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Was wäre, wenn Jane Austen selbst ihre Geschichten erzählen könnte? In diesem Buch nimmt uns die unvergängliche Meisterin des Regency-Romans mit auf eine Reise durch ihr Leben: Von ihrer Kindheit im ländlichen Steventon über die Herausforderungen und Freude des familiären Lebens bis zu den stillen, doch produktiven Jahren in Chawton, wo einige ihrer größten Werke entstanden. Mit ihrem unverwechselbaren Witz, ihrer scharfsinnigen Beobachtungsgabe und einem Hauch von Melancholie teilt Jane Austen ihre Ansichten über Liebe, Gesellschaft und die Kunst des Schreibens, und gibt uns dabei einen Einblick in die Welt, die sie zu ihren zeitlosen Romanen inspiriert hat. Doch das ist nicht alles. In einem fiktiven Dialog mit ihren heutigen Lesern beantwortet Jane die großen und kleinen Fragen, die wir uns immer wieder gestellt haben: Wie hätte sie unsere moderne Welt gesehen? Was denkt sie über die heutigen Rollenbilder von Frauen? Und welche Ratschläge hätte sie für die Liebe und das Leben im 21. Jahrhundert? "Ich habe immer daran geglaubt, dass eine gute Geschichte die Herzen der Menschen erreichen kann, egal, in welcher Zeit sie leben." Jane Austen Eine Hommage an die wohl brillanteste Erzählerin ihrer Zeit, und ein Buch, das Jane Austen Fans eine neue, inspirierende Perspektive auf ihr Leben und Werk bietet.
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Seitenzahl: 295
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Vorwort
Vorwort Jane Austen
Einführung
Kapitel 1 : Kindheit in Steventon
Kapitel 2: Zwischen den Welten
Kapitel 3: Die Geburtsstunde von
Stolz und Vorurteil
Kapitel 4: Leben in Bath
Kapitel 5: Mein bescheidenes Leben in Chawton
Kapitel 6: Der Schatten des Abschieds
Kapitel 7: Sie fragen - Jane antwortet
Kapitel 8: Bücher, die ich geliebt habe
Kapitel 9: Unvollendete Geschichten
Kapitel 10: Jane Austen in Kürze
Anhang
Epilog
Nachwort
Zugabe: Eine Kurzgeschichte von Jane Austen
Rezensionen von Janes Familie
Dankesworte
Autoreninformationen
Mein Etsyshop
Leseliebe
Meine Bücher
Wer mich kennt, der weiß: Meine Liebe zu Jane Austen geht weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Sie ist für mich nicht nur eine Lieblingsautorin – sie ist eine Quelle der Inspiration, eine Vertraute und eine Zeitreiseführerin in eine Welt, die zugleich so fern und doch so nah scheint. Ich sammle leidenschaftlich alte Ausgaben ihrer Werke, jedes Buch ein kleines Stück Geschichte, das ich in Händen halten darf. Jedes Mal, wenn ich eine vergilbte Seite umblättere, frage ich mich: Wer hat dieses Buch vor mir gelesen? Hat es jemanden getröstet, inspiriert oder zum Lachen gebracht? Und ich hoffe, dass es auch mich weiterhin mit Jane Austen verbindet – einer Frau, die mit ihrer Feder Welten erschaffen hat, die noch heute lebendig sind. Auch in meinem eigenen Schreiben hat sie mich begleitet. Ihre Klarheit, ihr Humor und ihre scharfsinnige Beobachtungsgabe sind für mich der Maßstab, an dem ich mich immer wieder orientiere. Dieses Buch ist also nicht nur eine Hommage an sie, sondern auch eine Fortsetzung meiner Reise als Janeite – als jemand, der ihre Werke liebt und bewundert, und als jemand, der versucht, ihrem Geist gerecht zu werden. Was erwartet Sie hier? Eine Biographie, aber keine typische. Dieses Buch ist ein Versuch, Jane Austen mit meinen Augen zu sehen – und mit den Augen derer, die sie damals und heute lieben. Mit fiktiven Briefen, unvollendeten Geschichten und kleinen Ausflügen in ihre Welt lade ich Sie ein, Jane nicht nur als Autorin, sondern auch als Frau, Schwester und Freundin kennenzulernen. Dabei habe ich versucht, auf Grundlage historischer Aufzeichnungen und der Werke, die sie uns hinterlassen hat, ein möglichst lebendiges Bild von Jane Austen und ihrer Welt zu zeichnen. Dort, wo die Fakten uns im Dunkeln lassen, habe ich behutsam spekuliert und interpretiert – immer in der Absicht, dem Geist ihrer Zeit und ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Ich hoffe, dass Sie sich beim Lesen genauso zu Hause fühlen wie ich – als hätten Sie Jane Austen selbst an Ihrer Seite, mit all ihrem Charme, Witz und Scharfsinn. Denn was könnte schöner sein, als Zeit mit ihr zu verbringen?
Mit all meiner Zuneigung zu Jane und ihren Lesern,
Tina Müller
Meine lieben Leserinnen und Leser,
es ist wahrlich eine Überraschung – und ich wage zu behaupten, für viele von Ihnen ebenso unerwartet wie für mich selbst –, dass ich in der Lage bin, zu Ihnen zu sprechen. Dass ich, Jane Austen, die seit über zwei Jahrhunderten im beschaulichen Frieden der Ewigkeit verweile, nun auf wundersame Weise die Feder erneut in die Hand nehme, erscheint mir nicht minder sonderbar, als es Ihnen erscheinen mag. Und doch bin ich hier, und es erfüllt mich mit der größten Freude, wieder einmal mit Ihnen, meinen treuen und unermüdlichen Lesern, zu kommunizieren.
Seit meiner Abreise aus der irdischen Welt hat sich so vieles verändert. Ich hörte, dass mein Name und meine Werke einen beständigen Platz in den Herzen vieler gefunden haben – wahrlich, ich fühle mich geehrt! Doch ich habe auch erfahren, dass mein Leben oft durch das Prisma von Spekulationen und unvollständigen Anekdoten betrachtet wurde. Es scheint, dass man mir Eigenschaften zugeschrieben hat – sowohl tugendhafter als auch weniger schmeichelhafter Art –, die mich manchmal amüsieren, manchmal verwundern. Nicht jede Interpretation meines Lebens mag der Wahrheit nahekommen, doch ich erkenne mit einem Schmunzeln, dass dies wohl das Schicksal jeder Schriftstellerin ist, deren Worte die Zeit überdauern.
Mit diesem Buch möchte ich, wenn Sie es mir gestatten, meinen eigenen Bericht geben. Eine Biographie, wenn Sie so wollen, aus meiner eigenen Hand. Ich schreibe diese Zeilen nicht, um mich zu rechtfertigen oder gar, um Ruhm zu suchen – denn ich hoffe, Sie werden mir glauben, wenn ich sage, dass ein Geist keinerlei Interesse an eitlen Dingen hat –, sondern um Ihnen einen ehrlichen Einblick in mein Leben und meine Gedanken zu gewähren. Und, nicht weniger wichtig, um Ihnen zu danken.
Ja, Ihnen, meine Leserinnen und Leser! Sie haben meine Werke nicht nur bewahrt, sondern sie mit neuem Leben erfüllt, Generation um Generation.
Sie haben Stolz und Vorurteil, Emma und die anderen Romane nicht als verstaubte Relikte einer vergangenen Zeit behandelt, sondern als lebendige Geschichten, die auch in Ihrer Welt, so fremd sie meiner erscheinen mag, Bedeutung finden. Ihre Liebe zu meinen Charakteren – sei es die entschlossene Elizabeth Bennet oder die wohlmeinend irrende Emma Woodhouse – hat sie am Leben erhalten, und ich bin Ihnen dafür zutiefst dankbar.
In den Kapiteln, die folgen, werde ich Sie durch mein Leben führen – von meinen glücklichen Tagen in Steventon über die Jahre in Bath und Southampton bis hin zu meinen produktivsten und zugleich bescheidensten Tagen in Chawton. Es ist mir ein besonderes Vergnügen, Ihnen Einblicke in die Entstehung meiner Romane zu geben, in die Inspirationen, die sie nährten, und in die Herausforderungen, die sie begleiteten.
Doch das ist nicht alles. Da Sie, meine verehrten Leser, offenbar neugierig auf meine Ansichten und Gedanken sind, werde ich mir erlauben, einige Ihrer Fragen zu beantworten. Sie dürfen gespannt sein: Was halte ich von Ihrer modernen Welt? Was denke ich über die seltsamen Gerätschaften, die Sie „Internet“ und „Smartphone“ nennen? Und wie sehe ich die Rolle der Frau, die sich in Ihrer Gesellschaft so dramatisch verändert hat?
Lassen Sie mich Ihnen außerdem einige Werke empfehlen – sowohl solche, die ich zu meiner Zeit geschätzt habe, als auch solche, von denen ich gehört habe, dass sie Ihre Welt erobert haben. Schließlich werde ich Ihnen Einblicke in jene Geschichten geben, die ich zwar zu Papier bringen wollte, doch die das Schicksal mir verwehrte.
Es ist für mich eine besondere Ehre, in einem Jahr, das für mich von großer Bedeutung ist, zu Ihnen zu sprechen – im Dezember 2025 werde ich meinen 250. Geburtstag feiern. Dass meine Werke über diese lange Zeitspanne hinweg Bestand hatten, erfüllt mich mit einer Dankbarkeit, die keine Worte ganz auszudrücken vermögen.
Mein größter Wunsch ist es, dass dieses Buch Ihnen Freude bereitet, wie auch meine Romane es hoffentlich tun. Es ist ein kleines Experiment, ein Dialog über die Jahrhunderte hinweg. Lassen Sie uns sehen, ob mein Geist und Ihr Verstand sich auf halbem Wege treffen können.
Mit all meiner Wertschätzung und dem Respekt, den ich Ihnen, meinen geschätzten Lesern, entgegenbringe,
Ihre ergebene Schriftstellerin,
Jane Austen
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Schriftsteller nicht ganz tot sein kann, solange jemand noch seine Bücher liest – oder über ihn schreibt. Ich danke Ihnen also dafür, mein lieber Leser, dass Sie mir ein weiteres Leben schenken, indem Sie dieses
Werk zur Hand nehmen. “
– frei nach Jane Austen
Jane Austen. Ihr Name steht für spritzige Dialoge, scharf beobachtete Gesellschaftsstudien und Charaktere, die uns auch nach über zweihundert Jahren noch begleiten. Sie zählt zu den meistgelesenen und am meisten geschätzten Schriftstellerinnen der Welt. Ihre Romane – von Stolz und Vorurteil bis Emma – haben Generationen von Lesern begeistert und die Regency-Ära für uns unvergesslich gemacht.
Doch wie viel wissen wir wirklich über die Frau hinter diesen zeitlosen Werken? Jane Austen lebte ein relativ kurzes und, nach außen hin, unspektakuläres Leben. Sie veröffentlichte ihre Romane anonym und wurde erst posthum berühmt. Ihre Briefe und biographischen Notizen, die uns geblieben sind, geben nur einen flüchtigen Einblick in ihre Persönlichkeit – vieles davon wurde von ihrer Familie vernichtet. Diese Lücken haben die Fantasie zahlloser Leser und Biographen beflügelt.
Dieses Buch wagt ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn Jane Austen die Gelegenheit gehabt hätte, ihre eigene Geschichte zu erzählen? Was, wenn sie – mit ihrem Geist, ihrem Humor und ihrer unverwechselbaren Stimme – ihre Memoiren hätte schreiben können?
Natürlich handelt es sich hierbei nicht um eine echte Autobiographie. Jane Austen kann diese nicht mehr selbst schreiben, so sehr wir uns das auch wünschen mögen. Doch die Idee dieses Buches ist es, ihr Leben und ihre Gedanken auf eine neue, fiktive Weise lebendig werden zu lassen.
Mit einem tiefen Respekt für ihre Werke, ihre Stimme und ihre Persönlichkeit habe ich mir erlaubt, Jane Austen wieder „zu Wort kommen“ zu lassen – als Erzählerin ihres eigenen Lebens und ihrer Gedanken.
Dieses Buch bietet eine facettenreiche Annäherung an Jane Austen – ihr Leben, ihre Werke und ihren zeitlosen Einfluss. Es erzählt von ihrer Welt und den Inspirationen, die hinter ihren unvergesslichen Romanen stehen, und lässt sie in fiktiven Briefen selbst zu Wort kommen. Dabei beantwortet sie Fragen von Lesern mit ihrem typischen Witz, ihrer Weisheit und feiner Ironie.
Ebenso finden sich Einblicke in die Bücher, die Jane Austen liebte oder die sie vielleicht geschätzt hätte. Ergänzt wird dies durch einen kreativen Blick auf mögliche Geschichten, die sie nie schreiben konnte, und Gedanken darüber, was ihre Figuren oder ihre Welt in der heutigen Zeit bedeuten könnten. Ein literarischer Spaziergang durch das Leben und das Erbe einer der größten Autorinnen der Geschichte.
Dieses Buch ist ein Versuch, Jane Austen eine neue Bühne zu geben – eine Gelegenheit, sie nicht nur als Autorin ihrer berühmten Romane, sondern auch als Mensch kennenzulernen. Natürlich so, wie ich sie durch ihre bezaubernden Bücher wahrnehme und mir vorstelle. Es ist meine Hoffnung, dass Sie als Leser dabei nicht nur Vergnügen, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Zeit und den Geist dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin finden werden.
Treten Sie ein in die Welt von Jane Austen. Lassen Sie uns lauschen, was sie uns über das Leben, die Liebe und die Literatur zu sagen hat – ’ und vielleicht auch über uns selbst.
Man sagt, die Kindheit sei ein Garten voller Erinnerungen, den man nie wieder betreten kann. Für mich, Jane Austen, war dieser Garten ein bescheidenes Pfarrhaus in Steventon, umgeben von weiten Feldern, sanften Hügeln und verschlungenen Hecken. Steventon war kein großartiger Ort, den man in Geschichtsbüchern findet, aber für mich war es die erste und wichtigste Bühne meines Lebens. Es war ein kleines Dorf in der Grafschaft Hampshire, kaum mehr als eine Handvoll Häuser, deren Bewohner – einfache Bauern, Dienstboten und Handwerker – vom Rhythmus der Jahreszeiten lebten. Doch für mich war es ein Ort voller Leben, Geschichten und Inspiration.
Unser Pfarrhaus war kein herrschaftliches Anwesen, wie es später in meinen Romanen auftauchen sollte, sondern ein zweistöckiges Gebäude mit weißen Wänden und einem Ziegeldach. Es lag leicht erhöht, sodass man von dort einen herrlichen Blick auf die umliegenden Wiesen und Wälder hatte. Der Garten war mein liebster Rückzugsort. Dort blühten im Frühjahr die schönsten Rosen, deren Dornen uns jedoch regelmäßig daran erinnerten, dass selbst Schönheit ihre Schattenseiten hat. In der Mitte des Gartens stand ein alter Apfelbaum, der im Sommer Schatten und im Herbst die süßesten Früchte spendete. Meine Mutter verwandelte diese Früchte mit sicherer Hand in köstliche Pasteten, die meine Brüder, Cassandra und ich gleichermaßen verschlangen.
Das Haus selbst war einfach, aber lebendig. Unsere Familie – meine Eltern, meine sechs Brüder, meine Schwester Cassandra und ich – machte das Pfarrhaus zu einem Ort, an dem Lachen, Geschichten und gelegentlich auch Streit allgegenwärtig waren. Es gab keine Woche ohne eine Episode, die uns alle zum Lachen oder Staunen brachte. Einmal beschlossen meine Brüder, ein Theaterstück aufzuführen, und ich wurde gebeten, das Stück zu schreiben. Natürlich war ich begeistert. Doch als James sich weigerte, den Schurken zu spielen, musste Henry ihm mit einem Stück Apfelkuchen schmeicheln, damit das Projekt nicht scheiterte.
Am Ende war die Aufführung ein voller Erfolg – zumindest für uns selbst. Diese kleinen familiären Dramen waren oft ebenso spannend wie die Geschichten, die ich mir ausdachte. Ich erinnere mich besonders an die Küche, den belebtesten Raum des Hauses, wo stets der Duft von frisch gebackenem Brot in der Luft lag. Doch wenn mir all das zu viel wurde, suchte ich Zuflucht in dem Arbeitszimmer meines Vaters, einem Raum voller Bücher und Ruhe. Dort begann meine Liebe zur Literatur. Ich stöberte durch die Regale, zog wahllos ein Buch hervor und las laut vor – oft ohne die Hälfte der Wörter zu verstehen.
Doch nicht nur die Bücher meines Vaters prägten meine intellektuelle Entwicklung. Als Mädchen hatte ich das Glück, von meinen Brüdern Zugang zu Büchern und Themen zu erhalten, die für „junge Damen” angeblich nicht geeignet waren. Diese verbotene Lektüre – ob politische Essays, Abenteuerromane oder Gedichte – weckte meine Neugierde und erweiterte meinen Horizont. Besonders Cowper und Richardson hinterließen bei mir einen tiefen Eindruck. Ihre Schilderungen von Gefühlen und Moral inspirierten meine ersten Geschichten und zeigten mir, wie mächtig Worte sein können.
Mein Vater, George Austen, war ein gelehrter Mann und ein begabter Prediger. Er hatte eine sanfte Autorität, die weniger durch Strenge als durch seinen Intellekt und seine Großzügigkeit geprägt war. Er war es, der mich lehrte, dass Worte Macht besitzen – Macht, Menschen zu unterhalten, zu überzeugen und zu berühren. Meine Mutter, Cassandra Austen, war hingegen eine Frau von scharfem Verstand und trockenem Humor. Meine Mutter hielt viel von den traditionellen Pflichten einer Frau: das Führen des Haushalts, das Nähen und das Kümmern um die Familie. Doch gleichzeitig ermutigte sie Cassandra und mich, unabhängig zu denken und unsere Neigungen zu entwickeln. „Ein kluger Kopf", sagte sie, „ist ein größeres Vermögen als ein hübsches Gesicht, ’’Dieses Gleichgewicht zwischen Tradition und Selbstverwirklichung prägte meine Ansichten über Frauen und ihr Leben – Ansichten, die in all meinen Romanen widerhallen. „Jane,“ sagte sie einmal zu mir, „es gibt zwei Sorten von Menschen auf dieser Welt: Die einen erzählen Geschichten, die anderen hören sie sich an. Du wirst wohl immer zur ersten Sorte gehören. “Und wie recht sie hatte.
Die Dorfgemeinschaft von Steventon war klein, aber voller Charaktere. Mrs. Stent, eine Dame von sanftem Wesen und unerschütterlicher Geduld, verstand es meisterhaft, in Gesellschaft lange Pausen mit einem wohlüberlegten Nun ja ... zu füllen. Sie war von aufrichtiger Freundlichkeit, doch ihre Gespräche verliefen oft in einem Tempo, das selbst die geduldigsten Zuhörer auf die Probe stellte. Und Mr. Curtis, der Dorfarzt, ein Mann von großer Sachkenntnis und noch größerem Mitteilungsbedürfnis. Er hatte die Angewohnheit, jede kleine Beschwerde mit einer ausführlichen Abhandlung über die Heilkunst der Antike zu beantworten – sehr lehrreich, wenn auch nicht immer tröstlich für seine Patienten. Die Kirche von Steventon, ein schlichtes, graues Gebäude, war das Herz unseres Dorfes. Dort hielt mein Vater seine Predigten, und die Gemeinde versammelte sich nicht nur zum Gebet, sondern auch, um Neuigkeiten auszutauschen. Die Gottesdienste waren für mich eine Quelle der Unterhaltung. Ich beobachtete die Menschen – die Damen in ihren besten Hauben und die Herren in frisch gebürsteten Jacken – und hörte ihre leisen Gespräche. Die Kirche war auch ein Spiegelbild der sozialen Strukturen unseres Dorfes. Die vorderen Bänke waren den angesehensten Familien vorbehalten, während die Pächter und Dienstboten weiter hinten Platz nahmen. Jeder wusste, wo er stand – ein unausgesprochenes Regelwerk, das den Alltag bestimmte. Diese feinen, oft starren Hierarchien beobachtete ich mit wachsamer Neugier. Vielleicht war es diese subtile Dynamik, die mich später dazu inspirierte, die Komplexität menschlicher Beziehungen so genau zu beschreiben. Besonders erinnere ich mich an Mrs. Sanderson, die mit einer Haube erschien, die aussah, als hätte sie sie aus einem exotischen Vogel gezogen. Doch nicht nur die Damen der Kirche sorgten für Heiterkeit. Einmal hatte mein Bruder Edward die brillante Idee, unseren Kater mit einem Kragen aus Tüll zu schmücken – angeblich, um „einen Hauch von Eleganz” in die Welt der Tiere zu bringen. Die arme Kreatur schlich tagelang gekränkt durchs Haus, bis mein Vater den Kragen entfernte. Edward entschuldigte sich mit den Worten: „Es sollte Kunst sein, Vater, kein Spott.” Diese Szene wurde später zu einer Quelle für meinen Sinn für die ironischen Seiten des Alltags. Meine Brüder behaupteten später, dass der arme Mr. Turner, der hinter ihr saß, während der gesamten Predigt nichts anderes sehen konnte als das Wippen der Federn.
Und dann waren da die kleinen Bälle und gesellschaftlichen Zusammenkünfte, die in den Häusern unserer Nachbarn stattfanden. Ich war oft zu jung, um daran teilzunehmen, aber ich liebte es, die Erwachsenen zu beobachten. Die leisen Dramen, die sich in Blicken und Worten abspielten, prägten mich tief. Diese frühen Beobachtungen der menschlichen Natur sollten später das Fundament für meine Geschichten bilden.
Die Felder, Wälder und der kleine Bach, der sich durch die Landschaft schlängelte, waren unser Spielplatz. Die Jahreszeiten prägten das Leben in Steventon auf eine Weise, die mir erst später bewusst wurde. Im Frühling sprangen die Lämmer über die Wiesen, und die blühenden Bäume verwandelten das Dorf in ein wahres Paradies. Im Sommer suchten wir Erfrischung am Bach und verbrachten die Abende im Garten, während der Duft von Rosen die Luft erfüllte. Der Herbst brachte die Erntezeit und das Rascheln von Blättern unter unseren Füßen, während der Winter mit seinem Frost und den langen Abenden am Kamin Gelegenheit bot, Geschichten zu erzählen und Bücher zu lesen. Diese zyklische Natur des Lebens hat mein Schreiben tief beeinflusst, denn jede Jahreszeit erzählt ihre eigene Geschichte. Cassandra und ich verbrachten unzählige Stunden damit, durch die schmalen Feldwege zu spazieren, Geschichten zu erfinden und uns ein ganzes Königreich auszudenken. Manchmal stellten wir uns vor, wie unser Leben in der Zukunft aussehen würde. Würden wir je die Welt außerhalb von Hampshire sehen? Würden unsere Geschichten es schaffen, Gehör zu finden? Obwohl wir uns einig waren, dass die Bücher uns gehörten, träumte ich insgeheim davon, eines Tages selbst Teil dieser Bücherwelt zu werden – nicht nur als Leserin, sondern als Schöpferin. Der Wald war für uns ein Ort voller Geheimnisse, und der Bach bot an heißen Sommertagen Erfrischung – und manchmal auch eine Entschuldigung, um die Stickerei zu vermeiden.
Inmitten all dessen begannen meine ersten schriftstellerischen Versuche. Mit zwölf Jahren schrieb ich Frederic und Elfrida, eine romantische Komödie, die keinerlei literarische Ansprüche hatte, aber meine Geschwister zum Lachen brachte. Meine Familie war mein erstes Publikum, und ihr Lachen und ihre Ermutigung waren für mich der größte Antrieb.
Wenn ich heute an Steventon denke, sehe ich nicht nur die Orte, sondern auch die Menschen vor mir – ihre Eigenheiten, ihre Laster und ihre Tugenden. Es waren die einfachen Dinge – ein Spaziergang über die Felder, ein Gespräch bei einer Tasse Tee oder ein Lächeln bei der Arbeit –, die mein Verständnis für das Menschsein prägten. Jede dieser Kleinigkeiten fand ihren Weg in meine Geschichten. Steventon war mein erster Lehrmeister, und ich bin mir sicher: Ohne diese Erfahrungen gäbe es weder Elizabeth Bennet noch Mr. Darcy. Steventon war für mich ein Mikrokosmos der menschlichen Natur, ein kleines Theater des Lebens. Alles, was ich später schrieb, hat hier seinen Ursprung. Und obwohl ich diesen Ort nie wieder betreten kann, trage ich ihn immer in meinem Herzen.
Mrs. Lefroy, unsere Nachbarin, war eine Frau, die ich mit größter Bewunderung und einem kleinen Anflug von Ehrfurcht betrachtete. Sie hatte die seltene Gabe, mit einem einzigen Blick sowohl Respekt als auch Angst zu wecken.
,Jane, meine Liebe“, sagte sie einmal zu mir, „du bist viel zu schlau für dein eigenes Wohl. Sei vorsichtig, sonst wirst du niemals einen Mann finden, der mit dir mithalten kann.“ Ich wusste nicht, ob ich das als Warnung oder als Kompliment auffassen sollte, also entschied ich mich für Letzteres.
Doch trotz ihrer scharfen Zunge war Mrs. Lefroy ein Vorbild an Großzügigkeit. Sie kümmerte sich um die Armen des Dorfes, half, wo sie konnte, und hatte immer ein freundliches Wort für jeden – es sei Menn, man trug eine schlecht genähte Haube, in welchem Fall sie ihre Meinung ohne Zögern äußerte.
Unser Nachbar, Mr. Digweed, war ein Landwirt von solider Erscheinung und endlosem Redefluss. Er war ein Mann, dessen Geschichten selten einen Anfang und noch seltener ein Ende hatten.
Eines Nachmittags besuchte er uns und erzählte eine besonders ausführliche Geschichte über einen Ochsen, der sich geweigert hatte, einen Karren zu ziehen. „Der Ochse“, begann er, „war ein Tier von ungewöhnlicher Dickköpfigkeit – das muss ich Ihnen sagen.“
Mein Bruder Henry, mit einem Schmunzeln auf den Lippen, unterbrach ihn: „Sind Sie sicher, dass es ein Ochse war, Mr. Digweed, und nicht ein Esel?“ Mr. Digweed hielt inne, musterte Henry kurz und erklärte dann in seiner gewohnten, ernsten Art: „Ich kenne den Unterschied zwischen einem Ochsen und einem Esel, junger Mann. Glauben Sie mir, ein Esel hätte niemals solch majestätische Hörner!“ Cassandra und ich mussten unsere Stickrahmen festhalten, um nicht vor Lachen die Nadel fallen zu lassen. Ich vermute, es war Mr. Digweed, der mich zu meiner Darstellung von Mr. Collins inspirierte. Ein Mann, der ebenso wortreich wie hartnäckig ist – und dessen Monologe genauso schwer zu stoppen sind wie sein Ochse.
Meine Familie war stets der Mittelpunkt meines Lebens – eine Quelle von Liebe, Vertrautheit und, ich gebe es zu, gelegentlich auch Frustration. Doch was wäre das Leben ohne jene kleinen Reibereien, die uns lehren, Geduld zu üben? Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ohne meine Familie nicht die Frau geworden wäre, die ich bin – und gewiss nicht die Schriftstellerin. Die Austens mögen auf den ersten Blick eine gewöhnliche Landpfarrersfamilie gewesen sein, doch unter unserer bescheidenen Fassade schlummerten unzählige Geschichten, die erzählt werden wollten. Vielleicht ist es an der Zeit, ein wenig von diesen Geschichten zu teilen – über meinen Vater, den weisen und warmherzigen Pfarrer, meine Mutter, die oft unterschätzte Frau mit feinem Witz, und natürlich über meine Brüder und meine geliebte Cassandra, die für mich mehr war als eine Schwester: Sie war ein Teil von mir selbst.
Mein Vater, George Austen, war ein Mann von leiser Weisheit und großer Güte – ein Gelehrter, der Bildung und Glauben als höchste Güter schätzte.
Als Pfarrer von Steventon war er nicht nur ein geistlicher Führer für unsere kleine Gemeinde, sondern auch ein Lehrer, der unser Zuhause in eine lebendige Stätte des Lernens verwandelte. Das Pfarrhaus war nicht nur unser Heim, sondern auch ein Ort, an dem junge Schüler unterrichtet wurden – Jungen, die Latein und Griechisch lernten, während meine Brüder und ich oft verstohlen lauschten, um ein wenig von dieser Welt der Bildung aufzuschnappen.
Für mich war mein Vater mehr als nur ein Lehrer. Er war mein erster Mentor und mein stiller Förderer. In einer Zeit, in der Mädchen oft nur die Grundlagen des Lesens und Schreibens erlernen durften, öffnete er mir die Türen zu seiner Bibliothek – einem Schatz von rund 500 Büchern, die für mich das Fenster zur Welt bedeuteten. Es gab dort Dramen, Gedichte, Romane, historische Werke und religiöse Texte, und mein Vater hielt es nicht für nötig, irgendein Buch vor mir zu verstecken. „Wissen kennt keine Grenzen, Jane“, sagte er einmal zu mir. „Wenn dich ein Buch interessiert, dann lies es.“
Ich erinnere mich an einen besonderen Nachmittag, als ich vielleicht zehn Jahre alt war. Ich hatte es mir in der Bibliothek bequem gemacht und eines der schwereren Bücher aus dem obersten Regal gezogen – es war ein dicker Wälzer, den ich weder lesen noch verstehen konnte. Mein Vater fand mich mit dem Buch auf den Knien, die Stirn gerunzelt vor Anstrengung. Doch statt mich zu ermahnen oder zu schmunzeln, setzte er sich neben mich, nahm das Buch aus meinen Händen und sagte: „Jane, du darfst jedes Buch hier lesen, das dich interessiert. Aber vielleicht fangen wir besser mit etwas an, das du genießen wirst.“ Dann reichte er mir einen Band voller Gedichte – mein erstes bewusstes Treffen mit der Poesie. Es war der Anfang einer Liebe, die mich nie mehr verlassen sollte.
Es war nicht nur die Bibliothek, die meinen Vater zu einem außergewöhnlichen Mann machte. Ich werde nie vergessen, wie er meine ersten Versuche als Schriftstellerin unterstützte. Ich war noch jung, kaum mehr als ein Mädchen, als er 1797 mein Manuskript zu First Impressions – dem, was später zu Stolz und Vorurteil werden sollte – an einen Verleger schickte. Der Versuch war erfolglos, doch es war der Akt an sich, der mir zeigte, wie sehr er an mich und meine Fähigkeiten glaubte.
Mein Vater war ein Mann von ruhiger Stärke, ein Fels in der Brandung unseres lebhaften Haushalts. Es war seine Geduld, die uns lehrte, schwierige Zeiten zu überstehen, und seine Bücher, die uns beibrachten, die Welt mit offenen Augen zu betrachten. Er war ein Mensch, der selten laut wurde, dessen Worte aber immer Gewicht hatten. Und ich glaube, dass es seine stille, unerschütterliche Überzeugung war, die mir den Mut gab, zu schreiben und zu glauben, dass meine Worte eines Tages gehört werden könnten. Wenn ich heute an ihn denke, sehe ich ihn vor mir – in seinem Arbeitszimmer, umgeben von Büchern, mit einem nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht. Und ich höre seine Stimme, sanft, aber bestimmt, wie er sagt: „Jane, das Wort ist eine mächtige Sache. Es kann trösten, überzeugen und verändern. Nutze es weise.“ Ich hoffe, dass ich seinem Rat immer gerecht geworden bin.
Meine Mutter, Cassandra Leigh Austen, war eine Frau voller Widersprüche – eine Dame mit Verbindungen zum Landadel und gleichzeitig eine Meisterin darin, mit den bescheidenen Mitteln unseres Haushalts Großes zu schaffen. Ihre Herkunft aus einer angesehenen Familie – darunter auch die Verbindung zu Stoneleigh Abbey – verlieh unserem Leben einen Hauch von Status, doch sie selbst machte nie viel Aufhebens darum. Für uns Kinder war sie einfach unsere Mutter, die Managerin eines chaotischen, lebhaften Haushalts und eine unerschöpfliche Quelle von Weisheit, Humor und gelegentlich auch strenger Hand.
Meine Mutter hatte eine außergewöhnliche Gabe, Menschen zu durchschauen. Es war, als könnte sie mit einem einzigen Blick die Schwächen und Stärken eines Menschen erkennen. Und ihre Bemerkungen, stets von einem Hauch Ironie durchzogen, waren oft so treffend, dass sie uns Kinder gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken brachten. Ich muss zugeben, dass viele der scharfsinnigen Beobachtungen, die Sie in meinen Romanen finden, direkt aus ihrem Mund stammen könnten – natürlich habe ich sie nicht um Erlaubnis gefragt, sie zu verwenden. Aber ich glaube, sie hätte es mir nicht übel genommen.
Ich erinnere mich an einen Abend, als meine Brüder laut und ungehalten durch das Haus stürmten, während Cassandra und ich versuchten, uns in einem stillen Winkel der Stickerei zu widmen. Meine Mutter, statt ihre Geduld zu verlieren, rief plötzlich aus: „Kinder, bildet eine Prozession! Wir gehen zum Königshof!“ Ehe wir uns versahen, marschierten wir alle – bewaffnet mit Besen, Töpfen und Pfannen, die wir wie Krönungsinsignien trugen – durch das Wohnzimmer, während sie mit erhobenem Kopf den „Königshof“ repräsentierte. Es war ihre Art, Ordnung ins Chaos zu bringen, aber auch ihre Fähigkeit, uns zu lehren, das Komische im Alltäglichen zu finden. Ich glaube, viel von meinem eigenen Sinn für Humor habe ich von ihr geerbt.
Doch meine Mutter war nicht nur humorvoll, sondern auch unglaublich pragmatisch – besonders, wenn es um die Ehe ging. Sie hatte ganz klare Vorstellungen davon, was eine gute Verbindung ausmachte, und scheute sich nicht, diese mit einer Direktheit zu äußern, die ich oft bewunderte. Ich erinnere mich daran, wie ich einmal scherzhaft sagte, ich wolle einen Prinzen heiraten. Ohne zu zögern lachte sie und meinte: „Ein Prinz bringt dir nur eine Krone – und zehn neue Sorgen. Such dir einen Mann, der wenigstens weiß, wie man Kartoffeln anbaut!“ Sie sagte es mit einem Augenzwinkern, doch die Botschaft war klar: Ein Partner sollte das Leben leichter machen, nicht komplizierter. Ein Rat, den ich immer geschätzt habe, auch wenn ich ihn – wie Sie wissen – selbst nie in die Tat umsetzte.
Meine Mutter mag keine Schriftstellerin gewesen sein, aber sie hatte die Seele einer Erzählerin. Sie konnte aus den kleinsten Momenten Geschichten machen, die uns Kinder fesselten und zum Lachen brachten. Sie lehrte uns, dass Humor und die Fähigkeit, das Gute im Alltäglichen zu finden, die besten Werkzeuge sind, um den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Und ich weiß, dass ein großer Teil meiner eigenen Stimme in ihren Geschichten, ihrem Lachen und ihrem unverkennbaren Pragmatismus wurzelt.
Cassandra, meine ältere Schwester, war mehr als nur ein Familienmitglied – sie war meine engste Vertraute und Seelenverwandte. Wir teilten uns nicht nur ein Zimmer, sondern auch unsere Gedanken, Hoffnungen und Ängste.
Cassandra spielte eine entscheidende Rolle in meinem Leben. Sie war nicht nur die erste Leserin meiner Manuskripte, sondern auch eine unermüdliche Unterstützerin meiner Arbeit. Cassandra half mir oft, Texte zu überarbeiten, Rückmeldung zu geben und mich zu ermutigen, weiterzuschreiben.
Ohne Cassandra wäre ich nicht die Jane Austen, die Sie kennen. Sie ist nicht nur meine Schwester, sondern meine andere Hälfte. Sie ist die Konstante in meinem Leben, der Anker, der mich in stürmischen Zeiten hält. Es ist ihr Lächeln, das mich ermutigt, wenn ich an meinen Geschichten zweifle, und ihre Kritik, die mich herausfordert, wenn ich mich zu sehr auf meinen Lorbeeren ausruhe.
Viele meiner Briefe gingen an sie – Seiten voller Witz, Schärfe und, ja, manchmal auch Lästereien über die Welt um uns herum. Wenn ich ihr schrieb, hatte ich das Gefühl, ich könne vollkommen ehrlich sein, denn bei Cassandra gab es nie die Gefahr von Missverständnissen oder Zurückweisungen.
Cassandra und ich haben uns immer gegenseitig unterhalten – sei es durch Geschichten, kleine Theaterstücke oder einfach durch unsere Gespräche. Ich erinnere mich besonders an einen Nachmittag, an dem wir gemeinsam beschlossen, ein Drama zu schreiben. Cassandra schlug vor, dass es eine tragische Liebesgeschichte werden solle, während ich darauf bestand, dass eine Komödie viel unterhaltsamer wäre. Am Ende haben wir uns darauf geeinigt, eine Tragikomödie zu schreiben – ein Werk, das so albern und übertrieben wurde, dass wir am Ende Tränen lachten.
Diese kleinen gemeinsamen Projekte, so bedeutungslos sie auch scheinen mögen, waren für mich von unschätzbarem Wert. Sie gaben mir nicht nur die Freude des Schaffens, sondern auch die Gewissheit, dass ich immer jemanden an meiner Seite hatte, der mich verstand ’ und unterstützte.
Cassandra ist meine Vertraute, meine schärfste Kritikerin und meine treueste Bewunderin. Jede Schriftstellerin sollte solch eine Cassandra an ihrer Seite haben – eine Schwester, die mehr als nur ein Blutsband teilt, sondern auch die Fähigkeit, das Beste in einem hervorzubringen.
Cassandra und ich hatten einen besonderen Zeitvertreib, den wir nie jemandem erzählten: Wir schrieben und inszenierten kleine Theaterstücke, die wir uns gegenseitig aufführten. Eines Abends, als unsere Brüder alle abwesend waren, spielte ich eine ,edle Heldin', die einen zynischen Baron (gespielt von Cassandra) mit scharfen Worten in die Schranken wies. Cassandra brach mitten im Stück in Gelächter aus und rief: ,,Jane, du wirst irgendwann ein ganzes Buch nur mit solchen Dialogen schreiben!” Vielleicht hatte sie recht.
Mit sechs Brüdern war unser Familienleben alles andere als langweilig. Jeder meiner Brüder hatte eine unverwechselbare Persönlichkeit, und ich beobachtete sie mit der scharfsinnigen Neugier einer Schriftstellerin.
James Schriftstellerin. Austen: James, der Älteste, war unser Gelehrter. Er folgte den Fußstapfen unseres Vaters und wurde Geistlicher. James hatte eine Vorliebe für Literatur und Poesie, die ich als Kind bewunderte – und, wie ich später feststellte, auch erbte. Ich erinnere mich daran, wie er Gedichte rezitierte, während wir alle um das Feuer saßen. Seine Stimme war tief und beruhigend, und obwohl ich damals nicht jedes Wort verstand, spürte ich doch, wie die Macht der Worte durch den Raum schwebte. Es war James, der mir zum ersten Mal die Idee einflüsterte, dass auch ich etwas zu Papier bringen könnte.
Edward Austen: Edward, unser zweiter Bruder, führte ein Leben, das so anders war als unseres. Er hatte das Glück, von wohlhabenden Verwandten adoptiert zu werden – einer kinderlosen Familie namens Knight, die ihm ihren Namen und ihren Besitz vererbte. Durch Edward lernte ich eine Welt kennen, die mir sonst vielleicht verborgen geblieben wäre: die Welt des Landadels, mit seinen eleganten Herrenhäusern und weitläufigen Gärten. Chawton House, eines seiner Anwesen, wurde später mein Zuhause, und ich denke oft daran, wie viel von dem, was ich dort sah und erlebte, in meine Geschichten eingeflossen ist.
Edward war stets großzügig, und seine Unterstützung gab mir die Freiheit, meiner Berufung als Schriftstellerin nachzugehen – etwas, wofür ich ihm ewig dankbar bin.
Edward, mein zweitältester Bruder, war das Glückskind unserer Familie – oder vielleicht sollte ich sagen, der Auserwählte. Seine Adoption durch die wohlhabenden Verwandten unserer Mutter, die Knights, eröffnete ihm eine Welt, die für uns andere stets unerreichbar bleiben würde. Dank dieser Verbindung wurde Edward zum Herrn von beeindruckenden Anwesen, darunter das prachtvolle Chawton House und später auch Stoneleigh Abbey, ein Herrenhaus, das so großartig war, dass es wie aus den Seiten eines Romans zu stammen schien. Diese Begebenheit könnte zeigen, wie Jane Austens Einblick in die Welt des Adels entstand:
„Edward lud uns eines Sommers nach Stoneleigh Abbey ein, und ich erinnere mich, wie ich zum ersten Mal die große Halle betrat. Die Decken waren hoch, die Fenster riesig, und alles schien in einem sanften, goldenen Licht zu leuchten. Es war eine andere Welt, eine Welt von Eleganz und Macht, aber auch von großer Einsamkeit. Als ich zurück nach Hause kam, schrieb ich in mein Notizbuch: ,Ein Herrenhaus ist wie ein Käfig – mit goldenen Stangen.' Diese Worte flossen Jahre später in einige meiner Romane ein.
Henry Austen: Henry, mein liebster Bruder, war ein Mann voller Charme und Energie – die Art von Mensch, die jeden Raum mit Lebendigkeit füllte, sobald er ihn betrat. Er war gewinnend in seiner Art, stets mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Wortwitz, der jede Unterhaltung erhellte. Wenn ich jemals einen Bruder hatte, der die Kunst der Konversation perfektioniert hatte, dann war es Henry.
Doch Henry war mehr als nur ein charmanter Plauderer. Er war mein größter Unterstützer, mein literarischer Verfechter. Es war Henry, der an mich glaubte, als andere noch zögerten. Er war es, der meine ersten Werke zur Veröffentlichung brachte – ohne ihn wären Sense and Sensibility und Pride and Prejudice vielleicht niemals über die Schwelle unseres Hauses hinausgekommen.
Er war stolz auf meine Worte, als wären es seine eigenen, und seine Begeisterung war ansteckend. „Jane,“ sagte er einmal zu mir, „du wirst die Welt mit deinen Geschichten erobern, auch wenn sie noch nicht weiß, dass sie darauf wartet.“
Henry hatte jedoch auch eine Neigung, Risiken einzugehen – vor allem in seinen geschäftlichen Unternehmungen. Er versuchte sich als Bankier, und obwohl er eine Weile erfolgreich war, führte das unglückliche Scheitern seiner Bank zu finanziellen Schwierigkeiten, die unser aller Leben beeinflussten. Doch was ich an Henry bewunderte, war sein unerschütterlicher Humor, selbst in Zeiten der Not. „Nun, Jane,“ sagte er einmal lachend, „es scheint, dass ich ein besserer Bruder und Verleger bin als ein Bankier. Aber wer braucht schon Banken, wenn er eine Schwester hat, die so brillant schreibt?“