7,99 €
Mottenburg nennen die Patienten ihre Lungenheilstätte, in der alle an derselben Krankheit leiden, alle die »Motten« haben. Einer von ihnen ist der achtjährige August, der seine Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen verloren hat und selbst verloren wäre, gäbe es da nicht Lilo. Lilo ist siebzehn, sie ist schön, sie wagt es, sich mit der Oberschwester anzulegen, und wenn Lilo seinen Namen ausspricht, klingt er anders als sonst. Mehr als sechzig Jahre danach sind die Erinnerungen an diese Zeit immer noch präsent, kann August darin wie in einem Bilderbuch blättern. In »August«, Christa Wolfs letzter, begeister aufgenommener Erzählung, ebenso wie in den Erzählungen »Blickwechsel« und »Zu einem Datum« lesen wir von schwierigen Zeiten im Zeichen von Krieg und Krankheit, aber auch von Menschen, die etwas erfahren haben, das man wohl Glück nennen könnte.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 86
Veröffentlichungsjahr: 2014
Mottenburg nennen die Patienten ihre Lungenheilstätte, in der alle an derselben Krankheit leiden, alle die »Motten« haben. Einer von ihnen ist der achtjährige August, der seine Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen verloren hat und selbst verloren wäre, gäbe es da nicht Lilo. Lilo ist siebzehn, sie ist schön, sie wagt es, sich mit der Oberschwester anzulegen, und wenn Lilo seinen Namen ausspricht, klingt er anders als sonst. Mehr als sechzig Jahre danach sind die Erinnerungen an diese Zeit immer noch präsent, kann August darin wie in einem Bilderbuch blättern.
In August, Christa Wolfs letzter, vielgerühmter Erzählung, ebenso wie in den Erzählungen Blickwechsel und Zu einem Datum lesen wir von schwierigen Zeiten im Zeichen von Krieg und Krankheit, aber auch von Menschen, die etwas erfahren haben, das man wohl Glück nennen könnte.
Christa Wolf, geboren am 18. März 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), wurde für ihr Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis sowie zuletzt dem Thomas-Mann- und dem Uwe-Johnson-Preis. Sie starb am 1. Dezember 2011 in Berlin.
Christa WolfAugust
Erzählungen
Mit einem Nachwort vonGerhard Wolf
Die Erzählung August erschien erstmals 2012. Blickwechsel wurde erstveröffentlicht in neue deutsche literatur 18 (1970),Zu einem Datum in Sinn und Form 23 (1971).
eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2014
Der vorliegende Text folgt der 1. Auflage der Ausgabe suhrkamp taschenbuch 4495.
© der deutschen Ausgabe Suhrkamp Verlag Berlin 2014
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.
Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Für Inhalte von Webseiten Dritter, auf die in diesem Werk verwiesen wird, ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber verantwortlich, wir übernehmen dafür keine Gewähr. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar.
Umschlaggestaltung: Göllner, Michels, Zegarzewski
Umschlagfoto: Archiv Gerhard Wolf
Satz: Satz-Offizin Hümmer GmbH, Waldbüttelbrunn
August erinnert sich: Er war wie jedes der Kinder, die bei Kriegsende ohne Eltern auf der Bahnstation in Mecklenburg ankamen, befragt worden, wann und wo er seine Mutter verloren hatte. Aber das wußte er ja nicht. Ob der Bombenangriff auf den Flüchtlingszug vor oder nach der Fahrt über den großen Fluß erfolgt war, den sie die Oder nannten. Auch das wußte er nicht. Er hatte ja geschlafen. Als der schreckliche Krach anfing und die Leute schrien, hat eine fremde Frau, nicht seine Mutter, ihn am Arm gepackt und aus dem Zug gerissen. Er hat sich hinter die Böschung in den Schnee geworfen und ist liegengeblieben, bis der Lärm aufhörte und bis der Zugführer schrie, alle, die noch lebten, sollten sofort einsteigen. August hat weder seine Mutter noch diese fremde Frau je wiedergesehen. Ja, da lagen Leute über das Feld verstreut, die nicht in den Zug eingestiegen sind, der dann bald weiterfuhr.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!