Lassiter 2751 - Pete Hackett - E-Book

Lassiter 2751 E-Book

Pete Hackett

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Beschreibung

Langsam schritt Brandon Mitchell die Mainstreet von Great Bend hinunter. Die Winchester trug er links am langen Arm. Auf dem Stern an seiner rechten Brustseite brach sich das Sonnenlicht. Sein rechtes Handgelenk streifte beim Gehen den Knauf des Revolvers. Mechanisch setzte der Sheriff einen Fuß vor den anderen. An den Fenstern drückten sich die Bewohner der Stadt die Nasen platt. Irgendwo hinter den Häusern bellte ein Hund. Vor dem Saloon blieb Brandon Mitchell mitten auf der Straße stehen. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel. Er zeigte nicht die Spur von Furcht. "Jameson!" Seine Stimme trieb über die Fahrbahn und versickerte in der Stille.


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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Kein Gesetz in Great Bend

Vorschau

Impressum

Kein Gesetz in Great Bend

von Pete Hackett

Langsam schritt Brandon Mitchell die Mainstreet von Great Bend hinunter. Die Winchester trug er links am langen Arm. Auf dem Stern an seiner rechten Brustseite brach sich das Sonnenlicht. Sein rechtes Handgelenk streifte beim Gehen den Knauf des Revolvers. Mechanisch setzte der Sheriff einen Fuß vor den anderen.

An den Fenstern drückten sich die Bewohner der Stadt die Nasen platt. Irgendwo hinter den Häusern bellte ein Hund.

Vor dem Saloon blieb Brandon Mitchell mitten auf der Straße stehen. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel. Er zeigte nicht die Spur von Furcht. »Jameson!« Seine Stimme trieb über die Fahrbahn und versickerte in der Stille.

Einige Sekunden verstrichen. Dann ertönten im Saloon hämmernde Schritte.

Brad Jameson drückte mit beiden Händen die Flügel der Pendeltür auf und trat auf den Vorbau, ging bis zum Geländer und legte beide Hände darauf. »Was willst du von mir, Mitchell?«

»Elwell Dermitt, den du gestern niedergeschlagen hast, ist an seinen Verletzungen gestorben«, versetzte Brandon Mitchell. »Ich verhafte dich, Brad. Schnall den Revolvergut ab, heb die Hände und komm vom Vorbau herunter.«

»Bist du vielleicht größenwahnsinnig geworden, Mitchell?«, schnarrte Jameson. »Ja, du musst übergeschnappt sein. Denkst du im Ernst, ich gehe vor dir her ins Gefängnis und lasse mich von dir vielleicht sogar noch anklagen?«

»Ja, du wirst vor mir hergehen!«, rief der Sheriff mit klirrender Stimme. »Und ich werde gegen dich Anklage erheben!« Gedankenschnell nahm er das Gewehr an die Hüfte und repetierte es. Die Mündung wies auf Brad Jameson.

Der tauchte unter dem Vorbaugeländer hindurch und sprang auf die Straße, ging bis zur Fahrbahnmitte und blieb breitbeinig stehen. »Ich habe das Gefühl, Mitchell, dass von uns beiden einer zu viel ist in dieser Stadt. Ich kann dir auch sagen, wer das ist.«

Er legte die Hand auf den Knauf des Revolvers an seinem rechten Oberschenkel. Ein scharfes Grinsen brach sich Bahn in sein hageres Gesicht, das von einem zügellosen Leben gezeichnet war, ein Grinsen, das die Augen nicht erreichte. Die Härte in seinem Blick war erschreckend.

Plötzlich vernahm der Sheriff hinter sich das Mahlen von Schritten im Staub. Er drehte den Kopf und schaute über die Schulter. Ein hämisch grinsender Kerl stand in der Mündung einer Gasse an einer Hausecke. Auch er hielt ein Gewehr an der Hüfte im Anschlag.

An verschiedenen Stellen kamen die Handlanger Jamesons, die er offiziell in seinem Saloon als Ordner und Rausschmeißer beschäftigte, zwischen den Häusern hervor. Es waren fünf Kerle, zweibeinige Wölfe, denen die Verworfenheit in die Gesichter geschrieben stand. Sie hatten Brandon Mitchell regelrecht eingekreist.

In seinen Mundwinkeln zuckte es, sein Hals war unvermittelt wie zugeschnürt, und er begriff mit schmerzlicher Schärfe, dass er einen riesengroßen Fehler begangen hatte. Wahrscheinlich den letzten Fehler seines Lebens.

Die Atmosphäre war angespannt, und Brandon Mitchell gab sich keinen Illusionen hin. Diese Kerle waren tödlicher als die Cholera. Jameson war ein Mann, der keine Skrupel kannte, dem Gnade und Barmherzigkeit fremd waren.

Der Sheriff nahm die Beine etwas auseinander und beugte sich leicht nach vorn, um einen festeren Stand zu haben. Jeder seiner Sinne war angespannt. Es kostete ihm Mühe, die Nerven zu bewahren.

Jameson riss den Revolver aus dem Holster. Gleichzeitig stieß er sich ab und hechtete nach links.

Der Sheriff zog durch. Das Peitschen der Winchester vermischte sich mit dem Krachen des Colts. Wie eine Botschaft von Untergang und Tod stieß das Dröhnen durch die Stadt.

Weitere Schüsse krachten.

Mitchell war gedankenschnell zur Seite geglitten, und so verfehlten ihn die Kugeln seiner Gegner. Er wirbelte halb herum, repetierte und feuerte erneut.

Brad Jameson kniete auf der Straße. Das Geschoss des Sheriffs hatte ihn an der Wange gestreift. Blut rann über sein Gesicht. Sein Mund war verzogen, die Lippen waren fest aufeinandergepresst.

Die Mündung des Colts in seiner Faust stach uns Ziel, und der Sechsschüsser schleuderte sein dumpfes Krachen über die Fahrbahn. Auch die Waffen seiner Handlanger spuckten Feuer, Rauch und Blei.

Brandon Mitchell spürte die Treffer. Er fiel in den Staub. Der Schmerz kam in heftigen Wellen. Benommenheit brandete gegen sein Bewusstsein an.

Auf der Straße zerflatterte der Pulverdampf. Die Echos der Detonationen waren verebbt. Stille hatte sich wie ein Leichentuch über die Stadt gesenkt.

Brad Jameson drückte sich hoch. Den Revolver auf den Sheriff angeschlagen, setzte er sich in Bewegung. Der Daumen lag auf der Hammerplatte.

Auch seine Helfershelfer kamen langsam auf die Straße und standen schließlich um den Sheriff herum.

Mitchell atmete noch. Seine Finger hatten sich im Staub verkrallt.

»Fahr zur Hölle, Mitchell«, presste Jameson hervor und spannte den Hahn. Klickend bewegte sich die Trommel um eine Kammer weiter.

Der Schuss sprengte die Stille wie die Explosion einer Granate. Brandon Mitchells Gestalt erschlaffte.

»Es ist an der Zeit, diese Stadt zu übernehmen!«, stieß Brad Jameson hervor. Aus der Mündung seines Revolvers kräuselte ein dünner Rauchfaden. Er ließ den Colt einmal um den Zeigefinger rotieren und versenkte ihn geschickt im Holster.

Dann bückte er sich, drehte Mitchell auf den Rücken und riss ihm den Stern von der Weste. Sekundenlang starrte er darauf, dann hielt er ihn einem seiner Handlanger hin und sagte laut: »Steck dir das Stück Blech an, Carter. Du bist ab sofort der Sheriff von Great Bend.«

Provozierend schaute er nach diesen Worten in die Runde und grinste verächtlich, als er wahrnahm, dass viele der Gesichter an den Fenstern zurückzuckten.

Der Mann namens Carter nahm den Stern entgegen. »Ich habe schon alles Mögliche getrieben«, sagte er, »aber Sheriff war ich noch nie.« Seine Stimme hob sich und ätzte vor Häme, als er hinzufügte: »Ab sofort herrscht in diesem Nest ein schärferer Ton.«

Niemand wagte sich aus seiner Behausung. Die Stadt duckte sich vor der Gewalt. Tatenlos hatte sie dem Mord an Sheriff Brandon Mitchell zugeschaut. Die Angst vor Brad Jameson und seinem höllischen Anhang hielt die Bewohner von Great Bend fest im Klammergriff.

Brad Jameson richtete den Blick auf einen der Kerle, einen Mann, Anfang dreißig, dunkelhaarig, mit einem pockennarbigen Gesicht und den stechenden Augen eines Frettchens. »Walt«, knurrte Jameson, »komm in mein Büro. Du wirst für mich einen Auftrag erledigen.«

Er setzte sich in Bewegung und verschwand gleich darauf in seinem Saloon. Der dunkle Bursche namens Walt folgte ihm.

Die telegrafische Nachricht, die für Lassiter beim County Sheriff in Wichita hinterlegt worden war, beinhaltete nur einen einzigen Satz, der folgendermaßen lautete: »Begeben Sie sich unverzüglich nach Fort Leavenworth und wenden Sie sich an Sheriff Benjamin Warren!«

Lassiter hatte in der Nähe von Wichita drei Eisenbahnräuber gestellt. Einer hatte das Zusammentreffen mit dem Agenten der Brigade Sieben nicht überlebt, einem zweiten hatte Lassiter eine Kugel in die Schulter gejagt, den dritten hatte er ohne die geringste Schramme an den Gesetzeshüter übergeben. Der Bursche mit der Kugel in der Schulter war vom Arzt versorgt worden. Nun wartete er zusammen mit seinem unverletzten Komplizen im Jail in Wichita auf seinen Prozess.

Lassiter setzte sich am Tag nach seiner Ankunft in Wichita in den Zug, der um neun Uhr in Richtung Topeka den Bahnhof verlassen sollte. Der Zug fuhr mit wenigen Minuten Verspätung ab. Dampfend und zischend nahm die Lokomotive Fahrt auf.

Es gab mehrere Halts. Zweimal mussten die Kessel mit Wasser betankt werden.

Lassiter saß an einem Fenster in einem der beiden wenig komfortablen Waggons. Der Rumpeln und Poltern der Waggons auf den Schienen war ohrenbetäubend, und immer wieder zogen dunkle Rauchschwaden an den Fenstern vorbei. Das Land, durch das die Union Pacific Railway ihre Schienen verlegt hatte, war hügelig und mit Büffelgras sowie Buschwerk bewachsen. Hier und dort hatte es sogar einen Wald hervorgebracht.

Am Abend stieg Lassiter in Topeka aus dem Zug.

Er mietete sich in einem Hotel ein. Alles, was er an Gepäck bei sich hatte, waren seine Winchester und ein Satteltaschenpaar.

In einem Restaurant aß er zu Abend. Da er die vierzig Meilen von Topeka bis Leavenworth auf dem Pferderücken zurücklegen musste, wollte er ausgeruht sein. Also ging er an diesem Abend bald zu Bett und verzichtete darauf, sich in einem der Saloons noch ein Glas Bier oder einen Whisky zu genehmigen.

Am folgenden Morgen erstand er in einem Mietstall ein Pferd, einen hochbeinigen Falben mit breiter Brust sowie einen alten Sattel, dessen Leder schon ziemlich brüchig war, und Zaumzeug. Ehe er Topeka verließ, kaufte er in einem Store noch einige Portionen Pemmikan, packte sie in die Satteltasche, dann schwang er sich auf den Pferderücken und folgte der alten Postkutschenstraße nach Nordosten.

Es wurde ein heißer Tag. Aber Bäche und Creeks gab es in ausreichender Zahl, sodass weder Lassiter noch das Pferd Durst leiden mussten. Er ritt in Intervallen, ließ das Pferd also abwechselnd galoppieren und im Schritttempo gehen oder traben. So konnte sich das Tier immer wieder erholen und wurde nicht verausgabt, und auch den Mann forderte der Ritt nicht allzu sehr.

Bei Sonnenuntergang kam Lassiter in Leavenworth an. Er nahm sich ein Zimmer, brachte den Falben in den Stall des Hotels, genehmigte sich im Barber Shop ein Bad und begab sich, wie frisch aus dem Ei gepellt, in »Joe's Saloon«, um etwas zu essen.

Lassiter bestellte sich ein Steak mit Bratkartoffeln und dazu ein Bier. Nach und nach füllte sich der Saloon. Es waren Männer, die in Leavenworth lebten und arbeiteten, aber auch Cowboys von den Ranches in der Umgebung. Deren Gesichter waren von Wind, Regen und Sonne gegerbt, und ihre Hände wiesen Lasso-Narben auf. Auch durch ihre typische Weidereiterkleidung unterschieden sie sich von den Bürgern der Stadt.

Lassiter hatte längst gegessen. Er rauchte einen Zigarillo, trank sein Bier und überlegte, ob er sich noch ein zweites Glas genehmigen sollte, als ein halbes Dutzend Animiergirls durch die Hintertür den Schankraum betraten. Rassige, gut gewachsene Frauen, keine älter als dreißig, deren Kleidung mehr zeigte, als sie verbarg.

Sofort johlten und grölten die Männer an den Tischen und an der Theke. Die Girls lachten und winkten und verteilten sich im Schankraum, um den Kerlen Gesellschaft zu leisten und ihnen das Geld aus den Taschen zu ziehen.

Lassiter entschied sich für ein zweites Bier. Er verspürte jenes seltsame Kribbeln in seinen Lenden, das ihm sagte, dass es mal wieder an der Zeit war, der Wollust zu frönen.

Tatsächlich dauerte es nicht allzu lange, bis eines der Girls an seinen Tisch kam. »Hi, Großer!«, grüßte es und schenkte ihm ein verheißungsvolles, vielversprechendes Lächeln. »So ganz alleine am Tisch? Hast du etwas dagegen, wenn ich dir Gesellschaft leiste?«

»Dagegen habe ich ganz sicher nichts einzuwenden, Honey«, antwortete Lassiter grinsend. Seine blauen Augen blitzten. Einladend wies er auf den Stuhl neben sich. »Setz dich, Sweetheart. Ich verbringe den Abend gern in netter Gesellschaft.«

»Mein Name ist Olivia«, sagte die Kleine und nahm Platz. »Gibst du mir ein Glas aus?«

»Was trinkst du denn?«

»Eigentlich Champagner. Ich bin aber auch mit einem Bourbon zufrieden.«

Lassiter lächelte in der ihm eigenen, kantigen Art und nickte. »In Ordnung, Olivia. Ein Glas Champagner ist drin. Ich bin überzeugt, dass der Abend mit dir recht kurzweilig werden wird.«

»Du bist ein echter Gentleman«, flötete die hübsche Lady, die einem Mann sicherlich mehr schenken konnte als nur ein bezauberndes Lächeln und verheißungsvolle Blicke. Dann winkte sie einem der beiden Kellner, die alle Hände voll zu tun hatten, um den Wünschen der grölenden und johlenden Kerle an den Tischen und am Schanktisch nachzukommen.

Der Bursche bedeutete Olivia, sich einen Moment zu gedulden. Offensichtlich hatte einer der Cowboys aus irgendeinem Grund mit ihm Streit angefangen. Der Kellner wandte sich dem Burschen wieder zu, sagte etwas und unterstrich seine Aussage mit einer heftigen abschließenden Handbewegung.

Der Cowboy erhob sich mit einem Ruck. Der Stuhl, auf dem er gesessen hatte, kippte um und landete polternd am Boden. Der Weidereiter schien ziemlich wütend zu sein. Er war einen halben Kopf größer als der Kellner und wog gut und gerne zwanzig Pfund mehr.

»Du hast mir den Whisky auf die Hose gekippt, Idiot!«, schrie er. »Darum bezahle ich den Drink nicht! Ich leiste für ein halbes Glas von dieser Pumaspucke nicht den Preis für ein volles. Wie sieht außerdem meine Hose aus? Als hätte ich mich angepinkelt. Verdammter Dummkopf! Dafür bringst du mir ein randvoll gefülltes Glas, und zwar auf deine Rechnung!«

»Es ist immer dasselbe mit Swift Henders«, murmelte Olivia. »Er ist auf Streit aus. Ich vermute, dass er sich mit Whisky besudelt hat, doch er beschuldigt Jim und will ihn nötigen, ihm ein Glas auf Kosten des Hauses auszugeben.«

Da entgegnete der Kellner auch schon, und zwar nicht minder laut: »Du hast dir den Whisky selbst über die Hose gegossen, Swift. Ich habe dich nicht mal berührt, als du nach deinem Glas gegriffen hast. Einen Dreck werde ich und dir ein volles Glas ausgeben. Wenn du Stunk machst, werfe ich dich aus dem Saloon.«

»Hört, hört!«, röhrte Swift Henders und bog sich regelrecht vor Lachen. »Hört euch diesen windigen Kläffer an. Er wirft mich aus dem Saloon!« Wieder brüllte er vor Lachen und hielt sich den Bauch. »Wenn ich scharf einatme, Großmaul, dann hängst du mir quer vor der Nase.«

Seine Hände zuckten unvermittelt hoch und packten den Kellner an den Revers der Weste. Mit einem Ruck zog er Jim dicht an sich heran, sodass diesem der Atem des Cowboys ins Gesicht schlug, als Swift Henders hervorstieß: »Du holst jetzt ein Glas voll Whisky, mein Junge, oder du beginnst besser damit, deine Knochen zu nummerieren, damit du sie wieder zusammensetzen kannst, wenn ich mit dir fertig bin. Es wird an dir liegen ...«

Lassiter erhob sich und ging zu dem Tisch, an dem sich der Cowboy mit Jim, dem Kellner, stritt. »Entschuldigt, wenn ich störe, Gentlemen«, sagte er, und ein freundliches Lächeln umspielte seinen Mund. »Aber die Lady an meinem Tisch hätte gerne ein Glas Champagner, und ich finde, es gehört sich nicht, so eine bezaubernde Lady warten zu lassen. Also, Jim, bring der Lady den Champagner.«

»Du bist wohl nicht ganz sauber in der Birne, Mister!«, schnarrte Henders. »Ist es deiner geschätzten Aufmerksamkeit entgangen, dass ich mit Jim eine heikle Angelegenheit ausdiskutiere? Ob Jim am Ende unserer Diskussion die kleine Hure noch bedienen kann, ist allerdings fraglich. Es ist nämlich so, dass Jim eine Schuld nicht begleichen will. Außerdem hat er mich bedroht. Das kann man mit Swift Henders nicht machen.«

Lassiter schaute in die Runde der Männer, die mit Swift Henders am Tisch saßen. »Hat einer von euch gesehen, dass Jim den Gentleman gestoßen hat, als dieser das Glas in der Hand hielt? Oder dass Jim den Whisky auf seine Hose goss, als er ihm das Glas hinstellte? Wie auch immer: Kann jemand bezeugen, dass Jim der Übeltäter war?«

Die Kerle schwiegen und wichen Lassiters forschendem Blick aus.

»Also keiner!«, stieß der Agent der Brigade Sieben hervor und schaute Swift Henders an. »Ich gehe davon aus, dass du dir ein volles Glas Whisky erschleichen wolltest, mein Freund. Lass Jim los, damit er die Lady bedienen kann.«

»Hier, Hurensohn, hast du ihn!«, fauchte Swift Henders und stieß Jim mit aller Kraft von sich, sodass er in Lassiters Richtung taumelte.

Doch Lassiter hatte damit gerechnet, ließ sich nicht überraschen, und glitt behände einen Schritt zur Seite. Jim taumelte an ihm vorbei, stolperte und stürzte.

Swift Henders, der nach dem Revolver gegriffen hatte, war mitten in der Bewegung erstarrt, denn er schaute in die Mündung von Lassiters Remington.

Im Saloon war es schlagartig still geworden.