Marshmallows - Michael Ockert - E-Book

Marshmallows E-Book

Michael Ockert

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Beschreibung

Geflecht oder Gewebe, sich auf eine vage Art verausgaben und Verantwortung übernehmen, fortwährendes Tasten, ob mit Flügeln oder ohne aus der Besinnungslosigkeit heraus, verrückter Klang, und wo sich wiederfinden im Spiel der Fingerspitzen, filigrane Verbindungen ohne Aufregung ein- und ausatmen, frei fliegen.

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Seitenzahl: 67

Veröffentlichungsjahr: 2025

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für Hannah

Inhalt

Über die Meeresfläche brausen

Interessierte Fische am Grund, gestreift

Weiße Gewänder flattern lichtdurchtränkt

Abgeschliffen von Berührungen

Sich mit Tischflächen vertraut machen

Körperbehaarung, aufgestellt

Die Auflösungen

Über die Meeresfläche brausen

Grund

Platz

Verlangen

Flusenbündel

Schmetterlinge

Achselzucken

Worte

Lider

Schafherde

Interessierte Fische am Grund, gestreift

Plätze

Fahrt

Morgennebel

Traumhaft

14,95

Sekundär

Umrisse

Fugen

Köstlich

Weiße Gewänder flattern lichtdurchtränkt

Grate

Fort

Nebensonne

Reim

Fallen

Derwisch

Eisen

Mach weiter

Oberflächen

Abgeschliffen von Berührungen

Zivilisation

Triebwagen

Hinterher

Vollendet

Unerheblich

Stups

Spur

Fadenscheinig

Genau so

Sich mit Tischflächen vertraut machen

Maulwürfe

Wortstämme

Spiel mit

Sei’s drum

Chicago

Fräulein Koranke

Unerreichbar

Styropor

Schritte

Körperbehaarung, aufgestellt

Sphinxe

Was sonst

Nichts

Ewigkeit

Polar

1,20

Neugierig

Sog

Klitsch

Über die Meeresfläche brausen

Grund

Ich mag sein Hellblau. Es fällt in weichen Falten, als ob ich mich darin einkuscheln könnte. Es hilft ihm nichts, dass er zwischen abgestellten Autooberflächen hindurch wegrennt, manche intakt, manche nicht mehr. Er schaut sich zu mir um. Ich mag seinen Blick und fürchte ihn. Er schöpft sich aus einer unverstandenen Widerwärtigkeit. So tief wie ein Brunnen, auf dessen Grund eine Wasserpfütze steht, schwarz und voller Erwartung.

Sie spiegelt das ferne Licht von weit oben, ganz schwach. Soll ich es in mich aufnehmen oder fliehen lassen? Ich entscheide mich für Fliehen. Darin steckt Verflogenheit. Und fliehe darin zu mir selbst zurück.

Platz

Ich steige auf. Der Abstand ist ausgefüllt von Tasten in den Wind hinein, der mich emporträgt. Er führt mit dem Lehmboden ein Gespräch. Er versucht, seine Farbe zu verstehen. Hellbraun und Hellgelb bis ins Weiß schon hinein. Er wird das Weiß in seiner Tiefe nie verstehen. Dann doch lieber Gelb und Braun.

An ihren Rändern reißt die Lehmoberfläche auf. Sie wird von der Restfeuchtigkeit gehalten, die sich zu Spitzen ausformt. Darin liegt ihr Trost und sie lässt den Wind über sich hinwegstreichen wie eine zärtliche Hand, die sie in sich aufnimmt. Der Himmel kehrt in den Boden und der Boden in den Himmel zurück und in seine Höhe. Sie spannt sich auf in alle Weite. Verbindung zu den leeren Räumen, schwarz und von Funkeln durchschauert.

Ich lasse mich darin wie ein Laubblatt verwehen. Es gibt für mich keinen richtigen Platz hier, denn jeder Platz ist der richtige. Jeden Platz habe ich eingeatmet und wieder losgelassen. Kein Suchen oder Finden, nur Nähern und Entfernen, Begegnen und Verabschieden.

Ich streife dort hindurch ohne Richtung und Höhe, mit wachen Blicken. Das Strömen umfängt mich. Es umweht mich wie eine Umarmung. Ich fühle mich darin geborgen. Ich werde aufgenommen und verbinde mich.

Verlangen

Ich sehne mich zu dem Grün, in dem das Unbekannte wohnt. Das aufflattert, wenn es danach verlangt. Jetzt ruht es, indem es an seinen Rändern eine schmale Linie formt, spitz und im Bogen auslaufend. Wache Augen, die in sich selbst ruhen.

Die Linie verschmilzt mit dem Grün, das es umfängt, an den Rändern rot geflammt. Sie bemerkt mich nicht. Ich bin hier unwesentlich, selbst als ich meine Hand erhebe. Das Liniengebilde erwartet den Schwung meiner Handfläche und ich folge ihm. Es füllt mein Dasein aus und meine Bestimmung. Ich hole aus und lasse meine Hand verlassen, was sie zu sich hinziehen will. Ich verbinde mich ganz mit diesem Schwingen.

Das Linienwesen steigt darin auf und lässt seine Schwere verfliegen. Es hebt mich mit sich auf und wir verlassen das Geraschel der Blätter.

Flusenbündel

Ich tauche ein in die Flächigkeit der Vororte. Es überrascht mich selbst, dass ich nie genug davon kriegen kann. Es fühlt sich an wie Ahnungen. Ich will mich über die Flächen treiben lassen wie ein Segel über das Meer oder ein Flusenbündel durch die Steppe. Es liegt ein tiefes Geborgen-Sein darin, das ich mit niemandem teilen kann. Mein Fuß liegt ganz leicht auf dem Gaspedal, so dass der Wagen rollt. Wie von alleine rollt.

Ich habe das Ziel aus den Augen verloren. Ich weiß, dass es hier kein Ziel gibt. Ich erschrecke über meine Teilnahmslosigkeit darüber. Sie scheint gespielt und ich erschrecke über die Teilnahmslosigkeit über das Nicht-Erschrecken. Es gibt ein Wohlgefühl im Sich-Gewöhnen und warum mich nicht ganz darauf einlassen?

Irgendwo am Rand der Straßenlinie tauchen Wände und Gestänge von ausrangierten Tankstellen auf. Ich weiß sofort, dass sie mein neues zu Hause sein werden. Die Schwingtüren stammen noch aus den Zeiten, als die Tankstelle in Betrieb war. Sie pendeln hinter mir in ihre Ausgangsposition zurück. Dahinter liegen keine Vorräume oder Flure. Da ist nur die Tür und vor mir breitet sich die Bürolandschaft in Weiß aus. Sie erstreckt sich scheinbar in alle Ferne.

Ja, ich kann mich einrichten in die Moppeligkeit der Arbeitenden hier. Sie kommen morgens und gehen abends und verströmen ihre Körpergerüche zwischen den Reihen von Schreibtischen. Ich versuche, mich in das einzuleben, was sie verbindet. Mit der Zeit könnte Zufriedenheit und ein Gefühl von Aufgehoben-Sein entstehen. Ich muss nur lange genug darauf warten.

Sie behandeln mich freundlich. Sie würden mich niemals abweisen. Sie haben mich schon in ihr Biotop aufgenommen, ihr Geschäfts-Biotop. Auch wenn ich noch dabei bin zu begreifen, wie es funktioniert. Es ist wie ein Suppenrezept aus dem weißen Resopal der Schreibtischflächen, den Ausströmungen der Bildschirmröhren, die in ihrer Metalligkeit an den Geschmack von Safran erinnern, vermischt mit dem Gefühl von Alufolie auf der Haut, das wahrscheinlich von den elektrischen Magnetfeldern herrührt, dem zu hellen Licht auf den Displays und dem Schlurfen zwischen den Bürorollstühlen.

Ja, ich kann mich daran gewöhnen. Ich muss es nur irgendwann verstehen und mit mir verbinden. Ich bin überzeugt davon, eine Überzeugung aus dem tiefen Innern. Ich schaue mich um. Alle sind über die ausgedruckten Blätter gebeugt, die vor ihnen auf den Schreibtischen liegen. Die nach unten gereckten Köpfe, die abgerundeten Rücken, die konzentrierten Blicke. Ich spüre, dass auch ich etwas darin finden werde, auch wenn ich noch nicht weiß, was.

Die Ahnung davon reicht mir. Da ist keine Unruhe, die ich beherrschen müsste. Da ist nur dieser ruhige Fluss, mit dem sie selbst nichts anfangen können. Der sie meistens trägt, abgesehen von gelegentlichen Einbrüchen. Man muss damit umgehen können.

Schmetterlinge

Sie ist verrückt. Es kommen immer neue Päckchen. Keine eigentlichen Päckchen, eher diese in weiße Plastikfolie eingeschweißten knautschigen Weichteile. Sicher ein Kleidungsstück. Immer ein Kleidungsstück.

Sie kennt keine Grenzen. Es übersteigt bei weitem ihr Budget. Das muss doch mal aufhören. Der nächste Tag und das nächste Päckchen liegt vor der Tür. Es umfängt sie mit der Aura von Vornehmheit und Erhabenheit. Gar nicht das Kleidungsstück an sich, sondern das Bestellen, die Ahnung davon. Der Zwischenraum zwischen Vorstellung und Erwartung, geädert, pulsierend, Energie versprühend. Der breite Strom von Vorwegnahme, schon so getränkt von Erfüllung. Es aus der Luft zu fischen wie einen bunten Schmetterling.

Gar nicht, um damit zu prahlen, sondern weil sie es kann. Es wird verfangen, das spürt sie. Bei Gelegenheit. Es zieht sie hinein.

Achselzucken

Abstände, immer wieder Abstände. Empfunden als Nicht-Abstände, auch wenn sich Kleidungsstücke dazwischenschieben. Ich hasse es, wenn Körper im Raum auftauchen wie aus dem Nichts. Als ob sie nie dagewesen wären. Dabei waren sie immer da.

Reine Überforderung. Ich spüre die Wärme, die sie ausstrahlen, und sauge ihre Gerüche ein. Es ist, als könne niemals etwas davon bei mir ankommen. Die Verdrängungsmechanismen funktionieren. Die Gestalten ragen gegen das Licht auf wie durchscheinende Schatten, wesenlos. Sie verschieben sich im Raum und ich verfolge ihre Bewegungen unter geschlossenen Lidern.

Von irgendwo aus dem Innern steigt eine Kraftreserve in mir auf und ich fange an, ihre Gesichtszüge zu mustern. Sie kommen mir bekannt vor. Ich verfolge ihre Annäherungen argwöhnisch. Sie scheinen freundlich zu sein. Das rechtfertigt mehr Argwohn. Ich will warten, ob sich das auflöst.