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Spannendes, Mutmachendes und Witziges für Kinder zwischen 5 und 9 Jahren. Geschichten und Gedichte zum Vor- und Selberlesen in Schul-Druckschrift. Mit Bildern von Manfred Schlüter. Bücherwurm trifft Leseratte ist zugleich Programm und will Kinder zum Artenschutz dieser beiden bedrohten "Tierarten" animieren. Ausgewählte Geschichten und Gedichte wie in dieser Sammlung helfen dabei! Bücherwurm trifft Leseratte ist das erste Gemeinschaftsprojekt bekannter Kinderbuchautoren in der Edition Gegenwind. Weitere Informationen zum Buch siehe: www.edition-gegenwind.de
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Gabriele Beyerlein, Thomas Fuchs, Ulrich Karger, Manfred Schlüter und Christa Zeuch stellen mit „Bücherwurm trifft Leseratte“ ihr erstes Gemeinschaftsprojekt und damit zugleich die 20. Buchveröffentlichung in der Edition Gegenwind vor.
Homepage: www.buecherwurm-trifft.de.vu
Gabriele Beyerlein wurde durch zahlreiche Bücher für Kinder und Jugendliche bekannt und ist mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Heinrich-Wolgast-Preis, dem Gerhard-Beier-Literaturpreis sowie mit einem „Buch des Monats“ von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach.
Homepage: www.gabriele-beyerlein.de
Thomas Fuchs schreibt Hörspiele für den Rundfunk und seit vielen Jahren Kinder- und Jugendbücher. Er wurde mehrfach ausgezeichnet – u.a. mit Literatur-Stipendien der Stiftung Preußische Seehandlung und zuletzt mit der Ulmer Unke für den Jugendroman „Unter Freunden“.
Homepage: www.thomas-fuchs.eu
Ulrich Karger ist Begründer der Edition Gegenwind und Herausgeber dieser Anthologie. Er veröffentlichte Bücher für Kinder und Erwachsene, darunter eine sehr erfolgreiche Nacherzählung der Odyssee von Homer. U.a. für den Berliner Tagesspiegel ist er auch als Rezensent tätig. Homepage: www.karger.de.vu
Manfred Schlüter ist der Illustrator u.a. von Büchern der Autoren Achim Bröger, Michael Ende und Boy Lornsen. Seit 1991 legt er auch Bücher mit eigenen Texten für Kinder und Erwachsene vor. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Friedrich-Hebbel-Preis, dem Friedrich-Bödecker-Preis sowie von der Stiftung Buchkunst und der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach.
Homepage: www.manfred-schlueter.com
Christa Zeuch hat in namhaften Verlagen rund 50 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und erfährt bis heute eine große Nachfrage an ihren interaktiven Schullesungen. Mehrfach ausgezeichnet, wurde bereits ihr erster Gedichtband „Unten steht der Semmelbeiß“ in die Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis und in die Ehrenliste zum Hans-Christian-Andersen-Preis aufgenommen.
Homepage: www.christazeuch.de
Gabriele Beyerlein
Verloren auf Burg Frankenstein
Kathrin geht verloren
Thomas Fuchs
Der erste Schultag
Ulrich Karger
Ritter Willibald und sein größter Schatz
Manfred Schlüter
Die erste Wörterinsel
Reimereien und Sprachspielereien
Die zweite Wörterinsel
Christa Zeuch
Grütze, das Schulschwein
Der Fliegenfänger
Mein Freund, der Klotzkopf
Hannes und Greta
von Gabriele Beyerlein
1.
Ich habe mich so auf unseren Schulausflug zur Burg Frankenstein gefreut. Aber jetzt ist alles blöd. Und das liegt an diesem Christof. Dauernd ärgert er Nina, und Nina ist meine beste Freundin.
Wir machen Brotzeit im Burghof. Christof reißt Nina die Kappe vom Kopf. „Hol sie dir! Na los, hol sie dir!“, ruft er und schwenkt die Kappe hoch in der Luft.
Nina springt danach, aber Christof rennt weg. Nina läuft hinter ihm her. Da stolpert sie und fällt hin. Ihr Knie blutet. Sie ist auf ein Gitter gefallen, das über einen tiefen Schacht gelegt ist. Nina versucht sich die Tränen zu verkneifen.
„Komm!“, sagt Frau Hahn, unsere Lehrerin. „Wir müssen das verarzten!“
Frau Hahn macht Nina ein Spray und ein Pflaster auf das Knie. Christof steht daneben.
„Daran bist du schuld!“, sage ich zu ihm.
Er zuckt die Schultern und meint: „Kann ich doch nichts dafür, wenn sie hinfällt!“
Doofer Kerl!
Plötzlich schreit Nina auf: „Meine Halskette ist weg! Meine goldene Kette!“ Jetzt heult sie doch.
„Das war Christof! Er wird deine Kette geklaut haben!“, behaupte ich.
Christof starrt mich wütend an.
„Was sagst du da, Rebecca?“, fragt Frau Hahn.
„Christof hat es auf Nina abgesehen!“, antworte ich. „Er hat ihr die Kappe vom Kopf gezogen. Bestimmt hat er ihr dabei die Kette weggerissen!“
„Christof, so geht das nicht!“, schimpft Frau Hahn. „Ich muss einmal ein ernstes Wort mit dir reden. Und mit deinen Eltern.“
Christof wird knallrot. „Das stimmt doch gar nicht!“, sagt er. „Ich war es nicht!“
„Das werde ich schon herausbekommen!“, droht Frau Hahn. „Aber vielleicht hat Nina ihre Kette auch einfach verloren?“ Dann ruft sie: „Hört her! Nina vermisst ihre goldene Halskette! Helft alle suchen!“
Wir suchen jeden kleinsten Winkel ab. Den ganzen Burghof. Aber die Kette finden wir nicht.
„Hab ich doch gleich gesagt!“, meine ich. „Christof hat sie geklaut!“
„Christof, dreh mal deine Hosentaschen um!“, befiehlt Frau Hahn.
Auf einmal ist Christof richtig weiß im Gesicht. Er presst die Lippen zusammen. Dann zieht er seine Hosentaschen heraus. Keine Kette. Er muss sogar seinen Rucksack ausleeren. Dort ist die Kette auch nicht.
„Ich glaube, ich habe dir Unrecht getan, Christof!“, sagt Frau Hahn. „Tut mir leid. Und jetzt kommt, gleich beginnt unsere Burgführung!“
Christof zischt mir zu: „Du gemeines Aas! Das wirst du mir büßen!“ Mir wird ziemlich heiß.
2.
Vorsichtshalber warte ich, bis Christof mit den anderen im Rittersaal verschwunden ist. Dann folge ich ganz langsam. Ich gehe durch die Tür. Da plötzlich –
Ich schreie auf. Etwas Kaltes, Nasses, Kribbeliges trifft mich am Nacken, rinnt mir den Rücken hinunter. Ich bin pitschnass.
Christof steht hinter der Tür. Er hat seine Sprudelflasche über mir ausgegossen. „Glaub bloß nicht, dass das alles war!“, droht er.
Der Führer zeigt uns die Ritterrüstungen und Waffen. Ich schaue nicht hin. Ich passe auf, dass ich Christof nicht zu nahe komme.
Wir klettern zum Wehrgang hinauf. Christof ist schon wieder neben mir. Ich renne hinter Frau Hahn her in den runden Turm. Im Boden ist ein vergittertes Loch, durch das man in die Tiefe sehen kann. Unten ist alles schwarz.
„Das ist das Burgverlies!“, erklärt der Führer. „Die Gefangenen wurden durch dieses Loch hinabgelassen. Dann mussten sie allein in der Finsternis und Kälte bleiben. Oft sind sie verhungert.“
Christof flüstert hinter mir: „Da unten sperre ich dich ein, bis du verschimmelst!“
Hätte ich das bloß nicht gesagt, das mit dem Klauen!
Im Palast zeigt der Führer auf das Bild einer Frau an der Wand: „Hier seht ihr die schöne Rosalinde. Sie wurde von ihrem Mann, Ritter Kuno, umgebracht. Wahrscheinlich, weil sie ihm untreu war.“
„Oder weil sie Lügen über ihn verbreitet hat!“, sagt Christof laut.
„Vielleicht!“ Der Führer lacht und fährt fort: „Jedenfalls soll sie seitdem als Gespenst durch die Burg geistern.“
Na ja, so einen Quatsch glaube ich nicht. Dafür glaube ich, dass Christof mich am liebsten umbringen würde, sozusagen.
Als Nächstes besichtigen wir die Burgküche. Über dem gemauerten Herd hängen riesengroßen Töpfe. Lange Grillspieße stecken in einem Gestell. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste hier für fünfzig Ritter fünfzig Wildschweine braten!
Ich gehe um den Herd herum. Dahinter ist ein dunkler Winkel.
Auf einmal merke ich, dass die anderen alle schon weitergegangen sind. Alle bis auf Christof. Der hat mir den Rücken zugekehrt und schaut sich das große Hackbeil an.
Ich bin allein mit ihm!
Ganz vorsichtig krieche ich in die dunkle Nische. Noch hat er mich nicht gesehen. Jetzt dreht sich Christof um und geht zum Herd.
Er kommt genau auf mich zu! Und weit und breit kein Mensch!
Nur Christof.
Ich drücke mich noch tiefer in den Winkel.
Da gibt auf einmal die Wand hinter mir nach. Es ist, als würde ich auf einem Karussell sitzen, und dieses Karussell dreht sich mit mir. Dann stoppt es wieder. Und ich hocke im Finstern.
Vor Schreck bleibt mir die Luft weg. Ich kann nicht einmal schreien. Gleich platzt mir die Brust, so hart schlägt mein Herz.
Endlich finde ich meine Stimme wieder. „Hilfe!“, schreie ich. „Holt mich hier raus!“
Mit den Fäusten trommele ich gegen die Steinplatte, drücke mit aller Kraft dagegen. Nichts rührt sich. Und keiner kommt und hilft mir.
Ich sitze fest und kann nicht zurück und muss hier bleiben, immer und ewig. Bis ich verschimmele. Bis nur noch Knochen von mir übrig sind.
3.
Wenn mir keiner hilft, muss ich mich selbst befreien. Am besten erst einmal nachdenken!
Bestimmt bin ich hier in einem Geheimgang. In Burgen gibt es so was. Ein Geheimgang führt immer irgendwohin. Hoffe ich.
Auf allen Vieren krieche ich vorwärts. Es ist stockfinster. Die Luft ist feucht und modrig. Rechts und links von mir sind kalte Steinwände. Dann spüre ich eine Stufe nach unten.
Ich drehe mich um und krabbele eine Treppe abwärts. Unten ist wieder ein Gang. Ich krieche weiter. Um eine Ecke herum. Hier ist es irgendwie nicht mehr ganz so finster. Und dann –
Da vorne ist ein heller Fleck! Ein Ausgang, der ins Freie führt! Ich springe auf und renne, renne auf das Licht zu, will nur noch raus hier, raus! Noch zwei Schritte, dann –
In letzter Sekunde kann ich stoppen. Stehe da und starre hinaus. Unter mir geht es mindestens fünfzig Meter in die Tiefe. Burgmauer, Felsen und ganz unten der Wald. Und das Holzgeländer, das hier mal angebracht war, ist kaputt.
Beinahe wäre ich da runtergefallen!
„Lieber Gott!“, flüstere ich. „Danke, lieber Gott!“ Ich zittere so, dass ich mich an der Wand festhalten muss.
Soll ich noch einmal um Hilfe rufen? Nein, hier hört mich doch kein Mensch.
Mit weichen Knien taste ich mich den Gang zurück, wieder hinein in die Dunkelheit. Jetzt krieche ich lieber. Der Gang wird immer schmaler. So schmal war er vorhin doch nicht?
Die Finsternis macht mich ganz verrückt. Was tue ich bloß, wenn ich plötzlich der schönen Rosalinde begegne?