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Zwei Männer sitzen sich eines Abends, im kühlen Abendwind auf einer Terrasse gegenüber und sehen sich in die Augen. Fast scheint es, als wolle der eine den anderen dazu bewegen, einen Mord zu begehen. Doch der andere will davon nichts wissen, lehnt den Auftrag kategorisch ab.
Kurze Zeit später wird der Schwede Martinsson, der immer wieder Komplettausfälle in seinen Erinnerungen hat, verhaftet – der Verdacht lautet: versuchter Mord …
Ist er wirklich der Täter, oder will man ihm diesen Mord nur unterschieben? Was steckt wirklich hinter dieser ganzen Geschichte und den »angeblichen« Komplettausfällen in seinen Erinnerungen?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Richard Hey
Der Fall Martinsson
Kriminalroman
Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Steve Mayer nach Motiven, 2022
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
Die Handlungen dieser Geschichten sind frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
Der Fall Martinsson
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
Auf ein Wort mit Richard Hey
Von Richard Hey sind folgende Romane und Kurzgeschichten ebenfalls erhältlich oder befinden sich in Vorbereitung
Zwei Männer sitzen sich eines Abends, im kühlen Abendwind auf einer Terrasse gegenüber und sehen sich in die Augen. Fast scheint es, als wolle der eine den anderen dazu bewegen, einen Mord zu begehen. Doch der andere will davon nichts wissen, lehnt den Auftrag kategorisch ab.
Kurze Zeit später wird der Schwede Martinsson, der immer wieder Komplettausfälle in seinen Erinnerungen hat, verhaftet – der Verdacht lautet: versuchter Mord …
Ist er wirklich der Täter, oder will man ihm diesen Mord nur unterschieben? Was steckt wirklich hinter dieser ganzen Geschichte und den »angeblichen« Komplettausfällen in seinen Erinnerungen?
***
Vom Garten kam kühler Abendwind. Die Terrassentür stand offen. Die beiden Männer, die in der Wohnhalle vor dem Kamin saßen, blickten auf, als ganz nah eine Amsel anfing zu singen. Sie wippte einen Moment über die weiße Brüstung der Gartentreppe, flog dann zum Kirschbaum.
Die beiden Männer betrachteten wieder die Pistole und den groben Packpapierumschlag auf dem niedrigen Tisch zwischen ihnen. Sie hatten die Jacketts abgelegt und die Krawatten gelockert.
Der ältere trug goldene Manschettenknöpfe im Seidenhemd. Er schlang seine Finger ineinander, bis sie knackten. Er war Ende Vierzig, und trotz zierlicher Statur wirkte er zäh und durchtrainiert. Das schmale Gesicht unter den straff gescheitelten grau-blonden Haaren schien vorsätzlich ausdruckslos, als solle es die Unruhe der sehr hellen Augen verbergen. Er nahm die Finger auseinander und schob Waffe samt Umschlag dem andern über den Tisch.
Der war kräftiger, robuster, hatte die Ärmel seines roten Leinenhemds hochgekrempelt und trug breite, elastische Hosenträger. Dichte dunkle Locken wucherten ihm wild um ein unrasiertes Gesicht mit scharfen Längsfalten, die entzündeten Augen hielt er halb geschlossen. Ohne sie zu öffnen, beugte er sich vor und schob Pistole und Umschlag zurück zu den goldenen Manschetten.
»Nein«, sagte er. »Ich kann nicht.«
Er sprach rau, trotz kindlich klingendem, skandinavischem Akzent.
»Du hast wieder Schmerzen«, sagte der andere ruhig. Der Jüngere lehnte sich zurück, antwortete nicht. Der Ältere stand auf, ging um den Tisch herum zu ihm. »Ich massiere dich.«
Er streifte ihm die Hosenträger von den Schultern, löste die gelborange, gepunktete Krawatte und knöpfte das Hemd auf. Dann trat er hinter ihn, zog das Hemd herunter. Zwischen den Schulterblättern des Jüngeren und parallel zur Wirbelsäule verliefen tiefe Narben. Behutsam legte ihm der Ältere die Hände auf die Schultern und begann, mit gleichmäßig kreisenden Bewegungen, die Zirkulation anzuregen.
Der Jüngere ließ es gescheh’n, atmete tief ein und aus.
»Bin müde«, murmelte er. »Fünfzehn Stunden gefahren. Sehr müde.«
Er horchte auf das entfernte Geräusch des Autobahnzubringers. Weit jenseits der Gartenmauer kehrten die Frankfurter zurück, vom Karfreitagsausflug in den Stadtwald. Die Amsel sang nicht mehr.
»Du kannst ja jetzt erst mal ausschlafen«, sagte der Ältere.
»Und dann?«, fragte der Jüngere.
Ihm war, als sei er ein paar Sekunden ohne Bewusstsein gewesen. Der Ältere massierte ihn nicht mehr, kniete neben ihm und schrieb mit goldenem Füllfederhalter etwas auf einen der herabhängenden Hosenträger, den er über den Tisch gebreitet hatte. Der Jüngere wollte ihm mit einer Bewegung den Hosenträger aus den Händen ziehen. Aber er war zu schwach.
»Notizzettel wirst du verlieren, das kenn ich schon«, meinte der Ältere, während er schrieb. »Hier die beiden Adressen. Wirf die Hosenträger hinterher in irgendeinen Mülleimer. Egal wo. Schmeiß noch was drauf.
Im Motel Siegmund hast du ein Zimmer vorbestellt. Verstehst du? Nicht ich hab’ es vorbestellt. Du hast es vorbestellt. Du hast mich über Ostern besuchen wollen. Leider musste ich plötzlich dringend geschäftlich verreisen.«
Der Jüngere sah auf dem Beistelltisch fürs Telefon ein Blatt Papier, halb unter das Telefon geklemmt. Auf dem Blatt stand: Pension Palmengarten. Und dann eine Nummer, dick unterstrichen. Er konnte sie lesen, obwohl es allmählich dunkel wurde. Unter dem Beistelltisch stand ein kleiner Damenschuh. Der zweite lag umgekippt vor dem Kamin.
Wieder musste er eingeschlafen sein. Im Licht der Stehlampe neben ihm bemerkte er, dass sein Hemd zugeknöpft, die Krawatte wieder korrekt gebunden und der Hosenträger geordnet worden war. Über seinen Knien lag sein braunes Jackett, und er sah zu, wie der Ältere die Pistole mit einem Papiertaschentuch umwickelt in den Umschlag gleiten ließ und diesen in die linke Seitentasche des Jacketts.
»Ich bin nicht deiner Meinung«, erklärte der Ältere.
»Was habe ich gesagt?«
»Dass du fürchtest, hinterher für mindestens zehn, zwölf Jahre eingesperrt zu werden.«
»Wann ich habe das gesagt?«
»Gerade eben.