Es sollte ein schöner Ausflug sein - Anna Sonngarten - E-Book

Es sollte ein schöner Ausflug sein E-Book

Anna Sonngarten

0,0
3,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

In diesen warmherzigen Romanen der beliebten, erfolgreichen Sophienlust-Serie wird die von allen bewunderte Denise Schoenecker als Leiterin des Kinderheims noch weiter in den Mittelpunkt gerückt. Denise hat inzwischen aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle geformt, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. Ein wunderbarer milder Spätsommertag in Sophienlust veranlasste Magda gut gelaunt einen Ausflug in die Pilze vorzuschlagen. Damit meinte die Köchin tatsächlich, dass man mal wieder Pilze im Wald sammeln könnte, die zum Verzehr geeignet waren. Sie hatte auch gleich ein Rezept im Kopf und freute sich jetzt schon, einen Nudeltopf mit Waldpilzen aufzutischen. Kim und Heidi waren auch sofort begeistert. Einfach nur spazieren zu gehen, fanden sie eher langweilig, aber im Wald herumzustromern, um etwas zu finden, war natürlich spannend. »Au ja, da komme ich mit«, rief die kesse blonde Heidi sofort. »Ich auch«, sagte Kim, der mit seinen sieben Jahren zwei Jahre jünger als Heidi war. Alle Kinder saßen beim Mittagessen im Speisezimmer um den großen Tisch versammelt und ließen sich Magdas Vorschlag durch den Kopf gehen, aber nicht alle reagierten so spontan begeistert wie Kim und Heidi. Angelika schaute auf ihre jüngere Schwester Vicky. Die Fünfzehnjährige wollte lieber in Ruhe lesen und fand die Aussicht, von ihrer kleinen Schwester dabei nicht gestört zu werden, ganz angenehm. Vicky war aber skeptisch, ob dieser Ausflug in die Pilze etwas für sie war. »Sind Pilze nicht giftig, Magda?«, fragte sie besorgt. Sie hatte den schönen roten Fliegenpilz mit den weißen Tupfen vor Augen, von dem sie wusste, dass er giftig war. »Du hast recht, Vicky. Es gibt tatsächlich giftige Pilze, aber die sammeln wir natürlich nicht«, versuchte Magda das Kind zu beruhigen. »Und woher weißt du, welche Pilze wir essen können?«

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Sophienlust - Die nächste Generation – 126 –

Es sollte ein schöner Ausflug sein

Aber dann stand ein schlimmer Verdacht im Raum

Anna Sonngarten

Ein wunderbarer milder Spätsommertag in Sophienlust veranlasste Magda gut gelaunt einen Ausflug in die Pilze vorzuschlagen. Damit meinte die Köchin tatsächlich, dass man mal wieder Pilze im Wald sammeln könnte, die zum Verzehr geeignet waren. Sie hatte auch gleich ein Rezept im Kopf und freute sich jetzt schon, einen Nudeltopf mit Waldpilzen aufzutischen. Kim und Heidi waren auch sofort begeistert. Einfach nur spazieren zu gehen, fanden sie eher langweilig, aber im Wald herumzustromern, um etwas zu finden, war natürlich spannend.

»Au ja, da komme ich mit«, rief die kesse blonde Heidi sofort.

»Ich auch«, sagte Kim, der mit seinen sieben Jahren zwei Jahre jünger als Heidi war.

Alle Kinder saßen beim Mittagessen im Speisezimmer um den großen Tisch versammelt und ließen sich Magdas Vorschlag durch den Kopf gehen, aber nicht alle reagierten so spontan begeistert wie Kim und Heidi. Angelika schaute auf ihre jüngere Schwester Vicky. Die Fünfzehnjährige wollte lieber in Ruhe lesen und fand die Aussicht, von ihrer kleinen Schwester dabei nicht gestört zu werden, ganz angenehm. Vicky war aber skeptisch, ob dieser Ausflug in die Pilze etwas für sie war.

»Sind Pilze nicht giftig, Magda?«, fragte sie besorgt. Sie hatte den schönen roten Fliegenpilz mit den weißen Tupfen vor Augen, von dem sie wusste, dass er giftig war.

»Du hast recht, Vicky. Es gibt tatsächlich giftige Pilze, aber die sammeln wir natürlich nicht«, versuchte Magda das Kind zu beruhigen.

»Und woher weißt du, welche Pilze wir essen können?«, ließ Vicky nicht locker.

»Ich bin schon als Kind zum Pilze sammeln mit meiner Oma im Wald gewesen. Ich kenne mich sehr gut aus. Keine Sorge, Vicky«, sagte Magda geduldig.

»Es gibt übrigens eine App, die Pilze erkennt. Man fotografiert den Pilz und bekommt dann in wenigen Sekunden eine Rückmeldung, ob er essbar ist oder giftig«, sagte Simon beiläufig.

»Früher hatten wir Bücher mit Fotos«, warf die Kinderschwester Regine Nielsen ein, doch Magda wollte weder etwas von Büchern noch von Apps wissen, zumal sie ohnehin nicht wusste, was eine App war. Irgendein neumodischer Schnickschnack, den niemand brauchte. Sie selbst schon einmal überhaupt nicht, da sie ja schließlich eine Pilzkennerin war. Vicky fand es hingegen beruhigend, zu wissen, dass man alles noch mal überprüfen konnte, bevor es in die Pfanne kam. Ihr Interesse an der Aktion wuchs.

»Ich kann leider nicht mitkommen, Magda. Dr. von Lehn kommt heute Nachmittag vorbei, um nach Cindy zu sehen«, entschuldigte sich Pünktchen. Die schon ältere Haflingerstute machte ihnen in letzter Zeit immer mal wieder Sorgen. Die sechzehnjährige Angelina Dommin wurde wegen ihrer rotblonden Haare und den lustigen Sommersprossen von allen Pünktchen genannt. Zusammen mit Dominik von Wellentin-Schoenecker kümmerte sich die passionierte Reiterin um die Pferde. Der junge Dominik von Wellentin-Schoenecker war der Besitzer von Sophienlust und für die Geschicke des Heims zuständig, nachdem sich seine Mutter Denise von Schoenecker als seine Erbverwalterin zurückgezogen hatte, und ihm lediglich als Beraterin zur Seite stand.

»Was ist mit dir, Martin?«, fragte Pünktchen den dreizehnjährigen Jungen, der später selbst gerne Tierarzt werden wollte, und kaum eine Gelegenheit verstreichen ließ, um Dr. von Lehn zur Hand zu gehen. Jetzt schaute Martin aber zu seinen Freunden Simon und Fabian. Die drei Jungen waren etwa gleichaltrig und ein eingeschworenes Team. Simon und Fabian signalisierten ihm, dass sie ihn gerne dabei hätten.

»Kommt ihr allein zurecht? Ich würde schon gerne mit in den Wald«, fragte er vorsichtig und schaute zwischen Pünktchen und Nick, wie der junge Besitzer von allen genannte wurde, fragend hin und her.

»Geht nur Pilze sammeln«, ermunterte Nick die Jungen lächelnd. Martin war ein vernünftiger Junge, der gerne Verantwortung übernahm. Nick wollte ihn aber heute nicht in die Pflicht nehmen. Er sollte wie die beiden anderen Spaß haben.

»Else ist ja auch noch da«, sagte er und zwinkerte der Heimleiterin Else Rennert zu.

»Kommt nicht infrage. Ich habe genug anderes zu tun«, erboste sie sich im Scherz. Sie schaute zu Regine, die der kleinen erst dreijährigen Marie beim Essen half. Ihr Bruder Leon war schon fünf. Else überlegte, ob die Geschwister nicht besser in Sophienlust blieben. Marie steckte manchmal noch alles in den Mund. Das wäre bei Pilzen vielleicht gefährlich. Andererseits hätte Leon sicher Spaß an der Aktion. Marie würde jedoch nicht wollen, dass ihr Bruder sie allein ließe. Regine erwiderte Elses Blick. Sie verstand, was der Heimleiterin durch den Kopf ging.

»Wir könnten doch auch mitkommen, Else. Das ist mal etwas anderes und wir passen abwechselnd auf Marie auf. Ich nehme auch den Buggy mit, für den Fall, dass die Kleine müde wird«, schlug die Kinderschwester vor. Else lächelte. Warum eigentlich nicht? Angelika überlegte noch einmal kurz, ob ihr nicht doch etwas entging, aber dann dachte sie an ihren romantischen Liebesroman und seufzte in Vorfreude auf einen ruhigen Nachmittag. Sollten die anderen durch den Wald laufen. Sie würde es sich irgendwo gemütlich machen. Später könnte sie Magda in der Küche helfen, denn Pilze aus dem Wald zu säubern und vorzubereiten war viel Arbeit.

*

Die Gruppe der Pilzsammler startete dank der Vorbereitungen, die Magda schon getroffen hatte, eine gute halbe Stunde später. Proviant war immer gut und sie hatte alles in einen kleinen Bollerwagen gepackt, in den zur Not auch noch Marie hineinpassen würde. Der Buggy konnte also daheim bleiben. Sie verließen das Gelände von Sophienlust zu Fuß. Die beiden Hunde Barri und Anglos begleiteten sie. Das schlossähnliche Herrenhaus in dem weitläufigen Park ließen sie bald hinter sich, um schon nach wenigen Minuten in einen Mischwald einzutauchen, der an einigen Stellen sehr natürlich war und sich für Ihr Vorhaben bestens eignete. Magda hatte Körbe verteilt und gab eine kleine Einführung.

»Wir sammeln nur Schwammpilze, keine Pilze mit Lamellen. Schwammpilze nennt man auch Röhrlinge. Es gibt auch ungenießbare Röhrlinge, aber nur der Satansröhrling ist wirklich giftig. Er riecht sehr schlecht und man erkennt ihn am roten Hut. Probiert keinen Pilz roh. Und zeigt mir jeden Pilz, bevor ihr ihn aus dem Boden holt. Pilze sind sehr wichtig für unser Ökosystem. Wir lassen alles stehen, was wir nicht verwerten können.«

»Was sind Lamellen?«, fragte Vicky und machte Magda mit dieser Frage klar, dass sie sich um Vicky ganz besonders kümmern musste.

»Bleib in meiner Nähe, Vicky. Ich zeige dir alles, was ich über Pilze weiß.«

Das Interessante beim Pilze sammeln war für die Kinder das Herumstreifen fernab der Wege. Sie sollten zwar in Rufweite bleiben, durften sich aber frei bewegen ohne festgelegtes Ziel. Die drei Jungen zogen mit den Hunden los. Der gemütliche Bernhardiner hatte es nicht eilig. Fabians Dogge Anglos war etwas lebhafter und begeistert von den Waldgerüchen. Vicky, Kim, Heidi und die Geschwister Leon und Marie blieben bei Magda, Regine und Else. Sie kamen deutlich langsamer vorwärts, aber sie fanden auch mehr, weil sie genauer hinschauten. Fabian, Martin und Simon hatten nämlich bald etwas anderes entdeckt, was ihr Interesse weckte. Einen Hochstand. Er sah neu aus und schien geradezu darauf zu warten, von den Jungen inspiziert zu werden. Obwohl ihnen völlig klar war, dass sie dort oben keine Pilze finden würden, kletterten sie rauf und hielten Ausschau nach den anderen Pilzsammlern, während die Hunde unten warteten und nach einer Weile ungeduldig bellten.

»Da sind sie«, rief Simon, als er die Gruppe entdeckte. Sie hatten sich um Magda versammelt, die gerade etwas zeigte. Was es war, konnten sie nicht erkennen. Also nichts wie runter und nachsehen. Tatsächlich hatte Magda schon zwei Steinpilze und auch einige Pfifferlinge gefunden und erklärte an diesen beiden Pilzsorten grundsätzlich Unterschiede.

»Riech mal Vicky. Pfifferlinge riechen nach Aprikosen. Sie haben keine Lamellen, sondern Leisten. Und hier der Steinpilz. Er hat einen braunen Hut und einen hellen Schwamm. Er riecht nach Erde und Wald.«

Der Sammeleifer der Kinder war geweckt, sogar Marie lief so gut sie konnte hinterher. Aber sie sammelte alles Mögliche: Blätter, Stöcke und Tannenzapfen landeten in ihrem kleinen Körbchen. Als die Jungen sahen, dass die jüngeren Kinder nach und nach Pilze entdeckten, die von Magda akzeptiert wurden, packte sie auch der Ehrgeiz. Nach einer guten Stunde hatte jeder etwas gefunden, was geeignet war und einige Pilze, die auf den ersten Blick einen guten Eindruck machten, aber von Magda zurückgewiesen wurden.

»Ja, den Gallenröhrling könnte man für einen guten Speisepilz halten, aber er schmeckt nach Galle, also ganz bitter und er riecht sehr unangenehm«, erklärte Magda. Das konnten alle bestätigen. Regine fand, dass es Zeit für ein kleines Picknick wäre, und sie suchten sich einen Platz auf ein paar Baumstämmen. Aber lange blieben die Kinder nicht sitzen, sondern liefen in Grüppchen in verschiedenen Richtungen los.

»Bleibt in Rufweite«, ermahnte Regine noch einmal, bevor sie sich von den noch wärmenden Sonnenstrahlen, die durch das Blätterdach drangen, verwöhnen ließ. Magda inspizierte unterdessen den Fund. Daraus ließ sich etwas machen. Else behielt Marie im Auge. Die Kleine war bei ihnen geblieben und balancierte auf den Baumstämmen. Die drei Frauen plauderten entspannt. Man musste sich keine Sorgen machen. Die Kinder hielten sich an Regeln. Aber was »Rufweite« bedeutete, war nicht allen klar. Und wenn man es genau betrachtete, war dieser Begriff auch etwas undeutlich. Als Else nach einer Weile zum Aufbruch rief, trudelten die Jungen und Vicky ein, aber Leon, Kim und Heidi nicht. Zunächst verstärkten Else und Regine ihre Bemühungen sich Gehör zu verschaffen, aber leider erfolglos. Nach einer kurzen Beratung schlug Martin vor, die drei zu suchen.

»Sie hören uns nicht. Vielleicht sind sie zu weit weg. Wir sollten sie suchen.«

»Ja, da bin ich ganz deiner Meinung. Aber wenn wir jetzt alle loslaufen …« Else überlegte, wie genau man jetzt vorgehen sollte. Noch schien die Sonne, aber im Spätsommer wurde es bekanntermaßen früher dunkel. Nach einigem Hin und Her, wer suchen sollte und wer bei den Baumstämmen warten sollte, sagte Marie plötzlich: »Da« und zeigt mit ihrem Ärmchen in die Richtung aus der Kim, Leon und Heidi angerannt kamen. Völlig außer Atem blieben sie vor der Gruppe stehen und sprachen aufgeregt durcheinander.

»Wir haben einen Zwerg entdeckt … ein ganz komischer kleiner Zwerg … er lebt hier im Wald«, riefen sie durcheinander.

Die Jungen fingen an zu lachen: »Einen Zwerg? Alles klar. Schneewittchen war sicher auch dabei?«, spottete Simon, aber Regine hob die Hand, um ihm Einhalt zu bedeuten.

»Lass sie mal erzählen«, sagte sie ruhig. »Heidi, was habt ihr gesehen?«

»Einen Zwerg«, wiederholte sie bestimmt und warf Simon einen trotzigen Blick zu.

»Beschreib ihn mal genauer«, schlug Regine vor.

»Er hatte so einen langen Umhang mit einer Kapuze an. Genau wie in unserem alten Märchenbuch«, erklärte sie und Kim nickte bestätigend mit dem Kopf.

»Könnte es nicht eher ein Kind gewesen sein?«, fragte Else.

»Nein, er hatte einen Bart«, sagte Kim.

»Und ein Kind hat doch keinen Bart«, sagte Leon kichernd.

Alle schwiegen. Für einen Moment glaubten alle, dass die drei richtig gesehen hätten. Es musste ein Zwerg gewesen sein.

»Und hat der Zwerg etwas gesagt?«, fragte Vicky.

»Nein, er hat sich erschreckt und ist weggelaufen«, sagte Kim.

»Wieso glaubt ihr, dass er im Wald lebt?«, wollte Magda wissen.

»Na ja, Zwerge leben doch im Wald. Und er war total schnell, als ob er sich auskennt«, erläuterte Heidi wichtig.

Die Jungen mussten wieder lachen.

»Im Märchen leben Zwerge im Wald. Hinter den sieben Bergen. Aber im wirklichen Leben …« Simon schaute Heidi skeptisch an. Er wollte sie nicht ärgern, aber das mit dem Zwerg glaubte er nicht.

»Im wirklichen Leben sagt man gar nicht Zwerg, sondern kleinwüchsiger Mensch«, sagte Martin trocken. Er war mal wieder der vernünftigste von den drei größeren Jungen.

Heidi war fast beleidigt. Sie wusste doch, was sie gesehen hatte. Kim sprang ihr bei.

»Heidi hat recht. Das war ein Zwerg. Der Umhang ging ihm fast bis zu den Füßen. Aber ich verstehe nicht, wieso er Angst vor uns hatte. Wir würden ihm doch nichts tun.«

»Genau. Wir würden mit ihm spielen«, meinte Leon.

Magda, Else und Regine wechselten Blicke. Das war schon etwas mysteriös. Konnte man die Beobachtung der Kinder einfach auf sich beruhen lassen? Eigentlich nicht.

»Wir müssen dem Förster Bescheid geben«, sagte Regine leise. Doch nicht leise genug. Wie immer wurden die Kinder besonders dann hellhörig, wenn die Erwachsenen etwas besprachen, was nicht für ihre Ohren bestimmt war.

»Soll der Förster den Zwerg einfangen?«, fragte Vicky entsetzt. Sie hatte gleich ein ganz seltsames Bild vor Augen, dass man den Zwerg mit einem großen Netz einfing. Keine schöne Vorstellung. Der Zwerg tat ihr jetzt schon leid.

»Nein, natürlich nicht. Aber vielleicht weiß der Förster, wen ihr da gesehen habt«, beruhigte Else die Kinder. Jetzt sprachen alle durcheinander. An die Pilze dachte niemand mehr und man beschloss zurückzugehen.

Da Nick noch mit Pünktchen und Dr. Joachim von Lehn im Pferdestall zu tun hatte, nahm Else die Sache mit dem Zwerg in die Hand und rief in der für Maibach zuständigen Försterei an.

»Forstamt Maibach, Ebermeier am Apparat«, meldete sich eine tiefe Stimme.

»Guten Tag, Herr Ebermeier, Else Rennert aus Sophienlust.« Else wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Kim, Heidi und Leon sahen sie erwartungsvoll an und sie hatte das Gefühl ihre Worte mit Bedacht wählen zu müssen.

»Wir waren heute zum Pilze sammeln im Wald und einige unserer Kinder haben etwas gesehen, dass sie für einen Zwerg gehalten haben.«

»Einen Zwerg?« Ebermeier fragte sich, ob er richtig gehört hatte.

»Ja, richtig. Er hätte einen Umhang mit Kapuze getragen und wäre sehr klein gewesen.«

»Vielleicht ein Kind?« Das wäre naheliegend, fand der Förster.

»Nein, eben nicht. Sondern … nun der Zwerg hätte einen Bart getragen.« Else war es etwas unangenehm, diese für sie so offensichtlich falsche Beobachtung weiterzugeben. Sie zweifelte nicht daran, dass die Kinder eine Person gesehen hatten, aber es konnte eigentlich kein Zwerg gewesen sein.

»Ein Kind oder ein Zwerg mit einem Umhang und einem Bart«. So wie Herr Ebermeier es wiederholte klang es selten dämlich.

»Ja, so haben die Kinder es erzählt, und er sei dann ganz schnell weggelaufen, so als ob er sich im Wald gut auskennt.«

»Sie selbst haben dieses Geschöpf aber nicht gesehen, sondern nur die Kinder? Wie alt sind die Kinder denn?«, fragte Förster Ebermeier.

»Nein, nur die Kinder haben ihn gesehen. Sie sind zwischen fünf und neun.«

»Können Sie mir etwas genauer sagen, wo dieser ›Zwerg‹ gesehen wurde?«

»Nun, ich habe leider keine GPS-Daten und wir sind auch nicht auf Wegen gegangen, sondern querfeldein, weil wir Pilze gesammelt haben. Sie wissen vielleicht wo Sophienlust liegt. Wir sind direkt von dort aus in den Wald gegangen und etwa eine halbe Stunde gelaufen. Unsere großen Jungen haben den neuen Hochstand entdeckt. Dort in der Nähe.«

»Ja, verstehe. Ich schau mich morgen mal in dem Gebiet um«, versprach der Förster. Es klang in Elses Ohren nicht sehr ambitioniert, aber auch nicht abweisend.

»Gut, dann danke ich Ihnen erst mal«, sagte sie erleichtert darüber, das Gespräch beenden zu können.

»Keine Ursache. Ich melde mich, wenn ich etwas Ungewöhnliches entdecke«, sagte Förster Ebermeier zum Abschied.