7,99 €
Das zentrale Thema des Buches ist Mobbing. Inhaltlich werden die Themen Mobbing unter Lehrern, Mobbing unter Schülern und Mobbing von Lehrern gegen Schüler aufgegriffen. Als Ratgeber richtet sich das Werk an Lehrer, Schüler und Eltern zugleich. Erfahren Sie im Sachteil, wie Mobbing entsteht, welche Ursachen zugrunde liegen können und welche Strategien sich anbieten, Mobbing in den verschiedenen Konstellationen und Situationen einzudämmen und wenn möglich, zu bekämpfen. Im zweiten Teil berichten Betroffene und deren Angehörige, wie sie Mobbing-Situationen erlebten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Buch
Das zentrale Thema dieses Buches ist Mobbing. Als Phänomen taucht es in unserer Gesellschaft seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf und erscheint vielen Berufstätigen an ihren Arbeitsplätzen in über 100 verschiedenen Mobbing-Handlungen. Mobbing-Forschungen versuchen, die Ursachen dieses Phänomens zu ergründen. In allen bisherigen Untersuchungen kommt dabei dem Arbeitsplatz eine maßgebliche Bedeutung als Ort des Geschehens zu. Im vorliegenden Buch wird beschrieben, wie auf unrühmliche Art und Weise Mobbing am Arbeitsplatz Schule Einzug gehalten hat. Es werden Lösungsansätze dargestellt, die nach all den Jahren der prädestinierten Mediationen und Supervisionen endlich einer konstruktiven Konfliktbearbeitung gerecht werden. Neben einer ausführlichen Sachanalyse im ersten Teil des Buches erfährt der Leser in zahlreichen Fallgeschichten nachfolgend, aber hautnah, wie es Betroffenen und deren Angehörigen erging.
Seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2016 sind der Autorin unzählige Leserzuschriften zugegangen. Ein wichtiges Anliegen erschien vielen Lesern, dass auch die Eltern und Schüler mit einem Kapitel bedacht werden. Mobbing geht auch an diesen Gruppen nicht vorbei. Für Schüler stellt die Schule als Lernort in gewisser Weise auch ihren Arbeitsplatz dar, der durch die Eltern wahrgenommen, besucht und mitgestaltet wird. Diese Neuauflage kommt den Wünschen gern nach.
Autorin
Nele Hansen ist Pädagogin, Referentin und Autorin. Sie verfasste bereits mehrere bildungspolitische Fachaufsätze und ist als Referentin in einem renommierten Fortbildungsinstitut tätig. In ihren Schulungen und Kursen fand über mehrere Jahre hinweg ein umfangreicher Austausch mit Menschen statt, die im System Schule unter Mobbing litten, sich befreiten oder dem Phänomen erlagen. Aus diesem Umfeld heraus entstand die Grundlage für das Buch in seinen nun vorliegenden zwei Fassungen.
Zu diesem Buch
Das Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz Schule „Lehrer“
Wovon sprechen wir, wenn wir die Begrifflichkeit Mobbing verwenden?
Wie entsteht Mobbing an Schulen?
Die Auswirkungen von Mobbing
Was tun? Maßnahmen gegen Mobbing
Sich gezielt zur Wehr setzen
Kriterien zur Gegenwehr
Ist Mediation das beste Mittel, um Mobbing zu stoppen, zur Lösung des Konflikts?
Alternative zur Gegenwehr
Was benötigen wir?
Das Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz Schule „Schüler“
Ursachen von Mobbing unter Schülern
Diese Mobbing-Arten sind unter Schülern vertreten
Woran lässt sich Mobbing unter Schülern erkennen?
Warum werden aus einigen Schülern Mobber?
Warum lassen sich einige Schüler mobben?
Mobbing unter Schülern vorbeugen
Was Schüler tun können
Das Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz Schule „Eltern“
Daran erkennen Eltern, dass das Kind gemobbt wird
Das können Sie tun
Was Eltern nicht tun sollten
So stärken Eltern ihr gemobbtes Kind
Was tun, wenn Ihr Kind andere mobbt?
Was tun, wenn Ihr Kind von einer Lehrkraft gemobbt wird?
Fallgeschichten Betroffener
Noch immer gefangen im System Schule
Der Schrei
Aussortiert
Als Ausweg blieb nur das Dach
Was, wenn es wieder passiert
Hilflos und ergeben
Die Lehrerkasse
Ein Dank
Anhang
Kluge Menschen erörtern ihre Ideen. Normale Menschen sprechen über Ereignisse. Und dumme Menschen? Die reden über andere!
(Erkenntnisse)
Lebt ein Mensch nach einer schweren Mobbing-Attacke einfach so weiter als wäre nichts passiert? Definitiv nicht – und wer Pech hat, erlebt sogar Wiederholungen der Geschehnisse wie ein Déjà-vu.
Unzählige Betroffene erleben nach psychischer Gewalt an ihrem Arbeitsplatz, dem Lernort Schule, über viele Monate hinweg physische und psychische Zusammenbrüche. Nach langer, krankheitsbedingter Abwesenheit begeben sie sich wieder an ihre Wirkungsstätten und hoffen darauf, dass sich alles bereinigt hat. Ein Trugschluss, den viele Mobbing-Opfer erfahren; die Mobbing-Gefahr bricht erneut über sie hinein und sie erleben abermals Schikanen, Lügen und Anfeindungen.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Lehrer den Umstand vorhersehen und deshalb direkt aus dem Krankenstand heraus um Versetzung bitten. Dieser wird allerdings nur in den seltensten Fällen entsprochen. Oder aber, und das setzt dem Phänomen im System Schule geradezu die Krone auf, auch nach der Versetzung an eine neue Schule sind mobbende Kollegen aktiv. Die Fortsetzung der psychischen Gewalt nimmt ihren Lauf. Individuelle Folgen reichen dann von chronischen psychosomatischen Beschwerden über Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen bis hin zum Suizid.
Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf Mobbing unter Lehrern, da sich an der stiefmütterlichen Thematisierung auch leider nach Erscheinen etlicher wissenschaftlicher Publikationen wie beispielsweise „Mobbing am Arbeitsplatz Schule“ von Reinhold S. Jäger (Jäger, Reinhold S.: Mobbing am Arbeitsplatz Schule, Wolters Kluwer Deutschland GmbH, Köln 2014) nicht viel geändert hat, sodass es umso mehr von Nöten ist, eine weitere Aufarbeitung vorzunehmen.
Es gibt jedoch auch andere klassische Situationen in der Schule. Einzelne Schüler oder Schülergruppen suchen sich Opfer aus der Mitschülerschaft heraus, die sie systematisch fertig machen. Daneben gibt es auch Lehrer, die einzelne Schüler mobben. Als Eltern sollten Sie nicht tatenlos zusehen, sondern aktiv werden und dem Kind gezielt helfen. Das gilt für Eltern mobbender und gemobbter Kinder gleichermaßen.
Das Buch richtet sich dieses Mal also an Lehrer, Schüler und Eltern zugleich. Das nötige Faktenwissen habe ich fachgerecht, aber verständlich für Sie zusammengefasst. Erfahren Sie daneben mehr über mögliche Strategien, die sich anbieten, Mobbing einzudämmen und wenn möglich, zu bekämpfen. Probieren Sie Empfehlungen und Ratschläge aus, die für alle Beteiligten an den passenden Stellen eingearbeitet sind. Schlagen alle Versuche fehl, finden Sie am Ende des Buches professionelle Hilfsangebote.
Im zweiten Teil des Buches bekommen Sie Fallgeschichten Betroffener zu lesen. Sie sollen Mobbing-Opfern, die in unserer Gesellschaft leben, spüren lassen, dass sie nicht allein sind mit ihren Sorgen, dass auch anderen genau das passiert, was ihnen gerade passiert – getreu dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
In einem Vortrag hörte ich unlängst, dass man sagt, die Zukunft wäre von der Vergangenheit bestimmt. Dabei hat der Redner leider nicht gesagt, dass auch das Gegenteil der Fall sein kann. So, wie die letzte Seite eines Buches alles verwandeln kann, was man vorher gelesen hat, ist manchmal die Fortsetzung einer Geschichte solch eine Umkehrung. Noch immer gefangen im System Schule bzw. Was, wenn es wieder passiert sind zwei Fallgeschichten, die solche gegensätzlichen Fortsetzungen behandeln. Die Zukunft von Ereignissen, wenn auch in Unkenntnis über das zu erwartende Ausmaß, bestimmte hier meist längst Vergangenes.
Als Ausweg blieb nur das Dach stellt mit Abstand die schlimmste Ausprägung von Mobbing dar. Diese Geschichte zeigt, wie weit Mobbing gehen kann, wenn Schule es als Ort des Geschehens nicht endlich schafft, Mobbing-Phänomene zu verhindern oder zumindest so einzuschränken, das Betroffene nicht um Leib und Leben bangen müssen. Die Chance ist da, es ist Zeit, sie zu ergreifen. Das gilt für alle Beteiligten, die dem System Schule angehören.
Ein umfangreicher Austausch mit Menschen des Systems Schule hat dieses Buch in seiner Neuauflage entstehen lassen.
Nele Hansen, im März 2023
Der Kontext von Mobbing und Schule ist vielen von uns hinreichend bekannt. Dennoch liegen uns kaum Berichte vor, die sich mit Mobbing unter Lehrkräften beschäftigen. Beinahe stiefmütterlich erfolgt die Berichterstattung in den öffentlichen Medien dazu, was nach umfassenden Recherchen aus den folgenden Gründen geschieht:
*Für den Lesefluss wird nachfolgend nur „die Lehrkraft“, „der Lehrer“ bzw. „der Schüler“ genannt. Inhaltlich werden allerdings an allen Stellen alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen.
(1) Lehrkräfte leisten ihre Arbeit innerhalb des öffentlichen Dienstes und sind zumeist verbeamtet – offen vor eine Kamera zu treten, öffentlich Namen von Peinigern (Lehrerkollegen) oder Orten (Schulen) bekannt zu geben, von denen Mobbing ausgeht, verbieten hinreichende Regelwerke des Dienstrechts des jeweiligen Bundeslandes.
(2) Verbeamtete Lehrer haben eine Loyalitätspflicht gegenüber ihrem Dienstherrn zu erfüllen. Restriktiv ausgelegt verbietet diese jegliche Kritik an den Bedingungen des Dienstortes und seiner Vorgesetzten. Bei Zuwiderhandeln in Form von öffentlichen Bekundungen über Missstände am Dienstort durch eigene Kollegen oder gar den Dienstherrn (laut Jäger erfolgt direktes Mobbing zu 54,09 Prozent durch Schulleitungsmitglieder) drohen Dienstaufsichtsbeschwerden, Einträge in die Personalakte, eine Umkehr der Ereignisanlastung (das Opfer wird zum Täter gemacht) bis hin zur geplanten Entfernung aus dem Dienst desjenigen, der offen seine Meinung äußert. Wer öffentlich bekannt gibt, dass er an seinem Dienstort gemobbt wird und damit behauptet, dass an seinem Dienstort Missstände vorherrschen, ist quasi erledigt. In der Loyalitätspflicht liegt einer der Hauptgründe für das Schweigen.
(3) Aufgrund der wie Pilze aus dem Boden geschossenen zahlreichen Schulformen und Schularten in einem vielgliedrigen Bildungssystem haben sich Schulen zu Konkurrenzunternehmen entwickelt, die alle darauf bedacht sind, ihren guten Ruf zu wahren. Demzufolge sorgen Schulleitungen und Schulaufsichtsbehörden zur Genüge dafür, Mobbing unter Lehrkräften geheim zu halten und eher für Endlösungen der Opfer als für ein gutes Schulklima zu sorgen.
(4) Es ist beinahe unmöglich, sich umgehend an einen anderen Dienstort versetzen zu lassen. Versetzungsanträge müssen begründet werden, worin schon wieder der Hase im Pfeffer begraben liegt. Gibt ein Lehrer im Antrag an, dass er wegen gegen ihn gerichtetes Mobbing versetzt werden möchte, wird er zum Gespräch gebeten. Daraufhin nimmt die Sache einen unangenehmen Lauf. Also gibt er lediglich an, man möchte ihn aus persönlichen Gründen versetzen. Dann kann er damit rechnen, dass die ersten Anträge (nach Recherche die ersten fünf bis sieben, halbjährlich gestellt, macht drei bis vier Jahre!) aus schulorganisatorischen Gründen abgelehnt werden. Geholfen ist dem gemobbten Lehrer damit nicht. Er schweigt, schluckt alles runter und hofft darauf, dass die Schikanen alsbald von selbst wieder verschwinden.
(5) Nicht selten deuten Lehrer selbst eindeutige Mobbing-Signale nicht oder falsch. Es gibt für sie einfach nur gute und schlechte Tage, über die Formen der erlebten Schikanen und Anfeindungen gegen sie denken sie nicht nach. Haben sie mehr schlechte als gute Tage, gehen sie zum Arzt und leiden unter der einschlägigen Berufskrankheit der Lehrer: Burnout. Dass sie tatsächlich gemobbt wurden in einem schleichenden, aber unaufhörlichen Prozess, ist ihnen nicht bewusst geworden. Und so werden sie unter einer falschen Diagnose behandelt und in der Statistik geführt. In dieser Schule gab es demnach kein Mobbing unter Lehrern, es wird niemand darüber berichten können.
Betroffene Lehrer verschweigen aus den genannten Gründen, dass sie gemobbt werden, so dass die Öffentlichkeit in dieser Hinsicht uninformiert bleibt. Mobbing ist ein Phänomen, welches nicht nur unter Schülern oder zwischen Lehrern und Schülern auftritt. Mobbing hat sich stillschweigend in viele deutsche Lehrerzimmer eingeschlichen und nimmt mittlerweile Ausmaße an, die sich nicht mehr verdecken lassen. Die Statistik der krank gemeldeten Lehrer steigt und steigt, leider wird diese allzu wenig hinterfragt. Rückenschmerzen und Atemwegserkrankungen sind eigentlich auf hintere Plätze zu verweisen. Denn Folgeerkrankungen aufgrund von Mobbing, würde sich jemand mit den Ursachen für Erkrankungen im Lehrerberuf intensiv beschäftigen, nähmen eindeutig einen der vorderen Plätze ein.
Wie bereits erwähnt: Der Kontext von Mobbing und Schule ist vielen bekannt, das Phänomen Mobbing mit Schwerpunkt „unter Lehrern“ nicht.
Wovon sprechen wir, wenn wir die Begrifflichkeit Mobbing verwenden?
Wörter wie Mobbing oder mobben tauchen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf und sind seinerzeit aus dem Englischen übernommen worden. „to mob“ lässt sich übersetzen mit schikanieren, anpöbeln, angreifen, bedrängen und über jemanden herfallen; „mob“ steht für Meute, Gesindel, Pöbel oder auch Bande.
In der `Eindeutschung` kam es ableitend von to mob und mob zum Wort Mobbing, welches heute für Psychoterror, meist am Arbeitsplatz steht.
Der Ort Schule ist ein Arbeitsplatz im klassischen Sinne für Beschäftigte, egal ob als Angestellter oder Beamter, wie wirtschaftliche Betriebe oder Unternehmen für ihre Arbeitnehmer auch. Bezogen auf den Arbeitsplatz Schule bezeichnet der Begriff Mobbing eine besondere Art von Gewalt, bei der einer Person von einer oder mehreren stärkeren Personen, die alle im Kontext Schule zu sehen sind (in der Regel Kollegen oder Schulleitungsmitglieder), mehrfach Schaden zugefügt wird, und zwar absichtlich, wiederholt und über einen langen Zeitraum.
Dabei strahlen die stärkeren Personen nicht ausschließlich nur körperliche, sondern in der Mehrheit aller Fälle psychische Überlegenheit aus. Die geschädigte Lehrkraft erlebt ein anhaltendes Gefühl der Hilflosigkeit. Sie ist der stärkeren Person nicht gewachsen, kann entstandene Situationen nicht bewältigen und manövriert sich zunehmend in eine für sie aussichtslose Situation.
Wichtig ist bei der Verwendung der Begrifflichkeit Mobbing die klare Unterscheidung zu gewöhnlichen Konflikten. In Konfliktsituationen treffen unterschiedliche Interessen, Meinungen und Bedürfnisse aufeinander. Solche Konflikte sind in der Regel belastende Auseinandersetzungen, die allerdings nicht immer automatisch negativ behaftet sein müssen. Konflikte herrschen in jeglichen Institutionen vor, sie gehören zum Berufsalltag dazu. Konfliktfreie Arbeitsbereiche gibt es nicht. Negativ wird ein Konflikt erst dann, wenn konstruktive Lösungen fehlen oder diese ignoriert werden und alle Beteiligten auf ihrer Meinung beharren wollen.
Ein weiterer wichtiger Unterschied zum Mobbing besteht darin, dass Konfliktsituationen in der Regel nicht darauf angelegt sind, einzelne Konfliktpartner auszugrenzen, ihnen physischen oder psychischen Schaden zuzufügen, so dass der Betroffene die Schule verlässt. Wird die Belastung beispielsweise durch Stress für Lehrkräfte zu groß, und schafft es ein Konfliktpartner in solchen Situationen nicht, sie zu bewältigen, wird er zum Verlierer. Genannt wird dieser Umstand „Konflikt belastete Kommunikation“. In der Regel bereinigen sich solche Situationen in den nächsten Tagen, wenn sie ohne Denunzierungen und Diskriminierungen während der Konfliktsituationen auskommen.
Das Ziel eines jeden Mobbers ist es aber, nicht mit Einzelhandlungen, sondern systematisch hinsichtlich bestimmter Verhaltensmuster Betroffene aus der Schule zu ekeln, wobei sich Mobber unter anderem durch folgende Handlungen auszeichnen:
Sie verbreiten falsche Tatsachen über die Betroffenen.
Sind sie in der Hierarchie höher angesiedelt, weisen sie den Betroffenen sinnlose Aufgaben zu.
Sie drohen Gewalt an und üben diese auch aus. Das können auch physische Gewalttätigkeiten sein, wie Verprügeln, Treten, Schubsen, Stoßen, Bedrängen, Bewerfen oder Bespucken.
Sie entziehen Betroffenen grundlos Kompetenzen und üben ständig Kritik an deren Arbeit.
Sie isolieren Betroffene sozial, indem sie sie meiden oder ausgrenzen.
Verbale Mobber beschimpfen ihre Opfer und drohen oder demütigen sie mündlich. Nonverbale Mobber enthalten den Betroffenen wichtige Informationen vor und gestikulieren ihre Abneigung.
Mobber zerstören manchmal auch das Eigentum der Betroffenen. Das häufigste Beispiel findet sich im Zerkratzen von Autos auf dem Lehrerparkplatz.
Sie treiben Psychospielchen mit den Betroffenen. Dazu werden Unterrichtsmaterialen versteckt, die Lehrertasche entwendet oder auch schon mal der Autoschlüssel an sich genommen, um das Auto des Betroffenen umzuparken, damit der Eigner sich erschreckt.
Auch Cybermobbing ist möglich. Hier nutzt der Mobber verschiedene digitale Medien und verschickt für den Betroffenen schädigende SMS- oder WhatsApp-Nachrichten und E-Mails. Oder er kommentiert negativ über das Mobbing-Opfer auf diversen Plattformen des Social Media Bereichs und lädt schädigende Videos im Internet hoch.
Mischformen der einzeln aufgeführten Handlungen sind Realität und zu beobachten, wenn Lehrer ihre Kollegen mobben. Verschiedene Handlungen wechseln sich ab, gehen ineinander über oder vermischen sich. Sie alle jedoch schädigen den Betroffenen und werden nur aus diesem Grund ausgeführt.
Der Pionier unter den heute zahlreichen Mobbing-Forschern ist eindeutig in Heinz Leymann zu sehen, der als Betriebswirt, Arzt und Diplompsychologe 1955 von Deutschland nach Schweden auswanderte, um von dort aus gegen Ende der 1970er Jahre Forschungen zu direkten und indirekten Angriffen in der Arbeitswelt zu betreiben. Er war nahezu der erste, der von Mobbing in der Arbeitswelt sprach.
Mit seiner ersten Arbeit zu diesem konkreten Thema Anfang der 1990er Jahre, in der er wissenschaftliche Erkenntnisse zu Mobbing zusammenfasste, erreichte er zunächst nur in den nordeuropäischen Staaten Aufmerksamkeit. Mitteleuropa zögerte einige Zeit, die Thematik aufzugreifen. Bis heute gibt es nun zahlreiche Veröffentlichungen, ausführliche Fallbeschreibungen und auch in der Öffentlichkeit geführte Diskussionen, was Herrn Leymann, der 1999 verstarb, sicher freuen würde. Die Gruppe der mobbenden Lehrer fehlt in der öffentlichen Diskussion.
Festzustellen bleibt, dass es bei all der Öffentlichkeit lediglich Länder wie beispielsweise Spanien, Frankreich und Schweden geschafft haben, gesetzlich verankerte Bestimmungen zum Schutz vor Mobbing am Arbeitsplatz zu schaffen. Deutschland scheint auch im Jahr 2023 noch weit davon entfernt zu sein und so können nach wie vor die meisten Mobber ihr Unwesen treiben und viele ihrer Opfer ins Aus befördern, ausgenommen von einzelnen Handlungen, die das Strafgesetzbuch klar und deutlich beschreibt. Beleidigungen, üble Nachreden und Verleumdungen sind eindeutige Straftaten, die man als Opfer nicht hinnehmen muss.