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Plötzlich und kalt steht die Endlichkeit im Raum, die jegliche Kommunikation zwischen dir und mir verhindert. All das, was uns viele Jahre ausgemacht hat, ist vollständig abgebrochen. Stillstand. Danach war ich auf der Suche nach einem Weg durch mein Leben und das unserer vier kleinen Kinder. Aufgeschrieben von mir, einem Mann nach dem Tod seiner Frau.
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Für Heike, meine verstorbene Frau,
für unsere lebenden Kinder Paul, Emma, Anton, Conrad und die beiden zu früh gestorbenen Jungs Jacob und Hannes, die nie die Sonne gesehen haben, um die sich jetzt Heike kümmert.
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Prolog zur 3. Auflage
Prolog zur 1. Auflage
Kindheit, Schule, Studium
Begegnung
Anfänge
Schwangerschaften
Sommer 2006
Diagnose
Behandlungen
Rückschlag
Wildwasserbahn
Tagebuch
Tod
Danach
Tagebücher
Humpeln
Kälte
Kinder
Barbara
Geborgenheit
Struktur
Suizid
Kellerbüro
Träumen
Computerfehler
Trauerreduktion
Conrad geht
Neustart
Spuren
Trauerschmerz
Mein Leben
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Neuauflagen werden geschrieben, um neue Erkenntnisse einzubauen, Fehler zu korrigieren, im Allgemeinen, um Bücher besser zu machen. In aller Regel werden die Bücher dadurch dicker.
Ich will einen anderen Weg gehen.
Als 2012 „17 Jahre wir“ erschien, war es die authentische Beschreibung unserer Zeit als Familie. Ich habe es in der Situation geschrieben, ohne jeglichen Abstand. Es ging darum alles das aus meinem Kopf zu schreiben, was ich vergessen könnte.
2016 habe ich mit dem Buch „Und das Leben geht doch weiter“ versucht unsere Geschichte fortzusetzen, um unsere Biografie weiterzuschreiben.
Kann man so machen. Muss man aber nicht.
Jetzt ist das Jahr 2024 und ich habe das Buch noch einmal gelesen und sehe, dass es einen Bruch gibt. Die Fortsetzung hat lange nicht die Tiefe, wie die erste Auflage. Eine Fortsetzung machte also, aus heutiger Sicht, keinen Sinn. Deshalb möchte ich mit der dritten Auflage den Weg korrigieren und zurück zur ersten Ausgabe gehen.
Ich werde diese Zeit, wie ich sie damals erlebt habe, heute nicht mehr so schreiben können. Die zweite Auflage hatte einen zeitlichen und emotionalen Abstand und somit ist es ein anderer Text. Die dritte Auflage ist also von Fehlern bereinigt und das Layout hat ein anderes Level erreicht.
Wenn wir Autoren und Autorinnen authentisch bleiben wollen, müssen wir in der betreffenden Situation schreiben. Ein Kriegsberichterstatter befindet sich schließlich auch im Kugelhagel und nicht 2.000 Kilometer entfernt. Genauso ist es mit emotionalen Situationen. Damit geht einher, dass ein Text eher kürzer werden kann als länger.
Ich habe es versucht.
Wenn ich heute an dem Text arbeite, brauche ich die Musik von damals, um in etwa erahnen zu können, wie es mir damals ging.
Aber eben nicht ganz!
Ja, 2009…
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Vor ein paar Monaten hatte ich schon mal angefangen und viele Seiten geschrieben. Damals schrieb ich in wenigen Tagen wie im Rausch, bis alles raus war. Stundenlang tippte ich, ohne aufzusehen, ohne Korrekturen vorzunehmen. Jetzt, einige Monate später, sitze ich wieder hier und arbeite weiter an dem Text, lese ihn immer wieder. Mittlerweile ist Juni 2011.
Vor meinem ersten Schreibanfall schrieb ich mir immer wieder Gedanken aus dem Kopf. Mein externes Gehirn nannte ich es, gebannt auf Papier in einer Kiste, die neben dem Schreibtisch stand. Darin, zwischen Notizen, zwei Bücher, von Barbara Pachl-Eberhardt und Herrad Schenk. Beide Frauen, die versucht haben, ihre Gedanken zu Papier zu bringen, zu beschreiben, wie sie damit fertig geworden sind, mit dem Verlust, mit der Einsamkeit, wenn der Partner stirbt.
„Fertig werden, als ob man es irgendwann beenden kann“, schreibt Herrad Schenk.
In zunehmendem Maße muss ich feststellen, dass es so nicht geht.
Man wird nicht damit fertig, es ändert sich, aber es bleibt. Es wird auch nicht besser, nur anders, vielleicht besser auszuhalten. Vielleicht lernen wir auch dazu, reifen an den Umständen, werden sensibler für Dinge, die das Leben betreffen.
Ich habe versucht, Platz zu schaffen in meinem Kopf, um neue Gedanken zuzulassen. Jetzt habe ich Angst, dass mein Kopf leer sein wird, wenn ich das Buch beendet haben werde.
Werde ich dann alles vergessen?
Womit wird sich mein Kopf dann füllen?
Ich weiß es nicht. Gleichzeitig ist aber auch eine große Neugierde dabei, was wohl kommen wird. Neugierde und Angst, Neues zuzulassen. Irgendwie bin ich verbunden mit dieser Frau, die mich 17 Jahre lang begleitet hat.
Ich weiß nicht, ob es Schuldgefühle sind, wenn ich an neue Dinge denke, die ich nicht mehr mit ihr teilen werde. Von denen ich ihr nicht erzählen werde, weil sie nicht mehr da ist.
Ich habe viel recherchiert, habe Bücher gesucht, um Anregungen zu bekommen für mein Leben. Ideen für den Tag, den Monat, das Jahr danach. Um zu lesen und zu sehen, dass ich nicht allein bin.
Wie gehe ich weiter, wie mache ich das, das Leben als Single, als Witwer mit vier kleinen Kindern?
Ich wollte keine psychologischen Abhandlungen lesen, die nur theoretischer Natur sind, weil der Autor oder die Autorin noch keine direkten eigenen Erfahrungen gemacht hat. Bei den Recherchen bin ich aber fast nur auf Frauen als Autorinnen gestoßen.
Aber warum schreiben Männer nur so wenige Bücher darüber?
Rein biologisch betrachtet sterben Männer eher als Frauen, also gibt es natürlich mehr Witwen als Witwer, aber es gibt doch auch Krankheiten oder Unfälle, so dass Frauen eher gehen. Es wäre doch einfacher für mich zu sehen, wie ein Mann das macht, da er doch anders denkt als eine Frau.
So sagt man doch, oder nicht?
Der Mann versucht, die Sache logisch, rational anzugehen, heißt es. Vielleicht aber auch zu kalt, nicht fähig seine Gefühle zu beschreiben. Vielleicht versteckt er aber auch nur seine Gefühle hinter seiner Maske. Verdeckt mit dieser Maske seinen Kern, seine emotionale Seite.
In der Vergangenheit habe ich versucht, mein Leben zu kontrollieren, habe versucht es rational und logisch zu betrachten, habe auch Heikes Weg versucht, nüchtern zu planen in der Krebszeit. Jetzt ist der Punkt gekommen, wo die kühle Rationalität nicht mehr funktioniert. Der Wissenschaftler, der ich immer meinte zu sein, macht einem Wesen Platz, das auf einmal Gefühle hat. Der ein Häufchen Elend ist und manchmal nicht mehr will, nicht mehr laufen, nicht mehr denken und nicht mehr sehen will. Das Leben ist nicht mehr kontrollierbar und trotzdem müssen wir, muss ich, damit klarkommen.
In mir drin ist ein emotionales Wesen, das ich nicht kenne.
Wo warst du die ganze Zeit?
Ich war hier, sagt es. Du hast mich bloß nicht ans Licht gelassen. Du hieltest die Türe immer fest verschlossen.
Darf ich das alles aufschreiben?
Bin ich jetzt ein Weichei, weil ich meine Gefühle aufschreibe, wenn ich meine Angst, meine Unsicherheit in die Bücherregale lege, so dass es jeder lesen kann?
Will ich mich dadurch bestrafen, indem ich mich bloßstelle?
Nein, sicherlich nicht. Ich bin auch nicht der mit dem erhobenen Zeigefinger. Ich bin ein Mann, der eine Erfahrung gemacht hat, der versucht hat, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und der dabei viel nachgedacht hat. Der versucht, dieses Gefühlschaos so aufzuschreiben, wie es ihm in den Sinn kommt, um authentisch zu bleiben.
Und was ist, wenn ich unwissenschaftlich werde?
Wenn die Kollegen sagen, dass ich mich nicht mehr in der Realität aufhalte?
Bin ich dann traumatisiert, benötige ich dann Hilfe von Psychologen?
Habe ich ein posttraumatisches Belastungssyndrom?
Natürlich werden alle Mitleid haben. Der arme Mann mit den vier Kindern, ganz allein.
Wie soll das gehen, ohne Frau?
Für viele Fragen habe ich keine Antworten. Ich weiß nicht, ob ich jemals Antworten bekommen werde.
Es ist aber auch zu einfach, den Tod nur als zum Leben gehörend zu deklarieren, als natürlich und zu sagen, dass es jeden treffen kann. Es hat mich getroffen, es hat unsere vier Kinder getroffen und es hat unsere Freunde getroffen. Ein großes schwarzes Loch wurde gerissen. Wir tappen am Rand entlang, sehen immer mal wieder entsetzt in die grenzenlose Tiefe und versuchen doch weiterzulaufen, nicht hinter herzufallen. Bei jedem Schritt aber rutsche ich wieder ab.
In diesem ersten Jahr 2010 habe ich viel nach hinten gesehen, wollte nicht nach vorne schauen, auch wenn ich viel dafür gemacht habe. Ich wollte begreifen, was passiert ist, mir überlegen, wie und ob ich weitermachen soll. Daraus sind Gedanken entstanden, sind Gespräche geworden. Der Kopf ist voll davon und es muss raus. Ich bin an einem Punkt, der alles grundsätzlich ändern wird. Dazu gehört auch, dass ich es rausschreiben muss, damit Platz für Neues entsteht. Dazu soll dieses Buch dienen. Es soll auch dazu beitragen zu zeigen, dass Männer nicht einfach weitermachen können oder müssen, sondern dass auch sie das Anrecht auf ihre Art der Trauer haben, dass auch sie zerbrechlich sind, auch wenn sie es nach außen hin nicht zeigen dürfen – sollen – können. Geschehnisse können dazu führen, dass sich Dinge grundlegend ändern. Bei mir hat sich alles geändert und vieles davon ist gut so.
Wenn Sie dieses Buch lesen, werden Sie eine Abfolge erkennen, von einer Entwicklung will ich nicht sprechen. Es haben sich Dinge ergeben, sie haben sich geändert. Es ist mein Weg, den ich zurückgelegt habe. Ich gehe ihn immer noch und trage meinen Kopf oben. Ich schaue mittlerweile fröhlicher nach vorne und sehe mit zunehmender Dankbarkeit zurück. Es ist kein Groll dabei, sondern ein Anerkennen dessen, das mich meine Frau geformt hat, dass sie aus mir einen anderen Menschen gemacht hat, 17 Jahre lang.
Der Tod beendet ein Leben, nicht eine Beziehung. (Talmud)
Geboren wurde ich an einem Rosenmontag, den 17. Februar 1969 in Kevelaer. Kevelaer am Niederrhein, ist ein Wallfahrtsort der oberen Kategorie, mit vielen Kirchen, vielen Pilgern, die jedes Jahr nach Kevelaer kommen, um sich ein kleines Marienbild anzusehen, das Wunder verspricht. Ein Ort, der vom Glauben und von der katholischen Kirche lebt. Dessen Geschäftsleute Papstlutscher, religiöse Statuen, Rosenkränze und Holzkreuze verkaufen. Eine Gnadenkapelle mit zahllosen Krücken (Unterarmgehstützen, wie Heike immer sagte, nachdem sie sich die Achillessehne beim Volleyball gerissen hatte), die sich viele Menschen jährlich ansehen. Und der immer wieder die vielen Menschen aufnimmt, die in die Gnadenkapelle gehen, um dann anschließend in einer der zahlreichen Gaststätten ihr Käsebrot oder ihren Apfelkuchen zu essen, den Kaffee zu trinken, um dann in einem der Devotionalienläden eines dieser Andenken zu kaufen. Der die Menschen danach wieder ausspuckt und auf die Heimreise schickt mit einem Segen, nur, um sie im folgenden Jahr wieder aufzusaugen. Aufgewachsen bin ich in einem gutbürgerlichen Elternhaus. Mein Vater war Direktor (Oberlehrer genaugenommen, weil es nicht genügend Schüler waren) der örtlichen Grundschule, sehr engagiert in der Kirche und neben dem Ortsvorsteher und dem Pastor der dritte wichtige Mann im Dorf. Das Dorf: Winnekendonk, ein Durchgangsdorf zur Autobahn A57, Golddorf. Meine Mutter war erst Hausfrau und Mutter, dann Künstlerin, dann zentrale Pflegeeinheit meines Vaters, als er an Krebs erkrankte, bis er nach sieben Jahren 1996 starb. Eigentlich wollte sie sich von ihm trennen, wenn wir Kinder erwachsen sind, aber er kam ihr mit seinem Krebs zuvor. Jetzt konnte sie nicht mehr gehen. Wie hätte das denn ausgesehen und außerdem sah sie es als ihre Pflicht an. Damit beschritt sie einen eigenen Leidensweg, der sie an den Rand ihrer Kräfte führte.
Ich habe mich immer für die Natur und für die Fotografie interessiert, mehr als für Mädchen. Vielleicht hat mir die Natur aber auch das gegeben, was ich benötigt habe, die Flucht vor meinem viel zu engen Elternhaus. Deshalb war ich eigentlich immer draußen, meist allein, wenn ich nicht lernen musste, weil der Schulstoff nicht in mein Hirn zu passen schien. Irgendwie hatte er eine andere Abmessung, als dass er kompatibel zu meinen Hirnwindungen gewesen wäre.
Als Kind habe ich mich folgendermaßen in Erinnerung: weich, leicht dicklich, blass, eher unsportlich, wenn es um Mannschaftssportarten ging.
Ich erinnere mich an unseren Umzug, als ich zwei oder drei Jahren alt war. Meine Eltern gaben mich für einige Wochen zu meiner Großmutter nach Duisburg. Ich erinnere mich an die Abschiede, wenn meine Onkel und meine Großmutter mich an den Wochenenden nach Kevelaer brachten, dort einen Kaffee tranken und mich dann zwei Stunden später wieder ins Auto setzten und wir zurück nach Duisburg fuhren. In meinen Erinnerungen starb ich jedes Mal und es tat unendlich weh. Ich war schon damals kein Freund von Abschieden.
Nachdem wir dann umgezogen waren, kamen der Kindergarten, in den ich nicht wollte, und dann anschließend die Grundschule. Bei meinen Klassenkameraden war ich immer der Doofe, weil ja mein Vater der Chef war. Ich konnte mir keinen Streich erlauben, wurde bei ihren Streichen nicht miteinbezogen, weil bei mir die Gefahr bestand, dass ich alles petzen würde. Ich stand also am Rand. Ich erinnere mich, dass mich meine Klassenlehrerin, Frau Möllers, ziemlich auf dem Kieker hatte, weil sie mit meinem Vater Stress hatte. Sie starb später an Krebs, nachdem sie zwischenzeitlich ausgesehen hatte, als ob sie schwanger wäre. Sie war wohl vom Krebs bereits ausgefüllt. Während der Grundschulzeit wurden die Kinder unserer Umgebung nach und nach in den lokalen Sportvereinen angemeldet. Meine Eltern, wahrscheinlich eher mein Vater, wollten nicht, dass ich Fußball bei uns im Ort spielte, also wurde ich stattdessen zum Schwimmen in Kevelaer angemeldet. Zwei- bis dreimal Schwimmtraining pro Woche hatte ich ab diesem Zeitpunkt, in einem Hallenbad, das für die Kindermenge viel zu klein war. Mein Vater hatte mir das Schwimmen schon vor dem Kindergarten beigebracht. Wenn ich an meinen Vater zurückdenke, fallen mir nur wenige Erinnerungen an ihn ein. Ich weiß, dass er einmal mit mir eine Fahrradtour von Winnekendonk nach Münster gemacht hatte, die eine Woche dauerte. Eine Woche, in der es jeden Tag Pommes mit Currywurst gab. Ansonsten kümmerte er sich wenig um mich. Vielleicht hatte er keine Zeit für uns, vielleicht haben wir ihn auch nicht wirklich interessiert. Doch, Nachhilfe hat er mir immer gegeben. Der einfache Holztisch mit Eisenbeinen vor seinem Schreibtisch. Es waren Stunden der Hinrichtung. Ich hatte jedes Mal Angst. Meine Mutter achtete immer darauf, dass wir Kinder uns benahmen, weil wir im Dorf eine gewisse Position innehatten. Daran bemaß sich alles und es wurde peinlichst darauf geachtet, diese Position auszufüllen. Beispielsweise durften wir am Sonntag nicht im Dreck spielen, weil wir unsere Sonntagssachen trugen.
Mir war das alles zu eng. Ich halte wenig von Konventionen, und Traditionen sind mir zuwider. Auch heute noch. Ob ich diese ablehnende Haltung seit der Geburt hatte oder sie, aufgrund der häuslichen Enge, nachträglich entwickelt habe, kann ich nicht sagen. Ein Grundinteresse an der Natur scheint angeboren zu sein, so dass ich mit zehn Jahren in den Naturschutzbund Deutschland (damals DBV, heute NABU) eintrat, um meinem Hobby intensiver nachzugehen. Seit dem Eintritt konnte ich jederzeit legal in die Natur gehen, um der häuslichen Enge zu entfliehen. Da es zu dieser Zeit weder Handy noch andere mobilen Kommunikationsmittel gab, war ich, sobald ich das Haus verlassen hatte, auch nicht mehr zu erreichen. Meist bin ich mit dem Fahrrad losgefahren, habe es irgendwo versteckt, und bin dann durch die Wälder und Felder gestrichen. In der Regel allein, weil meine Schulkollegen aufgrund ihrer sportlichen Aktivitäten unterwegs waren. Damals, so erinnere ich mich, war das allerdings kein Problem. Ich kannte es nicht anders. Oder sagen wir es einmal so: Da ich nicht in die betreffenden Sportvereine durfte, es mir zu Hause aber zu eng war, hatte ich keine andere Wahl. Natürlich war ich auch mal mit anderen Kindern unterwegs, aber auch diese waren Außenseiter, mit einigen Kindern durfte ich nicht spielen, weil deren Mutter Putzen ging und der Vater „nur“ Hilfsarbeiter war, was in den Augen meiner Eltern unter unserem Stand war.
Allerdings spielte ich immer mal wieder mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft, die an Leukämie erkrankt war. Bettina war mal da und dann wieder nicht, bis sie irgendwann endlich geheilt war. Sie ging nach der Grundschule erst auf die Hauptschule, wechselte aber zwei Jahre später auf das Gymnasium.
Meine Klasse aus der Grundschule kam nahezu komplett auf das Gymnasium. Die Klasse wurde zwar durch einige weitere Schüler aufgestockt, allerdings bestand der Kern immer noch aus unserem Dorf. Damit war ich weiterhin der Außenseiter, weil ich ja schon in den vier Jahren der Grundschule nicht in die Klassengemeinschaft reingekommen war.