Lassiter 2744 - Pete Hackett - E-Book

Lassiter 2744 E-Book

Pete Hackett

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Beschreibung

Die Indianeragentur am Dry Creek in der Wind River Reservation lag in völliger Dunkelheit. Die Menschen schliefen. Das Unheil jedoch näherte sich auf leisen Sohlen. Zehn, fünfzehn, zwanzig schemenhafte Gestalten glitten aus der Finsternis, besetzten den Hof des ehemaligen Armeepostens, zerschlugen die Türen der Agentur und des Nebengebäudes, in dem die Angestellten des Agenten schliefen, und erstürmten mit tödlicher Entschlossenheit die Gebäude. Schrille Angst- und Todesschreie wurde laut. Kaum dass der letzte Schrei verhallt war, flackerten Feuer auf. Als die Angreifer wie ein Spuk wieder in der Nacht verschwanden, standen die Agentur und der Palisadenzaun sowie die Wachtürme des verlassenen Forts in hellen Flammen. Victor Blasiol, der Indianeragent, seine Familie und alle seine Helfer waren tot ...


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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Lassiter und die Squaw des Häuptlings

Vorschau

Impressum

Lassiter und die Squaw des Häuptlings

von Pete Hackett

Die Indianeragentur am Dry Creek in der Wind River Reservation lag in völliger Dunkelheit. Die Menschen schliefen, und das Unheil näherte sich auf leisen Sohlen. Zehn, fünfzehn, zwanzig schemenhafte Gestalten glitten aus der Finsternis, besetzten den Hof des ehemaligen Armeepostens, zerschlugen die Türen der Agentur und des Nebengebäudes, in dem die Angestellten des Agenten schliefen, und erstürmten mit tödlicher Entschlossenheit die Gebäude. Schrille Angst- und Todesschreie wurde laut.

Kaum dass der letzte Schrei verhallt war, flackerten Feuer auf. Als die Angreifer wie ein Spuk wieder in der Nacht verschwanden, standen die Agentur und der Palisadenzaun sowie die Wachtürme des verlassenen Forts in hellen Flammen.

Victor Blasiol, der Indianeragent, seine Familie und alle seine Helfer waren tot ....

Der Wachposten einer Patrouille aus Camp Brown, die etwa zwei Meilen weiter östlich lagerte, nahm den in der Nacht weithin sichtbaren Feuerschein wahr und alarmierte den Lieutenant, der die Patrouille anführte.

»Das kann nur die Indianeragentur am Dry Creek sein, die da lichterloh brennt!«, stieß der Lieutenant hervor. »Wecken Sie die Männer, Trooper. Wir sehen nach, was bei der Agentur los ist!«

Befehle wurden gebrüllt, die Pferde gesattelt und gezäumt, das Camp wurde in aller Eile abgebrochen, und schon eine halbe Stunde später waren die etwa zwei Dutzend Kavalleristen im klirrenden Trab unterwegs.

Der Feuerschein, der weiter westlich den Himmel erhellte, wies ihnen den Weg. Jeder der Reiter ahnte, was vorgefallen war.

Ihre Ahnungen wurden Gewissheit, als sie das Fort erreichten. Der Palisadenzaun und die Baracken, die einst den Soldaten als Unterkünfte dienten, sowie die ehemalige Kommandantur, die zum Hauptgebäude der Agentur umfunktioniert worden war, waren nur noch lodernde und glimmende Brandschutthaufen. Funken flogen, dunkler Rauch wälzte sich in die Nacht.

»Diese verdammten roten Heiden!«, fauchte der Lieutenant voll Hass. »Dafür werden sie büßen! Das muss eine Strafexpedition nach sich ziehen. Gütiger Gott! Ich schätze, Victor Blasiol und alle, die mit ihm in der Agentur lebten, liegen tot unter diesen rauchenden Trümmern.« Die Stimme des Lieutenants hob sich. »Trooper Hastings! Trooper Mallory!«

Die beiden Gerufenen trieben ihre Pferde vor. »Sir!«, ertönte es zweistimmig. Dann: »Die Trooper Hastings und Mallory wie befohlen, Sir!«

»Reiten Sie ins Camp und verständigen Sie Colonel Whiteman, Troopers. Reiten Sie, als säße Ihnen der Leibhaftige im Genick. Berichten Sie dem Colonel, dass Rothäute aus dem Reservat den Agenten, seine Familie und seine Angestellten niedergemacht und die Agentur niedergebrannt haben.« Leiser fügte er hinzu: »Der Colonel wird wissen, was zu tun ist.«

Die beiden Troopers bestätigten den Befehl, salutierten, zerrten ihre Pferde herum und trieben die Tiere rücksichtslos an. Die Hufe begannen zu wirbeln, die Reiter wurden eins mit der Nacht, und bald verklangen auch der trommelnde Hufschlag.

Hastings und Mallory holten aus ihren Pferden das Letzte heraus. Ihr Ziel war Camp Brown im Süden der Reservation.

Colonel Whiteman zögerte in der Tat keinen Augenblick lang. »Wir wissen nicht, aus welchem Dorf die Mörder gekommen sind«, sagte er grollend zu seinen Offizieren, die er sofort zu sich in die Kommandantur beordert hatte. »Wir werden jedoch ein Exempel statuieren. Das Dorf von Häuptling Yellow Bear befindet sich nur wenige Meilen von der Agentur entfernt. Captain Dexter!«

Der Gerufene nahm Haltung an. »Sir!«

»Sie reiten mit einer Kompanie Soldaten zu dem Dorf und machen es dem Erdboden gleich«, ordnete der Colonel an. »Ich denke, wir verstehen uns, Captain«, fügte er vielsagend hinzu.

»Jawohl, Sir!«, schnarrte der Captain. »Ja, Sir, wir verstehen uns.«

»Ich vermute, dass sich Ihnen einige Zivilisten aus der Siedlung, die sich um das Camp gebildet hat, anschließen wollen, Captain. Weisen Sie die Leute nicht ab. Jedes Gewehr und jeder Revolver zählen.«

Der Captain salutierte. »Ich habe verstanden, Sir. Wir werden noch im Laufe des Tages aufbrechen.«

In der Tat. Schon wenige Stunden später zog eine Kompanie Kavalleristen, begleitet von mehr als einem Dutzend Zivilisten, in die Reservation hinein.

Am folgenden Morgen, ehe die Sonne aufging und überall zwischen den Büschen und Felsen der Morgendunst nistete, wurde das Dorf des Arapaho-Häuptlings Yellow Bear umstellt. Die Bewohner des Dorfes schliefen noch. Ebenso die Schafe, Ziegen und Kühe in den Pferchen und Koppeln. Lediglich einige Hunde bellten, was aber in dem Dorf an der Tagesordnung zu sein schien und niemanden alarmierte. Sobald der Captain einen Schuss abgeben würde, sollte der Angriff erfolgen.

Die Detonation zerriss die morgendliche Stille wie eine Explosion. Sie war der Auftakt zu einer blutigen Tragödie.

Der Knall wurde noch von den Echos beantwortet, als die Reiter ihre Pferde hinter Buschgruppen und Felsen hervortrieben und schießend in das Dorf stoben.

Der donnernde Hufschlag vermischte sich mit dem Peitschen der Schüsse. Männer, Frauen und Kinder, die erschreckt aus ihren Wigwams krochen, wurden gnadenlos zusammengeknallt. Ein heilloses Durcheinander entstand. Kinder hetzten in panischer Angst schreiend davon. Squaws folgten ihnen, um sie vor der mörderischen Reiterschar in Sicherheit zu bringen. Krieger griffen nach ihren Waffen. Hunde rannten wie verrückt hin und her, kläfften und wurden im Kugelhagel umgerissen.

Wer in dem Dorf nach dem ersten Ansturm noch auf den Beinen war, versuchte sich zu wehren oder floh. Die Kavalleristen und ihre zivilen Begleiter ritten sie unbarmherzig nieder, schossen im Nahkampf mit den Colts oder benutzten die Gewehrkolben wie Keulen. Tot und sterbend sanken die Getroffenen zu Boden. Schädel wurden von niedersausenden Gewehrkolben zertrümmert.

Das Blut der Arapahos, die hier in Frieden gelebt hatten, versickerte im Staub. Fast alles Leben in dem Dorf wurde ausgelöscht. Feuer brachen aus, und die meisten der Wigwams standen bald in hellen Flammen.

Nur eine Handvoll Männer und Frauen des Stammes konnten sich zwischen die Felsen retten.

Das Massaker war bestialisch. Nach und nach verstummten die Schreie. Aufgewirbelter Staub senkte sich auf die Erde zurück. Pulverdampf zerflatterte.

Dann trat Stille ein – eine tödliche Stille, die nur hin und wieder vom Stampfen und Prusten der Pferde unterbrochen wurde.

Chaska, die Squaw des Häuptlings, hatte sich hinter einem Busch verkrochen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals und jagte das Blut durch ihre Adern. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, ihr Denken war von der Panik verzerrt.

Die Soldaten und die Männer in Zivil trieben ihre Pferde hin und her. Hin und wieder knallte ein Schuss, wenn sie noch Leben entdeckten. Es gab keine Barmherzigkeit, keine Gnade – es gab nur Hass und Tod.

Drei Reiter in ziviler Kleidung kamen auf den Strauch zu, hinter dem sich Chaska flach auf den Boden gepresst hatte. Entsetzen und Verzweiflung stiegen wie ein Schrei in Chaska auf und waren die einzigen Gefühle, derer die Squaw des Häuptlings noch fähig war. Wie es schien, hatten die drei Reiter sie entdeckt.

Von der Panik überwältigt, sprang sie auf und floh. Jetzt erst nahmen die drei sie wahr.

»Die holen wir uns!«, schrie einer wild. Sie trieben ihre Pferde an. Einer nahm sein Lasso vom Sattel. Die Reiter holten Chaska ein und umzingelten sie. Die junge Indianerin stand sprungbereit zwischen den drei Pferden, ihr gehetzter Blick suchte nach einem Ausweg. Die drei Kerle grinsten niederträchtig.

Einer sprang aus dem Sattel und ging auf Chaska zu. »Sieh an«, höhnte er, »eine Blume in der Wüste. Mit dir werden wir gewiss eine Menge Spaß haben, kleine Squaw.«

Er wollte nach ihr greifen, doch Chaska trat ihm in den Schritt, und als er sich nach vorne krümmte, zerkratzte sie ihm mit einem Hieb ihrer rechten Hand blitzschnell die Wange. Drei blutige Striemen zogen sich von seinem Jochbein bis zu seinem Kinnwinkel.

»Du dreckige Hure!«, brüllte er außer sich und schnappte nach Luft, weil sie ihn ziemlich empfindlich getroffen hatte.

Chaska hatte sich herumgeworfen und floh. Die beiden anderen Reiter verfolgten sie. Einer schwang das Lasso und ließ die Schlinge schließlich fliegen. Sie senkte sich auf die Squaw herunter, der Reiter zerrte sein Pferd auf die Hinterhand, und weil Chaska weiterlief, straffte sich das Lasso und die Schlinge zog sich um ihren Oberkörper zusammen.

Sie wurde regelrecht von den Beinen gerissen.

Die Kerle saßen ab und rannten zu ihr hin, stürzten sich auf sie, und einer keuchte: »Dir verdammten Wildkatze werden wir die Krallen stutzen. Du wirst dir noch wünschen, tot zu sein.«

Chuska war drei skrupellosen, brutalen Büffeljägern in die Hände gefallen, Kerlen, denen Worte wie Barmherzigkeit oder Menschlichkeit fremd waren ...

Die drei Reiter trieben ihre Pferde zwischen haushohen Felsen hervor in eine staubige Ebene, auf der es, abgesehen von anspruchslosem, dünn gesätem Buschwerk und ungenießbarem Büschelgras keine Vegetation gab.

Sie waren verstaubt, ihre Augen waren gerötet, auf den Wangen und dem Kinn eines jeden wucherten Tage alte, von Staub und Schweiß verklebte Bartstoppeln. Die hinter ihnen liegenden Strapazen hatten in den hageren Gesichtern Spuren hinterlassen.

Jeder von ihnen trug einen Revolvergurt, und aus ihren Scabbards ragte jeweils der Kolben einer Winchester.

Die Pferde gingen mit hängenden Köpfen, prusteten und schleppten ihre Hufe regelrecht über den Boden. Sie waren ziemlich am Ende.

»Wenn wir nicht bald auf Wasser stoßen oder dieses verdammte Drecknest Pocatello erreichen«, krächzte einer der Kerle, »dann werden wir hier in der Wüste elend vor die Hunde gehen.«

»Wir schaffen es, Stan«, versuchte einer der drei, ein hagerer Bursche mit dunklen Haaren und einem brutalen Zug um den Mund, seinem Gefährten Mut zu machen. Sein Name war Dave Fairbanks.

»Das behauptest du bereits, seit uns heute Morgen das Wasser ausgegangen, Dave«, stieß der dritte Mann im Bunde, Brian Bradford, mit staubheiserer Stimme hervor. »O verdammt! Meine Kehle und meine Mundhöhle sind trocken wie der Staub, den die Hufe unserer Pferde aufwirbeln. Der Trail nach Pocatello ist höllisch.«

Im Schritttempo zogen sie durch die Senke. Westlich von ihnen erhoben sich wieder Felsketten. Die Sonne stand senkrecht über ihnen und ließ die Luft regelrecht flirren. Die Hitze war unerträglich und höhlte Mensch und Tier aus.

»In Pocatello werden wir für die Strapazen entschädigt«, knurrte Dave Fairbanks. »Wir lassen mit dem erbeuteten Geld die Puppen tanzen, Jungs. Und wenn uns das Geld ausgeht, dann halten wir uns in den Goldgräberkolonien schadlos. Ich sehe unsere Zukunft in den rosigsten Farben, Freunde!«

»Wenn wir hier in der Wüste verrecken, gibt es keine Zukunft«, maulte Stan Alcott, ein rothaariger Bandit mit sommersprossigem Gesicht und wasserhellen Augen.

Ehe sie auf der Westseite der Senke in eine Schlucht ritten, drehte sich Fairbanks im Sattel halb herum, stützte sich mit dem linken Arm auf der Kruppe des Pferdes ab und schaute mit zusammengekniffenen Augen über die Schulter zurück.

Und er erspähte den Reiter, der am Rand der Senke vor den Felsen verhielt. Er war vor dieser bräunlich-roten Kulisse kaum auszumachen.

Fairbanks zügelte seinen Vierbeiner und zerrte ihn herum. Seine beiden Begleiter parierten ebenfalls die Pferde und wendeten sie.

»Das ist der Hundesohn, der uns schon seit Tagen folgt«, knurrte Fairbanks. »Vielleicht ist es Zufall, vielleicht aber reitet er absichtlich auf unserer Fährte.«

»Wir sollten kein Risiko eingehen«, meinte Stan Alcott. »Lauern wir ihm einfach auf und schicken wir ihn in die Hölle. Warum Fragen stellen? Kein Hahn wird dem Kerl hinterher krähen.«

Der Reiter, der am Ostrand der Senke zu sehen gewesen war, verschwand wieder zwischen den Felsen.

»Er hat uns erspäht«, grollte Brian Bradford. »Nun ist er entweder misstrauisch geworden, oder er hat irgendetwas im Sinn.«

»Reiten wir weiter«, versetzte Fairbanks. »Wir warten auf ihn, ehe wir Pocatello erreichen. Sicher ist sicher. Ich schließe nicht aus, dass er tatsächlich hinter uns her ist.«

Das Leben jenseits von Recht und Ordnung hatte Fairbanks misstrauisch werden lassen. Aus den Lektionen, die ihm erteilt worden waren, hatte er gelernt. Er überließ nichts dem Zufall.

Sie ritten zwischen die Felsen und folgten weiterhin der Westroute.

Schließlich erreichten sie einen Creek, der fast ausgetrocknet und nur noch ein schmales Rinnsal war. Die Uferbänke waren breit und sandig und mit Geröll bedeckt.

Das Wasser reichte, um ihren Durst zu stillen, die Pferde zu tränken und sich den Staub aus den Gesichtern zu waschen. Sie beschlossen, hier zu lagern.

Es wurde Abend, und dann kam die Nacht. Weiter westlich war der Nachthimmel derart gelichtet, dass in einem weiten Umkreis nicht einmal Sterne zu erkennen waren. Ihr Licht verschmolz mit der Helligkeit, die verriet, dass da eine Stadt war, in der viele Lichter brannten und die deshalb wie unter einer Lichtkuppel lag.

»Morgen erreichen wir Pocatello«, stieß Fairbanks hervor. »Für uns ist das die letzte Nacht in dieser gottverlassenen Wildnis. Ehe wir aber zur Stadt reiten, fegen wir den Kerl von unserer Fährte.«

Während einer wachte, schliefen die anderen beiden. Alle drei Stunden wechselten sie sich mit der Wache ab. Den Pferden hatten sie die Sättel nicht abgenommen, sondern lediglich die Sattelgurte gelockert.

Als über den Bergen im Osten ein schwefelgelbes Licht heraufzog und die Sterne verblassten, weckte Brian Bradford, der die letzte Wache hielt, seine Gefährten. Mürrisch schälten sich Fairbanks und Alcott aus ihren Decken.

Die Nacht begann sich zu lichten. Sie aßen Dörrfleisch und tranken dazu Wasser aus ihren Flaschen, die sie an dem Rinnsal im Creek aufgefüllt hatten.

Dann ritten sie weiter.

Vom Ende einer Schlucht aus konnten sie Pocatello sehen. Eine Ansammlung von Häusern und Hütten, von Scheunen und Stallungen, Corrals, Koppel und Pferchen, entstanden aus einer Goldgräbersiedlung, ein Sodom und Gomorrha in der Felswüste von Idaho. In einem weiten Umkreis gruben sich Männer wie Maulwürfe in die Erde, weil sie Gold finden und reich werden wollten. Hier gaben sich Goldgräber, Spieler, Abenteurer, Banditen und Huren ein Stelldichein. Das Geld und die Colts saßen locker. Ein Menschenleben zählte nicht.

»Okay«, sagte Fairbanks, »wir sind am Ziel. Jetzt erledigen wir, was wir uns vorgenommen haben. Reiten wir zurück in die Schlucht und gehen wir in Stellung. Wenn der Kerl nach Pocatello will, dann muss er hier zwischen den Felsen hindurch. Wer ihn zuerst vor der Mündung hat, drückt ab. Wir machen kurzen Prozess.«

Sie ritten zurück zwischen die schräg und zum Teil terrassenförmig aufsteigenden Felswände, lenkten die Pferde in eine Seitenschlucht und ließen sie zurück hinter einem Haufen Geröll, das im Laufe der Jahrtausende infolge der Erosion aus der Felswand gebrochen und in die Tiefe gestürzt war. Sie hatten ihnen die Vorderbeine gehobbelt, damit sie nicht weglaufen konnten.

Mit den Gewehren in den Fäusten kehrten sie in die von Osten nach Westen verlaufende Schlucht zurück und postierten sich an verschiedenen Stellen in sicherer Deckung.

Dann warteten sie. Jeder hatte eine Patrone in den Lauf seiner Winchester gehebelt, sie brauchten nur das Ziel über Kimme und Korn aufzunehmen und abzudrücken.

Dass sie durch ein Fernglas beobachtet worden waren, konnten sie nicht ahnen.

Die Zeit verstrich. Die drei Banditen wurden schon ungeduldig. Außer dem leisen Säuseln des Windes zwischen den Felsen war nichts zu hören. Die Banditen waren zu weit voneinander entfernt postiert und wagten nicht, sich mit Zurufen zu verständigen.

Stan Alcott, der rothaarige Bandit, lauerte hinter einem hüfthohen Felsbrocken, der am Fuße einer Felswand lag.

Als er über sich das metallische Geräusch vernahm, das beim Repetieren eines Gewehres erzeugt wurde, zuckte er herum und warf den Kopf in den Nacken, um nach oben zu blicken.

Auf einem Felsvorsprung vor einem klaffenden Riss in der Felswand stand ein großer, breitschultriger Mann, unter dessen schwarzem Stetson sandfarbenes Haar hervorlugte und der die Winchester an der Hüfte im Anschlag hielt.

»O verdammt!«, entfuhr es Alcott, der schlagartig begriff, was die Stunde geschlagen hatte. »Er ist da!«, brüllte er und riss das Gewehr an die Schulter.

Der Mann auf dem Felsvorsprung – es war kein anderer als Lassiter –, wartete, bis er in die Mündung der Waffe schaute, dann krümmte er den Finger.

Der peitschende Knall des Schusses stieß durch die Schlucht, die Kugel traf Alcott in die Brust, ehe er abdrücken konnte. Er bäumte sich auf, drehte sich halb um seine Achse, seine Hände öffneten sich, und die Winchester prallte auf den steinigen Boden. Dann brach der Bandit tot zusammen.

Lassiter repetierte. Die leere Hülse landete klimpernd auf dem Felsvorsprung. »Nummer eins«, knurrte der kompromisslose Agent der Brigade Sieben, dann zog er sich in den Felsenriss zurück.