Europa, auferstanden aus Ruinen - Simon Sprock - E-Book

Europa, auferstanden aus Ruinen E-Book

Simon Sprock

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Beschreibung

Europa, auferstanden aus Ruinen ist ein post-apokalyptischer Science-Fiction- und Abenteuerroman mit Romanze. In den 2050er Jahren bricht der dritte Weltkrieg aus, ein Krieg der atomaren Supermächte. Fast alles Leben auf der Erde hat dieser Krieg zerstört. Lediglich in einem Bunker unterhalb der Alpen, im Herzen Europas, hat es eine kleine Gruppe von Menschen geschafft, zu überleben. Eingesperrt in diesem Bunker sehnen sich die Bewohner nach Freiheit, danach die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren zu spüren. 107 Jahre nach dem Ausbruch des Krieges ist die Erdoberfläche immer noch unbewohnbar. Mit Hilfe von Maria - einem System der künstlichen Intelligenz - und einer weitgehenden Automatisierung hat es die Gruppe nicht nur geschafft zu überleben, sondern sogar die Technik soweit weiter zu entwickeln, dass sie in der Lage sind, neue Planeten zu erforschen. Der Kapitän Christian macht sich mit Unterstützung seiner Crew auf eine Entdeckerreise auf ferne Planeten. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach einem neuen Lebensraum für die Menschheit. Die Hoffnung auf einen Erfolg begleitet sie stets, aber sowohl auf dem Mars, auf Europa, als auch auf anderen Planeten scheint es neben neuen Erkenntnissen immer wieder auch Rückschläge zu geben. Völlig im Schatten der Suche nach einem neuen Lebensraum, bahnt sich außerdem eine Romanze an, die ebenfalls durch Höhen und Tiefen geht. Hat zumindest die Liebe eine Chance? Werden die Überlebenden der Erde einen neuen Lebensraum finden? Welche Herausforderungen stellen sich ihnen in den Weg? Stoßen sie auf außerirdisches Leben? Wie gelingt der Aufbau einer neuen Gemeinschaft auf fernen Planeten? Was können die Überlebenden aus ihren Abenteuern lernen? Kann der Leser diese Lektionen sogar ganz einfach für sich selbst nutzen? Erlebe selbst die packenden Abenteuer von Christian und seiner Besatzung auf dem Weißen Stern.

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Seitenzahl: 400

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Eine intergalaktische Entdecker-Romanze voller Motivation und Inspiration von Simon Sprock

Danke an Melissa, meine wundervolle Frau, die immer an meiner Seite ist, in guten und sogar in besseren Zeiten, ja, sogar in herausfordernden Zeiten.

In Kooperation mit:

Pfad der Auferstehung

Prolog

Neuanfang

Ein letzter Blick zurück

Willkommen auf dem Mars

Geschichten vom Mars

Neue Wege bringen neue Herausforderungen

Die Geheimnisse von Europa

Flucht aus dem Eis

Von verlorenen Träumen

Mal andere Sorgen

Unbändige Gewalten

Eine ungewisse Rettung

Neuigkeiten und alternative Wege

Eine mysteriöse Entdeckung

Errungenschaften unseres Einsatzes

Die fünffach-Chance

Die Letzte Hoffnung

Anhang

Enthaltende Themen

Personen

Raumschiffe

Planeten

Über den Autor

Prolog

Eine kleine, hochtechnologisch entwickelte Gemeinschaft hat sich in einem Bunker verschanzt und es so geschafft, zu überleben, während sich die Großen der Welt auf der Erdoberfläche bekriegt haben und diese so endgültig für lange Zeit unbewohnbar gemacht haben. Mitten im Herzen Europas lebt diese Gemeinschaft. Von der Sehnsucht, die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren zu spüren, bringt sie schließlich dahin, neue Welten zu erforschen. Maria, eine künstliche Intelligenz ermöglicht ihnen, für ihre Ziele zu kämpfen.

Dieses Buch handelt vom post-apokalyptischen Begehren des Überlebens der menschlichen Rasse. Nur eine kleine Gruppe hat den Dritten Weltkrieg überlebt. Diese glauben, ihre Kultur und Technik optimiert und revolutioniert zu haben, um einen neuen Planeten, eine neue Erde zu finden.

Auf fremden Planeten erleben sie mitreißende Abenteuer voller Hoffnung, aber auch Rückschlägen. Verschiedene Herausforderungen stellen sich ihnen auf der Suche nach neuem Leben in den Weg. Finde heraus, wie sie fündig werden, aber bedeutet Leben auch, dass es für den Menschen bewohnbar ist. Bedeutet Leben, dass eine friedvolle Koexistenz möglich ist?

Dieser Roman beschäftigt sich auf äußerst spannende Weise mit den besonderen Herausforderungen, die sich dem Team in den Weg stellen, sowie den Meilensteinen die sie erreichen.

Neben der Geschichte an sich, enthält der Roman auch diverse Lektionen. Diese umfassen beispielsweise die Themengebiete Führung, Motivation, Positivismus, Gesellschaftliche Herausforderungen, sowie politische Ansätze. Größere Lektionen sind kursiv gekennzeichnet und im Anhang ausgewiesen.

Neuanfang

Ich schaue mich um. Tausende von Menschen stehen vor dem Podest: Männer, Frauen und Kinder. Alle schauen erwartungsvoll auf die Bühne, wo der Präsident gleich eine Rede hält, bevor er später an mich übergibt.

Das Volk, die Leute die dort warten sind geschätzt die Hälfte von dem was von unserer großartigen Zivilisation übriggeblieben ist. Eine Zivilisation, die sich selbst fast komplett ausgelöscht hat.

Die wenigsten von uns haben je das Sonnenlicht gesehen. Niemand hat die Kraft der Sonne auf der eigenen Haut gespürt. Wer draußen ist, muss noch immer einen Schutzanzug tragen. Zu radioaktiv verstrahlt ist die Umgebung, selbst hier, in der Mitte Europas, wo der Krieg kaum ankam. Wir können dafür dankbar sein, was unsere Vorfahren in großer Vorahnung in letzter Minute auf die Beine gestellt haben.

Einmal mehr, nach der Gründung des Staates Europa haben sie es damals durch eine Kooperation geschafft, einen Teil von uns zu retten. Sie errichteten riesige Bunkeranlagen unterhalb der Alpen. Sogar unsere eigene Bunkerlandwirtschaft wurde integriert. Ein Meisterwerk der Ökologie und Technologie.

Auch die Evolution hat bereits ihren Teil beigetragen: Die Tiere die wir hier sichern konnten, haben sich angepasst. Dies wissen wir aus dem Vergleich der Arten von damals mit heute.

Ein zentrales Computersystem mit riesigen Datenbanken steht uns zur Verfügung. Gesteuert wird dies von einem

Betriebssystem, basierend auf künstlicher Intelligenz. Der Name, ihr Name ist Maria. Sie wurde benannt nach der Frau ihres Chefentwicklers.

Maria koordiniert die Rationierung der Lebensmittel und überwacht hier alles. Kein Winkel der Bunkeranlage bleibt unbeobachtet. Sie folgt dem Ansatz, der Vermeidung von Leid und Kriminalität. Wenn jemand stiehlt oder in irgendeiner anderen Weise kriminell wird, wird diese Person eingesperrt. Es ist genial, wie das System funktioniert. Glücklicherweise sind wir hier so weit entwickelt, dass es fast keine Kriminalität mehr gibt.

Dank dieser weitgehenden Automatisierung kann sich hier jeder auf das konzentrieren, was er wirklich will. Er kann seiner Leidenschaft folgen.

Eine Währung gibt es nicht. Die Möglichkeiten von Maria wurden in ihrer Programmierung eingeschränkt. Alles was sie macht, ist unterstützend für die Menschen und Tiere hier.

Ja, ich habe gehört, unsere Vorfahren hätten Tiere gejagt und die Umwelt ausgebeutet, am Ende sogar zerstört. Das heißt aber nicht, dass ein Wandel zum Besseren nicht möglich ist.

Wenn du etwas ändern willst, dann starte jetzt, nicht später. Unsere Vorfahren haben es geschafft. Dank ihres Einsatzes und der Opfer, leben wir hier im Einklang. Viele Menschen mussten sterben auf Grund von Selbstsucht, Misstrauen, Angst und Hass. Jetzt haben wir ein ausgewogenes System, leider nur hier, in unserem Bunker.

Pflanzen werden von automatisierten Anlagen gepflegt. Sie bekommen Licht und Wasser. Die sollen sich ja auch

wohl fühlen. Maria kümmert sich um Essensrationierung für Menschen und Tiere. Wer Fleisch essen will, dem wird Fleisch gedruckt. Es muss hier kein Lebewesen leiden. Jeder kann sich hier wohlfühlen, solange er den Anderen – Menschen oder Tieren - nicht schaden will.

Jetzt ist es soweit: Der Präsident schreitet nach vorne. Die Kameras, die zur Bühne zeigen schalten auf Aufnahme. Das Publikum Jubelt. Alle Leimwände an den Wänden Übertragen die Rede live.

Der Präsident sagt, selbstsicher und mit kräftiger Stimme: “Seit 107 Jahren sind wir jetzt gefangen, hier im Untergrund, im Lebensraum den uns unsere Vorfahren geschaffen haben. Wir hatten jetzt genug Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten und uns zeitgleich technisch, aber auch spirituell weiter zu entwickeln. Wir haben damals, 2052 mit der Bildung des Staates Europa gezeigt, dass wir keine Grenzen benötigen. Wir leben und fühlen seitdem gemeinsam und hier drinnen noch viel intensiver. Früher waren wir Deutsche, Österreicher, Schweizer, Franzosen, Spanier, Portugiesen, Italiener, Tschechen, Polen, Belgier, Dänen, Niederländer, Esten, Schweden, Finnen und Norweger. Heute sind wir Menschen, ein Volk ohne Grenzen, wie es bereits von Charles Darwin vorhergesehen wurde.“

Die Leute applaudieren. Der Präsident macht eine kurze

Pause, bevor es weitergeht, „wir haben damals erlebt, wohin uns Angst, Hass und Misstrauen führen. Ein über Jahre andauernder kalter Krieg zwischen den USA, Russland, der Türkei, Nord-Korea und dem Iran ist in einer atomaren Katastrophe eskaliert. Die Erdoberfläche ist für uns noch immer unbewohnbar. Wir können froh und dankbar sein, dass es Europa früh geschafft hat, aus der Kernenergie auszusteigen, sonst wäre es für uns hier noch viel schlimmer gekommen. An der Oberfläche haben es immerhin ein paar Tier- und Pflanzenarten geschafft, sich an den neuen Lebensbedingungen anzupassen. Dies ist aber nicht unser Ziel. Heute haben wir uns hier versammelt, um ein Projekt vorzustellen. Dies ist ein Neuanfang, zunächst nur für einige von uns. Einige werden die Erde verlassen, neue Welten entdecken und uns eines Tages nachholen. Vielleicht existieren ja sogar noch die Kolonien die in den 2030 bis 2050 auf dem Mars aufgebaut wurden, oder sogar die Station auf der Oberfläche des Saturn Monds ‚Europa‘. Heute, laut Maria der sechste Juni 2174, wird in die Geschichte eingehen, als der Tag, an dem wir Menschen als ein Volk gemeinsam anfangen, neue Planeten zu entdecken. Ich übergebe jetzt an den Projektleiter Christian für weitere Details.“

Das Publikum jubelt, sogar lauter als zuvor. Ich stehe langsam auf und gehe ans Mikrofon. Merkwürdig, dieses Gefühl in meinem Bauch. Ich werde nervös, habe noch nie vor so vielen Leuten gesprochen. Ich bin mir sicher in dem was ich sage, aber diese Situation ist schon besonders.

Vor dem Mikrofon stehend, nehme ich mir ein paar Sekunden Zeit. Ich hebe meine Mundwinkel und fokussiere meine Aufmerksamkeit auf die Bewegung in meinem Bauch, ausgelöst durch den Atem. Meine Nervosität schwächt ab.

Das Publikum wird ruhiger. Ich fange an, „vor 107 Jahren hat der Fortschritt, gemischt mit dem Misstrauen, Hass und Angst der Menschheit dafür gesorgt, dass wir das Leben auf der Erde stark eingeschränkt, größtenteils sogar selbst vernichtet haben. Wir haben uns aber weiterentwickelt. Wir haben endlich verstanden und verinnerlicht – auch dank Maria – dass wir nicht mehr in Grenzen denken sollten. Natürlich gibt es intern noch Konkurrenz, aber das belebt den Wettbewerb und verbessert die Ergebnisse. Wir sind jetzt eine stärkere Gesellschaft und wissen, fortschritt richtig zu nutzen, zum Nutzen aller. Lange lebten wir hier wie paralysiert, aber das wird jetzt ein Ende haben. Vor etwa fünf Jahren haben Maria und unsere klügsten Köpfe einen Durchbruch in der theoretischen Entwicklung neuer Antriebe geschafft. Seitdem haben wir, wie die meisten von euch wissen, einen Weltraumlift aus dem Werkstoff Graphen geschaffen. Expeditionen und vollautomatisierte Produktionsstätten an der Erdoberfläche haben uns Zugriff zu Materialien für ein Raumschiff gegeben. Wir konnten sogar den Antrieb umsetzen. Erste Tests zeigen, dass die Berechnungen von Maria korrekt sind. Wir wissen noch nicht, ob die potentielle Höchstgeschwindigkeit je erreicht werden kann, aber wir können den Mars in weniger als 24 Stunden erreichen. Mit der Kommunikationstechnologie können wir ständig mit euch hier auf der Erde in Kontakt bleiben. Auf dem Raumschiff wird Platz für maximal 300 Personen sein. Davon werden 75 durch die Crew und ihren direkten Familien besetzt. Jeder von euch der mit will, findet im abendlichen Newsletter einen Link, um sich für einen Platz zu bewerben. Maria wird dann basierend auf ihren Berechnungen die Plätze vergeben. Morgen früh bekommt jeder der Bewerber eine Zu- oder Absage. Dann heißt es zum ersten Mal seit 107 Jahren wieder Koffer packen und ausreißen, um neue Welten zu entdecken. Die Reise startet bereits in zwei Tagen. Jeder der dabei sein will, muss auch wissen, dass es eine Reise ins Ungewisse werden wird. Wir wissen nicht ob, und wo wir einen passenden Planeten finden werden. Wir wissen noch nicht einmal, ob wir jemals zurückkehren werden. Danke euch allen. Wir werden natürlich regelmäßig Updates vom Raumschiff – dem Weißen Stern – an die Erde senden.“

Ich schreite zurück. Der Präsident schüttelt mir kurz die Hände und kommentiert, „sehr gut, danke,“ bevor er wieder ans Redner-Pult schreitet. Für mich ist es Zeit, ein paar letzte Vorkehrungen zu treffen. Ich verlasse die Bühne und schreite in den Projektraum.

Maria begrüßt mich in ihrer typischerweise monotonen und sachlichen Stimme, „hallo Christian, gute Rede von dir. Dein Herzschlag hat sich auch schon wieder beruhigt. Wie kann ich dir weiterhelfen?“

Ich frage nach, „bist du mit Patrick bereits noch einmal alle Systeme durchgegangen?“

„Ja, Christian,“ antwortet sie, „alle Systeme sind betriebsbereit und Patrick ist im Simulator sehr gut klargekommen.“

„Sehr schön, danke dafür,“ bedanke ich mich, „gib mir bitte einen generellen Statusreport.“

Maria fährt fort, „der weiße Stern ist komplett betriebsbereit. Sowohl Warp-, als auch der Ersatz EM-Antrieb sind voll funktionstüchtig. Auch die Funktion der Solarzellen ist sichergestellt. Die selbstreparierende Version des Graphen zeigt keine Mängel oder Beanstandungen. Brücke, Konferenzräume, Unterkünfte, Bildungs- und Forschungsetage, Essensetage, Landwirtschaftsetage, SPA- und Meditations-Etage, Freizeit-Etage, Kranken-Etage, Maschinen- und Aufbereitungsetage, Waffensysteme und die fünf Shuttles, alles ist voll funktionsfähig und Betriebsbereit, so auch der Weltraumlift. Sobald die Zivilisten bestimmt und an Bord sind, können wir starten.“

„Sehr schön, danke,“ kommentiere ich, „gibt es noch irgendwas, was ich machen kann?“

Maria verneint es, „nein, alles ist gut im Moment, Kapitän. Gerne kannst du die letzte Zeit hier auf der Erde genießen. Ich würde empfehlen, dass die Besatzung morgen Abend bereits permanent an Bord geht. Zusammen könnt ihr die Zivilisten dann übermorgen willkommen heißen.“

„Ok,“ bestätige ich, „bitte leite alles Weitere in die Wege.“

Ich setze mich noch einmal kurz hin. Gegenüber von mir hängt der Monitor der den Status an Bord und den des Weltraumlifts bestätigt. Alle Sensoren sind grün. Auf einem Tisch rechts stehen die Kartons mit den Uniformen und Handfeuerwaffen. Zum Glück kann die Strahlung Maria und den Robotern auf der Erde nichts anhaben. Ansonsten hätten wir den Weißen Stern, die Uniformen und Laser-Pistolen nicht fertigstellen können. Die Roboter sind schon eine riesen Hilfe, auch wenn wir diese an Bord nicht haben wollten. Zu groß ist das Risiko, dass Maria diese gegen uns einsetzen könnte, wenn ein Software-Virus sie infiziert. Diese gibt es auf der Erde schon ewig nicht mehr, aber wer weiß schon, was uns auf der Reise erwartet.

Es war schon eine spannende Zeit hier, aber jetzt geht das Abenteuer erst richtig los. Ich nehme eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank hinter mir und verlasse den Projektraum.

Im Versammlungsraum ist die Rede vom Präsidenten schon vorbei. Die meisten Zuschauer haben den Raum bereits verlassen. Einige unterhalten sich noch, wahrscheinlich über die Neuigkeiten. Sie schauen mich neugierig, vielleicht etwas überrascht an. Scheinbar hält die Freiheit, zu tun was man will, die Menschen davon ab, etwas weiter als nur das direkte Umfeld zu beobachten. Dabei ist es so wichtig, auch mal über den eigenen Tellerrand hinweg zu schauen. Ich verschwinde in den Treppenraum und mache mich auf den Weg in den Waldbereich.

Beim Betreten des Waldes spüre ich den weichen Untergrund unter meinen Füßen. Ich hoffe, auf dem Raumschiff werden wir ein vergleichbares System entwickeln können. Natürlich wird es dort wahrscheinlich keine Bäume geben, aber bereits weiches Gras unter den Füßen zu spüren, ist eine lohnende Abwechslung. Zumeist müssen noch die Samen sprießen, aber ich bin guter Hoffnung. Ich nehme meine Schuhe in die Hand und stapfe barfuß durch das Laub. Am Boden.

Die Räume sind hier am höchsten. Ganze zehn Meter sind die Decken hoch. Direkt darunter sind die UV-Strahler, die den Pflanzen das Licht geben, welches sie zum Leben und zur Photosynthese benötigen. Auch für uns ist dieses Licht manchmal gut, anstelle der standardmäßigen Leuchten.

Ich kann es kaum abwarten, eines Tages in die freie Natur gehen zu können und die Kraft der Sonne auf meiner Haut zu spüren. Sie soll warm sein, sogar so warm, dass man sich verbrennen kann. So heißt es in den Erzählungen und im System. Ich kann es kaum erwarten, bald frei zu sein, auszubrechen aus der Gefangenschaft, die unsere Existenz gesichert hat.

Hier ist die Luft mit Abstand am besten. Maria verteilt die Luft von hier aus in der gesamten Anlage, aber hier zu sein ist schon etwas Besonderes. Die Vögel zu hören, hin und wieder Rehe zu sehen oder auch Hunde und das Beste: Durch die Essensanlagen an manchen Stellen müssen die Tiere nicht mehr jagen. Diese Lösung war lange in Diskussion, weil die Tiere in freier Wildbahn nicht mehr überleben würden, aber wer sind wir, wenn wir Menschen uns Menschen alles gönnen, das Leiden minimieren und den Tieren aufzwingen, ums Überleben zu kämpfen. Außerdem ist unser System wohl auch zu klein, um ein ökologisches Gleichgewicht herzustellen. Es ist eine wunderbare Welt hier unten, so friedlich, unterhalb der Welt, die vom Hass und dem Misstrauen zerstört wurde. Ein wahres Wunder. Ich bin gespannt, was uns dort draußen erwartet, auf dem Mars, oder wo auch immer es uns hin verschlagen wird.

Nach kurzer Zeit erreiche ich den See. Ein paar Freunde von mir sind gerade im Wasser. Chloé, Jan, Nils, Anna und Hans unterhalten sich dort.

Chloé wird die Kommunikationsmanagerin und Jan der wissenschaftliche Leiter auf dem Weißen Stern sein. Die Anderen müssen sich erst einmal bewerben, wenn sie mitwollen. Ich hoffe doch, sie wollen.

Nils und Anna sind verheiratet. Sie haben hier zwar keine weitere Familie, aber Anna ist seit kurzem schwanger. Beide wollen hierbleiben, kein Risiko für das Kind. Das kann ich auch wohl verstehen, schließlich ist die radioaktive Strahlung im Weltall immens und unsere Reise führt ins Ungewisse.

Ich ziehe Shirt und Hose aus. Zum Glück trage ich heute eine Badehose drunter. So steige ich in das Wasser. Es ist angenehm warm. Der See ist in etwa 250 Quadratmeter groß und bis zu zwei Meter tief. Dies ist unser größter See. Aktuell ist er erstaunlich leer. Das mag mit der Rede zusammenhängen. Ich schwimme in Richtung meiner Freunde.

„Hi Christian, bist du bereit für das große Abenteuer?“ Fragt mich Hans, mein bester Freund, während ich noch schwimme.

Ich nehme mir die Zeit und schwimme langsam näher, bevor ich antworte, „aber natürlich. Du weißt doch, wie eingesperrt ich mich hier fühle. Jetzt habe ich endlich die Chance, auszubrechen.“

Hans lächelt, auch ein wenig traurig. Er ist kein Mitglied der Besatzung. Seine Leidenschaft ist die Musik. Er hat eine unglaubliche Stimme und spielt Klavier wie ein Engel. Ich wünschte, er würde mitkommen, aber Enzo, sein Freund, hat Angst vor dem Unbekannten. Er ist einer von denen, die vermutlich niemals die Erde verlassen würden.

„Wie geht es dir denn? Ich werde dich vermissen. Gibt es nicht eine Chance, dass du dich nicht doch noch bewirbst, für einen Platz an Bord?“ Frage ich.

Hans antwortet, „ja, Lust hätte ich ja schon, aber Enzo ist mir wichtig. Enzo wird wahrscheinlich nie zustimmen, selbst wenn ihr schon bald Anschluss zum Mars gefunden habt.“

„Ich verstehe“, kommentiere ich, „ich hoffe, dass das künstlich erzeugte Magnetische Feld auf dem Mars standhält und dass die Menschen dort in Frieden zusammenleben. Du weißt ja um die Herausforderungen, die es dort gab.“

Hans stimmt zu, „ja stimmt, ich kenne die Erzählungen unserer Vorfahren. Enzo sieht darin ein Problem. Dein Optimismus ist echt erfrischend. Ich werde dich vermissen.“

„Pack doch einfach deine Sachen. Ich kann Maria sicherlich überzeugen, dass ein talentierter und beliebter Sänger gut für die Motivation und Stimmung an Bord ist,“ fordere ich Hans auf.

Nils wirft ein, „jetzt setze ihm keine Flausen in den Kopf. Er ist hier gut aufgehoben. Er hat seinen Enzo und auch uns zwei, bald drei.“

Anna kommentiert, „du kannst Enzo doch gar nicht leiden, tolerierst ihn lediglich. Ich finde, Hans sollte das machen, was er will. Folge deinem Herzen, Hans. Wir kennen uns schon unser Leben lang. Unsere Eltern sind befreundet. Als wir jung waren, hast du bereits von den Sternen geträumt, die wir in den Filmen gesehen haben. Du wolltest sie besuchen, neue Welten entdecken. Was ist aus dem Traum geworden? Ist dir Enzo so wichtig, dass du deine Träume aufgibst?“

Dies hat Hans zum Nachdenken gebracht. Er starrt Anna an. Hat sie jetzt einen Hebel in ihm umgelegt? Hans beginnt zu schwimmen, ohne Kommentar.

Jan fragt mich, „ist bereits alles fertig für die Reise oder wieso bist du jetzt schon hier?“

Ich bestätige ihm, „ja, alles ist startklar. Alle Systeme und Ebenen sind bereit. Maria hat mir unseren letzten Abend hier frei gegeben.“

„Oh, wie lieb von ihr,“ kommentiert Jan.

„Ja, dafür bin ich auch sehr dankbar. So kann ich Abschied nehmen von allem hier. Immerhin sind wir hier ja groß geworden,“ erwidere ich.

Jan stimmt zu, „ja, stimmt, die meisten Leute hier werden wir so schnell nicht wiedersehen. Das ist schon ein wenig traurig.“

Ich setze dem etwas Positives entgegen, „traurig, ja, aber auch eine riesige Chance. Vielleicht sind wir schon bald auf dem Mars und spüren die Sonne auf unserer Haut. Vielleicht hat sich dort inzwischen ein riesiger bewohnbarer Planet entwickelt. Stell dir vor, was für eine unglaubliche Freiheit das wäre. Ich finde, die Chance ist jeden Aufwand wert.“

Chloé mischt sich ein, „schon klar, aber vergiss nicht, wir haben es nie geschafft, mit dem Mars zu kommunizieren. Vielleicht ist das am Ende übereilte Projekt schiefgelaufen. Vielleicht haben sich die Menschen dort auch selbst zerstört.“

Da hat sie einen guten Punkt, aber das heißt noch nichts. Ich entgegne, „das stimmt wohl, allerdings darfst du nicht vergessen, dass die NASA einen verschlüsselten geheimen Kanal entwickelt hatte, den sie auf Grund der Zuspitzung der Konflikte hier, nicht einmal mit uns geteilt haben. Selbst wenn, es dort kein Leben mehr gibt, haben wir immer noch Ausweichmöglichkeiten, wo Leben möglich sein könnte, wie das Projekt welches 2049 zum Jupiter Mond Europa gestartet ist oder auch Planeten im Proxima Centauri oder Trappist-1 Sternensystem. Die Reisen würden etwas länger dauern und es wäre unsicher wann oder ob wir zurückkehren, aber diese Systeme sind Grund genug zur Hoffnung für mich. Vielleicht bin ich ein Träumer, aber mir geht es gut dabei und nur so ist auch

Fortschritt möglich. Erinnert euch doch daran, wie es uns ergangen ist, mit Präsidenten, die sich mehr um Klatsch und Abschottung kümmern, als um wesentliche Themen, Fortschritt und Kooperation. Ich vergleiche dies gerne mit dem dunklen Pfad. Mit dem weißen Stern werden wir dem Hellen Pfad folgen. Zuversicht, Kooperation und Vertrauen leiten mich. Zum Ausgleich kann es gut sein, dass ihr auch etwas skeptisch seid. Übrigens, wir werden ab morgen Abend auf dem Weißen Stern sein. Ich werde Maria hierzu auch noch eine Mail senden lassen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euren Eltern und eurer Familie dann das Schiff mal kurz zeigen.“

Chloé berührt meine Hand und lächelt. Ihre Haut fühlt sich sehr warm und weich an. Ihre hellblauen Augen könnten mich hypnotisieren. Ihr langes hellblondes Haar geht hinter dem Rücken verloren. Zwischen uns funkt es immer mal wieder, aber es fühlt sich falsch an, eine Beziehung anzufangen. Zwar haben wir uns als Menschheit viel weiter entwickelt, als es jemals vorhergesehen wurde, aber diese Situationen stellen uns immer noch vor Herausforderungen. Am Ende sind wir halt doch nur Menschen.

Jan sagt, „ok, wir werden uns demnächst ja noch sehen. Ich gehe jetzt zu meinen Eltern. Wir haben eine Abschiedsrunde.“

Anna und Nils gehen auch, „ja, wir müssen auch los. Wir treffen noch ein paar andere Freunde die euch begleiten werden.“

Chloé legt ihren rechten Arm um mich und kommentiert, „ich weiß, du hast deine Eltern verloren, wenn du magst, kannst du mitkommen. Ich werde jetzt auch zu meinen Eltern gehen.“

Ich lächle. Es fällt mir schwer, ihr nein zu sagen, aber ich will hier keine Gerüchte starten oder ihr falsche Hoffnung machen. Also lehne ich ab, „danke, aber nein danke, ich wollte noch ein paar Sachen erledigen und erst einmal ein wenig schwimmen. Wir sehen uns morgen.“

Sie akzeptiert meine Entscheidung, „ok, gut, deine Entscheidung, einen schönen Abend dir.“

„Danke, dir auch,“ antworte ich.

Jetzt geht sie dahin, Richtung Ufer, wo ihre Kleidung liegt. Stück für Stück steigt ihr Körper aus dem Wasser. Ihr Haar folgt den Kurven des Rückens bis zur Mitte des Rückens. Ihr Badeanzug unterstreicht ihre gute Figur. Die Rationierung des Essens durch Maria hat das Übergewicht, das ich aus Filmen kenne komplett ausgeschaltet. So seien wir gesunder heißt es. Mir gefällt es. Es ist für mich auch schöner anzusehen.

Leider war Chloé die Freundin von meinem Bruder, bis zu jenem Vorfall, als er bei einer Expedition an der Oberfläche von etwas angegriffen wurde, einem Wesen, welches sich der Verstrahlung angepasst hatte. Seitdem müssen wir an der Oberfläche immer Waffen dabeihaben. Chloé ist echt klasse, eine echte Traumfrau, aber mit ihr zusammen zu kommen fühlt sich falsch an. Zu frisch ist der Tod meines Bruders.

Ich beginne zu schwimmen. In der Mitte des Sees kommt mir Hans entgegen und kommentiert, „die anderen sind gegangen? Ich werde auch gehen, muss noch mal mit Enzo sprechen. Sehen wir uns morgen noch mal?“

Ich antworte, „klar, wir können zu Mittag essen gehen, du, Enzo und ich.“

„Sehr gerne, bis morgen,“ bestätigt Hans. Ich schwimme weiter.

An Bord des Weißen Sterns werden wir keinen See oder Pool haben. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die künstliche Schwerkraft aussetzt. Wir werden uns mit den Duschen und der Sauna zufriedengeben müssen, auch wenn wir weiterfliegen müssen als zum Mars. Ich bin sowieso dafür, dass wir weitere Planeten und Sterne erforschen, jetzt, wo wir die Möglichkeit haben.

Nach einer halben Stunde verlasse ich den See auch. Ich stapfe durch unsere Naturebene, barfuß. Das Laub und der Sand am Boden massieren meine Füße. Wer weiß, wann ich dieses Gefühl das nächste Mal haben werde, aber es wird sich lohnen. Bald werden wir auf einem bewohnbaren Planeten sein.

Den Abend lasse ich ruhig ausklingen. Meine Eltern habe ich verloren, als ich 16 war, also vor 15 Jahren. Mein Vater hatte einen Schlaganfall, heißt es. Meine Mutters Herz hörte zur selben Zeit auf zu schlagen. Beide waren scheinbar durch eine unzertrennliche Liebe miteinander verbunden. Jetzt sind sie gemeinsam, im Himmel, als Energiebälle im Universum, als Reinkarnation auf irgendeinem Planeten, oder wo auch immer. Ich habe keine weiteren Verwandten, aber ich habe mich durchgeschlagen, mit Einsatz, Ehrgeiz, Entscheidungen und Motivation, gerade auch komplizierte Sachverhalte zu lösen.

Aus den Geschichtsaufzeichnungen habe ich erfahren, dass früher viele Menschen hinter ihren wahren potentialen zurückblieben. Sie mussten sich darum kümmern, sich selbst und ihre Familie zu ernähren. Ihre Leidenschaften waren damit in den Hintergrund gerückt.

Sie hatten nicht die Möglichkeiten, die wir dank Maria haben, wo jeder seiner Passion folgen kann. Die Vielfalt der Leidenschaften der verschiedenen Menschen sorgt dafür, dass wir in allen Bereichen Fortschritt erzielen können. Maria macht diese Fortschritte für jeden verfügbar. Manchmal müssen wir Hardware austauschen, aber Maria, mit den Robotern an der Erdoberfläche, sorgen dafür, dass es uns an nichts fehlt.

Ich esse zu Abend und schaue mir auf dem Haupt Monitor meiner Wohnung die Bilder meiner Kindheit und meiner Adoptivfamilie an. Auf manchen Bildern bin ich mit Hans. Auf anderen Bildern ist mein verstorbener älterer Bruder, Stefan, mit Chloé.

Bilder sind Erinnerungen, gute und herausfordernde. Sie zeigen gute, glückliche Zeiten. Heutzutage hat jeder hier sogar Kontaktlinsen mit denen wir durch gezieltes Blinzeln Bilder aufnehmen können. Maria sammelt diese sofort und speichert sie in den riesigen Datenbanken. Es ist unglaublich, wie viele Informationen auf kleine künstliche DNA-Stränge passen. Viele Informationen werden vielleicht nie mehr abgerufen, aber wir haben sie da.

Bereits früh lege ich mich schlafen. Bald ist der große Tag da. Ich schlafe tief, fest und lange. „Guten Morgen Christian, du bist in einer halben Stunde zum Essen verabredet. Hans und Enzo erwarten dich bei ihnen zuhause,“ weckt mich Maria auf.

Ich stehe auf, dusche schnell und ziehe mich an. Das ist vielleicht das letzte Mal für eine lange Zeit, dass ich Zivilkleidung trage. Ich mache mich schick und auf den Weg zu Hans und Enzo.

Enzo öffnet mir die Tür. „Buongiorno Christian, es freut mich sehr, dich zu sehen. Wir haben besondere Neuigkeiten für dich,“ begrüßt er mich und gibt mir eine feste Umarmung.

„Hi Enzo, freut mich auch. Ich kann es kaum erwarten, die Neuigkeiten zu hören,“ antworte ich.

Er scheint gut gelaunt zu sein, also kam es gestern Abend wohl zu keinem Streit wegen zerplatzten Träumen. Hans ist eine gute Person. Er glaubt an die wahre Liebe. Sie werden sich bestimmt arrangiert haben. Vielleicht haben sie sich ja entschieden zu heiraten.

Enzo und ich setzen uns an einen Tisch. Hans kommt hinzu. Das kurze blonde Haar von Hans ist noch nass. Er kommt wahrscheinlich gerade aus der Dusche.

Die Außentür öffnet sich. Drei Drohnen kommen angeflogen. Sie bringen das Geschirr, Essen und Trinken, stellen es direkt auf dem Tisch ab und landen an einer Ecke auf dem Boden. Enzo verteilt das Geschirr. Maria wünscht uns, „einen guten Appetit euch, buon appetito.“

Es gibt Lasagne, meine Lieblingsspeise. Ich gebe mir was auf den Teller. In dem Moment, als ich genüsslich zu speisen anfangen will, sagt Hans, „Wir haben Neuigkeiten und du bist die erste Person, der wir dies sagen wollen.“

„Ok, cool, ich fühle mich geehrt, was ist es?“ Hake ich nach,

Hans und Enzo schauen sich tief in die Augen. Es ist schon krass, wie unterschiedlich beide sind. Enzo ist vielleicht 170 cm groß. Hans ist 193 cm groß. Während Enzo schwarzes Haar, dunkle Augen und selbst nach Generationen im Bunker noch eher dunkle Haut hat, ist Hans hellblond, mit hellen blauen Augen und weißer Haut. Beide sind gut trainiert. Hans ist Musiker, während Enzo sich für die Technik begeistert und einer der wenigen ist, die unseren technischen Fortschritt mitgestalten. Hans träumt von den Sternen und der Ferne, während Enzo eher hier bei seinen Wurzeln bleiben will. Dennoch sind die beiden eines der schönsten und verliebtesten Paare die ich kenne. Schade, dass sie keine Kinder kriegen können. Ich wäre gespannt, was dort herauskommen würde.

„Also gut,“ fängt Hans an, „als ich gestern nach Hause gekommen bin, war Enzo bereits hier. Du weißt, was Anna gestern gesagt hatte. Sie hat recht. Bevor ich Musik gemacht habe, habe ich von der Weite geträumt, davon neue Welten zu entdecken und aus diesem Bunker frei zu kommen. Ich habe Enzo damit konfrontiert und es kam zu einem Streit.“

Eine Träne kullert die Wange von Hans hinunter. Auch starke Männer können Gefühle zeigen.

Enzo setzt fort, „Ja, weil mein Platz ist hier unten, auf dem Boden der Tatsachen. Was dort draußen passiert ist eine große Unsicherheit. Ich wüsste nicht, was mich dort erwartet. Ich brauch Standfestigkeit und ich brauch Hans. Hans ermöglicht mir, dass ich träume. Also, du siehst den Konflikt. Gleichzeitig will ich aber auch nicht, dass Hans seine Träume für mich aufgibt. Ich habe eine Trennung in den Raum gestellt.“

Jetzt kullert auch eine Träne aus Enzos rechtem Auge.

Was passiert hier? Haben sie sich getrennt? Nein, das ist nicht möglich. Nicht die beiden, sie sind meine Idole in Sachen Partnerschaft.

Hans setzt fort, „trennen wollten wir uns aber auch nicht. Unser größter Traum sind wir beide. Für uns. Also haben wir es versucht. Wir haben unser Schicksal in die Hände von Maria gelegt und uns für ein Ticket als Paar beworben.“

Hans vervollständigt Enzo, „ja und heute Morgen bin ich früh raus, um auch eine kleine Überraschung, unabhängig von der Entscheidung von Maria vorzubereiten. Wir haben uns verlobt.“

Hans setzt fort, „und wir werden mit dem Weißen Stern reisen. Maria hat uns beiden ausgewählt.“

„Wow, Glückwunsch, das ist super, das freut mich für euch,“ sage ich begeistert, „ich freue mich sehr, euch dabei zu haben. Hans, du kannst dort deine Musik machen und Enzo, ich bin mir sicher, wir werden dir genug Equipment für deine Forschung zur Verfügung stellen. Maria bereitet sicher schon was vor.“

Zusammen essen wir zu Ende. Die Drohnen bringen das Geschirr weg, in die Reinigungsräumlichkeiten. Enzo und Hans packen ihre Sachen und ich mache mich auf den Weg, zum letzten Mal nach Hause zu gehen.

Ein letzter Blick zurück

Zurück in meinem Raum, hole ich einen besonderen Anzug aus meinem Schrank. Alles was ich benötige ist bereits an Bord, außer dieser Uniform, die Kapitänsuniform. Sicher habe ich nicht nur eine hiervon, aber diese werde ich beim ersten offiziellen Flug tragen. All meine anderen Sachen werden hierbleiben. Sie werden gewaschen, desinfiziert und vielleicht schon bald jemand anderem zur Verfügung gestellt.

Ich ziehe die Uniform an und sage, „Maria, ich will los aufs Schiff. Ist alles bereit dafür?“

„Aber sicher doch,“ bestätigt Maria.

So verlasse ich meine alte Wohnung. Die automatische Schiebetür schließt hinter mir. Ein Rotes Kreuz markiert, dass die Tür verschlossen ist. Das nächste Mal wird sie für Reinigungsdrohnen und dann für einen neuen Bewohner öffnen.

Auf dem Weg zum Schiff wandere ich an den Wohnungen entlang. Die Leute lächeln mich an. Teilweise winken Sie. Ein paar Kinder umarmen mein Bein und sagen, „danke,“ oder auch, „ich komme mit.“

Ein kleiner Junge fällt mir besonders ins Auge. Er läuft nicht auf mich zu, aber er starrt mich an. Da ist irgendetwas in seinen Augen. Er kommt mir bekannt vor.

Wie dem auch sei, ich gehe weiter, an ihm vorbei und durch den Versammlungsraum, in dem gestern die Rede gehalten wurde, bevor ich den Projektraum betrete. Ich laufe entlang den Räumen der Entwickler und folge schließlich einem 500 Meter langem Tunnel. Hier gibt es lediglich eine schwache Deckenbeleuchtung. Teilweise flimmert Sie mit einem entsprechenden Geräusch dazu.

Niemand sonst ist auf dem Weg. Es scheint, als nehmen sie noch Abschied. Ich bin zu nervös. Ich muss bereits auf das Schiff und eine Familie habe ich hier nicht. Sogar meine Adoptiveltern sind irgendwann ums Leben gekommen. Meine Besatzung wird meine neue Familie sein, besonders auch Chloé.

Am Ende des Tunnels steht der Fahrstuhl bereits bereit für mich. Hier passen um die 50 Personen rein. Dieses

Mal transportiert er nur mich. In dem Weltalllift gibt es für jeden Passagier einen Sitzplatz. Die Plätze sind gut gepolstert.

Die Tür schließt sich hinter mir. Der Lift hält nur auf zwei Ebenen, hier und im Weltall. Da der Lift Luftdicht mit dem Raumschiff verbunden ist, benötigen wir keinen Raumanzug, um das Schiff zu betreten.

Maria steuert den Fahrstuhl direkt nach oben. Die Fahrt dauert in etwa eine Stunde.

„Maria, ich will ein Nickerchen machen,“ kommentiere ich.

Maria fährt die Armlehnen einiger Stühle herunter. Jetzt ergeben sie eine Liegefläche. Ich lege mich hin. Das Licht wird schwächer. Ich schlafe ein.

„In einer Minute sind wir angekommen,“ warnt und weckt mich Maria, während sie das Licht wieder heller stellt.

Ich setze mich langsam auf. Noch kann ich das Schiff nicht sehen, genauso wenig die Erde aus dem Weltall. Es gibt hier keine Fenster. Ich gehe zur Tür und warte dort erwartungsvoll. Langsam reduziert der Fahrstuhl die Geschwindigkeit, bis er stoppt. Die Tür öffnet sich.

Die Lichter im folgenden Raum scheinen grell. Die Fahrstuhltür schließ sich hinter mir. Ich bin jetzt in einem länglichen Raum. Ein Gas wird freigesetzt. Dies dient der Dekontaminierung. Diesen Prozess muss alles und jeder der an Bord geht durchlaufen. Da gibt es keine Ausnahme. Wir wollen keine Viren oder sonstige Krankheitserreger von der Erde mitbringen. Das Gas dringt ein in den ganzen Körper. Der Prozess dauert drei Minuten. Zwischendurch wird mir ein wenig schwindelig, aber das ist normal.

Schließlich öffnet sich die Tür zum Weißen Stern. Ich betrete das Raumschiff und steuere direkt auf die Brücke zu, wo ich mich in den Kapitänssessel setze. Noch ist es hier leer, aber schon bald wird alles voller Leute und in Betrieb sein.

„Maria, bitte führe einen finalen Test aller Systeme durch,“ bitte ich Maria.

„Aye, Kapitän,“ entgegnet mir Maria. Jetzt geht sie das Protokoll durch.

Durch das Frontfenster sehe ich die immensen Ausmaße des Weißen Sterns. In der Ferne ist auch der Mond zu sehen, die erste Landmasse außerhalb der Erde, auf der Menschen ihren Fuß gesetzt haben.

Dank der 360° Aussicht hier oben kann ich die weißen Phasen-Platten sehen, die das Schiff umgeben. Der Weiße Stern ist länger als breit. Alle Ecken sind abgerundet. Über die seitlichen Flanken kann ich Teile der Erde erkennen. Die Dunkelheit kommt langsam über Europa, wovon wir im Bunker nie etwas mitbekommen haben. Vorne und hinten umgeben jeweils zwei riesige weiße Ringe das Schiff. Diese sind essentiell für den primären Antrieb, um das Raum-Zeit-Gefüge zu überwinden und ein Vielfaches schneller als Lichtgeschwindigkeit zu reisen. Hier muss ich Maria und den Ingenieuren vertrauen. In der neuen Zusammensetzung des Werkstoffs, welches wir verwenden, reparieren sich kleine Schäden sogar von selbst.

Der blaue Planet, wie die Menschheit die Erde genannt hat, ist immer noch umgeben von einem hohen Staubanteil in der Luft. Die meisten Landmassen sind

braun, nur wenige Anteile sind noch grün. Zudem frisst sich weißes Eis Ihren Weg von den Polen aus zurück in Richtung Äquator. Man könnte sagen, der Selbstheilungsprozess der Erde ist gestartet. Die Notwendigkeit wurde durch den Menschen ausgelöst.

In ein paar hundert Jahren ist die Eisschicht vielleicht bis zum Äquator vorgedrungen. Auch der Staub könnte sich bis dahin komplett niedergelegt haben. Vielleicht ist die Erde wiederum wenige hundert Jahre später bereit für einen Neustart.

Die Menschheit könnte dieses Mal von Anfang an eine große Rolle spielen. Hoffentlich wird sie dann besser mit ihren Ressourcen und der Umwelt umgehen.

Dies werde ich aber nicht mehr erleben. Ich werde dabei sein, wenn eine neue Zivilisation auf einem neuen Planeten gegründet wird. Jetzt will ich aber erstmal einen letzten umfassenden Blick auf die Erde werfen.

„Maria, sind die Shuttles startklar?“ frage ich.

Sie antwortet, „ja, Christian, das sind sie, aber das Protokoll sagt, niemand darf alleine fliegen.“

Ich kommentiere, „ich kenne das Protokoll und du bist eine große Unterstützung. Wir sind die Mission noch nicht gestartet und ich will einen letzten Blick auf die Erde werfen, den Status überprüfen. Die Bilder werden auch deiner Datenbank nützen.“

Maria entgegnet, „danke, aber ich habe auch Satelliten die die Erde umkreisen. Ich kann dir gerne Bilder zeigen.“

Darauf widerspreche ich, „danke, aber nein danke, ich will es live sehen und zugegebener Maßen habe ich auch Lust zu fliegen. Wie lange haben wir noch, bis die Mannschaft an Bord geht?“

Maria bestätigt, „ok, du bist der Boss. Die restliche Besatzung kommt in etwa 4 Stunden an Bord.“

„Ok, super, danke,“ bedanke ich mich, „bereite Shuttle 1 für einen Probeflug vor.“

Maria stimmt zu, „bestätigt.“

Ich stehe auf und gehe zum Bordfahrtstuhl. Hier fahre ich alle Etagen runter, bis zur untersten Etage. Um hierher zu gelangen braucht man besondere Berechtigungen. Diese benötigt man auch, um zur Brücke zu gelangen, aber die habe ich und Maria kennt mich.

Nach einer halben Minute komme ich an. Vor mir ist ein langer Flur. Rechts und links gibt es Türen. Diese führen zu den Shuttles oder auch zu Lager- und Maschinenräumen. Ich öffne die Erste Tür rechts und trete ein.

Dort steht sie, ein kleines schwarzes Shuttle. Alle anderen Shuttles können zwischen zehn und 30 Personen transportieren. Dieses kleine Baby schafft aber nur fünf Passagiere.

Shuttle 1, die schwarze Perle, öffnet die Tür. Ich steige ein und setze mich ans Steuer. Die Tür des Shuttles schließt. So schließt auch die gesamte Luftzufuhr für den Raum. Langsam öffnet sich das Tor unterhalb des Shuttles. Die Steuerung startet. Ein Greifarm fährt mich heraus und lässt mich los. Ich starte den Antrieb und fliege los.

Unter mir sind noch kilometerweit Solarzellen, die den Erdbunker und auch den Weltalllift mit Strom versorgen.

Miniroboter reparieren gerade einige davon. Manchmal schlagen hier kleine Meteoriten ein. Größere Brocken werden von einem Abwehrsystem bereits frühgehend erfasst und eliminiert. Der Weltraummüll den es hier mal gab, wurde zurück in Richtung Erde gelenkt und ist zumeist in der Atmosphäre verglüht. Der größte Teil dieser Aufgabe wurde bereits in den 2020er Jahren erledigt. Wir hatten in diesem Bereich nur noch wenig zu tun.

Langsam taucht unter mir die Erde auf. Es ist faszinierend, wie weit sich das Eis schon fortgefressen hat. Die Trübe Luft lässt das Eis etwas bräunlich schimmern. Um ehrlich zu sein, hoffe ich, dass die Strahlung die Heilung der Erde nicht verzögert oder gar verhindert. Sicherlich hat diese eine Halbwertszeit und irgendwann wird die Radioaktive Strahlung nachlassen, aber dies wird noch hunderte Jahre dauern. Bordcomputer bestätigen mir hohe Strahlungswerte.

In Richtung Afrika fliegend erkenne ich hinter weiten trockenen und heißen Wüsten auch noch grüne Landstriche, bevor die weiße Wüste die Landmasse im Süden des ehemaligen Südafrika übernimmt. Aber auch hierüber ist die Luft noch trüb. Die Südhalbkugel wurde zwar weniger beeinflusst und attackiert, aber die Folgen des Krieges sind dennoch Fatal auf globaler Ebene. Die gesamte Erde ist den fatalen Folgen ausgesetzt.

Weiter Richtung Südamerika sind die Grünflächen größer, aber auch hier sind die Strahlungswerte hoch. An meiner rechten Seite passieren die Überreste der ISS. Einige Meteore haben diese im Laufe der Zeit getroffen. Über das letzte Solarpanel erhält sie gelegentlich noch Energie, ansonsten ist sie eine Geisterstation.

Wir haben die Station vor einigen Jahren mal betreten. Ein paar interessante Geräte haben wir rausgeholt, aber es war nicht mehr viel zu gebrauchen. Zudem sind dort auch noch die Leichen der letzten fünf Astronauten. Sie müssen verhungert sein, langsam aber stetig. Noch nicht einmal von hier konnten wir Kontakt zur Mars, geschweige denn zur Station auf Europa, einem der Monde des Jupiters aufbauen.

„Maria, gibt es in Südamerika oder Afrika irgendwelche Lebenszeichen?“ Frage ich nach.

Maria bestätigt, „ja, primär sind dies Insekten und Bakterien, aber auch ein paar Schlangen- und Affenarten konnten sich den geänderten Bedingungen anpassen. Die Anzahl an Tieren ist aber Minimal.“

Ich hake nach, „ok, danke, hast du eigentlich inzwischen irgendwo Zeichen von anderen Menschen gefunden?“

Maria verneint, „nein, auf der Oberfläche gibt es ansonsten keine Anzeichen für menschliches Leben.

Die Landmassen Südostasiens und Nordamerikas sehen traurig aus. Dort wo die Staubbelastung etwas nachgelassen hat, legen sich langsam aber bereits wieder Pflanzen über die Städte und Ruinen, zumindest solange, bis das Eis angekommen ist. In Russland sind riesige Krater zu sehen. Es scheint, als wären hier größere Kometen eingeschlagen.

Sofort frage ich nach, „Maria, woher kommen die Krater?“ Sie kommentiert, „die waren bereits da, als wir unsere Satelliten und das Abwehrsystem in Betrieb genommen haben. Gesteinsspuren in den Kratern weisen aber auf Asteroideneinschläge hin. Sie sind sicher auch mit Grund für die trübe Luft.“

„Ok, danke,“ bestätige ich und vollende die Weltumrundung in Highspeed. Die neuen Antriebe sind großartig und sogar für unsere Shuttles geeignet.

Maria fährt den Fangarm bereits früh aus. Ich docke an und werde hereingezogen. Das Tor unter mir schließt sich. Langsam wird Luft in die Kabine gepumpt und eine Ampel oben neben der Tür des Shuttles schaltet auf Grün. Die Tür öffnet sich. Ich steige aus.

Es dauert noch etwa eine Stunde, bis die Besatzung hier erwartet wird. Schon bald wird das Schiff leben, die Gänge und Kabinen werden pulsieren.

Bevor der Trubel startet, gehe ich in meine Kabine. Die Tür öffnet sich nur mit Iris-Scan. Mit 30 Quadratmetern habe ich das größte Zimmer. Dafür trage ich auch die größte Verantwortung.

Sobald wir auf Mission sind, wird Maria uns Vorschläge machen und Hinweise geben. Die Aufforderungen zur Ausführung muss von Menschen, allen voran von mir kommen.

Ich setze mich im Lotussitz auf ein Meditationskissen, welches in meiner Meditationsecke liegt. Meditation ist wichtig für mich. Zumeist will ich meine Konzentration stärken und abschweifende Gedanken ausschalten. Manchmal will ich aber auch das Bewusstsein über meinen physischen Körper stärken.

Heute, so kurz vor dem Start habe ich vor, mich auf meine innere Stärke und Ruhe zu fokussieren. Diese Meditation kommt aus einer alten Religion, dem Buddhismus und heißt Samatha.

Zunächst sorge ich dafür, dass ich nicht unterbrochen werde. „Maria, ich werde meditieren, bitte unterbreche mich nur im Notfall.“

Maria bestätigt, „ok, eine gute Meditation dir.“

Ich sitze mit geradem Rücken im Lotussitz. Die Position passe ich etwas an, so dass ich bequem dasitze. Meine Schultern sind entspannt. Sie hängen leicht herunter. Mein Kinn bewege ich etwas nach hinten. Augen, Augenbrauen und Stirn sind entspannt. Keine Falte bildet sich. Ich schließe die Augen und ziehe die Mundwinkel etwas hoch. Mit einem leichten Lächeln geht alles leichter. Auch meine Zunge entspanne ich. Sie berührt nicht den Gaumen, aber liegt locker im Mundraum. Die oberen und unteren Zähne berühren sich nicht.

Mein Fokus geht nach innen, an einen Punkt zwischen, aber auch hinter meinen Augen. Dieser ist in der Mitte des Kopfes. In dieser Vorstellung verweile ich für wenige Minuten.

Ich atme regelmäßig und ganz natürlich, nicht schneller, tiefer, flacher oder langsamer als sonst, einfach so, wie es sich gut anfühlt. Langsam bewege ich die Aufmerksamkeit auf die Bewegung in meinem Bauch, wie er sich mit jeder Einatmung aufbläht und mit jeder Ausatmung wieder zusammenzieht. Auch bei diesem Fokus verweile ich für ein paar Minuten.

Im Folgenden wandere ich mit der Aufmerksamkeit wieder hoch, auf den Punkt zwischen Oberlippe und Nase, an dem die Haut eine Art Dreieck bildet. Die obere Spitze des Dreiecks befindet sich zwischen den beiden Nasenöffnungen. Diesem Punkt schenke ich zehn weiteren Minuten meine volle Aufmerksamkeit.

Schließlich beginne ich wieder, meine Umgebung besser wahrzunehmen. Langsam öffne ich meine Augen und gebe Maria Bescheid, „danke Maria, ich stehe jetzt komplett fokussiert wieder zur Verfügung.“

„Ok,“ bestätigt Maria kurz.

Langsam stehe ich auf und verlasse meinen Raum. Ich gehe in Richtung unserer Brücke, der Kommandozentrale. Es ist Zeit für mich, die richtigen Worte zur Begrüßung der Besatzung zu finden.

Kaum angekommen, sagt Maria, „Christian, ein Großteil der Besatzungsmitglieder ist bereits in der Dekontaminierung.“

Entspannt von der Meditation setze ich mich in meinen Kapitänsstuhl. Ich bin bereits gespannt auf morgen, darauf wie wir den Mars vorfinden werden. Von Himmel bis Hölle ist alles möglich.

Für die Begrüßung bitte ich Maria, „Maria, bitte lade die gesamte Besatzung, auch gerne mit all den Begleitungen die sie heute mitgebracht haben in die Brücke ein.“

„Wird erledigt,“ bestätigt sie.

Mehr und mehr Besatzungsmitglieder kommen an. Ich stehe auf, auf dem kleinen Podest das den Stuhl des Kapitäns umgibt und Rufe laut, „heute zur Feier des Tages will ich hier eine kurze Rede halten. Bitte verteilt euch gut im Raum. Ansonsten, Maria, bitte übertrage meine Worte im kompletten Schiff.“

Die Leute verteilen sich um mich herum. Ich bin eh schon ein wenig größer als die meisten, aber das Podest stellt mich noch weiter in den Vordergrund.

Diese Rede soll motivierend wirken. Ich will mein Team abholen und mitreißen. Hierzu werde ich energetisch sprechen, Kernelemente besonders betonen und möglichst passend zum Inhalt gestikulieren. Ich werde die Ruhe bewahren und selbstsicher den Augenkontakt mit der Crew suchen. Eine einfache zentrale Nachricht werde ich innerhalb einer Geschichte, einem Beispiel, verpacken und meine Punkte deutlich darzustellen. Mein Beispiel sollte für jeden Zuhörer greifbar sein. Auch eine schwammige Sprache hat hier nichts zu suchen.

Die aktuelle Situation hier werde ich akzeptierend anerkennen. Ebenso wird auch unser Ziel, eine wunderbare Vision von einem besseren Morgen, zentraler Bestandteil sein. Ich werde klarstellen, dass jeder einzige hierfür notwendig ist. Jeder ist wichtig. Natürlich werden wir auch auf Herausforderungen treffen, aber diese werden wir meistern. Am Ende werden wir freier sein, besser leben und unseren Kindern und Kindeskindern eine bessere Welt anbieten. Dies ist mein Ziel, aber wie verpacke ich das jetzt gut und einfach in Worte?

„Hallo Freunde,“ starte ich die Rede, „herzlich willkommen zurück hier auf dem Weißen Stern. Die meisten von euch waren schon einmal an Bord. Jetzt startet aber eine ganz besondere Phase, eine Zeit der Erforschung potentieller Lebensräume.“

Ich mache eine kurze Pause. Es lässt mich das Gefühl nicht los, dass dem noch was Besonderes fehlt. Dies ist noch nicht die Rede, die ich mir vorgestellt hatte.

Also setze ich fort, „ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir im Laufe der Jahre erzählt wurde. Es waren einmal vier Personen verschüttet in einer Höhle. Sie waren eingesperrt, ähnlich wie wir. Nachdem sie mit Ihren Taschenlampen die gesamte Höhle und alle Gänge erforscht haben, war klar, dass es keinen einfachen Ausweg gibt. Einer von ihnen wollte dies aber nicht wahrhaben. Er begann, die Steine langsam und vorsichtig von der Einbruchstelle weg zu schaffen. Die anderen drei wollten lediglich auf Hilfe warten und bis dahin überleben. Sie mögen Angst gehabt haben, dass Steine nachrutschen und sie selber treffen, sie verletzen. Sie glaubten nicht daran, dass sie sich selber befreien können. Die arbeitende, motivierte Person glaubte an seinen Erfolg. Er hatte die Vision der Freiheit vor Augen. Diese gab ihm die Kraft, weiter zu machen, nicht aufzuhören. Genau so, haben es unsere Vorfahren gewagt, die Erdoberfläche zu erkunden. Leider haben hierbei einige Personen ihr Leben gelassen. Es wurden Opfer gebracht. Auch in der Höhle sind immer wieder Steine nachgerutscht. Wer Erfolg will, muss sich trauen und aus Fehlern lernen. Er muss sich den Herausforderungen stellen und unter Umständen entgegen der Skepsis der Anderen für seine Vision kämpfen, bis er das Licht der Freiheit auf der anderen Seite sieht. Auch wir haben den Traum, nicht mehr eingesperrt zu sein. Alle die wir hier sind, so auch alle anderen auf der Erde mussten dafür im Laufe der Zeit Opfer bringen. Ohne den Mut, den Einsatz und die Begeisterung von jedem einzelnen, würden wir heute nicht hier oben stehen. Wir hätten nicht die Möglichkeit, aus dem Bunker auszureißen und für unsere Vision, die Freiheit und Erforschung neuer Lebensräume, zu kämpfen.“

Nach einer kurzen Pause setze ich fort, „genau wie die vier Personen in der Höhle, könnte man auch unsere neue Situation wieder so deuten, dass wir hier weiterhin eingesperrt sind. Durch die Erforschung neuer Planeten