Seid mutig und stark - Margot Käßmann - E-Book

Seid mutig und stark E-Book

Margot Käßmann

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Beschreibung

Jetzt Farbe bekennen für die Demokratie Immer wieder haben Christinnen und Christen ein Zeichen gesetzt. Haltung gezeigt. Gerade auch auf den seit 1949 stattfindenden Kirchentagen. Margot Käßmann ist eine von ihnen und sagt: »Ja, es braucht auch heute Mut, Engagement und Herz, unser aller Einsatz für Demokratie und Menschlichkeit.« Ein Buch, das all denen Mut macht, die sich nach einem stärkeren Miteinander sehnen. »Es gibt die Kraft der Gemeinschaft, die Veränderung bewirkt. Es ist an der Zeit, dass Christinnen und Christen klare Haltung zeigen.« Margot Käßmann Die ehemalige hannoversche Landesbischöfin ist überzeugt: Es ist angesichts vieler gesellschaftlicher Entwicklungen an der Zeit, Position zu beziehen: gegen Hass und Hetze, rechtes Gedankengut, Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, Kriegstreiberei. Sie schreibt über die Freiheit, die das Evangelium verheißt, über den Kern des Christentums: über Glaube, Liebe, Hoffnung. Aber sie blickt auch auf die Geschichte des protestantischen Widerstandes und besondere Menschen zurück, die ihn geprägt haben. »Seid mutig und stark« ist eine Einladung, Haltung zu zeigen.

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Seitenzahl: 72

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Margot Käßmann

Seid mutig und stark

Es ist an der Zeit, Haltung zu zeigen

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Jetzt Farbe bekennen für die Demokratie

Immer wieder haben Christinnen und Christen ein Zeichen gesetzt. Haltung gezeigt. Gerade auch auf den seit 1949 stattfindenden Kirchentagen. Margot Käßmann ist überzeugt: Es ist angesichts vieler gesellschaftlicher Entwicklungen an der Zeit, Position zu beziehen: gegen Hass und Hetze, rechtes Gedankengut, Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, Kriegstreiberei. Sie schreibt über die Freiheit, die das Evangelium verheißt, über den Kern des Christentums: über Glaube, Liebe, Hoffnung. Aber sie blickt auch auf die Geschichte des protestantischen Widerstandes und besondere Menschen zurück, die ihn geprägt haben.

»Es gibt die Kraft der Gemeinschaft, die Veränderung bewirkt. Es ist an der Zeit, dass Christinnen und Christen klare Haltung zeigen.«>

 

Margot Käßmann

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bene-verlag.de

Inhaltsübersicht

Widmung

Seid mutig und stark

Meine persönliche Kirchentagsgeschichte

Gewissensfragen

Diskurskultur

Gesellschaftliches Miteinander

Spiritualität

Migration

Demokratie

Krieg und Frieden

Mündige Religion

Kinder

Sprachschule des Glaubens

Partizipation als Prinzip

Rassismus

Klima

Antisemitismus

Die Kirchentagshaltung

Prägende Gestalten

Wie Kirchentag entsteht

Jetzt ist die Zeit für klare Haltung

In Erinnerung an meine Schwester Ursula

Prolog

Seid mutig und stark

Christsein findet nicht in einer privaten Nische abseits der Welt statt. Der Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth: »Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!« (1. Ko. 16,13) Damit fordert er die Gemeinde auf, im Glauben an Jesus Christus festen Halt zu finden. Dann aber auch in der Welt entsprechend zu handeln.

Ja, es braucht »Mut, Engagement und Herz«, unser aller Einsatz für Demokratie und Menschlichkeit. Es ist notwendig, Position zu beziehen: gegen Hass und Hetze, rechtes Gedankengut, Ungerechtigkeit, Armut, Umweltzerstörung, Kriegstreiberei.

 

In diesem Buch blicke ich auch auf die Geschichte des protestantischen Widerstandes und besondere Menschen zurück, die den Evangelischen Kirchentag geprägt haben. Da finden sich für mich ermutigende Vorbilder.

 

Als 1949 der erste Deutsche Evangelische Kirchentag in Hannover stattfand, herrschte materielle Not, viele Menschen waren in der Folge des Zweiten Weltkrieges traumatisiert, sie litten unter Ohnmachtsgefühlen und verdrängten oft, was geschehen war. Alle sehnten sich nach Hoffnung und Zuversicht, neuen Formen der Gemeinschaft. Dieses Anliegen griff Reinold von Thadden-Trieglaff, der Mitbegründer und erste Präsident des Kirchentages, auf.

Im sogenannten Dritten Reich hatte er sich als Mitglied der »Bekennenden Kirche« gegen die nationalsozialistischen Machthaber engagiert. Drei seiner fünf Söhne starben als Soldaten im Krieg, seine SchwesterElisabeth von Thaddenwurde als Widerstandskämpferin vomVolksgerichtshof zum Tode verurteilt und im September 1944 hingerichtet. Der erste Kirchentag sollte in der Nachkriegszeit ein Zeichen gegen die Nationalsozialistische Gewaltherrschaft setzen und einen Neuanfang wagen. Organisiert wurde die Veranstaltung von einer Laienbewegung, nicht nur, weil die großen Kirchen im »Dritten Reich« weitgehend versagt hatten, sondern weil das neue Vorhaben auch nicht von offizieller Seite unterstützt wurde. Es begann klein – 6000 Teilnehmende kamen zusammen. Fünf Jahre später versammelten sich in Leipzig 650000 Menschen – die bislang größte protestantische Veranstaltung in Deutschland.

Der Kirchentag war über Jahrzehnte geistliche Heimat für mich, der ich viel verdanke, auch meine gesellschaftspolitische Haltung. Außer 2022 habe ich seit 1979 an jedem Kirchentag teilgenommen. 2025 findet er in Hannover unter der Losung »mutig-stark-beherzt« statt. Ich freue mich darauf.

Für einen Podcast wurde ich gefragt, was mein »Lieblingssong« sei. Nach einigem Überlegen habe ich gesagt: »Es ist an der Zeit« von Hannes Wader. Eine Antikriegshymne, die viele für den Frieden engagierte Menschen meiner Generation geprägt hat. Der Titel dieses Buches ist eine Kombination aus beidem, der Kirchentagslosung 2025 und dem Titel des Liedes. Denn ich bin überzeugt: Es ist auch heute an der Zeit, Haltung zu zeigen, mutig und stark zu sein angesichts vieler Herausforderungen.

Wir müssen nicht verzagen. Jede und jeder kann etwas dazu beitragen, dass die Welt ein wenig besser wird. Und es gibt die Kraft der Gemeinschaft, die große Veränderung bewirkt.

 

Immer wieder wurde mir vorgehalten, es gebe in meinen Predigten zu viele politische oder gesellschaftliche Bezüge, ich solle mich doch auf »das Eigentliche« der Verkündigung beschränken. Aber was ist »das Eigentliche«? Wer das einfordert, wünscht sich eine Kirche und ein Evangelium, die nichts mit der Welt zu tun haben. Das aber ist der Bibel fremd, ihre Texte stehen immer mitten im Leben. Es geht darum, das eigene Gewissen an der Bibel zu schärfen, Vernunft walten zu lassen, um dann zu einer Haltung zu gelangen. Das hat Martin Luther deutlich gemacht, als er sich auf dem Reichstag zu Worms mutig weigerte, seine Schriften zu widerrufen.

 

Ich widme dieses Buch meiner Schwester Ursula. Sie ist im Oktober 2024 an einem Hirntumor verstorben. Wir haben so viel miteinander erlebt in der Kirchengemeinde, im Posaunenchor, den sie geleitet hat, bei Kindergottesdienstfreizeiten, auf Kirchentagen. Bei ihrer Beerdigung waren sehr viele Menschen dabei, die aus dem Iran, Syrien, Afghanistan nach Deutschland geflüchtet sind und von ihr begleitet wurden auf dem Weg, sich hier zu beheimaten. Sie hat vieles möglich gemacht, so viele nervenaufreibende bürokratische Hürden für andere genommen. Das war mutig und stark, dafür habe ich sie bewundert. Und dafür wird sie von vielen liebevoll erinnert. Von mir aber als große Schwester, die mir oft zur Seite stand…

Meine persönliche Kirchentagsgeschichte

Auf meine Haltung hat zum einen Martin Luther King großen Einfluss. Als ich als Jugendliche seine Predigten nachgelesen und nachgehört habe, wurde mir klar: Frömmigkeit und Engagement in der Welt gehören zusammen. Zum anderen hat mich die Kirchentagsbewegung geprägt. 1979 habe ich zum ersten Mal einen Kirchentag besucht. Damals in Nürnberg war ich begeistert, wie etwa Dorothee Sölle die Bibel zum Leuchten brachte in ihrer Bibelarbeit. Oder wie Heinz Zahrnt in seinen Vorträgen zeigte, dass theologisches Denken in verständlicher Sprache weitergegeben werden kann. 1981 in Hamburg wurde der Kirchentag zur Plattform der Friedensbewegung. 1983 in Hannover waren die lila Tücher, auf denen stand: »Umkehr zum Leben. Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen« eine Art Markenzeichen des Kirchentages. Zu sehen war eine Kirche, die einen Mann mit Rakete in der Hand der Tür verweist. Ich war Mitte 20 und hatte das Gefühl, hier die Gemeinschaft gefunden zu haben, die aus gemeinsamer Glaubensüberzeugung die Gesellschaft verändern kann. Von diesen Kirchentagen wurde eine ganze Generation evangelischer Christinnen und Christen geprägt! 114500 Teilnehmende wurden beim Kirchentag 1983 in Hannover gezählt, am Schlussgottesdienst nahmen 95000 Menschen teil. In diesem Jahr habe ich als Gemeindepfarrerin meine erste Predigt gehalten.

Schließlich war der Ökumenische Rat der Kirchen das Umfeld, in dem meine Haltung in gesellschaftlichen und politischen Fragen, aber auch die Haltung meines Glaubens herausgebildet wurde. Die Begegnung mit Christinnen und Christen aus Afrika, Asien, Lateinamerika hat meinen Horizont ungeheuer erweitert. Ich habe begriffen, dass Theologie nicht abstrakt, also ohne den Kontext, in dem sie betrieben wird, entsteht. Fast zwanzig Jahre war ich Mitglied im Zentralausschuss, sieben davon auch im Exekutivausschuss.

 

Später habe ich mich selbst für den Kirchentag engagiert, Posaune gespielt im Schlussgottesdienst, eine Forumsleitung zur Kurdenfrage koordiniert.

1985 beim Kirchentag in Düsseldorf hat der Physiker Carl-Friedrich von Weizsäcker den Vorschlag unterbreitet, die Kirchen sollten ein Konzil des Friedens ins Leben rufen. Das erzielte großes mediales Interesse. Ich habe gewagt, dem angesehenen Mann zu widersprechen. Es griff – nicht nur aus meiner Sicht – zu kurz.

Denn zwei Jahre zuvor hatte der Propst von Erfurt, Heino Falcke, im Namen der Delegation des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, bei der sechsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver exakt diesen Vorschlag vorgetragen. Für mich war sehr plausibel, dass die Kirchen aus Südafrika und dem Pazifik gefordert haben, das zu modifizieren: Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sind ein gemeinsames Thema. Die Kirchen Europas, so hatte Alan Boesak, damals Generalsekretär des südafrikanischen Kirchenrates, erklärt, dürften die Friedensfrage nicht benutzen, um der Frage der Gerechtigkeit aus dem Wege zu gehen. Und Darlene Keju-Johnson berichtete über die katastrophalen ökologischen Folgen der Atomwaffentests im Pazifik. Zudem brachten viele basisbewegte Christen den Aspekt ein, dass die Zeiten, in denen ein Konzil von oben den Kirchenmitgliedern etwas anordnen könnte, vorüber seien. Es müsse einen konziliaren, verbindlichen Prozess geben, der die Kirchen insgesamt bewege. Aufgrund meiner Kritik am Vorschlag von Carl-Friedrich von Weizsäcker wurde ich prompt in die Präsidialversammlung gewählt – das war damals typisch für den Kirchentag.

 

1993