Breakups and Butterflies - Kyra Groh - E-Book

Breakups and Butterflies E-Book

Kyra Groh

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Beschreibung

Die annotierte Jubelausgabe in wunderschöner Neuausstattung und mit Bonuskapitel: Die Office-Romance von Kyra Groh Mara hat alles im Griff – wenn sie nicht gerade den Zwergspitz ihrer Chefin hüten muss und ihr Verlobter Sebastian sich nicht aus heiterem Himmel von ihr trennt und sie aus der Wohnung schmeißt. Plötzlich steht Maras ausgeklügelter Lebensplan kopf, und sie muss sich nicht nur einen Plan B überlegen, sondern auch eine neue Bleibe finden. Fürs Erste fällt ihr da nur das Co-Working-Office ein. Doch dort trifft sie immer wieder auf Marius. Seines Zeichens Filmemacher, wahnsinnig charmant, sieben Jahre jünger, und planlos glücklich. Also definitiv kein Mann für Mara. Bis sie merkt, dass sie ihm nicht nur seinen Joghurt klauen kann, sondern dass manchmal gar kein Plan auch eine Lösung ist ... »Niemand verbindet Herzklopfen und Humor so wie Kyra Groh.« Lilly Lucas Tropen: Office Romance, Friends to Lovers, Opposites Attract Die Neuausgabe von "Gar kein Plan ist auch eine Lösung" mit Bonusmaterial und Annotationen von der Autorin

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Seitenzahl: 492

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Breakups and Butterflies

KYRA GROH wurde 1990 in Seligenstadt am Main geboren. Sie schreibt Geschichten direkt aus dem Leben – immer mit Humor, Tiefgang und authentischen Figuren. Mit ihrer Familie wohnt sie in Frankfurt, liebt Bücher, Serien und Livekonzerte und gibt zu viel Geld für Kaffee aus. Auf Instagram und Tiktok berichtet sie unter @kyraschreibt über die Liebe, das Leben und ihre Bücher.

Mara hat alles im Griff – wenn sie nicht gerade den Zwergspitz ihrer Chefin hüten muss oder ihr Verlobter Sebastian sich nicht aus heiterem Himmel von ihr trennt und sie aus der Wohnung schmeißt. Plötzlich ist Maras ausgeklügelter Lebensplan dahin und sie muss sich nicht nur einen Plan B überlegen, sondern auch eine neue Bleibe finden. Fürs Erste fällt ihr da nur das Co-Working-Office ein. Doch dort trifft sie immer wieder auf Marius. Seines Zeichens Filmemacher, sieben Jahre jünger und planlos glücklich. Also definitiv kein Mann für Mara. Bis sie merkt, dass sie ihm nicht nur seinen Joghurt klauen kann, sondern dass manchmal gar kein Plan auch eine Lösung ist ...Die wahnsinnig charmante Office-Romance von Spiegel-Bestsellerautorin Kyra Groh – ERWEITERT 

Kyra Groh

Breakups and Butterflies

Manchmal ist gar kein Plan auch eine Lösung

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Originalausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 1. Auflage Dezember 2019© Ullstein Buchverlage GmbH, Friedrichstraße 126, 10117 Berlin 2025Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.Bei Fragen zur Produktsicherheit wenden Sie sich bitte an [email protected]: Favoritbüro, MünchenTitelabbildung: © shutterstock / A7880S; © shutterstock / renberrry; © shutterstock / Lana Brow; © shutterstock / lemonoAutorenfoto: © Kyra GrohEbook powered by pepyrusISBN 978-3-98978-070-5

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Inhalt

Das Buch

Titelseite

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Leseprobe: Fake Dates and Fireworks

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kein Traum in Weiß

Ich mache mich pünktlich um achtzehn Uhr auf den Heimweg. Zeus ist verwirrt, weil er mit der Bahn fahren muss. Ich bin verwirrt, weil mich der Arbeitstag nicht loslässt. Die anderen Fahrgäste sind verwirrt, weil ich einen Hund in einer Louis-Vuitton-Tasche durch die Gegend schleppe.

Zur Ablenkung überprüfe ich Alex’ letzten Upload auf Blogged.

Das Foto zeigt ihre sauber manikürten Finger, die gerade einen Zettel entfalten, auf dem (in meiner Schrift) Nach Marrakesch reisen steht. Im Hintergrund sieht man ein Marmeladenglas, das bis zum Rand mit weiteren Papierschnipseln gefüllt ist. So verkaufen wir Alex’ Last-minute-Reise an ihre Fans: ein lang gehegter Traum von ihrer Bucketlist. Dabei sind ihr in Wahrheit lediglich die Fotos von atemberaubenden Ferienorten ausgegangen, und Marrakesch war ein pittoreskes Ziel, das ich auf die Schnelle buchen konnte. Noch dazu hat Alex’ Freund endlich einmal kurzfristig Zeit, sie auf eine ihrer Pressereisen zu begleiten. Ich erfülle mir mit dieser Reise einen Marmeladenglas-Wunsch klingt als Bildunterschrift aber einfach besser als Kein anderes Hotel wollte mich spontan bei sich einkehren lassen und als Bezahlung lediglich ein paar Erwähnungen auf einem Modeblog akzeptieren. PS: Bei den übrigen Zetteln im Glas handelt es sich um die zerrissene Speisekarte vom Vietnamesen um die Ecke. Byeee, love you, guys!

Ich habe kein Marmeladenglas voller besonderer Dinge, die ich in meinem Leben noch erreichen will. Ich habe nicht mal eine zerrissene Menükarte von Pho Ngon. Doch wenn ich ein solches Glas hätte, dann könnte ich zumindest einen Zettel herausnehmen und als erledigt erachten: Ich habe einen Freund, mit dem ich sehr zufrieden bin. Er braucht zwar manchmal etwas länger im Bad, aber unsere Beziehung kommt dem Bild, das ich immer von meiner Partnerschaft hatte, schon sehr nahe. Sebastian ist ein Versorgertyp. Jemand, der Dinge anpackt. Der mir sagt, welche Laufschuhe ich kaufen soll, wenn ich überfordert im Laden stehe. Der aktiv Vorschläge für Urlaubsreisen und Restaurants macht. Sebastian weiß, was er will. Dazu gehören zwar dummerweise auch eine ganze Menge Statussymbole, denen ich nicht allzu viel abgewinnen kann, aber wenn Basti diese Dinge nun mal besitzen möchte, kann ich ihm ja schwer reinreden.

»Sebastian?« Meine Stimme hallt merkwürdig, als sie durch den Flur der Eigentumswohnung dröhnt. Sebastian hat mich vor einer halben Stunde auf WhatsApp gefragt, wann ich daheim sein würde. Das habe ich als Ankündigung verstanden, dass wir den Abend gemeinsam verbringen werden. Zeus tapert über den Altbauflur und blickt neugierig in die offen stehenden Türen. Ich mache mich darauf gefasst, dass Basti wegen Zeus einen Nervenzusammenbruch bekommen wird und ich die nächsten fünf Tage damit zubringe, dem Hund hinterherzuputzen. Sebastian ist ein wenig penibel, wenn es um Schmutz und Bakterien geht. Schon das eine oder andere Mal habe ich ihn Hunde als »Keimschleudern« bezeichnen hören.

»Basti?«, frage ich noch einmal. »Es ist richtig gutes Wetter draußen, wir könnten uns eine Flasche Wein und ein Baguette besorgen und im Olympiapark zu Abend essen, wenn du magst.« Ich entledige mich meiner Jeansjacke und des vollgestopften Rucksacks und streife die Plateausandalen von meinen Füßen. Mein kleiner Zeh fühlt sich an, als hätte er sich in den hohen, noch neuen Tretern einige Prellungen zugezogen. Ich kann förmlich spüren, wie sich je zwei Blasen an den Fußinnen- und -außenseiten mit Wasser zu füllen beginnen.

Beim Aufhängen meiner Jacke bemerke ich einen Flyer unter der blauen Keramikschale auf der Anrichte, in der wir Kleingeld und Schlüssel aufbewahren: Haut und Haar – Dein Treatment-Center für Spa-Behandlungen und Haar-Entfernung. Ich ziehe den Flyer mit zusammengezogenen Augenbrauen unter der Schale hervor und bin drauf und dran, einen Witz über die vielen Bindestriche zu machen. Aber Sebastian findet es nicht lustig, wenn ich Dinge wie falsche Apostrophe oder unnötige Wortkopplungen korrigiere. Er sagt, das sei überheblich. Also verkneife ich es mir und entfalte das Flugblatt. Haut und Haar bietet anscheinend jede denkbare Dienstleistung an, mit der man die beiden namensstiftenden Körperregionen aufhübschen kann. Microblading, Microneedling, Acidpeeling, Laser-Haarentfernung … Irgendwie klingt das alles eher nach neumodischen Begriffen für mittelalterliche Foltermethoden. Aber die Preise, die Haut und Haar dafür veranschlagt, sind ganz und gar aus diesem Jahrhundert. Wieso hat Basti das nicht direkt in der Tonne versenkt? Will er sich ein Wimpernlifting machen lassen?

»Schnuppes? Hast du vor, dir die Achselhaare weglasern zu lassen?«, witzele ich und sehe in der Küche nach ihm. Zeus folgt mir. Sicher hat er sich gemerkt, dass der klinisch weiße Raum am Ende des Flurs bei seinem letzten Besuch der Ort der Raubtierfütterung war.

Vielleicht habe ich mich geirrt, und Basti ist noch gar nicht zu Hause? Er ist superehrgeizig und macht nicht selten am Freitagabend oder an den Wochenenden Überstunden – eine Angewohnheit, der ich gleichermaßen mit Stolz und Argwohn gegenüberstehe. Ich habe mir schon zu oft ausgemalt, wie sich seine Arbeitswut auf unsere Beziehung auswirken wird, wenn wir eines Tages Kinder haben. Und in allzu weiter Ferne liegt dieses Szenario nicht. Ich gehe – wie meine Mutter mich bei jedem Telefonat erinnert – stark auf die dreißig zu, und Sebastian hat selbige schon vor sieben Jahren hinter sich gelassen.

Den enttäuscht wirkenden Zeus dicht auf den Fersen sehe ich im Arbeitszimmer nach ihm. Aber der Designer-Bürostuhl von Vitra ist leer, und auch auf dem Schreibtisch und dem USM-Haller-Sideboard gibt es kein Anzeichen für seine Anwesenheit. Sein Arbeitslaptop ist nirgends zu sehen, was ein todsicheres Zeichen dafür ist, dass Basti heute Abend nicht mehr arbeiten wird. Er hasst das fette Teil, weil es nicht mit seiner stylishen Büroeinrichtung harmoniert. Der Laptop »verschandelt den Raum«, hat er einmal gesagt, deswegen schließt er ihn immer weg, sobald er ihn nicht mehr braucht.

Sebastian umgibt sich gern mit schönen Dingen. Markenkleidung und Designobjekte sind sein Ding, selbst sein Haarschnitt wird in einem Münchner Edelsalon zurechtgeschnippelt, in dem die Rechnung dreistellig wird, sobald der Friseurmeister einem den Umhang umlegt. Ich werfe einen Blick auf den Flyer und spüre einen alten, wohlbekannten Druck in mir aufsteigen. Keine Ahnung, wie ich in Sebastians Welt der schönen Statussymbole hi­neinpasse.

Ich öffne die Schlafzimmertür einen Spalt weit, um zu verhindern, dass Zeus den Raum betritt. Sebastian bekommt einen Anfall, wenn Tierhaare auf den weißen Teppich oder gar ins Bett kommen! Das ist auch der Grund, wieso wir niemals Haustiere haben werden. Von dem Hund, den ich als Teenager immer haben wollte, habe ich mich daher mit Sebastians Eintritt in mein Leben verabschiedet.

Sorgfältig quetsche ich mich durch den Türspalt, halte mit dem Fuß Zeus zurück und schließe die Tür schnell hinter mir.

»Was zum …«, entfährt es mir. Vor Schreck lasse ich den Flyer mit den vielen Bindestrichen fallen.

Sebastian sitzt kerzengerade am Fuß unseres großen, mittig im Raum platzierten Boxspringbettes, die Hände sittsam im Schoß gefaltet wie ein Gläubiger im Beichtstuhl. Sein Körpergewicht drückt eine Kuhle in die ansonsten makellose Oberfläche der blütenweißen Tagesdecke. Das Doppelfenster zur Linken des Bettes steht weit offen, und die durchscheinenden, ebenfalls weißen Vorhänge flattern in der Abendbrise.

»Gott, hast du mich erschreckt.« Ich greife mir ans Herz und lache. »Ist alles in Ordnung?« Ich mustere meinen Verlobten genauer und stelle fest, dass er ungewöhnlich gerade auf dem Bett sitzt. Die Beine in einem Neunzig-Grad-Winkel aufgestellt, den man mit dem Geodreieck nachmessen könnte. Basti ist manchmal schon ein bisschen steif. Aber normalerweise sitzt er nicht wie ein Benediktinermönch auf unserem Bett und sieht mich an, als wäre jemand gestorben.

Normalerweise ist er dabei auch nicht von vier großen Reisekoffern flankiert. Ich erkenne das teure Set, das Sebastian für unseren letzten Urlaub in Thailand angeschafft hat. Das war der Trip, auf dem er mir endlich den Heiratsantrag gemacht hat, für den ich bereits drei Jahre lang das ergriffene »Ja! Ja! Natürlich will ich dich heiraten« geübt hatte.

Beim Anblick der Koffer überrollt mich auf einmal eine Erkenntnis, die mich auflachen lässt. Natürlich! Sebastian hat etwas vorbereitet! Bestimmt springt er gleich auf, enttarnt seine festgefrorene Miene als Scharade und eröffnet mir, dass wir übers Wochenende wegfahren. Er wird »Ich hab dich drangekriegt, du hättest dein Gesicht sehen sollen!« oder so etwas Ähnliches jubeln und mir dann Tickets für einen Kurztrip in einen Wellnesstempel unter die Nase halten. Ha! Bestimmt war er auch deswegen bei Haut und Haar – in letzter Zeit haben ihn die vereinzelten Haare auf seinen Schultern in Panik versetzt. Für unser Wochenende in Bademode und Frotteemänteln hat er sich die vielleicht weglasern lassen?

Moment – ob die da Hunde zulassen? Wie Zeus wohl in einem winzigen Bademantel aussieht, Zehentrenner zwischen den lackierten Krallen und Kombucha aus einem Napf schlabbernd?

Sebastian erhebt sich mit einem tiefen Seufzer, tritt auf mich zu und nimmt meine Hände. Wir haben viel diskutiert in den letzten Monaten und kaum Zeit miteinander verbracht. Er musste ständig arbeiten, und ich hing viel zu oft am Handy, um mich um A Galexy of Mine zu kümmern. Dass er uns auf diese Weise etwas Zweisamkeit verschafft, hätte ich nie gedacht. Das sieht ihm gar nicht ähnlich!

»Nu mach es doch nicht so spannend«, kichere ich und reibe aufgeregt mit beiden Daumen über seine Handflächen.

»Mara«, sagt Sebastian bedächtig. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, mein Verlobter ist im Begriff, mir schon wieder einen Antrag zu machen. »Ich trenne mich von dir.«

Kapitel 3

Pranks, die zu weit gehen

»WAS?«, bringe ich heraus, meine Stimme irgendwo zwischen Albernheit und Schock, und entziehe dem Mann vor mir meine Hände.

»Ich trenne mich von dir.«

»Nein, nein, nein«, stammele ich. Ich muss es wirklich nicht noch einmal hören. »Ich hab dich schon verstanden, aber was zur Hölle soll das? Soll das ein Witz sein? Das ist echt nicht komisch!«

»Nein, Mara. Wirklich. Ich trenne mich von dir.«

Der Satz kommt beim dritten Mal endlich in meinem Hirn an. Wieso sagt er das? Weshalb bekomme ich keine Einleitung? Eine Art Rückblick, wie bei Netflix? Ein »Was bisher geschah …«?

Ich halte ihm den ausgestreckten Zeigefinger vor die Lippen, weil Sebastian dazu ansetzt, den Satz ein viertes Mal zu wiederholen. »Ist das dein Ernst?«

Sebastian lässt meine Hände fallen und hebt die Schultern. »Ich bin nicht mehr glücklich.«

»Du bist … nicht glücklich?« Ich werfe den Kopf nach hinten und schüttele ihn, als hätten mich nervöse Zuckungen befallen.

Moment. Nein. Nein. Wo ist mein Wochenende im Wellnesshotel? Wo ist der winzige Bademantel für den Hund?

»Das ist wirklich nicht lustig«, sage ich noch einmal.

»Ich weiß, Mara, das ist nicht lustig«, echot er meine Worte.

Meine Pupillen sausen von links nach rechts und wieder zurück. Ein kleines bisschen rechne ich damit, dass Sebastian gleich einen Lachanfall bekommt, seine Aussage zurücknimmt und mir offenbart, dass er seinen Job gekündigt hat, um eine Karriere als Prank-Youtuber zu starten. Hinter den Vorhängen sind Kameras montiert, unter seinem Hemd ist er mit Mikrofonen verkabelt wie ein Undercover-Polizist.

Doch nichts dergleichen passiert. Die Vorhänge sind weiß und durchscheinend, dahinter verstecken sich keine Kameras, und überhaupt sind das die beschissensten Vorhänge der Welt. Sie machen einen Scheißjob als Vorhänge, weil sie nichts verhängen, unser Schlafzimmer ist immer taghell, und ich merke plötzlich, dass ich deswegen wohl seit Jahren nicht mehr richtig durchgeschlafen habe und dass ich diese verfluchten Vorhänge hasse.

Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich mir mal wünschen würde, mit einem siebenunddreißigjährigen Möchtegern-Komiker zusammen zu sein. Aber hier steh ich nun, verteufle die Gardinen und versuche mir einen Reim auf Sebastians Worte zu machen.

»Was soll das?«, frage ich, meine Stimme nun deutlich schneidender.

»Ich weiß, das kommt jetzt überraschend.«

»ÜBERRASCHEND?« Aus einem Reflex heraus deute ich auf den Flyer auf dem Boden und kreische: »Dass du dich neuerdings für Nadelbehandlungen interessierst – DAS kam überraschend. Das hier ist einfach nur lächerlich. Was soll das?«, frage ich noch einmal. Ich werde panisch. Der Teil in mir, der immer alles gerade richten will, meldet sich zu Wort. Der Teil, der morgens Alex’ Hasspostings löscht, der sämtliche reinweißen Einrichtungsgegenstände duldet und sich damit abgefunden hat, niemals ein Haustier zu besitzen. Der Teil, der stolz war, als meine Eltern Sebastian zum ersten Mal als einen »feinen Kerl« bezeichnet haben, der Teil, der sich mit achtzehn für BWL eingeschrieben hat und der immer erst mal ruhig bis zehn zählt, wenn meine Chefin wieder einen Anfall hat. Dieser Teil weiß plötzlich nicht mehr, wie er diese verrutschte Szene meines Lebens wieder ins Lot bringen kann.

Denn Sebastian nimmt seine Aussage nicht zurück. Im Gegenteil. In seinem Blick manifestiert sich eine Gewissheit, die ich jahrelang nicht an ihm gesehen habe. Nicht mal, als er mir einen Heiratsantrag gemacht hat. Einen Heiratsantrag …

»Wir sind verlobt!«, stoße ich hervor.

»Ich möchte die Verlobung lösen.«

Er sagt all diese Dinge, als hätte er sie auswendig gelernt. Als hätte er sich Karteikarten geschrieben und in die Hosentasche gesteckt, für den Fall, dass er seinen Text vergisst. Dies ist keine Trennung. Dies ist eine PowerPoint-Präsentation.

»Und ich möchte, dass du aufhörst, so eine Scheiße zu reden!«

»Jetzt sei doch nicht vulgär, Mara. Du weißt, ich mag das nicht!«

Ich reiße die Augen auf. »Na und?? Ich mag dieses Kofferset nicht! Silberne Hartschalen!? Sind wir Drogendealer, oder was?«

»Mara! Die sind von Rimowa!«, stößt Sebastian aus, als hätte ich soeben eine Majestätsbeleidigung begangen.

»Okay.« Ich atme tief ein und durch den Mund aus. Ich bekomme das hin. Es gibt eine Lösung. Reden müssen wir. Einfach nur reden. Vermutlich ist das eine Art Midlife-Crisis. Sebastian ist siebenunddreißig – das mal zwei … das ist vierundsiebzig. Mit vierundsiebzig kann man durchaus das Zeitliche segnen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Sebastian sich im Moment in der Mitte seines Lebens und in der damit einhergehenden Identitätskrise befindet.

Unwillkürlich wandert mein Blick zu dem Brillanten an meinem Ringfinger. Sebastian ist der Typ, der einer Frau einen kostspieligen Brilli an den Finger steckt, nicht der Typ, der aus einer Laune heraus alles hinschmeißt.

»Sebastian, wir sind verlobt«, sage ich noch einmal.

»Wie gesagt.« Er streicht sich sorgfältig über das gegelte Haar. Selbst jetzt ist er zu beherrscht, um seinen Look zu ruinieren. »Ich verstehe, dass dies die Sache etwas schwerer macht. Aber das Ganze erhöht auch die Dringlichkeit, wenn du verstehst, was ich meine.«

»Nein.« Ich schüttele mit zusammengepressten Lippen den Kopf.

Sebastian blinzelt. »Was, nein?«

»Nein, ich verstehe die Dringlichkeit nicht. Ich verstehe gar nichts von dem, was du hier sagst.«

Sebastian greift sich an die Nasenwurzel und kneift die Lider so streng zusammen, als müsse er hier gerade einer begriffsstutzigen Vierjährigen erklären, was eins plus eins ergibt. »Ich wollte dir die Sache eigentlich nicht unnötig schwer machen.«

»Welche Sache?« Meine Stimme bricht mitten in der Frage ein und wird zu einem hohen Kieksen. »Es gibt keine Sache! Wir haben heute Morgen noch normal Tschüss gesagt und uns zum Abschied geküsst.«

Sebastian rauft sich nun die Designerfrisur. Sein Verzweiflungslevel ist also bei Frisurenmord angekommen. Deutlicher könnte er es kaum machen, dass ihm das hier bitterernst ist.

»Mara, Maaaara.« Okay, lang gezogene Silben. Sebastian spricht nun endgültig mit mir, als wäre ich bestenfalls im Vorschulalter. »Ich wollte es wirklich kurz und schmerzlos halten.«

»Nach acht Jahren hat man kein Anrecht auf kurz und schmerzlos.« Ich verschränke die Arme vor der Brust. Innerlich bebe ich, weil ich merke, wie mir die Situation entgleitet. Der Zynismus und die angriffslustigen Sprüche – alles Anzeichen für meine blanke Verzweiflung.

»Mara, ich liebe dich nicht mehr.« Ein Satz wie ein Peitschenhieb. »Ich liebe eine andere Frau.« Ein zweiter Hieb, diesmal noch fester. »Ich habe sie vor einigen Monaten kennengelernt, und ich will mit ihr zusammen sein.«

»Du hast … du liebst … Moment mal?! Schläfst du mit einer anderen? Hast du … hast du dir das alles aufgeschrieben? Seit wann planst du das hier?« Ich bin zu fassungslos, um die Fassung noch zu verlieren. Ich bin ein wankender Körper in unserem Schlafzimmer, zwischen weißen Flatterstoffen und silbernen Drogenkoffern.

»Es war ein spontaner Entschluss. Als ich heute Morgen aus dem Haus gegangen bin, wusste ich plötzlich, was wirklich wichtig ist.«

»WAS WIRKLICH WICHTIG IST?« Ich explodiere. »Was zum Teufel ist passiert, als du aus dem Haus gegangen bist? Bist du auf den Kopf gefallen?«

»Mara, bitte. Dieser Zynismus bringt uns doch …«

»O DOCH, MICH BRINGT DAS WEITER.« Ich stampfe mit dem Fuß auf.

»Ich werde dir ein paar Tage Zeit allein hier in der Wohnung geben«, eröffnet Sebastian mir, ohne meinem Wutanfall auch nur das kleinste Fünkchen Aufmerksamkeit zu zollen. Das macht mich noch wütender. Er respektiert mich nicht. »Während ich weg bin, kannst du dich um alles kümmern.«

»Um was kümmern?«

Mit stutziger Miene spreizt er die Hände. »Na, um deinen Auszug«, beginnt er, wobei eindeutig ein »Das versteht sich doch von selbst« mitschwingt. »Hier kannst du nach unserer Trennung ja nicht bleiben. Das wäre nicht gut.«

Nach unserer Trennung. Er lässt es klingen, als läge dieses Ereignis drei Monate in der Vergangenheit.

»Du kannst mich doch nicht vor die Tür setzen, nur weil du heute Morgen beschlossen hast, dass du … Also, dass wir …« Mir wird klar: Er hat es nicht spontan beschlossen. Selbst wenn er das behauptet hat. Wenn er mich seit Wochen – vielleicht sogar seit Monaten – betrügt, dann hat er die Entscheidung schon lange gefällt. Ein Mann, der fremdgeht, weiß vom ersten Mal an, ob er es in der Absicht tut, seine Beziehung zu beenden, oder ob er nur eine nette Geschichte nebenbei sucht. »Ich …« Ich kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Und so rutscht mir nur ein Ausdruck blanker Verzweiflung heraus: »Wo soll ich denn hin?«

»Vielleicht zu deinen Eltern.« Sebastian weiß genauso gut wie ich, dass ich es nicht einen Tag bei meinen Eltern aushalte. Nachdem sie mir praktisch meine Jugend ruiniert haben, reicht es mir schon, einmal die Woche mit ihnen zu telefonieren. »Oder zu einer Freundin. Wir brauchen nur jetzt eine räumliche Trennung.«

Wir? Er! Er braucht das!

»Hast du mir etwa schon meine Koffer gepackt?«, dämmert es mir schlagartig.

»Ich habe sie lediglich aus dem Keller geholt. Ich muss ja auch einen mitnehmen.« Sebastian greift bedeutungsschwer nach dem größeren Gepäckstück. »Hör zu, du hast alle Zeit der Welt, deine Sachen zu packen. Ich komme nächste Woche wieder hierher.«

Alle Zeit der Welt … bis nächste Woche …

»Du musst verstehen, dass es immerhin meine –«

»Untersteh dich, mich jetzt daran zu erinnern, dass das hier deine Eigentumswohnung ist.«

Endlich schaffe ich es, mich von ihm wegzudrehen. Seine Eigentumswohnung, für die ich Miete bezahle, ergänze ich in Gedanken. In diesem Moment heult ein kleines Hündchen auf dem Flur, und ich denke: Wenigstens einer … wenigstens einer kann diese lächerliche Szene betrauern.

Kapitel 4

Hartschalenmonster AG

Ich weiß nicht genau, wie ich mir das Ende einer knapp achtjährigen Beziehung vorgestellt habe. Bisher schlichtweg gar nicht. Eine Trennung war in meinem Leben nicht mehr vorgesehen. Meine letzte und einzige richtige Trennung ereignete sich vor etwa zehn Jahren, als ich achtzehn war, kurz vor dem Abi stand und unzufrieden damit war, dass mein Freund auch in seinem zweiten Jahr nach dem Abschluss der Schule kein Studium angefangen hatte. Er hing unentwegt im Keller seiner Eltern ab und beschränkte seinen Ehrgeiz voll und ganz darauf, Großmeister in World of Warcraft zu werden. Die Trennung war kurz und schmerzlos, für mich jedenfalls, ich war erleichtert und offen für Veränderung. Es gab nichts zu teilen, nichts musste ausdiskutiert werden, es gab null Kollateralschaden.

Doch jetzt?

Jetzt ist mein ganzes Dasein ein einziger Kollateralschaden. Es ist, als wäre der Sebastian, den ich zu kennen geglaubt habe, einfach detoniert und hätte alles um sich herum mit hochgehen lassen. Und ich … ich bin dieses alles, das ihn umgeben hat. Ich war in ihn verwoben – angefangen bei dieser Wohnung, in der ich mich jetzt wie eine Fremde fühle. Und letztlich stimmt das auch. Das hier ist mein Zuhause, aber technisch gesehen nicht meine Wohnung. Sie ist Sebastians Eigentum, und obwohl ich Monat für Monat dafür gezahlt habe, hier leben zu dürfen, gehört nicht ein Quadratzentimeter des Altbaus mir. Als ich vor sechs Jahren meine damalige WG verlassen habe und bei ihm eingezogen bin, haben Sebastian und ich uns auf monatliche Mietzahlungen geeinigt, die bis heute einen beträchtlichen Teil meines Verdienstes schlucken. Sebastian hatte den Plan, dieses Geld in einem Fonds anzulegen, sodass wir, wenn wir eines Tages verheiratet sein würden und ein Haus kauften, das Geld dafür nutzen könnten.

Es erschien mir immer wie eine herausragend gute Lösung; mehr wie ein Bausparvertrag als eine Mietzahlung. Sebastian hat das Ganze sogar notariell aufsetzen lassen. Auch das kam mir damals vernünftig und erwachsen vor. Außerdem erfasste mich beim Gedanken an Hochzeit, Hausbau und Sicherheit ein aufgeregtes Kribbeln.

Wenn ich jetzt aber über die Situation nachdenke, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mir damit mein finanzielles Grab geschaufelt habe. In dem Papierkram, den ich damals unterzeichnet habe, wurde ganz klar festgehalten, dass diese ominösen Sparbeträge nur dann in ein Haus und so gewissermaßen zurück in meinen Besitz fließen können, wenn Sebastian und ich zusammenbleiben.

Ich bin verlassen, betrogen und finanziell im Arsch. Großartig.

Das ganze Wochenende bin ich rast- und haltlos. Ich verlasse das Haus nur, um mit Zeus um den Block zu gehen. Dass Alex mir ungefragt ihren Hund aufgedrückt hat, kommt mir nun fast wie ein Wink des Schicksals vor, das wusste, ich würde eine mentale Stütze brauchen. Auch wenn diese Stütze kaum zwanzig Zentimeter hoch ist und aussieht wie ein geplatztes Kissen, das man mit dem Kreppeisen bearbeitet hat. Zeus spürt meine Ruhelosigkeit. Er folgt mir auf Schritt und Tritt. Gemeinsam legen wir an zwei Tagen einen gefühlten Marathon durch die Wohnung zurück.

Wir tapsen von der Küche zur verschlossenen Schlafzimmertür, bei deren Anblick mir schlecht wird. Von dort ins Bad, wo ich dem Spiegelbild meines verquollenen Gesichts ausweiche. Vom Bad ins Wohnzimmer, in dem wir zusammen auf der Couch übernachten. Er sieht mir zu, wenn ich zur Toilette gehe, wenn ich versuche, mir ein Brot zu schmieren, und wenn ich meinen Geduldsfaden reißen lasse und hemmungslos heule.

Es ist so eine Sache mit meinem Geduldsfaden. Meine Geduld ist keine Schnur, die bei Provokation ausdünnt, bis sie unwiderruflich zerreißt. Meine Geduld funktioniert wie die Zip-Lock-Öffnung eines Gefrierbeutels. Oder wie der besonders strapazierfähige Klettverschluss eines Paars Kinderturnschuhe. Ich kann sie nach Belieben öffnen und schließen. Ich drehe durch, wenn ich mich dazu entschließe, den Zip-Lock und die Klettverschlüsse zu öffnen. Und wenn ich glaube, es ist genug, dann mache ich die Schotten wieder dicht.

So funktioniere ich.

Das war schon immer so. Ich gebe mich niemandem gegenüber verletzlich genug, um einen Tobsuchtsanfall zu riskieren. Wer Wut rauslässt, macht sich angreifbar.

Diese Lektion habe ich gelernt, als ich sechzehn war und mein Vater eines Morgens als vitaler, erfolgreicher selbstständiger Zimmermann zur Arbeit ging und einige Monate später als gebrochener Mann in einem Rollstuhl aus der Reha zurückkehrte. Ich habe mein Recht darauf, kindische Trotzanfälle zu bekommen, aufgegeben, als ich plötzlich die Tochter eines Querschnittsgelähmten war, dessen ganze Existenz darauf gefußt hatte, Dinge anzupacken.

Ich bin in einer traditionsbewussten Familie aufgewachsen. Mein Vater verdiente Geld, meine Mutter machte den Haushalt. Mittags gab es warme Speisen mit Kartoffeln, abends belegte Brote. Ab neun Uhr mussten wir leise im Haus sein, weil Papa schlafen ging, um früh fit zu sein. Mama weckte uns zur Schule, deckte den Frühstückstisch. Überhaupt: Essen spielte eine große Rolle bei uns. Wir waren eine Familie, in der es Sonntagsbraten gab. Und einmal im Monat, wenn Papa sich um seine Steuer kümmern musste, gab es zusätzlich zum Sonntagsbraten einen Sonntagskuchen. Meine Mutter jammerte oft über ihre Rolle, beschwerte sich, dass niemand helfe, nahm aber grundsätzlich niemals Hilfe an, wenn sie ihr geboten wurde. Allerdings tat sie das nur im Familienkreis. Bei meinem Vater, meinem Bruder und mir. Nach außen hin waren wir perfekt. Mama, Papa, Tochter, Sohn. Wenn etwas nicht perfekt war, wurde es totgeschwiegen und hinter den Vorhängen versteckt.

Dann fiel mein Vater einfach so vom Dach. Einem Dach, auf dem er eigentlich gar nicht hätte stehen sollen, wäre an diesem Tag nicht sein Geselle mit einem entzündeten Backenzahn ausgefallen. Und plötzlich war es verdammt schwierig, zu verstecken, dass unsere Familie nicht makellos war. Mama kam damit nicht klar. Sie brach vollkommen in sich zusammen. Und mein Bruder? Der kam zu dieser Zeit erst richtig aus sich heraus. Damit kam ich wiederum nicht klar.

Aus irgendeinem Grund kann ich an diesem Wochenende mit dem kleinen, stromernden Hund in meiner viel zu leeren Wohnung nicht aufhören, an diese Phase meines Lebens zu denken. Vielleicht, weil es sich anfühlt, als würde erneut alles kaputtgehen. Vielleicht, weil zum ersten Mal auf die Probe gestellt wird, ob der dicke Panzer, den ich mir damals zulegen musste, auch wirklich allem standhält.

Als ich am Sonntagnachmittag das erste Mal seit Freitag das Schlafzimmer betrete, denke ich an das Gesicht meines Vaters. Ich betrachte die aufgereihten Hartschalenkoffer, die Sebastian mir in seiner nicht endenden Großmut aus dem Keller heraufgetragen hat, und sehe Papas wässrig-blaue Augen vor mir. Das schüttere Haar und die faltige Haut, die ihn eher wie Mitte siebzig statt Ende fünfzig wirken lässt. Ich erinnere mich daran, wie ich wenige Wochen nach Papas Diagnose zum ersten Mal bei unserer Krankenkasse anrief und mir die Nummern von Beratungsstellen geben ließ, Formulare für eine behindertengerechte Sanierung unseres Einfamilienhauses beantragte und das Angebot der Dame am Telefon ausschlug, dass auch ich »in dieser schweren Zeit mit jemandem reden« sollte. Ich wollte nicht reden, ich musste dafür sorgen, dass es weiterging. Meine Mutter konnte all diese Anrufe nicht tätigen, weil sie im Bett lag und keine Kraft fand, aufzustehen. Mein Bruder Eugen war zu jung, um zu helfen, gerade einmal zwölf. Ich hatte es übernommen, für ihn zu kochen, ihn morgens pünktlich zu wecken und zu kontrollieren, dass er seine Hausaufgaben machte. Ich war die Einzige im Haus, die das alles noch tun konnte.

Ich sinke aufs Bett und schnaube. Wenn ich meinen Eltern sage, was zwischen Sebastian und mir vorgefallen ist, dann … Ich weiß auch nicht. Ich höre förmlich die Stimme meiner Mutter in meinen Ohren, die seit dreizehn Jahren dauerhaft panisch und schneidend klingt: »Was hast du nur getan, Mara? Wieso hat er dich verlassen? Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht immer so viel über ihn meckern, Männer mögen das nicht.«

Mit geschlossenen Augen versuche ich, gegen den größer werdenden Kloß in meinem Hals anzuatmen. Nervös stupse ich einen der Koffer mit dem Fuß an. Der Deckel springt auf und offenbart einen alten Gepäckaufkleber, den eine Mitarbeiterin des Münchner Flughafens vor fast einem Jahr am Griff angebracht hat. MUC —> HKT. Diesen Aufkleber hatte ich aufbewahren wollen. Er sollte mich an den Flug nach Phuket erinnern – wo der Urlaub begann, in dem Sebastian mich fragte, ob ich seine Frau werden wolle.

Ich bin kein hoffnungslos romantischer Mensch. Ich habe nie die Locke eines Verflossenen aufgehoben, noch nie ein Fotoalbum zusammengebastelt oder einen Schrein für meinen Angebeteten errichtet.

Dieser Aufkleber jedoch hat mir etwas bedeutet. Ich wollte ihn auf eine der ersten Seiten unseres Hochzeitsalbums kleben – neben Postkarten und Fotografien aus jenem Thailandurlaub –, zusammengefügt zu der Collage einer nicht unbedingt perfekten, aber immerhin reibungslosen und zielführenden Lovestory.

Tja.

Ich gönne mir fünf Minuten haltlosen Schluchzens und benutze Zeus’ Fell dazu, all die Körperflüssigkeiten aufzufangen, die mir aus Nase und Augen laufen. Dann rappele ich mich auf, entsorge die Erinnerung an Thailand im Hausmüll und beginne, die Koffer zu packen. Ich halte es keine weitere Nacht in dieser Wohnung aus.

»So … und jetzt?«, ist ganz klar die Frage, die in Zeus’ Blick geschrieben steht, sobald die Haustür hinter uns zugeschnappt ist. Nur … beantworten kann ich sie ihm nicht. Auf keinen Fall werde ich meine Eltern anrufen. Ich habe ihnen seit Jahren nichts von meinen Problemen erzählt. Ihrer Ansicht nach habe ich keine Probleme, ich bin das funktionierende Kind. Eugen ist derjenige, der Schwierigkeiten macht – Schwierigkeiten, über die niemals gesprochen wird, denn das würde sie ja real machen. Ich habe genau ein Mal versucht, über Eugens Sonderstellung in der Familie zu sprechen, und es hat zum schlimmsten Streit geführt, den das Haus Klauck je erlebt hat.

Auf dem Treppenabsatz des Appartementhauses gehe ich meine übrigen Optionen durch. Vielleicht könnte ich zu Torben und Bianca … Die haben ein Gästezimmer, in dem wir mal übernachtet haben, als wir einen Wasserschaden hatten. Allerdings finde ich Bianca ziemlich schrecklich, und Torben ist Sebastians bester Freund. Ihre Sympathien werden wohl nicht auf meiner Seite liegen. Womöglich haben sie sogar von der Affäre gewusst.

O Gott … was, wenn es jeder gewusst hat? Auf keinen Fall werde ich bei jemandem ankriechen, der von meiner Erniedrigung weiß. Auf einen Schlag verbanne ich alle Bekannten von Sebastian von der Liste potenzieller Schlafplätze.

Nur … wer steht dann noch auf meiner Liste?