3,99 €
Viele hielten es nur für eine Legende, doch die Mannschaft der Soleil Royal muss feststellen, dass dem nicht so war. Die sagenumwobene Insel Myrata taucht aus dem Meer auf und setzt durch reinen Zufall das große Handelsschiff fest - keine Flucht möglich! Der Kapitän schickt seine neueste Offizierin an Bord los, die Insel zu erkunden. Als Freya mit ihrem kleinen Trupp zurückkehrt, ist jedoch die Soleil Royal nicht mehr auffindbar! Verzweifelt suchen Freya und ihre Freunde das Schiff, doch das Grauen, welches die Besatzung in dieser Zeit erlebt, ist unvorstellbar...
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2020
MARTIN HECKT
Die Abenteuer von Freya Warmherz
Myrata
Band 5
Für meinen Vater
Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen
(Francis Bacon)
Bibliografische Information der Deutschen
Nationalbibliothek: Die Deutsche
Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar.
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung
© Martin Heckt 2020
Coverdesign: Martin Heckt
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
978-3-347-18318-6 (Paperback)
978-3-347-18319-3 (Hardcover)
978-3-347-18320-9 (e-Book)
Prolog
Freya wachte auf und lächelte, als sie sich streckte. Es war ein wunderbarer Morgen und durch das geöffnete Fenster hörte sie die Vögel zwitschern. Die junge Parda gähnte wohlig und griff zum Nachttisch, um die Brille, die dort lag, zu greifen.
Sie setzte sie sich auf die Nase und zog einen Ellenbogen unter den Oberkörper, um sich etwas aufzurichten.
Das Fenster ihres Kinderzimmers war geöffnet und sie holte bei geschlossenen Augen tief Luft, sog den vielfältigen aromatischen Geruch des Frühlings tief in sich auf.
Freya öffnete die Augen wieder und die Ohren zitterten leicht, als sie die Geräusche der Natur aufnahmen.
Die Parda schaute rechts neben sich und musste grinsen.
Sie sah den Oberkörper ihrer Freundin neben sich liegen, die ihr Kopfkissen über ihren Kopf gelegt hatte. Freya wusste, das machte Elah nur, wenn Byrt des Nachts schnarchte.
Freya hatte einen gesunden und tiefen Schlaf, ihr machte das Schnarchen nichts, aber sie konnte es genau vor sich sehen, wie Elah zunächst wütend den Granitianer anstarrte, ehe sie schließlich das Kopfkissen über ihren Kopf legte und die Enden über ihre Ohren bog.
Die junge Parda kicherte.
Elah lag entspannt neben ihr und Freya fiel wieder einmal auf, wie unterschiedlich sie beide waren. Elah, mit der dunkelbraunen Haut und Freya, die blass war. Sehr blass.
Freya selbst wunderte das nicht mehr. Sie war schon immer blass und scherzte, dass sie selbst auf einem Grill keine Farbe annehmen würde.
Dann sah sie zur anderen Seite. Auf dem Boden lag der hünenhafte Körper des Grantianers, der ausnahmsweise mal nicht schnarchte.
Das konnte natürlich auch daran liegen, dass er ein Kissen auf dem Mund liegen hatte. Entweder hatte Elah gut gezielt, oder sie war nachts aufgestanden, um ihm das Kissen höchstpersönlich auf den Mund zu legen.
Beides war möglich, und beides durfte Freya schon erleben.
Byrt hatte zwar eine Decke auf seinem Körper liegen, aber es wirkte, als hätte er nur einen Lendenschurz an.
Die Decken, die hier im Haus waren, hatten halt „Parda-Größe“, und waren somit für die Körper von Granitianer nicht geeignet.
Es schien Byrt allerdings nicht zu stören, der gewaltige Brustkorb hob und senkte sich regelmäßig.
Am Fußende des Bettes hörte Freya ein Geräusch. Schmunzelnd sah sie zum Ursprung des Geräusches, denn sie wusste, wer dieses Geräusch zu verantworten hatte. Leviathan, die Ente und zugleich das Bordmaskottchen der Soleil Royal wurde langsam wach und sah Freya aus neugierigen und intelligenten Augen an.
Die zierliche junge Frau klopfte einmal kurz mit der flachen Hand auf den Oberschenkel und der Erpel sprang aus dem Bett und holte sich bei seiner besten Freundin die ersten Streicheleinheiten des Tages ab.
Der schneeweiße Enterich war das Bordmaskottchen, seit die Mannschaft ihn bei einer Fahrt im Lagerraum des großen Handelsschiffes gefunden hatte. Er wollte nicht von Bord und die Seeleute waren begeistert von der Idee einer Ente als Maskottchen.
Katzen und Papageien hatte jedes Schiff, lachten sie, wenn sie darüber erzählten. Aber wer hatte schon eine Ente?
Leviathan war an Bord sehr beliebt, ebenso wie Freya selbst.
Zusammen mit Byrt und Elah wurden sie „Das Kleeblatt“ genannt. Zwar hinter vorgehaltener Hand, doch Freya und ihre Freunde hatten es längst mitbekommen.
Und es gefiel ihnen. Ein Kleeblatt war doch eine wunderschöne Pflanze. Und sie hatte auch noch eine tiefergehende kulturelle Bedeutung. Man glaubte, dass ein vierblättriges Kleeblatt böse Geister vertreiben würde.
Und wenn Freya an ihre bisherigen Abenteuer an Bord der Soleil Royal zurückdachte, schien da sogar etwas dran zu sein.
Sie schmunzelte bei dem Gedanken und tätschelte noch einmal den Kopf von Leviathan. Die zierliche Parda wickelte unbewusst den eigenen Stert um die eigene Taille. Stert, das war das Wort, welches die Bewohner von Kanthorus für den katzenartigen Schwanz der Parda verwendeten. Der von Freya war tiefviolett, genau wie die Iris ihrer Augen. Am Stert konnte man die Emotionen der Parda ablesen, wenn man wusste, wie. Allerdings wickelte niemand von diesem Volk den Stert um die Taille.
Mit Ausnahme von Freya.
Dieses Phänomen hatten Freyas Eltern schon früh bemerkt. Sie wunderten sich, haben sich aber nichts weiter dabei gedacht.
Rohdan, ihr Vater, sagte immer: „Das wächst sich schon aus!“
Nun, das tat es nicht.
Die Eltern gewöhnten sich daran und Freya kannte es nicht anders. Es wurde ein Teil von ihr, fast eine Art Markenzeichen.
Langsam ließ sie noch einmal den Blick durch das Zimmer schweifen, dann stand sie leise auf. Auf nackten Fußsohlen schlich sie an Byrt vorbei und ging zu ihrem Schrank.
Als sie die Tür öffnete, verzog sie etwas das Gesicht und legte die Ohren an den Kopf, denn die linke Tür quietschte etwas. Sie nahm sich – zum tausendsten Male – vor, das Scharnier zu ölen.
Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie wollte zwar nur ihre Freizeitkleidung aus dem Schrank holen, aber auf der anderen Seite hing der heilige Gral von Freya Warmherz.
Die Uniform der Soleil Royal!
Neben der riesigen Unform von Byrt und der wesentlich kleineren von Elah hing ihre eigene. Noch vor kurzer Zeit sahen diese Uniformen gleich aus.
Schwarz, mit blauen und weißen Applikationen. Die Soleil Royal war ein Handelsschiff, aber der Kapitän war früher beim Militär und das merkte man an gewissen Dingen. Das Schiff wurde straff geführt, fast militärisch. Und dazu gehörten eben auch die Uniformen.
Die der Mannschaft waren hauptsächlich schwarz, die der Offiziere waren weiß. Und Freya trug nun ebenfalls so eine weiße Uniform mit blauen Applikationen!
Nach dem letzten Abenteuer, bei dem das Schiff durch vergangene Zeiten gereist war, wurde Freya zum Offizier befördert.
Sie behandelte die Uniform noch immer mit äußerster Ehrfurcht und staunte jedes Mal, wenn sie sie sah.
Byrt und Elah spotteten, dass die Uniform von Freya die weißeste aller Offiziersuniformen an Bord sei, weil sie so penibel damit umging, aber im Grunde waren sie sehr stolz auf ihre Freundin. Sachte ließ sie ihre Hand über den Ärmel der Uniform gleiten. Offizier! Sie!
Freya konnte es immer noch nicht so recht glauben.
Leise seufzend riss sie sich vom Anblick der geliebten Uniform los und schlüpfte in die bequemen Freizeitsachen.
Auf leisen Sohlen schlich sie am Bett vorbei zur Tür. Am Bettpfosten hing noch immer der alte Dreispitz, den ihre Eltern ihr damals zum achten Geburtstag geschenkt hatten.
Sie öffnete die Tür und ließ Leviathan passieren, ehe sie dem Erpel folgte.
Dann zog sie die Tür ins Schloß und ging langsam die Treppen herab und durch den kurzen Flur in die Küche. Als sie am Schlafzimmer der Eltern vorbeiging, spitzte sie die Ohren. Rohdan und Sarah schienen noch zu schlafen. Ihr Vater war wieder einmal dabei den größten Wald von ganz Kanthorus nieder zu sägen, so laut schnarchte er. Freya grinste und fragte sich nicht zum ersten Mal, wie ihre Mutter dabei schlafen konnte.
Leise lachend schüttelte sie den Kopf und ging durch die Küche hindurch in den Garten der Familie Warmherz.
Sie nahm einen der zusammengeklappten Liegestühle und stellte ihn an einem schönen sonnigen Plätzchen im Garten auf.
Während Levi sich grasrupfend langsam durch den Garten bewegte, stellte sie den Liegestuhl auf und setzte sich hinein, ehe sie ihn in die Liegeposition brachte.
Freya streifte die Schuhe ab und wackelte behaglich mit den Zehen, dann warf sie die langen violettroten Haare über die Lehne des Stuhles und schloss die Augen.
Sie genoss die Wärme der Sonnenstrahlen und lauschte den kleinen Tieren, die in der Nähe schon längst ihr Tagesgeschäft aufgenommen hatten.
So schön konnte das Leben sein!
Kapitel 1
Nach und nach erwachte das kleine Haus zum Leben. Zuerst ließ sich Elah neben Freya ins Gras fallen. Sie gähnte, pflückte einen Grashalm und kaute genussvoll auf ihm herum.
Die beiden Frauen schwiegen und ließen sich von den Sonnenstrahlen wärmen.
Elah und Freya verstanden sich blind und hatten schon oft so beieinandergesessen, ohne ein Wort zu sagen. Beiden gefiel die Nähe des jeweils anderen, da brauchte es nicht viele Worte.
Doch die Ruhe hatte bald ein jähes Ende.
„Na, die Damen?“, brummte es hinter ihnen. Freya brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass Byrt hinter ihr stand. Der großgewachsene Granitianer schlief immer etwas länger, wenn er die Gelegenheit dazu hatte.
Freya nickte zu den Worten des Freundes und auch Elah hob lediglich unmotiviert die Hand.
Byrt setzte sich zwischen die beiden Frauen und begann, Gras auszurupfen.
„Heute müssen wir zurück an Bord.“
Elah lachte.
„Stört dich das, Dicker? Ich dachte, du liebst das Leben an Bord. Und nun klingt deine Stimme, wie die eines quengelnden Kindes, das nicht bekommt, was es gerne hätte.“
Byrt warf das ausgerissene Grasbüschel auf das Gesicht der dunkelhäutigen Parda.
„Gnagnagna“, äffte er die Stimme Elahs nach.
„Natürlich arbeite ich gerne an Bord der Soleil Royal. Aber ab und zu etwas Urlaub ist ja auch etwas Schönes. Und wenn ich dann noch an den Pudding von Sarah denke… „
„Deswegen sag ich ja auch Dicker zu dir!“, kicherte Elah.
„Du hast ganz schön zugenommen!“
Byrt sah stirnrunzelnd an sich herab.
„Gar nicht wahr“, brummte er und klang nun wirklich wie ein schmollendes Kind.
„Der Pudding ist aber auch klasse“, lenkte Elah ein.
Sie selber konnte sich den Kochkünsten von Freyas Mutter auch nicht entziehen. Sarah Warmherz hatte ein echtes Talent im Kochen und ab und an fragte Elah sich, wie Freya es geschafft hatte, bei dieser exquisiten Küche nicht auseinanderzugehen wie ein Hefekuchen. Unauffällig schielte sie zu ihrer Freundin, die wahrhaftig alles andere als dick war.
Freya lag immer noch mit geschlossenen Augen im Liegestuhl und grinste etwas vor sich hin, während sie dem verbalen Schlagabtausch der Freunde zuhörte.
Diese Momente gehörten für sie fast zu den liebsten. Im Garten mit Freunden und Familie entspannen, war mittlerweile fast zum Luxus geworden. Damals hätte Freya sich nie vorstellen können, dass die Arbeit an Bord eines Schiffes so schwer und zeitraubend sein könnte. Nur selten lag die Soleil Royal für ein paar Tage im Heimathafen von Aritholka und verschaffte der Besatzung die Möglichkeit, sich zu entspannen.
Dazu kamen noch die ungeheuerlichen Abenteuer, die sie bereits auf See erlebt hatte, von denen sie ihren Eltern aber nicht erzählte. Freya liebte ihre Eltern und wollte nicht, dass sie sich Sorgen machten.
Schlimm genug, dass sie damals mitbekamen, als sie von Piraten entführt worden war. Das beschäftigte besonders ihre Mutter immer noch, auch wenn Sarah es nie vor Freya zugeben würde.
Insgeheim schüttelte Freya oft genug den Kopf. So viele Abenteuer, wie sie schon erlebt hatte. So viel Ungeheuerliches und Unwahrscheinliches.
Sie spürte, wie ein Schatten auf sie fiel, und sie blinzelte nach oben.
Rohdan, ihr Vater, grinste sie an.
„Na, Töchterchen, wo geht es denn dieses Mal hin?“
Rohdan hatte ein faltenreiches und wettergegerbtes Gesicht. Der Fischer verbrachte den Großteil seines Lebens an Bord des kleinen familieneigenen Kutters und sorgte so für den Lebensunterhalt von seiner Frau und sich. Das Wetter auf See hatte seine Spuren in seinem Gesicht hinterlassen, aber Freya konnte ihn sich anders gar nicht vorstellen.
Sein Stert war rot und seine Haare hatten ebenfalls diese Farbe, auch wenn sich einige Strähnen schon in Grau zeigten.
Freya zuckte mit einem Ohr und richtete sich etwas auf.
„Nach Makorto, soweit ich weiß. Wieder einer dieser Orte, von denen ich noch nicht gehört habe.“
Sie lachte und rückte sich die Brille etwas zurecht.
„Makorto ist eine sogenannte Villenstadt“, brummte Rohdan und runzelte die Stirn.
„Dort leben nur reiche Leute. Was wollt ihr denn da?“
Elah klopfte sich etwas Gras von der Hose und sprang auf.
„Na ja, einer dieser Leute will wohl umziehen. Er hat die Soleil Royal gemietet, um seine Möbel und alles Mögliche zu seinem neuen Zuhause zu bringen.“
„Das ganze Schiff fährt nur für diesen Pfeffersack?“
Rohdan hob erstaunt die Brauen. Byrt lachte leise. Pfeffersack nannte man abwertend reiche Leute, besser hätte Rohdan seine Meinung nicht ausdrücken können, ohne allzu unhöflich zu werden.
Elah nickte und reichte Byrt eine Hand, um ihm beim Aufstehen behilflich zu sein.
„Der Kapitän meinte, es würde sich lohnen. Er zahlt wohl das doppelte einer normalen Fracht und jeder der Mannschaft würde eine dicke Bonuszahlung bekommen.“
„Und die können wir doch auch gebrauchen, Papa!“, warf Freya ein.
„Das Dach hat es bitter nötig.“
Unwillkürlich schauten die vier Leute zum Dach des kleinen Hauses. Selbst Leviathan folgte dem Blick und schnatterte kurz, ehe er sich wieder dem Gras zuwandte.
„Das lass mal unsere Sorge sein, Töchterchen“, brummte der Parda etwas säuerlich.
Doch Freya schüttelte wild den Kopf.
„Ich wohne hier auch. Also beteilige ich mich an den Kosten!“
„Riecht ihr das auch?“
Elah schnüffelte auffällig in der Luft herum und lenkte die beiden so von ihrem Streitthema ab.
Der große Granitianer nickte anerkennend. Das Dach war im Moment das große Thema zwischen Vater und Tochter, und oft genug endete es damit, dass einer der beiden wütend den Raum verließ.
Elah hatte das Kunststück geschafft, dass zumindest dieses eine Mal der Streit vermieden wurde.
„Kaffee!“
Byrt ging zur Küche und zog Freya und Elah mit sich. Rohdan folgte der kleinen Gruppe auf dem Fuße. Lediglich Levi blieb im Garten, der Erpel schien noch nicht satt zu sein.
Kapitel 2
Später an diesem Tag gingen die Freunde auf Freyas Zimmer, um sich für den Dienst an Bord des Handelsschiffes umzuziehen.
Als sie mit geschulterten Seesäcken vor der Haustür standen, zupfte Sarah liebevoll an der Uniform ihrer Tochter herum.
„Ich bin unheimlich stolz auf dich, Freya, das weißt du, ja?“
„Ja, Mama“, nuschelte die verlegen wirkende Parda in der strahlend weißen Uniform.
Elah und Byrt hielten sich dezent im Hintergrund, um die Verabschiedung nicht zu stören.
Schließlich lösten sich die drei Freunde – vier, wenn man Leviathan mitzählte – und gingen den Weg entlang, den sie schon so oft gemeinsam gegangen waren.
Freya ging in der Mitte und wurde von Byrt und Elah zu beiden Seiten flankiert. Die weiße Uniform der jungen Parda schien von innen heraus zu strahlen. Möglicherweise war das aber auch nur der Stolz der Trägerin. Auf dem Weg zum Hafen von Aritholka redeten die Freunde über die anstehende Fahrt.
„Ich verstehe das immer noch nicht, wie sich ein einzelner Mensch ein Schiff mit 750 Mann Besatzung leisten kann“, brummte Byrt.
„Na ja, vielleicht hat der fleißiger gearbeitet als du, Dicker“, kommentierte Elah spitz.
„Da hätte ich als Segelmacher aber viel zu tun, bis ich derart viel Geld angesammelt hätte“, lachte Byrt.
„Manche Leute erben ja auch“, bemerkte Freya.
„Aber habt ihr das viel Interessantere auch schon gehört?“
Freya sah, dass ihre beiden Freunde unisono den Kopf schüttelten.
„Er und seine Frau fahren sogar mit!“
Elah war so perplex, dass sie stehen blieb.
„Das ist doch ein schlechter Witz? Wir sind doch kein Passagierdampfer!“
Sie beeilte sich, die beiden Freunde wieder einzuholen, die weiter gegangen waren.
„Aber echt“, stimmte Byrt der Parda zu.
Freya zuckte mit den Schultern.
„Was soll ich sagen? Die Soleil Royal ist dafür ausgelegt, das wisst ihr.“
In der Tat hatte das große Handelsschiff ein paar wenige, dafür aber gut ausgestattete Passagierkabinen.
Freya hatte allerdings noch nicht erlebt, dass sie genutzt worden waren. An der Reaktion von Elah und Byrt erkannte sie, dass es wohl auch sehr ungewöhnlich war.
Elah nickte widerwillig.
„Ja, schon. Aber Pfeffersäcke an Bord bedeuten immer Ärger“, meinte sie mit düsterem Unterton. Freya zuckte mit einem Ohr und horchte auf.
„Wie meinst du das? Hattet ihr schon Passagiere?“
„Ganz selten“, murrte Byrt.
„Meistens extrem wohlhabende Leute. Und die meinen dann, dass ihnen das Schiff gehört. Dementsprechend verhalten sie sich jedenfalls. Kardona selbst war auch kein Freund davon, daher wundert uns, dass er nochmal Passagiere befördert.“
„Vielleicht kennt er sie ja persönlich“, mutmaßte Elah und blies sich eine widerspenstige Strähne aus der Stirn.
„Möglich ist all… hey!“
Leviathan war des Laufens anscheinend müde geworden, flatterte kurz auf und landete auf der Schulter des Granitianers, der von diesem Manöver überrascht wurde.
„Möglich ist alles“, führte Byrt seinen Satz dann weiter.
„Ich hoffe nur, die Pfeffersäcke benehmen sich!“
„Ach, wenn nicht, dann wenden wir uns an den Offizier unseres Vertrauens“, neckte Elah Freya. Freya streckte ihr daraufhin etwas undamenhaft die Zunge heraus.
„Ja, sicher. Gerade Offizier und schon fleißig dabei, es wieder zu ändern, was? Das vergiss mal lieber“, lachte die Parda mit dem