101 Dinge, die man über die Lufthansa wissen muss - Michael Dörflinger - E-Book

101 Dinge, die man über die Lufthansa wissen muss E-Book

Michael Dörflinger

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Beschreibung

Die Lufthansa ist nicht einfach eine Airline, sie ist ein Stück deutscher Geschichte. Doch wie und wann wurde die Lufthansa gegründet? Was hat es mit dem Kranich auf sich? Welche Flugzeugmodelle wurden in der Geschichte der Airline verwendet? Und was hält die Zukunft für die Lufthansa bereit? Diese und viele andere Fragen werden während dieser spannenden Reise durch die Geschichte und Gegenwart der Lufthansa beantwortet - 101 Aha-Erlebnisse für alle Luftfahrt-Fans!

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Airbus A350 der Lufthansa mit der Kennung D-AIXP wurde auf den Namen »Braunschweig« getauft. Hier hebt die Maschine vom Münchner Flughafen ab. Bild: Alex Tino Friedel/ATF Pictures via Lufthansa

Michael Dörflinger

101 Dingedie man über dieLufthansawissen muss

Inhalt

Vorwort

1Die Deutsche Luft-Reederei | Im Ersten Weltkrieg geboren

2Deutsche Aero Lloyd | Ein Nachtflugpionier

3Junkers Flugverkehr | Die Fluglinie der Dessauer

4Gründung der Luft Hansa | Die Geburt der Legende

5Der Kranich | Ein Erbe der Deutschen Luft-Reederei

6Die Junkers F13 | Ein sehr modernes Flugzeug

7Rohrbach Ro VIII | Tolle Ausstattung, Firma aus Berlin

8C III Komet und Merkur | Die erfolgreichen Dornier-Flugzeuge

9Katapultstart | Über den Atlantischen Ozean

10Die Deruluft | Deutsch-sowjetische Kooperation

11Eurasia Aviation | Auch im fernen Osten aktiv

12Hermann Köhl | Kriegsheld und Flugpionier

13Absturz der Arado V 1 | Tragödie nach einem Teneriffa-Flug

14Flughafen Staaken | Relikt des Ersten Weltkriegs

15Berlin-Tempelhof | Die perfekte Symbiose

16Wolfgang von Gronau | Flugpionier und Lufthansa-Scout

17Heinkel He 70 | Ein Rekordflugzeug der Lufthansa

18Junkers Ju 52 | Die große Flugzeug-Legende

19Focke-Wulf Fw 200 Condor | Langstreckenflugzeug der Extraklasse

20Wasserflugzeuge | Vor allem Flugboote

21Condor und die Lufthansa | Von Brasilien und Ferienfliegern

22Göring und die Lufthansa | Ein Pakt mit dem Teufel

23Erhard Milch | Der starke Mann der Lufthansa

24Das Ende der Lufthansa | Der Krieg war ihr Schicksal

25Im Zweiten Weltkrieg | Dienstverpflichtet für das Regime

26Das Büro Bongers | Erste Schritte in Richtung Neuanfang

27Der Kranich hebt wieder ab | Eine neue Lufthansa entsteht

28Deutsche Lufthansa Ost | Zivile Luftfahrt in der DDR

29Convair CV-340 | Die ersten Flugzeuge der Lufthansa

30Convair CV-440 Metropolitan | Ein wirtschaftliches Flugzeug

31Vickers Viscount | Der berühmte britische Burggraf

32Lockheed Super Constellation | Eine Schönheit in den Lüften

33Lockheed Super Star | Die Nachfolgerin der »Super Connie«

34Boeing 707 | Das Strahltriebwerk hält Einzug

351964: Boeing 720 verunglückt | Fassrolle in die Erde

361966: Absturz über Bremen | 46 Menschen kamen ums Leben

371974: Startunfall des Jumbo | Das Unglück geschah in Nairobi

381993: Landung in Warschau | Der einzige Airbus-Unfall bei Lufthansa

39Germanwings-Flug 9525 | Ein Selbstmörder bringt 150 Menschen um

40Entführung der »Landshut« | Der Nahostkonflikt erfasst Deutschland

41Liste der Lufthansa-Unfälle | Zum Glück nur sehr wenige

42Liste der Entführungen | Dreizehn waren es bis heute

43Das Jahr der Entführungen | Von den Palästinensern »erfunden«

44Der Lufthansa-Raub | Geld bringt kein Glück

45(K)eine Concorde | Reiseflug im Überschall

46BAE 146 Avro RJ85 | Für Regionalverbindungen

47Bombardier CRJ | Sparsam und gut

48Boeing 727 | Dreistrahliger Kurz- und Mittelstreckenjet

49Die Familie der Boeing 737 | Sie wird noch heute gebaut

50Boeing 747 | Der legendäre Jumbojet

51McDonnell Douglas DC-10 | Vom Problembär zum Lastesel

52Airbus A300 | Europäisches Meisterstück

53Airbus A320 | In ihrer Zeit die Modernste

54Airbus A340 | Der Langstreckenjet

55Airbus A330 | Parallel mit der A340 entwickelt

56Airbus A321 | Die verlängerte Version der A320

57Airbus A319 | Die verkürzte Version der A320

58Airbus A350 | Eine schwierige Geburt

59Airbus A380 | Das größte Passagierflugzeug der Welt

60Airbus A320neo | Die modernisierte A320

61Airbus A321neo | Die Längere der nächsten Generation

62Lufthansa Allegris | Luxuriöses Reisen auf der Langstrecke

63Boeing 787-9 | Moderne Langstrecken-Jets aus Seattle

64Boeing 777-9 | Reichweite über 16.000 Kilometer

65Neue Flugzeuge sollen kommen | Die Lufthansa Group erweitert ihre Flotten

66Taufnamen der Flugzeuge | Personen

67Taufnamen der Flugzeuge | Städte und Länder

68Lufthansa Airport Express | Die Eisenbahn der Lufthansa

69Ziel Berlin 1990 | Rückkehr der Lufthansa in die einstige Zentrale

70Ausbildung bei der Lufthansa | Der Weg ins Cockpit

71Das Kabinenpersonal | Arbeiten auf der ganzen Welt

72Rangabzeichen der Lufthansa | Die Streifen zeigen den Rang

73Kurzstrecke | »S-Bahn der Lüfte«

74Langstrecke | Der Jugendtraum der Luftfahrtenthusiasten

75Die Star Alliance | Die größte Airline-Allianz der Welt

76Die Vereinigung Cockpit (VC) | Zusammenschluss der Piloten

77Das Erbe bewahren | Die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung

78Junkers Ju 52 D-AQUI | Traditionsflugzeug und Markenbotschafterin

79Lufthansa Aviation Training | Übung macht den Meister

80Lufthansa Technik | Wartung auf der ganzen Welt

81LSG Sky Chefs | Küchenchefs für Airliner

82Sustainable Aviation Fuel | Das Bio-Kerosin

83Die Lufthansa-Familie wächst | Personaloffensive nach Corona

84Die Unternehmensführung | Leitung eines Weltkonzerns

85Kennzahlen | Erfolgreiches Wirtschaften

86Übernahmen | Mehrere Flotten, größeres Kuchenstück

87Lufthansas Regionalverkehr | Ein attraktives Streckennetz

88Nicht verwechseln! | German Wings und Germanwings

89Eurowings | Eurowings und Discover Airlines

90Swiss und Edelweiss Air | Lufthansa-Töchter in der Schweiz

91Austrian Airlines | Der ehemalige Flaggcarrier Österreichs

92Brussels Airlines | Wurzeln bei Sabena

93Lufthansa Cargo | Die Frachtflug-Abteilung

94Miles & More | Für Sammler und Jäger

95Travel ID der Lufthansa | Ein Konto für alles

96Lufthansa Lounges | Der pure Luxus

97Frankfurt am Main | Die Heimat der Lufthansa-Flotte

98Flughafen München | Das Drehkreuz im Süden

99Was man mitnehmen darf | Sicherheit und Wegwerforgie

100Rotkäppchenservice | Allein reisende Kinder in der Obhut

101Beförderungsklassen | Eine Frage des Preises

Impressum

Vorwort

Am 18. Januar 1926, vor hundert Jahren, wurde eine neue Firma ins Handelsregister eingetragen, die sich damals Luft Hansa nannte. Diese Fluggesellschaft war ein Zusammenschluss von zwei sehr aktiven Airlines. Der deutsche Staat hatte beide immer massiv unterstützt, doch war er letztlich nur bereit – und in der Lage, eine Fluglinie zu subventionieren. So gingen die Deutsche Aero Lloyd und Junkers Flugverkehr zusammen.

Die neue Fluggesellschaft entwickelte sich prächtig. In Sachen Qualität und Zuverlässigkeit nahm sie bald einen der ersten Ränge in der Welt ein. Spektakuläre neue Flugzeugtypen wurden eingeführt, die Ju 52 beherrschte vor dem Zweiten Weltkrieg den Himmel. Doch die Lufthansa war durch ihr Personal tief in die Hochrüstung der Nationalsozialisten verstrickt. Das führte letztlich zu ihrem Ende.

Doch der Ruhm ihrer Höchstleistungen sollte nicht verblassen. Und obwohl sie kein Rechtsnachfolger der alten Gesellschaft war, gab sich die 1953 gegründete Luftag ein Jahr später den traditionsreichen Namen »Lufthansa«. 1955 startete die erste Maschine der neuen Airline. Seitdem verzeichnet die deutsche Prestige-Airline Millionen von Flügen – fast alle ohne Unfall. Das ist eine herausragende Leistung. Service und Qualität bei der Lufthansa sind sprichwörtlich.

Dieser Band stellt 101 Facetten einer Airline-Legende vor, es hätten ruhig noch einmal so viele sein können. Auf die nächsten hundert Jahre!

Michael Dörflinger

1 Die Deutsche Luft-Reederei

Im Ersten Weltkrieg geboren

Walther Rathenau war eine der schillerndsten Persönlichkeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Sohn des Gründers der AEG hatte eine hervorragende Ausbildung genossen, die ihn nicht nur zum international agierenden Großunternehmer befähigte, sondern ihn auch in der Gesellschaft von Philosophen und Künstlern zu einem beliebten Gesprächspartner machten. Ihm war es als Leiter der Kriegsrohstoffabteilung zu verdanken, dass die Wirtschaft des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg auf die Anforderungen der Front umgestellt werden konnten, dass die Armee mit Waffen und Munition versorgt war und dass trotz fehlender Importe die Rohstoffsituation soweit aufrecht erhalten wurde. Am 13. Dezember 1917 gründete er mit anderen Unternehmern die Deutsche Luft-Reederei. Ihre Aufgabe war es, als militärisches Lufttransport-Unternehmen zu fungieren. Nach den Zeppelinen war sie die zweite deutsche Luftverkehrsgesellschaft und die erste, die mit Flugzeugen operierte. Die AEG, die Hapag, Luftschiffbau Zeppelin und die Deutsche Bank gehörten zu den Teilhabern.

Im Dienst der Republik

Nach dem Weltkrieg, im Januar 1919, erwarb die Deutsche Luft-Reederei eine Zulassung für den zivilen Luftverkehr. Am 6. Februar 1919 nahm sie den Luftpostdienst zwischen Berlin Johannisthal und Weimar auf. Warum gerade in diesen Ort? Ganz einfach: Dort tagte aus Sicherheitsgründen die Nationalversammlung, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte und von dort wurden die schwierigen Regierungsgeschäfte geführt. Die Politiker waren auf die Post aus Berlin und die Zeitungen angewiesen, um stets auf dem Laufenden bleiben zu können. Die Flugzeuge stammten aus Armeebeständen, die Piloten waren in der Regel Kriegsflieger. Es folgten Destinationen wie Hamburg, Warnemünde oder Amsterdam. 1922 siedelte die Gesellschaft nach Staaken über (siehe Kapitel 14).

Ein anderer Geschäftszweig waren Luftbildaufnahmen. Das nötige Know-how hatten die Militärpiloten zu bieten. Im April 1921 gründeten die Eigner eine Holdinggesellschaft namens Aero Union AG, in deren Eigentum die Luft-Reederei überging.

Ihr Mitgründer Walther Rathenau wurde ein Jahr später – er war damals deutscher Außenminister – von Rechtsterroristen ermordet.

Die erste europäische Zeitungs-Flugpost wurde auf der Strecke Berlin–Weimar eingerichtet: Fest verpackte Zeitungen werden seit 1919 nach Weimar geflogen. Bild: Deutsche Lufthansa AG

In den Pionierjahren der Fliegerei und im Ersten Weltkrieg war Berlin Johannisthal der wichtigste deutsche Flughafen; seit 1919 Heimat der Deutschen Luft-Reederei. Bild: Deutsche Lufthansa AG

2 Deutsche Aero Lloyd

Ein Nachtflugpionier

Am 6. Februar 1923 fusionierte die Deutsche Luft-Reederei/Aero Union mit der Lloyd Luftdienst GmbH. Der neue Name der Gesellschaft war »Deutsche Aero Lloyd« (DAL). Die Lloyd Luftdienst GmbH (fusioniert mit der Lloyd Luftverkehr Sablatnig) war eine Tochter des in Bremen ansässigen Norddeutschen Lloyd. Diese Reederei war im Kaiserreich der große Wettbewerber der Hamburger Hapag (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft) und war ebenfalls ins Luftfahrtgeschäft eingestiegen. Die deutsche Regierung hatte die Fliegerei nach dem verlorenen Krieg soweit möglich gefördert, nicht nur aus verkehrspolitischen Erwägungen, sondern auch, um für einen neuen Kriegsfall über erfahrene Piloten zu verfügen. Doch angesichts klammer Kassen wurde das immer schwieriger.

Stolze Flotte

Die neu gegründete Deutsche Aero Lloyd konnte mit über dreißig Flugzeugen an den Start gehen und war die unangefochtene Nummer Eins im deutschen Luftverkehr. Darunter waren ehemalige Militärmaschinen, wie die FF 49 von Friedrichshafen, die LVG C.VI oder Flugzeuge von AEG. Neubauten aus der Nachkriegszeit wurden von Sablatnig oder Dornier bezogen und kamen von den Vorgängergesellschaften. Im folgenden Jahr wurden neue Passagierflugzeuge von Fokker-Grulich, Udet, Dornier und anderen Herstellern beschafft.

Angesichts der strengen Restriktionen des Versailler Vertrags mussten die Fluglinien zu allerlei Tricks greifen. So hatte die Deutsche Luft-Reederei neu angeschaffte Flugzeuge in der infolge des Versailler Vertrags vom Deutschen Reich abgespalteten Freien Stadt Danzig registriert. Doch trotz allem war es der Deutschen Aero Lloyd möglich, ihre Aktivitäten auszuweiten.

Besondere Leistungen

Eine der besonderen Leistungen der Fluglinie war die Einrichtung einer der ersten Nachtflugstrecken. Ziele waren Stockholm und Kopenhagen. In Deutschland war sie aber nicht die Einzige. Auch die Junkers-Linie hatte sich mit Nachtflügen befasst. Noch waren das allerdings nur eher exklusive Reisen, denn den Preis für die Tickets konnten nur die wenigsten Deutschen aufbringen.

Zwischen Berlin und Kopenhagen verkehrten die Verkehrsflugzeuge der Aero Lloyd auch in der Nacht. Dieses eindrucksvolle Bild zeigt eine gelungene Landung. Bild: Deutsche Lufthansa AG

Eine Dornier Komet III des Deutschen Aero Lloyd war 1925 in Kowno gelandet. Im selben Jahr flog eine Komet III als erste Passagiermaschine über die Alpen. Bild: Deutsche Lufthansa AG

Die Deutsche Aero Lloyd beteiligte sich auch an der Gründung von Fluglinien in Schweden und Albanien. Als Nachfolgerin des Gründungsmitglieds der einflussreichen IATA-Vorläuferin International Air Traffic Association spielte die DAL in der ersten Liga mit. Die Firmenleitung hatte ehrgeizige Ziele. So wurde zusammen mit der südamerikanischen »Sociedad Colombo-Alemana de Transportes Aéros« (SCADTA) im Mai 1924 das Condor-Syndikat gebildet, das die Möglichkeiten eines kommerziellen Luftverkehrs zwischen Südamerika und Deutschland ausloten sollte. Auf dieser Grundlage sollte die Lufthansa später ihre berühmten Katapultschiff-Verbindungen fliegen.

Eine echte Pioniertat der DAL war der erste Passagierflug über die Alpen. Am 25. April 1925 hob eine Dornier Komet III in München ab, um ihre Fluggäste zur Messe nach Mailand zu befördern.

Auch diese große Fluglinie wäre ohne staatliche Subventionen nie über die Runden gekommen. Noch dazu wuchsen die Schulden. Der wichtigste Wettbewerber, die Junkers Luftverkehr AG, konkurrierte auf den gleichen Strecken. Der Pour-le-Mérite-Träger und ehemalige Geschwaderkommodore Ernst Brandenburg, der jetzt im Verkehrsministerium die Luftfahrtabteilung leitete, drängte darauf, eine Fusion der beiden Gesellschaften durchzusetzen, um Kosten zu sparen.

3 Junkers Flugverkehr

Die Fluglinie der Dessauer

Hugo Junkers hatte 1895 eine Firma für Gasthermen gegründet. Er stattete viele Bäder mit seinen Produkten aus. Im Ersten Weltkrieg musste die Produktion auf die Fertigung von Flugzeugen umgestellt werden. Junkers zeigte bereits früh seinen Ehrgeiz in diesem Segment. So stellte er im Dezember 1915 mit der Junkers J1 das erste Ganzmetallflugzeug der Welt vor. Anders als die Flugzeuge dieser Zeit konnte die J1 auf Verspannungen verzichten. Für eine Serienproduktion war es allerdings noch zu früh.

Das erste Ganzmetall-Passagierflugzeug

Nach dem Krieg entwickelte Junkers das Konzept weiter zur F13, die im Juni 1919 erstmals zugelassen wurde. Dieses Ganzmetall-Passagierflugzeug konnte mehrere Weltrekorde aufstellen und bot mit dem Doppelsteuer eine weitere Innovation. Um seine Maschinen populär zu machen, stieg Junkers bei der Lloyd Ostflug GmbH ein. Zu den Destinationen gehörte unter anderem Königsberg. Schnell wurden neue Strecken erschlossen. Man suchte nach geeigneten Partnern im Ausland. In der Trans-Europa-Union schloss man sich mit mehreren Airlines zusammen und bot Flüge in die Schweiz, Österreich und Ungarn an. Die Firma richtete eine eigene Abteilung Flugverkehr ein. Am 13. August 1924 entstand die »Junkers Luftverkehr A.G.« (ILAG).

Die Junkers F13 (W) D-207 »Falke« war als Zweischwimmer-Verkehrsflugzeug ausgestattet, um Landungen auf dem Wasser zu ermöglichen. Bild: Deutsche Lufthansa AG

Diese Junkers CL.I hatte für die Passagiere einen Kabinenaufsatz. Sie flog auf der Strecke Dessau–Weimar im Dienst der Junkers Luftverkehr. Bild: Sammlung Leonhard Rempe

Wie die Aero Lloyd galt das Interesse vor allem den politisch günstigen Regionen in Nord- und Osteuropa. Die ehemaligen Kriegsgegner im Westen und Süden blieben außen vor. Eine Ausnahme bildete das Flugziel London. Innerhalb Deutschlands konnte man mit Junkers nahezu alle größten Städte erreichen.

Flugzeugbau und Wirtschaftskrise

Die Flugzeugproduktion wurde wegen den Beschränkungen durch den Versailler Vertrag zum Teil nach Schweden und die Sowjetunion ausgelagert. Die innovativen Maschinen waren weltweit begehrt. Unterlagen weisen darauf hin, dass 1925 rund 40 Prozent des weltweiten Luftverkehrs mit Flugzeugen der Marke Junkers abgewickelt wurden. Doch letztlich fehlte es an einem Flugzeug, in dem viel mehr als nur vier Passagiere – wie bei der F13 – befördert werden konnten. Ein kostendeckender Betrieb war so nicht möglich und auch Junkers tappte in die Schuldenfalle. Das Reich zahlte immer mehr Subventionen. Doch angesichts der enormen Verpflichtungen durch die Reparationen und die wirtschaftliche Misere angesichts von Ruhrkampf, extremistischen Umsturzversuchen und Inflation waren die Mittel im Staatshaushalt begrenzt. Ernst Brandenburg, von dem im vorherigen Kapitel schon zu lesen war, erreichte die Übernahme von Aktien der Junkers Flugverkehr gegen die Begleichung der Schulden. So wurde der Weg frei für eine neue große Fluglinie in Deutschland.

4 Gründung der Luft Hansa

Die Geburt der Legende

Junkers Luftverkehr hatte durch defizitäre Geschäfte in der Sowjetunion viel Geld in den Sand gesetzt. Die Reichsregierung nutzte diese Situation und übernahm 80 Prozent der Aktien. Mit dem dezenten Hinweis, die staatlichen Subventionen würden wegfallen, wurde die Junkers-Linie sanft zur Fusion mit der Aero Lloyd gedrängt. Der Staat bekam einen Anteil von 26 Prozent der Aktien des neu gegründeten Unternehmens. Subventionen in der Luftfahrt sollte fortan nur noch sie erhalten. Die Fusion wurde in einem Nobelhotel im Berliner Regierungsviertel ausgehandelt.

Der neue Name der Airline nahm Bezug auf die im Mittelalter gegründete Kaufmannsvereinigung Hanse, die mit ihren Schiffen einst den Handel im Nord- und Ostseeraum beherrschte. Es war eine Rückbesinnung auf ein Stück glorreicher deutscher Geschichte in der trüben Gegenwart nach der Niederlage. Die neue »Deutsche Luft Hansa A.G.« sollte fortan den Luftverkehr in Deutschland beherrschen. Die Luft Hansa wurde am 18. Januar 1926 ins Handelsregister eingetragen, doch der offizielle Flugbetrieb wurde erst am 6. April 1926 aufgenommen. Eine Fokker-Grulich F II aus der ehemaligen Flotte der Aero Lloyd hob in Berlin ab zu einem Flug nach Zürich via Halle, Erfurt und Stuttgart.

Eine Putzkolonne poliert die Junkers F13 der Luft Hansa auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof vor dem nächsten Start wieder auf Hochglanz. Bild: Lufthansa-Bildarchiv

Den ersten Linienflug der Luft Hansa am 6. April 1926 absolvierte diese Fokker-Grulich F II von Berlin über Halle, Erfurt und Stuttgart nach Zürich. Bild: Deutsche Lufthansa AG