Kommissar Breslmaier - Trilogie - Josef Kraus - E-Book

Kommissar Breslmaier - Trilogie E-Book

Josef Kraus

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Beschreibung

Die Trilogie besteht aus folgenden Titeln: Ruselabsatz, Ruselhotel und Greisinger Weiher. Im Ruselabsatz geht es um die geplante Bebauung des Klosterbergs in Deggendorf, dessen Umsetzung sehr umstritten ist, und auch politisch im Stadtrat hohe Wellen schlägt. Der Stadtrat, der vehement gegen die geplante Bebauung ist, wird Opfer eines heimtückischen Anschlags. Kommissar Breslmaier ist zusammen mit seiner Kollegin Philomena Stöcklgruber gefordert, diesen Mordfall aufzuklären. Im Ruselhotel werden beim Abbruch zwei eingemauerte Leichen gefunden, die, wie festgestellt wird, kurz nach dem zweiten Weltkrieg dort deponiert wurden. Die beiden Kommissare haben einen schwierigen Fall zu lösen, da der Tatzeitpunkt über 70 Jahre zurückliegt. Die Ermittlungen führen sie in die Zeit des Weltkriegs in und um Deggendorf. Im Greisinger Weiher wird eine Leiche entdeckt. Es ist der Kommandant der Greisinger Feuerwehr, der gewaltsam ermordet wurde. Das ganze Dorf ist aufgeschreckt und die beiden Kommissare sind gefordert, den Fall schnellstmöglich zu lösen. Als Hauptverdächtiger erscheint der örtliche Pfarrer, der eine Beziehung mit der Frau des Mordopfers unterhält.

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Seitenzahl: 259

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Ruselabsatz

TAG 1 – Dienstag 10. Juli 2018

TAG 2 - Mittwoch 11. Juli 2018

TAG 3 - Donnerstag 12. Juli 2018

Ruselhotel

TAG 1 - Dienstag 18. September 2018

TAG 2 - Mittwoch 19. September 2018

TAG 3 - Donnerstag 20. September 2018

Greisinger Weiher

TAG 1 - Montag 21. Mai 2019

TAG 2 – Dienstag 22. Mai 2019

TAG 3 – Mittwoch 23. Mai 2019

Ruselabsatz

ein Franz Breslmaier Krimi - sein zweiter Fall

Ruselabsatz

Es war doch ein tolles Geburtstagsgeschenk und eine super Idee von meiner lieben Frau zu meinem 75. Geburtstag, ein nagelneues E-Bike. Und hier auf der Rusel gibt es so tolle Wege, dann die gute Luft und die Ausblicke und für die Gesundheit ist es ja auch gut. Und so bin ich unterwegs von der ´Hölzernen Hand` in Richtung Ruselabsatz. Da es fast nur leicht bergab geht, kann ich richtig Tempo machen. Macht richtig Spaß. Es sind kaum Leute unterwegs. Versteh ich gar nicht, bei dem tollen Wetter. Aber umso besser, dann muss ich nicht so aufpassen. In meinem Alter finde ich es super, dass man noch solche Radtouren unternehmen kann. Vielen Dank an die Technik….. Ups, was war das? …. Ich fliege, mein Rad ist weg, was war denn das? Ich kann nichts machen, irgendwann muss der Aufprall erfolgen …… mein Leben rast in Millisekunden durch meine Gehirnwindungen ….. Schulzeit – erste große Liebe – Hochzeit – Kinder – Arbeit – meine Frau – blendende Helligkeit – AUS……

Mein Name ist Franz Breslmaier. Ich bin Hauptkommissar in der Polizeiinspektion in Deggendorf. Ich bin 49 Jahre alt und seit nunmehr über zwanzig Jahren bin ich dort im Dienst. Zusammen mit meiner Kollegin, Kommissarin Philomena Stöcklgruber, bin ich zuständig für schwere Kriminalität und Mordfälle, die in Deggendorf und Umgebung eher selten passieren. Aber mein Leben als Kommissar ist absolut nicht langweilig. Dafür sorgen schon die Kollegen, die mir auch ab und zu einige leichtere Fälle zuschanzen.

TAG 1 – Dienstag 10. Juli 2018

Ich sitze mit meiner Frau Claudia beim Frühstück. Da ich während meiner Arbeit in der Polizeiinspektion oft und zu viel Kaffee trinke, genieße ich zuhause immer meinen Tee, in allen Variationen, auf Anraten meiner lieben Frau. Wir sind noch früh am Tag und ich hole mir die Zeitung, die PNP Ausgabe Niederbayern/ Deggendorf, vom Briefkasten vor der Haustüre.

Ich setze mich an den Tisch, schenk mir meinen Tee ein und schlage die Zeitung auf, wie immer zuerst den Deggendorfer Teil. Eine alte, liebgewordene Gewohnheit. Da sticht mir die große Überschrift ins Auge: ´Prinz Karl-August von Natternberg tödlich verunglückt`.

Natürlich lese ich sofort den Artikel mit einem eher jugendlichen Foto von ihm.

´Prinz Karl-August von Natternberg ist bei einem E-Bike Ausflug auf der Rusel tödlich verunglückt. Eine schillernde Persönlichkeit ist durch einen tragischen Unfall aus unserer Mitte gerissen worden. Er war nicht nur Mitglied der Stadtratsfraktion der Freien Wähler, er war auch Mitglied bei den Rotariern und außerdem ein anerkannter Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter. Deggendorf verliert mit ihm einen wichtigen Baustein im gesellschaftlichen Leben. Unverständlich ist, warum Karl-August von Natternberg auf dem breiten, leicht abfallenden Forstweg mit seinem E-Bike zu Fall gekommen ist. Die Untersuchung zum Unfallhergang ist in die Wege geleitet`.

Das ist wirklich ein Hammer. Natürlich kannte ich Prinz Karl-August. Er lief mir immer wieder über den Weg. Ob bei Ausstellungen, bei Konzerten oder bei politischen Kundgebungen. Aber auch in der Freizeit hatte ich immer wieder mit Karl-August Kontakt. Aber mehr als ein schnelles Hallo war nicht drin. War nicht so mein Typ.

Na da bin ich aber gespannt, was die Kollegen zum Unfallvorgang herausfinden.

Ich las die Zeitung noch zu Ende, erzählte meiner Frau Claudia die Story vom Karl-August, was auch sie sehr interessierte, reichte ihr die Zeitung und machte mich auf den Weg in die Polizeiinspektion.

Es war kurz vor sieben Uhr, als ich die Türe zu meinem Büro öffnete. Meine Kollegin, Kommissarin Philomena Stöcklgruber, saß bereits an ihrem Schreibtisch. Sie sah wie immer bezaubernd aus: hellgelbe Bluse, dunkelblaue Jeans und große goldene Ohrringe. Ihre blonden Haare hatte sie heute zu einem Zopf geformt. Sehr adrett. Sie überrascht mich halt immer wieder.

„Hallo Mina, grüß dich, du schaust wie immer super aus. Wie machst du das nur immer?“

„Ach Franz“, meinte sie „du alter Charmeur. Was gibt es Neues? Ich merke doch, dass etwas in der Luft liegt“.

„Hast du schon mitbekommen, dass Prinz Karl-August von Natternberg am Montag tödlich verunglückt ist? Auf der Rusel mit seinem E-Bike. Ich denke, wir sollten uns das mal genauer ansehen. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Was meinst du“?

„Na ja, es schadet bestimmt nicht, wenn wir uns den Fall mal etwas genauer anschauen. Komm, wir gehen mal zu unseren Kollegen, die den Fall bearbeiten“.

Damit stand sie auf und wir gingen in das Büro der Kollegen im Erdgeschoss und nach ein paar Anfragen hatten wir den zuständigen Polizisten gefunden, der für den Fall zuständig ist.

„Herr Kollege“ begann ich, „mir kommt der Unfall irgendwie komisch vor. Haben sie etwas bemerkt, ist ihnen etwas aufgefallen, was nicht in das Raster passen könnte? „

„Eigentlich nicht. Es ist nur sehr verdächtig, dass es keine Bremsspuren gibt und dass der Unfall auf einer geraden Strecke, einer Forststrasse, auf der es weder Schlaglöcher noch sonstige Hindernisse gibt, passierte“.

Ich überlegte kurz und meinte „Mina, was meinst du? Sollen wir uns den Unfallort mal selber anschauen, damit wir uns ein Bild davon machen können? Ah, übrigens, wo ist denn momentan die Leiche?“ wollte ich von unserem Kollegen wissen.

„Die Leiche von Herrn Prinz von Natternberg ist von einem Bestattungsunternehmen, ich denke der Firma Klostermeier aus Deggendorf, abtransportiert worden. Soll ich mal nachfragen?“

„Ja, das wäre nett und wenn sie bitte Bescheid geben, dass die Leiche eventuell noch zu einer Untersuchung benötigt wird, also noch nicht freigegeben ist.“

„OK, mach ich. Ich ruf gleich mal dort an.“

Er griff nach dem Telefonhörer und wählte die Nummer der Zentrale. „Frau Unholzer, ich bräuchte die Firma Bestattungen Klostermeier aus Deggendorf am Telefon. Könnten sie mich bitte damit verbinden?“ Er legte das Telefon wieder auf und wandte sich an uns „Ich gebe ihnen umgehend Bescheid, wenn ich etwas Neues weiß.“

Ich nickte und bemerkte noch „Wenn sie Zeit haben, würden wir gerne den Unfallort begutachten. Wie schaut es bei ihnen aus? “

„Ja, das passt. Wir können uns in zehn Minuten unten im Hof treffen. Dann fahren wir auf die Rusel und ich zeige ihnen den Unfallort. Einverstanden? Wir können auch gerne mein Auto nehmen, wenn das recht ist.“

Natürlich waren wir einverstanden, verabschiedeten uns kurz und gingen die Treppen hoch zu unserem Büro, um unsere Jacken zu holen.

Wir trafen uns im Hof, und Herr Leitinger, der Kollege von vorhin, führte uns zu seinem Polizeiauto.

Er meinte „Gut, dass ich bei der Firma Klostermeier angerufen habe. Sie hätten die Leiche in zwei Stunden zum Einäschern gebracht. Ich habe ihnen mitgeteilt, dass der Tote noch nicht freigegeben ist und wahrscheinlich in den nächsten Stunden abgeholt wird.“

„Sehr gut gemacht, Herr Leitinger, erwiderte ich, „aber jetzt starten wir auf die Rusel.“

Wir fuhren in Richtung Rusel und am Absatz nahmen wir den Forstweg, der normalerweise für Autos gesperrt ist.

Herr Leitinger schaltete sein Blaulicht ein und so kamen wir ohne Beschwerden an der Unfallstelle an. Es war auch nicht viel los, kaum Wanderer oder Radfahrer unterwegs. Er zeigt uns, wo das E-Bike und der Verunglückte bei seiner Ankunft gelegen sind.

„Laut den Zeugen wurde bis zu meinem Eintreffen nichts am Unfallort verändert. Also gehen wir davon aus, dass der Fundort, wie wir ihn vorfanden, auch dem tatsächlichen entspricht“, meinte Herr Leitinger. Er zeigt uns wo das E-Bike gelegen hatte und die Stelle, wo Karl-August gefunden wurde. Wir schritten die Distanz ab und es waren über sechs Meter Differenz.

„Frau Stöcklgruber, was denken sie?“ wollte ich von ihr wissen. Ich konnte mich in der Vergangenheit immer auf ihren Sachverstand verlassen. Daher war mir ihre Einschätzung sehr wichtig.

„Herr Kommissar“, erwiderte Frau Stöcklgruber in überzeugendem Ton „ich denke, hier ist etwas oberfaul. Ein Unfall mit einem E-Bike ohne Bremsspuren, ohne irgendwelche Hindernisse, ohne erkennbaren Grund. Außerdem ist die Entfernung zwischen E-Bike und Opfer für einen normalen Unfall zu groß. Über sechs Meter! Da stimmt meiner Meinung nach etwas nicht. Wir sollten der Sache wirklich auf den Grund gehen. Auf jeden Fall das Fahrrad sowie die Leiche untersuchen. Wir sollten auch den Staatsanwalt, Herrn Doktor Hofer mit einschalten, um bei der Ermittlung freie Hand zu haben.“

„Genau, das machen wir“, nickte ich zufrieden. „Wir reden mit dem Staatsanwalt Herrn Doktor Hofer und wenn er unsere These bestätigt, werden wir die KTU und die Gerichtsmedizinerin Frau Dr. Krankl bitten, uns genaue Ergebnisse zu liefern. Dann werden wir schon sehen.“

Gesagt getan. Wir stiegen wieder in das Polizeiauto, Herr Leitinger wendete und so fuhren wir bergab in Richtung Deggendorf. Da es inzwischen kurz vor zwölf Uhr war, hatte ich die Idee, dass wir an der Metzgerei in Mietraching kurz anhalten, um uns etwas zu Mittag zu genehmigen und uns zu stärken, was meine Mitfahrer erfreut zur Kenntnis nahmen.

„Mina, weißt du noch, als wir das letzte Mal hier waren“ begann ich mit vollem Mund. Die Leberkässemmel war ein Genuss. „Da kamen wir gerade von einem Mordfall auf der Rusel. Du erinnerst dich bestimmt. War alles sehr kompliziert und verworren. Aber die Leberkässemmel war damals eindeutig genauso gut wie heute.“

„Ja, ja, Franz, da erinnere ich mich genau. Zu der Zeit waren wir noch ganz am Anfang mit unseren Ermittlungen und hatten noch keine Spur. Aber das änderte sich bald. Und nach drei Tagen hatten wir den Fall gelöst“, meinte sie lächelnd.

Im Polizeipräsidium angekommen, bedankten wir uns bei Herrn Leidinger und begaben uns direkt zum Büro von Staatsanwalt Herrn Doktor Hofer. Seine Sekretärin begrüßte uns und fragte uns, was wir von ihm wollten. Nachdem wir ihr erklärt hatten, was wir von Herrn Doktor Hofer benötigten, rief sie kurz bei ihm an und winkte uns durch.

„Herr Doktor Hofer“, begann ich „ wir benötigen ihre Einwilligung zu einer Ermittlung. Sie kennen sicher Herrn Karl-August Prinz von Natternberg, der gestern bei einem Unfall mit seinem Rad tödlich verunglückte. Wir haben nach einer Besichtigung der Unglücksstelle erhebliche Bedenken, ob es wirklich ein Unfall war. Es sprechen mehrere Indizien für einen hinterhältigen Mord oder Mordversuch.“

„Na, das müssen sie mir schon genauer erklären“, meinte Herr Doktor Hofer süffisant.

„Ja, natürlich, gerne. Es gibt keine Bremsspuren vor Ort, es sind keine Hindernisse auf dem Weg, es ist eine ausgebaute, übersichtliche Forststrasse, kein Feldweg oder ähnliches. Herr Prinz von Natternberg kam über sechs Meter von seinem E-Bike entfernt zum Liegen. Das spricht für einen plötzlichen, unvorhergesehenen Aufprall. Aber auf was? Das möchten wir gerne untersuchen. Dafür brauchen wir ihre Einwilligung.“

„Ja, sie haben mich überzeugt“ antwortete er. „Herr Prinz von Natternberg war eine sehr schillernde Persönlichkeit hier in Deggendorf. Er hat es verdient, dass wir diesen Vorgang genauer untersuchen. Also meine Einwilligung haben sie. Ich reiche sie ihnen noch schriftlich nach. Aber sie können gleich loslegen.“

Wir hatten erreicht, was wir wollten und verabschiedeten uns von Herrn Doktor Hofer mit der Zusicherung, ihm natürlich jederzeit einen aktuellen Stand unserer Ermittlungen zu überbringen.

Auf dem Weg zu unserem Büro schauten wir noch bei unserer Helferin vor Ort, Frau Unholzer, vorbei.

„Karin“ meldete ich mich bei ihr, „wir brauchen deine Hilfe. Können wir uns in zehn Minuten im Besprechungszimmer treffen? Ist das bei dir möglich? Kannst du das einrichten?“

„Ja, ich denke das klappt. Muss nur kurz unserer Praktikantin Bescheid sagen. Sie ist momentan gerade in der Kaffeepause. Dann bin ich bei Euch.“

Wir verabschiedeten uns von ihr und gingen die Treppen hoch zu unserem Büro, hängten unsere Jacken auf und gingen zum Besprechungszimmer nebenan. Ich rollte das Flip-Chart in die Nähe des Tisches, prüfte noch, ob die nötigen Stifte vorhanden und bereit waren und setzte mich neben Frau Stöcklgruber an den großen Tisch.

„Da bin ich wirklich gespannt“, meinte Frau Stöcklgruber, „ob die KTU und die Gerichtsmedizin uns neue Erkenntnisse liefern können, und ob unser Bauchgefühl uns recht gibt.“

„Ja, da bin ich ganz bei dir. Lassen wir uns mal überraschen, was die nächsten Stunden bringen.“

Die Tür ging auf und Frau Unholzer betrat den Raum.

„Komm, setz dich zu uns“, begrüßte ich sie. „Wir fangen gleich an.“

Ich ging zum Flip-Chart.

„Ich schreibe schon mal auf, was wir bisher wissen oder vermuten“, begann ich. „Wir können nicht ausschließen, dass Prinz Karl-August ermordet wurde. Es sind einige Punkte aufgetaucht, die uns zu denken geben. Keine Bremsspuren, der Abstand E-Bike zum Unfallopfer, die Unfallstelle selber, beziehungsweise der Forstweg, die selbst einem ungeübten Radfahrer keine Probleme bereiten sollte.“

Ich schrieb mit dem roten Filzstift auf das Flip-Chart:

´E-Bike,

Abstand

Umfeld`

Dann nahm ich den grünen Filzstift und schrieb:

´Rotarier

Stadtrat FW

ehemaliger Präsident Eishockeyclub Deggendorf

Kanzlei / Insolvenzverwalter`

„Ich hoffe, ich habe nichts vergessen“ fuhr ich fort. „Karin, du solltest für uns folgendes erledigen“ ich schob ihr den bereitgelegten Notizblock zu.

„ Die Firma Klostermeier soll bitte die Leiche in die Gerichtsmedizin nach Straubing zu Frau Doktor Krankl bringen. Dann rufst du die Frau Doktor Krankl an und bittest sie um eine schnelle und vorläufige detaillierte Untersuchung und Feststellung der Todesursache. Anschließend informierst du die KTU, dass sie sich das E-Bike des Toten genauestens anschauen sollen auf irgendwelche Lackspuren oder Abschürfungen. Die Bremsen sollten sie auf Funktionalität überprüfen, ob hier eventuell eine Fehlfunktion auftreten kann. Die Berichte bräuchten wir natürlich, wie immer, schnellstmöglich.“

Frau Unholzer notierte sich alles sorgfältig auf ihrem Block. „Mina, fällt dir noch etwas ein, was ich vergessen habe?“

„Nein, eigentlich nicht“, meinte sie. „Oder doch. Karin sei doch so nett und verschaff uns eine Handyortung und die letzten Gespräche von Karl-August. Es wäre sicher von großem Wert, wenn wir wissen, mit wem er die letzten Stunden vor seinem Tod telefoniert hat und wo er sich genau aufgehalten hat. Aber ich denke, dann haben wir alles.“

Frau Unholzer verabschiedete sich von uns mit den Worten „Ihr hört dann von mir, natürlich so bald als möglich“ und machte leise die Türe hinter sich zu.

„So Mina, wo fangen wir an“, begann ich neugierig.

„Franz, ich denke wir sollten als erstes bei Frau von Natternberg vorbeischauen. Sind die von Natternbergs eigentlich blaublütig, also Grafen oder so?“

Ich dachte kurz nach und meinte „Ja, soweit ich mich erinnern kann, heißt Karl-August offiziell: Prinz Karl-August von Natternberg.“

„Und seine Frau ist dann die Prinzessin“ stelle sie belustigt fest.

„Ja genau! Übrigens, habe ich dir schon die Geschichte erzählt, wo ich bei einer Siegerehrung, ich glaube es war im Tennisclub, den Sponsor des Turniers den Graf Ulrich von Ocra nicht mit seinem Titel begrüßt habe?“

„Ja, die Geschichte kenn ich schon. Ist nicht besonders gut für dich ausgegangen, oder?“ meinte sie.

Ich nickte leicht pikiert.

Es war inzwischen früher Nachmittag und wir machten uns auf den Weg zu Frau von Natternberg. Wir nahmen mein Auto und so fuhren wir auf der Neusiedlerstraße in Richtung Hirzau. Ich hatte mich vorher noch schlau gemacht und die Adresse von Frau von Natternberg im Internet gegoogelt: Dreitannenriegelstraße 34. Ich kannte mich in dem Gebiet ganz gut aus, da ich dort einen alten Schulfreund hatte, den ich immer wieder besuchte.

Wir hielten vor der Adresse und ich klingelte. Die Sprechanlage ging an und nachdem ich uns vorgestellt hatte und um ein Gespräch gebeten hatte, wurden wir von Frau von Natternberg an der Tür empfangen.

Wir gingen einen langen, hellen Gang entlang, Frau von Natternberg ging voraus und wir folgten ihr. Sie war eine schlanke, grauhaarige ältere Dame, mit einem wachen Blick hinter einer goldenen, randlosen Brille. Alles an ihr hatte irgendetwas grazienhaftes, oder bildete ich mir das nur ein? Aber egal.

Sie öffnete die Türe die in ein Wohnzimmer führte. Es war sehr elegant, aber meiner Meinung nach nicht gemütlich eingerichtet. Überall lagen kleine Deckchen und Kissen.

Sie zeigte auf die Couch und wir setzten uns.

„Frau von Natternberg, ich bin Hauptkommissar Franz Breslmaier und das ist meine Kollegin Kommissarin Philomena Stöcklgruber von der Mordkommission Deggendorf“.

Ich zeigte ihr unsere Ausweise und fuhr fort: „Zunächst möchten wir unser Beileid zum Tod ihres Mannes ausdrücken…. Aber wir haben den Verdacht, dass ihr Mann nicht verunglückt ist, sondern dass er Opfer eines Mordanschlages wurde. Wir haben den Tatort begutachtet und uns ist einiges nicht schlüssig. Wenn es nun wirklich Mord ist, und davon gehen wir aus, haben sie einen Verdacht, wer ihren Mann ermordet haben könnte?“

„Nein“, meinte sie mit fester Stimme „ich kann mir nicht vorstellen, wer an seinem Tod irgendeinen Vorteil hätte. Natürlich ist er durch seine Arbeit immer irgendwie mit seltsamen Personen umgeben, die ihm nicht gut gesonnen sind. Aber Mord? Nein, das kann nicht sein.“

„War Ihnen in letzter Zeit irgendetwas aufgefallen, dass sich ihr Mann anders verhalten hat, hat er ihnen gegenüber etwas geäußert, das ihnen aufgefallen ist?“ wollte ich von ihr wissen.

Sie überlegte kurz und meinte „Karl-August hat vor ein paar Tagen zu mir so nebenbei gesagt, dass er am Laptop so komische Schreiben erhalten habe. Aber genaueres hat er nicht von sich gegeben. Ich habe auch nicht nachgefragt. Er hat das so belanglos von sich gegeben. Aber so war er halt. Wissen sie, wenn man sich so lange kennt braucht es nicht viele Worte um zu wissen, ob es wichtig oder unwichtig ist. Und für mich war das belanglos. Ich habe nichts darauf gegeben.“

„Könnten wir uns den Laptop ihres Mannes genauer anschauen? Würden sie uns den mal mitgegeben? Vielleicht ist ja etwas dran an dem was ihr Mann von sich gegeben hat.“

„Kein Problem. Natürlich können sie den mitnehmen. Ich kann sowieso nichts damit anfangen.“

Wir standen auf und sie ging mit uns in das an das Wohnzimmer angrenzende Arbeitszimmer. Dort lag auf dem Schreibtisch der besagte Laptop. Ich schaltete ihn kurz ein und der Computer fuhr hoch. Natürlich war er mit einem Kennwort geschützt. Aber vielleicht hatten wir ja Glück und Frau von Natternberg kannte das Passwort.

„Frau von Natternberg“, fragte ich sie, „kennen sie das Passwort für den Laptop? Wäre natürlich sehr hilfreich.“

„Ja“, meinte sie. „Karl-August hatte immer das gleiche Passwort für all unsere Internetzugänge. Ich weiß es sogar auswendig.“

Ich holte meinen Notizblock aus meiner Jacke und knipste meinen Kugelschreiber an.

„Das Passwort ist: ´Karl minus August, die Anfangsbuchstaben großgeschrieben und dann 1234 und Raute.“

„Danke Frau von Natternberg. Damit haben sie uns sehr geholfen. Ich fuhr den Laptop herunter, steckte das Netzteil ab und gab ihn an Frau Stöcklgruber weiter.

„Sollten wir noch Fragen an sie haben, so melden wir uns umgehend bei ihnen“, bemerkte ich noch und gab ihr noch meine Visitenkarte.

Wir verabschiedeten uns und fuhren zurück in die Polizeiinspektion.

„Was meinst du Mina“, begann ich das Gespräch während der Autofahrt. „Ist dir etwas aufgefallen? Für mich wirkte Frau von Natternberg ganz gefasst und eigentlich reserviert. Ich glaube, die hatte in ihrer Ehe keinen leichten Stand, oder?“

„Ja, da kannst du recht haben. Das gleiche habe ich auch gespürt. Ich glaube, eine Ehe mit so einem Mann, wie es Karl-August war, ist wirklich kein Zuckerschlecken. Da musst du sicher große Abstriche machen. Du bist eben nur die Person hinter dem Mann, die repräsentative Funktionen übernehmen muss. Aber sonst? Du führst dein eigenes Leben. Der Mann ist die Hauptperson. Aber er verschafft dir auch ein Leben im Luxus ohne dass du dich abarbeiten musst. Ist doch auch nicht schlecht, oder?“

„Ja, das wünschte ich mir auch des Öfteren“, meinte ich und blinzelte ihr zu.

Ich parkte das Auto ein, angelte mir den Laptop von Karl-August vom Rücksitz und wir gingen zusammen in das Polizeipräsidium. Ich wollte noch schnell den Laptop in unsere IT-Abteilung zur Untersuchung abgeben und uns dann wieder im Büro treffen.

Also ging ich in das Untergeschoss wo die IT-Abteilung ihre Räume hatte.

Herrn Klaus Sagstetter, den Chef der Abteilung, kannte ich sehr gut. Er war ein kleiner untersetzter Mittfünfziger mit schütterem Haar, aber immer gut gelaunt. Er hatte mich schon des Öfteren aus der Patsche geholfen, wenn die Technik nicht so wollte wie ich.

„Klaus“, begrüßte ich Herrn Sagstetter „ich habe einen Laptop mit dabei, von Prinz Karl-August von Natternberg. Du hast sicherlich schon von seinem vermeintlichen Unfall gehört. Ich möchte, dass du so schnell wie möglich den Laptop auf verdächtige E-Mails, auf Informationen untersuchst, die uns vielleicht weiterhelfen können. Wir gehen nämlich davon aus, dass es kein Unfall, sondern Mord war.“

Herr Sagstetter erschrak sichtlich. „Ja das ist ja ein Ding. Prinz Karl-August ermordet? Natürlich habe ich von seinem Unfall gehört und gelesen. Wurde ja ausführlich darüber berichtet. Ja, ich setz mich gleich dran und gebe dir sofort Bescheid, wenn ich was finde. Ich hoffe du hast sein Passwort.“

„Natürlich, was denkst du denn. Karl minus August, groß-geschrieben, und dann 1234 Raute“.

Herr Sagstetter war sichtlich erleichtert und notierte sich das Passwort.

„Na, dann kann es ja losgehen“. Ich übergab ihm den Laptop und das Netzgerät. „Ach, übrigens“, meinte er noch „Kennst du schon den Witz, wie der ehemalige Präsident Trump bei einer Visite in Israel verstorben ist und …“

„Ja, ja“, unterbrach ich ihn „ den hast du mir vor kurzem in der Kantine erzählt. Hat mich sehr amüsiert. Wir haben viel gelacht. Ich kenne aber auch einen passenden für dich:

Ruft ein Ratsuchender die Computer-Hotline an und fragt: ich installiere gerade Windows, was soll ich drücken? Antwort von der Hot-Line: beide Daumen!! Ist der nicht gut?“

Herrn Sagstetter schüttelte es vor lauter Lachen.

„Gib mir Bescheid, sobald du etwas weißt“ fügte ich noch hinzu und verabschiedete mich von ihm. Sein Lachen verfolgte mich noch einige Meter. Na wieder einen Treffer gelandet.

Ich ging hoch zu unserem Büro. Es war inzwischen schon nach 16:00 Uhr und der Feierabend rückte näher. Mina saß an ihrem Schreibtisch und blickte gespannt auf ihren Monitor.

„Na“, meinte ich „was Neues gefunden?“

„Nein, leider nicht. Ich habe nur im Internet nach unserem Prinzen gesucht. Aber nichts Weltbewegendes gefunden. Er hatte ja einige Betätigungsfelder. Vor allem früher, so vor etwa 15 bis 20 Jahren, war er sehr aktiv. Aber meistens nicht sehr erfolgreich. Investitionen im Osten nach der Wende in Immobilien. Totale Pleite! Zugleich Vorsitzender oder Präsident des Deggendorfer Eishockeyclubs: In die Insolvenz geführt! Im Deggendorfer Golfclub war er Vorsitzender des Beirats. Wenn die Mitglieder nicht mit großem finanziellen Einsatz geholfen hätten ….. Also alles nicht sehr einträglich. Dann war da noch ein Artikel in der Deggendorfer Zeitung am 03.01.2012. Überschrift: ´Konkursverwalter ist selber pleite: Er steht wegen Untreue vor Gericht`. In dem Artikel, ich schicke ihn dir auch als E-Mail, geht es um gewerbsmäßige Untreue. Er hat sich in mehreren Fällen aus der Insolvenzmasse bedient. Außerdem wurde im Jahr 2011 über sein Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet. Also alles sehr ernüchternd. Auf gut deutsch: unser Prinz hatte ehebliche finanzielle Probleme. Das alles hat sich natürlich auch auf seine Arbeit als Rechtsanwalt und Konkursverwalter ausgewirkt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Kanzlei davon unberührt blieb. Also sollten wir auch hier mal nachschauen, ob nicht auch von der Seite her Gründe vorliegen, um ihn ….“

Ich fiel ihr ins Wort: „Ja, da hast du natürlich recht. Sollten wir uns für morgen vornehmen.“

In diesem Moment klingelte mein Festnetztelefon.

Ich meldete mich nach dem zweiten Klingeln „Breslmaier, ja bitte“?

„Ich bins, der Klaus von der IT-Abteilung. Ich habe dir ja versprochen, dass ich dich sofort informiere, wenn wir auf dem Laptop vom Karl-August etwas Verdächtiges entdecken. Und wirklich: wir haben drei Erpresser- oder Drohbriefe gefunden. Leider können wir den Absender nicht nachverfolgen. Ist sehr professionell verschlüsselt. Die Details erspare ich dir. Könnte aber deine Vermutung bestätigen. Ich schicke dir die drei Briefe als E-Mail…. Sind schon unterwegs. Ansonsten sind wir noch mit dem Laptop beschäftigt. Einen ausführlichen Bericht bekommst du morgen Vormittag.“ Damit verabschiedete er sich und ich hängte den Hörer ein.

„Mina, wir haben eine Spur! Endlich.“

Ich fuhr meinen Computer hoch und öffnete mein Postfach. Da war zum einen der Zeitungsbericht, von Mina gesendet, und dann die angekündigte E-Mail der IT-Abteilung. Angehängt waren die drei Schreiben, die ich sofort öffnete und ausdruckte. Sehr nützlich war, dass jedes Schreiben mit einem Datum versehen war. So konnte ich sie zeitlich genau zuordnen.

Der erste Drohbrief war datiert auf den 15. Juni 2018:

Bitte überlegen sie sich genau, auf welche Seite sie sich stellen!!!!

Der zweite datiert auf den 29. Juni 2018:

Noch nichts dazu gelernt. Ich fordere sie nochmals auf, Ihren Standpunkt zu ändern!!!

Der dritte datiert auf den 12. Juli 2018:

Dies ist meine letzte Warnung. Wenn sie nicht einsichtig werden, dann passiert etwas!!!

Vor allem der letzte Drohbrief war doch sehr eindeutig und beunruhigend. Knapp drei Tage vor dem Mord. Aber wer kam dazu in Frage? Was sollten die Drohungen? In welche Sache war unser Prinz involviert?

Ich nahm die drei Schreiben und zeigte sie Frau Stöcklgruber. Sie schüttelte entsetzt den Kopf und sah mich fragend an.

„Nein Mina, ich habe keine Ahnung. Womit wurde Karl-August bedroht, das sogar einen Mord rechtfertigt? Ich pinge die Schreiben an unser Flip-Chart. Wir sollten uns gleich morgen früh mit Frau Unholzer zusammensetzen und vielleicht finden wir einen gemeinsamen Nenner. Mal schauen, was die KTU und die Gerichtsmedizin uns sagen können. Für heute reicht’s mir. Wie wärs noch mit einer Currywurst beim Otto?“

„Eine gute Idee, Franz“ meinte sie. „Ich ruf noch Frau Unholzer an und geb ihr Bescheid, dass wir uns um sieben Uhr, morgen zu einer Besprechung treffen möchten“. Damit griff sie zum Telefonhörer und ich ging in das Besprechungszimmer nebenan und heftete die drei Schreiben an das Pin-Board.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Otto. Der Biergarten war, wie immer bei so einem Wetter, bestens besucht. Otto erkannte uns sofort und kam auf uns zu. Er meinte, dass wir nur kurz warten sollten, bis der Tisch hinten links im Eck frei werden würde. Und wirklich, nach ein paar Minuten wurde der Tisch frei und wir schlängelten uns zu unserem Platz. In der Zwischenzeit hatten wir natürlich Zeit, die Besucher des Biergartens zu mustern. Es waren wieder einige Bekannte unter den Gästen. Aber zu einem Gespräch oder einem Plausch war ich momentan nicht aufgelegt. Zu viel war heute passiert. Mein Kopf war noch im Kriminalmodus. Aber das konnte sich schnell ändern.

Wir setzten uns und Otto, der Besitzer des Wirtshauses, kam zu uns um die Bestellung aufzunehmen. Ich orderte eine Currywurst mit Pommes sowie ein Weißbier und Mina Spaghetti zusammen mit einem Glas Weißwein.

Um uns auf andere Gedanken zu bringen, meinte ich zu Frau Stöcklgruber gewandt: „Du Mina, wie hat dir denn das Konzert von der Band Horseapple im Kapuzinerstadl gefallen?“

„Oh mei, Franz, das war einfach toll. Was die Band an Spiellust rüberbringt ist unglaublich und das reißt dich einfach mit. Und dann die alten Songs: einfach Spitze. Und wie die Leute getanzt haben. Allein, zu zweit und zu dritt. Habe ich selten so gesehen. Hat richtig Spaß gemacht. Können wir gerne wieder machen. Deine Frau Claudia war ja auch nicht mehr zu erkennen. So ausgelassen habe ich sie ja noch nie erlebt. Ein wirklich schöner Abend. Du hast doch immer die besten Ideen“.

Otto kam mit den Bestellungen und wünschte uns einen guten Appetit.

Die Currywurst war wie immer ein Genuss. Wir ließen es uns schmecken. Nachdem Otto die Teller abgeräumt hatte, lehnte ich mich entspannt zurück und meinte: „Na Mina, ist das Leben nicht lebenswert?“

„Franz, da hast du Recht. So ein Abend zeigt uns doch, was wirklich wichtig ist im Leben. Nicht nur Arbeiten und Schuften, sondern auch mal genießen.“

„Da hast du wie immer Recht. Ahh Mina, was ich dich immer schon mal fragen wollte: wie kommst du denn zu deinem ungewöhnlichen Vornamen? Ist ja nicht gerade alltäglich. Mir gefällt er übrigens sehr gut…. Philomena …. Er passt wunderbar zu dir. Ich könnte mir keinen anderen vorstellen… Jetzt erzähl mal.“

„Der Name kommt von der Schwester meiner Großmutter. Wir nannten sie immer Oma Mina und meiner Mutter hat der Name so gefallen. Außerdem war die Oma Mina eine ganz eine Nette. Und so bekam ich den Namen Philomena. Inzwischen könnte ich mir auch keinen anderen Vornamen für mich vorstellen. Er passt einfach zu mir und ich zu ihm. Aber ab und zu schauen die Leute schon a bisserl komisch, wenn sie meinen Vornamen hören. Aber da stehe ich drüber. Weißt du ja.“

Ich nickte zustimmend, hob mein Weißbierglas und prostete ihr zu.

Gerade wollte ich einen Schluck nehmen, als mir jemand auf den Rücken klopfte.

„Ja Grüß Dich Franz! Heute beim Otto in so charmanter Gesellschaft? Wer ist denn die hübsche Dame? Muss ich sie kennen?“

Ich drehte mich um und erkannte den Manfred, Manfred Lantenhammer, ein guter Bekannter und Freund.

„Hallo Manfred, du hier?“ begrüßte ich ihn und schüttelte kräftig seine Hand, die er mir entgegenstreckte. „Ja, das ist meine Kollegin im Morddezernat. Frau Kommissarin Philomena Stöcklgruber. Meine rechte Hand, wenn du willst. Ich bin immer glücklich, sie neben mir zu haben.“

„Na das kann ich gut verstehen“, meinte er süffisant. „Übrigens hast du schon vom Unfall von Prinz Karl-August gehört? Ist ja wirklich sehr tragisch, der Unfall mit seinem neuen E-Bike. Wir, von den Rotariern, waren ja zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag mit eingeladen und haben sein neues E-Bike bewundert.“

„Ahh, das ist ja interessant. Setz dich doch kurz zu uns. Ich ermittle in dem Fall und hätte da noch ein paar Fragen an dich bezüglich Karl-August, er war ja bei euch, den Rotariern, im Verein aktiv.“

Manfred setzte sich auf den freien Platz zwischen Mina und mir und spitzte die Ohren.

„Manfred, ihr wart doch beide bei den Rotariern in Deggendorf. Wie war denn Karl-August im Club vertreten? Hatte er irgendwelche Mitglieder, die ihm nicht gut gesonnen waren?“

„Warum willst du denn das wissen? Gibt es etwas, was ich noch nicht weiß?“

„Wir ermitteln inzwischen in einem Mordfall. Karl-August wurde umgebracht. Es war definitiv kein Unfall.“

„Ohh, Mann…“, meinte er sichtlich bestürzt. „Zu deiner Frage: ja so sehr beliebt war er im Club auch nicht. Er hatte so seine ´Gefolgsleute`. Aber er war halt ein Pfau, der sich in seinem Adel und Erscheinen sonnte. Aber für mich war er ein Mensch, der zwei Seiten hatte. Die eine, die, wie ich schon sagte, nach außen gekehrte und die innere, die persönliche Tiefschläge verkraften musste, die er sich alle selber zuzuschreiben hatte. Persönliche Insolvenz, Gerichtsverurteilung und und und…. Natürlich hatte er auch bei den Rotariern seine Gegner. Aber ein Mord? Nein, das würde ich Keinem aus dem Kreis zutrauen. Dafür sind wir alle zu sehr Clubmitglieder und dem Geist der Rotarier zugewandt. Und hast du schon eine Spur?“ wollte er noch von mir wissen.

„Nein, momentan leider nein. Wir stehen noch am Anfang unserer Ermittlungen. Einzelheiten kann ich dir leider nicht sagen. Das verstehst du doch sicher. Prinz Karl-August war ja auch philosophisch angehaucht, habe ich gehört. Apropos Philosoph. Kennst du schon die Geschichte, wie ich vor Jahren mit meine Frau Claudia in Griechenland war und Einzelheiten über die großen Philosophen erkunden wollte und was uns dabei passiert ist?“