Manuelle Therapie, Manuelle Medizin, Osteopathie - Claudia Winkelmann - E-Book

Manuelle Therapie, Manuelle Medizin, Osteopathie E-Book

Claudia Winkelmann

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Beschreibung

CanMEDS in der Gesundheitsversorgung Fachliche Expertise, klinische Kompetenz und Outcome-Orientierung sind die Zielvorgaben für die Expert*innen der Gesundheitsberufe, um eine qualitativ hohe Gesundheitsversorgung im interdisziplinären Team sicher zu stellen. Dies gelingt ihnen in ihren Rollen als Medical Expert, Health Advocate, Professional, Collaborator, Communicator, Scholar, Manager (CanMEDS-Rollenkonzept). In der klinischen Praxis ist es immer ein Mix an Kompetenzen, der zur Problemlösung führt. Nach einer Einführung zu CanMEDS orientieren sich die Bände der Reihe an den Tätigkeiten der Berufsgruppen, strukturell sind sie mit Grafiken und Fallbeispielen übersichtlich gestaltet. Manuelle Therapie, Manuelle Medizin und Osteopathie beeinflusst gezielt das propriozeptive System und die Sensomotorik und optimiert damit die sensomotorische Regulation. Propriozeptive Reize wirken zudem direkt schmerzhemmend auf das Zentralnervensystem. Manuelle Techniken werden primär an Gelenken, myofaszialen Strukturen und Viszera appliziert. Häufig werden die Reize mit gezielter segmentaler Zuordnung gesetzt.

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Claudia Winkelmann

Lothar Beyer

Petra Günther

Manuelle Therapie, Manuelle Medizin, Osteopathie

Wissen – Kompetenz – Performanz

Manuelle Therapie, Manuelle Medizin, Osteopathie

Claudia Winkelmann, Lothar Beyer, Petra Günther

Programmbereich Gesundheitsberufe

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Gesundheitsberufe

Jutta Berding, Osnabrück; Sophie Karoline Brandt, Bern; Heidi Höppner, Berlin; Heike Kubat, Feldbach; Christiane Mentrup, Zürich; Sascha Sommer, Bochum; Birgit Stubner, Erlangen-Nürnberg; Ursula Walkenhorst, Osnabrück; Claudia Winkelmann, Berlin

Claudia Winkelmann, Prof. Dr. rer. med., Professorin für Betriebswirtschaft und Management, Alice-Salomon-Hochschule Berlin

Lothar Beyer, Prof. Dr. med. habil., Facharzt für Physiologie und Herausgeber der Fachzeitschrift „Manuelle Medizin“

Petra Günther, MSc Gesundheitspädagogik/Health Education, Physiotherapeutin

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

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Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Gesundheitsberufe

z. Hd.: Barbara Müller

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel: +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Barbara Müller

Herstellung: Daniel Berger

Umschlagabbildung: Cavan Images, Getty Images

Umschlag: Verlags-Herstellung

Satz: Claudia Wild, Konstanz

Format: EPUB

1. Auflage 2024

© 2024 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96333-4)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76333-0)

ISBN 978-3-456-86333-7

https://doi.org/10.1024/86333-000

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Zitierfähigkeit: Dieses EPUB beinhaltet Seitenzahlen zwischen senkrechten Strichen (Beispiel: |1|), die den Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe und des E-Books im PDF-Format entsprechen.

Inhaltsverzeichnis

CanMEDS – Die Zukunft im Gesundheitssystem

Einführung zur Rolle als Medical Expert für Gesundheitsversorgung

Tipp zur Nutzung des Buches

1 Wissen – Kompetenz - Performanz

1.1 Übersicht der Aspekte

2 Untersuchung und Assessment

2.1 Übersicht der Instrumente

3 Entscheidung und Planung

3.1 Übersicht der Instrumente

4 Durchführung und Intervention

4.1 Übersicht der Instrumente

5 Verlaufskontrolle und Evaluation

5.1 Übersicht der Instrumente

6 Schlusswort

Literatur

Weiterführende Literatur

Autorinnen und Autor

|7|CanMEDS – Die Zukunft im Gesundheitssystem

|8|Von allen in der Gesundheitsversorgung beteiligten Berufsangehörigen werden heute nicht nur fachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten erwartet. Mehr noch: Therapeut:innen1, Pflegende und Ärzt:innen haben selbst den Anspruch sinnstiftender Tätigkeit und wollen bspw. auf Augenhöhe im interdisziplinären Team oder in Vertretung für die ihnen anvertrauten Patient:innen aktiv sein. Das sogenannte CanMEDS Rollenkonzept spiegelt diese Vielfalt der Berufsrollen wider. CanMEDS wurde ursprünglich in Canada als Rahmenkonzept für die allgemeinmedizinische Ausbildung entwickelt. Zwischenzeitlich dient es sowohl in verschiedenen Ländern in der Medizinausbildung als auch für die therapeutischen Qualifikationen als Grundlage für die Curricula und lebenszyklusorientierte Personalentwicklung. Das Modell umfasst sieben Berufsrollen (Tabelle 1).

|9|Tabelle 1:  CanMEDS Rollen im Überblick

CanMEDS-Rollenbezeichnung

Anwendungsbezug

Aktivität

Praxis

Medical Expert

Expert:in

primär patientennah

berufsspezifische Tätigkeit

Health Advocate

Sozialarbeiter:in

primär patientennah

Stärken der Selbstwirksamkeit, Aufzeigen von Potenzialen

Professional

Professionsangehörige:r

primär patientennah

ethisches, empathisches, respektvolles und gesellschaftsorientiertes Handeln

Collaborator

Teamplayer

primär patientenfern

aktives Mitwirken im Behandlungsteam

Communicator

Kommunikator:in

primär patientenfern

Sammeln, Aufbereiten und adäquates Weitergeben von Informationen

Scholar

Wissensmanager:in

primär patientenfern

lebenszyklusorientierte, selbstmotivierte berufliche Entwicklungsarbeit inkl. der Erfahrungsweitergabe

Manager

Verantwortungsträger:in

primär patientenfern

Organisation, Innovation und Anpassung von Strukturen und Versorgungsprozessen

Nach dem Verständnis des Rollenmodells kann keine der Berufsrollen eigenständig für sich stehen. Das Rollenmodell ermöglicht eine gewisse Ordnung und Strukturierung. Mit ihm kommt zum Ausdruck, dass sich die notwendigen Kompetenzen für eine optimale Gesundheitsversorgung überschneiden. Dennoch können diesbezügliche Kernaspekte identifiziert werden (siehe Abbildung E-1). Die einzelnen Titel dieser Buchreihe sind den jeweiligen Berufsrollen zugeordnet und unterstützen deren Entfaltung.

|10|

Abbildung E-1:  Zusammenhang der Berufsrollen zur optimalen Gesundheitsversorgung

1

In diesem Buch verwenden wir unterschiedliche Schreibweisen, um geschlechtsneutral zu bleiben. Auch wenn wir zumeist aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Sprachform oder eine neutrale Form bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwenden, impliziert dies keinesfalls eine Benachteiligung der jeweiligen anderen Geschlechter.

|11|Einführung zur Rolle als Medical Expert für Gesundheitsversorgung

|12|Es liegt nahe, dass die Rolle Expert:in für Gesundheitsversorgung eine besondere Stellung im CanMEDS-Konzept einnimmt (Abbildung E-1). Nach dem CanMEDS-Verständnis kann sich Experte nur nennen, wer sich der weiteren Rollen bewusst ist und auch hierin Expertise erlangt. Ebenso wird eine grundständige Qualifikation für einen Beruf in der Gesundheitsversorgung als Basis angenommen. So muss beispielsweise die Physiotherapeutin auch die Organisation der eigentlichen Intervention wie Raum, Materialien oder Terminierung, aber auch die Kommunikation mit anderen Berufsgruppen oder den Teammitgliedern im Blick haben. Erst das Zusammenspiel und Ausfüllen aller Rollen macht den Gesundheitsexperten aus. Nicht selten – und das belegen auch Untersuchungen unter den Berufsangehörigen der Gesundheits- und Gesundheitsfachberufe – werden die mit den anderen Rollen verbundenen Aufgaben als weniger wichtig angesehen oder sogar bewusst oder unbewusst abgelehnt, z. B. die Rolle „Manager“. Dabei handelt es sich häufig um eine Haltung oder Einstellung. Interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit, Kommunikation, reibungsarme Organisation der Abläufe, Einhaltung von Vereinbarungen, Empathiefähigkeit, keine Allmachtsphantasien, Selbstfürsorge, Wille zum lebenslangen Lernen und zur Weitergabe von Wissen, wertschätzende Kommunikation mit allen Beteiligten sind quasi Grundlagen für das funktionierende Miteinander in der Gesundheitseinrichtung und bereiten somit den Boden für die optimale Versorgung der anvertrauten Patient:innen.

Die Berufsangehörigen der Gesundheitsberufe und Gesundheitsfachberufe erfüllen mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten eine durch nichts zu ersetzende Funktion in der Gesellschaft – dies speziell auch mit Blick auf die demografische Entwicklung, den medizinisch-technischen Fortschritt und die Zunahme der Komplexität von Gesundheit und Krankheit. Dabei stehen die bio-psycho-sozio-kulturellen Aspekte der anvertrauten Patient:innen im Mittelpunkt aller Maßnahmen und Konzepte der Versorgung. Gleichwohl sind ethische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen einzuhalten. Damit wird wissenschaftliches Denken und Handeln notwendig im Spiegel der Praxis und uneingeschränkter Reflexionsbereitschaft.

Die Rolle Expert:in für Gesundheitsversorgung umfasst im Kern medizinisches Fachwissen (übergreifend und disziplinär), wissenschaftliches Arbeiten (Forschung, Recherche), fachpraktische Fähigkeiten und Fertigkeiten (Intervention, Behandlung) sowie klinische Entscheidungsfindung (Bewertung, Vorausschau, Verantwortungsübernahme). Der Einsatz bezieht sich auf den ambulanten, teilstationären und/oder vollstationären Versorgungssektor in Prävention und Gesundheitsförderung, Kuration, Rehabilitation und/oder Palliation. Aufgrund der extremen Ausdifferenzierung sind Expert:innen für Gesundheitsversorgung erforderlich. Sie sind wissenschaftlich fundiert in Theorie und Praxis aus-, fort- und weitergebildet. Sie üben ihren gewählten Beruf eigenverantwortlich und selbstständig aus, sorgen in diesem Zusammenhang eigenständig für umfassenden Erkenntnisgewinn und nehmen Gelegenheit zur Fort- und Weiterbildung wahr, so z. B. im Rahmen von Zertifikatskursen, Einzelseminaren oder Kongressen. Ausschlaggebend aber ist die Performanz, das heißt das gelingende Anwenden von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie das professionelle Verhalten gegenüber allen Beteiligten und sich selbst im Sinne der Selbstfürsorge.

|13|Relevantes Wissen, Forschung und Recherche, klinische Fähigkeiten und Fertigkeiten in Prävention, Kuration, Rehabilitation und Palliation sowie ethische Grundhaltungen und ein positives Menschenbild prägen die Rolle Expert:in für Gesundheitsversorgung. Die inhaltlichen Aspekte sind einerseits das erkrankungsbezogene Wissen zu

Begrifflichkeit,

Epidemiologie,

Pathophysiologie,

Ätiologie,

Klinik,

Diagnostik,

Therapie,

Prognose,

Prävention und

Versorgungspfaden.

Andererseits geht es um die erkrankungsbezogene Handlungskompetenz in

diagnostischen Verfahren,

therapeutischen Verfahren und Maßnahmen,

Erste-Hilfe-Maßnahmen und Notfallmaßnahmen und

Präventionsmaßnahmen.

In diesem Fachbuch wird der Fokus auf erkrankungsbezogenes Wissen gelegt mit dem Wunsch, dass aufgrund der Verwendung zahlreicher Beispiele, Praxisbezüge und Vorlagen die Anwendung in der Praxis gelingt und damit die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Handlungskompetenz gefördert wird.

Abbildung E-2:  Grundlegender Gesundheitsversorgungsprozess

Ziel ist es, dass Pflegekräfte, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Ärzt:innen als Expert:innen für Gesundheitsversorgung unter Integration aller CanMEDS-Rollen eine ihrem Berufsstand und Ausbildungsgrad entsprechende, ethisch fundierte, patient:innen- und klient:innen-zentrierte Gesundheitsversorgung realisieren und zwar entlang des gesamten Gesundheitsversorgungsprozesses (Abbildung E-2). Dieser hier im Fachbuch zugrunde gelegte Prozess setzt auf einem Fundament an Wissen sowie dem Willen, dieses Wissen in der Gesundheitsversorgung anzuwenden, auf. Er verläuft dann vom ersten Patient:innen- bzw. Klient:innenkon|14|takt mit der Untersuchung und Befunderhebung über die Therapiezielformulierung und -planung, die Maßnahmenauswahl und -durchführung bis hin zur Verlaufskontrolle und Evaluation. Die im Zuge des Gesundheitsversorgungsprozesses gewonnenen Erkenntnisse fließen wiederum als interne und externe Evidenz in das Fundament ein und bilden somit einen erweiterten Ausgangspunkt für den nächsten Zyklus. Dazu sind Expert:innen für Gesundheitsversorgung unter dem Wirtschaftlichkeitsgebot in der Lage, präventive, diagnostische, therapeutische, rehabilitative und/oder palliative Maßnahmen angemessen, effektiv und effizient einzusetzen.

Hierfür nutzen sie ihre Kompetenz in den weiteren CanMEDS-Rollen (Winkelmann & Helmer-Denzel, 2021; Winkelmann & Rogalski, 2021; Winkelmann & Helmer-Denzel, 2022; Winkelmann & Görgner, 2023).

Jeder einzelnen der fünf Phasen sind Definitionen, Instrumente, Modelle und Ansätze zugeordnet, die für die Realisierung der betreffenden Phase besonders relevant scheinen. Die Zuordnung ist je nach Betrachtungsweise zum Teil variabel und zur optimalen Gesundheitsversorgung haben alle Phasen gleichermaßen Gewicht.

Das Buch ist eine Einladung, sich als Expert:in für Gesundheitsversorgung zu begreifen, zu reflektieren und sich sowohl persönlich als auch fachübergreifend weiterzuentwickeln. Dies ist insbesondere in der Verantwortung als aktiv Mitwirkende in der Gesundheitsversorgung und der Beziehungsgestaltung mit Patient:innen, Klient:innen, Angehörigen und anderen Akteur:innen im Gesundheits- und Sozialwesen bedeutsam.

|15|Tipp zur Nutzung des Buches

|16|In diesem Buch wird mit Blick auf die weiter zunehmende Komplexität der Versorgung im Gesundheitswesen die Rolle Medical Expert (Gesundheitsexpertin und -experte) fokussiert. Die fünf Kapitel des Buches sind entlang eines einfachen Modells des Gesundheitsversorgungsprozesses (hier mit Fokus auf die Manuelle Therapie aus Sicht der Physiotherapie) angelegt. Dieses heuristische Modell dient der Strukturierung.

Zunächst führt jedes Kapitel theoretisch in die jeweilige Prozessphase ein. Im Kapitel selbst – also einer Phase im Rahmen der Manuellen Therapie – werden inhaltliche Aspekte, die in dieser Phase relevant sind, näher beleuchtet. Dabei handelt es sich um spezielle Definitionen, Instrumente und Denkansätze. Diese Aspekte werden anschließend in inhaltlicher Reihenfolge beschrieben. Wesentlich ist, dass die getroffene Auswahl keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Vielmehr soll damit eine Grundlage geschaffen und die Anregung zur weiteren Vertiefung und zum Praxistransfer gegeben werden. Zu jedem Inhalt gibt es weitere Beispiele, um die Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Wenn Sie bereits Lösungen erarbeiten mit Patienten, die an Funktionsstörungen oder Schmerzen erkrankt sind, dann kann dieses Fachbuch eine Art Bestätigung sein. Mit der Vielfalt im Buch möchten wir Sie gern inspirieren, auch neue und weitere Ansätze kennenzulernen, andere Instrumente auszuprobieren und für die erfolgreiche Gesundheitsversorgung einzusetzen.

Die Fachbuch-Reihe „Gesundheitsversorgung mit CanMEDS“ möchte an die einzelnen CanMEDS-Rollen heranführen. Damit sich dieser Anspruch erfüllt, wird im Buch auf einen starken Theorie-Praxistransfer mit Anwendungsbeispielen geachtet. Den Duktus haben wir bewusst „backrezeptartig“ gehalten. Neben kurzen Texten im immer gleichen Aufbau: Synonym, Definition, Prinzip und Praxistipp, finden Sie zu jedem Aspekt eine ergänzende Grafik, Abbildung, Tabelle oder weiteres Material. Einerseits soll damit das Verständnis erleichtert werden. Andererseits können Abbildungen und Tabellen auch als Muster oder Kopiervorlage dienen, z. B. im Rahmen der Dokumentation, Aufklärung und Edukation. Damit können Sie sich mit der anspruchsvollen Rolle Medical Expert, insbesondere Medical Expert für Manuelle Therapie, Manuelle Medizin und Osteopathie bei Funktionsstörungen und Schmerz, auseinandersetzen und eigene Situationen reflektieren. Hierfür wird in diesem Fachbuch mit Querverweisen innerhalb des Buches sowie auf die bereits verfügbaren Titel der Reihe mit weiteren CanMEDS-Rollen gearbeitet. Zudem haben wir am Ende des Buches die verwendete Literatur zur weiteren Vertiefung aufgelistet. 

|17|1  Wissen – Kompetenz - Performanz

|18|In diesem Kapitel des Fachbuchs (Abbildung 1-0) soll ein breites und tiefes Wissensfundament gelegt werden. Es ist Voraussetzung für Kompetenz, also das Anwenden des Wissens im Rahmen der Manuellen Therapie, und die notwendige Performanz, d. h. die erfolgreiche Patientenversorgung.

Abbildung 1-0:  Grundlegender Gesundheitsversorgungsprozess

Manuelle Medizin basiert auf neurophysiologischen und biomechanischen Zusammenhängen. Gestörte sensomotorische Regulation (S. 36) führt zu segmentalen Dysfunktionen (S. 58). Auf spinaler Ebene entstehen über die segmentale Zuordnung somatosensorische und vegetative Fehlleistungen. Klinisch zeigen sich lokale Schmerzen (S. 38), „Referred-pain“-Syndrome sowie diffuse viszerale Beschwerden. Über myofasziale Strukturen (S. 62) können diese Fehlfunktionen in andere Körperregionen übertragen werden und von dort ausgehend wiederum über die segmentalen neuronalen Verschaltungen weitere Folgeerscheinungen nach sich ziehen. Diese Zusammenhänge sind Gegenstand der Manuellen Medizin und Manuellen Therapie.

Der therapeutische Erfolg manueller Interventionen entsteht durch gezieltes Beeinflussen des propriozeptiven Systems, wodurch die sensomotorische Regulation verbessert werden kann. Propriozeptive Reize wirken zudem direkt schmerzhemmend im Zentralnervensystem (ZNS). Primäre Zielorgane der manuellen Techniken sind Gelenke (S. 78), myofasziale Strukturen und auch die Viszera. Es werden propriozeptive Reize mit gezielter segmentaler Zuordnung gesetzt.

Das Verständnis der neurophysiologischen und biomechanischen Zusammenhänge ist für die Differenzialdiagnose essenziell, insbesondere bei scheinbar inkonsistenter Befundkonstellation. Auch strukturelle Pathologien können reflektorisch zu Dysfunktionen (S. 42) führen. Ob die strukturelle Pathologie oder die Dysfunktion führend für das klinische Bild verantwortlich ist, lässt sich häufig durch eine probatorische Manuelle Therapie beurteilen. Ist die Manuelle Therapie indiziert und wird sie sauber durchgeführt, besteht ein exzellentes Nutzen-Risiko-Verhältnis für den Patienten bzw. die Patientin.

Manuelle Therapie und osteopathische Therapie sind die von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten erbrachten Leistungen der Manuellen Medizin, Funktionsmedizin (S. 32) und Osteopathie. Alle manualtherapeutischen Konzepte (S. 24) befassen sich mit dem gezielten Untersuchen und Behandeln von Funktionsstörungen (S. 52) und Schmerzen (S. 38) des Bewegungssystems.

|19|Das Bewegungssystem besteht aus dem Bewegungsapparat (Skelett, Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bindegewebe), der funktionell verbunden ist. Er wird durch das ZNS mit den auf- und absteigenden Nervenbahnen unter Einbezug aller sensorischen Informationen über Propriozeptoren und die speziellen Sinnesorgane kontrolliert und gesteuert. Die menschliche Bewegung setzt sich aus Reflexmotorik und Willkürbewegung zusammen. Die Haltung (Stabilität) ist Bestandteil jeder Bewegung (Dynamik).

Manuelle Medizin und Osteopathie werden häufig synonym verwendet. Osteopathie, wenn sie sich nicht als Bestandteil und Erweiterung der Manuellen Medizin versteht, betont die Selbstheilungskräfte des Organismus. Sie basiert neben medizinisch-wissenschaftlichen Grundlagen auch auf Vorstellungen, die mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar sind, wie z. B. dem primären respiratorischen Rhythmus.

Eine der Wurzeln der Manuellen Medizin, wie sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland eingeführt wurde, ist die von A. T. Still in den USA in den 1870er-Jahren begründete Lehre der Osteopathie. Dabei wird mit Handgrifftechniken verschiedenster Art (ursprünglich aus einer Volksmedizin entstanden) auf fast alle Lebensvorgänge des Körpers Einfluss genommen. Viele der sogenannten osteopathischen Techniken sind wirksam anzuwenden und nutzen neurophysiologisch nachvollziehbare Denkmodelle. Da „Osteopathie“ auch allgemein die Bezeichnung für eine Knochenerkrankung (von altgr. ὀστέον, ostéon, „Knochen“ und πάθος