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Kennen Sie das, diese eine Gartenecke ist ein einziges Ärgernis, nichts will hier wachsen! Gartenexpertin Katrin Lugerbauer erklärt, warum an manchen Standorten das Wachstum ausbleibt, wie man den Boden verbessert und was es bedeutet, standortgerecht zu pflanzen. Anschauliche Beschreibungen typischer Gartenprobleme helfen, die eigene Situation richtig einzuschätzen und gekonnt zu optimieren. Ob sandiger Boden, tiefer Schatten oder Unkrauthölle – für jedes Problem gibt es robuste Stauden, die damit klarkommen. Mit erprobten Pflanzenempfehlungen und -kombinationen lassen Sie es selbst in bislang tristen Gartenecken wachsen und blühen.
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Seitenzahl: 174
Veröffentlichungsjahr: 2025
Katrin Lugerbauer
WÄCHST NICHT
GIBT’S NICHT
Problemzonen im Garten in langlebige Beete verwandeln
Bestimmt kennen Sie das: Eigentlich grünt und blüht es bei Ihnen ganz passabel, Sie haben Lieblingsecken und richtig gelungene Beete. Aber diese eine Ecke! Es ist wie verhext, keine der Pflanzen, die Sie bisher dort probiert haben, ist so richtig in die Gänge gekommen. Jedes Mal, wenn Sie an dieser Stelle vorbeikommen, ärgern Sie sich. Jeder kennt solche Situationen im Garten. Die gute Nachricht ist: Es gibt kaum Standorte im Garten, denen man mit der richtigen Pflanzenauswahl nicht doch beikommen könnte. Sie können darauf vertrauen, dass es für überall die passenden Pflanzen gibt, auch wenn es manchmal etwas Ausdauer benötigt, um sie zu finden. Das liegt daran, dass manche Arten nur selten angeboten werden, obwohl sie problemlos wachsen und wunderbar in Gärten passen. In anderen Fällen ist Ihre Kreativität und Ihr Einfühlungsvermögen gefragt: Was wächst in Ihrem Garten denn besonders gut? Dann kann es durchaus eine Option sein, die Standortansprüche von Pflanzen auszudehnen und einfach mal zu testen, wie viel Schatten eine Sonnenpflanze erträgt. Nur Mut!
Für mich ist wichtig, Zuversicht zu haben: Die Vielfalt an Stauden ist so enorm, dass es schade wäre, sich über sogenannte Problemstellen zu lange den Kopf zu zerbrechen.
Und für die wirklich harten Fälle gibt es ein paar Tricks, wie Sie trotz aller Widrigkeiten zu einer erfreulichen Lösung kommen. Das kann eine einfache Pflegemaßnahme sein, eine Schicht Mulch oder ein, zwei attraktive Pflanzen, die ein ganzes Beet aufwerten können. Manchmal hilft es schon, sich mit dem Boden genauer zu befassen oder zu schauen, welche Pflanzen in der Natur mit Extrembedingungen umzugehen gelernt haben. Auch ein Besuch in einer gut sortierten Staudengärtnerei ist eine Hilfe, um Pflanzen zu entdecken, die nicht in jedem Garten wachsen. Neben Inspiration gibt es dort auch Tipps, wie man es an schwierigen Standorten doch noch zum Wachsen bringt.
Es gibt keinen Grund, im Garten Flächen aufzugeben, ganz im Gegenteil, jeder Quadratmeter soll − und kann − mit den richtigen Pflanzen schöner, ökologisch wertvoller und damit für alle Lebewesen im Garten nutzbarer werden. Mein Buch soll ein Anstoß für erfolgreiche Projekte sein − und den Weg ebnen für weitere erfreuliche Vorhaben, die unsere Umgebung schöner und lebenswerter machen.
Vorwort
WARUM WÄCHST ES AN MANCHEN STELLEN NICHT?
Was brauchen Stauden?
Die Natur als Vorbild
Wildpflanzen im Trend
Natürliche und menschgemachte Schwierigkeiten
Auf den Boden achten
Gartenprobleme vermeiden
Standortgerecht gärtnern: jeder Pflanze ihren Platz
Pflanzen nutzen Strategien
Mit Recherche zum Erfolg
Standorte einschätzen und optimieren
Probegrabungen machen
Das Beste aus der Lage machen
Mehr Licht schaffen
Das Gelände gestalten
Beete gut vorbereiten
Und wenn schon etwas wächst?
Sonne und Trockenheit als Helfer
Die Sommersonne nutzen
Unkrautfolien − ein No-Go
Die Bodenstruktur verbessern
Wann es zu viel ist
Pflanzen und Pflege
Wo kauft man Pflanzen?
Gepushte Pflanzen retten
Erste Wahl: Staudengärtnerei
Wann pflanzen?
Das Pflanzen auf „normalen“ Böden
Einwurzeln und Anwachsen
Das Pflanzen auf „schwierigen“ Böden
Nach dem Pflanzen
Mulchen hilft!
Organischer Mulch
Mineralischer Mulch
Welcher Mulch für welchen Standort?
Der Umgang mit Bestehendem
Gehölze umpflanzen?
Alten Beständen eine Chance geben
Wann man besser neu beginnt
Manches muss gehen
Erstmal überlegen
Neue Erde gleich prüfen
SCHWIERIGE STANDORTE UND PFLANZEN, DIE DAMIT KLARKOMMEN
Trockenheit und Sonne
Den Pflanzen helfen
Mit Tricks durch die Hitze
Wer mag es heiß und trocken?
Durchlässiger, sandiger Boden und magerer Boden
Pflanzentipps
Heimische Alleskönner
Silberlaub und Duft
Tiefer Schatten
Die Lichtsituation einschätzen
Vergleichbare Naturstandorte
Gräser, Farne, Funkien
Trockener Schatten
Unbedingt den Start erleichtern
Laub – nur her damit!
Totholz hilft
Pflanzen für den trockenen Schatten
Frühblüher passen gut
Bodendecker für größere Flächen
Pflanzen, die Wurzeldruck ertragen
(Stau-)nasser Boden
Vorsorge beim Pflanzen
Größere Eingriffe
Verdichteter Boden
Verdichtung vorbeugen
Wenn es schon passiert ist
Wechselnde Verhältnisse – toughe Pflanzen gesucht!
Schatten – und dann Mittagssonne
Trocken – und dann sehr, sehr feucht
Pflanzsteine
Welche Pflanzen sind geeignet?
BESTEHENDE BEETE OPTIMIEREN & SCHNELLE LÖSUNGEN
Beeten zu neuem Schwung verhelfen
Aufwerten
Gestalten durch Wegnehmen und Proportionen wieder herstellen
Kontraste verstärken
Gelassenheit
Stauden, die dem Unkraut trotzen
Den Teufel mit dem Beelzebub …
So geht es
Im Extremfall …
Zuverlässige Bodendecker
Das Ausbreiten steuern
Pflege
Pflanzen, die sich rasch entwickeln
Pionierpflanzen und Co.
Ein- und Zweijährige
Im Zeitraffer zum vollen Beet
Wintergrüne Stauden − adrett rund ums Jahr
Halbschatten bevorzugt
Ausnahmen bestätigen die Regel
SERVICE
Hilfreiche Literatur
Bezugsquellen für Stauden
Zum Weiterforschen
Autorin & Dank
Es gibt kein Geheimnis, das einen gelungenen Garten ausmacht. Am Ende geht es nur darum, wie sehr man bereit ist, sich auf die Pflanzen und ihre Bedürfnisse einzulassen. Je genauer man sich in den Standort einfühlt und akzeptiert, dass manche Gewächse geeigneter sind und andere weniger, desto üppiger wird es blühen. Einfach, weil dann alle Pflanzen das bekommen, was sie brauchen.
Gelbes Berg-Veilchen und Alpen-Aurikel finden zu zweit in einer Felsspalte ihr Auskommen.
Pflanzen sind an ihre Naturstandorte perfekt angepasst. Um im Garten Freude mit ihnen zu haben, gilt es daher, die dortigen Bedingungen zu verstehen und die richtige Auswahl zu treffen.
Eigentlich ist es ganz einfach: Pflanzen brauchen Licht und Wärme, Feuchtigkeit, Luft und Nährstoffe. Weil diese Komponenten in unvorstellbar vielen unterschiedlichen Verhältnissen vorkommen, gibt es eine kaum fassbare Vielfalt an Pflanzen, die sich an die jeweiligen Bedingungen mit unterschiedlichen Strategien angepasst haben. Bevor man also zweifelt, gilt es erstmal Vertrauen in die Natur zu entwickeln. Vertrauen in die Vitalität von Pflanzen und darauf, dass jeder herausfordernde Standort irgendwo da draußen schon längst erfolgreich von Gewächsen besiedelt wurde. Die Chancen für Standorte in unseren Breiten stehen dazu generell sehr gut, denn abgesehen von Polargebieten und Wüsten wachsen überall Pflanzen − von den tiefsten Schluchten bis in die höchsten Höhen der Alpen. Auch Sumpf, Überschwemmungen, Hangrutsche und Überweidung waren bislang nicht in der Lage, Grünes und Blühendes längerfristig am Gedeihen zu hindern. Natürlich bremsen manche Faktoren das Wachstum und widrige Bedingungen oder zu starke Beanspruchung des Bodens verringern die Artenvielfalt. Aber Wachstum wird immer möglich sein − vor allem dann, wenn wir wie im Garten doch etwas Einfluss auf die Bedingungen haben.
Die Nesselblättrige Glockenblume hat sich ins Kiesbeet zum Gipskraut (Gypsophila perfoliata) gesellt.
Um herausfordernde Standorte begärtnern zu können, ist es hilfreich, den Problemen auf den Grund zu gehen. Diese liegen in manchen Fällen auf der Hand, etwa wenn es wenig Licht gibt oder der Boden zu trocken ist. Manchmal aber merkt man nur am Kümmerwuchs der Pflanzen, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmt. Dann gilt es zunächst herauszufinden, worin die Schwierigkeiten bestehen. Im zweiten Schritt suchen Sie dann Pflanzen, die mit diesen Gegebenheiten umgehen können, ohne dass Sie allzu viel verändern müssen. Erst wenn sich herausstellt, dass die Bedingungen für ein Gedeihen von Pflanzen wirklich ein Problem darstellen, sollten Sie über eine Adaption der Flächen nachdenken. So verhindern Sie unnötigen Aktionismus, finanziellen und zeitlichen Mehraufwand und ökologisch nicht notwendige Eingriffe.
Pflanzen für den Gehölzrand müssen Sonne, Trockenheit und Schatten zugleich aushalten: Beinwell, Salomonssiegel und die Gold-Platterbse (Lathyrus aureus) schaffen das mit Leichtigkeit.
In vielen Fällen können Sie mit angepasster Bepflanzung ein harmonisches, attraktives Gartenbild erreichen, wobei der Weg häufig weg von den bekannten Pflanzen hin zu spezialisierten Wildpflanzen oder weniger verbreiteten Gewächsen führt. Dafür ist es meist notwendig, sich an spezialisierte Staudengärtnereien zu wenden, wo sich neben den gesuchten Pflanzen für die meisten Gartenfreunde eine neue Welt der Gartengestaltung eröffnet.
Die beste Inspiration für Problemstellen im Garten bieten Pflanzenvorkommen in der Natur. Wer mit offenen Augen wandert, auf Berge steigt und durch Wälder streift, wird genug Extremstandorte kennen, an denen sich Pflanzenwuchs scheinbar mühelos entwickelt, obwohl die Bedingungen schwierig sind. Wir dürfen daher zuversichtlich sein, dass es auch für bislang schmucklose Ecken im Garten immer Lösungen gibt – man muss sie nur finden.
Dass auf diesem Gebiet oft Ratlosigkeit herrscht, hat nachvollziehbare Gründe: Übliche Gartenpflanzen, die mit großen Blüten und üppigem Wuchs gezüchtet oder ausgelesen wurden, sind für die Verwendung in Beeten erprobt, wo genug Nährstoffe zur Verfügung stehen und Konkurrenz durch Pflege unterbunden wird. Pflanzt man sie nun an Stellen, wo Wurzeldruck herrscht, Feuchtigkeit fehlt oder andere Widrigkeiten auftreten, fehlt ihnen die Anpassung. Deshalb sind Wildstauden in vielen Fällen die bessere Wahl, denn sie wurden züchterisch nicht bearbeitet. Trotzdem gibt es bei manchen dieser Pflanzen Sorten, etwa, weil besondere Farbvarianten gefunden wurden.
Mittlerweile geht der Trend aus verschiedenen Gründen zu Wildpflanzen. Einerseits spielen die erwähnten Vorteile bei der Anpassung an Extremstandorte eine Rolle, andererseits ist der Nutzen für die Tierwelt bei (heimischen) Wildpflanzen am höchsten, etwa für Insekten, die auf die Pollen einer speziellen Art angewiesen sind oder genau eine Art für die Entwicklung ihrer Raupen benötigen. Als Folge diese Anforderungen gibt es in den Sortimenten von Staudengärtnereien einen Umbruch zu beobachten: Immer mehr Wildpflanzen finden Eingang ins Angebot, da sie auch häufiger nachgefragt werden und durch verstärkte Sichtbarkeit zu Bekanntheit gelangen.
Dazu kommt der Wunsch nach lockeren, luftigen Beeten, die in Anlehnung an Wiesen viele kleine Blüten enthalten. Diesen Ansprüchen kommen Wildpflanzen besser entgegen als klassische Beetstauden, die auf Üppigkeit und Blütengröße hin gezüchtet wurden. Dabei muss es keine dogmatische Entscheidung für eine Seite geben: Zahlreiche Gartengestaltungen setzen auf das Spannungsfeld zwischen Wild- und Gartenpflanze und verwenden beide. Für unsere Problemstandorte sollte man ähnlich vorgehen und zuallererst die Eignung für den Standort berücksichtigen – und dann nach persönlichem Geschmack entscheiden.
Mit zartem Charme überzeugen Wildstauden wie Schuppenkopf, Kugellauch, Malve und Bergfenchel – und bieten nebenbei für zahlreiche Insekten eine wichtige Nahrungsquelle.
Ob es wächst, hängt vom Zusammenspiel einiger Faktoren ab. Zu verstehen, an welchen Schrauben man drehen kann, um es den Pflanzen leichter zu machen, ist der erste Schritt zu einem erfolgreichen Beet.
Das Wetter birgt für viele Pflanzen das größte Risiko. Später Schnee ist dabei noch das geringste Übel: Frühblüher wie Krokus ertragen Kälteeinbrüche gut, solange der Schnee nicht zu hoch liegt und sie erdrückt.
Pflanzen sind faszinierend: Sie können mit den allergrößten Herausforderungen umgehen, in den steilsten Felswänden üppig blühen, im Dunkel dichter Wälder Teppiche bilden oder selbst bei größter Hitze frisch und munter aussehen. Kaum aber landen sie am falschen Standort, ist es mit ihrer Vitalität nicht mehr weit her. Wer hat es noch nicht erlebt: Gerade noch sah die Pflanze ganz proper aus, schon welken die ersten Blätter, es mangelt an Zuwachs oder, besonders deprimierend, im Frühling erinnert nur noch ein einsames Pflanzschild daran, dass hier etwas ganz anderes geplant war.
Zuallererst: Pflanzungen können immer mal schiefgehen. Einmal macht einem die Witterung einen Strich durch die Rechnung, ein anderes Mal schauen Mäuse vorbei und schnabulieren weg, was eigentlich gut gewachsen wäre. Oder es gibt Spätfrost, wochenlange Überschwemmungen oder andere nicht abwendbare Unerfreulichkeiten. Damit müssen wir als Gärtnerinnen und Gärtner leider leben und es ist fürs Seelenheil besser, mit solchen Unwägbarkeiten zu rechnen, sie gegebenenfalls hinzunehmen und bei Rückschlägen nüchtern zu analysieren, ob man etwas an der Situation hätte beeinflussen können. Dann, und wirklich nur dann, dürfen wir uns ärgern – und beim nächsten Versuch auf unsere neuen Erfahrungen Rücksicht nehmen.
Ein Klassiker für eine solche Situation sind Probleme mit Schnecken. Was im Nutzgarten nach einer klug durchdachten Abwehrstrategie verlangt, kann im Ziergarten viel nervenschonender mit adäquater Pflanzenauswahl gelöst werden. Denn selbst wenn manche Schneckenmagneten wunderhübsche Gartenpflanzen sind – es spart diverse Ressourcen, aus der Vielfalt an Pflanzen einfach welche zu wählen, die für Schnecken weniger attraktiv sind.
Und genauso sollten Sie auch bei allgemeinen Wuchsproblemen vorgehen. Bevor Sie den Boden austauschen, Bewässerungssysteme installieren, Bodenproben einschicken oder gar bauliche Maßnahmen erwägen, würde ich es immer erst mit Pflanzen probieren, die sich anderswo an solchen Standorten bewährt haben.
Bei häufig wiederkehrenden Spätfrostschäden wie hier am Farn ist es hilfreich, auf robuste oder später austreibende Stauden umzusteigen, um sich nicht jeden Frühling ärgern zu müssen.
Dazu gehört, sich ehrlich auf Pflanzen einzulassen und persönliche Vorlieben oder Wünsche vorerst beiseitezulassen. Denn es hilft nichts, die Lieblingspflanze immer und immer wieder zu probieren, wenn der Boden nicht passt oder die Wintertemperaturen der Wohnregion ein Überleben nicht zulassen. Genauso ist ein achtsamer Umgang mit dem Boden, in dem die Pflanzen gedeihen sollen, ist für den Erfolg im Garten wichtig. Auch wenn ein Garten und spätere Beete in den Aufregungen eines Hausbaus zweitrangig erscheinen, würde es viele Unannehmlichkeiten ersparen, schon hier zu überlegen, wie man Bodenverdichtung vermeiden kann und wo man später mehr und wo weniger Mutterboden braucht. Es ist absolut angebracht, diese Wünsche vorab bei Baufirmen zu deponieren, und es zeugt von Professionalität, wenn auf diese Anliegen nicht nur eingegangen wird, sondern Sie dahingehend auch beraten werden. Lassen Sie sich hier nicht mit dem Verweis auf „Kleinigkeiten“ abwimmeln – ein neuerlicher Baggereinsatz, um bauliche Fehler zu beheben, die man mit etwas Planung und Bedacht hätte vermeiden können, ist nicht nur ärgerlich, sondern erzeugt auch unnütze Zusatzkosten.
Schnecken im Garten
Auch wenn es so praktisch wäre: Listen mit Pflanzen, die sicher vor Schnecken sind, haben einen Haken: regional unterschiedliche Vorlieben. So kann als schneckensicher Geltendes in anderen Gärten Lieblingsfutter sein − oder in einem Jahr niedergeraspelt werden, sonst aber nie. Die beste Maßnahme: Gesunde Pflanzen am richtigen Standort.
Wer die Chance hat, sollte also versuchen, Gartenprobleme gar nicht erst entstehen zu lassen. Denn leider sind viele Probleme selbstgemacht. Solche Fälle sind besonders schmerzlich, weil man sich eingestehen muss, mit einer kleinen Gedankenlosigkeit und einem einzigen undurchdachten Bauprojekt eine Menge an ärgerlichen Folgen hervorgerufen zu haben. Doch auch das gehört zum Gärtnern dazu.
Ganz abgesehen davon, dass es sowieso nicht klappt − es wäre auch langweilig, immer alles richtig zu machen, nichts selbst auszuprobieren und dann einen Garten zu erhalten, der sich komplett so wie erwartet verhält und Jahr für Jahr gleich aussieht. Mit dieser Erwartung an Pflanzungen heranzugehen, muss zwangsläufig zu Enttäuschungen führen. Aber trotzdem können Sie Arbeit und Mehraufwand vermeiden, wenn Sie Arbeitsschritte im Voraus gut durchdenken.
Fraßschäden durch Tiere, hier von Rehen, sind sehr ärgerlich. In solchen Fällen hilft nur ein Schutzkonzept mit stabilem Zaun, da manche Pflanzen unwiderstehlich wirken und wiederkehrend gefressen werden.
Häufige Gartenprobleme – vorbeugen und reagieren
PROBLEME WAS HELFEN KÖNNTE Verdichteter Boden Bauarbeiten vorab sorgsam planen, leichtere Geräte verwenden, Humus/Erde erst als letzten Arbeitsschritt aufbringen Übermäßig viel Unkraut Wenn ein Kauf von Mutterboden notwendig ist: qualitativ hochwertige Ware einfordern und diese Erde am besten vorab inspizieren, keine geschenkten Ableger direkt ausgestochen annehmen (wenn, dann Wurzeln sorgfältig auswaschen), Pflanzflächen gewissenhaft von Bewuchs befreien, im ersten Pflanzjahr sofort mulchen, auftauchende Unkräuter umgehend entfernen Probleme mit Schnecken Bei dauerhaften Problemen Schneckenkorn auf Eisen-III-Phosphat-Basis im Frühjahr ab der Schneeglöckchenblüte breitwürfig im gesamten Garten anwenden, Schnecken nachts regelmäßig absammeln, schneckensichere Pflanzen ansiedeln (Achtung, das ist je nach Region unterschiedlich!), Garten naturnah gestalten (Fressfeinde ansiedeln) Fraßschäden von Mäusen Ausdauernd Fallen stellen (Topcat o. ä.), Gehölze und wertvolle Stauden in Gitterkörbe pflanzen, bei Neuanlagen in der Sonne Erde mit viel Sand und Splitt mischen (Verhältnis Erde zu mineralischem Material 50:50), damit Mäusen das Graben von Gängen unmöglich wird Kaninchen und Rehe Ganz ehrlich? Ohne Zaun wird das immer schwierig sein … Zu wenig Humus Mit Magerwiesenarten und Trockenpflanzen arbeiten, statt aufwendige Bodenverbesserungsaktionen umzusetzen Trockenheit Passende Pflanzen auswählen, zusätzlich bei gutem Boden Beschattung pflanzen (Gehölze), mit organischem Mulch (Laub, Holzhäcksel, Staudenschnitt, Stroh, …) arbeiten/bei magerem Boden mit mineralischem Mulch (Sand, Splitt oder Kies) abdecken Staunässe Erhöhte Beete (Hochbeete, Hügelbeete, Steinmauern etc.) anlegen, Sand in den Boden einarbeiten, Drainagen einbauenBlühenden, üppigen Gärten liegt kein besonderes Geheimnis zugrunde. Es gilt nur zu verstehen, dass jede Pflanze bestimmte Ansprüche hat. Sobald man diese respektiert und erfüllt, wird sie wachsen.
Hyazinthen mögen durchlässige, aber nährstoffreiche Böden. Wurzeldruck durch andere Pflanzen macht ihnen wenig aus, sie können Jahrzehnte in Beeten wachsen.
In der Welt der Pflanzen haben sich je nach Schwierigkeit unterschiedliche Strategien als erfolgreich für das Überleben und die Verbreitung erwiesen: Eine große Gruppe an Pflanzen hat sich auf herausfordernde Standorte spezialisiert und sich mit Wuchs, Lebenszyklus, Blattgröße und -farbe sowie anderen Merkmalen perfekt angepasst. Diese Pflanzen wachsen häufig langsam, sind dann aber ausdauernd und über Jahre verlässlich. Eine weitere Gruppe besteht aus Pflanzen, die einfach so robust und hart im Nehmen sind, dass ihnen ein paar Widrigkeiten nur ein kaum sichtbares Schulterzucken abringen – sie entwickeln sich schnell, bilden rasch Samen und besiedeln so flink neue Lebensräume. Dafür sind sie nicht sehr langlebig und man muss ihnen die Möglichkeit zur Selbstaussaat bieten, damit sie im Garten erhalten bleiben. Andere Pflanzen sind unschlagbar darin, den von ihnen eroberten Platz unter keinen Umständen aufzugeben. Sie bilden dichte Horste, wachsen besonders hoch, klettern an anderen Pflanzen in die Höhe oder treten auf andere Art und Weise in Konkurrenz um die Ressourcen. Und dann gibt es jede Menge Gewächse, die sich zwischen diesen Polen bewegen und die Vorteile aus mehreren Bereichen nützen. Unter ihnen sind einige „Allrounder“, die unter verschiedensten Bedingungen zufrieden wachsen und die in diesem Buch daher öfter vorgeschlagen werden. Etwa Stauden, die an feuchten Standorten zwar üppiger wachsen, aber auch bei Trockenheit gute Gartenpflanzen abgeben. Andere können sowohl mit Sonne als auch Halbschatten gut umgehen oder die Bodenbeschaffenheiten spielen keine so große Rolle für ihr Gedeihen.
Eine wissenschaftliche Darstellung dieser Faktoren hat John Philip Grime mit seinem Modell der Pflanzenstrategien entwickelt: Innerhalb eines Dreiecks, dessen Ecken für Störung, Stress und Konkurrenz stehen, kann jede Pflanze einem Bereich zugeordnet werden. Dieser sagt aus, welche Strategie sie nutzt, um sich in Pflanzengesellschaften zu behaupten – und lässt damit einige Rückschlüsse darüber zu, wie sie im Garten verwendet werden kann. So gibt es die Gruppe der robusten, langlebigen und konkurrenzfähigen Arten (C-Strategen, „competitors“), die Gruppe der sich rasch entwickelnden, aber dafür kurzlebigen Arten, die sich gerne aussäen und dafür immer offene Böden benötigen (R-Strategen, „reproduction“) und die Gruppe der S-Strategen („stresstolerant“), die sich auf schwierige Standorte spezialisiert haben, mit Konkurrenz nur schlecht klarkommen, auf passenden Böden dafür aber sehr lange leben. Darüber hinaus existieren Mischtypen, die sich keiner Kategorie zuordnen lassen, weil sie Vorteile aus mehreren Bereichen nutzen können.
Funkien sind klassische S-Strategen: Erst mit der Zeit konkurrenzstark, auf schattige Stellen spezialisiert und genau dort sehr langlebig und robust.
Was schwer nachvollziehbar und theoretisch klingt, ist eine wertvolle Hilfe für die Gartengestaltung. Und auch ohne diese Begriffe zu kennen, sollten Sie als Pflanzenbegeisterte von gewissenhaften Pflanzenanbietern Informationen aus diesem Modell angeboten bekommen: Dann ist bei der Beschreibung der Pflanze festgehalten, ob sie sich gut verbreitet, regelmäßig geteilt werden muss, mageren Boden bevorzugt oder freien Stand genötigt, um zu gedeihen. Was für Neueinsteiger in die Materie entbehrlich wirkt, ist für die Anlage langlebiger Beete essenziell! Welche Pflanzen nun die richtige Strategie mitbringen, um auf Ihren Problemstellen zu bestehen, gilt es daher herauszufinden. Und dabei soll Ihnen dieses Buch helfen.
Schwertlilien sind robuste Pflanzen und wachsen auf vielen Gartenböden. Am besten gedeihen sie aber an trockenen Stellen und auf durchlässigen Böden – und sorgen viele Jahre für Blüten.
Damit Gärtnern Spaß macht, sollten die Erfolgserlebnisse überwiegen und langwierige Schwierigkeiten die Ausnahme sein. Diesen Zustand können Sie am leichtesten erreichen, wenn Sie die Bedürfnisse der Pflanzen berücksichtigen und der Versuchung widerstehen, sie nur nach optischen Kriterien auszusuchen – auch wenn das für uns alle ein naheliegender Zugang ist. Zudem lebt das gesamte Geschäftsmodell der Gartencenter davon, dass Gartenbegeisterte etwas Hübsches sehen, mitnehmen und dann in ihrem Garten an einer beliebigen freien Stelle einpflanzen. Vernünftiger und für eine Pflanzung viel erfolgsversprechender ist, wenn Sie den Standort genau einschätzen und die Pflanzen passend dazu auswählen. So muss man sich zwar manchmal einen Impulskauf verkneifen, wird dafür aber ein langlebiges, dauerhaftes Beet haben.
Nehmen wir an, Sie wissen, welche Bedingungen an Ihrer Problemstelle das Wachstum erschweren. Wie finden Sie nun die richtigen Pflanzen? Neben Büchern, Zeitschriften und diversen Quellen im Internet sind es vor allem spezialisierte Staudengärtnereien, die sich als Anlaufstelle anbieten. Fast alle Betriebe verfügen über umfangreiche Webshops, die entweder ohnehin Listen für die üblichen Problemstandorte anbieten oder ihre Pflanzen nach diesen Kriterien sortieren lassen. Manchmal verstecken sich diese Einstellungen unter dem Begriff „Lebensbereiche“ oder es gibt Kategorien wie „Feuchtigkeitsversorgung“, „Standort“ oder „Lichtverhältnisse“, die man anhaken kann und dann genau die Pflanzen vorgeschlagen bekommt, die auch als geeignet gelten. Gerade für eine Beetplanung sind solche Instrumente Gold wert, da man gleichzeitig einen Überblick über die Verfügbarkeit erhält und bei einigen Anbietern im selben Arbeitsschritt Wunschlisten anlegen und Partnerpflanzen recherchieren kann.
Seriöse Anbieter arbeiten in ihren Katalogen mit verbalen Beschreibungen, die klarmachen, welche Bedingungen man einer Pflanze zumuten kann. Vorsichtig wäre ich immer mit Etiketten, auf denen etwa das Symbol „Sonne bis Halbschatten“ eine breite Verwendungsmöglichkeit der Pflanze nahelegt, aber kein Wort über ihren Wasserbedarf verloren wird. So gibt es etliche Stauden, die bei feuchteren Böden sehr viel Sonne ertragen, in normalem Gartenboden aber besser beschattet gepflanzt werden, da sie so die Mittagshitze besser ertragen. Wenn Sie einen sonnigen Neubaugarten haben, kann eine Pflanzung in die volle Sonne für so ein Gewächs schon zu viel sein.