Leben oder Sterben - Roman Just - E-Book
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Roman Just

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Beschreibung

Die Zukunft ist der nächste Moment, in diesem Buch hat die Zukunft bereits gestern angefangen. Einem Genforscher gelingt es, die Lebenserwartung eines Menschen deutlich zu erhöhen. Je früher das Serum verabreicht wird, umso älter kann der Empfänger werden. Den Forschungsergebnissen nach, könnten junge Erwachsene ein Alter von fünfhundert Jahren erreichen. Von Beginn an ist klar: Die Flüssigkeit wird die Gesellschaft spalten und birgt bekannte und nie kennengelernte Gefahren. Wer soll das Serum erhalten und welche Auswirkungen hat es auf die Generationen? Um Erkenntnisse zu gewinnen, wird das "Biodegradation Projekt" ins Leben gerufen: Eine streng geheime Testphase soll zeigen, wie Auserwählte mit Vorschriften umgehen und sich verhalten. Das Projekt unterliegt dem Willen des Wissenschaftlers, der als Einziger den Aufbau des Serums kennt. Es beginnt ein Überredungskampf um die Formel, in den verschiedene Institutionen verwickelt werden und der eskaliert.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Über den Autor

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

Impressum

 

 

 

Leben

oder

Sterben

 

Ein Zukunftsthriller

von

Roman Just

 

Über den Autor

Roman Just ist in der Welt der Literatur in verschiedenen Genres unterwegs. Mit den Thrillern der "Tatort-Boston-Reihe" hat er den Einstieg in die Literaturwelt begonnen, sie dann mit den "Gelsenkrimis" fortgesetzt. Neben den Thrillern und Krimis arbeitet er an einer mehrteiligen Dystopie und einer historischen Familiensaga, hinzu kommen Ausflüge in andere Genres.

Der Autor und bekennender Selfpublisher ist Jahrgang 1961, lebt in Gelsenkirchen, leidet mit dem vor Ort ansässigen Fußballclub seit 1971 zu allen Zeiten mit, spielt außerdem gerne mit Mitmenschen Schach und beschäftigt sich leider nur noch gelegentlich mit der Astronomie.

Der Selfpublisher betreibt auf seiner Homepage zu allen seinen veröffentlichten Titeln Leserunden, außerdem bietet er einen Leserkreis, an dem ebenfalls aktiv teilgenommen werden kann.

Mehr über den Autor und seine Titel gibt es hier:

https://www.gelsenkrimi.de

https://www.gelsenkrimi.de/ueber-mich

https://www.gelsenkrimi.de/leserkreis/leserunden

https://www.gelsenkrimi.de/leserkreis

https://www.gelsenkrimi.de/gelsenshop

 

Zur Person:

Sternzeichen: Jungfrau

Gewicht: Im Moment viel zu viel

Erlernter Beruf: Kellner

Derzeit tätig als: Autor/Selfpublisher

Charaktereigenschaften: Impulsiv/Hilfsbereit

Laster: Nie zufrieden mit einem Ergebnis

Vorteil: Meistens sehr geduldig

Er mag: Klare Aussagen

Er mag nicht: Gier und Neid

Er kann nicht: Den Mund halten

Er kann: Zuhören

Er hasst: Tyrannen und selbstverliebte Subjekte

Er liebt: Das Leben

Er will: Ziele erreichen

Er will nicht: Unterordnen

Er steht für: Menschlichkeit

Er verachtet: Hass, Mobbing, Eitelkeit

Er denkt: Auch Einfaches ist nicht einfach zu erledigen

Er meint: Die Achtung und der Respekt vor der Würde eines Menschen werden durch das Gendern nicht gestärkt. 

 

 

 

1. Kapitel

Vor Jahrzehnten

Z

u Beginn der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts sahen die Einfamilienhäuser entlang der breiten Hauptverkehrsstraße unterschiedlich und doch ziemlich gleich aus. Manche besaßen mehr Wohnfläche, andere einen größeren Garten hinter dem Haus. Ansonsten gab es keine nennenswerten Merkmale, die ein Gebäude hervorgehoben hätten. Die Menschen in der dreihundertköpfigen Gemeinde kannten sich, grüßten einander und hielten in allen Lebenslagen zusammen. Freud und Leid wurden stets miteinander geteilt und Nachbarschaftskriege hatten in den letzten Jahrzehnten nicht stattgefunden. Die Hauptstraße und die wenigen Seitenstraßen waren somit ein Paradies auf Erden, in dem Streit und Neid ein Fremdwort zu sein schienen.

Die kleine Siedlung lag in den Wäldern Virginias. Zwar befand sich der Ort im Zentrum zu bekannten Städten wie Charlottesville, Richmond und Washington D.C., doch die Straßen, die in die Metropolen führten, konnten in jenen Tagen erst nach stundenlangen und eintönigen Autofahrten erreicht werden. Das abgelegene Dorf war damals so unbedeutend, dass es noch nicht einmal auf Straßenkarten verzeichnet worden war. Das es bis in die Gegenwart so bleiben würde, damit hatte einst niemand gerechnet.

I

n der vergessenen und überwiegend unbekannten Ortschaft, lebte seit mehreren Generationen auch die Familie Kennet. Sie bestand aus den Eltern von Jack, der längst selbst verheiratet und Vater von zwei Kindern war. Die Großeltern seiner Söhne wohnten an der Hauptstraße inmitten des Dorfes, während Jack mit seinen Angehörigen am Dorfrand vor Jahren ein Haus von einem Ehepaar erworben hatte, welches den Lebensabend im Süden verbringen wollte. Die Kennets waren alteingesessene und angesehene Mitbürger und hatten zum Frieden und Lebensstandard in der Gemeinde ihren Teil beigetragen. Im Gegensatz zu den meisten Dorfbewohnern, die ihr Dasein und die damit verbundene Ruhe und Abgeschiedenheit schätzten, war Jack von kleinauf ein Charakter, der dem Leben in der Einöde nichts abgewinnen konnte. Entgegen der Tradition kam er deswegen in den Vorzug, studieren zu dürfen. Dementsprechend selten war er in jungen Jahren zu Hause. Nach dem erfolgreichen Examen, dem Stress des Studiums und den ersten beruflichen Schritten, fing er an umzudenken. Er genoss das Stadtleben, aber genauso fehlten ihm die Stunden für sich und die mit seinen Eltern. So kam es, dass er jedes zweite Wochenende in der Siedlung verbracht hatte. Dort fand er seine Liebe, heiratete, erwarb ein Haus und wurde zweifacher Vater. Trotz oder gerade wegen des Ehe- und Familienglücks, sowie dem beruflichen Erfolg, blieb eines gleich: Jack Kennet verbrachte fast bis zum Ende der fünfziger Jahre nur zwei Wochenenden im Monat in der Siedlung und damit bei sich zu Hause. Nachdem es zuvor bereits einige leise Gerüchte gegeben hatte, begann sich am Anfang der sechziger Jahre das Dorfleben zu verändern. In all den Jahren zuvor hatte die Ortschaft ein paar Gesichter kommen und gehen sehen. Diverse Hausbesitzer hatten ihr Anwesen verkauft und den Ort verlassen, um anderswo entweder neue Herausforderungen zu bewältigen, vielleicht auch nur, um in wärmeren Gefilden den Lebensabend zu genießen. Alteingesessene Nachbarn wurden krank und alt, sie starben, die vererbten Eigentumshäuser wanderten in den Besitz der Hinterbliebenen. Der biologische Lauf des Lebens, der Alltag, das Schicksal von Einzelnen, hatten die Siedlung, die Menschen und Gebäude verändert. Viele Häuserfassaden trugen lebensfrohe Farben, die Vorgärten sahen da und dort gediegener und gepflegter aus, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl war nicht mehr dasselbe.

Besonders bei den reiferen Semestern im Ort hatte Jack Kennet den Zorn auf sich gezogen. Es hatte eine Zeit gegeben, in der er mit seiner Familie ein Teil der Gemeinschaft war. Damals liefen seine Kinder im Garten umher und seine Frau gehörte zu dem Personenkreis, von dem der Zusammenhalt aufgebaut und gefördert wurde. Mit Beginn des neuen Jahrzehnts geriet Jack in den Mittelpunkt der Kritik. Auslöser war der Bau eines riesigen unterirdischen Bunkers auf einem Grundstück neben seinem Haus. Es verstand sich von selbst, dass die Entstehung des später unsichtbaren und von Anfang an uneinsichtigen Bauwerks Proteste, Fragen, Anfeindungen und unsägliches Gerede nach sich zog. Logischerweise waren Jacks Familienmitglieder ebenfalls davon betroffen und hatten unter den Lebensbedingungen zu leiden. Allesamt wurden sie angepöbelt, beschimpft oder gemieden. Der Dorffrieden und die Idylle gehörten fortan der Vergangenheit an und die Kennets hatten den Zugehörigkeitsstatus verloren. Ihr tägliches Dasein bestand aus Vorwürfen, Miss- und unverhohlener Verachtung. Im Dorfladen bekamen sie keine Waren, in den anderen wenigen Betrieben mussten sie sogar ein lebenslanges Hausverbot hinnehmen. Jacks Eltern gaben auf und zogen weg, seine Söhne lebten mittlerweile in Richmond, nur seine Frau blieb. Alsbald fiel den Dorfbewohnern eines auf: Nie hatte die Familie Kennet unter Versorgungsproblemen gelitten und als über dem fertiggestellten Bunker Gras gewachsen war, hörten Jacks Wochenendaufenthalte auf. Er war tagtäglich vor Ort, aber sehr selten bekam ihn jemand zu sehen. Dafür sahen die Dorfbewohner in regelmäßigen Abständen Fahrzeuge vor seinem Haus stehen, deren Herkunft niemand einordnen konnte. Mal wurde Jack von einem Lastwagen beliefert, einige Tage danach parkten dunkle Karossen vor seinem Gebäude. Sie waren dermaßen beeindruckend, dass sie bei den auf dem Land aufgewachsenen Leuten zugleich Ehrfurcht erzeugten. Diese Tatsache und die höher werdenden Grashalme über dem unterirdischen Komplex sorgten nach und nach für die Einkehr einer trügerischen Normalität. Für Jack und seine Gattin wurde das Leben im Dorf wieder leichter, allerdings nie wieder so lebenswert wie früher. Auf eine bestimmte Art wurden die Kennets nach jahrelanger Ausgrenzung wieder akzeptiert, jedoch blieben sie im Umgang und in ihrem Status weiterhin freundlich behandelte, nicht einzuschätzende Außenseiter. Ganz klar, dass dadurch die Gerüchteküche nicht verstummen wollte.

Merkwürdige Geschichten, insbesondere über Jack, machten in der Siedlung die Runde. Niemand war fähig zu sagen, welche Erzählungen erfunden und hinzugedichtet worden waren oder der Wahrheit entsprachen. Jedenfalls beinhalteten die Storys einen bizarren Gänsehautfaktor, der außerdem imstande war, den Zuhörern Angst einzujagen.

Das Getratsche über Halbwahrheiten, Hirngespinste und Tatsachen hielt sich hartnäckig, verließ zum Glück der Dorfbewohner nicht die Grenzen der Siedlung. Wäre es geschehen, hätte in der Ortschaft ein seit mehreren Jahren geplanter Strukturwandel vorzeitig stattgefunden. So blieb zunächst alles beim Alten, aber aufgeschoben war nicht aufgehoben. Die Jahre vergingen und ohne das es die Einwohner des Dorfes wussten, hatte ihre Ansiedlung in Regierungskreisen einen derart wichtigen Status erreicht, der nicht größer sein konnte. Er war inzwischen so groß geworden, dass der Ort in eingeweihten Kreisen sogar einen eigenen Namen bekommen hatte. Die nach wie vor auf keiner Landkarte verzeichnete Dorfschaft hieß im engsten Umfeld des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika schlicht und einfach "Nowhere".

 

B

is in die Mitte der siebziger Jahre hatten sich die Menschen, die Häuser und die Siedlung an manchen Ecken nicht grundsätzlich, aber doch mehr und gewaltig verändert. Deshalb wuchs die Gefahr, dass die Gerüchte über Jack, seine Arbeit und sein Umfeld über die Dorfgrenze schwappen könnten. Da kein Mensch im Dorf wusste, womit Jack Kennet in Wirklichkeit beschäftigt war, nahm das Gemunkel zu und die Spekulationen bekamen eine Absurdität, auf die sich die Presse mit Wonne gestürzt hätte. Aus diesem Grund gerieten die Bürger von "Nowhere" in den Fokus der Regierung. Keine Menschenseele im Ort ahnte, dass sie sich im Blickfeld einer Behörde befand, die es offiziell gar nicht gab. Die Umstände hatten die Einwohner Jacks Wirken und Tätigkeit zu verdanken. Jeder war sich dieser Tatsache bewusst, doch niemand wagte es, sich dazu laut zu äußern oder dagegen aufzubegehren. Der nicht vorhandene Widerstand war auf Einschränkungen zurückzuführen, die den Dorfbewohnern inzwischen auferlegt worden waren. Seit geraumer Zeit war es keinem Individuum der Ortschaft gestattet, die Siedlung ohne Erlaubnis und Aufsicht zu verlassen. Mittlerweile war die Gegend um das Dorf ein Sperrgebiet von einem weitläufigen Radius, zu dem nur ausgewählte Befugte mit entsprechender Sicherheitsstufe Zutritt hatten. Eines Tages ließ sich der biologische Supergau dennoch nicht verhindern.

In jenen Tagen zählte das Dorf immer noch mehr als zweihundert Seelen und fast alle waren Zeugen eines Vorgangs, der bis auf weiteres absolut geheim gehalten werden musste. Die Menschen der Siedlung hatten gesehen, dass mit Jack Kennet etwas Unheimliches und Unnatürliches vor sich ging, wofür sie keine Erklärung fanden. Damit war ihr Untergang besiegelt und das sogenannte >The Biodegradation Project< geboren.

Ende der siebziger Jahre geschah es: Ob jung oder alt, an keinem Bewohner der Siedlung zog der Kreislauf des Lebens spurlos vorbei. Selbst Jacks Gattin war davon betroffen. Bei ihr hatten sich die Lebensfältchen zu Falten verwandelt und ihr dunkles, beinahe schwarzes Haar, war grau geworden. Während sie ab irgendeinem Zeitpunkt ihr Alter mit keiner Schminke übertünchen konnte und zu kränkeln anfing, sah Jack aus, als ob er in einen Jungbrunnen gefallen wäre. Sogar der Tod seiner Gemahlin war zumindest äußerlich spurlos an ihm vorbei gegangen. Deshalb war es kein Wunder, dass die Aussagen über ihn immer neue Nahrung fanden. Die Sätze von seiner Person bekamen einen skurrilen, boshaften und absurden Beigeschmack, der ihn erneut und endgültig zu einem Außenseiter werden ließ. Der markanteste Punkt, der ihn unentwegt verfolgte, war eigentlich eine Lappalie, doch die hatte es in sich: Nicht ein Einwohner wusste oder konnte sich erinnern, seit wann Jack im Dorf wohnte. Sein Studium und seine Heirat lagen Ewigkeiten zurück und die Ältesten in der Straße beharrten darauf, dass er bereits vor ihnen zugegen war und sich seitdem nur unwesentlich verändert hatte. Seltsamerweise bestätigten reife Semester die unglaubwürdigen Worte der Greise, weshalb etwas geschah, wofür keine Menschenseele eine plausible Erklärung besaß. Die Hausbesitzer und Mieter im Dorf wurden ohne Vorankündigung enteignet, angeblich entschädigt und gegen ihren Willen umgesiedelt. Für kurze Zeit lebte Jack Kennet allein in der Siedlung, aber nach und nach zogen Leute in das Dorf, die für ihn tätig waren und deshalb in die Gegend und zu ihm passten. Fortan war Jacks Eremitendasein beendet. Hätte sich ein Mensch in der Zeit danach die Mühe gemacht und nach dem Verbleib der zwangsumgesiedelten Bewohner gesucht, wäre er ohne es zu ahnen ins Verderben gerannt. Schuld daran war das Programm, welches von Jack Kennet durch einen Zufall entdeckt und zunächst rein aus Neugier nebenbei weiterentwickelt worden war. Jack gehörte in den Fünfzigern vom ersten Tag zu einem Team von Wissenschaftlern, das den Auftrag bekommen hatte, die menschliche DNA so schnell wie möglich zu entschlüsseln. Die Arbeit war am Anfang äußerst mühselig, doch jeder technische Fortschritt und leistungsstärkere PC half dabei, die Aufgabe früher als gehofft erfüllen zu können. Bewusst hatte Jack seine Erkenntnisse den Kollegen gegenüber verschwiegen, doch nachdem er erkannt hatte, was für eine Sensation er für die Menschheit in den Händen hielt, wandte er sich an die Regierung. Er tat es nicht Hals über Kopf, sondern mit Bedacht und Vorsicht, um nicht hintergangen oder ausgebootet zu werden. Er konnte weder gedrängt noch eingeschüchtert werden, denn sein Wissen befand sich ausschließlich in seinem Kopf. Es existierten keine Aufzeichnungen, Formeln und Protokolle, wodurch ihm der Status einer unantastbaren Person zuteilwurde. Über Nacht war Jack in den Sechzigern insgeheim der wichtigste Mann im Staat geworden, bedeutender als der Präsident. Dementsprechend bekamen seine Wünsche Priorität und deshalb erhielt er neben seinem Haus den Bunker, in dem er seine Forschungen fortsetzen und intensivieren konnte. Arbeitstechnisch hatte er ein Labor erhalten, dass moderner nicht sein konnte. Jack bekam für seine umfangreichen Forschungen alles, was er wollte, und sein Unterfangen erhielt eine nie dagewesene Einstufung. Die von ihm angestellten Experimente waren zu einem der höchsten Staatsgeheimnisse erklärt worden, die es jemals gegeben hatte. Eingeweiht waren nur Personen, die über die erforderlichen Sicherheitsstufen verfügten. Bei ihnen handelte es sich ausschließlich um Persönlichkeiten, die jederzeit ein Treffen und Gespräch mit dem Präsidenten vereinbaren und führen konnten. Der Zirkel umfasste keineswegs ranghohe Militärangehörige und Chefetagen von staatlichen Einrichtungen, sondern bestand nur aus den engsten Mitarbeitern des Staatsoberhaupts.

Kaum war das Labor in Jacks Haus fertiggestellt, übernahm die Regierung die Finanzierung seiner Forschungen. Dadurch wurden die wissenschaftlichen Arbeiten gefördert und gebilligt. Jack Kennet war somit durch einen Wink des Schicksals der Gründer des biologischen Abbauprojekts. In den für die Öffentlichkeit verschlossenen und unzugänglichen Akten lautete der Titel des einzigartigen Programms "The Biodegradation Project". Zu Beginn der siebziger Jahre gelang Jack schließlich der Durchbruch, für den er allerdings keinen Nachweis besaß. Der Umstand war sein Motiv, vorerst niemanden über den Erfolg zu informieren. Kein Mitarbeiter, weder ein Insider noch der Präsident erfuhren, dass er seine Arbeit abgeschlossen hatte. Um es belegen zu können, wurde nach ein paar erfolgreichen Tests an verschiedenen kurzlebigen Tieren ein Selbstversuch notwendig. Ohne über die Konsequenzen und eventuelle Nebenwirkungen nachzudenken, ging er ein unbekanntes Risiko ein, welches er für sich behielt. Er hatte sich eine Spritze mit der von ihm entwickelten Substanz gesetzt und war danach gezwungen zu warten. Die Wartezeit betrug nicht einige Minuten, eine Stunde oder mehrere Wochen, stattdessen musste er sich einige Jahre gedulden, um den errungenen wissenschaftlichen Fortschritt beweisen zu können. Am Tag des Selbstversuchs war Jack bereits fünfundsechzig Jahre alt. In den nachfolgenden Monaten gab er seinen Mitarbeitern Aufgaben, durch die er seinen Erfolg weiterhin für sich behalten, komplett verheimlichen und zudem perfektionieren konnte.

Schließlich begannen die wilden Achtziger und Jack war zehn Jahre älter geworden, ohne zu altern. Er hatte bei der Entschlüsselung der DNA in der menschlichen Bausubstanz Zellen gefunden, die für den Alterungsprozess verantwortlich waren. Er begann an ihnen zu forschen und später mit den Zellen Experimente durchzuführen. Bei einem der Versuche war ihm in den Erbinformationen ein Protein aufgefallen, dass eindeutig die Steuerzentrale des Alterns war. Bald darauf wurde ihm bewusst, dass er die Sequenz in dem Strang nicht entfernen konnte. Ohne sie wäre jedes Leben binnen kurzer Zeit zum Sterben verurteilt und den Menschen hätte eine Lebensdauer von noch nicht einmal zwölf Stunden erwartet. Es war in Bezug auf den menschlichen Organismus eine Zeitspanne, in der jede Form von Evolution keine Chance zu einer Weiterentwicklung besaß. Doch dafür hatte er während der Tests erkannt, dass es sich bewerkstelligen ließ, den Baustein in der Erbanlage zu bearbeiten und zu verändern. Jack war und arbeitete wie besessen an seinem Projekt, bis ihm schließlich das Unmögliche gelang. Er hatte nicht weder den Tod besiegt noch das ewige Leben erschaffen, ebenso wenig war es ihm gelungen, den Mensch gegen Krankheiten und Verletzungen immun zu machen. Stattdessen war es ihm vorbehalten, dass Dasein des Menschen um ein Vielfaches zu verlängern. Ersten Analysen zufolge konnten die künftigen Erdbewohner mit einer Lebenserwartung von drei- bis fünfhundert Jahren rechnen, wenn ihnen die Substanz des Lebenselixiers im ersten Jahr nach der Geburt verabreicht werden würde. Befand sich die lebensverlängernde Substanz einmal im Körper, begann sie das Gen und den Prozess des Alterns zu verlangsamen, indem sie die Zelle vor altersbedingten äußeren und körperlichen Einflüssen zu einer Regeneration animierte.

Perfekt war das Lebensserum dennoch nicht. Es konnte nur einmal gespitzt werden, da es ansonsten andere Erbanlagen negativ beeinflusst und geschädigt hätte. Ein weiterer Nachteil, der einerseits unbedeutend war, bestand darin, dass die Substanz für ältere Menschen nicht die gleiche Lebenserwartung bereithielt. Je später das Serum in den Körper gelangte, umso uneffektiver wurde es. Die Ursache lag am fortgeschrittenen Alter der Empfänger und dem Punkt, dass der Alterungsprozess durch das Elixier nicht gestoppt oder rückgängig gemacht wurde, sondern vor allem bei jungen Menschen deutlich langsamer ablief. Für Jack Kennet, der inzwischen fünfundsiebzig Jahre alt war und den Selbstversuch vor zehn Jahren gewagt hatte, bedeuteten die Fakten eine zusätzliche Lebenszeit von geschätzten sechzig Jahren, wenn er keine tödliche Krankheit bekommen oder einem Unfall zum Opfer fallen würde. Somit war die hinzugewonnene Lebenserwartung kein Grund zum Hadern, jedoch der Umstand, dass der Test an seinem Körper mit jedem vergangenen Jahr Dritten gegenüber schwerer zu vertuschen war. Im letzten Jahrzehnt hatte Jack nämlich keine Alterserscheinungen gezeigt, die bei seinem Jahrgang zu erwarten und normal gewesen wären. Er sah keinesfalls jünger aus, aber eben auch nicht älter. Darunter begann das Zusammenleben im Dorf und in den Laboren unter der Erdoberfläche das Arbeitsklima zu leiden. Die erloschene Gerüchteküche flammte wieder auf und immer mehr Mitarbeiter begannen sich von ihm zu distanzieren. Die aufgekommenen Spannungen blieben den überwachenden Stellen und somit auch der Regierung als Geldgeber nicht verborgen. Jack gelang es mit logisch klingenden Ausreden den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ohne dass er sich dazu gezwungen sah, den ungekrönten Erfolg seiner Forschung preiszugeben.

Damit hatte er die auf ihn zukommenden Probleme nicht gelöst, sondern nur Zeit für sich herausgeschunden. Weshalb er den erreichten Triumph allen Kollegen und Förderern immer noch verschwieg und sich nicht feiern ließ, bezog sich auf Fragen, die er sich selbst nicht beantworten konnte. Das Vertrauen der Regierung in Jacks Arbeit hatte wegen den Vorkommnissen vorübergehend gelitten. Ein gewaltiger Betrag war bis dahin in das Projekt investiert worden. Zu viel stand auf dem Spiel und immens waren die Erwartungen an das Ergebnis. Die Aussicht deutlich länger leben zu können, war zu lukrativ, um Jack Kennet zu verprellen. Obwohl die Ungeduld stets größer wurde, gab man klein bei, stimmte jedem seiner Anträge zu und ließ ihn nach Belieben schalten und walten. Umgekehrt fütterte Jack das Umfeld des Präsidenten mit Resultaten, die eine baldige Sensation versprachen. Um seinen Prophezeiungen Nachdruck zu verleihen, führte er sogar im Weißen Haus jährlich ein Experiment mit einer Pygmäengrundel vor. Der zwei Zentimeter große Fisch besaß eine Lebenserwartung von neunundfünfzig Tagen, doch noch bevor sich das Jahrzehnt geteilt hatte, sorgten die Tiere in einem abgeschotteten Trakt des Regierungsgebäudes für Furore. In jedem Jahr lebte das Versuchsexemplar ein paar Tage länger, wodurch es Jack gelang, alle Zweifel an seiner Person und Forschung zu beseitigen. Das für ihn die Luft eines Tages trotzdem dünn und dünner werden würde, behielt er jedoch in seinem Kopf, genauso wie die Formel des lebensverlängernden Serums.

Im vorletzten Jahr der Achtziger musste Jack öfter als ihm lieb war in Washington D. C. Rede und Antwort stehen. Die Gespräche drehten sich immer um das gleiche Thema, aber der Ton war eindeutig schärfer geworden. Er hatte die Ausdauer und Nachsicht sämtlicher Eingeweihten aufgebraucht und im Dezember das unverschämte Glück, dass ein neuer Präsident gewählt worden war. Dadurch und wegen unvorhergesehenen historischen Ereignissen auf dem Globus in den nachfolgenden Monaten blieb er in "Nowhere" von Maßregelungen und etwaigen Konsequenzen verschont. Unabänderlich blieb, dass die Zeit sich gegen ihn verschworen hatte, falls er sein Schweigen beibehalten würde. Am 15. Februar 1990 ereignete sich in dem auf keiner Landkarte verzeichnetem Dorf eine Nacht-und-Nebel-Aktion, die von den schlafenden Einwohnern und in der Nachtschicht tätigen Wissenschaftlern nicht bemerkt worden war. Seitdem galt der fünfundachtzigjährige Jack Kennet in der offiziell nichtexistierenden Siedlung als vermisst, doch in den Akten der Behörden war sein spurloses Verschwinden nicht registriert. Ein Jahr später wurde wegen des anhaltenden Misserfolgs das biologische Abbauprojekt eingestellt. Die unbekannte und nun unbedeutende Ortschaft "Nowhere" hatten Bagger kurz danach dem Erdboden gleichgemacht. Die Akten des "Biodegradation Projects" waren allerdings nicht vernichtet worden und blieben der Öffentlichkeit unzugänglich.

Jack Kennt war inzwischen stolze und nicht ansehbare einhundertfünfunddreißig Jahre. Kein Mensch vor ihm war älter geworden, doch wenn der Rest der Menschheit gewusst hätte, über welche Formel er verfügte, wären Milliarden von Leuten vor ihm auf die Knie gefallen, um deutlich länger leben zu dürfen. Nur Insidern war bekannt, welches Wissen und Geheimnis Jack in sich trug, doch Jack hatte sich absichtlich nicht mit den Behörden arrangiert. Er wollte nichts von ihnen, sondern sie von ihm, die Frage war, für wen und weshalb sie in den Besitz seiner lebensverlängernden Formel zu gelangen beabsichtigten: Zum Wohl der Allgemeinheit, den es so nicht geben konnte, aus Egoismus oder um die erlangte Macht beziehungsweise den Reichtum zu genießen, die zuvor erlangt worden waren.

 

2. Kapitel

Washington D. C., Januar 2040

P

räsident Allen McArther konnte zufrieden sein. Die von ihm abgegebenen Wahlversprechen waren umgesetzt worden, die Wirtschaft blühte, wodurch die Arbeitslosigkeit drastisch abgenommen hatte. Dem fortschreitendem Klimawandel wurde zwar zu spät mit grüner Energie entgegengesteuert, aber dafür befand sich das Bruttoinlandsprodukt auf einem nie dagewesenen Höhepunkt. Alles schien nahezu perfekt. Russland hatte den angezettelten Krieg in der Ukraine im fünften Jahr verloren und war immer noch dabei, die eigenen Wunden zu lecken. Vielleicht war China erst dadurch sanfter und gesprächsbereiter geworden. Corona hatte die Grippe längst als dominante Krankheit abgelöst, im Iran war das Mullah-Regime gnadenlos zusammengebrochen und einige Diktatoren waren unerwartet und nicht nur deshalb erfreulicherweise verstorben. Kurzum: Die Welt befand sich trotz nach wie vor vielen vorhandenen Sorgen in einer Art Aufbruchstimmung.

Eines war und blieb sonderbar: Der Mensch hatte in Hinsicht auf das Sterben vielfältige Probleme, während er sich als unfähig erwies, sich Gedanken über die Zeit vor seiner Geburt zu machen. Das dem menschlichen Individuum vorbestimmte Ableben beinhaltete zahlreiche seelische, weltliche und überirdische Emotionen: Angst vor dem Tod, der Glaube an Gott, die Zuversicht an ein Leben danach, die Eingebung schon einmal gelebt zu haben. Das Dasein der Erdenbürger war mit dem Himmel, der Hölle, Ritualen, okkulten und paranormalen Aktivitäten verbunden. Das betraf die gesamte Zivilisation, auch Querdenker und Verschwörungstheoretiker waren davon betroffen. Erzählungen, die vom Tod berichten, hatten sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte gezogen. Vielleicht wurde deshalb schon vor Jahrtausenden der Traum vom ewigen Leben geboren und er war bis in die Gegenwart nicht gestorben. Es waren Wissenschaftler des Erbguts, die sich gefragt hatten, warum der Mensch sterblich bleiben sollte. Ihr Motiv war, dass die fortwährende Illusion vom unvergänglichen Leben unsterblich zu sein schien. Allgemein war bereits länger bekannt, dass es der Wissenschaft eines Tages gelingen würde, die DNA des Menschen zu entschlüsseln.

---ENDE DER LESEPROBE---