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Diese beiden die als der Herbst dämmerte gingen dem Winter zu entgehen
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Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Zuvor ...
Sie (1973)
Er (1970)
Das Leben
Er ( 1939 )
Er (1941)
Sie (1944)
Er (1944)
Sie (1947)
Er (1948)
Sie (1948)
Er (im Juni 1949)
Sie (26. Juni 1949)
Sie und Er (1949)
Er (1950)
Sie (1951)
Sie (1952)
Sie ( 1952 )
Er (1952)
Sie (1952)
Er (1952)
Sie (1952)
Er (1952)
Er (1953)
Sie (1953)
Sie (1953)
Er (1955)
Sie (1955)
Sie (1956)
Sie (1957)
Er (1957)
Sie (1957)
Sie und Er (Köln, 14. Oktober 1957)
Er (1957)
Sie (1957)
Er (1958)
Sie (1958)
Sie (1958)
Sie ( 1958 )
Sie (November 1958)
Er (1958)
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Sie ( 1959 )
Er (1959)
Sie (1959)
Er (1959)
Sie (1959)
Er (1959)
Er (1960)
Sie ( 1961)
Er (1961)
Sie (1961)
Er (1962)
Sie (1962)
Sie (1962)
Er (1963)
Ein fiktiver Dialog (1963)
Sie ( 1964)
Sie (1964)
Er (1965)
Sie (1965)
Er (1966)
Sie (Baden-Baden, Februar 1967)
Sie ( 1967 )
Er (Juli 1967)
(Er, Berlin, Dezember 1967)
Er (1968)
Sie (1968)
Er (Paris, Mai 1968)
Er (1968)
Sie (1969)
Er (Jerusalem, Oktober 1969)
Er (1970)
Er (1970)
Sie ( 1970)
Im Hinblick auf den Leser (undatiert)
Er (1970)
Sie (1970)
Er (zuletzt)
Sie (1971)
Sie (1972)
Sie (März 1973)
(Sie, September 1973)
Die Schatten sind zum Leben erwacht.
Seit wann klafft der Riss in der Wand?
Es ist Mord.
Mord, das heißt, jemanden ums Leben zu
bringen aus eigenem, freien Entschluss.
Ein Brandbeschleuniger.
Es war keine sehr alte, eine sehr schwache
Wand, aus der leicht zu fallen, die leicht zu
durchbrechen war.
Durch sie hindurch klang eine letzte
Verlautbarung, stammelnde Worte, die
keiner mehr verstehen konnte. Sie waren
unaufnehmbar geworden.
Ich war es nicht. Es waren andere, die
haben es mir ins Zimmer gelegt.
Staub, eine dicke Schicht, die hat sich in
den Boden eingefressen.
Ich nehme ein Tuch, ich nehme
Scheuermilch. Ich reibe mir einen
kreisrunden Fleck.
Holz von dunkler Farbe tritt hervor.
Jede Maserung, jede noch so feine
Verästelung wird erkennbar gemacht.
Ich arbeite fieberhaft.
Doch mehr als diesen kreisrunden Fleck
bringe ich nicht zustande.
Ich starre, erstarre.
Ich bin das nicht.
Ich bin zu einer Chiffre geworden.
Ich könnte mir ein eigenes Alphabet
erschaffen.
Ich wollte so vieles. Ich könnte nicht mehr.
Es gibt einen Schmerz, und es gibt eine
Schuld, und es gibt kein Erbarmen den
Schuldigen.
Jahr um Jahr. Und Stein auf Stein.
Eine Grablegung in Schritten.
Wie in einem Paso Doble.
Der Stier zur Schlachtbank geführt.
Eine Schlächterei.
Feste Spannung in gerundeten Armen.
Die Capa ausgebreitet. Darin den Degen
verborgen zum Todesstoß.
Dass Augen sich finden. Dann.
Im Blutrausch vereint.
Verschwemmen Tränen die Sicht.
Ein hohes Vibrato.
Wie wenn Glas zerbricht. Ein Spiegel.
Feinste Scherbensplitter, die sich in die
Luft ausgießen. Hautbeißender Regen.
Heimkehr
Freunde. Schenkt mir euren Blick.
So wichtig seid ihr mir. Zu kennen mich im
dunklen NochDahinter.
Doch du.
Wie unersetzlich du mir bist. Geliebte
Mutter.
Mich liest, wie keiner sonst vermag.
Wenn ich dich frag. Und deine Klugheit
spür. Wie schön du bist. Vertraute mein.
Wie es wohl ginge ohne dich? So lieb und
zart. Begleitest mich, der ich genauso bin.
Ich möcht zu allen sein ganz liebevoll,
nicht grob.
Ich unterteil. Ich teil sie ein. Sind alle mir
im Herz gelegen.
Mag meine JungenFreunde sehr.
Doch an den Lippen hängen mir die
schwärmerischen jungen Mädchen.
Sie zu umgarnen voller Poesie.
Wie könnte ich sie nicht verehren.
Begehren auch. Doch sanft und zart.
Und eine zu brutale Gier. Verbiet ich mir.
Erst jenseits der Kastanien stirbt die Welt ...
Was für ein aussichtsreicher Gedanke das
hätte werden können.
Ich habe ihn nicht ausgesprochen,
aufgeschrieben.
Ich habe es nicht sehen können.
Ich sah nichts. Mich.
Mich allein habe ich gesehen.
Die Welt war fern.
Sie ging in Asche gehüllt.
Eine Aschewolke.
Darinnen die apokalyptischen Reiter.
Sie rückten näher und näher heran.
So dicht, dass mir das Atmen verging.
Wie von einem Feuerstoß berührt schwelte
das Zahnfleisch mir.
Bevor es beginnt ...
Ich dachte an
Engelsüß und roten Fingerhut.
Ich wusste nicht mehr als über Kastanien
hinzutragen
ein Gefühl von taumeliger Enge
die mir das Herz zusammenpresste.
Erst jenseits der Kastanien ist die Welt ...
War die Welt.
Damals, da sie aufgebrochen waren.
Ein Heerbann schwarzer Husaren.
Und ich stand, und ich sah, einsam vor der
Zeit.
Nach grauen Tagen
Es will nicht weggehen. Es ist immer da.
Wen könnte ich fragen?
Niemand. Bomben. Und wieder Bomben.
Und das Ohrenzuhalten kann nicht helfen.
Ohnmacht. Du warst mir nicht gnädig.
Du hast dich vor mir aufgebaut. Und mich
nicht fallen lassen.
Nur spüren. Ein Leben lang werde ich dich
spüren.
Müssen.
Kein Verlass. Auf niemand. Nur auf mich.
Meine Sprache.
Alles was zählt.
Du bist mir geblieben.
Ohne dich wäre ich nichts. Meine Worte.
Die mich retten.
Die ich schreibe. Schreiben muss ich.
Schreiben.
Nur dadurch fühle ich mich.
Mein Tagebuch. Wie wichtig. Du für mich.
Gedichte werde ich schreiben.
Immerzu.
Freiheit. Das Wichtigste. Wo bist du.
Zeig dich mir wieder.
Ich will mich schütteln.
Ausschütten.
Schütteln. Bis die Bitternis abgefallen ist.
Die lichtlose Zeit.
Soll weichen.
Licht soll sein. Licht trinken will ich.
Bis es herausbricht aus mir. Überquillt.
Mich in sich baden lässt.
Dann stehe ich im Licht. Bin ich licht. Hell.
Wieder.
Endlich.
Frei.
Das Innere dröhnt in meinen Ohren.
Mein Gehirn findet keinen klaren
Gedanken.
Es will mich zerreißen. Gibt es ein Recht zu
überleben?
Wenn neben mir alles sterben muss?
Warum konnte ich euch nicht schützen?
Geliebte Eltern.
Sie haben euch ermordet.
Was soll ich tun? Wie soll ich jemals
wieder freien Atem schöpfen.
Nie wieder kann ich zu mir stehen.
Ich durfte nicht versagen. Und doch.
Es war mir nicht vergönnt.
Ich, euer Sohn. War nicht bei euch, als ihr
mich am nötigsten brauchtet.
Geliebte Mutter.
Ich bin so verzweifelt. Ich suche mich in
deiner Sprache, Mutter.
Würdest du mir sie auch heute noch
nahebringen, die Reime deiner Sprache?
Darf ich sie noch verwenden? Die geliebte
Sprache, die mir die Tiefe so gestattet.
Ist zur Mördersprache geworden.
Ich habe alle Hoffnung verloren.
In das lange Sterben hab ich mich
aufgemacht.
So werde auch ich vernichtet.
Ausgesperrt. Gedemütigt.
Mehr denn je. Leer.
Nichts darf sein, es voll auszukosten.
Wie ein Verrat wäre es mir.
Nähe der Gräber
Und duldest du, Mutter, wie einst, ach,
daheim,
den leisen, den deutschen, den
schmerzlichen Reim?
Hoch fliegende Pläne.
Die verfangen sich in grauem
Wolkengerippe.
Das drängt nach Umklammerung, bauscht
sich auf, türmt sich zu unübersteigbaren
Bergen, die brechen über mir zusammen,
eine donnernde Steinlawine, die begraben
das Tal, mich inmitten.
Doch kam ich davon
beschadet
der Fall drückte mich zusammen
stauchte meine gerundete Existenz
die kroch hervor
ein flaches Gebälk von Ecken und Kanten
die Fragen stellte
Auf einem vertrockneten Stück
Wiesengrün
Erwachen
ich stehe auf
und sehe
ich schaue ringsum
mit schmerzender Stirn
einen Stachel im Herzen
Holzscheite splittern
unter der Äxte Hieb
in meinen Augen reißen