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Maya: Trotz meines Instinktes habe ich mich auf einen Drink von ihm einladen lassen. Er sah einfach zu heiß aus, um abzulehnen. Dass er durch und durch Dunkelheit und Gefahr verkörperte, war mir egal. Vielleicht war es genau das. Ich hatte immer schon ein Faible für Bad Guys. Was für ein Fehler. Enzo ist mit Abstand der übelste Kerl, den ich hätte erwischen können. Jetzt sitze ich hier, irgendwo in Texas, eingesperrt in seinem Keller, und zähle die Kratzspuren an der Wand. Es sind verdammt viele und ich frage mich, wie viele ich der Wand zufügen werde, bevor ich mich meinem Schicksal füge. Enzo: Ein Job. Mehr ist es nicht. Ich habe die Frau ausgesucht und warte nun darauf, dass sie der Boss besichtigen und der Kunde anschließend abholen kommt. Aber Maya hat etwas an sich, das mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie hat bisher kein einziges Mal geweint, zeigt keinerlei Angst und versucht auch nicht, sich das Leben zu nehmen. Stattdessen ist sie besserwisserisch und geht mir bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit auf den Sack. Ich bin wohl der schlimmste Entführer aller Zeiten. Da ich die Frauen für gewöhnlich nicht zu meinem eigenen Vergnügen verschleppe, ist es mir auch egal, wie es ihnen ergeht, während sie auf ihr Schicksal warten. Bei der Kleinen mit den blauen Augen könnte ich jedoch einmal eine Ausnahme machen. Es wird mir schon keiner übelnehmen, wenn ich mich mit ihr vergnüge, bis der Job erledigt ist. Oder?
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Catch Me. Kiss Me. Hurt Me. Miss Me.
Dark Romance Roman
Copyright: Alle Rechte sind der Autorin vorbehalten. Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Eine Verbreitung des Textes oder Ausschnitten des Textes ist ohne die schriftliche Genehmigung der Autorin untersagt.
© S. H. Roxx, 1. Auflage 2018
2. Auflage (überarbeitete Neuauflage) 2025, Österreich
Cover: © S. H. Roxx unter der Verwendung von canva.com
Bildmaterial: depositphotos.com
Sämtliche Personen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Ereignissen ist rein zufällig.
Kontakt: www.shroxx.com
Impressum siehe Buchende
Triggerwarnung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Danksagung
Der vorliegende Roman ist rein fiktional. Er dient zur Unterhaltung und soll dir ein paar hoffentlich sehr nette Lesestunden bescheren – und keinesfalls moralische Maßstäbe setzen.
Denk bitte daran, dass es sich hierbei um eine Dark Romance handelt. Manche Szenen könnten dich triggern oder verstören.
Ich distanziere mich von den Handlungen und Aussagen meiner Protagonisten. Das erwähne ich einfach, weil ich glaube, dass ich das in diesem Fall sollte.
Falls du auf kitschige Liebesschnulzen stehst, bist du hier leider falsch. Falls du dir jedoch eine düstere Romanze mit einem Bad Hero wünschst, der trotzdem gewiss kein guter Kerl ist, und eine gute Portion trockenen Humor magst, bist du hier genau richtig.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.
XOXO,
Roxxi
Maya
Ich treffe die Entscheidung spontan – heute Abend gehe ich aus.
Nicht, weil mir plötzlich danach ist, sondern weil meine Freundin Simone mir am Telefon eine regelrechte Standpauke hält. Sie wirft mir vor, dass ich trotz meiner derzeitigen Arbeitslosigkeit nie Zeit für sie finde, und setzt noch einen obendrauf: Wenn ich heute nicht mitkomme, begleitet sie mich nächste Woche nicht zu meinem alljährlichen Friseurtermin.
Eine Drohung, die in den Ohren anderer vielleicht harmlos klingt, für mich jedoch fast schon emotionalen Erpressungsstatus erreicht. Denn dieser Termin ist kein gewöhnlicher. Es ist mein persönliches Ritual – mein Neuanfang, Jahr für Jahr.
Immer pünktlich zum Sommerbeginn im Juli lasse ich meine Haare radikal verändern. Eine komplette Verwandlung.
Vor vier Jahren waren sie noch lang, beinahe bis zum Hintern, und sonnenblond.
Ein Jahr später schnitt ich sie zu einem schwarzen Bob – scharf, kühn, fast trotzig.
Dann kam das feurige Rot, schulterlang und rebellisch.
Seit vergangenem Jahr trage ich sie wieder brustlang, in einem warmen Hellbraun mit blonden Highlights – eine weiche, fast zu harmlose Version meiner selbst.
Doch dieses Jahr verlangt es wieder nach Tiefe. Nach etwas Dunklem. Vielleicht ein sattes Schwarzbraun oder ein geheimnisvolles Dunkelbraun. Die Länge? Die muss definitiv weg. Und wer weiß – vielleicht wage ich mich sogar an einen Pony. Mal sehen.
Nur das mit dem Fitnessstudio war leider noch nie Teil dieses Optimierungswahns. Und das sieht man. Ich habe ein paar Kilo mehr auf den Rippen, als mir lieb ist. Ich rolle zwar noch nicht durch die Gegend, aber es gab definitiv schon schlankere Zeiten in meinem Leben.
Ich mag meine Kurven – meistens jedenfalls. Ich will nur aufpassen, dass sie nicht irgendwann ein Eigenleben entwickeln und völlig außer Kontrolle geraten.
Ich schreibe Simone eine kurze Nachricht, dass ich mich jetzt auf den Weg zu unserer Stammbar mache, dann schlüpfe ich in meine Jeanshotpants und das rote Holzfällerhemd, das ich mir lässig in den High-Waist-Bund stecke. Die passenden roten Cowboystiefel bringen mich zum Grinsen, als ich mich im Ganzkörperspiegel betrachte. Sie waren ein echter Glücksgriff – im Sale auf die Hälfte reduziert. Mein Portemonnaie hat zwar bereits bei der Kasse gequiekt, immerhin bin ich seit dem überstürzten Abbruch meines Studiums und dem direkt darauffolgenden Job-Hinschmiss als Schreibkraft praktisch pleite, aber ... manche Käufe sind eben Seelennahrung. Und ich lebe praktisch für das perfekte Paar Stiefel.
In einer Stadt wie Oklahoma legt man keinen großen Wert auf teure Outfits oder übertriebenes Styling – aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich kaufe diese Dinge nicht, um jemandem zu gefallen. Ich kaufe sie nur für mich. Auch die ständigen Veränderungen an meinem Äußeren mache ich nicht, um irgendwem zu gefallen – sondern einzig und allein, weil ich es will.
Würde ich in einer Beziehung stecken, könnte ich diese Eitelkeit vielleicht damit rechtfertigen, meinem Kerl gefallen zu wollen, um sein Interesse nicht zu verlieren. Aber auch damit kann ich momentan nicht glänzen. Meine letzte ernste Beziehung liegt mittlerweile drei Jahre zurück, und mit diesem Kerl verbindet mich rein gar nichts mehr. Danach gab’s hin und wieder ein paar One-Night-Stands mit Kommilitonen, aber nichts, das mir wirklich unter die Haut ging. Nichts, das blieb.
Während ich losgehe, frage ich mich, womit ich im Moment überhaupt glänzen kann. Ehrlich gesagt, mit gar nichts. Mein Leben ist langweilig, ich bin pleite, und wenn es darum geht, andere Leute zu beeindrucken, habe ich aktuell nicht viel vorzuweisen. Früher war das anders. Damals, als ich noch Medizinstudentin war, hatte mein Leben Struktur. Bedeutung. Selbst nach dem Abbruch wurde mir das noch irgendwie verziehen – schließlich hatte ich mich ja für einen neuen Weg entschieden. Psychologie, mein neues Hauptfach. Doch als ich auch das wieder hinschmiss, kippte die Toleranz. Von außen sah es nur noch nach Chaos aus.
Vor allem für meine Mutter, die mir diesen zweiten Hinschmiss nie wirklich verziehen hat. Zum Glück lebt sie in Kalifornien – weit genug weg, um mich nur selten zu sehen. Selbst unsere wöchentlichen Telefonate sind schon mehr, als ich eigentlich ertrage. Sie seufzt viel. Jammert. Klammert sich an oberflächliche Themen. Und ich? Ich erfinde oft Dinge, von denen ich weiß, dass sie sie hören will. Kleine Notlügen, nur damit sie mich in Ruhe lässt. Damit sie mir nicht wieder vorwirft, ich sei wie mein Vater.
Ein Vergleich, den ich kaum ertragen kann. Denn mein Erzeuger – und das ist er, mehr nicht – sitzt eine Gefängnisstrafe ab. Und selbst davor war er kein Mann, den man als Vorzeigevater bezeichnen könnte. Wenn überhaupt, war er ein abschreckendes Beispiel. Und trotzdem zieht meine Mutter genau diesen Namen aus dem Hut, wenn sie mich verletzen will.
Wieder einmal verliere ich mich in meiner Gedankenwelt – und vergesse dabei vollkommen, dass ich längst zehn Minuten zu spät bin. Simone wird mich umbringen. Auch wenn sie es von mir nicht anders gewohnt ist, lässt sie mich trotzdem jedes Mal aufs Neue dafür büßen.
Ich rufe mir ein Taxi herbei, winke wild mit den Armen, bis eines anhält, und zucke nur mit den Schultern, als meine innere Stimme mahnend flüstert, ich solle mein ohnehin klägliches Budget nicht noch weiter ruinieren.
Broke ist broke – auf die zehn Dollar kommt es jetzt auch nicht mehr an, oder?
»Zum Country Pub in der Willingtonstreet. Ecke Colonialpark«, sage ich freundlich, als ich mich auf den Rücksitz fallen lasse.
Der Fahrer nickt knapp, dreht das Radio leiser, doch ich hebe sofort die Hand.
»Sie können es ruhig anlassen. Ich liebe diesen Song.«
Ein flüchtiges Schmunzeln huscht über sein Gesicht, und er dreht die Musik wieder auf.
Love Lies von Khalid & Normani erfüllt den Wagen, leise und dennoch präsent, begleitet von einem leichten Rauschen aus den Boxen. Ich summe mit, ganz in mich gekehrt, während mein Blick hinaus in die Dunkelheit gleitet. Schwarze Nacht, flirrende Straßenlichter, flüchtige Silhouetten. Alles verschwimmt zu einem Film vor meinen Augen, in dem ich mich verliere.
Wie so oft hat es nur einen kleinen Anstoß gebraucht, um mich doch zu überwinden. Auszugehen, mich unter Leute zu mischen, mich selbst aus dem Sumpf meiner Grübeleien zu ziehen. Samstags alleine auf der Couch zu sitzen, während irgendeine langweilige Serie läuft und ich dabei Eis direkt aus der Packung löffele, gehört ohnehin nicht zu meinen bevorzugten Freizeitaktivitäten.
Mit fünfundzwanzig sollte ich eigentlich die Welt bereisen, Männer daten, hemmungslos Geld ausgeben und nie zurückblicken. Von all dem tue ich genau eines – und ausgerechnet das Falsche.
»Wir sind da, Miss«, erklärt der Fahrer nach wenigen Minuten und wirft mir einen kurzen Blick über die Schulter zu. »Das macht elf Dollar.«
Ich lege fünfzehn Dollar auf die Mittelkonsole, lächele und sage mit gespielter Großzügigkeit: »Behalten Sie den Rest.«
Ist ja nicht so, als wäre ich komplett bankrott. Nur ein bisschen eben. Charmant pleite.
Er wirkt mehr als zufrieden. »Danke! Und einen schönen Abend noch!«
Ich winke lässig, steige aus dem Wagen und laufe auf das Pub zu. Wie jeden Samstag ist es brechend voll – Stimmengewirr und dröhnende Musik prallen mir schon an der Tür entgegen. Kaum trete ich ein, verschluckt mich das pulsierende Leben.
Josh, der Barmann, erspäht mich sofort. Er grinst breit, als hätte er genau gewusst, dass ich heute doch noch auftauche.
»Nächste Woche ist’s wieder so weit, oder?«, fragt er, während er ein paar Eiswürfel in die Gläser vor sich purzeln lässt und sich im Rhythmus der Musik bewegt. »Dein alljährlicher Haar-Exorzismus. Dabei finde ich sie perfekt, so wie sie sind.«
Ich winke ab und lasse mich auf einen freien Barhocker ihm gegenüber sinken. »Ne, das ist schon langweilig«, erwidere ich und schiebe mein Haar über die Schulter. »Ich brauche eine Veränderung.«
»Wie immer«, neckt er mich, während er die Drinks weiter vorbereitet.
Seit ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal in diesem Pub war, komme ich, wenn ich ehrlich bin, hauptsächlich seinetwegen hierher. Simone und ich haben uns damals irgendwie unabsichtlich mit ihm angefreundet – und seitdem ist er mehr als nur der Barmann unseres Stammlokals. Wir schreiben uns gelegentlich, tauschen Neuigkeiten aus und erzählen uns vom Drama unseres Alltags. Manchmal geben wir uns sogar Ratschläge in Beziehungsangelegenheiten – wobei das bei mir natürlich eher einseitig ausfällt.
»Ist Simone noch nicht da?«, frage ich mit gerunzelter Stirn, während mein Blick durch das volle Pub wandert. Ich werfe einen kurzen Blick auf meine rote Armbanduhr, dann auf mein Handy. »Sie war noch nie nach mir hier.«
Josh lacht leise. »Ich weiß. Deine Unpünktlichkeit ist legendär.«
Ich werfe ihm einen vielsagenden Blick zu und beginne, Simone auf Social Media eine Nachricht zu schreiben.
Sunshine_Girl: Es muss richtig übel sein, wenn ich vor dir im Pub eintreffe. Ich nehme an, es liegt an Michael?
Ihre Antwort kommt erst, als mir Josh schon meinen Moscow Mule serviert. Wie immer musste ich erst gar nicht sagen, welchen Cocktail ich trinken möchte – Simone und ich trinken seit Jahren denselben und sind ihm bis heute treu geblieben.
Undercover_Engel: Sorry, Maya! Er stresst mich total. Langsam frage ich mich, ob das überhaupt noch einen Sinn hat. Ich werde wohl zuhause bleiben, bist du mir böse?
Gott, wie sehr ich Michael mittlerweile hasse. Seit Simone mit ihm zusammen ist, hat sie nur Ärger. Der Kerl ist eifersüchtiger als ein Stalker und besitzergreifender als jeder Mafioso aus den Filmen. Am liebsten würde er sie zu Hause einsperren und ihr ein Halsband anlegen.
Ich habe Mitleid mit ihr und bin nicht mal sauer, weil sie mich sitzenlässt. Allerdings wäre es von Vorteil gewesen, das früher zu wissen, dann wäre ich erst gar nicht hergekommen.
Sunshine_Girl: Kein Ding. Lass dich nicht ärgern. Wir telefonieren morgen, ja?
Da ich nach zehn Minuten noch immer keine Antwort von Simone erhalten habe, werte ich das als gutes Zeichen. Ihre Streitereien mit Michael halten für gewöhnlich nie besonders lange – ganz egal, wie daneben er sich diesmal wieder benommen hat. Meist endet das Ganze ohnehin mit Versöhnungssex. Und obwohl ich sie darum beneide – zumindest was den Sex betrifft – möchte ich keinesfalls mit ihr tauschen.
»Michael?«, fragt Josh mit einem wissenden Blick, der keine Antwort braucht.
Ich nicke seufzend.
»Warum serviert sie den Kerl nicht endlich ab?«
»Das frage ich mich seit einem Jahr«, murmele ich bitter, greife zu meinem Drink und nehme einen Schluck – nur um direkt hustend wieder abzusetzen. Der Alkohol brennt wie Feuer in meiner Kehle.
»Gott, Josh! Der ist heute viel zu stark!«
Er grinst nur, schüttelt den Kopf und schnappt sich wie immer eine dieser grellroten Cocktailkirschen, die er sich lässig zwischen die Zähne schiebt. »Du hast bestimmt nichts gegessen. Auf leeren Magen haut er dich immer um.«
Wahrscheinlich hat er recht, aber der Geschmack von Alkohol ekelt mich heute mehr an als sonst. Ich bitte ihn um ein Glas Wasser und beschließe, noch ein paar Minuten zu bleiben – allein schon, um Josh ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Dann verschwinde ich wieder. Ein echter Reinfall, dieser Abend.
Gerade will ich mich wieder meinem Handy widmen, als plötzlich eine Stimme an mein Ohr dringt.
»Ist hier noch frei?«
Die tiefe Stimme ertönt direkt neben mir und lässt mich erschrocken zusammenzucken. Ich stelle mein Glas Wasser ab, runzele die Stirn und hebe den Blick – nur um direkt in ein Gesicht zu blicken, das mein Hirn für einen Moment komplett ausschaltet.
Gott. Heiß. Heiß, heiß, heiß.
So heiß, dass mir tatsächlich die Sprache wegbleibt. Und natürlich entgeht ihm das nicht.
Ein kaum sichtbares, aber eindeutig selbstzufriedenes Lächeln zuckt über seine Lippen, als hätte er genau diese Reaktion erwartet. Dann nimmt er ganz selbstverständlich auf dem Barhocker neben meinem Platz. Seine Augen wandern langsam, geradezu prüfend, an mir hinab – dann wieder hoch zu meinem Gesicht, das sich vermutlich gerade in sämtlichen Rottönen verfärbt. Wieder dieses minimale Lächeln.
»Ich bin einfach mal so frei.«
Mit geweiteten Augen starre ich meinen Drink an, als hätte er plötzlich die Antwort auf alle meine Lebensfragen. Plötzlich wirkt er gar nicht mehr so widerlich. Ich greife nach dem Glas, bereit, es auf Ex zu leeren – bloß um mich zu beruhigen –, da spüre ich seine Hand auf meiner.
Er hält mich einfach auf. Ganz ruhig, ganz selbstverständlich. Und ich fange an zu husten. Nicht, weil ich mich verschluckt hätte, sondern weil mein Körper panisch nach einer Reaktion auf seine Unverschämtheit sucht.
»Moscow Mule«, sagt er, die Mundwinkel leicht schief gezogen, als würde er sich köstlich über mich amüsieren. »Nicht die beste Wahl. Wenn du erlaubst?«
Er wartet meine Antwort gar nicht erst ab, sondern winkt Josh zu sich und bestellt zwei Drinks, deren Namen ich noch nie gehört habe.
Ich räuspere mich und werfe ihm einen ungläubigen, leicht verstörten Seitenblick zu, während er gerade seelenruhig bei Josh die Drinks bezahlt.
Gott, ist der heiß. Ein echter Leckerbissen. Und das, obwohl er sich nicht einmal bemüht, freundlich oder sympathisch zu wirken. Im Gegenteil. Er strahlt eine fast schon arrogante Gleichgültigkeit aus, die dennoch eine magnetische Anziehung entfaltet.
Der Typ hat ganz klar südländische Wurzeln. Seine Haut ist cremig, mit einem warmen, dunkleren Unterton – nicht so dunkel, dass man ihn nicht mehr als Weißen bezeichnen würde, aber definitiv mit einem Hauch Exotik.
Sein Haar ist lang. Das verrät mir der kleine Zopf auf seinem Hinterkopf – etwas, das mich bei Männern sonst völlig kalt lässt. Doch bei ihm? Scheiße, dieser Typ könnte einen pinken Haarreifen tragen, und ich würde ihn trotzdem ohne zu zögern in mein Bett einladen.
Der Zopf ist vielleicht das Auffälligste an ihm, aber längst nicht das Einzige, das auffällt. Er trägt einen vollen, dichten Bart, der ihm einen wilden, rauen Look verleiht – und trotzdem ist er so akkurat gestutzt, dass er beinahe schon edel wirkt. Obwohl sein Bart seine Wangen, das markante Kinn und sogar einen Teil seines Halses bedeckt, zeichnen sich darunter deutlich seine scharfen Gesichtszüge ab. Ein kantiger Kiefer, ausgeprägte Wangenknochen, eine perfekt gerade, wenn auch breite Nase. Alles an ihm schreit nach roher Männlichkeit.
Seine dichten, leicht spitz zulaufenden Augenbrauen verleiten meinen Blick dazu, höher zu wandern, über seine glatte Stirn hinweg, bis ich mich schließlich unauffällig nach vorn beuge, nur um seine Augen zu sehen.
Grün. Natürlich sind sie grün. Und nicht irgendein Grün – leuchtend, intensiv, fast schon unecht.
Natürlich. Wie auch nicht. Der Typ ist ein Gesamtkunstwerk. Nicht perfekt im klassischen Sinne, aber in seiner ganz eigenen, speziellen Art. Keine Spur von glattgebügeltem Mainstream. Und gerade das macht ihn so gefährlich attraktiv.
Er räuspert sich und runzelt die Stirn – nicht verärgert, eher nachdenklich. Noch immer entdecke ich kaum Falten auf seiner Haut, was mich zu dem Schluss bringt, dass er wahrscheinlich jünger ist, als es sein Erscheinungsbild vermuten lässt. Dreißig vielleicht?
»Hm?«, mache ich mich räuspernd.
Sein Blick wird intensiver, und ich spüre, wie mir das Blut heiß in die Wangen schießt.
»Hast du was gesagt?«, frage ich, meine Stimme einen Tick zu hoch.
Seine Miene bleibt stoisch, selbst als sich ein Lächeln auf seine Lippen stiehlt – ein verdammt gutes noch dazu. Natürlich sind seine Zähne perfekt. Gerade und weiß wie frisch gestrichene Wände.
»Ich fragte, ob du den Drink willst.«
Ich starre auf den Tresen – überrascht, dass Josh bereits zwei neue Drinks serviert hat. Entweder war er heute verdammt schnell, oder ich habe den Fremden deutlich länger angestarrt, als mir lieb ist. Vermutlich Letzteres. Und das Peinlichste daran? Ich war noch nicht mal fertig.
Mein Blick wandert an ihm hinab, diesmal ganz bewusst. Ohne jede Scham. Ich fühle mich beinahe verpflichtet, meine Musterung zu Ende zu bringen – der Vollständigkeit halber. Und was ich sehe, gefällt mir sogar noch mehr als gedacht.
Er ist breit. Sehr breit. Vielleicht schon grenzwertig Hulk-breit – aber auf eine Art, die zu ihm passt. Das enge, weiße T-Shirt mit irgendeiner Aufschrift darauf wirkt hier im Pub genauso fehl am Platz wie in Oklahoma selbst, aber es erfüllt seinen Zweck: Es schmiegt sich an seinen muskulösen Oberkörper, betont seine Schultern, seine Brust und seine Oberarme. Besonders Letztere haben es mir angetan.
Ein schwarzes Tattoo ziert seine linke Schulter, zieht sich unter dem Stoff weiter, und obwohl ich nicht erkennen kann, wie viel davon sich über seinen Oberkörper erstreckt, wirkt es wie ein Tribal-Muster, das sich wild über seinen ganzen Arm schlängelt.
Die Tinte, seine Haut, die Muskeln darunter – alles zusammen ergibt ein verdammt gefährliches Gesamtpaket. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich wegrennen oder dran lecken will
»Ja? Nein?« Er wirkt ungeduldig.
Ein leiser Anflug von Unbehagen kriecht in mir hoch. Je länger ich ihn betrachte, desto stärker beschleicht mich das Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt.
Er ist zu schön, um auch noch eine weiße Weste zu haben – davon bin ich überzeugt.
Seine dunkle Aura, seine offensive Art, dieser Blick, der etwas Unergründliches in sich trägt … Sogar wenn er lächelt wirkt er düster. Unnahbar. Als würde er irgendetwas vor der Welt etwas verbergen.
Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein. Vielleicht bringt mich seine absurde Attraktivität einfach völlig aus dem Gleichgewicht. Zugegeben, ich werde oft angesprochen. Aber so gut wie nie von Männern seines Kalibers.
»Okay«, sage ich schließlich, nicke leicht und greife nach dem Drink.
Obwohl mein Magen sich leicht verkrampft, lächele ich ihn an – ein bisschen dankbar, ein bisschen überfordert. Vielleicht will ich einfach wissen, wie tief dieses Kaninchenloch noch geht.
Er tut es mir gleich, hebt sein Glas, stößt damit leicht gegen meines und nimmt einen langen Schluck der pinken Flüssigkeit in seinem Glas.
Ich weiß nicht, was mir das sagen soll – aber während ich mein eigenes Glas hebe, schießt mir eine Frage durch den Kopf, die mich überraschend dringend interessiert.
Wie heißt er? Vielleicht nimmt mir das mein mulmiges Gefühl. Vielleicht aber auch nicht.
Ich halte inne, das Glas vor den Lippen, und sehe ihn an. »Wie heißt du?«
»Enzo«, kommt es sofort. Fast zu schnell. Seine Stimme ist leise, doch trotz der Musik um uns herum verstehe ich ihn mühelos.
Ich nicke nachdenklich. »Enzo … wie Lorenzo? Aus Italien?«
Wieder schenkt er mir dieses Lächeln. Warum, zur Hölle, habe ich nur das Gefühl, es ist nicht echt? Seine Augen funkeln mich auf eine Weise an, die beinahe angsteinflößend wirkt – so intensiv, so durchdringend, als wollte er mich durchschauen, mich entblößen, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen. Und dabei lässt er mich vollkommen im Dunkeln darüber, was in seinem Kopf vor sich geht.
Trotz allem ist er verdammt heiß. Ich kann gar nicht aufhören, darüber nachzudenken, wie sexy er aussieht, wenn er sich mit Daumen und Zeigefinger über den dichten Bart streicht und dabei ganz nebenbei seinen breiten Bizeps zur Schau stellt. Vermutlich nicht mal mit Absicht.
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Ich deute das mal als Ja. Möchtest du meinen Namen gar nicht wissen, Enzo aus Italien?«
Sein Lächeln bleibt exakt so wie zuvor. Unverändert. »Verrat ihn mir.«
Herrje … Sogar die Art, wie er spricht, ist sexy. Diese tiefen, dunklen Nuancen in seiner Stimme, die rauen Untertöne, die fast vibrieren – ich glaube, ich habe noch nie einen Mann gehört, der so männlich klingt. Es ist nicht gespielt. Es ist einfach da. Roh und echt.
Vielleicht ist er Gottes verspätetes Geschenk an mich – nach all der frustrierenden Zeit voller Einsamkeit, nach den ganzen Fehltritten, Enttäuschungen, den Typen, die nichts als leere Versprechen waren, aber nie Substanz hatten.
Wäre ich in der Lage, mir meinen perfekten Mann selbst zusammenzubasteln, käme Enzo dem Prototyp gefährlich nahe.
Diese dunkle Seite an ihm, die ich nur zu erahnen glaube, macht ihn noch faszinierender. Ich war schon immer ein bisschen anfällig für Kerle, bei denen man nicht weiß, ob sie dich retten oder ruinieren wollen.
Selbst mittellose Bad Boys schlagen in meinem Kopf jeden glattgebügelten Bürohengst mit Designeruhr und übervollem Portemonnaie.
Klischeehaft? Vielleicht. Aber manchmal steckt in Klischees auch einfach nur die Wahrheit.
Scheint fast so, als hätte ich ihn gefunden – den Bad Boy aus meinen Tagträumen.
Jetzt bleibt nur noch herauszufinden, was sich hinter dieser harten, undurchdringlichen Schale verbirgt.
Ich lächele bei dem Gedanken und nehme einen Schluck aus meinem Glas. »Ich heiße Maya. Freut mich sehr, Enzo.«
Enzo
Endlich nimmt sie einen Schluck von diesem verdammten Mädchendrink.
Ich bin es gewohnt, diese Wirkung auf Frauen zu haben – doch bei Maya scheint mein bewusst raues Auftreten in Kombination mit meinem Äußeren noch besser zu zünden als sonst. Ich erkenne es in ihren Augen: Sie will mich durchschauen, will wissen, was sich hinter meiner Fassade verbirgt. Doch das wird sie nie. Niemand kommt dahinter.
Sie ist scharf. Unbestreitbar. Wenn ich auf ihre langen, nackten Beine blicke und mir vorstelle, wie sie mit diesen roten Nuttenkrallen meinen Rücken zerkratzt, während sie sich um mich windet, bekomme ich einen Ständer. Sie wirkt wie die typische Tussi – also genau mein Beuteschema. Doch darauf kommt es nicht an. Es zählt allein, was der Kunde will. Und der wird sie haben wollen. Ganz sicher.
»Ohne Alkohol?«, fragt sie überrascht, nachdem sie das Glas absetzt.
Ich nicke nur. Smalltalk mit meinem neuen Opfer steht nicht auf meiner Prioritätenliste. Außerdem muss ich endlich einen Schritt weiterkommen – wir haben noch eine lange Fahrt vor uns. Und ich habe ihr noch nicht einmal die Tropfen verabreicht, die sie in den Schlaf schicken sollen.
Ihr Handy klingelt.
»Oh, tut mir leid. Meine Freundin«, sagt sie hastig, wirft einen flüchtigen Blick durch den Raum und schenkt mir ein entschuldigendes Lächeln. »Zwei Minuten, okay? Ich gehe kurz raus.«
»Kein Problem«, erwidere ich charmant und werfe einen Blick auf meine Uhr. Perfektes Timing. So erspare ich mir das Schauspiel, den Trottel zu mimen, der ihr aus Versehen den Drink über die Bluse kippt, damit sie auf der Toilette verschwindet und ich die Gelegenheit habe, das Zeug unterzumischen.
Kaum ist sie durch die Tür verschwunden, gleiten meine Finger in die rechte Hosentasche und schließen sich um das winzige Fläschchen. Ein kurzer Scan des Raums reicht – niemand achtet auf mich. Der Barkeeper, der offensichtlich ein Freund von ihr ist, ist nirgends zu sehen. Ich hatte sie beobachtet, als die beiden sich unterhielten. Mehr als Freundschaft vermute ich nicht, obwohl sein Blick eindeutig war. Natürlich würde er sie vögeln wollen. Wer nicht?
Mit einer fließenden Bewegung ziehe ich ihr Glas zu mir, öffne das Fläschchen, kippe den Inhalt in die pinke Flüssigkeit und schiebe es wieder zurück.
Niemand hat mich beachtet. Alles läuft nach Plan.
Eigentlich wollte ich länger warten, bevor ich sie anspreche. Sicherstellen, dass ihre Begleitung wirklich nicht auftaucht, wie ich es vorher mitbekommen hatte. Aber ich musste verhindern, dass sie noch mehr Alkohol trinkt. Die Mischung mit den Tropfen wäre zu riskant. Ich habe keine Lust, in letzter Minute Ersatz für sie zu organisieren. Mein Boss wäre nicht sehr begeistert.
Als sie zurückkommt, lächelt sie mich direkt an – offener, entspannter. Vermutlich hat sie ihrer Freundin von mir erzählt. Und die hat sie vermutlich dazu ermutigt, sich auf mich einzulassen. Besser könnte es nicht laufen.
Ich weiß, dass sie Single ist. Habe alles über sie in Erfahrung gebracht. Und ganz ehrlich – es überrascht mich. Sie hat ein hübsches Gesicht, lange, braunblonde Haare, dunkelblaue Augen und eine kurvige Latina-Figur, die jeden Blick eines Mannes fesselt. Sie scheint Wert auf ihr Äußeres zu legen, und trotz ihrer blonden Art hat sie etwas Kluges an sich. Eine lebendige Mischung aus charmant und anziehend.
Nicht die Sorte Frau, von der man erwartet, dass sie sich auf jemanden wie mich einlässt.
Aber sie tut es. Weil ich es so will. Und hätte sie sich geziert, hätte ich eben nicht lockergelassen, bis sie doch nachgegeben hätte.
Ich bin kein schlechter Fang, wenn man auf Kerle wie mich steht. Ungehobelt, tätowiert, hemmungslos und rau. Allen voran Kriminell.
Wie gut, dass sie das Letzte noch nicht weiß.
Aber bald.
Ich spiele den Besorgten, als sie sich wieder neben mich setzt. »Alles in Ordnung?«
Sie nickt, ihr Lächeln breiter als zuvor. »Das war nur meine Freundin. Sie hatte Stress mit ihrem Kerl.«
Sie sieht aus, als wolle sie mehr erzählen – und genau darauf ziele ich ab. Solange sie redet, nippt sie auch an ihrem Drink. Also hake ich nach.
»Worum ging’s denn?«
Wie erwartet, legt sie los. Eine Quasselstrippe, wie sie im Buche steht. Ich nehme nur Bruchstücke wahr – der Rest rauscht an mir vorbei, während ich den Takt vorgebe, indem ich an meinem Glas nippe. Ich lasse es beiläufig wirken – und jedes Mal tut sie es mir gleich.
»… jedenfalls gefällt mir das gar nicht. Ein Partner kann nicht dermaßen besitzergreifend sein, das schadet auf Dauer. Außerdem finde ich, dass jeder mal seinen Freiraum braucht. So sieht eine gesunde Beziehung für mich aus.«
Na klar, Baby. Erzähl mir, was du willst. Bald hast du alles, was du nie gesucht hast.
Moment mal … Freiraum? Beinahe muss ich lachen. Wenn sie wüsste, dass heute ihr letzter Abend in Freiheit ist.
Fuck, wie sehr ich mich darauf freue, ihr Gesicht zu sehen, wenn sie in meinem Keller aufwacht. Das wird – wie immer – das Highlight meines Monats.
»Ich verstehe«, sage ich stattdessen mit einem verständnisvollen Nicken.
»Ja?«, fragt sie mit einem hoffnungsvollen Unterton. Ihre Augen glitzern, und ihre Stimme ist weich. »Wie stellst du dir denn eine gesunde Beziehung vor?«
Wieder zuckt es in meinen Mundwinkeln. Die Frau hat Humor, wenn sie glaubt, ich sei der Typ Mann, der über Beziehungen spricht, geschweige denn eine führen will. Ich bin weitaus schlimmer als dieser Mike, Mitch oder Michael, von dem sie gerade noch erzählt hat.
Meine Frau dürfte ohne meine Erlaubnis gar nichts. Das Wort »Freiraum« würde in ihrem Wortschatz nicht existieren. Und jede Dummheit – egal wie winzig – würde ich ihr so lange aus dem Kopf vögeln, bis dort nur noch mein Name zurückbleibt.
Manchmal spiele ich mit dem Gedanken, meiner Frau, sollte ich je eine haben, meinen Namen direkt auf die Stirn zu tätowieren – aber so primitiv wäre ich dann doch nicht. Meine Methoden mögen fragwürdig sein, keine Frage, aber irgendwo habe auch ich meine Grenzen.
Vermutlich.
Zum Glück muss ich mir darüber keine Gedanken machen, denn ich würde mich niemals freiwillig binden.
»Bist du auf der Suche nach einer Beziehung?«, frage ich stattdessen und fixiere sie mit einem drängenden Blick.
Sofort färben sich ihre Wangen wieder in diesen rötlichen Ton – genau wie vorhin, als ich sie schweigend dazu brachte, mir zu antworten.
Sie mustert mich erneut, obwohl sie mich längst gedanklich aus meiner Kleidung geschält hat. Dann zuckt sie verlegen mit den Schultern. »Naja … das kommt darauf an.«
»Worauf?«, frage ich und beuge mich ein Stück näher zu ihr. Mein Lächeln ist halb gespielt, halb ein Versprechen. »Was, wenn ich sage, ich will dich mit zu mir nehmen – nur um Spaß zu haben?«
Sie schluckt belegt. Leckt sich lasziv über ihre volle Unterlippe. Blinzelt mich an mit diesen tiefblauen Augen, die gefährlich schnell in Richtung Demut driften. Ich wette, sie denkt nicht einmal wirklich darüber nach, sondern tut nur so, damit sie nicht zu leicht auf mich wirkt.
Diese Frau ist deutlich untervögelt. Kein Wunder bei den Gestalten, die hier in Oklahoma herumlaufen. Männer, die nicht mal ansatzweise wissen, was sie mit so einer anstellen sollen. Oder eben Kerle wie ich, die sich nehmen, was sie wollen, und sie weiterreichen, wenn sie aufgebraucht sind.
Aber mit ihr habe ich andere Pläne.
»Ich würde sagen …«, beginnt sie und sieht sich nervös um. Dann hebt sie das Glas und leert den Drink in einem Zug. »Ich würde okay sagen. Aber nur, wenn wir zu mir gehen.«
Kluges Mädchen. Und trotzdem läufst du mir geradewegs in die Falle.
Ich grinse zufrieden, lege ihr eine Hand auf den Rücken und genieße das kaum wahrnehmbare Zucken, das durch ihren Körper fährt.
»Vergiss deine Tasche nicht.« Ich erhebe mich und schiebe sie unauffällig in Richtung Ausgang. Dass uns jemand sieht, ist mir scheißegal. Ich werde später ohnehin ein paar Nachrichten von ihrem Handy verschicken, damit niemand Alarm schlägt. In ein paar Wochen kräht kein Hahn mehr nach ihr. Und wenn doch, bin ich längst weg. Und sie bei ihrem neuen Besitzer.
»Ich wohne nur ein paar Minuten von hier entfernt. Bist du mit dem Auto da?«, fragt sie, als wir die Straße erreichen. Ihre Stimme zittert.
Ich weiß, denke ich mir. Ich weiß alles. Deine Adresse, deinen früheren Arbeitsplatz, deine Vergangenheit. Sogar, wann du zuletzt krank warst, Kleines.
Ich deute mit einem knappen Nicken auf meinen schwarzen Porsche, der am Ende der Straße parkt. Sie folgt meinem Blick – und nickt beeindruckt. Natürlich.
Sie geht wie ein Schäfchen neben mir her. Sehr brav. Ihre Schritte wirken noch sicher, aber ich warte nur darauf, dass ihr die Knie nachgeben.
Die Dosierung war tricky. Ich konnte ihr Gewicht nicht exakt schätzen, also war ich vorsichtiger als sonst. Zu viel von dem Zeug und sie hätte hier im Pub zusammenklappen können. Zu wenig und sie bleibt zu lange wach. Ich habe auf Nummer sicher gesetzt.
Das Zeug braucht manchmal ein paar Minuten. Vielleicht passiert es also auch erst im Auto.
Mit jedem Schritt wirkt sie angespannter. Ihre Atmung verändert sich, ihre Wangen sind rotfleckig. Ich mustere sie aus den Augenwinkeln und schenke ihr jedes Mal ein sanftes Lächeln, wenn sie mich von der Seite anblickt – verlegen, neugierig, gierig.
Wir müssen ein hübsches Bild zusammen abgeben. Sie ist klein, reicht mir kaum bis zur Brust. Und neben mir wirkt sie beinahe zierlich – obwohl sie mit ihrer Figur alles andere als untergewichtig ist. Ihr Hintern ist rund, die Hotpants spannt sich drüber wie eine zweite Haut. Und ihre Titten? Wahrscheinlich ein solides C-Körbchen. Sie hat diese Mischung aus sexy und unschuldig – als würde sie selbst nicht wissen, was sie ausstrahlt.
Wäre sie ein Tier, wäre sie ein Kaninchen. Hübsch, weich, und nicht mal ahnend, wie leicht sie zur Beute werden kann.
Plötzlich schwankt sie zur Seite.
Ich bin sofort da. Fange sie auf und schlinge meinen Arm um ihre Taille, bevor sie fällt.
»Mir ist plötzlich etwas schwindelig«, haucht sie, ihre Stimme brüchig.
Ich lasse meine Hand tiefer gleiten und taste das Fleisch an ihrer Hüfte ein wenig zu intensiv ab – nicht, weil sie droht zu fallen, sondern weil ich sie fühlen will. Ihren Körper spüren. Diese weiche Wärme unter meinen Fingern, die mich mehr kostet, als ich mir eingestehen will.