Gabriel: Mein Boss, der Werwolf - C. M. Spoerri - E-Book
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Gabriel: Mein Boss, der Werwolf E-Book

C.M. Spoerri

4,0

Beschreibung

Roya: Ich habe tatsächlich meinen Traumjob bekommen. In einer der renommiertesten Banken New Yorks, bei Gabriel Romano, den ich seit dem Studium bewundere. Er ist ein Gott, ein Experte auf seinem Gebiet – auch wenn mich sein Ruf als Schürzenjäger zugegebenermaßen abschreckt. Doch eines ist nun wichtiger als alles andere: Ich darf ihn nicht enttäuschen, und er soll schon gar nicht merken, was für einen Problemhaufen er sich da geangelt hat. -- / -- Gabriel: Ich mache dich nervös, Kleines, oder? Aber ich genieße das. Ich genieße es, wie du schon allein durch meine Anwesenheit erbebst. Du verwirrst meinen Wolf, er kann deine Unsicherheit riechen und es erregt ihn mehr, als ihn jemals eine Menschenfrau erregt hat. Du schürst seinen Jagdinstinkt. Er will dich. Er braucht dich. Deine Ängste stehen dir im Weg, doch ich bin geduldig. Es ist keine Frage von ›wenn‹, sondern ›wann‹. Und sobald ich dich besitze, Bella, wirst du mein süßes Spielzeug sein, das sich mir hingibt, für mich stöhnt und meinen Wolf befriedigt. Oh, mein Engel … du hast ja keine Ahnung, was dich in meinen Armen erwartet, nachdem du zu meiner Beute geworden bist.

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Seitenzahl: 566

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Informationen zum Buch

Impressum

Widmung

Vorwort und Erklärung

Kapitel 1 - Hallo, ich bin Roya Jafari

Kapitel 2 - Ein strenger Boss

Kapitel 3 - Seltsam … sehr, sehr seltsam

Kapitel 4 - Eine persönliche Frage

Kapitel 5 - Zu schnell

Kapitel 6 - Pizzaessen

Kapitel 7 - Eine Chance

Kapitel 8 - Erzähl mir von Venedig

Kapitel 9 - Darf ich dich küssen?

Kapitel 10 - Absolute Dunkelheit

Kapitel 11 - Ich hol dir die Sterne vom Himmel

Kapitel 12 - Zwei Gläser Rotwein

Kapitel 13 - Gespräch unter Freunden

Kapitel 14 - Gespräch unter Freundinnen

Kapitel 15 - Kauderwelsch

Kapitel 16 - Date mich

Kapitel 17 - So nervös

Kapitel 18 - Filmabend

Kapitel 19 - Du bist mutig genug für mich

Kapitel 20 - Guten Morgen

Kapitel 21 - Wir sollten was besprechen

Kapitel 22 - Kein Christian Grey

Kapitel 23 - Barbesuch

Kapitel 24 - Bist du ein Kontrollfreak?

Kapitel 25 - Eine kleine Lektion

Kapitel 26 - Hell’s Kitchen

Kapitel 27 - Mach’s dir bequem

Kapitel 28 - Kontrollverlust

Kapitel 29 - Der Schwur eines Alphas

Kapitel 30 - Aufgescheuchte Unsicherheiten

Kapitel 31 - Verfluchte Kacke

Kapitel 32 - Geh einfach

Kapitel 33 - Verdammt süß

Kapitel 34 - Fuck, Baby

Kapitel 35 - Eine Bedingung

Kapitel 36 - Beschissene Freunde

Kapitel 37 - Achtsamkeit

Kapitel 38 - Sie sollte nicht hier sein

Kapitel 39 - Ein Easter-Egg namens Richfield

Kapitel 40 - Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen

Kapitel 41 - Kofferpacken

Kapitel 42 - Oh, hallo?

Kapitel 43 - Ein erster Abend von vielen

Kapitel 44 - Ein sehr, sehr schlechter Einfluss

Kapitel 45 - Crossover

Kapitel 46 - Geschäftsmeeting

Kapitel 47 - Sei nicht so ungeduldig

Kapitel 48 - Das solltest du nicht tun, Baby

Kapitel 49 - Mund oder Finger?

Kapitel 50 - Du machst mich fertig

Kapitel 51 - Es hätte nicht funktioniert

Kapitel 52 - Auf den Knien

Kapitel 53 - Ruinier mich

Kapitel 54 - Geknotet

Kapitel 55 - Mein Boss, der Werwolf

Kapitel 56 - Ich habe Fragen

Kapitel 57 - Du gehörst mir

Kapitel 58 - Dein Boss, dein Alpha

Epilog

Nachwort

 

C. M. Spoerri

 

 

Gabriel

Mein Boss, der Werwolf

 

 

Omegaverse

 

 

 

Gabriel: Mein Boss, der Werwolf

Roya: Ich habe tatsächlich meinen Traumjob bekommen. In einer der renommiertesten Banken New Yorks, bei Gabriel Romano, den ich seit dem Studium bewundere. Er ist ein Gott, ein Experte auf seinem Gebiet – auch wenn mich sein Ruf als Schürzenjäger zugegebenermaßen abschreckt. Doch eines ist nun wichtiger als alles andere: Ich darf ihn nicht enttäuschen, und er soll schon gar nicht merken, was für einen Problemhaufen er sich da geangelt hat.

 

Gabriel: Ich mache dich nervös, Kleines, oder? Aber ich genieße das. Ich genieße es, wie du schon allein durch meine Anwesenheit erbebst. Du verwirrst meinen Wolf, er kann deine Unsicherheit riechen und es erregt ihn mehr, als ihn jemals eine Menschenfrau erregt hat. Du schürst seinen Jagdinstinkt. Er will dich. Er braucht dich. Deine Ängste stehen dir im Weg, doch ich bin geduldig. Es ist keine Frage von ›wenn‹, sondern ›wann‹. Und sobald ich dich besitze, Bella, wirst du mein süßes Spielzeug sein, das sich mir hingibt, für mich stöhnt und meinen Wolf befriedigt. Oh, mein Engel … du hast ja keine Ahnung, was dich in meinen Armen erwartet, nachdem du zu meiner Beute geworden bist

 

 

Die Autorin

C. M. Spoerri wurde 1983 geboren und lebt in der Schweiz. Sie studierte Psychologie und promovierte im Frühling 2013 in Klinischer Psychologie und Psychotherapie. Seit Ende 2014 hat sie sich jedoch voll und ganz dem Schreiben gewidmet. Ihre Fantasy-Jugendromane (›Alia-Saga‹, ›Greifen-Saga‹) wurden bereits tausendfach verkauft, zudem schreibt sie erfolgreich Liebesromane. Im Herbst 2015 gründete sie mit ihrem Mann den Sternensand Verlag.

 

 

 

 

 

 

www.sternensand-verlag.ch

[email protected]

 

1. Auflage, März 2025

© Sternensand Verlag GmbH, Zürich 2025

Umschlaggestaltung: Jasmin Romana Welsch

Lektorat / Korrektorat: Sternensand Verlag GmbH

Satz: Sternensand Verlag GmbH

 

 

ISBN (Taschenbuch): 978-3-03896-356-1

ISBN (epub): 978-3-03896-357-8

 

Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

 

Für alle, die täglich mit Ängsten und Problemen

zu kämpfen haben und sich manchmal einen

starken Wolf wünschen,

der sie einfach in den Arm nimmt.

 

Das ist für euch.

 

 

 

 

Willkommen in einem

Katz- … äh … Wolf-und-Maus-Spiel

der etwas anderen Art.

 

Vorwort und Erklärung

!! Bitte lesen !!

 

Warnung:

 

Diese Geschichte ist nicht für dich gedacht, wenn du eine süße Liebesgeschichte oder Fantasy im Stil von meinen Venera-Romanen erwartest.

Es handelt sich hierbei weniger um Fantasy, sondern vielmehr um Erotik mit leichten Fantasy-Aspekten.

 

Du solltest mit den Themen DOMINANZ und UNTERWERFUNG umgehen und sie für dicheinordnen können. Es wird dunkel und heiß!

 

Habe ich dein Interesse geweckt? Dann darf ich dich in eine Welt entführen, die auch als Omegaverse bekannt ist. Falls du bisher noch nicht mit diesem Thema in Berührung gekommen bist, ist es wichtig, dir grundlegende Infos vorab mitzugeben, damit du die Geschichte für dich besser einordnen und dich schneller zurechtfinden kannst.

 

Omegaverse allgemein

 

Omegaverse ist vielschichtig und jede*r Autor*in behandelt es etwas anders. Ursprünglich aus der erotischen Slash-Fiction entstanden, gibt es mittlerweile auch einige heterosexuelle Werke. Meine Geschichte vermischt beides zusammen.

Prinzipiell besteht Omegaverse aus der Idee, dass es ein drittes Geschlecht gibt, bzw. Dominanzhierarchien existieren. Je nach Quelle wird dies unterschiedlich gehandhabt. Oft sind Angehörige davon Gestaltwandler, können sich in Wölfe verwandeln und haben canid-ähnliches Verhalten. Erotik, Dominanz und Unterwerfung haben zudem einen zentralen Platz im Omegaverse.

 

Die nachfolgenden Informationen betreffen ausschließlich meine Welt und können sich daher stark von anderen Büchern unterscheiden, in denen ebenfalls omegaverse Thematik zu finden ist.

Wenn du dich überraschen lassen möchtest, kannst du diese Punkte aber auch überspringen, und direkt zum Punkt ›sensible Themen‹ gehen, denn alle Aspekte meines Universums werden dir ohnehin im Verlaufe der Geschichte nach und nach erklärt.

 

›Mein‹ Omegaverse

 

Ich habe mir die Freiheit genommen, Angehörige des Omegaverse in meiner Geschichte als ›Canicor‹ zu bezeichnen – und ja, meine Canicore können sich in Wölfe verwandeln. Hassen es aber, als Werwölfe bezeichnet zu werden. Wieso, werden sie dir noch erklären.

Zudem wählte ich für mein Universum die klassische A/B/O/-Hierarchie-Ordnung, sprich: Alphas, Betas und Omegas.

Hier die wichtigsten Punkte zu meinen A/B/Os:

Alphas sind die Ranghöchsten, die Rudelanführer. Sie sind von Natur aus dominant und haben einen starken Beschützerinstinkt, können sehr aggressiv und bestimmend werden. In meiner Welt hat jedes Rudel nur ein Alpha, kann jedoch aus mehreren Betas und Omegas bestehen.

Betas sind der ›Zwischenrang‹. Sie sind für die Stabilität eines Rudels verantwortlich, erden ihr Alpha und unterstützen es bedingungslos. Sie können sowohl mit Alphas als auch mit Omegas Sex haben, sind allerdings unfruchtbar.

Omegas sind zwar die rangniedrigsten, aber auch die wertvollsten Mitglieder eines Rudels. Denn sie sind es, die mit einem Alpha (und nur mit einem Alpha!) Nachwuchs zeugen können. Ein Omega ist der Ruhepol in einem Rudel und oft eine beliebte Ansprechperson, der man die Sorgen ausschüttet.

Alphas, Betas und Omegas können sowohl weiblich als auch männlich sein. Prinzipiell bezeichne ich Canicore in neutraler Form (also ›das Alpha‹ etc.), wenn eine spezifische Person gemeint ist, erhält sie hingegen ihr entsprechendes Pronomen (also ›der Alpha‹ / ›die Alpha‹ etc.).

Canicore haben keine Geschlechterpräferenzen beim Sex.

Wichtig zu erwähnen, ist, dass Canicore stark ihren Trieben folgen und von Gerüchen ebenso gelenkt werden wie von Schwingungen und Energien. Sie sind äußerst sensibel, was Veränderungen angehen, die sie bei ihren Mitmenschen wahrnehmen. Sie haben eindeutig canide Züge, können verspielt aber auch sehr angriffslustig und territorial sein. Jeder Canicor unterscheidet sich durch seine einzigartige Duftnote. Nun … du wirst sie ja bald kennenlernen und kannst dir dann dein eigenes Bild davon machen. :-)

 

Sensible Themen

 

Des Weiteren wird die Geschichte ab und an in Richtung Dark Romance schwenken und es können sensible Themen aufkommen wie beispielsweise sexuelle und sexualisierte Gewalt, sexualisierter Machtmissbrauch, Dominanz und Unterwerfung. Wichtig: Solche Themen werden nicht romantisiert, anderweitig beschönigt oder gerechtfertigt. Ein Nein ist ein Nein. Eine Vergewaltigung eine Straftat.

Bitte lies verantwortungsvoll und achte auf dich. Überspringe Passagen, wo du merkst, dass du kein gutes Gefühl dabei hast.

 

*** Ende der Einführung ***

 

 

Alles Weitere, was dieses Universum betrifft, wird dir im Verlaufe der Geschichte erklärt, denn wir lernen diese Welt jetzt zusammen mit der Protagonistin nach und nach kennen.

 

Es wird zudem ein paar Crossover mit den Reihen ›New York Alpha‹ und ›Angel‹ geben. Ich hoffe, du hast ebenso viel Freude an diesem Wiedersehen, wie ich es hatte.

 

Viel Vergnügen mit Roya und den Canicoren!

 

Corinne

Kapitel 1 - Hallo, ich bin Roya Jafari

Roya

 

Ruhig atmen, Roya … Er ist ein ganz normaler Mann. Er ist ein Mensch, wie jeder andere. Du wirst von ihm weder gebissen noch gefressen.

Dieses Mantra rattere ich immer wieder herunter, während ich in der Subway nach Manhattan sitze und versuche, nicht durchzudrehen. Ich bin die Nervosität in Person – was einerseits nachvollziehbar ist. Schließlich habe ich heute das wichtigste Vorstellungsgespräch meines Lebens, bei einer der renommiertesten Banken New Yorks. Der Romano Company, die vom wohl einflussreichsten Mann Manhattans geleitet wird: Gabriel Romano, den ich seit meinem Studium bewundere.

Er hat zahlreiche Sachbücher über die Führung und das Management globaler Banken, die Analyse von Aktienmärkten, finanzielle Expertisen und Digitalisierung des Bankwesens verfasst. Zudem über die Bedeutung von ethischem Verhalten und sozialer Verantwortung in der Finanzbranche, Ansichten zur Bekämpfung von Finanzkrisen und diverse Ratschläge für Privatpersonen und Unternehmen, was Investitionen angehen.

Meine Hände schwitzen und ich klammere mich an die Tasche, die ich auf dem Schoß habe.

Oh Gott, was, wenn ich bei dem Gespräch mit Mister Romano nachher genauso nervös bin? Wenn ich stottere oder meine Finger zittern? Vielleicht bekomme ich einen Niesanfall oder Nasenbluten.

Hoffentlich habe ich nicht direkt vor Mister Romano eine Panikattacke … das wäre so peinlich, peinlich, peinlich!

Eine ältere Frau reißt mich aus meinen kreisenden Gedanken, indem sie sich mit einem kleinen Hund, der aufgeregt hechelt, neben mich setzt. Ich rücke etwas zur Seite, weil sie viel zu nahe ist. Wenn ich so nervös bin, kann ich keinen Körperkontakt ertragen, zudem ist ihr Hund komplett nass, da es draußen zu regnen begonnnen hat.

Er schüttelt sich und ich versuche, mein Business-Outfit davor zu bewahren, dass es Spritzer abbekommt, indem ich meine Tasche nach unten ans Knie halte.

Ich war schon immer eher ein Katzenmensch.

Der Hund, der irgendeine Mischung aus Chihuahua und Dackel sein muss, starrt zu mir hoch und scheint meine Nervosität zu spüren, denn er legt die Ohren an und knurrt leise. Am liebsten hätte ich zurückgeknurrt, lasse es aber bleiben.

Die Frau wirft mir einen Seitenblick zu, der mich zusätzlich unter Strom setzt.

Merkt sie, wie nervös ich bin? Sie starrt mich länger an, als normal ist, oder? Oder bilde ich mir das gerade nur ein? Sieht man mir an, dass mein Puls mir in den Ohren rauscht? Vielleicht habe ich Schweiß auf der Stirn.

Beunruhigt streiche ich mir über die Schläfen, dann wende ich den Blick ab und starre angespannt in die Dunkelheit des Tunnels, der vor der Scheibe in rasender Geschwindigkeit vorbeizieht. Erfolglos versuche ich, meinen hämmernden Herzschlag irgendwie zu beruhigen.

Keine Chance. Ich werde gleich Gabriel Romano treffen! Den Mann, der das Bankwesen seit Jahren revolutioniert.

Der neuste Geniestreich seiner Firma ist die Entwicklung einer eigenen KI-gesteuerten Analyseplattform mit fortschrittlichen Algorithmen, um das Marktverhalten in Echtzeit zu analysieren und vorherzusagen.

Er ist ein Gott. Ein Experte auf diesem Gebiet. Und ich will es mir mit ihm nicht verscherzen, indem ich irgendetwas Dummes tue oder sage. Daher übe ich seit Tagen das Vorstellungsgespräch, gehe alle Einzelheiten durch, um für jegliche Fragen gewappnet zu sein.

Ich muss ihn beeindrucken. Muss so professionell und vorbereitet wie möglich sein.

Und dennoch bin ich viel nervöser, als wahrscheinlich normal wäre. Weil … weil da diese Ängste in mir sind. Die Panik davor, dass ich mich richtig, richtig blamieren könnte. Dass alle über mich urteilen könnten und ich mich in Grund und Boden schäme, da ich mich so peinlich verhalte.

Mein Magen rumort und ich habe die Befürchtung, mich gleich übergeben zu müssen. Oder Durchfall zu bekommen. Oder einen Herzinfarkt. Jede kleine Handbewegung, jedes Zucken fühlt sich so auffällig an.

Ich halte die Ausgänge der Subway im Blick und überlege, welche Station die beste wäre, um schnell auszusteigen, falls es zu überwältigend wird. Nur, dann würde ich zu spät kommen – ich kann jetzt nicht raus. Eine Verspätung könnte alles ruinieren. Wie sollte ich das Mister Romano erklären? Und was würden die anderen Fahrgäste von mir halten, wenn ich einfach aufstehe? Jeder würde mich anstarren.

Nein, ich darf nicht negativ auffallen. Muss mich normal verhalten.

Normal …

Nervös klammere ich meine schweißnassen Hände um meine Tasche und versuche, nicht zu hyperventilieren, mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren als meine Nervosität. Was schwierig ist, denn Subway-Fahren allein ist schon anstrengend genug für mich.

Die vielen Menschen, die vielen Geräusche und Gerüche … ich mag das nicht und dennoch gehört es leider zu den täglichen Herausforderungen, denen ich mich stellen muss, da ich in Brooklyn wohne und kein Auto besitze.

In Menschenmassen fühle ich mich nie wohl, aber das darf ich gerade nicht an mich heranlassen. Ebenso wenig wie die anderen Ängste, die mich seit meiner Jugendzeit verfolgen.

Ich habe eine selbst diagnostizierte soziale Phobie, hinzu kommen Platz-, Flug- und Höhenangst sowie eine ungeheure Panik vor Spinnen und allem, was sonst so herumkriecht. Meine beste Freundin Amber bezeichnet mich immer als Traum eines jeden Psychotherapeuten, da er mit Sicherheit mindestens eine Diagnose bei mir stellen könnte. Obwohl ich noch nie bei einem Therapeuten war – das ist mir zu seltsam.

Da bleibe ich lieber … seltsam.

Hektisch presse ich Augen und Lippen zusammen und wünsche, dass es einfach vorbei ist. Dass ich endlich aussteigen und frische Luft schnappen kann. Gleichzeitig habe ich Angst vor dem Moment, wenn die U-Bahn an meiner Zielstation halten wird, denn dann … muss ich mich einer der unangenehmsten Situationen stellen: dem Vorstellungsgespräch mit einem Mann, den ich vergöttere.

Warum mache ich das bloß? Wieso habe ich zugesagt?

Meine Ängste sind morgens immer schlimmer als abends, wieso weiß ich nicht. Und das Vorstellungsgespräch ist um zehn Uhr. Leider hatte ich nicht den Mut, zu fragen, ob es zu einem späteren Zeitpunkt möglich wäre.

Meine Brust schnürt sich zu und ich merke, wie mir kalter Schweiß auf die Stirn tritt. Meine Hände spielen nervös an der Tasche herum.

Ich könnte umkehren. Könnte einfach bei der nächsten Station aussteigen und den Job sausen lassen.

Aber das ist nicht meine Art. Ich habe so lange darauf hingearbeitet und darf jetzt keinen Rückzieher machen. Was wäre ich für ein Vorbild für meine jüngeren Geschwister, wenn ich einfach den Schwanz einziehe? Ich bin die Älteste in unserer Familie und weiß, dass meine zwei kleinen Schwestern zu mir aufsehen. Auch meine drei jüngeren Brüder, selbst wenn sie das nicht zugeben würden. Sie sind gerade in einer Phase, in der sie mehr Hormone produzieren, als gut für sie ist. Und meine Eltern … Sie setzen so große Stücke auf mich. Sind so stolz darauf, was ich bereits alles erreicht habe.

Ich kann sie nicht enttäuschen … niemanden von ihnen. Ich muss das jetzt einfach irgendwie schaffen.

Zudem brauche ich das Geld für die Miete. Bisher haben mich meine Eltern netterweise unterstützt und ich mich mit ein paar Gelegenheitsjobs sowie bezahlten Praktika über Wasser gehalten, aber das ist kein Dauerzustand. Und wenn ich den Job als Buchhalterin in der Romano Company bekomme, werde ich sehr viel Geld verdienen.

Als die Subway anhält und ich merke, dass ich da bin, schlägt mein Herz wie verrückt. Mit zittrigen Beinen steige ich aus und atme trotz der schlechten Gerüche, die hier unten in den Tunneln herrschen, tief durch.

Du schaffst das, Roya … atmen.

Ich strecke die Schultern durch und steige die Treppen nach oben auf die Straßen Manhattans, wo es immerhin aufgehört hat zu regnen, also kann ich den kleinen Schirm, den ich in der Tasche dabeihabe, drin lassen. Es ist kalt und windig – der Herbst ist vorbei und der Winter hält langsam Einzug in die Stadt, die niemals schläft.

Meine Finger sind immer noch schweißnass und ich spüre, wie mir speiübel wird, als ich in das hektische Treiben auf den Straßen eintauche. Aber ich unterdrücke den Drang, zurück in die Subway zu rennen, um irgendwohin zu fahren, wo mich meine Ängste endlich in Ruhe lassen.

Stattdessen blicke ich hoch zu dem imposanten Bankgebäude, das vor mir in den Himmel ragt wie ein bedrohliches Tier. Die grauen Wolken spiegeln sich in der beeindruckenden Fensterfront. Ich fröstle und ziehe den dunkelgrauen Mantel, den ich über meinem Business-Kostüm trage, etwas enger.

»Nur nicht die Nerven verlieren«, murmle ich mir beruhigend zu. »Du schaffst das. Du musst das schaffen.«

Mit einem tiefen Atemzug strecke ich erneut den Rücken durch und gehe mit weichen Knien auf das riesige Gebäude zu, dessen Eingang mich förmlich zu sich ruft.

Das Foyer ist wunderschön und modern, der Boden besteht aus geschliffenen Platten, die die Lichter an der Decke widerspiegeln. Meine hohen Absätze, die ich trage, hallen viel zu laut.

Sehen mich die Leute an? Ja … der da drüben … der hätte nicht zu mir geschaut, wenn ich nicht so auffällig wäre, oder?

Ich presse die Lippen zusammen und setze meinen Weg fort.

Normalerweise wähle ich Turnschuhe, aber für heute wollte ich einen guten Eindruck machen. Etwas längere Beine schaden nicht. Dazu habe ich mir extra dieses beige Kostüm bestehend aus Rock und Blazer sowie einer weißen Bluse gekauft, das mit meinem dunklen Teint und den langen schwarzen Haaren, die ich heute halb offen trage, perfekt harmoniert. Die obere Haarpartie habe ich mit einer silbernen Schnalle zusammengenommen, unten fallen mir die Strähnen bis zu den Schulterblättern.

Ich besitze persische Wurzeln, da meine Großeltern aus Persien stammen und mir damit ein Aussehen vererbt haben, das ein bisschen an eine orientalische Prinzessin erinnert. Zumindest behauptet das meine Freundin Amber immer. Ich selbst finde mich schon hübsch, aber jetzt nicht so, dass ich den nächsten Schönheitswettbewerb gewinnen könnte.

Heute habe ich mir allerdings besonders Mühe mit dem Make-up gegeben. Schließlich ist es Mister Romano, den ich gleich treffen werde.

Nervös an meiner Tasche nestelnd gehe ich durch das ausladende Foyer zum Empfangstresen und begrüße die Blondine, die dort sitzt und mich halb gelangweilt, halb genervt ansieht.

»Hallo, ich bin Roya Jafari. Ich habe um zehn ein Vorstellungsgespräch bei Mister Romano«, sage ich und lächle sie so freundlich an, wie ich kann. Leider zuckt mein Mundwinkel dabei zu sehr. Sie muss merken, wie unruhig ich bin.

»Ja.« Die Blondine checkt ihren PC. Viel zu lange – oder will sie mich absichtlich noch etwas nervöser machen? »Zwölfter Stock. Warten Sie im Wartezimmer.«

Ich nicke und wende mich zu den beiden Lifttüren, auf die sie gedeutet hat.

Meine nächste Herausforderung: Liftfahren.

Die Sekunden in dem engen Raum werden sich für mich wie Minuten oder gar Stunden anfühlen. Ich werde keine Luft bekommen, mein Geist mir alle möglichen Szenarien vorspielen, bis ich nicht mehr klar denken kann.

Ich weiß, dass das alles nur in meinem Kopf ist. Eigentlich weiß ich das. Dennoch kann ich nichts dafür, dass mein Körper auf Hochtouren läuft, als befände sich eine reale Bedrohung in diesem Fahrstuhl.

Aber zwölf Stockwerke mit High Heels kann ich vergessen. Zudem käme ich wohl noch verschwitzter oben an, als wenn ich mich meinen klaustrophobischen Ängsten stelle. Daher muss ich da jetzt durch.

Zögernd drücke ich den Knopf und wippe, so gut es mit High Heels eben geht, vor und zurück, um meiner Nervosität ein Ventil zu geben.

Als der Lift kommt, steige ich mit flatterndem Herzen ein und starre die digitale Anzeige an, die mir verrät, welche Etage wir gerade passieren.

Zwölf Stockwerke sind eine Unendlichkeit!

Wie eine Ertrinkende klammere ich mich an meine Tasche, in der ich meine Unterlagen dabei habe für den Fall, dass Mister Romano sie nicht hat. Was nicht sein kann, sonst hätte er mich nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Ich schließe die Augen, versuche, meinen Atem irgendwie zu entschleunigen. Stattdessen höre ich den Herzschlag in meinen Ohren und spüre die Übelkeit wieder in meiner Kehle.

Grundgütiger … wieso mache ich das hier bloß?

Ich hätte zuhause bei meinem Kater Elvis bleiben sollen. Sein Schnurren würde mich jetzt definitiv beruhigen.

Endlich bin ich oben angekommen und stürze förmlich aus dem Lift. Dabei verheddere ich mich dummerweise mit meinen High Heels im dunklen Teppich, der unerwartet direkt vor dem Aufzug beginnt – und falle.

Ein scharfer Schmerz durchzuckt mich, als mich zwei starke Hände unter den Achseln packen, bevor ich mit der Nase den Teppich begrüßen kann.

»Aufpassen!«, knurrt eine tiefe Männerstimme an meinem Ohr, ehe ich in die Senkrechte gezogen werde. Mit einer Kraft, die mich fast nach hinten stolpern lässt.

Als ich mich zu meinem Retter umdrehe, erstarre ich noch mitten in der Bewegung.

Das ist er … Gabriel Romano. Mein … hoffentlich … zukünftiger Chef …

Oh Gott.

Und er hat mich gerade davor bewahrt, hinzufallen.

»D-danke«, stottere ich und versuche vergebens, meine Wangen davon abzuhalten, glühend heiß zu werden.

Sah er auf den vielen Fotos, die ich von ihm kenne, schon zum Anbeißen aus, so ist er in Realität ein wahrer Adonis. Seine fast schwarzen Haare trägt er halblang und sie kräuseln sich lockig an seinem Nacken. Eine Strähne ist ihm wohl ins Gesicht gefallen, als er mich auffing. Er befördert sie soeben mit einer knappen Bewegung nach hinten. Sein markantes Kinn wird von einem sexy Dreitagebart umrahmt, die dunkelbraunen Augen, die eine Spur Grau besitzen, sind auf mich gerichtet. Er überragt mich um mindestens einen Kopf und ist damit wahrscheinlich fast zwei Meter groß. Ich bin mit meinen eins siebzig auch nicht gerade klein.

Ich schätze ihn auf Mitte dreißig. Sein Körper, der in einem teuer wirkenden, silbergrauen Maßanzug steckt, ist breit gebaut und es braucht nicht viel Fantasie, die Muskeln darunter zu erahnen. Zumal er mich immer noch so nahe bei sich hält, dass ich seine Brust an meinem Arm spüre. Sie ist steinhart.

Und sein Geruch … Sein Parfüm vernebelt mir beinahe die Sinne.

Auch er mustert mich mit schmalen Augen, lässt sie einmal kurz an mir hinunter- und wieder hinaufgleiten, ehe er mir ins Gesicht sieht.

»Alles in Ordnung?«, fragt er mit einer erotisch tiefen Stimme, die meinen Herzschlag weiter beschleunigt.

Warum hat er seine vielen Bücher nicht in Hörbücher eingesprochen? Ich würde jedes Einzelne davon nochmals verschlingen.

»J-ja …«, stammle ich und streiche mit einer Hand über meinen Mantel, während die andere meine Tasche umklammert. »Ich … äh … Alles gut.«

»Sie müssen Miss Jafari sein«, sagt er und legt die Stirn in Falten.

Gott, er kennt meinen Namen!

Imaginär schlage ich mir gegen den Kopf. Natürlich kennt er meinen Namen. Schließlich habe ich mich bei ihm als Buchhalterin beworben. Und bei den Bewerbungsunterlagen war sowohl ein Bild von mir dabei als auch alle wichtigen Angaben zu meiner Person. Mein Name logischerweise an erster Stelle.

»J-ja … die b-bin ich«, antworte ich leider immer noch stotternd.

Oh Mann, er muss denken, dass ich nicht nur ungeschickt bin, sondern auch nicht sprechen kann.

»Gut.« Er nickt mir knapp zu und lässt mich endlich los. Ich atme innerlich auf, da seine Nähe mich fast wahnsinnig gemacht hat. »Setzen Sie sich ins Wartezimmer, Sie sind eine Viertelstunde zu früh hier«, sagt er in förmlichem Tonfall. »Ich habe erst noch ein anderes Vorstellungsgespräch.«

»Okay.« Ich nicke hastig und gehe in die Richtung davon, in die er gewiesen hat.

Kapitel 2 - Ein strenger Boss

Roya

 

Mein Kopf ist immer noch knallrot, als ich den Empfangstresen, den es auch in diesem Stockwerk gibt, passiere. Dort sitzt eine braunhaarige Frau mittleren Alters, die wohl Romanos Sekretärin ist. Im Vorbeigehen lese ich ›Emily Carter‹ auf einem Namensschild, das auf ihrem Pult steht. Sie nickt mir knapp zu, ehe sie sich wieder ihrer Arbeit widmet. Ich erwidere die Begrüßung viel zu spät, sie hat sie bestimmt nicht mitbekommen.

Unsicher trete ich in das kleine Zimmer nebenan, in welchem zwei weitere junge Frauen warten, die offenbar ebenfalls für ein Vorstellungsgespräch eingeladen wurden. Auch sie tragen wie ich Business-Outfits und sind herausgeputzt.

»Miss Spears«, höre ich direkt hinter mir Mister Romano sagen und zucke zusammen, da ich nicht bemerkt habe, dass er mir ins Wartezimmer gefolgt ist. »Sie sind an der Reihe. Kommen Sie in mein Büro.«

Ein braunhaariges Mädchen erhebt sich und geht mit einem verträumten Lächeln an mir vorbei.

Ich drehe mich nicht um, sondern hänge meinen Mantel an einen Garderobenständer, dann setze ich mich eilig auf einen der Stühle, direkt neben der Tür.

»Bist du auch hier für den Job als Buchhalterin?«, fragt mich die verbliebene Kandidatin. Sie besitzt rote Haare und eine helle Haut, die wie Porzellan wirkt. Ihr Gesicht ist unglaublich hübsch und ihre blauen Augen wirken freundlich.

»Ja«, antworte ich und kralle die Finger wieder in meine Handtasche, die ich auf den Schoß gelegt habe.

»Nervös?«, hakt sie nach.

»Sehr«, gestehe ich und schenke ihr ein kleines Lächeln.

Sie nickt verstehend und eine Weile schweigen wir. Mein Herzschlag ist immerhin jetzt etwas weniger schnell, da ich erstens hier bin und zweitens Mister Romano schon getroffen habe. Dennoch stehe ich zwei Mal auf, um zur Toilette zu gehen, da mein Magen wie verrückt rebelliert.

»Ich bin Constance«, stellt sich die andere Kandidatin vor, als ich von meinem zweiten Toilettengang zurück bin.

»Roya.« Ich sehe sie beklommen an.

Dann beiße ich unwohl auf meine Unterlippe – lasse das aber gleich wieder, da ich mich sorgfältig geschminkt habe und nicht den Lippenstift ruinieren will.

Smalltalk liegt mir sowas von gar nicht, daher hoffe ich einfach, dass Constance nicht darauf besteht, dieses Gespräch weiterzuführen.

Tut sie leider doch.

»Er ist schon sehr scharf, oder?« Sie zwinkert mir zu.

»Mister Romano?«, hake ich nach.

Sie nickt vielsagend. »Ja.«

»Nun ja, er ist ein Mensch wie jeder andere«, versuche ich abzuwiegeln und plappere einfach weiter, da ich echt unbeholfen bin in solchen Gesprächen. »Er putzt sich seinen Hintern auch nur mit Klopapier. Auch wenn sein Hintern sehr knackig ist, zugegeben.«

Die Rothaarige grinst und will etwas erwidern, dann stutzt sie allerdings und ihr Blick schnellt nach oben, hinter mich.

Ihre Augen weiten sich und ihr Mund klappt auf, nur, um sich unverrichteter Dinge zu schließen. Stumm deutet sie zur Tür, neben der ich sitze.

Ich erstarre und drehe mich wie in Zeitlupe um.

Natürlich steht dort Mister Romano mit vor der Brust verschränkten Armen und sieht mich missbilligend an. »Wenn Sie dann genug über meinen Hintern gesprochen haben, können Sie in mein Büro kommen, Miss Jafari«, sagt er in strengem Tonfall.

»I-ich …« Schon wieder gleicht mein Kopf einer Tomate und ich erhebe mich eilig, suche meine Sachen zusammen, um ihm in sein Büro zu folgen.

Den mitleidigen Blick, den mir Constance zuwirft, ignoriere ich so gut es geht.

In Mister Romanos Büro angekommen, setzt er sich hinter seinen breiten Schreibtisch und verschränkt die Hände ineinander. Mir fallen zwei wuchtige Ringe an seinen Fingern auf sowie ein silbernes Armband an seinem rechten Handgelenk. Und eine teuer wirkende Rolex an seinem linken.

»Nehmen Sie Platz.« Er deutet auf den Sessel vor dem Pult.

Ich setze mich hin und versuche, mich nicht zu sehr von seinem betörenden Geruch beeinflussen zu lassen, der den ganzen Raum füllt.

Was für ein Parfüm benutzt der Kerl bloß?

Er sieht mir fest in die Augen, dann lehnt er sich in seinem Sessel zurück und mustert mich. »Sie sind also hier, um sich für die freie Stelle als Buchhalterin zu bewerben?«, fragt er in sachlichem Tonfall.

»Ja … das bin ich.« Ich nicke eilig und bemühe mich, meine Nervosität irgendwie zu vertuschen, indem ich mich wieder an meiner Tasche festhalte.

Soll ich meine Unterlagen auspacken? Oder sieht das komisch aus? Erwartet er, dass ich etwas ergänze?

Er fährt sich mit dem Finger über die Unterlippe und ich kann nicht anders, als auf seinen Mund zu starren.

Wie markant seine Lippen sind … wow.

»Sie sind vierundzwanzig Jahre alt. Gerade erst von der Uni gekommen. Ohne praktische Erfahrungen«, bemerkt er.

Ich reiße mich von seinen Lippen los, um ihm wieder in die Augen zu sehen. »Ich habe einige Praktika gemacht.«

»Praktika?« Er hebt eine Braue, dann blättert er durch meine Bewerbungsunterlagen. »Ah ja. Hier steht es.«

Nervös schlucke ich und rutsche auf dem Sessel etwas nach vorne an die Kante. »Ich … habe zwar nicht so viel praktische Erfahrung, aber ich bin sehr bereit, zu lernen. Ich bin motiviert und …«

»Ja, das sind sie alle«, unterbricht er mich und seine dunklen Iriden sehen mich abermals an. »Warum haben Sie sich hier beworben? Warum ausgerechnet meine Firma?«

»Weil ich Ihre Arbeit vereh… schätze. Ich schätze Ihre Arbeit«, sage ich schnell. »Ich mag Ihre innovativen Herangehensweisen und auch die weitsichtigen Strategien, die Sie verfolgen, um Ihre Firma dem Wandel der Welt und der geopolitischen Ereignissen anzupassen. Zudem finde ich dieses KI-Analysetool, an dem Ihr Team arbeitet, unglaublich faszinierend und vielversprechend. Das wird den Markt revolutionieren. Dieses Tool optimiert nicht nur interne Abläufe, sondern bietet an der Börse einen enormen Vorteil, da es einer Firma ermöglicht, proaktiv zu handeln statt nur zu reagieren.«

Er nickt bedächtig, ohne mich aus dem Blick zu lassen. »Ich bin beeindruckt. Sie haben sich vorbereitet.«

»Natürlich, Mister Romano.« Ich sehe ihm ins attraktive Gesicht und bemühe mich, entschlossen auszusehen.

Endlich entspannt sich seine Miene ein wenig und der Hauch eines Lächelns ist auf seinen Lippen zu erkennen. »Gut zu wissen. Ich werde ungern enttäuscht.«

»Ich werde Sie nicht enttäuschen«, erwidere ich bestimmt.

Seine Augen verengen sich wieder. »Ich muss allerdings eines von Ihnen wissen.«

»Gern.«

Er beugt sich etwas vor und sein Lächeln verschwindet. »Wie gut können Sie mit Menschen umgehen? Sind Sie freundlich und charmant, auch wenn Sie einen schlechten Tag haben?«

»Ich bin stets professionell, falls Sie das meinen.«

Er scheint über meine Antwort nachzudenken. »Ich habe den Eindruck, dass Sie introvertiert sind«, sagt er dann und hebt abermals eine Augenbraue. »Oder ist es einfach eine enorme Schüchternheit?«

»Ich bin …« Ich stutze, als er mich so problemlos durchleuchtet. »Ja … ich … mag es nicht sonderlich, unter Menschen zu sein. Aber ich habe gelernt, mit dieser Schwäche umzugehen.«

»Introvertiertheit ist keine Schwäche«, erwidert er und lehnt sich erneut zurück. »Vielmehr eine Stärke. Introvertierte Menschen denken viel nach und sind gute Beobachter. Wenn sie etwas sagen, hat es meistens Hand und Fuß.«

»Oh.« Ich sehe ihn überrascht an.

Nun ja, so habe ich es noch nie gesehen. Ich dachte bisher vielmehr, dass die vielen Gedanken, die ich mir den lieben langen Tag mache, eher meine Ängste schüren.

Mister Romano mustert mich abwägend. »Dennoch muss ich wissen, ob Sie das Vertrauen von Menschen gewinnen können. Das ist in diesem Job sehr wichtig.«

»Ja, das kann ich.« Ich falte die Hände zusammen, lasse es aber gleich wieder, da es wirken muss, als würde ich beten. »Ich werde alles für diesen Job geben, Mister Romano. Das verspreche ich.«

Er betrachtet mich ein paar Sekunden, dann nickt er leicht. »Sie wirken sehr entschlossen, Miss Jafari. Das gefällt mir. Zudem haben Sie äußerst gute Zeugnisse vorzuweisen.«

Ich spüre ein kleines Hochgefühl in mir aufsteigen ob seines Lobes.

Ich war schon immer eine Streberin, da ich in der Schule und an der Uni nicht viele Freunde hatte und mich daher lieber ins Studium verkroch. Das zahlte sich aus, indem ich meinen Abschluss mit Bestnote absolvierte, was mir nun anscheinend zugutekommt.

Mister Romanos Blick gleitet kurz über meinen Körper und ich rutsche unruhig auf dem Sessel herum. »Hier herrscht eine sehr formelle Atmosphäre«, sagt er in distanziertem Tonfall. »Ich erwarte von meiner Buchhalterin, dass sie stets professionell gekleidet ist und sich auch sonst zu benehmen weiß. Sie werden meine Firma repräsentieren. Solche ›Patzer‹«, er setzt das Wort mit zwei Fingern in imaginäre Gänsefüßchen, »wie Sie sich beim Lift und im Wartezimmer erlaubt haben, dürfen nicht nochmals vorkommen. Haben Sie mich verstanden?«

»Ja … Mister Romano.« Ich senke betreten den Blick. Gott wie peinlich, dass er mich auf meine Missgeschicke anspricht … »Es tut mir leid, ich bin ansonsten eigentlich nicht so tollpatschig.«

»Und uneigentlich?«

»Ich … bin nicht ungeschickt, Mister Romano.« Ich sehe ihn wieder an, was mir schwerfällt. Einerseits, weil er einfach so wahnsinnig gut aussieht, andererseits, weil er mich so gebieterisch anfunkelt, dass ich mich klein und bedeutungslos fühle.

»Das rate ich Ihnen auch.« Dunkle Augen versenken sich in mir. »Ich bin ein äußerst strenger Boss und ich erwarte, dass die Dinge so erledigt werden, wie ich sie will. Ich toleriere keine Ausreden.«

»Verstanden.« Ich nicke schnell. »Ich werde mich Ihnen gerne fügen, sollten Sie sich für mich entscheiden.«

Ein kleiner Funke blitzt in seinen Iriden auf, den ich nicht so recht zu deuten weiß. »Ich denke, wir könnten gut miteinander zurechtkommen«, meint er dann langsam. »Ich erwarte Sie morgen früh pünktlich um acht Uhr.«

»Was?« Ich schlucke trocken und meine Augen weiten sich. »Bedeutet das, ich habe den Job?«

Seine schwarzen Brauen schieben sich zusammen. »Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt?«

»D-doch …« Ich nicke hastig. »Ich … Danke.«

»Die Formalitäten erledigt meine Sekretärin. Gehen Sie zu Miss Carter, sie weiß Bescheid.«

Ich sehe ihn verblüfft an.

Wie kann sie Bescheid wissen, wenn wir erst gerade das Vorstellungsgespräch hatten?

Kapitel 3 - Seltsam … sehr, sehr seltsam

Gabriel

 

Ich mustere die junge Frau, die vollkommen überrumpelt von ihrer Einstellung ist. Was ich ihr nicht verdenken kann. Ich war ebenso überrascht, als ich mich kurzerhand für sie entschieden habe, noch ehe ich überhaupt richtig mit ihr sprach.

Aber mein Bauchgefühl trügt mich so gut wie nie, daher verlasse ich mich darauf. Zumal der Wolf in mir mit den Zähnen fletscht und sich auf sie stürzen will.

Er will ihren Duft kosten, an ihrem herrlich langen Hals lecken, sie in den Nacken beißen, an diese verführerische Stelle über ihrer Schulter, wo ihr Geschmack am stärksten ist. Er will sie als sein Eigentum markieren, sie um den Verstand ficken, sie sich vollkommen hörig machen.

Was … seltsam anmutet.

Normalerweise bleibt mein Wolf bei Menschen passiv und interessiert sich nicht für sie, weshalb es nur halb so viel Spaß macht, mit Menschen zu vögeln. Als Canicor, wie wir unsere uralte Spezies nennen, bin ich beiden Geschlechtern gleichermaßen zugetan. Für mich zählt nicht, ob jemand eine Muschi oder einen Schwanz hat, solange er sich mir unterwirft und ich ihn so benutzen kann, wie ich es brauche. Auch wenn es mit anderen Canicoren um einiges intensiver und geiler wäre, wie ich mir sagen ließ.

Trotzdem halte ich mich von ihnen fern, da ich nicht vorhabe, ein eigenes Rudel zu gründen. Ich bin ein Einzelgänger, was zwar äußerst ungewöhnlich ist, aber ich mag es nun mal, alleine unterwegs zu sein. Niemanden zu haben, um den ich mich kümmern oder für den ich sorgen muss.

Sex bekomme ich dennoch mehr als genug – und da ich als Canicoren-Alpha nur schwer befriedigt werde, habe ich fast täglich jemanden in meinem Bett. Seit Jahren. Okay, Jahrzehnten, auch wenn man mir mein Alter nicht ansieht. Dafür sorgen meine Canicoren-Gene. Ich sehe wie maximal Mitte dreißig aus und das wird auch noch einige Jahrzehnte so bleiben.

Trotz meiner Rudellosigkeit respektieren mich die anderen Alphas von New York, da ich mir mit meiner Bank ein Imperium aufgebaut habe. Mit genügend Macht und Einfluss, um auch ohne Rudel im engsten Rat sitzen zu dürfen. Wir halten uns verborgen und zeigen unsere wahre Wolfsnatur niemandem, um nicht aufzufallen. Das ist das oberste Gesetz der Canicore, denn man würde uns jagen, instrumentalisieren oder vernichten, wenn je jemand herausfindet, dass es sogenannte ›Werwölfe‹ – wir hassen diese Bezeichnung! – tatsächlich gibt.

Bisher war dies mein Leben und ich fühlte mich wohl damit.

Aber seit ein paar Minuten ist das nicht mehr so und das verwirrt mich zugegebenermaßen.

Seit ich Roya Jafari in den Armen hielt, springt mein Wolf auf dieses hübsche Mädchen an, als wäre er in der Brunst. Er denkt, sie ist etwas Besonderes, was sie definitiv auch ist. Ihr Duft erregt mich so sehr, dass es schwer ist, keinen Ständer zu bekommen.

Scheiße, warum? Wieso bin ich von ihr wie verzaubert?

Sie ist ein Mensch – eine Verbindung mit ihr würde kinder- und damit für meinen Wolf nutzlos bleiben, da mein Samen für sie steril ist. Zumal ich sie um Jahrhunderte überleben werde.

Wirklich nicht das, was ich mir wünsche.

Und trotzdem …

Mein Wolf knurrt verlangend und ich schaffe es gerade noch, den Laut zu unterdrücken, der meiner Brust entweichen will.

Runter Junge! Du bist noch nicht an der Reihe.

Miss Jafari erhebt sich von ihrem Stuhl und ich kann nicht anders, als ihren Körper ein weiteres Mal zu bewundern.

Sie ist perfekt. In jeder Hinsicht. Ihr dunkler Teint, das schwarze Haar, das hübsche Gesicht …

Wie kann eine Frau so verflucht schön sein?

Auch ihre Bewegungen sind geschmeidig und ich frage mich, warum sie mir förmlich in die Arme fiel, als sie aus dem Lift kam. Womöglich ist sie nicht an die High Heels gewöhnt. Aber ich werde ihr wenn nötig befehlen, nur noch solche hohen Schuhe anzuziehen – sie setzen ihre langen Beine perfekt in Szene.

»Gut, dann bis morgen früh«, sage ich und erhebe mich ebenfalls, um sie zur Tür zu begleiten. Und auch, um nochmals in ihrer Nähe zu sein. Mein Wolf verzehrt sich so sehr nach ihr, dass es beinahe weh tut.

Ich überhole sie und fasse nach dem Türgriff, öffne aber noch nicht, sondern warte, bis sie mich ansieht. Ihre dunklen Augen schauen verwirrt zu mir hoch. Sie ist mir so nahe, dass ich ihren Herzschlag hören kann.

Fuck und ihr Duft … Sie ist ein Mensch. Warum riecht sie nur so wahnsinnig geil?

Ihre Schwingungen schwanken zwischen Nervosität und Ängstlichkeit. Eine verheerende Kombination für meinen Wolf, denn er liebt nichts mehr als einen rasenden Puls bei seiner Beute.

Und du, meine Kleine, du wurdest gerade zur Beute auserkoren.

»Eine Frage noch«, sage ich und senke meine Stimme ein wenig.

»Ja …?«

Jetzt, da sie mir so nahe ist, kann ich sehen, wie sorgfältig sie sich geschminkt hat.

Nur für mich …

Mein Wolf heult bei dieser Erkenntnis.

Ich verberge das Interesse nicht, das ich an ihr hege. Sie muss es spüren, denn sie versteift sich ein wenig.

»Sie haben Ihren Zivilstand nicht angegeben in den Unterlagen«, bemerke ich.

Okay. Nein. So bin ich normalerweise nicht. Ich besitze als Alpha zwar eine hohe Libido, aber noch nie – niemals! – habe ich mich einer Angestellten gegenüber derart im Tonfall vergriffen. Und dennoch tue ich es jetzt zum ersten Mal … und mein Wolf schnurrt vor Vergnügen.

Angestellte sind für mich tabu. Wir sind eine seriöse Firma und ich habe mich immer bemüht, so professionell wie möglich aufzutreten.

Mein Wolf scheißt allerdings gerade auf Professionalität. Er will diese Frau – und zwar mit allen Mitteln.

Sie stutzt und ihr Blick wird verschlossener. »Ich glaube, das ist nicht der richtige Rahmen für solche Themen, Mister Romano«, sagt sie ausweichend.

Okay, sie ist professionell. Leider fast etwas zu sehr.

Ein Grinsen will sich auf meinen Lippen bilden, da ihre abwehrende Haltung meinen Jagdinstinkt schürt, aber ich unterdrücke es. »Ich weiß nun mal gerne über meine Mitarbeiter Bescheid, Roya«, raune ich und sehe, wie sie unwillkürlich erschaudert, als ich ihren Namen ausspreche. Verflucht … ja. »Und nennen Sie mich bitte Gabriel. Wir benutzen hier in der Firma die Vornamen.«

Sie beißt sich kurz auf die Unterlippe, was ein Ziehen in meinen Lenden verursacht. Ihre Geste erregt mich mehr, als sie sollte.

Mein Wolf fiept leise, will sie an sich ziehen und sie küssen, aber ich widerstehe dem Drang. Das wäre nun wirklich mehr als unangebracht und würde sie eher verjagen, als in meine Arme zu treiben. Von der Anzeige wegen sexueller Belästigung ganz zu schweigen.

Mein Wolf denkt leider sehr mit seinem Schwanz. Nicht jenem, mit dem er gerade vor Freude wedelt, sondern jenem, den er gerne in sie rammen möchte. In jedes ihrer Löcher, bis sie vor Vergnügen schreit.

»Ich glaube nicht, dass mein Zivilstand von Belang ist … Gabriel«, erwidert sie.

Als sie meinen Namen sagt, spüre ich, wie meine Lust noch wächst.

»Sie haben recht. Es ist nicht von Belang«, bestätige ich und verenge die Augen ein wenig, bemüht darum, meinen Wolf nicht durchblicken zu lassen. Denn wenn er sich mir anschließt, wird sie sein Gold in meinen Iriden sehen – und das wäre tatsächlich verheerend. »Dennoch könnten Sie mir die Frage beantworten, oder?«

»Ich … ich würde jetzt gerne gehen.« Sie sieht zur Tür, aber ich höre ihr kleines Herz förmlich in ihrer Brust hämmern.

Ihre Hauptschlagader tritt am Hals hervor und mein Wolf knurrt vor Gier, seine Fänge dort in sie zu versenken, um sie zu kosten.

Ich muss echt aufpassen, er springt viel zu sehr auf dieses unschuldige Mädchen an und mit jeder Sekunde, in der sie so nahe vor mir steht, wächst die Gefahr, dass er kurzerhand über sie herfällt.

Mit einem Nicken öffne ich die Tür, um sie zu beruhigen – und mich auch. »Wie Sie möchten. Entschuldigen Sie, wenn ich Ihnen Unbehagen bereitet habe. Es war nicht meine Absicht.«

Lüge …

Natürlich liebe ich es, sie aus der Fassung zu bringen und mich an ihrer Verwirrung zu ergötzen.

Sie verlässt beinahe fluchtartig mein Büro und ich schmunzle, während ich ihr hinterher sehe, als sie zum Empfangstresen geht, wo meine Sekretärin sitzt.

Ich kann nicht anders, als mir vorzustellen, wie gut sie unter meiner Kontrolle wäre. Wie perfekt sie sich für mich anfühlen würde … für mich und meinen Wolf, der mich unwillig anknurrt und auffordert, ihr nachzugehen und sie gegen die nächste Wand zu pressen, um sie zu dominieren.

Nein. Noch nicht.

Ich wende mich ab und schließe die Tür, um an meinen Schreibtisch zurückzukehren und weiterzuarbeiten. Und mein Sex-Date für heute Abend zu canceln, denn daraus wird jetzt nichts mehr.

Ich will nur noch sie: Roya Jafari, die so unverhofft in mein Leben gestolpert ist.

Ab sofort werden meine Gedanken nur noch um sie kreisen. Den ersten Menschen, für den mein Wolf sich interessiert.

Seltsam … sehr, sehr seltsam …

Kapitel 4 - Eine persönliche Frage

Roya

 

Meine erste Arbeitswoche geht wie im Flug herum. Einerseits, weil es viel Neues zu lernen gibt und ich so gut wie nie vor acht Uhr abends zurück in meine kleine Wohnung in Brooklyn kehre. Was mir ein wenig leidtut für Elvis, der eine Hauskatze und Einzelkind ist. Andererseits, weil ich die Arbeit liebe und mich daher richtig reinknie, um die Erwartungen zu erfüllen, die Mister Romano definitiv an mich hat.

Die Nervosität, die mich zu Beginn noch vor jedem Arbeitstag befiel, wird täglich etwas weniger. Auch, weil ich meine Umgebung sowie die anderen Mitarbeiter immer besser kennenlerne und damit besser einschätzen kann.

Mister Romano ist ein vielbeschäftigter Mann, aber er nimmt sich ab und an die Zeit, mir ein paar Dinge zu erklären und zu zeigen. Zeit, die ich genieße, da ich es mag, in seiner Nähe zu sein. Er ist so wortgewandt und intelligent, dass es eine Bereicherung ist, mit ihm zu sprechen.

Und er ist halt auch einfach eine Augenweide, an der ich mich nicht sattsehen kann.

Dennoch werde ich professionell bleiben, es liegt mir fern, meinen Job zu riskieren. Und das würde ich, das ist mir klar.

Denn Mister Romano lässt offenbar nichts anbrennen, wie ich bei Gesprächen mit seiner Sekretärin Emily Carter und anderen Angestellten aufschnappe.

Die Rede ist von unzähligen Affären und One-Night-Stands, die er haben soll. Berta, die Sales Managerin, spricht sogar von über dreitausend Betthäschen.

»Er führt Listen«, raunt sie mir verschwörerisch zu, als wir eines Nachmittags bei einem Kaffee in der Cafeteria sitzen und eine kleine Pause machen. »Das hast du aber nicht von mir.«

»Listen?« Ich sehe sie verdattert an.

Berta ist um die dreißig und war mir auf Anhieb sympathisch. Mit ihr ist es einfacher zu reden als mit den anderen, da sie eine wahre Frohnatur ist und stets das Gespräch führt, sodass ich mir keine Gedanken darüber machen muss, was ich sagen soll.

»Ja, mit seinen Eroberungen.« Sie nickt bedeutungsvoll und verzieht ihre geschminkten Lippen zu einem Lächeln, das ihr schmales Gesicht leuchten lässt. »Zumindest geht das Gerücht, dass er solche Listen hat.«

»Das ist … krank«, murmle ich mehr zu mir selbst als zu ihr.

»Ach, wenn du mich fragst, wäre ich gerne auf einer dieser Listen«, meint sie lachend und streicht sich eine blonde Locke zurück, die ihr ins Gesicht gefallen ist. »Leider fängt Gabriel nichts mit Angestellten an.«

Affären und One-Night-Stands sind überhaupt nicht das, was mich reizt. Ich warte nach vier gescheiterten Beziehungen immer noch auf meinen Traumprinzen und mir ist klar, dass Mister Romano so weit davon entfernt ist wie Shrek von Schneewittchen. Er ist zwar attraktiv, aber kein Mann für die Zukunft, wie ich sie mir in meinen Träumen ausmale.

»Und er ist offenbar bisexuell. Man hat ihn sowohl mit Frauen als auch Männern gesehen«, fährt Berta in Plaudertonfall fort. »Stell dir nur mal vor, wie geil das aussieht, wenn er einen Mann vögelt. Das muss ein Anblick sein …« Sie seufzt verträumt.

Ich runzle die Stirn und versuche, die Bilder, die sie gerade in meinem Kopf generiert hat, zu verscheuchen.

Keine Chance. Jetzt sehe ich ihn nackt mit einem Mann zusammen … großer Gott. Ich muss ihr recht geben. Das sähe wirklich sehr, sehr sexy aus.

 

Etwas später an diesem Tag muss ich einige Sachen für die Buchhaltung kopieren. Einen ganzen Stapel, der mich nicht darauf hoffen lässt, heute früher aus dem Büro zu kommen als die vorherigen Tage. Aber es ist Freitag und ich habe nichts anderes mehr vor, als in meine Wohnung zurückzukehren und mit Elvis zu knuddeln. Vielleicht einen Film zu sehen und dann frühzeitig schlafen zu gehen.

Bis ich meinen Kater allerdings auf den Schoß ziehen kann, dauert es nun noch etwas länger.

Seufzend schleppe ich die Papiere in den Kopierraum – und erstarre, da dort ausgerechnet Mister Romano steht. Er hat mir den Rücken zugekehrt, sodass ich einen Moment seine breitschultrige Gestalt betrachten kann, die in einem schicken schwarzen Anzug steckt.

Mein Puls beschleunigt sich unvermittelt, da ich seit dem Vorstellungsgespräch nicht mehr mit ihm allein in einem Zimmer war. Und der Kopierraum ist winzig … zumindest habe ich gerade den Eindruck, er werde noch kleiner.

Ich sollte verschwinden, ehe er mich bemerkt, und später nochmals kommen.

Leider dreht er sich in diesem Moment zu mir um und seine dunklen Augen treffen auf meine. »Miss Jafari.« Er nickt mir zu.

Er spricht mich nicht bei meinem Vornamen an, was mich verunsichert, da er doch selbst meinte, dass das üblich ist in seiner Firma.

Womöglich will er dadurch ein wenig Distanz schaffen, da wir uns alleine in dem kleinen Raum befinden.

Ich schiele um ihn herum und sehe, dass er ebenfalls etwas kopieren will.

»Mister Romano«, begrüße ich ihn verspätet und beiße mir kurz auf die Zunge. Mann, verhalte dich nicht so peinlich … »Entschuldigen Sie, ich komme später nochm…«

»Nein«, unterbricht er mich und nimmt das Papier, das er eben kopieren wollte, vom Gerät. »Ich lasse Ihnen gerne den Vortritt. Ich bin nicht in Eile.«

»Sicher?« Ich schiele auf die Uhr, die an der Wand hängt. Es ist schon beinahe sechs Uhr abends. »Ich … habe einen großen Stapel.« Ich deute auf die Unterlagen.

Sein Blick folgt dem meinen zum Ziffernblatt und er nickt. »Es ist später, als ich dachte. Aber das macht mir nichts aus, benutzen Sie den Kopierer ruhig.«

Ich zögere, würde wirklich gerne einfach wieder gehen, doch er ist mein Boss, ich kann jetzt nicht wegrennen. »Danke.« Ich schlucke trocken.

Unangenehm …

Er tritt zur Seite, sodass ich an das Gerät komme und mit dem Drucken starten kann. Ich merke, wie er sich an die Wand lehnt und mich betrachtet, was mich unglaublich nervös macht. Meine Hände beginnen zu zittern und der Schweiß bricht mir aus.

Er muss es bemerken … muss sehen, wie aufgewühlt ich gerade bin. Und er wird sich denken, was er für einen Problemhaufen da eingestellt hat.

Verhalte dich professionell, Roya! Das ist ja oberpeinlich!

Ich presse die Lippen zusammen und versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.

»Alles in Ordnung?«, fragt er und seine Stimme klingt sanft. »Sie wirken angespannt.«

Ich hebe kurz den Blick. »Es war eine herausfordernde erste Woche.«

Er nickt verstehend. »Das kann ich mir denken. Sie sind sehr fleißig, das habe ich bemerkt.«

Mein Kopf schnellt erneut hoch, um ihn anzuschauen. »Sie … haben mich beobachtet?«

Ein Schmunzeln erscheint auf seinen Lippen. »In gewisser Weise schon. Ich habe ein wachsames Auge auf meine Angestellten und will wissen, wie sie arbeiten. Wie sie sich einsetzen und wie sie … mit Stress umgehen.«

»Oh …« Ich spüre, wie mein Puls sich weiter beschleunigt.

Was genau hat er beobachtet? Habe ich mich irgendwie komisch verhalten? Ich versuche, mich im Bruchteil von Sekunden an die vergangene Woche zu erinnern. War ich irgendwann peinlich? Hätte ich mich anders benehmen sollen?

Gott, was hat er alles gesehen?

»Sie scheinen keine Probleme zu haben, sich einzugewöhnen«, fährt er fort, offenbar ohne meine Nervosität zu bemerken. »Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, Sie eingestellt zu haben.«

»Danke, Mister Romano«, antworte ich verlegen und atme innerlich erleichtert auf.

Also habe ich mich doch einigermaßen unauffällig verhalten.

»Bitte nennen Sie mich Gabriel«, sagt er und die Atmosphäre im Raum wird merklich intimer, als er sich etwas vorbeugt. »Sie müssen mich nicht so schüchtern ansehen, ich beiße nicht, Roya … zumindest nicht fest.«

Unwillkürlich fällt mein Blick auf seine Lippen, die von diesem attraktiven Dreitagebart umrahmt sind, und ich schlucke, senke rasch die Augen. »In Ordnung … Gabriel.«

Himmel, die Temperaturen steigen gefühlt gerade auf hundert Grad.

»Mache ich Sie nervös?«, fragt er, als ich mich wohl zu sehr auf den Kopierer konzentriere, der seine Arbeit ganz alleine tut.

Ich nicke stumm, denn ja, er macht mich wahnsinnig nervös. Am liebsten würde ich meine Unterlagen nehmen und aus dem Raum hetzen.

Stattdessen bleibe ich an Ort und Stelle, während mein Puls rast.

Als ich ihn wieder anschaue, lächelt er amüsiert.

»Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen, Roya?«

Ich sehe ihn unsicher an. »Ja …?«

Seine Augen gleiten meinen Körper entlang von oben nach unten und zurück, sodass es beinahe als sexuelle Belästigung durchgehen könnte.

»Haben Sie einen Freund?«

Meine Brauen hüpfen in die Höhe. »Warum wollen Sie das wissen?«

Berta sagte doch, er wolle nichts von Angestellten. Warum fragt er mich dann erneut so etwas Persönliches?

Er verschränkt die Arme vor der breiten Brust, ohne mich aus seinem Blick zu entlassen. »Ich bin interessiert an der Antwort.«

Ein Chef sollte definitiv nicht so mit seinen Mitarbeitern reden. Und dabei auch noch ein derart lüsternes Lächeln aufsetzen, dass es wie ein Wolf anmutet, der gerade seine Beute ins Visier nimmt.

»Warum?« Meine Stimme ist krächzig und ich spüre, wie mir ein Schweißtropfen den Rücken hinabrinnt. »Warum sind Sie an der Antwort interessiert?«

Er zögert kurz, ehe seine dunklen Augen zu funkeln beginnen. »Ich würde gerne wissen, ob Sie single sind oder nicht, Roya.«

Ich fange mich ein wenig und bemühe mich, seinem Blick standzuhalten. »Wieso sollte das für unser Arbeitsverhältnis relevant sein?«

»Eine gute Frage.« Er nickt langsam, als würde er darüber nachdenken. »Das ist es nicht. Es ist ein rein persönliches Interesse.«

»Persönlich?« Ich blinzle zweimal, dann fahre ich mir mit der Hand unruhig über den Nacken. »Ich glaube nicht, dass wir persönliche und arbeitsrelevante Dinge vermischen sollten.«

Mein Herz klopft wie wild, während ich versuche, so professionell wie möglich mit der Situation umzugehen.

Oh, Himmel … sein Duft wird gefühlt gerade stärker.

Sein Lächeln wird zu einem Grinsen, das allerdings gefährlich anmutet. »Sie weisen mich sehr professionell auf meine Unprofessionalität hin, Roya«, raunt er mit tiefer Stimme. »Das gefällt mir. Und es gefällt mir auch, dass Sie vor Nervosität beinahe zerfließen.«

»Ich …« Ich beiße mir auf die Unterlippe. »Sie sollten nicht so mit mir sprechen, Mister Romano.«

Ich verwende absichtlich seinen Nachnamen, um wieder mehr Distanz zu schaffen.

»Ich bin nun mal ein neugieriger Mann«, erwidert er, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen.

»Und ich mag Katzen.« Ich zucke bemüht lässig mit den Schultern. »Beides nicht relevant für die Arbeit.« Ich schelte mich innerlich für meine Antwort. So spricht man nicht mit seinem Boss!

Sein Lachen ist dunkel und hinterlässt ein Kribbeln in meinem Bauch. »Eine interessante Information, aber nicht die, die ich gerne hätte.«

Ich bin froh, dass der Kopierer gerade fertig ist. Schnell nehme ich die beiden Stapel und sortiere sie, ehe ich sie wie einen Schutzschild vor meinen Oberkörper presse.

»Danke, dass Sie mir den Vorzug gelassen haben, Mister Romano«, sage ich steif und wende mich zur Tür.

»Gern geschehen«, erwidert er leise. »Aber warten Sie bitte noch kurz, ich habe noch eine Frage für Sie.«

Ich bleibe abrupt stehen und drehe mich ihm zu. »Okay.«

Mein ganzer Körper ist angespannt, als ich seinen Blick schon wieder viel zu langsam über mich gleiten spüre.

 

Kapitel 5 - Zu schnell

Gabriel

 

Mein Wolf knurrt verlangend, ich kann ihren Duft riechen, ihre Nervosität. Und es erregt mich, zu wissen, dass ich das in ihr auslöse, dass sie auf meine Worte nicht so cool reagiert, wie sie gerne hätte.

Ja, was ich hier mache, ist definitiv schon wieder vollkommen unprofessionell und etwas, das ich noch nie getan habe.

Noch nie habe ich eine Angestellte derart bedrängt und in die Enge getrieben.

Weil ich nichts mit Angestellten anfange … bis sie kam. Roya, die mir mit ihrem hübschen Körper und ihrem unschuldigen Wesen den Verstand raubt.

Ich merke, wie mein Schwanz in der Hose zuckt und etwas mehr Platz für sich beansprucht, und bewege mich ein wenig, damit sie nicht merkt, was sie für eine Wirkung auf mich hat.

Verdammt … verdammt.

Sie ist ein wahrgewordener Traum, wie sie so dasteht, die Kopien umklammert, als wären sie ihr Rettungsring und ich ein Orkan, der gleich über sie hinwegfegt.

Ich genieße ihre Nervosität noch ein wenig, sehe ihren ungeduldigen Blick, der mir ausweicht, sobald ich ihn fassen möchte.

Dann verlagere ich das Gewicht und stecke die Hände in die Hosentaschen, was ihre Aufmerksamkeit auf meinen Schritt lenkt. Ich bewege die Finger so, dass sie die Beule nicht sieht. Hoffentlich.

»Schauen Sie mir in die Augen«, fordere ich.

Sie befolgt die Anweisung sofort, was meinen Wolf zum Schnurren bringt.

So fügsam. Oh ja, sie ist perfekt. In jeder Hinsicht.

»Was werden Sie heute Abend machen?«, frage ich und versuche, meine Stimme nicht so lauernd klingen zu lassen, wie ich mich fühle.

Dieses Katz- … äh … Wolf-und-Maus-Spiel bereitet mir zusehends Vergnügen.

Ihre Miene ist verschlossen, aber ich spüre an ihren Schwingungen, wie ich sie aus dem Konzept bringe. »Ich werde zuhause sein«, antwortet sie in nüchternem Tonfall.

Mir gefällt, wie sie sich mit Händen und Füßen gegen mich wehrt. Wie sie versucht, professionell zu bleiben und die Distanz zu wahren.

Verflucht. Mädchen … du hast keine Ahnung, wie sehr mich das anmacht.

»Zuhause«, wiederhole ich langsam und ergreife die Gelegenheit, weiter in sie zu dringen, da ich neugierig auf ihre Reaktion bin. »Allein?«

Sie blinzelt und ihr Atem beschleunigt sich kaum merklich. Unruhig fährt sie sich mit der Zunge über die Lippen, was mir fast ein Seufzen entlockt. Zu gerne würde ich sie kosten.

»Warum fragen Sie mich das, Mister Romano?« Ihre Stimme ist etwas heiserer als sonst.

Ich lasse es ihr durchgehen, dass sie mich schon wieder mit meinem Nachnamen anspricht, da ich ihr diesen kleinen Rettungsanker gönnen möchte. Vorerst.

Geduldig studiere ich ihr Gesicht, während ich jede ihrer Reaktionen erforsche. »Nennen wir es einfach Neugierde. Als Chef interessiert es mich, was meine Mitarbeiter in ihrer Freizeit tun.«

Sie streckt die Schultern etwas nach hinten und reckt ihr Kinn, sodass es beinahe trotzig wirkt.

Fuck, bist du süß, Kleines.

»Ich glaube nicht, dass Sie das etwas angeht«, antwortet sie kühler, als ich erwartet hätte.

Ich kann ein amüsiertes Lächeln nicht zurückhalten, als sie mich so klipp und klar ablehnt. Es ist einfach zu niedlich, wie sie sich gegen meine persönlichen Fragen stemmt.

»Vielleicht nicht«, erwidere ich. »Ich frage aber trotzdem.«

»Und Sie haben meine Antwort.« Sie drückt die Kopien fester an sich und ihr Duft wird stärker, da sie all ihren Mut zusammennehmen muss, so mit mir zu reden. »Ist das dann alles, Mister Romano?«

Oh nein. So einfach werde ich es dir nicht machen, kleine Maus.

Ich möchte mehr von ihr wissen, denn zum ersten Mal seit Jahren empfinde ich tatsächlich persönliches Interesse an einem Menschen. Und ich bin entschlossen, mehr über sie zu erfahren.

»Noch nicht ganz«, sage ich und genieße, wie sie auf ihren hohen Schuhen das Gewicht hin und her verlagert, was ihre Unruhe ausdrückt. »Eine letzte Frage noch.«

»Ja …?« Ein leicht gereizter Unterton schwingt in ihrer Stimme mit.

Verflucht, ich presche viel zu schnell voran, aber das ist mir gerade scheißegal.

Ich will mehr über dieses unschuldige Wesen wissen, mich stärker mit ihr beschäftigen. Und mein Wolf will sie einfach nur gegen die nächste Wand pressen, ihr die Kleider vom Leib reißen und seinen Schwanz in ihrer Pussy versenken.

Keine Kombination, die meine angespannten Nerven irgendwie bändigt.

Ich mache einen Schritt auf sie zu, während ich sie direkt ansehe. Die Distanz zwischen uns wird geringer und ich weiß, dass sie ahnt, was ich sie gleich fragen werde.

Knapp vor ihr halte ich an und sehe auf sie hinunter, amüsiert darüber, wie sie den Kopf ein wenig heben muss, um meinem Blick standzuhalten.

»Haben Sie Lust, heute Abend mit mir essen zu gehen?«, frage ich leise.

»Essen?« Ihre Brauen hüpfen in die Höhe und Verblüffung zeichnet ihr Gesicht.

Mäuschen … wenn du wüsstest, wie sehr ich diesen verwirrten Ausdruck in deinen schönen dunklen Augen gerade liebe.

Es ist ein wahrer Genuss, sie zu betrachten, während sie von meiner direkten Frage überfordert ist.

»Ja, essen«, wiederhole ich. »Ein einfaches Abendessen. Mit mir. Irgendwo, wo es still ist und wo wir uns in Ruhe unterhalten können.«

Gottverdammt, das ist etwas, das ich noch nie mit jemandem aus der Firma getan habe. Nie. Ich hätte mir eher die Hand abgehackt, als mit Angestellten essen zu gehen, um sie näher kennenzulernen.

Dennoch will ich genau das tun.

Jetzt. Mit ihr.

Ihre Wimpern zucken ein wenig, als sie mich abwägend ansieht. »Warum? Wollen Sie etwas Geschäftliches mit mir besprechen?«

Ich schüttle leicht den Kopf. »Nein. Nur essen. Ich möchte Sie besser kennenlernen, mehr nicht.«

»Warum?«, wiederholt sie.

Ihre Hartnäckigkeit, meine Absichten zu hinterfragen, macht mich fast ungeduldig.

Aber ich zähle innerlich bis drei und unterdrücke den Drang, sie kurzerhand zu packen und ihren Rock nach oben zu schieben.

»Warum ich Sie besser kennenlernen möchte?«, hake ich nach. Sie nickt stumm und ich setze alles auf eine Karte. »Haben Sie schon mal in Betracht gezogen, dass ich Sie attraktiv finden könnte?«

»Sie …« Sie schluckt erneut und einen Moment glaube ich, sie würde davonrennen. Dann verfinstert sich ihr Gesicht jedoch überraschenderweise und sie schürzt die Lippen. »Entschuldigung, aber ich bin nicht so.«

Ihre Reaktion erregt meine Neugierde noch mehr. Ich spüre, dass ich einen Nerv getroffen habe, und bin entschlossen, weiterzubohren. »Was genau meinen Sie damit?«, frage ich und lege den Kopf schief.

Sie holt leise Luft, da das, was sie mir gleich sagen wird, sie all ihren Mut kostet, wie ich ihren Schwingungen entnehme. »Ich … bin niemand, den Sie einfach so in Ihr Bett zerren können. Falls es das ist, was Sie wollen, werde ich meinen Job direkt hier und jetzt kündigen.«

Oh nein, so rasch werde ich dich nicht aus meinen Fängen entlassen, kleine Maus.

Das fehlte noch, dass sie einfach kündigt.

Ich schüttle den Kopf. »Glauben Sie mir, wenn ich nur das wollte, hätte ich das längst gemacht. Also nein, das ist definitiv nicht das, wonach mir gerade der Sinn steht.«