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Klarer Fokus für Entscheider In einer dynamischen und komplexen Welt müssen Führungskräfte unter Druck Höchstleistungen erbringen und sich schnell an neue Herausforderungen anpassen. Es braucht ein Maximum an Flexibilität, Energie und Durchsetzungskraft im Berufsalltag. Gleichzeitig wächst bei vielen Entscheidungsträgern bei all der Dynamik der Wunsch nach mehr Klarheit und Selbstwirksamkeit. Doch wie kann man bei diesen hohen Ansprüchen an die eigene Führungsrolle Ruhe, Effizienz und Durchblick bewahren? André Häusling und Thorsten Reitz präsentieren mit »Radical Self-Leadership« einen ganzheitlichen Ansatz, der über klassische Zeitmanagementtipps hinausgeht und berufliche mit persönlichen Aspekten verbindet. Mit ihrem rADAR-Modell für die kompromisslose Selbstführung und einer praxiserprobten Toolbox liefern sie umsetzungsstarke Strategien für Führungskräfte, die zu nachhaltigen Erfolgen sowie mehr Selbstbestimmung und Zufriedenheit finden wollen. Damit beweisen sie: gelungene Führung beginnt mit radikaler Selbstführung.
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Seitenzahl: 265
Veröffentlichungsjahr: 2025
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André Häusling, Thorsten Reitz
Radical Self-Leadership
In 4 Schritten zu mehr Klarheit und Selbstbestimmung im Führungsalltag
Campus Verlag
Frankfurt/New York
Über das Buch
Klarer Fokus für EntscheiderIn einer dynamischen und komplexen Welt müssen Führungskräfte unter Druck Höchstleistungen erbringen und sich schnell an neue Herausforderungen anpassen. Es braucht ein Maximum an Flexibilität, Energie und Durchsetzungskraft im Berufsalltag. Gleichzeitig wächst bei vielen Entscheidungsträgern bei all der Dynamik der Wunsch nach mehr Klarheit und Selbstwirksamkeit. Doch wie kann man bei diesen hohen Ansprüchen an die eigene Führungsrolle Ruhe, Effizienz und Durchblick bewahren?André Häusling und Thorsten Reitz präsentieren mit »Radical Self-Leadership« einen ganzheitlichen Ansatz, der über klassische Zeitmanagementtipps hinausgeht und berufliche mit persönlichen Aspekten verbindet. Mit ihrem rADAR-Modell für die kompromisslose Selbstführung und einer praxiserprobten Toolbox liefern sie umsetzungsstarke Strategien für Führungskräfte, die zu nachhaltigen Erfolgen sowie mehr Selbstbestimmung und Zufriedenheit finden wollen. Damit beweisen sie: gelungene Führung beginnt mit radikaler Selbstführung.
Vita
André Häusling ist Gründer und Geschäftsführer der HR Pioneers GmbH, die auf die Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Organisations-Designs spezialisiert ist. Er hat dabei immer wieder gelernt, Leadership neu und anders zu denken.Mehr zum Buch: https://www.radicalselfleadership.de/Thorsten Reitz ist Gründer und CEO der savvean UG, spezialisiert auf Beratung für digitale Produktentwicklung, Transformation und Leadership. Er kennt die Herausforderungen im Führungsalltag aus eigener Praxis.Mehr zum Buch: https://www.radicalselfleadership.de/
Cover
Titel
Über das Buch
Vita
Inhalt
Impressum
Einige persönliche Worte vorab
Danke!
Einleitung
Kapitel 1
Weißt du noch, wo dir der Kopf steht? — Der Ausgangspunkt deiner Reise zur Selbstführung
Technologischer Wandel
Gesellschaftlicher Wandel
Gesteigerter Selbstanspruch
Arbeitswelt und Führungsalltag
Prioritäten setzen im Anforderungsdschungel
Steigende Ansprüche und veränderte Arbeitsweisen
Der neue Weg der Selbstführung
Führe dich selbst!
Führe andere!
Kapitel 2
»Weiter so« funktioniert nicht mehr! — Warum wir Selbstführung anders denken müssen
Klarheit bereitet den Weg für effektive Selbstführung
Werte und Prinzipien – die Basis der Selbstführung
Werte für eine komplexe Welt
Prinzipien für eine komplexe Welt
Das rADAR-Modell – unser Vorgehen für Radical Self-Leadership
1 – Auswählen
2 – Durchführen
3 – Anpassen
4 – Reflektieren
Dein rADAR-Canvas
Kapitel 3
Wo stehst du heute? — Der ehrliche Blick in den Spiegel
Lebensbereiche
Blitzbewertung
Werte, Glaubenssätze und Überzeugungen
Werte
Glaubenssätze und Überzeugungen
Motivatoren
Wie du Demotivation vermeidest
Energiegeber und Energieräuber
Identität
Die Wirkung nach innen: Selbstbild und Selbstwahrnehmung
Die Wirkung nach außen: Wahrnehmung und Einfluss
Kompetenzen, Fähigkeiten, Stärken
Tools und Methoden für die Selbsterkenntnis
Selbstreflexion und Bewertung
Kapitel 4
Was willst du erreichen? — Deine Zukunft in deinen Händen
Klarheit und Selbstwert – die Erfolgsfaktoren für ein tolles Zukunftsbild
Werte und Glaubenssätze identifizieren
Kann man Werte ändern?
Wie kannst du deine Werte für die Zukunft definieren?
Das Zukunftsbild für verschiedene Lebensbereiche ausarbeiten
Ballast abwerfen: »Was ich zukünftig nicht mehr tun möchte/werde«
Identifiziere deinen Ballast
Die Not-to-do-Liste
Umsetzung und Reflexion
Träume und Wünsche
Die Zeitdimensionen deines Zukunftsbilds
Die Sichtweise anderer in das Zukunftsbild einbeziehen
Werkzeuge für die Entwicklung eines guten Zukunftsbilds
Das Traumalbum oder Zukunftsboard
Ziel, Grund, Messung
Die Grabrede
Zeitung/Website/Blog
Ein Zukunftsbild im Business entwickeln
Kapitel 5
Machen ist wie Wollen, nur krasser — Von der Absicht ins Handeln kommen
Externe Umsetzungsblockaden
Interne Umsetzungsblockaden
rADAR – Das Radical-Self-Leadership-Modell
Selbstführung entlang deines Herzschlags
1.
Schritt: Auswählen
Dein persönliches Backlog aufbauen
Wie du Ziele klar formulierst
Ziele setzen mit der CLEAR-Methode
Wie man eine Alpenüberquerung schafft – oder: Ziele in Etappen zerlegen
Das Wichtigste zuerst: Ziele passend priorisieren
Deine Toolbox: Sechs Methoden für die Priorisierung von Teilaufgaben
Gute Tools und Apps für das Abbilden von Taskboards
Commitment schaffen
2.
Schritt: Durchführen
Am Anfang ist die Motivation – wie du in den Flow kommst
Wie du unangenehme Aufgaben beseitigst
Wie du deine persönlichen Umsetzungsblockaden überlistest
Wie du dir Freiräume schaffst
3.
Schritt: Anpassen
Warum das Anpassen so wichtig ist
Wie die Überprüfung von Zielen aussehen kann
In welchem Rhythmus sind Anpassungen hilfreich?
Wie Wertschätzung deinen Erfolg steigert
4.
Schritt: Reflektieren
Wie dir feste Zeiten helfen, den Reflexionsprozess zu meistern
Wie du mit Retrospektiven aus der Vergangenheit lernen kannst
Wie du dich von Ballast befreist und deine Effizienz steigerst
Wie du nachhaltige Gewohnheiten entwickelst
Kapitel 6
Vom Wissen ins Tun — Wie du sofort starten kannst
1.
Schritt: Vorbereitung
2.
Schritt: Dein erster Herzschlag – Fokus Standort
3.
Schritt: Dein zweiter Herzschlag – Fokus Zukunftsbild
4.
Schritt: Dein dritter Herzschlag – deine Ziele
Kapitel 7
Erfolgreich im Alltag — rADAR im Privatleben
Radical Self-Leadership in der Partnerschaft und im Familienalltag
Retrospektiven
Ein Taskboard für die Familie
Familienlogo
Fokuszeiten für die Kinder
Fokuszeiten als Paar
Entwicklungsgespräche mit den Kindern
Feedbackgespräche mit den Kindern
Familienrat
Das Radical-Self-Leadership-Modell im Ehrenamt
Standortbestimmung
Zukunftsbild
Meetings
Tools
Wie es für dich weitergeht
Die Autoren
André Häusling
Thorsten Reitz
Wir haben uns bei TUI kennengelernt: Thorsten war als Führungskraft in einer verantwortlichen Rolle und André begleitete mit seinem Beratungsunternehmen HR Pioneers eines der Projekte. Während eines Abendessens in Berlin sprachen wir zum ersten Mal über die Idee für ein Buch, damals unter dem Arbeitstitel »Personal Kanban«. Wir wollten uns darauf fokussieren, wie agile Prinzipien in das private Leben transferiert werden können. So wie aber das Leben nun einmal läuft, kamen immer wieder andere Themen, Projekte und Prioritäten dazwischen und wir verfolgten die Idee erst einmal nicht weiter.
Doch als Thorsten 2022 sein eigenes Unternehmen gründete und seine Karriere außerhalb des Konzerns fortsetzen wollte, wurde das Thema für ihn in seiner Rolle als Mentor wieder aktuell. Ihm fiel daraufhin die Idee zum Buchprojekt wieder ein und wir beide konnten uns schnell erneut dafür begeistern. Fortan führten wir viele Gespräche über unsere eigenen Herausforderungen, über unsere unterschiedlichen Sichtweisen als Familienväter, Berater oder Führungskräfte sowie über die in der Zwischenzeit gemachten Erfahrungen. Wir führen sehr unterschiedliche Leben und doch eint uns unsere Sicht auf Werte, Prinzipien, Methoden und Routinen.
Während unserer vielen Diskussionen wurde uns bewusst, wie wichtig es ist, Klarheit über das eigene Leben zu haben, um die eigene Zukunftsgestaltung aktiv angehen und andere Menschen führen zu können. Wir beschäftigten uns zunehmend damit, wie wir uns selbst wirksamer organisieren könnten. Dabei machten wir es uns zur Gewohnheit, immer wieder inspirierende Menschen zu fragen, wie sie sich selbst organisieren und welche Tools sie dabei nutzen.
Meist ging es schon bald nicht mehr nur um die Selbstorganisation im Business, sondern darum, wie wir unser Leben in verschiedenen Rollen organisieren; häufig auch darum, wie wir ein Gefühl der Wirksamkeit damit erreichen könnten: Wie können wir viel bewegen, ohne uns dabei selbst zu verlieren? Wir durften beide viel lernen und freuen uns darüber, unsere Erfahrungen hier an dich weiterzugeben.
Wir möchten uns bei unseren Führungskräften bedanken, die uns in unserer Karriere geprägt haben. Ebenso sind wir sehr dankbar für die Teams, die uns immer wieder als Führungskraft vertraut und neu herausgefordert haben. Wir haben viel von euch lernen dürfen.
Wir möchten uns beide herzlich bei Dolores Omann bedanken. Es war eine tolle Zusammenarbeit mit dir. Deine Anregungen, deine Rückfragen und deine Erfahrung haben uns sehr geholfen, das Buch jetzt in den Händen zu halten, auch wenn es sicherlich nicht immer einfach für dich war.
Vielen Dank auch an den Campus Verlag, insbesondere an unsere Lektorin und Projektmanagerin Lisa Becker für die effektive Betreuung während des gesamten Projekts und die Hilfe bei allen Fragen, die sich für uns während der Erstellung ergeben haben.
Ein besonderer Dank gilt Britta Fietzke, die als Redakteurin dem Buch durch ihre sorgfältige Arbeit den letzten Schliff gegeben hat. Ihre wertvollen Anmerkungen und ihr geschultes Auge für Details haben maßgeblich zur Qualität des Werkes beigetragen.
Ein weiterer Dank geht an Lydia Dietsch, die uns bei der Erstellung der Abbildungen mit ihrer Expertise tatkräftig unterstützt hat.
Zu guter Letzt geht noch ein Riesendank an unsere Familien, für die Unterstützung und das Verständnis dafür, dass man in manchen Momenten einen klaren Fokus setzen muss.
Bei vielen Führungskräften ist die Frustration derzeit groß. In sämtlichen Richtungen gibt es Herausforderungen und Problemfelder, deren Lösungen immer energieaufwendiger sind. Wo bleibe ich selbst noch als Führungskraft? Ist dies wirklich das Leben, das ich führen will?
In den letzten Monaten und Jahren haben wir viele Gespräche mit Führungskräften geführt und deren Problemfelder sind häufig ähnlich. In einer von Krisen, Turbulenzen und Dynamik geprägten Welt sind sie immer noch dazu angehalten und verpflichtet, Ergebnisse zu liefern sowie Kundennutzen zu schaffen. Vorgesetzte, Vorstände und Aufsichtsräte erwarten Ergebnisse. Sie fordern immer wieder dazu auf, dass die Führungskräfte ihr Bestes geben mögen.
Gleichzeitig sehen sich Führungskräfte aber mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert: Es wird immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die Werte und Schwerpunkte haben sich verändert: Freizeitleben, Sabbaticals und Teilzeitarbeitsverhältnisse nehmen einen hohen Stellenwert ein. Die Führungsarbeit ist dadurch wesentlich aufwendiger und schwieriger geworden, in Teilen individueller, und am Ende erfordert sie viel Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl. Dann sind da noch die Kollegen in den anderen Abteilungen, von denen Kapazitäten benötigt werden, um Aufgaben zu Ende zu bringen. Es gibt einige wenige Menschen, auf die sich Führungskräfte verlassen können, doch genau betrachtet, ist es für sie häufig äußerst einsam geworden.
Dann ist da noch das Privatleben mit den verschiedenen Rollen, die wir darin einnehmen – als Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Bruder, Schwester, Freund oder Freundin. Wir wollen die biologischste Ernährung, wollen unsere Gesundheit kontrollieren, tragfähige Freundschaften aufbauen und uns sozial engagieren. Die eigenen Ansprüche sind groß und wir werden ihnen nur selten gerecht, weil wir von den vielen Anforderungen an uns selbst und von außen immer wieder überrollt werden.
Viele Führungskräfte fühlen sich fremdbestimmt, ohnmächtig und überfordert. Die wenigsten würden das laut sagen, dennoch ist es häufig der Fall. Sie wissen gar nicht mehr, wo sie anfangen sollen, um aus dem Schlamassel rauszukommen, weil vieles einfach unklar ist. Dementsprechend sind die Planungshorizonte überaus kurz geworden, weil sich kaum vorhersehen lässt, wie sich die Dinge in Wochen, Monaten, geschweige denn in Jahren entwickeln werden.
Uns selbst geht es in unseren Führungspositionen häufig ähnlich und das war der Treiber, ein Selbstführungsinstrument zu entwickeln, das über das klassische Zeitmanagement hinausgeht und Lösungsansätze für die Welt von heute anbieten kann. Deshalb haben wir das rADAR-Modell entwickelt. Damit wollen wir Führungskräften eine Perspektive geben, mit der sie sowohl im Führungsalltag als auch im Privatleben Klarheit und Selbstbestimmung zurückgewinnen.
Im 1. Kapitel beschreiben wir ausführlich die aktuellen Problemfelder und Herausforderungen. Wir gehen darauf ein, was die Welt heute so undurchschaubar macht und welche Ansprüche wir an uns selbst in den verschiedenen Lebensbereichen stellen.
Im 2. Kapitel stellen wir das rADAR-Modell und dessen vier Schritte vor, die wir dann in den weiteren Kapiteln ausführen.
Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit der Standortbestimmung. Wir zeigen konkrete Werkzeuge und Methoden auf, mit denen du herausfinden kannst, wo du derzeit stehst und wo in deinem Leben und Führungsalltag möglicherweise Engpässe liegen.
Im 4. Kapitel legen wir den Schwerpunkt auf das Zukunftsbild. Hier hast du die Möglichkeit, von deiner idealen Woche und deiner Zukunft zu träumen. Dafür geben wir dir die Tools an die Hand, damit du konkret in die Planung gehen kannst.
Das 5. und das 6. Kapitel liegen uns besonders am Herzen, denn hier geht es um die Umsetzung des rADAR-Modells. Wir haben die vier rADAR-Schritte sowie viele Tools zusammengetragen, die dir helfen, in dieser dynamischen Welt leichter in die Umsetzung zu kommen, ohne dabei deine Klarheit und Selbstbestimmung zu verlieren.
Im 7. Kapitel wollen wir ein wenig über den Tellerrand schauen und dir Inspirationen dafür geben, wie du unsere Tools auch im Familienalltag oder während deines sozialen Engagements nutzen kannst.
Unser Ziel ist es, dir Ideen aufzuzeigen und ein Modell zur Verfügung zu stellen, das dir in dieser Welt zu Klarheit und Selbstbestimmung verhilft. Ein Risiko bleibt: Du musst selbst ins Tun kommen. Und genau dazu wollen wir dich ermutigen, denn unsere Welt braucht Führungskräfte, die sich selbst gut führen können, weil sie nur so auch andere Menschen wirkungsvoll führen.
Ergänzend zu unserem Buch lohnt sich ein Blick auf unsere Website radicalselfleadership.de und radicalselfleadership.de/canvas. Dort stellen wir dir Templates zum rADAR-Modell und zum rADAR-Canvas sowie weitere Materialien zur Verfügung.
Zum Schluss ein Wort zu den im Buch verwendeten Personenbezeichnungen: diese beziehen sich gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine gegenderte Schreibweise verzichten wir zugunsten einer besseren Lesbarkeit.
Der Ausgangspunkt deiner Reise zur Selbstführung
Beispiel
Wieder eine fast schlaflose Nacht. Ich hatte nur kurz auf mein Smartphone schauen wollen, doch die Nachricht des Kollegen hat mich aufgewühlt. Stundenlang habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie und was ich antworten sollte. Zum Glück haben mich die TikTok-Videos wieder müde gemacht, so waren wenigstens vier Stunden Schlaf drin. Und jetzt – jetzt klingelt der Wecker. Wie soll ich das heute wieder alles unter einen Hut bekommen? Erst die Kinder zur Schule bringen und dann möglichst schnell zur Arbeit … um 11 Uhr ist das wichtige Strategiemeeting. Verdammt, das muss ich noch final vorbereiten! Es bleibt so vieles liegen zurzeit. Aber die letzten Tage war auch einfach zu viel los, und natürlich bin ich wieder nicht zum Sport gegangen. Ob ich das heute schaffe? Schnell noch E-Mails und Teams checken, nicht, dass mir noch eine Anfrage durchrutscht. Irgendwie frage ich mich immer häufiger: »Lebe ich eigentlich mein Leben oder werde ich gelebt?«
Willst du auch allen und allem gerecht werden? Deiner Familie, deinem Job, deinen Hobbys (falls du dafür überhaupt Zeit hast) und dir selbst? Deine Arbeit fordert dich täglich aufs Neue, denn willst du im Spiel bleiben, musst du andauernd hinzulernen. Abgesehen davon befindet sich dein Unternehmen in einem dauerhaften Veränderungsprozess: Immer wieder wird von dir verlangt, dich neu auszurichten, nach neuen Methoden zu arbeiten, und immer wieder kommen neue hochwichtige Themen dazu. In der Freizeit geht es munter weiter mit dem Erfolgsdruck, denn es muss doch zu schaffen sein: mehr Sport, gesündere Ernährung, eine Reise für das perfekte Instagram-Posting. So schön all das auch ist, oder besser gesagt sein könnte: Es frisst deine Zeit, verlangt deinen ganzen Fokus und bindet deine Energie. Und vielleicht hast du auch das Bedürfnis, neben dem Job und all den anderen Anforderungen etwas Sinnvolles zu leisten, sei es im Ehrenamt oder selbstorganisiert. Es tut gut, am Abend zu wissen: Ich habe etwas getan, das hilft. Das setzt gute Gefühle frei – und doch: Es ist eine weitere Belastung.
Dieses Gefühl der Überforderung ist kein individuelles Problem. Es spiegelt eine größere Entwicklung wider, die uns alle betrifft. Wir spüren den Stress einer Welt, die von einer tiefgreifenden Veränderung zur nächsten taumelt. Technologischer und gesellschaftlicher Wandel, gesteigerte Selbstansprüche und eine Arbeitswelt im Umbruch – das alles wirkt in dein Leben hinein.
Sicherlich kannst du dich zumindest in Teilen in dieser Schilderung wiederfinden. Wenn du schon ein wenig Lebenserfahrung gesammelt hast und zurückblickst, wirst du feststellen: Vor zehn oder zwanzig Jahren war das doch alles noch nicht so anstrengend, oder doch? Nein, war es tatsächlich nicht. Natürlich hat sich die Welt immer verändert, doch sie tut es heute in einem Ausmaß und einem Tempo, das uns beinahe schwindlig werden lässt: Transformationen in der Geschäftswelt, Pandemie, Terrorismus, Klimawandel, Krisenherde an allen Ecken und Enden. Noch vor der Lösung des einen Problems stehen fünf weitere vor der Tür. Die Veränderung ist fließend, wird zum stetigen Prozess und verläuft obendrein immer schneller. Da ist es kein Wunder, dass du – genauso wie Millionen Menschen auf diesem Planeten – vielem in deiner Lebenswelt einfach nicht mehr gerecht werden kannst, dich verzettelst oder dich am liebsten in den Standby-Modus schalten würdest. Warum ist das eigentlich so? Welche Umstände lassen uns die Schnelllebigkeit und Komplexität in unserem Alltag so sehr spüren?
Die Digitalisierung zwingt uns in eine permanente Erreichbarkeit und verändert unser Kommunikationsverhalten grundlegend.
Sobald das Handy klingelt oder WhatsApp pingt, fühlen wir uns zum Antworten verpflichtet – beruflich wie privat. Ja, es gab Zeiten, in denen wir tatsächlich nur telefoniert haben – direkte, synchrone Kommunikation zwischen Menschen. Dann kam die E-Mail dazu, dann die SMS. Und heute gibt es so viele Kanäle, dass wir beinahe den Überblick verlieren: WhatsApp, Signal, Slack, Teams, LinkedIn, Instagram, Facebook, TikTok und Snapchat sind nur ein Bruchteil der Möglichkeiten, um sich mit anderen Menschen zu vernetzen – vor allem mit jenen, die wir noch nie persönlich getroffen haben. Du wirst es nur zu gut wissen: Man kann sich dem kaum entziehen, will man zumindest die Chance haben, mit bestimmten Leuten in Verbindung zu bleiben oder zu kommen. Schließlich könnte man ja etwas verpassen – sei es die Einladung für eine spontane Grillparty der Kollegen oder den neuesten Trend auf Social Media – ein Phänomen, das heute unter dem Begriff »FOMO« (Fear of Missing Out) bekannt ist und unser gesamtes soziales Verhalten maßgeblich prägt.
Zum persönlichen Kommunikationsstress kommt die Nachrichtenflut, die beständig via Fernsehen, Radio, Internet, auf digitalen Boards in den öffentlichen Verkehrsmitteln und in den sozialen Medien über uns hinwegrollt. Zumindest Headline und Vorspann zu scannen, um beim Weltgeschehen auf dem Laufenden zu bleiben, ist vielleicht auch für dich eine häufige – eigentlich ungewollte – Ablenkungstaktik bei der Arbeit. Genauso kennst du wahrscheinlich das »Rabbit Hole«: Wie im Kaninchenbau in Alice im Wunderland kippst du in eine endlose Recherche zu einem Thema, die dich im Netz an Bewertungsplattformen, zig widersprüchlichen Meinungen und unzähligen anderen spannenden Geschichten vorbeiführt – bis du am Ende entweder gar nicht mehr weißt, was du eigentlich gesucht hast oder genau so schlau bist wie am Anfang.
Mal abgesehen davon, dass die Halbwertszeit von Nachrichten und Informationen immer kürzer wird, laufen wir ständig Gefahr, uns in diesem Dickicht zu verlieren und zu viel Zeit zu verdaddeln. Wir lassen uns berieseln von Videos, verlieren uns im Doomscrolling in unseren Bubbles und tauchen ab in die digitale Welt. Das kann schnell zu einer Routine werden, deren Unterbrechung beinahe schon nach einem Kraftakt verlangt. Vielleicht gehört bei dir der Griff zum Handy auch schon zum Einschlafritual? Klar, du nimmst dir regelmäßig vor, es zu ändern und verordnest dir einen Digital Detox. Aber schau dich um: Nur wenige schaffen einen disziplinierten Umgang mit Smartphone und Co.
Die Technologie links liegen zu lassen, ist ja auch unmöglich, denn eine Entwicklung jagt die nächste. Wenn du nicht den Anschluss verlieren willst, kannst du es dir im Prinzip nicht leisten, Hypethemen wie Künstliche Intelligenz zu ignorieren – zumindest wird dir das so vermittelt. Du bist immer wieder gefordert, dich auf neue Trends und Technologien einzulassen, von denen du nicht weißt, wohin sie dich persönlich und unsere Gesellschaft als Ganzes führen werden. Die technologischen Fortschritte verändern aber nicht nur das persönliche Kommunikationsverhalten und verkürzen unsere Aufmerksamkeitsspanne, sondern haben auch tiefgreifende Auswirkungen auf Gesellschaft und soziale Strukturen.
Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen lösen traditionelle Rollenbilder auf und erschaffen neue Lebensmodelle, die den Alltag komplexer und anspruchsvoller machen.
Der Vater verdient das Geld, die Mutter kümmert sich um den Haushalt und die Kinder. Dieses traditionelle Rollenbild gehört längst der Vergangenheit an. Heute wollen sich alle gleichermaßen im Berufsleben verwirklichen und gleichzeitig aktiv am Familienleben teilnehmen. Das verlangt oft nach einem Spagat, der auf Dauer ganz schön anstrengend und kräftezehrend sein kann.
Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Vielfalt an Lebensmodellen, die stark vom traditionellen Bild abweichen: vom Single in der Berufstätigen-WG über die Patchwork-Familie bis hin zu alleinerziehenden Müttern und Vätern. Diese Vielfalt ist ein Ausdruck von Freiheit, bringt jedoch auch eine neue Komplexität in unser Leben. Die Frage, wie man leben möchte und ob man damit dem aktuell akzeptierten gesellschaftlichen Ideal gerecht wird, kann schnell zur ständigen Belastung werden. Denn mit der Vielfalt steigen auch die Anforderungen an jeden Einzelnen von uns: Zeitlicher und mentaler Stress sind oft ständige Begleiter, egal, ob man Karriere macht, Familie managt oder beides unter einen Hut zu bringen versucht.
Womöglich brauchen dann auch die Eltern zunehmend Unterstützung. Unsere Gesellschaft altert und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns irgendwann um die Pflege kümmern müssen. Das bindet Zeit und vor allem Energie, denn man ist im Zwiespalt: Dem Bedürfnis, noch möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen und der oft schmerzhaften Hilflosigkeit steht die Notwendigkeit gegenüber, weiterhin leistungsfähig bleiben zu müssen. Die Pflege von Angehörigen kann zu einer großen psychischen Herausforderung werden und betrifft mehr Menschen, als es von außen den Anschein macht. Viele stehen dabei im Spannungsfeld zwischen beruflichen Zielen, familiären Verpflichtungen und dem eigenen Anspruch, allen gerecht zu werden – was oft kaum zu bewältigen ist.
Komplex und anstrengend wird unsere Welt aber erst so richtig durch die Krisen am laufenden Band. Das merkst du zum Beispiel, wenn dir eine nachhaltige Lebensweise am Herzen liegt und du deinen Beitrag leisten willst. Es macht deinen Alltag automatisch aufwendiger: Du trennst fein säuberlich Plastik, Papier, Glas, Metall und Problemstoffe, du nimmst 20 Minuten mehr in Kauf, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen, du zahlst freiwillig mehr für biologisch unbedenkliche Lebensmittel. Ein nachhaltiger Lebensstil frisst Zeit und Geld, er wird aber auch begleitet von dem Gefühl, dass man doch nie genug tut.
An diesen Punkten verwandeln sich die gesellschaftlichen Veränderungen in ständig steigende Ansprüche, die wir an uns selbst stellen – sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht.
In einer Welt, die immer höhere Erwartungen an uns stellt, fühlen sich viele gezwungen, sich ständig zu optimieren und mit den Erfolgen anderer zu messen.
Tausende von Ratgeberbüchern verraten vermeintlich das ultimative Geheimnis, wie man schnell mehr Erfolg hat, schnell glücklicher und vor allem schnell reich wird. Gut ist sowieso nicht mehr gut genug, Mittelmaß darf keinesfalls sein. Die sozialen Medien gaukeln uns eine Welt vor, in der es nur erfolgreiche Menschen zu geben scheint. Wir fühlen uns dadurch stets defizitär und verspüren den Druck, immer noch besser werden zu müssen, mehr machen zu müssen und nie um unserer selbst Willen zu genügen. »Schneller, höher, weiter«, dieses Credo treibt viele an. Nur wer sich ständig selbst körperlich und geistig optimiert, wer seinen Tag minutiös durchtaktet, wird auch erfolgreich sein – so wird uns suggeriert.
Da reicht es nicht mehr, um 7 Uhr aufzustehen. Warum gelingt es dir nicht, um 5 Uhr wach zu sein, zu meditieren, eine Stunde zu joggen, dann Yoga zu machen und nebenbei ein supergesundes, vollwertiges Frühstück vorzubereiten – so, wie es der Geschäftskollege auf LinkedIn gepostet hat? Außerdem ist er ein stets reflektierter, emotional stabiler Partner, immer präsenter Freund und aufmerksamer Arbeitskollege. Ganz zu schweigen von seinen Fähigkeiten als Vater, der seinen Kindern zwischen Businesstermin und Abendreflexion ein Baumhaus baut. Du wunderst dich, wie er die Zeit dafür aufbringt, ohne wahnsinnig zu werden? Wir auch.
Von den Megatrends auf der globalen Bühne bis zum persönlichen Alltag: Unser Leben wird permanent von erstaunlichen, beeindruckenden, verwirrenden und manchmal schlichtweg beängstigenden Entwicklungen durchdrungen oder sogar auf den Kopf gestellt. Wir müssen immer wieder hinzulernen, flexibel sein, uns auf völlig Neues einstellen. Denn was heute gilt, kann morgen wieder anders sein. Im Großen wie im Kleinen haben wir heutzutage so viele Möglichkeiten, dass die Entscheidung mitunter schwerfällt. Willst du deinen Kaffee mit Soja-, Hafer- oder Mandelmilch? Oder mit Kuhmilch, doch dafür laktose- und koffeinfrei mit Karamellgeschmack? Isst du dazu das Schoko-Beeren-Müsli, das Hafer-Crunchy, das ohne Zuckerzusatz, das mit Bio-Dinkel, die Himbeer-Joghurt-Version oder doch nur Haferschleim mit Banane? Siehst du dir am Abend einen Film auf Netflix, Amazon Prime, Disney+ oder doch im stinknormalen Fernsehen an – oder willst du dich auf YouTube von Video zu Video treiben lassen? Wer hat es nicht schon erlebt, dass man sich durch die Angebote geklickt hat, um am Ende gar nichts zu schauen, weil man ohnehin schon viel zu viel Zeit mit dem Suchen verbracht hat und nun das Bett ruft? Reden wir gar nicht erst von größeren Anschaffungen wie Kühlschrank, Fahrrad oder einem Auto, denn da wird es ungleich schwieriger. Solche Projekte ziehen sich bei vielen Menschen über Wochen oder Monate hin, weil sie bei der überbordenden Menge an Ausstattungsmerkmalen und Kriterien am Ende nicht mehr wissen, was ihnen eigentlich wirklich wichtig ist. Selbst ein Fahrrad ist nicht mehr bloß ein Fahrrad, sondern ein Statement, denn neben den funktionalen Anforderungen müssen Produkte heute auch die sozialen Anforderungen erfüllen: Wie reagiert mein Umfeld auf die Neuanschaffung und wie kann ich mich entsprechend positionieren?
Und was hier selbstverständlich nicht fehlen darf, ist der ständige berufliche Erfolg, denn das Image auf LinkedIn muss stimmen!
Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, in einer komplexen und sich ständig wandelnden Arbeitswelt den Überblick zu behalten und erfolgreich zu agieren.
Transformation – fast alle Unternehmen machen entweder gerade eine durch (wahlweise agil, digital oder beides) oder werden bald dazu gezwungen sein. Viele neue »Frameworks« haben unsere Jobs erobert: Scrum, Kanban, Holacracy, New Work, OKRs und wie sie alle heißen, haben die Arbeitswelt in Teilen stark verändert. Das hat Konsequenzen für die Führungskräfte, denn der Wertewandel macht vor den Unternehmen nicht halt. Mitarbeiter stellen neue Ansprüche an Führung und Zusammenarbeit, während das Management häufig noch sehr traditionell tickt. Zahlen und Ergebnisse müssen weiterhin geliefert werden, denn die Stake- und Shareholder warten – Selbstorganisation und agiles Arbeiten hin oder her. Dann sind da auch noch so manche Kollegen, die in der Zusammenarbeit echt Kraft kosten. Klar, mit einigen verstehst du dich ganz gut, aber mit anderen … naja. Ist es da wirklich noch attraktiv, Führungsverantwortung zu übernehmen und Karriere machen zu wollen? Nur wegen des Firmenwagens, des Ansehens im Freundeskreis oder für den Stolz der Eltern? Oder ist es nicht vielleicht doch sinnhafter, eine Vier-Tage-Woche zu wählen, um Arbeit, Familie, Freunde und Freizeit besser balancieren zu können? Und wenn ja: Arbeitest du dann lieber im Homeoffice oder im Büro?
Es hat etwas für sich, den Weg zum Büro einzusparen, denn es ist zumindest umweltfreundlicher, einfach zu Hause zu bleiben. Dafür steckt das Zuhause voller Ablenkungen, zudem ist es hin und wieder ja doch schön, die Kollegen zu sehen und den Kaffee von Angesicht zu Angesicht statt von Screen zu Screen zu trinken. Ein echtes Spannungsfeld, das erst durch die Pandemie entstanden ist. Dennoch lässt sich das berufliche Reisen nicht immer vermeiden, und auch das muss organisiert und mit den eigenen Ansprüchen an Komfort und Umweltfreundlichkeit sowie mit den privaten Rahmenbedingungen unter einen Hut gebracht werden. Würde das Ganze nur einen selbst betreffen, wäre es vielleicht ja noch überschaubar. Doch wenn du ein Team führst, dann hast du es jetzt mit einem Strauß an individuellen Wünschen und Präferenzen zu tun: Jeder hat seinen eigenen Arbeitsrhythmus zwischen Homeoffice und Büro gefunden, und das will gemanagt werden, um den Ansprüchen an die Produktivität gerecht zu werden.
Die letzten Jahre haben Führungskräfte aus verschiedenen Gründen viel Energie gekostet und ihnen einiges abverlangt. Bereits vor der Pandemie steckten viele Unternehmen in wirtschaftlich herausfordernden Situationen oder in Transformationsprojekten. Die Pandemie selbst hat die Schrauben nur noch fester angedreht und in den einzelnen Branchen entweder zu einem Boom oder zu erheblichen Beeinträchtigungen und Einschränkungen geführt. Vor allem aber war diese Zeit durch hybrides Arbeiten, noch raschere Digitalisierung und Kurzarbeit ein zusätzlicher Komplexitätsbeschleuniger, was dazu geführt hat, dass vieles jetzt als noch anstrengender erlebt wird. Durch die vielen multipolaren Krisen, parallelen Transformations- und Veränderungsprozesse in den Unternehmen und die veränderten Ansprüche an das Führungsverhalten prasseln noch mehr Aufgaben auf Führungskräfte hernieder.
Kein Wunder, dass viele einfach müde sind, auch wenn sie es nicht offiziell zugeben wollen. Das Gefühl von Wirksamkeit, Klarheit und Selbstbestimmung ist bei vielen auf der Strecke geblieben. Was aber sind die Gründe dafür, dass der Führungsalltag so oft als ermüdend empfunden wird?
Es fällt, ähnlich wie in anderen Lebensbereichen auch, bei zunehmender Komplexität schwer, zu priorisieren. Vor allem Menschen im mittleren Management fühlen sich in eine Sandwich-Position gezwungen und bekommen es von allen Seiten ab. Zuallererst fühlen sie sich ihrer eigenen Führungskraft verpflichtet, die zugesagten Ergebnisse zeitgerecht und qualitativ hochwertig zu liefern, zugleich warten Kunden und externe Partner auf Rückmeldung – genauso wie andere Führungskräfte, die mit ihren Aufgaben erst weiterkommen, wenn das Team des Kollegen geliefert hat. Die Mitarbeitenden haben Fragen, brauchen Unterstützung und wollen befähigt werden.
Diese Mischung aus Themen, Anforderungen und Stakeholdern macht es nicht zwingend leichter, gute Prioritäten zu setzen. Immer wieder verlieren sich Führungskräfte in Unklarheiten und es kommt ein Gefühl der Fremdbestimmung auf. Der Überblick geht verloren und man weiß nicht mehr, was zu tun und was eigentlich das Richtige wäre. Überforderung und ein schlechtes Gewissen machen sich breit: »Ich habe nicht genug getan, ich habe es nicht hinbekommen.« Immer wieder übernehmen sich Führungskräfte, weil sie es nicht schaffen, sich abzugrenzen und Nein zu sagen. Hinterher ärgern sie sich darüber, dass sie sich auf bestimmte Dinge eingelassen haben – obwohl sie manchmal schon zu Beginn erkannt hatten, dass es keine clevere Entscheidung wäre. Das Richtige auch richtig zu tun, ist eine echte Challenge, und die Abhängigkeit von anderen verstärkt nur den Eindruck, dass die Möglichkeit zur Selbstbestimmung ständig kleiner wird.
In vielen Bereichen können Führungskräfte nur schwer etwas bewegen. Die Organisationsdesigns haben sich in den letzten Jahren stark verändert, und das nicht unbedingt zum Vorteil: Durch die interne Komplexität ist auch die Abhängigkeit von anderen Organisationsbereichen deutlich gestiegen. Das heizt den Wettbewerb um Kapazitäten an, weil alle auf dieselben Personen zugreifen wollen, von denen man weiß, was man bekommt und was sie können.
Dann sind da noch die Mitarbeitenden. Auch ihre Ansprüche sind deutlich gestiegen: Sie wollen im Homeoffice arbeiten, in Zeiten hoher Inflation höhere Gehälter haben, Weiterbildungen besuchen, Arbeitszeiten reduzieren und individuelle Lösungen für ihre Work-Life-Balance finden.
Wenngleich die Pandemie gezeigt hat, dass auch das Remote-Arbeiten gut funktionieren kann, ist die hybride Führung eine Herausforderung. Abgesehen von der notwendigen Koordination verschiedener Wünsche in puncto Arbeitsort leidet die Verbindung zwischen Führungskraft und Mitarbeitern, aber auch der Mitarbeiter untereinander.
Manchmal treffen wir auf Führungskräfte mit einer Identitätskrise, weil sie nicht mehr wissen, woraus sich bei all den verschiedenen Anforderungen nun eigentlich ihre Rolle zusammensetzt. Auf der einen Seite wird von der Führungskraft die Lieferung konkreter Ergebnisse erwartet, auf der anderen Seite soll sie die Projekte der Eigenverantwortung der Mitarbeiter überlassen. In einigen Unternehmen gibt es dank neuer Arbeitsweisen viele zusätzliche Rollen: Wer früher Projektleiter war, ist heute vielleicht Scrum Master oder Product Owner. Wo habe ich hier als Führungskraft meinen Platz? Was darf ich noch entscheiden, was nicht mehr? Wo soll ich Orientierung geben oder sogar eingreifen? Und an welchen Stellen soll ich mich zurücknehmen und Eigenverantwortung fördern?
Alle diese Faktoren verunsichern viele Führungskräfte und lassen in ihnen das Gefühl aufkommen, die Möglichkeit zur Selbstbestimmung verloren zu haben. Frustriert stellen sich viele sogar die Frage, ob sie in dieser Welt noch eine Führungskraft sein wollen. Geht es dir auch so? Dann ist es an der Zeit, dass du dir Klarheit und Selbstbestimmung zurückholst.
Lebens- und Arbeitswelt sind untrennbar miteinander verbunden. In einer komplexen Welt können nur jene erfolgreich werden, die beides in Einklang bringen.
Wo wir auch hinsehen: Der Boden bewegt sich ständig und wird zwischendurch auch mal heftig erschüttert. Daher empfinden viele Menschen heute vor allem eines: Überforderung. Wir leben permanent in Spannungsfeldern:
Ich will sowohl beruflichen Erfolg als auch ein Familienleben. Doch wenn ich dem einen mehr Zeit widme, leidet das andere.
Ich will gesund werden oder bleiben, aber weiß nicht, wie ich Sport, gesunde Ernährung und Erholung in meinen Alltag integrieren soll.
Ich brauche Zeit für mich allein. Doch ich will mich auch mit meinen Freunden treffen, weil ich Angst davor habe, Wichtiges zu verpassen und nicht mehr dazuzugehören. Und weil ich weiß, dass mir das soziale Miteinander guttut.
Ich will allen gerecht werden und schaffe es doch nicht. Denn ich trage zu viele Hüte, kann mich aber von keinem so richtig trennen.
Ich plane voraus, werde jedoch immer wieder von den Ereignissen und Gelegenheiten überrollt.