches Leben führst? Es mag anfangs unangenehm sein, aber wir können nichts ändern, was uns nicht bewusst ist.

Im zweiten Teil des Buches PFLANZEN: Dich wiederentdecken, geht es darum, wie du herausfinden kannst, was zur Hölle DU eigentlich im Leben willst, damit du anfangen kannst, die Samen für die neuen Ideen und Überzeugungen zu pflanzen, die du dir tatsächlich wünschst. Dieser Teil des Buches ist das WIE auf der Straßenkarte dafür, auf welchem Weg du mehr Authentizität – und damit auch mehr Freude – in deinem Leben erreichst.

Im dritten Teil des Buches BLÜHEN: Wachse in dein genussvolles Leben hinein geht es um nichts als Action. Du denkst nicht mehr nur theoretisch darüber nach, wie du dein Leben ändern kannst oder wie du es leben willst, sondern setzt es, einen Schritt nach dem anderen, mutig in die Tat um. Dein Leben wird nicht länger von deinen Ängsten bestimmt, sondern beginnt allmählich, deine Wünsche zu reflektieren, und du ernennst deine Freude zur neuen, rechtmäßigen Architektin. Das ist deine Zeit des Aufblühens. Du erntest das, was du gesät hast, und genießt die köstlichen Früchte deines Mutes.

Women Living Deliciously ist entstanden, weil ich in einer Welt leben wollte, in der der Wert einer Frau in der Gesellschaft nicht davon abhängt, wie viel sie für andere opfern musste. Sondern eine, in der sie das tun kann, was ihre Seele beflügelt.

Ich will, dass du dein ganzes Potenzial ausschöpfst, dass du spürst, wie genussvoll das Leben sein kann. Und ich will, dass du mit jeder verdammten Faser deines Wesens weißt, dass dein Leben zu lieben kein egoistisches Ziel ist, sondern ein großherziges – für den Feminismus, für die Welt, für deine Familie, für deine Karriere, für dich – für ein Leben, das dir Freude bereitet. Die Welt braucht mehr Menschen, die ihr Leben feiern.

Also, fangen wir mit dir an.

 

JÄTEN: Was raubt dir die Freude?

Wer schön sein will, muss leiden

»Dein Körper ist ein Instrument, kein Ornament«

– Lindsay und Lexie Kite

Hat es dir schon mal einen wunderschönen Tag mit Freund*innen verdorben, dass du an ein »unschmeichelhaftes« Foto denken musstest, das jemand von dir gemacht hat? Oder hattest du unglaublich lustvollen Sex und es hat dir komplett die Stimmung ruiniert, als du dir deiner Speckrollen oder deiner Cellulite bewusst geworden bist? Wolltest du schon mal zu der Person runterschauen, die dich leckt, hast es dann aber gelassen, weil du Schiss hattest, dass sie dein Doppelkinn sieht? Hast du erleichtert aufgeatmet, als die Person, mit der du in Löffelchen-Stellung dalagst, eingeschlafen ist, sodass du deinen Bauch nicht mehr einzuziehen brauchtest? Oder hast du einen Mädelsurlaub sausen lassen, weil dich der Gedanke an die Körper der anderen Frauen nervös gemacht hat? Hat es dich aus deiner Sorglosigkeit gerissen, einen Raum mit Oberlicht zu betreten, weil du Angst hattest, es könnte deine Hautprobleme enthüllen?

Frauen kommen selten dazu, genussvoll und komplett zu RELAXEN. Unsere Fähigkeit, das Leben zu genießen und ganz im Moment zu sein, wird ständig von unserer kritischen inneren Stimme gestört und unterbrochen, die von Äußerlichkeiten besessen ist und uns einen Livestream darüber liefert. Statt unser Leben im Hier und Jetzt in unserem Körper zu erfahren, wird unsere Aufmerksamkeit von unseren Gedanken vereinnahmt. Es fällt uns schwer, GANZ in unserem Körper zu sein, weil uns beigebracht wurde, ihn ständig von außen zu beobachten. Wir können nie richtig im gegenwärtigen Moment sein, weil wir unseren befangenen Gedanken nicht entkommen können.

Wie viel Energie wollen wir in diesem kostbaren Leben noch mit Selbsthass und der eingebildeten Verurteilung durch andere verschwenden? Und wie viel damit, ständig unser Aussehen zu überwachen, obwohl wir unsere Zeit auch damit verbringen könnten, zu leben, kreativ zu sein, zu tanzen, zu genießen oder ganz in der Gegenwart zu sein? Was für eine Welt könnte entstehen, wenn die Ressourcen, die Frauen bisher zur Selbstperfektionierung eingesetzt haben, frei werden würden? Wohin würde diese Energie fließen, welche schönen Dinge könnte sie hervorbringen?

Renee Engeln nennt diese kulturelle Besessenheit »Beauty Sickness« und definiert sie als das, »was passiert, wenn die emotionale Energie von Frauen so davon dominiert wird, was sie im Spiegel sehen, dass es für sie schwieriger wird, andere Aspekte ihres Lebens zu sehen«. Es gab viele Momente, in denen ich mich »schönheitskrank« gemeldet habe. Verabredungen abgesagt habe. Irgendwo nicht hingegangen bin, weil der Stress, gut auszusehen, einfach zu viel für mich war. Die meisten von uns können sich an Zeiten erinnern, in denen wir nicht zu Veranstaltungen gegangen sind, weil wir das Gefühl hatten, nicht gut genug dafür auszusehen. Weil wir uns nicht perfekt oder hübsch genug gefühlt haben, um unser eigenes verdammtes Leben zu leben! Diese »Schönheitskrankheit« erinnert mich an all die Tage am Strand, die ich verpasst habe, an den Sex, den ich nicht genießen konnte – denn »Wenn nicht mal ich meinen Körper ansehen mag, warum sollte es jemand anders wollen?« –, und an all die Male, die ich nicht im Meer geschwommen bin, an die Klamotten, die ich aus Scham nicht angezogen, oder das Essen, das ich mir im Familienurlaub oder beim gemeinsamen Abendessen nicht »gegönnt« habe. Ich lebte in einem permanenten, normalisierten Zustand, in dem ich mir jegliche Erfahrung von Freude oder Vergnügen versagte, um anderen zu gefallen und den Anschein von Perfektion zu vermitteln, machte mich ständig kleiner oder sogar unsichtbar. Selbst bei den Events, zu denen ich hinging, war ich zu oft zwar körperlich da, aber geistig abwesend – denn ein Großteil meiner Aufmerksamkeit war auf mein Äußeres gerichtet. Wäre ich brutal ehrlich gewesen und hätte den wahren Grund für meine Abwesenheit auf die Um-Antwort-wird-gebeten-Karte geschrieben, hätte auf den meisten gestanden: »Kann leider nicht kommen, weil ich mich nicht hübsch genug fühle, meine Klamotten durchs Zimmer schmeiße, rumschreie und vor dem Spiegel heule. Habe überwältigende Angst vor dem Dresscode und davor, dass mich niemand leiden kann und ich nicht gut genug bin.« Das Schlimmste daran ist, dass wir in dem Glauben aufwachsen, all das wäre ein normaler Teil des Frauseins. Aber das Leben sollte nicht so stressig sein.

Falls du jetzt denkst: Den Scheiß haben wir doch längst hinter uns – haben wir nicht, aber so was von nicht. Sollte dir deine eigene Erfahrung, dass es dir den ganzen Tag verderben kann, wenn du dich nicht hübsch genug findest, nicht Beweis genug sein: Renee Engeln führt die deprimierende Statistik an, dass 34 Prozent der Mädchen im Alter von fünf (fünf, verdammte Scheiße!) angeben, dass sie sich zumindest »manchmal« beim Essen einschränken. Mädchen lernen, sich selbst beim Essen Grenzen zu setzen, noch ehe sie lernen, anderen Menschen Grenzen zu setzen. Die Trennung einer Frau von ihrem Körper entsteht schon im Kindesalter.

Die verzerrten Gedanken über uns selbst, wenn wir etwas essen, uns schick anziehen oder in den Spiegel schauen, sind nicht die »Wahrheit« – sie sind nur eine Gewohnheit. Entstanden aus den Botschaften, die sich uns eingeprägt oder die wir aus unserem Umfeld übernommen haben. Sie haben uns programmiert. Wir bekommen schon unser ganzes Leben lang Impulse und Anstöße von der Gesellschaft, die uns das Gefühl geben, dass wir es nicht wert sind zu leben, solange wir nicht perfekt sind. Vielleicht hast du die grausame objektifizierende Schlagzeile über den Beach Body einer Frau auf dem Cover der Zeitschrift gesehen, die deine Mutter auf dem Tisch liegengelassen hat. Oder du hast mitbekommen, wie die Mädchen um dich herum in der Schule über ihre Figur gesprochen haben. Wie sie den Bauch eingezogen haben, um »nicht schwanger auszusehen«, was dich wiederum dazu gebracht hat, die Shapewear-Unterwäsche zu kaufen, die du zufällig im Gang neben den BHs entdeckt hast. Und wie die anderen Mädchen beim Mittagessen angefangen haben, weniger Essen zu bestellen, mit der Begründung: »Kein Brot für mich, ich bin heute mal brav!« Und in dem Wunsch, dazuzugehören, hast du gedacht: Vielleicht sollte ich mir daran ein Beispiel nehmen, ich will auch brav sein! Wenn wir nichts gegen diese Gedanken tun und sie passiv hinnehmen, schlagen sie in unserem Hirn Wurzeln und wachsen sich zu einem wuchernden, hartnäckigen Unkraut aus, von dem wir erst im Erwachsenenalter merken, dass wir es uns nicht bewusst ausgesucht haben.

Wenn wir diese unkrautartigen Gedanken nicht hinterfragen, wachsen sie wild, ungehindert und unkontrolliert weiter. Irgendwann behaupten wir, wir wären »nun mal so«. Die Botschaften sind dann nicht mehr nur etwas, was wir zufällig aufgeschnappt haben, sie sind zu tief verwurzelten Überzeugungen geworden, die wir akzeptiert und genährt haben. Die diversen Stimmen von außen sind zu der inneren Stimme geworden, in der wir mit uns selbst sprechen. Und das auf verdammt herabwürdigende Art. Wie würdest du dich fühlen, wenn du einer anderen Person all die Dinge sagen würdest, die du sonst zu dir sagst? »Dein Anblick macht mich krank, du bist abstoßend.« »Wer sollte dich schon ansehen wollen, versteck dich lieber.« »Warum sollte dich jemand lieben?« »Du bist die letzte Loserin, du hast es nicht verdient.« Es schmerzt mich schon, diese Dinge nur aufzuschreiben, davon, sie in einem Buch zu veröffentlichen, ganz zu schweigen! So wie du eine Freundin gegen jemanden verteidigen würdest, der solche Sachen zu ihr sagt, musst du dich auch selbst gegen die Echos der Stimmen in deinem Kopf wehren. Du musst eine andere, eigene, freundlichere Stimme kultivieren, die der kritischen Stimme in deinem Kopf widerspricht. Sonst wirst du zu deiner*m eigenen schlimmsten Kritiker*in. Du verwechselst sie mit der Person, die du eigentlich bist.

In einer Welt, in der Frauen kulturell unter Druck gesetzt und davon überzeugt werden, dass sie von jedem Quadratzentimeter ihres Körpers besessen sein, ihn praktisch auseinandernehmen müssen, stellt sich die Frage … War das von Anfang an so geplant – um uns absichtlich zu schwächen? Uns unsere Kraftquelle zu nehmen? Uns Hindernisse in den Weg zu legen, die es uns schwer machen, klar zu denken und zu fühlen?

Vor ein paar Jahren kam ich an einem heißen Londoner Sommertag zu spät zu einer Therapiesitzung. Ich trug eine enge Radlerhose, einen BH und einen Blazer. Auf dem Weg dorthin hatte ich unter heftiger Beklemmung gelitten; es fiel mir schwer, richtig durchzuatmen. Ich musste ständig gähnen, um meinen Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Ich tat das alles mit dem Gedanken ab: Ich trage halt enge Klamotten. In der Praxis angekommen, erzählte ich meiner Therapeutin von meiner Kurzatmigkeit. Sie fragte mich, wann das angefangen habe. Mir fiel ein, dass es vor ungefähr zwei Wochen gewesen sein musste. Sie nickte bedächtig und schürzte die Lippen. »War das nicht etwa um die Zeit, als dieser Mann unverschämte Bemerkungen über deinen Bauch gemacht hat?« Ich nickte. »Glaub schon, wieso?« Kaum waren mir die Worte über die Lippen gekommen, machte es klick. »Ich glaube, du ziehst unbewusst den Bauch ein, seit du seine Kommentare gelesen hast, und das hindert dich daran, tief Luft zu holen. Du atmest zu flach, und das löst Panik in dir aus.« Noch während sie es sagte, zog ich den Bauch ein. Ich holte tief Luft, beim Ausatmen dehnte mein Bauch die engen Shorts bis zum Anschlag, und zum ersten Mal seit Wochen konnte ich wieder frei atmen. Verdammt. Sie hatte recht. Das Schlimmste daran war, dass ich nicht mal mitbekam, dass ich es tat. Ich hatte die Worte dieses Mannes über meinen Körper passiv aufgenommen, ohne es zu merken, und dem ohnehin schon wuchernden Gedankenunkraut noch Dünger hinzugefügt. Durch das Baucheinziehen versuchte mein Gehirn, jenen Teil von mir zu schützen, der »attackiert« worden war. Und all das völlig unbewusst. Beängstigender Scheiß. Die »Schönheitskrankheit« bringt viele von uns dazu, ihren Körper zu überwachen, statt in ihm zu leben, sogar auf Kosten ihres eigenen Wohlergehens. Ich habe meinen Körper jahrelang auf zwei Arten beobachtet. Durch meine eigenen Augen und durch die imaginären Blicke der anderen.

Einmal zog ich reflexhaft den Bauch ein, als ein Mann bei einem Fotoshooting in meine Richtung schaute. Als hätte er mich beim Atmen ertappt, als wäre ich aus meiner weiblichen Rolle gefallen und müsste mich schnell zusammenreißen, um wieder »hineinzufinden«. Wieso habe ich das getan, wo ich doch weiß, dass ich keine Puppe und kein Objekt bin, sondern eine lebendige atmende Frau mit einem Bauch voller Leben? Ich empfand eine zweite Runde Scham, diesmal eine feministische, weil ich merkte, wie instinktiv das alles abgelaufen war. Der Mann hatte mich nicht dazu gezwungen, den Bauch einzuziehen. Er hatte mich nur angesehen. Und doch »wusste« etwas in mir, dass ich es tun musste. Ist das nicht erschreckend? Die Art, wie wir lernen, uns auf Kosten unseres Wohlbefindens und unseres ganzen Wesens zu verbiegen und zu deformieren, um uns in etwas Vorzeigbares, Puppenartiges zu verwandeln. Das ist nicht unsere Schuld, sondern eine Angewohnheit, zu der man uns verführt hat, um uns auszubremsen und auszupowern.

Die Objektifizierten

Wenn du dich umschaust, siehst du überall um dich herum Objekte – dein Handy, eine Tasse, einen Stift, dieses Buch. Hat irgendeins dieser Dinge ein Leben oder eine Existenz außerhalb der Verwendung, die du für sie hast? Nein, natürlich nicht, es sind unbelebte Gegenstände! Sie können nichts empfinden. Es sind Dinge, die du gekauft hast und die nur einen Nutzen und einen Wert für dich haben, wenn du beschließt, sie zu benutzen, oder sie für wertvoll genug hältst, um sie zu präsentieren. Ein Objekt wird von etwas oder jemand anderem erfahren. Es existiert aufgrund des visuellen, sinnlichen, funktionalen oder inspirierenden Zwecks, den es für jemanden hat. Es hat kein Mitspracherecht dabei, wie es verwendet wird. Ein Objekt ist »dekorativ«.

Frauen wurden im Patriarchat lange Zeit auf die gleiche Weise objektifiziert. Wir wurden wie Objekte behandelt, Wesen, die dekorativ und funktional sind, nicht anders als ein Buch, eine Tasse oder eine Blumenvase. Wir existieren zum visuellen Vergnügen der Menschen um uns herum, die die Erlaubnis haben, uns zu erfahren – Männer. Wir haben diese Ansicht verinnerlicht, was dazu geführt hat, dass wir unseren eigenen Körper objektifiziert haben. Wir brauchen keine Erinnerung daran, dass wir schön zu sein haben, wir tragen sie mit uns herum, ob wir uns in die Privatsphäre unseres Schlafzimmers begeben, uns im Spiegel betrachten oder an einem anderen Menschen vorbeigehen, der uns beobachtet; es reißt uns aus dem gegenwärtigen Moment. Wir sind nicht in der Lage, unser Leben ganzheitlich zu erfahren, sondern beobachten uns stattdessen dabei, wie wir unser Leben erfahren, und zwar durch die Augen der Person, die uns beobachtet.

John Berger sagt: »Männer sehen Frauen an. Frauen beobachten sich selbst als diejenigen, die angesehen werden. Dieser Mechanismus bestimmt nicht nur die meisten Beziehungen zwischen Männern und Frauen, sondern auch die Beziehung von Frauen zu sich selbst. Der Prüfer der Frau in ihr selbst ist männlich: das Geprüfte weiblich. Somit verwandelt sie sich selbst in ein Objekt, ganz besonders in ein Objekt zum Anschauen: in einen ›Anblick‹.«

Ein Objekt kann keine Erfahrungen machen. Objekte werden erfahren. Kein Wunder, dass wir immer noch so entsetzt sind, wenn Frauen eine Meinung äußern – Objekte sollen keine Widerworte geben, sie sind unbelebt.

Stell dir einen Sommertag am Strand vor. Wenn du dich für einen Menschen hältst, der etwas erleben will, wäre es egal, wie dein Körper aussieht. Er würde nicht im Mittelpunkt deines ganzen Tages stehen oder dich vielleicht sogar davon abhalten, im Meer zu schwimmen. Die Objektifizierung unseres Körpers hindert uns daran, das Leben zu feiern, weil wir uns auf gewisser Ebene ebenfalls für rein dekorativ halten. Aber wir sind keine verdammten Objekte, wir sind Menschen, die es verdient haben, etwas zu erleben. Das salzige Wasser und die groben Sandkörner zwischen den Zehen zu spüren. Dafür sind unsere Sinne da, und das werden wir verlieren, wenn wir sterben, wenn wir nicht mehr das Privileg eines Körpers haben. Die Welt ist unfair – die Menschen behandeln uns unterschiedlich, je nachdem, wie wir aussehen –, aber weißt du was? Wir dürfen uns dadurch nicht davon abhalten lassen, unser Leben zu leben. Wir können auf die Scheißstimme in unserem Kopf hören, die uns sagt, dass wir zu Hause bleiben sollen, dass wir vor dem Strandausflug ein neues Outfit bestellen müssen, dass wir nicht gut genug aussehen – oder wir können sie verdammt noch mal ignorieren. Und so hingehen, wie wir sind. Wir haben es verdient, an unserem eigenen Leben teilzunehmen.

Die einzige Möglichkeit, kein Opfer mehr dieser Prägung zu sein, ist, ihr nicht zu gehorchen. Das Aussehen unseres Körpers sollte nicht bestimmen, wie wir leben und unser Leben erfahren, aber genau das tut es. Jeden Tag. Diese Abkopplung von unserer Menschlichkeit hat verheerende Folgen für unsere Fähigkeit, das Leben zu erfahren. Frauen und jungen Mädchen wurde lange die Erkenntnis vorenthalten, dass sie vollwertige Menschen sind, die dazu da sind, Erfahrungen zu machen. Wir entziehen uns so lange den Freuden des Lebens, bis wir als schön genug betrachtet werden, um uns endlich hineinzustürzen.

Da ein Objekt nichts empfinden kann, liegt ein Ausweg aus der Selbstobjektifizierung darin, die Erfüllung und die Erfahrung des FÜHLENS zu suchen. Es geht darum, eine Welt zu erschaffen, die uns Freude macht, damit wir unseren Körper nicht mehr als etwas betrachten, das angeschaut wird (ein Objekt), sondern als etwas, in dem wir leben (als Mensch, der eine Erfahrung macht). Der Weg aus der Selbstobjektifizierung besteht darin, Dinge mit unserem Körper zu erleben und zu fühlen, indem wir unsere Aufmerksamkeit sanft in den gegenwärtigen Augenblick zurücklenken. Mit jedem Schritt sagen wir unserem Unterbewusstsein, dass wir existieren, um zu LEBEN!

Menschen sind nie schöner, als wenn sie etwas tun, das sie lieben. Wenn man eine Frau auch nur für eine Sekunde dabei erwischt, wie sie mit Leidenschaft ihre Gefühle ausdrückt, lacht oder tanzt, ohne sich darum zu scheren, wie sie aussieht, dann strahlt sie etwas Unbeschreibliches aus, eine Schönheit, die von innen heraus leuchtet. Eine verkörperte Schönheit, die nicht der Überwachung ihres Aussehens entspringt, sondern dem Eintauchen in etwas, das ihre gesamte Aufmerksamkeit beansprucht. Man hat uns jedoch beigebracht, Angst davor zu haben, die Kontrolle über unser Aussehen zu verlieren, die Selbstüberwachung aufzugeben, sie ganz abzustellen, weil wir denken, dass wir ohne sie nicht schön sind. Wir glauben, die Leute wären entsetzt über das, was sie dann sehen. Über das, was wir sind.

In den Medien lesen wir Schlagzeilen über Frauen, die es wagen, unfrisiert aus dem Haus zu gehen. Sie titeln: »Oh-oh! Sie lässt sich gehen!«, als wäre das etwas Schlechtes. Als wäre es nicht der Weg zu einem glücklichen Leben, die Fixierung auf sein Äußeres aufzugeben. GUT FÜR SIE! Wir Frauen sind wunderschön, wenn wir uns gehen lassen. Wenn wir es wagen, uns so sehr in etwas zu vertiefen, dass wir vergessen, wie wir aussehen! Wenn wir die Erfahrung, die wir machen, wichtiger nehmen als unser Äußeres. Wir fühlen uns vielleicht nicht »hübsch«, wenn wir uns »gehen lassen« – egal, ob wir duschen, arbeiten, spazieren gehen, vögeln, stöhnen und das Gesicht verziehen, ganz so, wie wir wollen –, aber wir fühlen uns verdammt gut dabei. Und die Ironie ist, dass wir, wenn wir uns gut FÜHLEN, eine unvergleichliche Schönheit ausstrahlen, die von innen heraus leuchtet. Das ist wesentlich wirkungsvoller als alle äußerlichen Mittel, die wir einsetzen, um andere mit unserem guten Aussehen zu beeindrucken, denn innere Schönheit ist unantastbar. Sie kann uns nicht genommen werden. Wie ein Lichtschalter, zu dem nur wir Zugang haben – wir können die Dinge, die wir lieben, nutzen, um unser inneres Licht leuchten zu lassen.

Der Schönheits-Tic

Ich merke es, wenn eine Frau sich vorübergehend selbst objektifiziert. Ich merke es, weil ich es von mir selbst kenne. Vielleicht wird ihr Blick leicht glasig, wenn jemand vorbeigeht, sie dreht schnell den Kopf, um ihre »fotogene« Seite zur Geltung zu bringen, sie zieht den Bauch ein, verdeckt mit der Hand einen Makel in ihrem Gesicht oder hebt beim Sex den Kopf, um ein »Mehrfachkinn« zu vermeiden, das womöglich entstehen könnte, weil sie es wagt, sich ganz dem Genuss hinzugeben. Es ist wie ein nervöser Schönheits-Tic! Sie ist allzeit kameratauglich, selbst wenn keine Kamera außer der in ihrem Kopf in der Nähe ist; sie lebt unter dem Mikroskop des männlichen Blicks und glaubt, dass sie ständig nur einen Fehltritt weit davon entfernt ist, dass ihre Makel in Großaufnahme für alle Welt sichtbar werden. Ich bin selbst noch dabei, diesen ganzen Mist wieder zu verlernen. Der Vorgang, zum Objekt des »Sehens« zu werden, wie John Berger es beschreibt, ist zu unserem instinktiven Autopiloten geworden.

Aber wie sollen wir je voll und ganz ins köstliche »Jetzt« eintauchen, wenn wir selbst unsere Atmung unbewusst kontrollieren und beschränken, weil wir ständig den Bauch einziehen? Wie sollen wir je Freude darüber empfinden, einen Körper zu haben, wenn alles, was wir beim Blick in die Augen eines anderen Menschen sehen, die vielen Makel und Unvollkommenheiten sind, die uns auf dem Weg aus dem Haus im Spiegel ins Auge stechen? Wenn wir der Verurteilung durch andere zuvorkommen, indem wir uns mit »Sorry, ich weiß, ich seh so was von scheiße aus …!« entschuldigen?

Tja, es ist verdammt noch mal unmöglich.

Schönheitsideale wurden erfunden, um uns auszulaugen.

Kennst du diese Energieeffizienzklassen für Häuser? Wenn es eine Energieeffizienzklasse für dich als Person gäbe, wie würde sie aussehen? Wie viel Energie verlierst du durch Grübeln, dadurch, dass du Dinge tust, die du nicht tun willst, dadurch, dass du gefallen willst oder dich nur auf dein Aussehen konzentrierst? Stell dir nur mal vor, was du mit der frei gewordenen Energie alles anfangen könntest, wenn du die Lecks stopfst und sie stattdessen in das steckst, was dir Spaß macht …

Oft merken wir nicht mal, dass wir all das tun. Frauen wurde beigebracht, dass sie ihre Energie am besten in die Pflege und den Erhalt ihrer Schönheit investieren, sodass sie manchmal sogar zum Mittelpunkt ihres Lebens wird. Wir müssen alle überflüssigen Haare wegzupfen. »Kriegsbemalung« auflegen. Ewigkeiten vor dem Spiegel verbringen, damit es so aussieht, als wären wir wie aus dem Ei gepellt aufgewacht. Müssen unser Outfit so zusammenstellen, dass wir ein bisschen begehrenswert sind, aber nicht zu viel, damit uns niemand nach Hause folgt. Müssen was zum Drüberziehen einpacken, damit wir uns in der Öffentlichkeit sicher fühlen. Eine Handtasche mitnehmen, die groß genug für all unseren Kram ist, weil unsere Kleidung keine Taschen hat. Das Licht im Flur brennen lassen. Schminke einpacken, damit wir immer perfekt aussehen. Das Haus zu verlassen ist für Frauen eine scheiß Wissenschaft für sich. Männer können den unsichtbaren, aber wohlüberlegten Entscheidungsprozess nicht nachvollziehen, den eine Frau durchläuft, ehe sie rausgeht. Ein Mann braucht sich nur zu waschen, die Zähne zu putzen und vielleicht noch gut zu riechen. Wenn’s hoch kommt. In einer Welt, in der wir uns nicht sicher genug fühlen, um uns in der Öffentlichkeit zu entspannen, wird das Verlassen des Hauses zu einem aufwendigen Kontrollverfahren für unser Aussehen, das uns ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittelt. Schönheitspflege und »Kriegsbemalung« sind ein Abwehrmechanismus der Frau, wenn sie in die Welt hinauszieht, ihr Schutzschild, um unerwünschte Bemerkungen und Blicke abzuwehren, die sie auf Schritt und Tritt an ihr Aussehen erinnern. Oder wie John Berger es ausdrückt: »Frauen sind ständig Blicken ausgesetzt, die wie Spiegel funktionieren und sie daran erinnern, wie sie aussehen oder aussehen sollten. Und jeder Blick enthält eine Bewertung.«

Wir wären einfach zu mächtig, wenn wir all diese Energie einfach in unser Leben stecken würden. Je mehr gesellschaftliche Freiheiten Frauen sich erkämpft haben, desto dringlicher musste eine Ablenkung her. Sonst hätten wir womöglich gemerkt, dass unsere Partner uns nicht gut behandeln. Hätten mehr Zeit gehabt, um die Männer am Arbeitsplatz zu übertrumpfen. Hätten genug Selbstvertrauen entwickelt, um uns in Meetings zu Wort zu melden. Die »Schönheitskrankheit« bremst uns aus, und das ist kein Zufall, sondern Absicht. Naomi Wolf schrieb bereits in den Neunzigerjahren mit kühner Schonungslosigkeit: »Die Diskriminierung mit dem Mittel des Schönheitsmythos ergibt sich als zwingende Notwendigkeit – aber nicht aus der Befürchtung, dass die Frauen im Berufsleben nicht gut genug seien, sondern im Gegenteil aus dem Wissen, dass sie, wie sie bereits unter Beweis gestellt haben, doppelt so gut sind.« In Der Mythos Schönheit beschrieb sie die Geschichte von Frauen als die von hart arbeitenden Menschen. Als die Frauen Teil der (bezahlten) Arbeitswelt wurden, stellten die Arbeitgeber mit ihnen Menschen ein, die schon im häuslichen Umfeld harte, unbezahlte Arbeit geleistet hatten. Da das nicht als »richtiger Job« galt, sah niemand die Bedrohung kommen, als wir in den Arbeitsmarkt einstiegen. »Frauen arbeiten hart. Doppelt so hart wie Männer. Dieser Satz stimmt für die ganze Welt und den gesamten Zeitraum der geschichtlichen Überlieferung.« Eine Ablenkung musste gefunden werden. Und zwar schnell.

Denn wenn wir Frauen unsere gesamte Aufmerksamkeit auf unser Äußeres richten, ist dafür gesorgt, dass unsere Ängste und Unsicherheiten Tag für Tag zunehmen und uns die Top-Immobilie unseres Kopfes vermüllen, sodass wir keine Kraft mehr übrig haben, um uns mit etwas anderem zu beschäftigen. Und schon gar nicht dafür, gegen den Strom anzuschwimmen und dieses System zu verändern. Je weniger wir uns in unserem Körper heimisch, heil und ganz fühlen – je geteilter und abgelenkter unsere Aufmerksamkeit ist, je mehr wir uns als eine Ansammlung von Teilen wahrnehmen, die instand gesetzt werden müssen, als dekorative Objekte, die man anschaut, statt als lebendige, atmende Wesen – desto leichter sind wir zu kontrollieren.

Die kostbarste Ressource von Frauen, ihre Energie, wird mithilfe des falschen Versprechens gebunden, dass wir, je schöner wir sind und je mehr Zeit wir für unsere Schönheit aufwenden, umso erfüllter sein werden und die gleiche Macht erlangen können wie Männer. Diese Lüge hat uns allen vorgegaukelt, dass es, wenn wir täglich hungern, um abzunehmen, Geld für Schönheitsprodukte ausgeben und damit unsere finanziellen Mittel erschöpfen, nicht nur selbstermächtigend sei, sondern sogar ein lohnenswertes Streben nach Glück darstelle. Aber die Privilegien dieses »Schönheits«-Ideals schwinden, je älter wir werden, bis wir in der Wahrnehmung der anderen unser »Haltbarkeitsdatum überschritten« haben und erkennen, dass wir die Hälfte unseres Lebens damit verschwendet haben, nach etwas zu streben, das sich am Ende als Treibsand entpuppt, anstatt in der Gegenwart zu leben. Und wen machen wir für diese Gefühle verantwortlich, wenn der natürliche Alterungsprozess einsetzt? Das Patriarchat? Nein! Wir geben uns selbst die Schuld, so wie man es uns eingetrichtert hat. Wir sind ganz auf Selbstoptimierung ausgerichtet. Cremes. Diäten. Schönheits-OPs. Wir glauben, wir sind selbst schuld, dass wir so »unattraktiv« und »alt« geworden sind. Sich selbst zu lieben ist kein guter kapitalistischer Geschäftsplan. Der Kapitalismus braucht unseren Selbsthass, um zu existieren.

Uns wird beigebracht, unser Selbstwertgefühl an andere outzusourcen. Oder wie Naomi Wolf schreibt: »Am vordringlichsten ist aber, dass die Frauen ihre Identität auf ›Schönheit‹ gründen, damit sie von äußerer Anerkennung abhängig bleiben und die Sensoren, die ihr Selbstwertgefühl regulieren, immer hübsch nach außen richten.« Wenn wir mal darüber nachdenken, wie viel von unserem Leben und unserer Energie wir dem zermürbenden, vergeblichen Streben nach Perfektion opfern, wird erschreckend deutlich, dass all das kein Versehen ist. Die meisten von uns würden sich nicht bewusst dafür entscheiden, so zu leben, hätte es keine Konsequenzen, wenn wir uns nicht anpassen. Mädchen sind nicht von Natur aus schönheitsbesessen, sie werden dazu erzogen.

Wenn wir also bedenken, dass unsere Gewohnheiten nicht naturgegeben sind, sondern sich im Laufe der Zeit als intelligente Lösungen für die Probleme in unserem Leben entwickelt haben, erkennen wir, dass es viele Dinge in unserem Leben gibt, die wir nicht aktiv und bewusst für uns selbst gewählt haben, sondern die einfach automatisch ablaufen. Diese Gewohnheiten wurden nicht von uns, sondern von anderen in den Nährboden unseres Geistes eingepflanzt, um dort weiter zu wachsen, bis sie ihn nach und nach komplett eingenommen haben. Sie sind nicht aus unseren eigenen, authentischen Wünschen heraus entstanden, sondern als Reaktion auf eine Umwelt, die unsichere Frauen und Konsumentinnen braucht. Wie viele Dinge, die wir tun, entspringen der Angst statt der Freude?

In diesem Buch möchte ich dich darauf aufmerksam machen, wie unsere von Perfektion besessene Kultur und unsere Fixierung auf moralische Reinheit als Grundpfeiler der Weiblichkeit uns daran hindern, Freude zu empfinden und das Schöne in unserem Leben zu feiern – und uns auf die Dinge zu konzentrieren, die weder verändert noch in Ordnung gebracht werden müssen, sondern bereits schön sind und uns zur Verfügung stehen, sodass wir einfach nur zuzugreifen und uns daran zu erfreuen brauchen. Es ist kein Versehen, dass wir uns vielleicht »schuldig« fühlen, weil wir unser Leben genießen oder es wagen, mehr zu wollen. Das Gefühl des »Genug-Seins« bedeutet, dass wir womöglich innehalten und erkennen, dass wir einen Haufen Dinge, die wir gekauft haben, Menschen, die wir gedatet, Gedanken, die wir befürwortet haben, gar nicht brauchen. Wir könnten entdecken, dass wir auch ohne sie genug sind!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich auf dem Sterbebett nicht darüber beklagen werde, wie dick mein Bauch und meine Oberschenkel sind oder wie viele »Good Skin Days« ich im Laufe der Zeit hatte, sondern eher darüber, wie viele meiner Tage ich verschwendet habe, weil eine verzerrte Sicht auf meinen Körper mich davon abgehalten hat, die erfüllteste, umfassendste Version meines Lebens zu leben. Ich will nicht, dass einige von uns zu spät erkennen, dass wir eine kleine, freudlose Light-Version dessen gelebt haben, was unser Leben hätte sein können, weil wir ständig darauf gewartet haben, perfekt genug zu sein, um Freude zu empfinden. Unser Leben sollte fett und voll von ALLEM sein.

Lockvogelangebot

Obwohl wir Frauen heute weit mehr Rechte über unseren Körper haben und es nicht mehr »so schlimm wie früher« ist, hat sich an der Tatsache, dass Regierungen und Unternehmen Macht über unsere Körper haben, grundsätzlich nicht viel geändert. Sie hat nur eine andere Form angenommen. Naomi Wolf erklärt, dass nach den 1970er Jahren – in denen Frauen sich endlich mehr rechtliche und soziale Freiheiten wie Verhütung, reproduktive Rechte und Kreditkarten erkämpft hatten und in denen sie zu einem festen Bestandteil der Arbeitswelt geworden waren – als Gegenangriff auf unsere neu gewonnene Autonomie eine weit subtilere Form von Kontrolle entwickelt werden musste. Den Frauen wurde nicht mehr direkt gesagt, was sie zu tun und zu lassen hatten, stattdessen wurden sie durch Werbung und eine Bilderflut der »idealen« Frau dazu genötigt, sich selbst zu kontrollieren, einzuschränken und Diät zu halten. Und das Beste daran? Sie kauften den Make-up-Pinsel, den Rasierer und die Diätpillen von ihrem eigenen Geld und hielten es für ihre eigene selbstermächtigende Entscheidung. Das war verdammt clever, denn jetzt kontrollieren und regulieren die Frauen ihren Körper selbst – die Regierung muss nicht mehr eingreifen, sie tun es sich »freiwillig« an. Wie können wir in einer Kultur, die das Schönheitsideal für Frauen absichtlich so hoch ansetzt, dass es unerreichbar ist, und die uns unter Androhung von Strafe dazu zwingt, es zu erfüllen, überhaupt noch erkennen, ob es unsere freie Wahl ist, wenn uns Weiblichkeit von klein auf aufgezwungen wird? Wird eine Entscheidung bezüglich der Schönheit überzeugend als »Selbstoptimierung« verkauft, kann es schwer sein, nicht darauf reinzufallen. Wir sollen doch die beste Version von uns selbst sein wollen, oder? Besonders, wenn unsere Freundinnen es auch tun. Besonders, wenn alle in den sozialen Medien es tun. Besonders, wenn es uns hübsch macht.

Wenn du mit jemandem über Feminismus diskutierst, die*der glaubt, dass Frauen und Männer heute vollständig gleichberechtigt sind, werden die meisten unschuldig auf all die Fortschritte verweisen, die Frauen gemacht haben. Wenn es ein Mann ist, der so etwas sagt – und meist ist es so –, sagt er vielleicht sogar mit Verweis auf dich: »Du verdienst doch mehr Geld als ich!«, als wäre das Beweis genug, dass es keinen Sexismus mehr gibt. Wenn du versuchst, ihm den Gender-Pay-Gap zu erklären, sagt er vielleicht: »Frauen verlangen eben keine Gehaltserhöhungen!« Dann kommst du dir vielleicht sogar blöd vor. Was soll ich darauf antworten?! Er hat ja recht! Es ist dir womöglich peinlich, weil du jemandem nicht begreiflich machen kannst, warum wir Frauen trotz all unserer »Fortschritte« immer noch vom Patriarchat beherrscht werden, und suchst unbeholfen nach den richtigen Worten, weil dir keine Argumente einfallen, um die angeblich logischen Fakten zu widerlegen. Aber das liegt daran, dass der Käfig, der Frauen daran hindert, sich zu erheben, nicht mehr aus offen sichtbaren Gesetzen und Vorschriften besteht – der patriarchalische Käfig, der uns zurückhält, befindet sich jetzt in unseren eigenen Köpfen.

Es gibt noch ein weiteres Hindernis, das wir bekämpfen müssen, und das befindet sich in uns.

 

Mit dem Patriarchat Schluss machen

Das Ziel ist, Frauen zu kontrollieren. Das war es schon immer.

Aber Frauen machen kollektiv mit dem Patriarchat Schluss, weil wir langsam erkennen, dass es uns dazu zwingt, ein kleines, ängstliches Leben zu führen, indem es sich in unseren Köpfen einnistet. Es hat was von dem Versuch, narzisstische Beziehungen mit toxischen Partnern zu beenden – es wird hässlich, sie treiben böse Spielchen und ziehen die übelsten Tricks ab, bis sie irgendwann keinen Einfluss mehr auf dich haben. Genau das erleben wir heutzutage. Jetzt, wo wir geistig freier sind und langsam aufwachen, bleibt das dem Patriarchat und den Herrschenden nicht verborgen. Sie wissen, dass wir es wissen. Und weil die Frauen ihre Kontrollmechanismen durchschauen, gestaltet das Patriarchat das Spiel einfach um, entwickelt noch subtilere Taktiken zum Machterhalt und vermittelt gleichzeitig die Illusion, dass alles vorbei ist. Naomi Wolf sagt, es sei wie ein »Erwachsener, der spielerisch mit einem Kind ringt und es gern in dem Glauben lässt, es habe gewonnen«.

Ich halte es nicht für Zufall, dass die zunehmende Body Positivity und Macht der Frauen über ihren Körper mit einem Gegenangriff auf die reproduktiven Rechte einhergehen, wie in den USA, wo die Grundsatzentscheidung Roe versus Wade aufgehoben wurde, um Schwangerschaftsabbrüche zu verweigern. Während die Welt von den erstickenden Erwartungen an die Rollen von »Mann« und »Frau« Abstand nimmt und mehr Raum dafür bietet, zu sein, wer wir sein wollen, sehen wir, dass die Rechte von Transmenschen als Schlachtfeld benutzt werden, auf dem Leute ihren Frust abbauen können und auf dem sie verteidigen, was von ihrem Identitätsgefühl noch übrig ist. Sie sehen dabei zu, wie die Rollen, die sie ihr ganzes Leben lang definiert haben, sich vor ihren Augen auflösen, und so greifen sie die Menschen an, die den Mut haben, die ihnen zugewiesenen Geschlechterrollen in Frage zu stellen, Menschen, die sagen: »Ich bin weder ein Mann noch eine Frau.«

Mit dem Patriarchat und der Art und Weise, wie es unser Denken geprägt hat, Schluss zu machen wird nicht leicht. Als der Zugang zu reproduktiven Rechten erweitert wurde, war das ein Lockvogelangebot. Wir dachten, wir würden Freiheit erlangen, aber der äußere Käfig wurde nur in einen inneren umgewandelt. Nun, da wir dem Ganzen auf die Spur gekommen sind, pirscht sich die Gesetzgebung wieder hinterrücks an. Das Kontrollieren von Frauen hat nie aufgehört. Das Patriarchat ist wie ein Ex-Freund: Sobald du ihn auf sein kontrollierendes Verhalten ansprichst, verspricht er, in Therapie zu gehen. Aber dort lernt er nur einen Haufen Therapiejargon, und sein Missbrauch wird verdeckter, weniger offensichtlich. Vielleicht fängt er an, passiv zu kontrollieren, was du anziehst, indem er dir weniger Zuneigung entgegenbringt, wenn du bestimmte Sachen trägst, oder indem er dich mit anderen Frauen vergleicht. Du lernst, die Kleidung, die du tragen willst, mit unangenehmen Gefühlen und einem Mangel an Zuneigung zu verbinden. Also beschließt du, ein bestimmtes Kleid nicht mehr zu tragen. Warum nicht, wenn es ihn glücklich macht? Außerdem hat er mir ja nicht gesagt, dass ich es nicht mehr anziehen soll! Es ist meine eigene Entscheidung! Es mag dir wie eine »eigene Entscheidung« vorkommen, du könntest dir sogar einreden, du würdest das Kleid nicht mehr mögen oder es wäre »normal, Dinge zu tun, um seinem Partner zu gefallen«, aber es ist das Ergebnis seines Wunsches, dass du es nicht mehr trägst. Seine Methoden sind einfach raffinierter geworden. Er hat rausgefunden, wie er dich manipulieren kann, damit du tust, was er möchte, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Hat dich dazu gebracht, deiner Intuition zu misstrauen und ihm zu geben, was er will. Auf diese Weise hat das Patriarchat erreicht, was es wollte – die finanziellen, sexuellen und geistigen Fortschritte der Frauen mithilfe der Illusion auszubremsen, wir hätten uns diesen Körperwahn »selbst ausgesucht«. Es ist absolut daneben, dass wir die Dreistigkeit haben, manche Frauen als selbstbesessen zu geißeln, als wäre es eine persönliche Charakterschwäche von ihnen und keine Überlebenstaktik, die sie sich angeeignet haben, weil die Kultur, in der sie leben, Perfektion verlangt.

Schönheit als eine Form von Kontrolle wurde eingeführt, um das Selbstwertgefühl von Frauen zu destabilisieren. Der Schönheitswahn lenkt uns nicht nur von dem ab, was wirklich wichtig ist, das Hungern und Darben, dem wir uns unter dem Einfluss der Diätkultur unterziehen, schwächt auch unseren Körper. Wir verpassen so viel von unserem Leben, weil wir gar nicht richtig da sind. Wir beobachten uns selbst – als Voyeur*innen unseres eigenen Lebens. Wir bestellen eine Beilage, obwohl wir eigentlich lieber den gleichen Hauptgang essen würden wie alle anderen. Wenn wir zu Veranstaltungen gehen, haben wir panische Angst, von unserer schlechten Seite fotografiert zu werden, als wäre es die verdammte dunkle Seite des Mondes, und versuchen die Unterschiede zu verbergen, die unser Körper verglichen mit denen anderer aufweist. Die wichtigsten Tage und schönsten Momente unseres Lebens gehen oft komplett in einem Tsunami aus Sorge und Angst um unser Aussehen unter. Unsere Besessenheit von unserem Äußeren beeinträchtigt unsere Fähigkeit, präsent zu sein, unseren Körper voll und ganz zu bewohnen und den Reichtum des alltäglichen Lebens in uns aufzunehmen. Wie sollen wir die Schönheit eines Sonnenuntergangs am Strand genießen, wenn unsere Aufmerksamkeit ganz davon in Anspruch genommen wird, ob unser Bauchspeck über das Bikinihöschen quillt? Oder davon, dass wir vergessen haben, uns die Zehen zu rasieren? So kann keine Liebe hinein- und keine Freude herauskommen, alles ist blockiert.

Wenn wir das Gefühl haben, nicht genug zu sein, denken wir nie darüber nach, ob es daran liegen könnte, dass die Linse kaputt ist, durch die wir uns selbst betrachten, und nicht wir selbst. Wir sind so sozialisiert worden, dass wir kein Problem damit haben, uns für jede Situation zu entschuldigen und die Schuld zum Teil – wenn nicht sogar ganz – auf uns zu nehmen. Vielleicht erinnerst du dich an Zeiten, in denen du deinen Freund*innen etwas über jemanden verheimlicht hast, mit dem du zusammen warst, damit sie keine Abneigung gegen ihn entwickeln. Und wenn dich Leute schlecht behandelt haben, hast du es mit »Wahrscheinlich haben sie eine schwierige Vergangenheit« abgetan, damit sie sich nicht unbehaglich fühlen, weil sie dir etwas angetan haben. Die meisten von uns werden dazu erzogen, »nette Mädchen« zu sein. Und nette Mädchen sorgen dafür, dass die Leute sich in ihrer Gegenwart nicht unbehaglich fühlen. Sie achten darauf, dass sich alle verdammt noch mal großartig fühlen! Also lernen wir, die Verantwortung für Dinge zu übernehmen, für die wir nichts können, um anderen die Konsequenzen ihres Handelns zu ersparen. Das kulturelle schlechte Gewissen und der Reflex, die Schuld auf uns zu nehmen, nähren unsere Überzeugung, dass die Verantwortung immer bei uns liegt. Sie machen uns weis, dass etwas mit uns nicht stimmt. Uns wird beigebracht, uns selbst als die Schuldigen zu betrachten, uns selbst zu optimieren und körperlich einzuschränken. Wir nehmen die Schuld auf uns, übernehmen die Verantwortung für unsere »Fehler«.

Auch wenn es leicht wäre, diese Erkenntnis als deprimierend abzutun, verspreche ich dir, dass sie sich letztlich als ermutigend entpuppen wird. Denn jetzt können wir uns mutig auf den Weg machen, unsere Energie auf neue Ziele auszurichten! Wir können sie von Dingen zurückziehen, in die wir sie unbewusst investiert haben und die uns auslaugen, und sie stattdessen in andere stecken, die lohnend für uns sind und uns erfüllen. Das ist ein lebenslanger Prozess, aber er ist es wert. Du wirst förmlich spüren, wie die Energie in dein Leben zurückfließt und alles in dir und um dich herum belebt. Eine gesetzte Grenze, ein früheres Ins-Bett-Gehen, einen grausamen Schönheitsanspruch weniger an dich selbst, eine nach der anderen.

Bist du dir dessen bewusst, kannst du anfangen, dich zu fragen, wodurch du Energie verlierst, zum Beispiel: Warum fühle ich mich beim Anziehen immer so scheiße? Vielleicht, weil du gelernt hast, dass du dich mit jedem Outfit beweisen musst. Oder du merkst, dass du erschöpft bist, weil du aus Angst, als unfreundlich zu gelten, zu viele gesellschaftliche Events besuchst, obwohl du lieber zu Hause bleiben würdest. Oder dir wird klar, dass du eigentlich nie gern Kleider getragen und die Signale deines Körpers ignoriert hast, denn: »Wer schön sein will, muss leiden.«

Es ist eine verdammt machtvolle Entscheidung, selbst die kleinsten Schritte in Richtung eines genussvollen Lebens zu unternehmen, das dir Erfüllung bringt statt Erschöpfung und Groll. Es gibt so viele Arten, voller Groll und erschöpft zu sein, wie es Menschen auf der Welt gibt. Bei mir lag es daran, dass ich ständig versuchte, den Maßstäben von jemand anderem gerecht zu werden. Stattdessen können wir langsam auf ein Leben nach unseren Werten hinarbeiten, indem wir uns von alten Glaubenssätzen lösen und die Samen für die Ziele säen, die in unserem Leben als Nächstes Früchte tragen sollen. Was auch immer du dir wünschst. Du kannst es kultivieren. Dein Leben absichtsvoll leben statt automatisiert. Ich sage nicht, dass es einfach wird, du wirst ein paar Opfer bringen müssen. Aber ein Teil von dir wusste das von Anfang an. Oft ist das der Grund, warum wir Veränderungen von vornherein vermeiden. Wir haben Angst davor, was wir dadurch verlieren können. Wenn wir aufhören, krampfhaft an Schönheitsritualen festzuhalten, behaupten manche womöglich, wir würden uns »gehen lassen«. Wenn wir Grenzen setzen, gefällt es einigen Leuten vielleicht nicht, dass wir nicht mehr so zugänglich für sie sind, und sie verlassen uns. Aber was wir bei anderen an Ansehen »verlieren«, gewinnen wir an Respekt für uns selbst. Entscheidungen zu treffen, die unseren Werten entsprechen, ist ein mutiger, ein kühner Schritt. Und es fühlt sich verdammt geil an!

Das Streben nach Perfektion in allen Bereichen unseres Lebens macht uns permanent unzufrieden, weil sie nicht existiert. Solange wir immer noch glauben, es gebe so etwas wie »Perfektion« und wir müssten uns an diesem patriarchalischen Trugbild messen, werden wir uns immer unzulänglich fühlen. Wir werden nie glücklich sein. Es wird nie genug sein. In einer Welt, in der eine scheiß Körperform aus der Mode kommen kann, wird nichts, was wir tun, je den Hunger nach Perfektion in uns stillen, denn schon morgen könnte unsere Figur von Trendforscher*innen als »wertlos« eingestuft werden. Perfekt gibt’s nicht.

Weil wir einen Großteil unserer Energie für unsere Schönheit verpulvern, die wir messen und mit anderen vergleichen, können wir all die Fülle und Schönheit in uns selbst und in der Welt um uns herum nicht mehr sehen. Wir sind darauf trainiert, nichts als Mangel wahrzunehmen. Unser Verstand ist darauf programmiert, das zu erkennen, was nicht da ist, statt das, was da ist, damit wir weiter Geld ausgeben, uns abstrampeln, beweisen und perfektionieren müssen. Das ist einer der Gründe, warum wir so oft unzufrieden sind, wenn wir etwas bekommen, das wir haben wollten. Wir kehren wieder in unseren Grundzustand des Mangels zurück. Die Besessenheit von Perfektion in jeglicher Form trennt uns von einem Zustand der Dankbarkeit und der Wertschätzung dessen, was wir haben.

Wäre es nicht stinklangweilig, wenn der Zweck unseres Daseins darin bestünde, nur zu leiden, während wir so dünn und perfekt wie möglich werden? Glaubst du wirklich, das hätte Mutter Natur mit uns allen im Sinn gehabt? Natürlich nicht, verdammt! Schau dir bloß mal an, was uns alles geschenkt wurde. Leuchtend bunte, saftige Früchte, die auf Bäumen wachsen, bereit zum Pflücken und Vernaschen. Eine Sonne, die unaufhörlich scheint und alles, was sie berührt, mit Leben und Freude erfüllt. Die vielen Formen von Liebe, die wir von anderen Menschen bekommen. Das euphorische Glücksgefühl eines guten Albums. Eine Zunge, mit der wir alles schmecken können. Ich bin buchstäblich mit einer Klitoris auf die Welt gekommen. Vergnügen ist kein nachträglicher Einfall dessen, was auch immer uns erschaffen hat, sondern ein Teil unseres Bauplans! Alles, was mir in der Welt über meinen Körper beigebracht wurde, widerspricht der Wahrheit und dem Wesen dessen, wozu mein Körper eigentlich da ist. Unser Körper ist dazu da, um Erfahrungen zu machen. Stattdessen bringen wir Frauen bei, die von Natur aus dazu bestimmt sind, das Privileg zu genießen, einen Körper zu haben, ihn zu überwachen, zu kontrollieren und für »Fehlverhalten« zu bestrafen. Im Diätprogramm Slimming World werden bestimmte Lebensmittel als »Syns« bezeichnet (ein Wortspiel, das wohl niemandem entgangen ist). Sagt diese Wortwahl nicht alles über den moralischen Perfektionismus aus, anhand dessen wir all unsere Entscheidungen treffen?

Mit dem Patriarchat Schluss zu machen bedeutet deshalb auch, mit uns selbst Schluss zu machen, denn die Struktur des Patriarchats hat sich in unserem Kopf eingenistet, und wir haben seine Glaubenssätze schon zu lange fälschlicherweise mit dem verwechselt, »wer wir sind«. Vieles davon hat unsere Persönlichkeiten geformt! Um die Erfüllung zu erleben, die wir uns wünschen, um die Grenzen unseres Lebens auszuloten und das Gefühl zu haben, es voll und ganz ausgekostet zu haben, müssen wir zuerst die Glaubenssätze identifizieren, die uns eingetrichtert wurden, damit wir die Grenzen, die sie uns setzen, überwinden und über sie HINAUSWACHSEN können.

Wir müssen darüber sprechen, auf wie viele Arten wir Frauen dazu erzogen werden, zu SCHRUMPFEN und Angst davor zu haben, über uns hinauszuwachsen. Kurze Warnung: Gut möglich, dass du danach angepisst bist.

 

Schrumpfen oder über sich hinauswachsen?

Wir wissen, dass wir uns oft im Hinblick auf das, was wir glauben, erreichen zu können, Grenzen setzen, aus Mangel an Selbstvertrauen. Aber es gibt noch ein weiteres Limit, das wir uns setzen, und zwar in Bezug darauf, wie viel wir erreichen wollen. Wie glücklich wir sein wollen. Unbewusst haben wir vielleicht sogar Angst vor Erfolg! Jo Freeman, Autorin von Trashing: The Dark Side of Sisterhood, sagt: »Frauen, die ihr Potenzial für Leistung zeigen, werden sowohl von Frauen als auch von Männern abgestraft. Die ›Angst vor dem Erfolg‹ ist vollkommen rational, wenn man weiß, dass die Reaktion auf Leistung Feindseligkeit und nicht Lob ist.« Auch wenn wir behaupten, dass wir mega-erfolgreich sein wollen, solange ein Teil von uns insgeheim Angst vor Erfolg, Glück, Freude oder davor hat, »zu hell zu leuchten«, hat das einen Einfluss auf unser Verhalten und wir sabotieren unsere Chancen, dies zu erreichen. Wir müssen darüber reden, dass Frauen gelernt haben, sich klein zu machen und zu schrumpfen – um zu vermeiden, »zu viel« Spitzenleistung zu bringen und dafür bestraft zu werden. Um zu vermeiden, dass sie das begehen, was Gay Hendricks »the Crime of Outshining«, das Verbrechen des Überstrahlens, nennt.

Es gibt zwei gegensätzliche Wahrheiten, mit denen sich Frauen auseinandersetzen müssen:

1. Wenn wir unser bestmögliches Leben führen und nach unseren eigenen Vorstellungen glücklich sein wollen, müssen wir »ÜBER UNS HINAUSWACHSEN«. Wir müssen Risiken eingehen, müssen lernen, »NEIN« zu sagen, müssen unsere Komfortzone und unser Zuhause verlassen, um Erfahrungen zu machen, müssen neue Dinge ausprobieren, uns auf neues und unbekanntes Terrain vorwagen und die einschränkenden Glaubenssätze überwinden, die wir übernommen haben und die uns einreden, dass wir so, wie wir sind, nicht in Ordnung sind. Wir müssen reisen, unsere Gedanken mit anderen teilen, uns ausdrücken, uns durchsetzen, unsere Meinung sagen und lernen, uns für das zu entscheiden, was für uns richtig ist, auch wenn das bedeutet, die Menschen zu enttäuschen, die uns lieben.

2. Bei jedem Schritt auf dem Weg dorthin schaltet sich etwas in uns ein, das uns dazu bringt, »SCHRUMPFEN« zu wollen.