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„Die erste Klasse entscheidet über den Rest des Lebens.“ Mit einem solchen Gefühl von Druck kämpfen viele Eltern, wenn die Einschulung ihres Kindes vor der Tür steht: Kommt mein Kind gut mit den Regeln in der Schule klar? Kann es sich gut genug konzentrieren und alle Aufgaben bewältigen? Zwischen ABC und Einmaleins, Hausaufgaben und ausreichend Schlaf passiert es schnell, dass die Familie ihren sicheren beziehungsstarken Weg aus den Augen verliert. Damit das nicht geschieht, zeigt Inke Hummel, welche Aufgabe Eltern in der Grundschulzeit haben und wie sie ihrem Kind dabei helfen, Herausforderungen immer besser zu meistern. Sie erklärt, wie Eltern ihr Kind gut im Blick behalten sowie die Beziehung und das Miteinander stärken.
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Seitenzahl: 264
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Keine Angst vor der Grundschulzeit
Schule ist mehr als der Lehrplan
Beziehungsstärke statt Patentlösungen
Bewältigungskraft statt Patentlösungen
Elternangst und Kinderangst
Fünf große Ziele für die Grundschulzeit
Schulreife
Kann-Kind
Muss-Kind
Keine Angst vor deiner neuen Elternrolle
Deine neue Aufgabe
Eure neue Beziehung
Mehr Loslassen
Mehr Platz für dein Kind
Mehr Reden
Weiter im Miteinander
Mehr Platz für dich
Keine Angst vor der Einschulung
Abschied und Vorfreude
Schüchternheit: „Ich will im Kindergarten bleiben!”
Echte Ängste vor der Einschulung
Fremde Menschen an neuem Ort
Anfangszeit
Ängstlichkeit: „Ich will da nicht hin!”
Hochsensibilität: „Mir ist alles zu viel!”
Autonomie: „Ich mag aber keine Regeln!”
Keine Angst vor deinem reifen Schulkind
Neues Selbstbild
Mehr Selbstliebe
Ein zu positives Selbstbild
Ein zu negatives Selbstbild
Mehr Wissen durch Vergleiche
Stärkere Orientierung an Geschlechterrollen
Neues Denken
Mehr Mitdenken und Wissen
Mehr Themen
Hochbegabung: „Das ist mir alles zu einfach!”
Neue Gefühle
Mehr Raum für Gefühle
Wut: „Ich hab’ schon wieder einen Eintrag bekommen!”
Überforderung und Scham: „Ich schaff’ das nie und bin peinlich!”
Stolz: „Ich bin so super!”
Eifersucht: „Alle sind toller als ich!”
Angst vor Noten: „Was ist denn, wenn es wieder eine 4 ist?”
Angst vor Vorträgen: „Ich mag nicht reden, wenn mich alle angucken!”
Angst vor Klassenfahrten: „Ich mag nicht ohne dich verreisen!”
Angst vor Trennung oder vorm Schulweg: „Ich geh da nicht alleine hin!”
Neues Körpergefühl
Mehr Bewegung
Mehr Interesse am Aussehen, an Ernährung – und an Hygiene?
Gewicht: „Die Hose passt nicht mehr!”
Ernährung: „Das soll ich probieren?”
Toilettenhygiene: „Ich hab’ in die Hose gemacht!”
Kopf- oder Bauchschmerzen: „Aua!”
Aufklärung: „Stimmt das mit dem Penis?”
Sexualität: „Ich fasse mich an!”
Einschlafen: „Ich mag nicht ins Bett!”
Durchschlafen: „Ich liege immer wach!”
Neue Gesprächsführung
Mehr Streit
Schimpfwörter: „Du Arschkuhmama!”
Mehr Schweigen
Gesprächszeiten: „Ich mag nicht mit dir darüber reden!”
Neues Weltbild
Mehr Meinung
Mehr Moralvorstellungen
Mehr gesellschaftliches Bewusstsein: „Aber wir müssen doch die Umwelt retten!”
Keine Angst vorm neuen Alltag
Neue Eigenständigkeit
Mehr Eigenverantwortung
Eigene Grenzen: „Nein!”
Rückzug: „Lass mich in Ruhe!”
Geheimnisse: „Ich erzähle das nicht!”
Alleinbleiben: „Ich mag nicht mitkommen!”
Digitale Medien: „Ich will ein Handy!”
Neue Bewertungen
Mehr Kritik
Fehler: „Alles ist rot angestrichen!”
Hassfächer: „Ich komme mit Mathe nicht klar!”
Sitzenbleiben: „Ich hab’s nicht geschafft!”
Neue Rechte und Pflichten
Mehr Möglichkeiten
Mehr Pflichten
Mehr Verantwortung
Lernunlust: „Schule und Hausaufgaben sind so langweilig!”
Leseunlust: „Das Buch ist doof!”
Konzentration: „Und dann fällt mir immer was anderes ein!”
Selbstorganisation: „Wo ist mein Geodreieck?”
Lernlücken: „Ich bin so oft krank!”
Neue Menschen
Mehr Kinder
Mehr Konflikte
Mehr Albernheiten
Mobbing und Cybermobbing: „Die sind so gemein zu mir!”
Ärger mit Älteren: „Ich bin doch gar kein Baby mehr!”
Konflikte und Aggressionen: „Der hat mich beleidigt und dann hab’ ich halt gehauen!”
Alleinsein: „Keiner spielt mit mir!”
Mehr Bezugspersonen
Neue Wege und Orte
Mehr Freiheit und neue Erfahrungsräume
Unsicherheit: „Ich möchte bei Zoe schlafen – aber ich traue mich nicht!” . 194
Neue (Frei-)Zeiten
Mehr Stress
Unpünktlichkeit: „Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist!”
Mehr Spaß
Keine Angst vor Krisen
Elterntrennung: „Ich bin ein Trennungskind!”
Möglicher Schulwechsel: „Ich fühle mich hier nicht wohl!”
Zwingender Schulwechsel: „Hilfe, wir ziehen um!”
AD(H)S: „Ich kann einfach nicht bei der einen Sache bleiben!”
Lese- und Rechtschreibschwäche: „Ich kann mir nicht merken, wie ich das schreiben soll!”
Weiterführende Schulen: „Wo soll ich denn hin?”
Vorpubertät: „Ich bin einfach cooler als ihr!”
Nachwort
Danksagung
Hilfreiche Bücher
Bücher über kindliche Entwicklung
Bücher über die erzieherische Haltung
Bücher über bessere Beziehungen zum Kind
Bücher über herausfordernde Themen
In diesem Buch begegnen dir zwei Symbole und immer wieder. Folgendes verbirgt sich dahinter:
Impulse zum WeiterdenkenSie sind das Richtige für dich, wenn du Lust hast, dich vertiefend weiter mit dem Thema zu befassen.Praktische IdeenMit ihrer Hilfe kannst du jedes Thema umgehend im Alltag angehen.„Die erste Klasse entscheidet über den Rest des Lebens.” Klingt übertrieben, aber viele Eltern spüren diesen Druck und du vielleicht auch. Das beschert dir Ängste, die sich leicht auf dein Kind übertragen können. Mit dem Tag der Einschulung entsteht an einigen Stellen eine Last, die eure Beziehung stressen kann. Dieser Druck kann sich durch alle Grundschuljahre ziehen. Das muss aber nicht so sein!
„Geht es meinem Kind gut? Entwickelt es sich gut? Und kann ich seinen Weg gut begleiten?” Diese Gedanken hast du dir sicher auch gemacht, als dein Kind im Baby- und Kleinkindalter war. Im Jugendalter wird es wieder ähnlich sein: Die Gedanken und Sorgen sind dann bei deinem heranwachsenden Kind, bei deiner Beziehung zu ihm und auch bei deinen eigenen Ressourcen. In all diesen Phasen sind deine Überlegungen im Grunde immer auf eure Familie bezogen: „Ist mein Kind gesund? Kommt es zurecht? Wir Eltern auch? Wir alle gemeinsam?”
Mit der Einschulung und dem Grundschulalter ist es ein bisschen anders. Ich berate Familien und mir sitzen oft Eltern von gerade 4-Jährigen gegenüber, die den ersten Brief vom Schulamt bekommen haben und deshalb ganz neue Ängste durchleben. Es taucht die neue Frage „Wird mein Kind gut bewertet?” auf. Der Blick geht raus aus der Familie. Wahrscheinlich kennst du das auch schon?
Weitere Fragen kommen dazu, die alle sehr nach außen gerichtet sind: „Passt sich mein Kind an die Regeln an? Fällt es nicht auf? Welche Weichen muss ich jetzt schon stellen, damit ich ihm sein Leben nicht verbaue?” Hast du dir diese Gedanken auch schon gemacht?
Wenn du genau hinschaust, wirst du merken, keine der Fragen schaut wirklich darauf, wie es deinem Kind und dir geht. Der Gedanke an Schule lässt alles andere schnell unbedeutender werden. Oft schon weit vor dem ersten Schultag. Ängste und Druck bergen die Gefahr, dass du dich als Elternteil von deinem Kind und eurer guten Beziehung etwas distanzierst. Vor Angst wegen möglicher Probleme im Schulsystem verlierst du schnell Fragen wie „Ist mein Kind gesund? Kommt es zurecht? Wir Eltern auch? Wir alle gemeinsam?” ein wenig aus den Augen.
Das Risiko ist hoch, dass du den gefühlten Druck an dein Kind weitergibst. Wenn dann nach dem Schulstart der Streit um Hausaufgaben wichtiger wird als eure Beziehung, kann es schnell passieren, dass du mit deiner Familie nicht mehr auf einem guten Weg bist, der von einer starken Beziehung lebt.
Viele Ratgeber rund um das Thema Schule haben nur den Fokus, alles für gute Bewertungen zu tun: „So lernt dein Kind lesen. So rechnen. So fügt es sich in die Klasse ein. So konzentriert es sich endlich.” Das sind alles wichtige Felder, aber die Beziehung und das persönliche Wachsen deines Kindes im Grundschulalter haben dabei wenig Raum.
Auch dort, wo es keine institutionalisierte Schule gibt, bleiben Kinder zwischen 6 und 10 Jahren nicht einfach in ihrer Entwicklung stehen. Sie haben Entwicklungsaufgaben jenseits von ABC und Einmaleins, zum Beispiel gut zu kommunizieren, Verantwortung für bestimmte Bereiche ihres Lebens zu übernehmen oder mit anderen zu kooperieren.
Die Fragen danach, was dein Kind vor der Einschulung unbedingt können oder wissen sollte, haben zu oft nur diesen einen, leistungsorientieren Blick. Ob es die Schnürsenkel selbst binden kann, ob es den Stift richtig hält, ob es feste Schlafenszeiten hat, ob es bereits Mengen erkennen kann, ob es sich auf der Toilette perfekt abputzen kann, ob es schon mal gehört hat, wo die Babys wirklich herkommen, ob es schon mal woanders übernachtet hat – das sind typische Angaben in Aufzählungen dazu, was du deinem Kind vorab beigebracht haben solltest. Alle diese Gedanken sind nachvollziehbar und doch zweitrangig. Denn für alle diese Bereiche gibt es individuelle Lösungsmöglichkeiten. Dein Kind muss nicht perfekt ausgerüstet für alle Eventualitäten in die Schule kommen. Du brauchst dich nicht darum zu sorgen, dass es in jedem Moment die perfekte (und von dir vorgekaute) Lösung parat haben wird.
Was genau aber deine Aufgabe ist und was dein Kind benötigt, lernst du in diesem Buch. Damit du dein Kind immer gut im Blick hast und ihr im guten Miteinander durch die Grundschulzeit kommt. Was es hingegen schulisch nicht verpassen sollte, erfährst du in der Schule.
Dein Kind braucht von dir mehr als Schleifenbinde-Training: dein Hinsehen, Hinspüren, Dasein, Zuhören, auch selbst Erzählen, deine Zeit. Es braucht Beziehung.
Dieses Buch wird dir zeigen, wie du das schaffen kannst. Wenn du dich um eine gute Beziehung bemühst und in eurer Familie gute Gespräche üblich sind, ist schon sehr viel gewonnen. Ich nenne das Beziehungsstärke. Dann könnt du und dein Kind Schule, Mitschüler*innen, Lehrkräfte und Co. relativ gelassen auf euch zukommen lassen. Dein Kind wird sich nämlich stark und sicher fühlen sowie für viele Probleme Lösungsideen entwickeln können, weil es dich hinter sich weiß. Du wirst ihm dann sehr wahrscheinlich anmerken, wenn doch mal etwas nicht in Ordnung ist, und kannst reagieren.
Beziehungsstärke
ist eines der am häufigsten genutzten Wörter in meinen Beratungen. Ein Kind, das immer höflich „Guten Tag” sagt, wirkt nach außen wohlerzogen, aber dahinter kann ein verängstigtes Kind stecken, das nur aus Druck und Angst höflich reagiert. Das ist keine gute Beziehung. Wichtig ist der Blick auf die darunterliegende Ebene, die alles trägt: Ist die Beziehung gut und stark? Ist die Eltern-Kind-Verbindung sicher und verlässlich? Dann handelt das Kind in dem Beispiel sicher auch leicht und gesund, nicht aus Angst. Auf der Grundlage guter Verbindung kann alles andere wachsen: zum Beispiel Höflichkeit beim Kind. Starke Beziehungen geben Kraft und ermöglichen gesunde Entwicklungen. Sei mit deinem Kind in guter, starker Beziehung! Dann könnt ihr vieles schaffen.
Viel wichtiger, als dass dein Kind in jedem herausfordernden Moment eine Patentlösung weiß, ist es, dass es in der Schule einen starken Rücken und ein sicheres Gefühl im Bauch hat. Ich spreche hier von Bewältigungskraft. Damit kann deinem Kind eine kluge Lösung einfallen. Es wird sich nicht allein und hilflos fühlen, auch wenn es ohne dich in einer großen, fremden Menge oder aber einem kalten, einsamen Flur steht. Es wird deine Wärme im Herzen tragen, deine Stimme im Ohr. Und es wird wissen, dass du später am Tag da bist, und sich spätestens dann mit Hilfe alles lösen lassen wird.
Bewältigungskraft
ist der andere wichtige Begriff in all meinen Beratungen. Eltern möchten ein glückliches Leben für ihre Kinder und viele sind bereit, dafür unglaublich viel Kraft herzugeben. Leider geraten sie leicht auf einen überfürsorglich-verwöhnenden Weg und bemühen sich darum, ihrem Kind alle Probleme und Konflikte aus dem Weg zu räumen. Das behindert aber die gesunde Entwicklung ihres Kindes. Es lernt nicht, Herausforderungen zu bewältigen, Fehler zu machen und sich dann zu verändern, was aber wichtig für seinen Lebensweg wäre.
Entscheidend ist Hilfe zur Selbsthilfe. Auch dein Kind braucht Unterstützung dabei, zu lernen, wie es Krisen bewältigen kann. Schenke ihm deshalb Bewältigungskraft!
Es ist verständlich, dass du und andere Eltern euch Sorgen macht, sobald die Schule Thema wird. Das ist etwas Neues, etwas Großes. In der Regel wollen alle Eltern das Beste für ihr Kind. Auch du wünschst dir für deines vermutlich eine stressfreie Schulzeit, gute Noten, nette Freund*innen, Spaß und später mal ein gutes Leben als Erwachsene*r. Weniger im Kopf hast du bisher wahrscheinlich die viel wichtigeren Bereiche wie die Beziehungsstärke und die Bewältigungskraft, die du gerade kennengelernt hast und die dir in diesem Buch immer wieder begegnen werden, sowie die drei Entwicklungsfelder Sicherheit, Gesundheit und Lernfreude. Mit meinem Buch lernst du, wie du dein Kind in allen fünf Bereichen stark machst.
1.Beziehungsstärke
Begleite dein Kind zugewandt und beziehungsstark und unterstütze es in seiner Entwicklung. Denn wenn du distanziert und von oben herab mit ihm umgehst, werdet du und dein Kind Herausforderungen eher nicht nachhaltig lösen können. In diesem Fall fehlt es an Vertrauen.
2.Bewältigungskraft
Dein Kind soll die Entwicklungsaufgaben meistern, die etwa im Alter zwischen 6 und 10 Jahren anstehen: Das sind die geistigen, an die du beim Wort Schule zuerst denkst, aber auch die sozialen und emotionalen. Denken, fühlen, mit anderen interagieren – reift dein Kind in diesen Bereichen gut, kann es sein Leben irgendwann gut allein bewältigen.
3.Sicherheit
Dein Kind soll sich sicher fühlen, wenn es in die Schule kommt. Bindungssicher und voller Urvertrauen kann es dort wachsen und lernen.
4.Gesundheit
Dein Grundschulkind soll seine Persönlichkeit frei entfalten können sowie bei allem körperlich und seelisch gesund bleiben.
5.Lernfreude
Selbstverständlich soll es nicht gleich in der ersten Klasse die Lust am Lernen verlieren und sich dauernd von Bewertungen bedrängt fühlen. Diesen Gedanken kannst du dir über die Jahre immer wieder in Erinnerung rufen – und so mancher Lehrkraft auch. Ohne Lernfreude wird es hart.
Urvertrauen und Bindungssicherheit
entstehen in den ersten Lebensjahren, wenn die elterliche Begleitung gut genug ist und äußere Belastungen nicht zu stark. Dann nimmt dein Kind das Gefühl mit „Ich bin sicher, nicht allein, meine liebsten Menschen sind gut zu mir.” Dadurch fällt es ihm leicht, irgendwann ohne dich die Großeltern, den Kindergarten und auch die Schule zu besuchen. Dank der Stressforschung ist inzwischen außerdem klar, wie eng (Bindungs-) Sicherheit mit Stressempfinden und Lernen verknüpft ist: Wenn dein Kind bindungssicher ist, seine Eltern hinter sich weiß, kann es mit Stress und Herausforderungen besser umgehen und ist zum Beispiel auch offener fürs schulische Lernen.
Beziehungsstärke. Bewältigungskraft. Beides ist miteinander verbunden. Bewältigungskraft wächst in der guten Beziehung zu dir. Dann muss dein Kind keine Angst vor der Schule haben oder du kannst sie gut begleiten, damit sie kleiner wird. Auch du musst keine Angst haben, denn du lernst ja jetzt, welche Aufgaben anstehen und wie du
eine hilfreiche Begleitung sein kannst.
Aber häng den Satz „Ich muss dafür sorgen, dass mein Kind ...” nicht zu hoch. Das kann dir wieder Druck machen.
„Ich möchte mit meinem Kind gut in Beziehung sein. Ich kann ihm helfen.” – Diese Sätze fühlen sich viel leichter an. Gegen Sorgen helfen vor allem Wissen und Vertrauen. So könnt du und dein Grundschulkind alle Aufgaben meistern.
Fünf Ziele: Beziehungsstärke, Bewältigungskraft, Sicherheit, Gesundheit, Lernfreude. – Du siehst, Mathematik und Sachkunde kommen in der Aufzählung gar nicht vor. Lesen zu lernen ist wichtig, rechnen zu können ebenso, aber andere Bereiche auch. Und zwar grundlegend. Der Preis für alles sollte stimmen und Schule nicht zur Belastung für die Eltern-Kind-Beziehung werden. Ihr habt einen entspannten Alltag verdient.
In diesem Buch zeige ich dir, wie sich deine Elternrolle verändert, wenn dein Kind ins Grundschulalter kommt, wie du es in starker Beziehung durch den typischen Alltag begleitest und wie du mit speziellen Situationen umgehen kannst, die auf dem Weg deines Kindes zum Problem werden können. In Beziehung lassen sich Herausforderungen leichter tragen.
IM HIER UND JETZT BLEIBEN
Geh als Elternteil die Schwierigkeiten an, die im Moment da sind, nicht diejenigen, die in einigen Jahren mal auftauchen werden. Das macht dich gelassen und eure Beziehung unbelasteter.
Den Eltern der 4-jährigen Kinder in meinen Beratungen sage ich übrigens etwas Ähnliches: „Nur weil euer Kind jetzt schüchtern ist, muss das nicht bedeuten, dass es sich mit 6 Jahren nicht trauen wird, ein Klassenzimmer zu betreten.” Oder: „Nur weil euer Kind zurzeit noch bei jeder Schwierigkeit aufgibt und ausrastet, muss das überhaupt nicht bedeuten, dass die Schulzeit eine Katastrophe wird. Es ist erst 4, es hat noch Zeit.”
Hast du noch ein Kindergartenkind, liest dieses Buch im Voraus und machst dir Gedanken dazu, ob dein Kind schulreif ist? Vielleicht weil es riesige Vorfreude auf die Schule zeigt und es sein großer Wunsch ist, endlich ein Schulkind zu werden? Seine Freude ist toll und macht erst einmal vieles leichter. Seine bloße Schullust macht es aber noch nicht schulreif.
Hinter der Vorfreude kann nur stecken, dass dein Kind die Schule durch ältere Freund*innen kennt, deren coole Klassenkamerad*innen mag oder den abenteuerlichen Schulhof oder die riesige Turnhalle erkunden will. Oder dass es schon seit Jahren in die gleiche Kita geht, langsam die Nase voll davon hat und voller Neugier auf das nächste Kapitel ist.
Es kann auch sein, dass ihm die Erwachsenen in seinem Umfeld vermitteln, wie toll Schule sei und auch, dass das Schulkindsein etwas „Besseres” sei als das Kindergartenkindleben: „Dann bist du endlich groß!” So kann die Lust in deinem Kind natürlich wachsen und echt sein, was eine großartige Voraussetzung für den Schulstart ist. Aber die Lust oder der Wunsch allein sagen leider nichts darüber aus, ob dein Kind auch so weit ist.
Denkst du über eine Kann-Kind-Einschulung nach – ein Jahr bevor dein Kind eigentlich schulpflichtig wäre? Dann nimm es ernst, wenn dein Kind Vorfreude zeigt, aber dieses Gefühl sollte niemals allein entscheidend sein. Denn was der Wunsch tatsächlich mit sich bringen würde, weiß dein 5-jähriges Kind auf gar keinen Fall.
Unser Schulsystem ist nicht nur ein Geschenk, bedeutet nicht nur Bildung für alle und ein fröhliches Schulkind-Leben. In die Schule zu gehen, heißt auch:
• weniger Spielzeit
• mehr kooperieren müssen
• Impulse besser kontrollieren müssen
• anstrengendere Tage
• Hausaufgaben
• Freundschaften, die zu Ende gehen
• Zeitdruck
• Konkurrenzdruck
• Bewertungsdruck
Das kann dein Kind nicht überblicken. Die Verantwortung für die Entscheidung kannst du nicht abgeben, egal was dein Kind sich wünscht.
Klar, ein weiteres Kindergartenjahr kann für dein Kind und auch für dich in der Begleitung herausfordernd werden, wenn es sich an dem Ort langweilt. Aber ein frühes erstes Schuljahr kann nicht nur in diesem einen Jahr eine starke Belastung sein. Es kann in der Folge während der ganzen Schulzeit zu Stress führen, beispielsweise wenn alle in der Klasse pubertär werden, aber dein Kind noch absolut verspielt ist.
Für die Schulreife ist schon lange nicht mehr das einzige Kriterium, motorisch und kognitiv in der Lage zu sein, schreiben und lesen zu lernen. Fähigkeiten im Bereich Konzentration, Motivation und Sprache kommen hinzu, aber besonders auch im Bereich soziales Verhalten:
• Ist dein Kind imstande, häufig mit Gleichaltrigen zu kooperieren, zu diskutieren und in Konflikten Lösungen zu finden?
• Mag es freiwillig helfen, trösten und unterstützen, dass eine Gruppe gut zurechtkommt?
Dann hat es diese sozialen Skills und diese Bewältigungskraft sicher in Beziehungsstärke mit dir entwickelt. Sie sind die besten Grundsteine, um Schullust um das zu ergänzen, was für die Schulreife notwendig ist.
Muss dein Kind zur Schule, aber du sorgst dich, dass es noch nicht komplett schulreif ist? Wenn dein Kind kein Kann-Kind ist und die Einschulung dank Geburtsdatum nicht mehr warten kann, ist es möglich, dass einer der oben genannten Bereiche trotzdem noch sehr ausbaufähig ist. Dennoch wird es wahrscheinlich in die Grundschule geschickt, wenn zur Schulreife nichts Gravierendes fehlt.
Auch dann sind die Beziehungsstärke und die Bewältigungskraft, die dein Kind durch dich erwirbt, das entscheidende Fundament, um im neuen Alltag gut zurechtzukommen und alle wichtigen Entwicklungsschritte zeitnah gehen zu können.
SCHULWAHL
Manchmal hast du den Eindruck, die Auswahl der richtigen Grund- und später auch weiterführenden Schule gleicht einer Doktorarbeit. Lass dich von diesem Trend nicht mitziehen. Herausforderungen gibt es überall. Kurze Wege und ein erstes gutes Bauchgefühl sind ganz gute Kriterien. Schau dir alles an, fühl die Atmosphäre und frag Kinder, die zu der jeweiligen Schule gehen. Das ist wichtiger als auf Tratsch von irgendwem zu hören. Vermeiden, dass der Ort möglicherweise ein schwieriger wird, kannst du aber nie vollkommen.
Mit einem Baby oder Kleinkind waren deine Aufgaben ziemlich klar. Du hast auf seine Ernährung, seine Gesundheit und seinen Schlaf geachtet. Es konnte laufen und sprechen lernen. Du hast ihm Sicherheit und Nähe gegeben und es im Kleinen ermutigt, eigenständig zu handeln und mit anderen Menschen zurechtzukommen. Aber welche Aufgaben hast du nun?
Dein Kind wirkt immer noch klein und hilfsbedürftig, andererseits aber doch irgendwie groß und soll plötzlich auch einen großen Teil des Tages mit ganz neuen Herausforderungen ohne dich bewältigen. Schon im Kindergarten wirkte es am Ende fehl am Platz: so groß im Vergleich zu den Kitaneulingen und ab und zu lustlos in den seit Jahren gewohnten Räumen.
Ja, spätestens ein halbes Jahr vor dem Schulstart spüren die moisten Eltern (und ihre Kinder), dass sich etwas ändert. Du musst mit deinem Kind zur Schuleingangsuntersuchung im Gesundheitsamt und zur Anmeldung in der Grundschule. Das sind oft die ersten Termine, bei denen dein Kind ohne deine Begleitung mit Fremden sprechen oder sich untersuchen lassen soll.
Loslassen wird ein Thema. Manchmal geht das ganz leicht: Dein Kind hat Lust und quatscht die Amtsärztin voll. Du kannst lächelnd im Flur sitzen und hörst stolz durch die Tür zu, wie es das meistert. Manchmal ist es schwieriger. Dann mag dein Kind nicht in den Raum, ist still und besorgt. Und dir geht es ähnlich. Im Kindergarten war noch alles so familiennah. Das wird nun anders.
Gegen Angst und Sorgen helfen Information und Pläne, damit du nicht in einem Ohnmachtsgefühl stecken bleibst. Wichtig ist dabei zu unterscheiden, wer die Bedenken hat: du und das Kind, nur das Kind oder nur du? Wenn du dir viele Gedanken machst und das Bedürfnis hast, viel zu reden und zu überlegen, drück das nicht einfach deinem Kind auf. Sortiere deine Sorgen mit anderen Erwachsenen. Halte sie von deinem Kind fern. Horche nach, ob es selbst Ängste hat, die Begleitung brauchen. Sogar ganz schüchterne Vorschulkinder gehen am ersten Schultag oft breit grinsend, stolz und interessiert in ihren Klassenraum. Manchmal ist es gut, wenn deine Gedanken nicht bei deinem Kind landen.
KINDERANGST
Alle Vorschulkinder kennen das: Gefühlt jede*r Erwachsene spricht sie darauf an, dass sie bald in die Schule kommen. „Hast du schon einen Ranzen?”, „Das wird so toll, wenn du Papa endlich etwas vorlesen kannst!” oder auch „Na, mach dich mal auf den Ernst des Lebens gefasst!”
Nicht alle Kinder gehen locker damit um. Wie auch? Wenn man Erwachsene auf die große Veränderung nach der Verrentung anspricht, können die sich ja auch kaum vorstellen, wie es warden wird. Und dein 5-jähriges Kind kann sich noch deutlich weniger ausmalen, wie der neue Alltag aussehen könnte.
Manche Kinder leben ganz im Gefühl der Vorfreude, und die darfst du mit deinem Kind feiern, wenn sie sich zeigt. Aber wenn es deinem Kind nicht so geht, braucht es deine Unterstützung. Seine Sorge oder auch Unlust ist verständlich.
Mag es sich gar nicht für Gespräche über die Schule öffnen, dann lass ihm diesen Wunsch. Die Einschulung kommt so oder so, dann könnt ihr entstehende Fragen zum Schulalltag klären. Aber über Gefühle solltest du mit deinem Kind sprechen. Angst und Unlust kannst du ohne Bezug zur Schule thematisieren: Kennst du sie auch? Woher? Wie gehst du damit um? Was kann dein Kind sich davon mitnehmen?
Bevor die Schule aber überhaupt startet, steht der Abschied vom Kindergarten an. Dein Kind braucht einen leichten Übergang zum neuen Lebensabschnitt. Input dazu bekommst du im Kapitel „Abschied und Vorfreude” ab S. 40.
Im Grundschulalter braucht dein Kind deine Begleitung, um in mehreren Bereichen reifen zu können. Vieles ist neu und schwierig für dein Kind. Hier zeige ich dir schon mal, welche Entwicklungsaufgaben anstehen.
Dein Kind sollte/wird …
• ein realistisches Selbstbild formen.
• lernen, mit Bewertungen zurechtzukommen.
• sprachlich und intellektuell reifen.
• mit Gefühlen besser umzugehen lernen.
• mit neuen Rechten und Pflichten zurechtkommen.
• sich immer unabhängiger fühlen und mit neuen Wegen, Zeiten, Räumen oder Medien klarkommen.
• gleichaltrige und andere Personen außerhalb der Familie höher gewichten.
• sich mehr Gedanken zu seiner Geschlechterrolle machen.
• eigene Moralvorstellungen ausbilden.
• sein eigenes Weltbild formen.
• motorisch und körperlich reifen.
Es beschäftigt sich mehr mit sich selbst, geht mehr von dir weg, auch zu anderen hin, und wird ein Mensch mit mehr Wissen, Meinung und Individualität. In vielem ist das noch überschaubar, denn schließlich hast du noch keinen Teenie vor dir.
Dennoch ist es notwendig, dass du dich in deiner Elternrolle neu aufstellst. Du bist der Elternteil in der Beziehung und immer noch sehr in der Verantwortung, aber immer mit dem Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben (Beziehungsstärke und Bewältigungskraft).
Das heißt, deine Aufgabe ist Begleitung, die viel Platz für dein Kind, seine Gedanken und die oben aufgezählten Entwicklungsaufgaben lässt. Außerdem sollte es durch dich lernen, wie es vermehrt auch allein Herausforderungen regeln kann.
Du siehst, dass das Grundschulalter eine Veränderung auf sehr vielen Ebenen ist. Die Einschulung gibt oft den Anstoß für neue Entwicklungsschritte, denn dein Kind geht ein bisschen weiter hinaus in die Welt als bisher.
Du warst bislang Schutz und Halt und hast deinem Kind seine direkte Umgebung erklärt. Eure Beziehung wird sich nach und nach verändern. Vielleicht hast du das schon im Vorschuljahr gemerkt, weil dein Kind unzufriedener war und eigenständiger sein wollte. Ich zeige dir, wo der Weg hingeht, damit du sicher Schritt halten kannst.
Gib immer noch Halt und Nähe, aber lass auch viel mehr los. Das ist nicht nur konkret räumlich gemeint, weil du weniger ins Schulleben involviert bist als in den Kitaalltag. Nein, es ist viel allgemeiner gedacht: Loslassen bedeuten in diesem Fall zutrauen, vertrauen, Spielräume lassen. Wenn du deinem Kind nach und nach mehr Verantwortung überträgst (ein eigener Haustürschlüssel, allein einkaufen, selbstständig die Freizeit planen und mehr), kann es Selbstvertrauen entwickeln. Es wird sich stark, sicher und geliebt fühlen. Ihm wird es mit der Zeit leichter fallen, Entscheidungen zu treffen oder auch mit Fehlern umzugehen. Mit eurer Beziehungsstärke im Rücken und der wachsenden Selbstsicherheit kann dein Kind im Umgang mit Gleichaltrigen auch wahrscheinlicher Nein sagen und Gruppendruck widerstehen.
Wie geht das? Dein Kind benötigt Zutrauen von dir. Du bleibst Beschützer* in und Anker in eurer Beziehung. Aber du komm auch immer wieder aus deiner Komfortzone heraus und trau deinem Kind etwas mehr zu, als du spontan dachtest. Dann könnt ihr miteinander wachsen.
Beispiel: Mit der Einschulung ergibt sich erstmals die Situation, dass dein Kind an einem Wochentag zwei Stunden allein zu Hause sein muss, bis du kommst. Das fühlt sich ungut an? Total verständlich. Schau hin: Warum macht dir das Sorgen? Was könnte schlimmstenfalls passieren? Wie käme dein Kind mit dem Notfall zurecht? Baut möglichen Problemen ein bisschen vor und wagt dann den neuen Schritt. Seht nicht den ganzen Berg, der zu schaffen ist, sondern nur den nächsten Schritt. Das gibt Bewältigungskraft.
Wichtige Erkenntnisse fasse ich dir in diesem Ratgeber zusammen. Sie sind mit Herzchen markiert. Du kannst dir den einen oder anderen Satz für dich auf einem Blatt notieren und es dir als Erinnerung aufhängen, wenn dir etwas davon besonders schwerfällt. Zum Beispiel wenn du nicht gut annehmen kannst, dass dein Kind das heimische Nest in kleinen Schritten verlässt, oder aber wenn sein Verhalten sehr herausfordernd und stressend für dich ist. Die Erinnerung hilft dir dabei, dich immer wieder auf Beziehung einzulassen. Du musst nicht hart und autoritär werden.
Du traust deinem Kind zu, Herausforderungen zu bewältigen.
LOSLASSEN
Gibt es Aufgaben, die du bislang immer für dein Kind übernommen hast, die andere Kinder aber schon allein erledigen? Nervt dich das oder signalisiert dein Kind, dass es sie gerne eigenständig übernehmen würde? Fang damit an: Lass los. Übergib Verantwortung.
Wenn es dir schwerfällt, sprich mit deinem Kind offen darüber, was dich daran sorgt. Findet kleine Schritte, damit der große Schritt gelingen kann. Hilfreich ist oft die Frage: „Warum eigentlich nicht?”
Du bist immer noch ein wichtiges Vorbild für dein Kind und wirst es sehr wahrscheinlich auch in der Pubertät noch bleiben, obwohl das kaum ein Teenie jemals zugeben würde. Dennoch wird es als Grundschulkind langsam mehr zu sich selbst finden, anstatt dir einfach vieles nachzuahmen. (Das Ergebnis kann sein, dass es im Erwachsenenalter dennoch vieles wie du machen wird, aber nach reiflicher Überlegung.)
Wie geht das? Dein Kind braucht in eurer Beziehung mehr Platz für sich. Gib ihm diesen. Nicht nur durchs Loslassen, sondern auch indem du deinem Kind Raum lässt…
• es selbst zu sein.
• im Kleinen groß sein zu üben.
Schon im Kleinkindalter hast du sein Wesen bemerkt und ihm sicher dabei geholfen, schüchtern, wild oder eben einfach so zu sein, wie es ist. Jetzt wird es immer wichtiger, dass dein Kind auch in seinen Interessensbereichen sein darf, wie es ist. Gerade mit der Einschulung zieht wieder sehr viel Fremdbestimmung in ein Kinderleben ein und dein Kind muss sich vielleicht mit Sachkunde beschäftigen, obwohl es am liebsten den ganzen Tag nur zählen würde. Lass ihm deshalb die Chance, in seiner Freizeit selbstbestimmt Interessen nachzugehen.
Beispiel: Du bist sehr musikalisch und hast dein Kind bisher gern mitgenommen in die Welt aus Klängen, Stimmen und auch Tanz. Dein Kind war vor Kurzem mit einem Freund oder einer Freundin allerdings auf einer Jugendfarm zu Gast und will seine Zeit nun am liebsten nur noch mit dem Versorgen von Tieren und Bauen von Bretterbuden verbringen. Nimm es an, wenn sein Weg sich jetzt ändert. Die Zeiten in Musikkursen waren dennoch nicht „umsonst”. Investiere Beziehungszeit, um zu sehen und zu verstehen, was dein Kind beschäftigt. Auch wenn die Themen dich nicht so packen. Bislang hast du deinem Kind die Welt gezeigt. Nun wird sich das immer mehr umkehren.
Du lässt deinem Kind Platz für eigene Entscheidungen.
RAUM FÜR DEIN KIND
An welcher Stelle hat dich gepiekt, dass dein Kind etwas anders sieht oder etwas anderes machen will als du? Beginne dort. Gib ihm Raum, sich auszuprobieren. Auch wenn dabei etwas schiefgehen sollte. Füg dich mal seinen Entscheidungen und Wünschen. Dein Kind muss es umgekehrt oft genug tun und unheimlich viel kooperieren.
Im Baby- und Kleinkindalter fand der Austausch zwischen dir und deinem Kind oft ohne viele Worte statt. Ihr habt gezeigt, gekuschelt, gespielt. Mit wachsendem Wortschatz wurde das Miteinander sicher an vielen Stellen leichter, weil du endlich verstanden hast, dass dein Kind eine Banane wollte und nicht singen, als es auf seinen Mund zeigte. Dennoch blieb für dein Kind das Nonverbale sehr wichtig: Guckst du nett, berührst du es lieb? Gerade die Streicheleinheiten fallen auch jetzt sicher nicht komplett weg, aber an manchen Stellen schon. „Hand in Hand durch die Stadt? Hm, mal gucken.”
Miteinander zu sprechen, wird dafür wichtiger. Ihr werdet im Grundschulalter immer mehr reden, oft nicht mehr konkret auf das Hier und Jetzt bezogen: „Was könnte sein? Wie wäre es, wenn …?” Dein Kind wird für sich spüren, dass Reden ihm oft besser dabei hilft, die Welt zu verstehen und Geschehenes zu sortieren, als Spielen. Das Spiel war in den ersten Jahren das Mittel der Wahl. Jetzt braucht es dich zum Quatschen.
Wie geht das? Eure Beziehung wird reifer. Das Reden kann euch noch mehr verbinden und auch dabei helfen, einander noch besser kennenzulernen. Dafür braucht es Zeit: Gelegenheiten, bei denen du und dein Kind reden könnt, obwohl die Tage noch vollgepackter sind durch die Schule. Ein Kind, dem du zuhörst, dem du offen und altersgerecht antwortest, wird sich kompetenter im Umgang mit Gleichaltrigen oder auch Lehrkräften und dem Leben allgemein fühlen.
Hörst du deinem Kind wirklich zu und sprecht ihr häufig miteinander, bist du sicherlich auch in der Schule immer ganz dicht dabei, obwohl du selbst nicht dort bist. Du erfährst vieles oder kannst zumindest spüren, wie die Lage dort ist. Ihr seid beziehungsstark.
Auch bei Unstimmigkeiten kann das Reden euch nun immer besser helfen. Wenn ihr miteinander Lösungen sucht, wächst dein Kind und kann auch an anderer Stelle Kompromisse finden, sinnvoll diskutieren und helfen. Es kann bewältigen. Würdest du dein Kind im Streit beschämen und beschuldigen, anstatt Lösungen und Kompromisse zu suchen, triebe das einen Keil in eure Beziehung und würde auch gutes Konfliktlösen mit anderen Menschen behindern. Frag: „Wie konnte es dazu kommen? Was könnten wir verändern? Was wünschst du dir? Verstehst du, warum ich mir das so vorstelle?”
Beispiel: In den letzten Jahren hat dein Kind sich nach anstrengenden Tagen zurückgezogen und etwas Ruhiges gespielt. Du musstest immer viel Rätsel raten, was hinter dem Verhalten steckt. Langsam habt ihr die Chance, im gemeinsamen Gespräch immer besser herauszufinden, was in deinem Kind los ist. Endlich!
Du sorgst für zahlreiche Gesprächssituationen.
ZEIT FÜR GESPRÄCHE