Nice to meet you, Tel Aviv! - Mirna Funk - E-Book

Nice to meet you, Tel Aviv! E-Book

Mirna Funk

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Beschreibung

Haifa arbeitet, Jerusalem betet und Tel Aviv tanzt - so eine israelische Redewendung. Tel Aviv, das ist die pulsierende Metropole am Mittelmeer, das lebenslustige Herz von Israel mit einer legendären Club- und Barszene. Für Spiegel-Bestseller-Autorin und Journalistin Mirna Funk ist die Stadt zweite Heimat und so pendelt sie seit Jahren zwischen Berlin und Tel Aviv hin und her. Mit ihr tauchen wir ein in die spannende Kunstszene, gehen in trendige Clubs und angesagte Restaurants, entdecken die Bauhaus-Architektur und lernen, wie ritualisiert am Strand geflirtet wird. Ein persönlicher Reiseführer, der die spezielle Energie einer multikulturellen Stadt zeigt, die es so kein zweites Mal gibt.

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Seitenzahl: 228

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Impressum

© eBook: 2025 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

© Printausgabe: 2025 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung durch Film, Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeglicher Art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Leserservice:

GRÄFE UND UNZER Verlag

Grillparzerstraße 12

81675 München

www.graefe-und-unzer.de

Autor: Constantin Schreiber

Redaktion und Projektmanagement: Caro Kania, Susanne Kronester-Ritter

Lektorat: Regina Carstensen

Bildredaktion: Fabian Riedel

Schlusskorrektur: Christiane Gsänger

Covergestaltung: Favoritbuero Gbr

eBook-Herstellung: Teresa Klocker

ISBN 978-3-8464-1016-5

1. Auflage 2025

GuU 8-1016 03_2025_02

Bildnachweis

Coverabbildung: Mirna Funk, cr: Dudy Dayan

Fotos: Adobe Stock; Alamy Stock: Michael Jacobs; Boaz Rottem; A-List Films; Brown Hotels; Chabad Center Tel Aviv; Dudy Dayan; Ted Eytan: Getty Images: kolderal; FOTOGRAFIA INC.; Sarit Goffen; imageBROKER: Schoening; iStock; laif: Christian Kerber; mauritius images: Eddie Gerald; Marina Spironetti; Alexandre Rotenberg; Tottotophotography; Milgo & Milbar; Benjamin Mosh; Shai Neiburg; picture alliance: United Archives/Publicity Still; Noam Preisman for Telavivian; Rosenfeld Gallery and Courtesy of the artist, Tel Aviv; Elad Sarig Courtesy of the Artist; Shutterstock; Soho House; Ruby Star; Ori Taub; Teder.FM: Ariel Efron; The Efendi Hotel; The Vera: Assaf Pinchuk; Unsplash: Anna Synytsyna; Chen Mizrach; Denise Jans; Heli Ruiz; Joseph Barrientos; Levi Meir Clancy; Mor Shani; Or Hakim; Oleg Yudin; Robert Bye; Shai Pal; Stanislav Vdovin; Yaroslav Lutsky; Yoav; Verner Tel Aviv

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Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung ohne Zustimmung von Gräfe und Unzer ist unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Daten und Fakten für dieses Werk wurden mit äußerster Sorgfalt recherchiert und geprüft. Wir weisen jedoch darauf hin, dass diese Angaben häufig Veränderungen unterworfen sind und inhaltliche Fehler oder Auslassungen nicht völlig auszuschließen sind. Für eventuelle Fehler oder Auslassungen können Gräfe und Unzer, die ADAC Medien und Reise GmbH sowie deren Mitarbeiter und die Autoren keinerlei Verpflichtung und Haftung übernehmen.

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Wichtiger Hinweis

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»Tel Aviv und Bücher gehören für mich zusammen. Wie wahrscheinlich nichts anderes. Sie sind das Paar, das mein Leben dort prägt. Das liegt unter anderem daran, dass ich einen Großteil meiner Bücher in Tel Aviv geschrieben habe. Entweder sitzend auf irgendeinem Balkon oder liegend am Strand. Liegend am Strand deshalb, weil die gesamte Beachfront vom Norden bis zum Süden mit Restaurants gespickt ist, vor denen Strandliegen, Sonnenschirme, Plastikstühle und Tischchen stehen. So kann man den ganzen Tag bequem abhängen und bei den Kellnern bestellen, was die Karten hergeben, und das reicht von Pommes frites bis zu einer Flasche Champagner. Zwischen den Lokalen gibt es Strandabschnitte, auf denen man sich einfach horizontal ausstrecken kann, ohne an speziellen Automaten Geld für seine Liege zu bezahlen. Aber wer es chillig und ein bisschen fancy mag, der fläzt sich auf die orangefarbenen Dinger …«

Mirna Funk

Nach Jahren des Pendelns ist meine Entscheidung getroffen: Mein Hauptwohnsitz ist nun in Tel Aviv.

Willkommen in Tel Aviv – in einer Stadt vieler Widersprüche

Das Leben in Israels größter Stadt kommt einem steten Abenteuer gleich. Einer Odyssee. Aber gerade dadurch ist es auch intensiv – und lebenswert. Wichtig ist hier vor allem Mut, mit Spannungen umzugehen.

Als ich dieses Buch zu schreiben begann, war die Welt noch eine andere. Denn es war die Welt vor dem 7. Oktober 2023. Aber im Nahen Osten dreht sich alles ein bisschen schneller, und man kommt meistens, ob der einprasselnden Ereignisse, kaum hinterher. Das kenne ich. Das ist nichts Neues. Das ist genau das, was ich am Nahen Osten so liebe. Wer es gerne schnell, aufregend und auch ein bisschen gefährlich mag, der muss hierher.

1991 habe ich Israel zum ersten Mal bereist. Seitdem sind über drei Jahrzehnte vergangen. Drei Jahrzehnte voll verrückter Veränderungen überall auf unserem Planeten. In diesen 30 Jahren bin ich nicht nur unzählige Male nach Tel Aviv geflogen und habe das Land bereist, sondern spielte immer wieder mit dem Gedanken, ins sogenannte Gelobte Land zu ziehen: Im Sommer 2007 blieb ich drei Monate, wollte nie wieder weg, und ging dann doch aus persönlichen Gründen zurück nach Berlin. Im Sommer 2014 zog ich nach Tel Aviv, beantragte meine Aliyah, also die israelische Einbürgerung, verliebte mich, wurde schwanger und musste am Ende wieder – vor allem aus beruflichen Gründen – meinen Lebensmittelpunkt erneut nach Deutschland verlegen. Zehn Jahre vergingen. Zehn Jahre pendeln. Zehn Jahre im Flieger. Dann veränderte sich alles. Und als Reaktion darauf verlegte ich meinen Hauptwohnsitz nach Tel Aviv. Seit Juli 2024 bin ich israelische Staatsbürgerin.

Für mich ist Tel Aviv deshalb nicht mehr nur ein Ort, an den ich zehnmal im Jahr reise, um dort besser zu essen, besser zu trinken, besser zu feiern, besser zu reden und besser zu schreiben als irgendwo sonst in der Welt, sondern mein Zuhause. Deshalb fanden die letzten Korrekturen zu diesem Buch auf meinem Balkon in Jaffa statt. Mit Meerblick. Aber eben auch mit dem ständigen Raketenalarm, mit sich überschlagenden Nachrichten, mit über 100 israelischen Geiseln, die immer noch in Gaza gefangen gehalten werden. Gleichzeitig geht das Leben hier ganz normal weiter. Eine Normalität, die vor allem für Menschen aus dem Westen schwer nachzuvollziehen ist. Was zu viele vergessen, ist, dass auf diesem Fleck Erde schon seit 3000 Jahren gestritten, gerungen, gekämpft, gemordet – gelebt wird. Unerbittlich. Unerbittlich genossen. Unerbittlich gelitten. Das ist der Reiz Israels, und wer diesen Reiz erleben will, wer nicht die Realität der Conditio humana scheut, der muss hierher und nirgendwo anders hin. Denn hier bewegt man sich genau zwischen Gut und Böse, zwischen Freude und Leid, zwischen Liebe und Hass.

Gleichmäßig pendelt man zwischen diesen zutiefst menschlichen Extremen und ist deshalb – wenn man bereit ist, diese Spannung auszuhalten – direkt am Kern der Wahrheit. Aber man schwingt eben nicht nur zwischen Extremen, man erlebt vor allem die Realität. Die Realität einer Stadt, in der Juden und Muslime, Drusen und Christen, Beduinen und schwarze und weiße Menschen zusammenleben. Mit all der reichhaltigen kulturellen Lebendigkeit und all den Komplikationen, die dazugehören. Eine Realität, die niemand jemals verstehen wird, der noch nie hier war. Eine Realität, die die Medien – die klassischen und die digitalen – nicht schaffen wiederzugeben.

Während ich die letzten Wochen auf meinem Balkon saß, um zu arbeiten, und im selben Augenblick den Nachrichten und ihren Zuschreibungen folgte, musste ich oft lachen. Ich musste auch weinen, aber mehr lachen, weil die Fantasien, die auf dieses Land und auf diese Stadt projiziert werden – meistens von Menschen, die weder das Land noch die Stadt kennen –, an Binarität kaum zu übertreffen sind. Denn was offensichtlich niemand zu verstehen gewillt ist, ist, dass die Extreme hier gleichzeitig stattfinden. Die Widersprüche existieren parallel, nicht isoliert. Und genau das schafft diese aufregende, sinnliche, vibrierende Spannung, die eben nicht für jeden auszuhalten ist. Aber wer sich nach ihr sehnt, wer bereit ist, vom Gegenteil überzeugt zu werden und offen und durchlässig genug ist, möglicherweise falsch zu liegen, der muss jetzt ein Ticket nach Tel Aviv buchen. Nicht in einem Jahr, nicht in zwei Jahren – jetzt. Weil Israel eben nicht für die Langzeitplanung geschaffen wurde, sondern für den exzessiven Mut, das Leben mit allen Zügen in seiner Jetztzeit aufzusaugen und zu genießen. Tel Aviv ist nicht für jede und jeden, aber für alle, die die Nacktheit der menschlichen Existenz nicht scheuen und bereit sind, sich trotz der Angst in den Ozean zu stürzen.

Mirna Funk

Ein Traum im Sand – Juden aus Europa gründeten 1909 an der Küste Palästinas Tel Aviv.

Ich liebe das pulsierende Leben in Tel Aviv, das spannungsreiche Land Israel.

Meine Lieblingsorte in Tel Aviv

Mitten in der Stadt liegt der Dizengoff Square, ein lebendiger, urbaner Platz, umgeben von Bauhaus-Architektur.

Wer wie ich Kunst liebt, findet in Ausstellungen ständig Interessantes. Hier eine Installation des in Brüssel arbeitenden Künstlers Jean-Baptiste Bernadet.

Überdacht: Von diesen Stufen am Strand kann man aufs Meer blicken, ohne der Sonne ausgesetzt zu sein.

HaBima Square mit dem Kunstwerk »Uprise« von Menashe Kadishman, 1967.

Der Carmel Market ist der größte Markt von Tel Aviv, hier gibt es Mengen von Obst und Gemüse.

Nichts ist schöner, als direkt am Strand unterwegs zu sein, zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Oder wie ich mit einem Corkinet.

Feinster Sand und klares Wasser – der herrliche Strand von Tel Aviv ist vierzehn Kilometer lang.

Mein Tel Aviv

Das ist Leben für mich: draußen in einem der vielen kleinen Restaurants zu essen oder einfach nur etwas zu trinken.

Das beste Essen der Welt

Thunfisch mit Nüssen, Feigen mit Ricotta und Olivenöl, Malawach mit Joghurt und Tomatensauce

Geschmacksexplosionen sind garantiert!

Über 70 Nationen leben in Tel Aviv, kein Wunder, dass dieses Zusammenleben von so vielen Menschen aus aller Welt besonders in der Vielfalt von Gerichten zu spüren ist.

Der Himmel strahlt tiefblau. Die Sonne scheint stabil gelb. Vor mir steht ein Teller Feigen mit Ricotta und Olivenöl. Es ist Mittagszeit. Das Mirage, eines der vielen Restaurants des bekannten israelischen Kochs Eyal Shani, ist voll. Hier treffen sich zu jeder Tages- und Nachtzeit die Hipster, die Geschäftsleute und die Kreativen Tel Avivs. Lange gibt es das Restaurant noch nicht. Aber seit Eröffnung des Parks HaMesila, der die Stadtteile Florentin und Jaffa miteinander verbindet, ist es zum Hotspot geworden. Das Angebot konzentriert sich auf Fisch. Fleischgerichte findet man hier nicht auf der Karte, dafür aber Jerusalembohnen, die auch in den anderen Lokalen von Shani angeboten werden.

Mit zwei befreundeten Designern sitze ich beisammen und diskutiere Entwürfe für ein Buchcover. Zwischen Berlin und Tel Aviv zu leben, das ist die Verwirklichung eines Traums, der vor über 30 Jahren begann, als ich zum ersten Mal in den Flieger nach Israel stieg. Damals, 1991, war Israel noch ein anderes Land. Extrem von den USA beeinflusst, aber verortet in Nordafrika. Der Golfkrieg lag hinter dem Land, eine weitere Intifada vor ihm. Wer an Israel denkt, der hat Gewehre vor Augen, orthodoxe Siedler, Chaos. Befragen mich Personen zu meinen Tel-Aviv-Aufenthalten, dann immer mit dem Wunsch, die Stadt zu besuchen, und gleichzeitig der Sorge, dass ihnen etwas passiert. Aber Tel Aviv ist wie Barcelona oder Berlin am Meer und jederzeit einen Trip wert, denn die Lage ist weitaus sicherer, als es die Medien vermitteln. Die Stadt bietet nicht nur einen Strand, der zu den schönsten auf der Welt gehört, sondern eine der lebendigsten Ess- und Ausgehkulturen. Viel Gemüse und Hülsenfrüchte sind typisch für das Essen in Israel, dazu Gewürze wie Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom und Petersilie. Fleisch wird eher wenig gegessen, eher mehr Fisch.

Viele Israelis erledigen ihre Einkäufe für den Schabbat auf dem Carmel Market.

Handeln nicht vergessen

Sowieso, das Essen. Das vergisst man nicht so leicht. Ich stopfe die letzte Feige in meinen Mund und beende unsere Besprechung. Anschließend mache ich mich auf den Weg zum Shuk HaCarmel, um Obst, Gemüse und Gewürze zu kaufen. Der Markt liegt in der Innenstadt, nur fünf Minuten vom Meer entfernt, mitten im alten jemenitischen Viertel Kerem HaTeimanim. Wieso jemenitisches Viertel? Weil hier im 19. Jahrhundert, lange vor der Staatsgründung Israels, jemenitische Juden ansiedelten – vielfach Flüchtlinge, die wegen ihrer jüdischen Identität verfolgt wurden. Die meisten von ihnen waren handwerklich geschickt, die traditionellen Steinhäuser in den engen Gassen spiegeln den architektonischen Stil wieder, den sie aus ihrer Heimat mitbrachten. Das Viertel ist berühmt für seine jemenitische Küche. Restaurants und kleine Läden bieten traditionelle Gerichte wie Malawach, Jachnun oder Zkhug an. Während Kerem HaTeimanim einst als bescheidene Wohngegend begann, hat es in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Veränderung durchgemacht. Heute ist es ein trendiger Ort mit vielen Bars, Restaurants und Kunstgalerien. Aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung und einzigartigen Architektur gibt es Bemühungen, die kulturelle und historische Integrität des Viertels zu bewahren, während es sich weiterhin entwickelt.

Ich quetsche mich durch den schmalen Pfad des Shuks. Es ist voll. Die meisten Stadtbewohner erledigen auf dem Markt ihre großen Einkäufe, weil die Waren gut, frisch und günstiger als im bekannten AM:PM sind. Die Supermarktkette mit dem blauen Logo und dem blauen Licht ist an fast jeder Ecke zu finden, die Filialen sind rund um die Uhr geöffnet. Auch an Schabbat, dem freien Tag, der am Freitag mit Sonnenuntergang beginnt und am Samstag mit Sonnenuntergang endet. Rechts und links von mir verkaufen Händlerinnen und Händler ihre Waren. Von T-Shirts über Unterhosen bis hin zu Spielzeug kann alles erworben werden. Abgesehen von den Lebensmitteln ist der Markt auch eine Touristenattraktion, weshalb entsprechende Sachen im Angebot sind.

NICHT VERPASSEN

Carmel Market

Der Carmel Market (Shuk HaCarmel) in Tel Aviv ist der größte und bekannteste Markt der Stadt. Er erstreckt sich entlang der Carmel Street und bietet eine lebendige Atmosphäre, die sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht. Hier findet man eine große Auswahl an frischen Lebensmitteln, darunter Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Gewürze. Daneben gibt es Stände mit Kleidung, Schuhen, Haushaltswaren und handgefertigten Souvenirs. Der Markt spiegelt die Vielfalt Israels wider, von orientalischen Gewürzen bis hin zu internationalen Einflüssen. Die Nähe zum Strand und das pulsierende Umfeld machen ihn zu einem wichtigen Treffpunkt im Herzen Tel Avivs. Der Markt liegt an der HaCarmel Street und grenzt an die Allenby Street.

Wichtig ist: Auf dem Markt wird gehandelt. Kein Preis ist der Endpreis. Der Endpreis wird erst dann aufgerufen, wenn man sich schon im Gehen befindet. Feilschen muss gekonnt sein. Besonders in Israel. Ob man im Taxi sitzt, in einem Handyshop einkauft oder eben auf dem Markt. Wer die Preise bezahlt, die aufgerufen werden, ist selbst schuld. Denn die liegen meistens 50 Prozent über dem, was man eigentlich ausgeben müsste. Also, bloß nicht schüchtern sein, sondern selbstbewusst und durchsetzungsfähig. Handeln heißt, zu zeigen, dass man weiß, wie viel etwas kostet, selbstverständlich wird deshalb auch nur dieser Preis gezahlt. Allerhand lustige Situationen können so entstehen, bis hin zu gefakten Anrufen vonseiten der Verkäufer. Handeln ist in Israel ein Spiel, auf das man sich schamfrei einlassen kann. Wer nicht mitspielt, ist ein Spielverderber und wird dementsprechend bestraft. Gerade Deutsche können mit ihrem oftmals verklemmten Verhältnis zum Geld einiges lernen. Denn hier spricht man über Geld, hier diskutiert man über Geld und hier darf um Geld gestritten werden.

Äußerst beliebt: das buttrige Blätterteig-Fladenbrot Malawach.

Mit dem Corkinet an Strandlokalen vorbei Richtung Jaffa

Meine Plastiktüten sind nach einer Stunde gefüllt, und ich esse im Kerem, wie man das Viertel kurz bezeichnet, noch schnell ein bisschen Malawach. In einer der vielen Gassen, die vom Shuk abgehen, gibt es ein Restaurant, Der Jemenit, das meiner Einschätzung nach das beste Malawach hat. Aber was ist Malawach, dieses traditionelle jemenitische Gericht, das auch in Israel extrem populär ist? Die Blätterteigspeise ist eine Art Fladenbrot, das aus mehreren dünnen Teigschichten besteht und ordentlich fettig ist. Wie die meisten jemenitischen Gerichte im Übrigen. Der Teig enthält oft nur Mehl, Wasser und Salz und wird mit einer Menge Butter oder Margarine zubereitet. Das Fladenbrot selbst wird in einer Pfanne gebraten, bis es goldbraun und knusprig ist. Serviert wird es sowohl als süßes als auch als salziges Gericht. In Israel wird Malawach mit Tomatensauce, hart gekochten Eiern oder Labaneh (ein dicker, gesäuerter Joghurt) angeboten, für eine süße Variante mit Honig oder Marmelade. Und jetzt muss man nur noch die Aussprache üben. Am besten vor dem Spiegel. Ma-la-o-ach mit einem kratzigen »Krrrr« am Ende, nicht mit einem »Ch«, wie man es auf Deutsch normalerweise aussprechen würde, und einem verschluckten O. Los, noch mal: Ma-la-o-ach.

Mit vollem Magen und nicht minder vollen Tüten suche ich mir ein Corkinet, wie man E-Scooter in Tel Aviv nennt. Mein favorisiertes Fortbewegungsmittel in dieser Stadt. Denn in ihr gibt es viele Fahrradwege, und sie selbst ist gerade mal 70 Quadratkilometer groß. Man kann sich also relativ einfach und schnell von Nord nach Süd oder von Ost nach West bewegen. Ich schalte das Corkinet frei und hänge die Tüten an den Lenker. Dann geht es los Richtung Beachfront, die nur 300 Meter entfernt liegt. Dort verbindet ein Fahrradweg den Norden mit dem Süden. Ich muss nach Jaffa. Da ist meine Wohnung, die ich geswapt habe. Swappen, das ist Wohnungstausch. So habe ich es gemacht, während ich keine Wohnung in Tel Aviv hatte. Auch wegen der extrem hohen Mietpreise.

In den vielen Strandrestaurants lassen sich hervorragend Fisch und Meeresfrüchte essen.

Sundowner mit Meerblick

Am Strand befinden sich alle paar Meter Restaurants, in denen gängige Gerichte angeboten werden: Edamame (unreife Sojabohnen), Carpaccio, Chicken Wings oder Israeli Salad. Letzteres gibt es eigentlich in jedem Lokal, ein Salat aus Gurken, Tomaten und Lauchzwiebeln. Alles klein geschnitten, mit Olivenöl verfeinert, ein bisschen Salz und Pfeffer – und das war’s. Die Strandrestaurants heißen La Mer, Lala Land oder Manta Rei, jedes von ihnen liefert neben den Standardgerichten noch eine hervorragende Auswahl an Fischen. Tel Aviv ist eben eine Stadt am Meer. Also gibt es hier neben Fischen auch Schalentiere, die eigentlich nicht koscher sind. Koscher, das heißt essbar. Im Judentum existieren strenge Speiseregeln, die jedoch sehr viele im Land nicht befolgen. Aber manche schon. Schwein ist verboten, Scampi sind verboten und Fleisch mit Milchprodukten zu mischen ist auch nicht erlaubt. Bolognese mit Parmesan geht gar nicht.

Dass wir in Israel eine große Start-up-Szene haben, die sich auf Kunstfleisch konzentriert, kommt nicht von ungefähr. Im Labor hergestelltes Fleisch ist der Ausweg aus Tierleid, will man sich nicht nur vegetarisch oder vegan ernähren. Denn alles, was es dazu braucht, sind Stammzellen eines (koscheren) Tiers oder Fischs. Daraus werden dann in der Petrischale Schweinebeine oder Scampi gebaut – und schon kann man Bacon zum Frühstück essen oder eine leckere Pasta mit dem ursprünglich verbotenen Schalentier.

Cuisine auf Michelin-Niveau

Ich sause also weiter Richtung Süden. Rechts von mir das Meer und der Strand, links von mir Tel Aviv mit seinen weißen Gebäuden im Bauhaus-Stil und seinen heruntergekommen Mini-Häusern, die vor knapp hundert Jahren aus dem Boden gestampft wurden. Am Ende des Fahrradwegs beginnt Jaffa. Eine eigene kleine Stadt, wenn man so will, die trotzdem noch als ein Viertel von Tel Aviv gilt – aus Jaffa entstand einst Tel Aviv.

Rasch verstaue ich alles in den Kühlschrank, danach springe ich unter die Dusche. Am frühen Abend treffe ich Moti Titman, einen der hiesigen Starköche. Er hat mich in sein Restaurant Milgo & Milbar eingeladen, das ihm gemeinsam mit Ben Ring gehört. Es liegt am HaBima Square, im Zentrum der Stadt, quasi eine der exklusivsten Adressen. Der HaBima Square ist eine architektonische Wucht am Ende des wunderschönen Rothschild Boulevards. Die Sonne geht langsam unter, das tut sie in Israel auch im Sommer früher als in Deutschland, weil das Land nahe am Äquator liegt.

Die Air Condition kühlt meine Wohnung angenehm runter, nur so ist es im Sommer in Tel Aviv auszuhalten. Die Temperaturen liegen am Tag bei 34 Grad Celsius im Schatten und in der Nacht bei 28; die Luftfeuchtigkeit pendelt sich bei 80 Prozent ein. Wer es lieber kühler mag, sollte die Stadt zwischen Februar und Mai oder November und Dezember besuchen. Ich springe in ein luftiges Etwas. Hier kann man sich ein bisschen was einfallen lassen und muss nicht an irgendwelche Jäckchen denken. Je weniger am Körper, desto besser. Die Stadt ist frei, offen und sexy.

Wieder bin ich unterwegs, vor und hinter mir rauschen Frauen und Männer auf ihren Corkinets und Fahrrädern den Rothschild Boulevard entlang. Alle sind gestylt und auf dem Weg, Freunde zu treffen.

Die Stadt pulsiert, die Restaurants sind voll. Die Bars sind voll. Die Straßen sind voll.

Vor Ort treffe ich Ori, den Fotografen für dieses Buch. Wir freuen uns auf ein Sechs-Gänge-Menü, das Moti für uns vorbereitet hat. Moti ist in meiner Lieblingsstadt geboren und aufgewachsen. Weder seine Mutter noch sein Vater waren besonders gute Köche, aber in der Armee begann er, einfache Gerichte für seine Kolleginnen und Kollegen zu kochen. In Israel geht jeder Mann drei Jahre und jede Frau anderthalb Jahre zur Armee. Mittlerweile kann man sich auch für einen Sozialdienst verpflichten, wenn man aus moralischen oder emotionalen Gründen der Armee fernbleiben möchte.

Motis Gerichte wurden von allen geliebt, und so professionalisierte er seine Arbeit. Nach dem Armeedienst begann er im Hilton Hotel in Tel Aviv zu arbeiten. Nach einem Jahr zog es ihn nach Straßburg, weil er Gerichte aus der ganzen Welt kennenlernen wollte – und verliebte sich in die französische Küche. Während wir über seine berufliche Laufbahn sprechen, kommt der erste Gang. Thunfisch-Sashimi mit Nüssen und Kräutern. Man merkt sofort, Moti weiß, was er tut und wie man eine Geschmacksexplosion im Mund kreiert. Alles macht Sinn, was die Zunge berührt. Der weiche frische Fisch, die knackigen Erdnüsse sowie die Kräuter, die die Bitterstoffe liefern. Moti erzählt nebenbei, wie er nach drei Jahren Straßburg zurück nach Tel Aviv kehrte und im berühmtesten Restaurant Israels anfing, im Raphael, das es mittlerweile nicht mehr gibt. Dort entwickelte er seine Kochkünste weiter, anschließend in Berlin und New York.

Moti Titmans Restaurant Milgo & Milbar gehört zu den besten im Mittleren Osten und Nordafrika.

Der Kellner, der sich mit seinem Vornamen vorgestellt hat, bringt uns nun die famosen Moti-Kroketten und die Pasta, die einen fast wahnsinnig macht. 2017 ist Moti Gründer und Koch der Milgo & Milbar geworden. Das Restaurant wird unter den Top 50 im Nahen Osten gelistet. Und dass das stimmt, begreife ich mit jedem weiteren Gang, der geliefert wird. Aber es ist nicht das einzige Lokal, in dem er kocht und das ihm gehört. Moti ist ein Tausendsassa, Entrepreneur und Macher. Das spürt man, während er spricht. Das spürt man an seinen Gerichten. Er hat sich erst die Weltküche erobert und danach eine ganz eigene Version entwickelt. Diese ist inspiriert von Israel, aber auch von Tel Aviv. Die offene Küche von Milgo & Milbar kreiert eine intime Atmosphäre. Es ist der ideale Ort für ein Date, wenn ihr mich fragt.

Die Gerichte im Milgo & Milbar sind wie diese Muscheln in der Pfanne schon optisch ein Genuss.

Moti berichtet uns weiter von seinen Lieblingsgerichten und seinen Lieblingskräutern und seinen Lieblingszutaten, und weil wir parallel zu seinen Erzählungen sein Essen probieren dürfen, werden die Geschichten lebendig. Sein Essen ist der Beweis für sein tiefes Interesse, eine sinnliche Erfahrung für seine Gäste zu schaffen, die man so schnell nicht vergessen wird. Ein Abend in Motis Restaurant ist ein Must für jeden Tel-Aviv-Trip.

»Essen ist hier nahezu etwas Heiliges«

Interview mit Moti Titman

Chef Moti Titman ist der Visionär hinter Milgo & Milbar, einem der besten Restaurants in Tel Aviv. Er ist bekannt für seine innovative Kombination aus mediterranen und nahöstlichen Einflüssen mit globaler Küche. Die Gerichte des Hauses umfassen oft Spezialitäten aus Meeresfrüchten wie lila Tintenfisch mit Tsatsiki und Meeresfrüchte-Spieße, gelegentlich gibt es auch japanisch inspirierte Speisen wie Thunfisch-Sashimi. Titmans kulinarische Reise führte ihn durch einige der renommiertesten Restaurants weltweit, darunter das Raphael in Tel Aviv unter der Leitung von Chef Raphael Cohen. Sein Schwerpunkt auf hochwertigen, lokal bezogenen Zutaten ermöglicht es ihm, zeitgenössische Gerichte mit internationalem Flair zu kreieren.

Moti, erzähl mir ein wenig über dich. Wann hast du deine Leidenschaft zum Kochen entdeckt?

Das fing beim Militär an. Das Essen in der Armee ist nicht unbedingt das Beste. Ich habe hin und wieder mal für meine Freunde gekocht – nichts Weltbewegendes –, aber doch stets ein gutes Feedback erhalten. Nach der Armee reiste ich nach Europa, um dort Erfahrungen als Koch zu sammeln. In New York durchlief ich eine Konditorlehre, bevor ich dann nach Israel zurückkam, um einem Freund in seinem damals nicht allzu gut laufenden Restaurant auszuhelfen.

Verbringst du die meiste Zeit in diesem Lokal?

Natürlich ist es mein Baby. Aber ich habe auch weitere Restaurants, und in Kürze werden wir eines im Azrieli Sarona Tower in Tel Aviv eröffnen.

Welche drei Gerichte machen deine Kochkünste aus?

Meine absolute Empfehlung ist das Fischtatar, zubereitet mit sehr dünnen Kohlrabi-Scheiben. Beliebt sind auch unsere selbst gemachten Kroketten mit Mais, Hot Sauce und Parmesan – eine Kombination aus süß, sauer und scharf, typisch Tel Aviv. Und zu guter Letzt das saure, leicht zitronige Sashimi, das wir mit lokalen Gurken zubereiten.

Was unterscheidet sie denn von anderen Gurken?

Sie wachsen in der Wüste und sind deshalb weniger wässrig und recht knackig.

Beeinflusst dich Tel Aviv oder sogar die gesamte Nahost-Region bei der Entwicklung deiner Gerichte?

Absolut! Der Nahe Osten ist bekannt für seine Vielfalt an Gewürzen und Kräutern, sie sind mitunter am wichtigsten, damit ein Gericht interessant schmeckt. Und da es hier ziemlich heiß ist, servieren wir vornehmlich Essen, das weniger schwer im Magen liegt.

Gibt es so etwas wie eine lokale Tel Avivsche Küche?

Das kann man so sagen. Du findest hier sehr viel Labaneh, ein Rahmjoghurt, und Tahina, eine Paste aus vielfach gerösteten Sesamkörnern – sie bilden oftmals die Basis vieler Speisen, gerade in Tel Aviv. Wirklich einzigartig ist aber die nahezu grenzenlose Vielfalt an unterschiedlichen Gerichten. Das hängt damit zusammen, dass wir ein Einwanderungsland sind. In Israel treffen Kulturen aus aller Welt aufeinander, und das spiegelt sich dann auch in der Küche wider – so vielfältig die Menschen hier sind, so vielfältig ist auch die Kulinarik. Nehmen wir als Beispiel gefüllte Paprika. Jeder bereitet sie hierzulande so zu, wie er es von zu Hause kennt, abhängig von den eigenen Vorfahren.

Welche Restaurants – abgesehen von deinen – würdest du kulinarisch neugierigen Touristen empfehlen?

Soll es etwas Gehobenes sein, dann auf jeden Fall das OCD, in der Tirtsa Street 17. Dort bereiten sie traditionelle israelische Speisen zu, aber mit einer eigenen, sehr feinen Note. Sollte es dagegen eher europäisch sein, dann das HaBasta auf dem Shuk HaCarmel, HaShomer Street 4.

Und wer nach Streetfood Ausschau hält?

Definitiv ist da das HaKosem (Shlomo HaMelekh Street 1) zu nennen – einer der besten Falafel-Plätze in Tel Aviv. Wer Hummus mag, kommt an Abu Hassan in Jaffa nicht vorbei, es ist eines der ältesten Hummus-Restaurants des Landes.

In Israel hat die Essenskultur einen sehr hohen Stellenwert, fast schon etwas Obsessives. Woran könnte das liegen?