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"Du warst mein Ziel. Ein Auftrag. Eine einfache Lösung. Doch jetzt brauche ich dich nicht nur für meinen Plan - jetzt bin ich besessen von dir. Jetzt muss ich dich besitzen. Ab jetzt und bis in alle Ewigkeit sollst du mir gehören, Baby. Und dafür werde ich alles tun. Ich werde über Leichen gehen. Ich werde meine eigene Seele verkaufen. Ich werde dich brechen. Und dann werde ich dir zeigen, was es bedeutet, Mrs. Salazar zu sein." Donatello Salazar, Anführer des Salazar-Syndikats in Texas, muss die Grenzen für seine Geschäfte weiter ausweiten. Dafür bräuchte er den FBI-Direktor Lance Harris und Abigail Harris, Richterin am Obersten Gerichtshof, auf seiner Seite. Doch dies stellt sich als unmögliches Unterfangen heraus - wäre da nicht deren Tochter Zara Harris. Sie ist ein Auftrag, ein weiteres Opfer, um seinem Ziel näher zu kommen. Aber bei seinem ersten Blick auf sie, löst sein Plan sich nahezu in Luft auf, denn eine Obsession explodiert in ihm und ergreift Besitz von seinen Gedanken. Sie muss ihm gehören. Er muss sie besitzen. Und wenn er sie dafür brechen muss. Also entwickelt er einen Plan, der einem Himmelfahrtskommando gleicht, damit er in dem Gefängnis inhaftiert wird, in dem sie als Ärztin arbeitet. Sein Plan führt zur Inhaftierung im Todestrakt, weshalb seine Zeit begrenzt ist.
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Seitenzahl: 348
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Epilog
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Ankündigung:
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Impressum:
Ich habe dich gesehen.
Ich habe dich beobachtet.
Ich habe dich auf Schritt und Tritt verfolgt.
Ich habe gesehen, wie du lebst.
Ich habe deine Sehnsüchte gesehen.
Ich habe deine Wünsche gespürt.
Ich habe gesehen, dass in dir so viel mehr steckt, als das engelsgleiche Gesicht, welches du der Außenwelt präsentierst.
Und deshalb komme ich zu dir.
Ich komme, um dich zu holen.
Ich komme, um dich zu besitzen.
Ich komme, um mit dir die Welt zu erobern.
Meine Königin. My Queen. Mi Reina.
Da stehst du – im Schlafzimmer dieses weißen und
langweiligen Einfamilienhauses, welches dein Vater dir gekauft hat. In diesem Haus, welches an jeder Ecke von Kameras überwacht wird und die Tür nur mittels Fingerabdruck und Zahlencode zu öffnen ist. Denn dein Vater ist der FBI-Direktor von Texas, Lance Harris und versucht auf dich aufzupassen. Versteh mich nicht falsch, Baby. In dieser Hinsicht ist er ein guter Mann. Er versucht sein goldenes Juwel vor den Monstern, die dort draußen lauern, zu schützen.
Doch natürlich habe ich bereits die Elektronik der
Überwachung angezapft und empfange jedes einzelne Bild auf meinem Handy. Ich habe Generalbilder eingespielt, die deinem Vater zeigen, dass in dieser Gegend weiterhin alles idyllisch und vorstadtfamilien-mäßig abläuft. Denn ab jetzt werde ich derjenige sein, der dich beschützt. Lance hat also versagt.
Du weißt es noch nicht, aber du wirst meine
Königin sein, mi Reina. Schon bald werde ich dir ganz nah sein. Schon bald wirst du deine Moral hinterfragen und ob dein hübsches Köpfchen noch in der Lage ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber keine Sorge – ich werde dir helfen, auf unseren dunklen Pfad der Begierde zu finden. Nicht auf den der Tugend.
Du bist unschlüssig, ob du für dein Rendezvous mit
diesem Deputy namens Marc O‘Nelly ein weißes Kleid tragen sollst oder doch lieber das Dunkelrote. Du tendierst zum Weißen, denn das Dunkelrote könnte falsche Signale senden. Und Baby, mal ganz ehrlich. In diesem dunkelroten Stück Stoff werde nur ich ganz allein deinen runden Hintern bewundern dürfen. Jedem anderen werde ich höchstpersönlich Augapfel für Augapfel aus seiner Augenhöhle schälen und seine Gedanken manipulieren, damit er nie wieder an dich denkt und seine schweinischen Fantasien still und heimlich auslebt.
Ich weiß, du würdest dieses Date am liebsten
canceln. Du willst diesen O’Nelly nicht. Und doch versuchst du es mit ihm, nur um deinen Vater glücklich zu machen.
Du würdest dich lieber in dein großes Bett kuscheln,
den nächsten Sex and the City Marathon starten, um anschließend aus deiner Schublade deinen schwarzen, vibrierenden Freund zu holen, wie du es so oft machst. Ich habe diese Schublade höchstpersönlich inspiziert. Du versautes Ding! Bei deiner engelsgleichen Aura würde niemand vermuten, wovon du heimlich träumst, während deine Augen sich verdrehen und du dich selbst zum Höhepunkt treibst. Ganz bald wirst du all das nicht mehr brauchen. Einzig und allein ich werde jeden deiner schmutzigen Gedanken wahr werden lassen. Einzig und allein ich werde dich schmecken, spüren und hören – hören, wie du meinen Namen schreist und mehr verlangst. Und Baby, du wirst so viel mehr bekommen, als du dir vorstellen kannst.
Du hast dich für das weiße Kleid entschieden. Du
bist ein braves Mädchen. Allein deshalb spannt mein Schwanz in der schwarzen Jeans. Das Kleid hat lange Ärmel und reicht bis zu den Knien. Es umspielt weich deinen femininen Körper und wird jedem Mann dort draußen den Verstand rauben. Es hat einen Reißverschluss, der vom Ausschnitt bis zum Saum verläuft. Und obwohl O’Nelly nicht der Mann deiner Träume ist, öffnest du ein Stück den Reißverschluss, damit man die weiße Spitze deiner Unterwäsche sieht und die zarte Wölbung deiner Brüste, die dadurch mehr in Szene gesetzt wird. Du machst es mir wirklich schwer, ruhig zu bleiben.
Deine blonden Haare fallen in wilden Wellen über
deine Schultern. Wenn du sie so trägst, mag ich es am liebsten. Denn sie zeigen, was in dich in deinem Inneren in Wirklichkeit bewegt.
Dein Augenmakeup ist dunkel und verrucht. Der
Deputy wird glauben, dass du mit ihm in die Kiste springen willst. Aber dazu wird es nicht kommen. So oder so nicht. Glaub mir, Baby. Ich habe viel Geduld, aber irgendwann ist sie aufgebraucht.
Du ziehst dir schwarze High Heels über. Eine
passende Tasche sowie ein schwarzer Trenchcoat vollenden dein Outfit. Du wirfst einen Blick auf die Uhr am Fernseher und zupfst noch einmal deine Haare zurecht. Pünktlich auf die Minute fährt ein anthrazitfarbener Porsche Cayenne vor. Am Steuer dieser Schwanzverlängerung sitzt O’Nelly. Mit einem prüfendem Blick im Rückspiegel checkt er seinen engsitzenden Schlips sowie sein kurzes blondes, lockiges Haar, von welchem er meint, es würde ihm ein frisches und jugendliches Aussehen verleihen. Er ist ein Junge und damit kein gestandener Mann, den du an deiner Seite brauchst, auch wenn er ganz passabel mit einer Waffe umgehen kann. Und kleiner Funfact: er könnte als dein Bruder durchgehen. Welcher Mensch da draußen würde die Kombination zwischen euch attraktiv finden? Sicherlich niemand.
Du trittst aus dem Haus und verriegelst mit deinem
Daumenabdruck auf dem Sensor die Tür. Der Deputy beobachtet jeden deiner Schritte und lässt gierig seinen Blick über deine langen, nackten Beine wandern. Er stellt sich mit großer Sicherheit vor, wie sie sich heute Abend um seine Hüfte schlingen, während er vergebens versucht, es dir zu besorgen.
Doch Spoileralarm: Er wird sich schon ganz bald
nicht mehr bei dir melden. Ach, und weiterer Spoileralarm: diese seidig glänzenden Schenkel werden bald weit gespreizt vor mir liegen, während ich mich in deinem Garten Eden austobe.
Niemand kommt mir in die Quere, schlägt mir
Etwas aus oder nimmt mir Etwas weg. All diejenigen, die es getan haben, liegen unter der Erde. Denn ich bin Donatello Salazar, Boss des größten Syndikats in Texas und damit der meistgefürchtetste Mann in unserem Staat. Und bald noch darüber hinaus.
Der kühle Wind umspielte die nackte Haut meiner
Beine, während ich die drei Stufen an meinem Eingang hinunterstieg. Mir entging nicht, wie Marc mich bereits mit lustgeweiteten Augen durch die Scheibe der Beifahrertür betrachtete. Bisher hatte er mich hin und wieder auf der Arbeit besucht, wenn neue Gefangene gebracht wurden oder für eine Verlegung abgeholt werden mussten. Die Unterhaltungen mit ihm waren immer leichtfüßig gewesen, allerdings nicht sonderlich spannend oder anziehend, weshalb ich ihn eigentlich nur als eine nette Bekanntschaft betrachtete. Doch natürlich war Marc jemand, der einen guten Draht zu meinem Vater hegte und der ihm offenbart zu haben schien, großes Interesse an meiner Person zu besitzen.
Mein Vater hatte anschließend bei unserem
sonntäglichen Familiendinner in höchsten Tönen von ihm gesprochen. Weder er noch Marc ließen mich seitdem in Ruhe und tänzelten immer um mich herum. Also hatte ich diesem Treffen letztlich zugestimmt. Er war nicht gerade der Mann, den ich mir für eine Beziehung oder darüber hinaus vorstellte, doch lange war es her, dass ich mich körperlich auf einen Mann eingelassen hatte. Immerhin hatte Marc ein recht ansehnliches Gesicht und eine sportliche Statur, die beim FBI verlangt wurde. Für einen Quickie heute Nacht würde das durchaus ausreichen.
Vor ein paar Monaten hatte ich einen Rechtsanwalt
gedatet. Dieser hatte sich allerdings viel zu schnell eine Hochzeit, Kinder und ein Reiheneigenheim mit mir vorgestellt, sodass ich die Flucht ergriffen hatte. Es schien mir, als sollte ich besser aus der Norm ausbrechen und niemandem mehr daten, der beruflich in irgendeiner Form Bezug zum Rechtssystem hatte.
Und doch setzte ich mich nun auf den Beifahrersitz
in Marcs Wagen.
„Guten Abend, Zara. Du siehst bezaubernd aus.“ Er zog meine Hand zu sich heran und hauchte einen Kuss auf den Rücken.
„Vielen Dank. Wo geht es heute Abend hin?“ Aus irgendeinem Grund war mir diese Unterhaltung jetzt schon zu langweilig. Vielleicht sollte ich das Ganze verkürzen und ihn einfach zu mir herein bitten, ihn in mein Bett zerren, mir nehmen, was ich so dringend brauchte und ihn anschließend wieder vor die Tür setzen.
Doch der Motor startete und Marc lenkte den Wagen
bereits vom Bordsteinrand weg.
„Sagen wir, ein guter Freund hat mir geholfen, einen Tisch in dem berühmtesten Restaurant der Stadt zu ergattern.“
„Du redest doch nicht etwa vom Rose Garden, oder?“
„Doch, genau davon rede ich. Ich dachte mir, neben den täglich tristgrauen Gefängniswänden könnte dir etwas Glamour und Luxus nicht schaden.“
Ich musste zugeben, dass er die Messlatte für die
heutige Erwartung des Abends ziemlich hochsetzte. Meine Freundin Lydia redete ständig von diesem Restaurant. Jedes Wochenende hoffte sie darauf, dass ihr Verlobter Hugh sie dorthin ausführte. Sie würde vor Neid platzen, wenn sie wüsste, wohin wir unterwegs waren.
„Meinst du nicht, dass deine Begründung etwas
übergriffig ist?“ Denn so war ich nun einmal. Ich wollte einen Mann, der mich verwöhnte und der mir zeigte, wo es lang ging. Und doch konnte ich zuweilen nicht aus meiner Haut, wenn es darum ging, die starke Frau zu sein. Die starke Frau, die in ihrem Leben alles allein auf die Reihe bekam.
„Tut mir Leid, Zara. Ich wollte dir lediglich etwas Gutes tun und dafür sorgen, dass wir beide einen netten Abend zusammen haben.“
Marcs linkes Handgelenk lehnte auf dem Lenkrad,
mit dem er den Automatikwagen lässig durch die Straßen lenkte, während er mit seiner rechten Hand kurz meine Hand in meinem Schoß drückte. Offenbar um seine Entschuldigung zu untermauern.
„Nein, schon in Ordnung. Mir tut es leid. Ich hatte
heute einfach einen anstrengenden Tag.“ Das war oftmals meine Ausrede, wenn ich etwas zu überhitzt auf Dinge reagierte. Es war schon erstaunlich, wenn man bedachte, dass ich jeden Tag von den kriminellsten Männern umgeben war, die ich sowohl medizinisch als auch psychologisch betreute. Hier musste ich der ruhige, ausgeglichene Part sein und diesen Schwerverbrechern helfen, wieder auf den Pfad der Tugend zurückzufinden.
Doch jeder brauchte ein Ventil, auch wenn ich als
Psychologin nur zu gut wusste, dass das der falsche Weg war.
„Oh, ich nehme an, dass dieser Pietrovski es dir schwer gemacht hat, oder?“
„Schwer gemacht ist gar kein Ausdruck. Zwei
Stunden habe ich versucht, irgendwas aus ihm heraus-
zubekommen, doch er hat nicht ein Wort gesprochen.
Und weißt du, was das Schlimmste an der Sache ist? Er wird auch nie wieder ein Wort sprechen.“
Irritiert wanderte Marcs Blick einen Augenblick zu mir, als wir gerade die große, mit weißen Kieselsteinen ausgelegte Auffahrt des Restaurants hochfuhren.
„Wie meinst du das?“
„Pietrovski hat sich die Zunge abgebissen. Eine wirklich blutige Sauerei. Es ist bemerkenswert, dass er den Schmerzimpuls seines Gehirns offenbar derart kontrollieren konnte, um diese Hemmschwelle zu übertreten.“
Ein würgendes Geräusch drang aus Marcs Kehle.
Oh je, scheinbar war er nicht der hartgesottene Deputy, der er vorgab zu sein. Ich konnte schon nachvollziehen, dass die Vorstellung von dem, was dieser Pietrovski getan hatte, nicht gerade appetitlich war – und trotzdem war ich fasziniert. Fasziniert, was diese Männer für ihre Bosse taten, obwohl sie sich selbst damit nur weiter ins Verderben katapultierten.
„Wow, das ist nicht gerade ein Thema, was man kurz
vor einem Dinner besprechen sollte. Nichts destotrotz muss ich dazu sagen:
Der Mann wurde mit 100 Kilogramm Kokain an der Grenze erwischt, welches er offenbar nach New Mexico schmuggeln sollte. Uns ist klar, wer dahinter steckt, aber die schwerwiegenden Beweise fehlen uns einfach, um handeln zu können.“
„Du sprichst vom Salazar-Syndikat, oder? Wenn ich
dir eins sagen kann, dann ist es, dass diese Männer die Loyalsten sind, die je jemand gesehen hat. Ich konnte so viele psychologische Skills bei ihnen anwenden, wie nur möglich. Von denen redet niemand. Lieber nehmen sie eine fünfzehnjährige Haftstrafe, oder sogar noch länger, in Kauf, als ihren Boss zu verraten.“
Meine Beifahrertür wurde von einem älteren Herrn
im schwarzen Smoking geöffnet und mir die Hand gereicht. Dankend nahm ich sie entgegen und ließ mich aus dem hohen Wagen gleiten. Marc überreichte ihm den Schlüssel des Autos und steckte ihm zehn Dollar in die Brusttasche des Anzugs.
„Und bitte gehen Sie sorgfältig mit dem Wagen um.
Ich möchte später keine Kratzer im Lack entdecken.“
Innerlich verdrehte ich die Augen über seine Wichtig-tuerei.
Mit seiner Hand an meinem unteren Rücken führte er mich schließlich in das Rose Garden, welches im Innern in eine romantische Atmosphäre von Kerzenschein getaucht war. Für mich fast schon einen Ticken zu viel Romantik. Die Dame am Empfang führte uns zu unserem Tisch, welcher direkt am Fenster stand und von dem man einen fantastischen Blick auf den Rosengarten hatte, der hinter dem Restaurant lag.
„Ich muss schon sagen – du scheinst einen wirklich
guten Freund zu haben.“, bestaunte ich die Aussicht hinter dem Fenster, die sich in der Dunkelheit erstreckte. Marc rückte mir den Stuhl zurecht, bevor er mir gegenüber Platz nahm.
„Wir können später einen kleinen Spaziergang durch
den Rosengarten machen, wenn du magst. Am Ende des Gartens steht ein kleiner Pavillon mit einer Vinothek, in der wir es uns noch gemütlich machen können.“
Ich nickte Marc bloß zu, denn eigentlich sollte das
hier nicht in ein Traumdate ausarten, welches sich eine Disneyprinzessin wünschen würde. Ich wollte das gute Essen genießen und anschließend seinen Schwanz, bevor ich mir eine dicke Mütze Schlaf gönnen und das Wochenende einläuten würde.
Eine ähnlich stilvoll gekleidete Kellnerin, wie die
Empfangsdame, überreichte uns die Speisekarten und Marc und ich suchten uns etwas von den Köstlichkeiten aus.
Während wir mit unserem Weißwein anstießen, von
leiser Klaviermusik umgeben wurden und auf das Essen warteten, unterhielten wir uns weiter über die Arbeit. Auch, wenn ich immer wieder versuchte, das Thema davon wegzulenken, schien Marc für seinen Job zu brennen und kein anderes großes Interesse in seinem Leben zu haben, als das FBI. Gedanklich notierte ich das in der Negativspalte meiner Liste, die immer länger wurde und definitiv mein Vorhaben untermauerte, ihn nach einer Nacht wieder abzuservieren.
Als dieses langwierige Essen endlich zu Ende war
und Marc für uns bezahlt hatte, lotste ich ihn wieder aus dem Haupteingang heraus.
„Ich dachte, du hättest Interesse daran, noch den
Rosengarten zu besichtigen.“, sagte er leicht irritiert, als ich mich an seine Brust schmiegte.
„Ich habe viel mehr Interesse daran, dich bei mir zu Hause noch auf einen Drink einzuladen, wenn du verstehst.“
Er spannte seine Brust unter meiner Berührung an und das Schwarz seiner Iriden begann, mehr Platz in seinen Augen einzunehmen.
„Lassen Sie bitte meinen Wagen holen“, rief er dem
Pagen zu.
„Der Wagen ist bereits unterwegs, Sir.“
Wir beide waren etwas verdutzt über die Aufmerksamkeit der Restaurantangestellten und doch spiegelten sie den perfekten Service dieses Etablissements wieder. Gerade, als der Wagen unten an der Einfahrt auftauchte, kam die Empfangsdame von hinten angerannt.
„Ms. Harris? Wir haben ein wichtiges Telefonat für
Sie. Würden Sie mich bitte hineinbegleiten? Es klingt sehr dringend.“
Baby, es tut mir leid, dass du dir eine andere
Mitfahrgelegenheit für diese Nacht suchen musst, aber ich habe keine andere Wahl – denn ich bin kurz davor durchzudrehen. Mein Innerstes kocht auf einem Level, welches selbst mancher Feind nicht erreichen kann. Nicht nur, dass dieser O’Nelly sich die ganze Zeit an deinem Aussehen ergötzt. Nein – du hast ihm mit deinen Blicken eindeutige Signale gesendet.
Wolltest du wirklich diese Witzfigur von Mann
heute Nacht zwischen deine Schenkel lassen?
Oh, Baby. Ich hätte dir so viel mehr Klasse zugetraut. Mein Plan war ein anderer gewesen, doch wegen dir musste ich umjustieren. Wegen dir musste ich etwas von meinem Geld springen lassen, um die Restaurantmitarbeiter steuern zu können und zum Schweigen zu bringen.
Keine Sorge, Baby. Das Geld ist nicht das Problem.
Wird es nie sein. Aber dein Verhalten ist ein Problem. Und jetzt wird es zu Seinem.
Ich fuhr in dem protzigen Wagen vor dem Restauranteingang vor. O’Nelly blickte verständnislos zu seinem Wagen, als auf der Fahrerseite niemand ausstieg, um ihm den Schlüssel zu übergeben. Stattdessen ließ ich das Beifahrerfenster herunter und lehnte mich herüber.
„Deputy, wie geht es Ihnen an diesem zauberhaften
Abend?“ Mit einem schiefen Grinsen betrachtete ich ihn, während ihm alle Gesichtszüge entglitten.
„Salazar, was zur Hölle machen Sie in meinem Wagen? Sie sollten da besser aussteigen!“, zischte er.
Verzweifelt fasste er an seinen Hosenbund, doch er war heute Nacht nicht im Dienst und damit wehrlos.
„Wie wäre es, wenn Sie einsteigen und wir eine
kleine Spritztour machen? Ich bin sicher, Zara kommt unbeschadet allein nach Hause.“
Nun blitzte es in seinen Augen noch mehr als zuvor. Noch einmal sah er über die Schulter zum Restaurant und schien zu überlegen. Letztlich entschied er sich für das einzig Richtige und stieg zu mir in seinen Wagen.
Direkt gab ich Gas und verließ die Auffahrt des Rose
Garden, bevor Zara zurückkehrte. Noch war nicht die Zeit gekommen, dass wir Zwei uns trafen.
„Was wollen Sie von mir? Spucken Sie es aus, bevor ich Ihnen das Hirn wegpuste!“, brauste O’Nelly auf. Ein tiefes Lachen drang aus meiner Kehle.
„Ist das so? Mit welcher Waffe wollen Sie es machen?
Mit der Beretta aus dem Handschuhfach oder der aus der Mittelkonsole? Ach, nein. Warten Sie. Vielleicht mit der antiken Colt M1911, die unter dem Fahrersitz angeklebt war?“ Immer mehr Farbe wich dieser Lachnummer aus dem Gesicht.
„Sie sind genauso skrupellos, wie es überall
berichtet wird. Also spannen Sie mich nicht auf die Folter. Was wollen Sie von mir? Wenn Sie glauben, dass ich Ihnen bei irgendwelchen ominösen Geschäfte helfe, damit Sie die Rückendeckung durch das FBI haben, haben Sie sich geschnitten.“ Dafür, dass er keine Möglichkeit zur Gegenwehr hatte, war er immer noch mutig. Zu mutig. Und vor allem: zu vorlaut.
„Also erst einmal, O’Nelly. Das hat nichts mit
Skrupellosigkeit zu tun. Ich bin nur gerne vorbereitet und laufe nicht lachend in eine Kreissäge, indem ich Ihnen alle Geschosse hier im Auto überlasse. Und das Zweite ist: Jemanden wie Sie würde ich niemals für meine Dienste beauftragen. Es geht hier einzig und allein um eine Frau. Meine Frau um genau zu sein, der Sie heute Nacht an die Wäsche wollten.“
„Spinnen Sie jetzt komplett? Zara? Sie würde sich niemals mit so einem Abschaum wie Ihnen abgeben.“
Ich legte eine Vollbremsung hin und der Deputy
knallte mit seiner Stirn gegen das Armaturenbrett. An seinem Kragen zog ich ihn nah vor mein Gesicht.
„Vorsichtig! Ich bin heute Nacht nicht zum Spaßen aufgelegt.“ Ich drückte ihn zurück in seinen Sitz, bevor ich eine Waffe, die ich im Türfach abgelegt hatte, herauszog und ihm den Lauf gegen die Schläfe schlug. Augenblicklich sackte er bewusstlos zusammen.
Ich fuhr weiter und steuerte das Waldgebiet in der
Nähe an. Zur Sicherheit hatte ich bereits die Kindersicherung an der Beifahrertür aktiviert, damit dieser Bastard nicht einfach bei der nächstbesten Gelegenheit hinausspringen konnte. Er würde heute Nacht sterben – das schien ihm nicht klar zu sein.
Die alten schwarzen Metalltore kamen in Sicht. Das
Licht an den Wachposten wurde eingeschaltet, als ich näher kam und Waffenläufe wurden auf mich gerichtet. „Ich bin’s. Mach das scheiß Tor auf!“, schrie ich durch das heruntergelassene Fahrerfenster und meine Männer gehorchten. Ich parkte quer vor dem Eingang der dunklen Burg und Johnny, meine rechte Hand, kam im Laufschritt die großen Steintreppen heruntergelaufen.
„Wo warst du, Boss und was ist das für ein Wagen?“
Aufgebracht umrundete er das Auto und blickte schließlich unsicher zwischen mir und dem Deputy hin und her, als er ihn erblickte.
„Hier stell immer noch ich die Fragen, klar?“
„Schon klar, man. Aber seit wann bringst du neuerdings diese Aktionen ohne Geleitschutz? Feinde lauern immer zu jederzeit überall. Vergiss das nicht!“
Mir war klar, dass er Recht hatte, doch du Baby, du
hast mich dazu gebracht, irrational zu handeln. Es ist, als würdest du mich ganz genau sehen und mich provozieren, damit ich endlich komme und dich hole. Aber Baby, du wirst noch früh genug mir gehören.
„Bringt ihn runter in die Kanalisation und fesselt ihn
an einen Stuhl!“ Damit ließ ich Johnny stehen und nahm zwei Stufen auf einmal. Ich schritt durch das düstere Foyer der Burg, in dem das Feuer der Wandfackeln unheilvoll flackerte. Ich durchquerte mit forschen Schritten den Gemeinschaftsraum, wo die Männer auseinander schreckten, als sie meine Stimmung spürten, anschließend durch den nächsten Flur in mein Büro. Ich warf das dunkle Jackett unachtsam auf den Schreibtisch und krempelte die Ärmel meines schwarzen Hemdes nach oben. Aus der obersten Schublade des Schreibtisches nahm ich den kleinen Schlüssel und öffnete den Metallschrank links an der Wand. Meinen Spielschrank. Ich entschied mich für eine Kneifzange und ein wendiges Messer, schloss wieder ab und drückte den Knopf unter der Tischplatte, damit das Bücherregal zur Seite fuhr und die Wendeltreppe, die in den Keller führte, erschien.
Schreie halten bereits durch die alten Mauern, denn
offensichtlich war unser Deputy wieder wach. Ich bekam bereits jetzt schon vor Freude eine Gänsehaut, gleich sein Gesicht erblicken zu können, wenn er endlich ahnte, dass er hier nicht mehr lebendig rauskam. Der dunkle unterirdische Gang roch bereits nach Tod und Verderben. Von irgendwo tropfte Wasser von der Decke und untermalte die Düsternis hier unten.
Durch die dicke, quietschende Holztür trat ich in den
Gewölbekeller ein. Man hatte ungefähr eine Fläche von drei mal drei Metern zur Verfügung und direkt daneben führte ein Bach der Kanalisation in ein dunkles großes Loch. Der Deputy saß auf einem Stuhl gefesselt, wie ich es Johnny befohlen hatte. Sein Oberkörper war mit einem Seil eng um die Rückenlehne gebunden und die Füße jeweils rechts und links an ein Stuhlbein.
„Oh, endlich lieferst du uns was, damit ich diese
Bude hier hochgehen lassen kann! Das FBI wird sich freuen, das Syndikat endlich auslöschen zu können.“
Merkwürdigerweise verhielt O’Nelly sich weiterhin so, als wenn er die Oberhand hätte. Wie konnte ein gefesselter Mann den Ernst der Lage nicht erkennen? Oh, Baby, ich vergaß. Er war ja bloß ein Junge. Ein dummer, dummer Junge.
Gelangweilt schwang ich das Messer in meiner Hand
und bewunderte die Klinge, die in dem sterilen Kellerlicht funkelte. „Hmm, und wie viele von deinen tollen FBI Komplizen wissen, dass du hier bist? Ach ja, richtig. Niemand.“ Mit breit aufgestellten Beinen blieb ich vor ihm stehen und sah verachtend auf ihn hinab. Nun schien die Erkenntnis langsam in seinem Hirn einzusickern.
„Okay, Salazar. Wir können das sicherlich auch anders regeln.“
„Oh ja, das können wir.“ Ohne zu zögern nahm ich seine rechte Hand, legte die Kneifzange an seinen Zeigefinger und drückte zu. Seine Schreie hallten erneut durch das alte Gemäuer und der Finger fiel zu Boden. Das Blut lief in Stößen hinaus und O’Nelly erbrach direkt in seinen Schoß.
„Du hättest deine Finger an jede andere Frau hier in
Texas legen können, aber nicht an sie.“, knurrte ich. Damit erntete ich einen trockenen Seitenblick von Johnny. Die Kneifzange landete erneut an seiner Hand und sein Mittelfinger gesellte sich blau angelaufen zu dem Zeigefinger auf den Boden. O’Nelly sackte ohnmächtig auf dem Stuhl zusammen.
„Boss..“, wollte Johnny etwas sagen, doch ein Blick
genügte, um ihn zum Schweigen zu bringen. Ich verpasste dem Deputy eine schallende Ohrfeige, sodass es fast den Stuhl umfegte und er kam wieder zu sich.
„Weißt du, O’Nelly. Ich bin da etwas anders, als
andere Männer. Was mir gehört, gehört mir. Nur mir. Und das werde ich mit niemandem teilen.“ Da ich sein Gewinsel und seine Visage nicht länger ertragen konnte, schwang ich nun das Messer und zog es mit einer gezielten Bewegung durch seine Kehle. Ich stieß den Stuhl samt des röchelnden Häufchen Elends in den Bach der Kanalisation und sah zu, wie er in der Dunkelheit verschwand.
„Frauen lassen einen den Kopf verlieren. Ich weiß,
dass du die Kleine brauchst, Don. Aber pass ein bisschen besser auf dich auf.“
Johnnys schwere Hand klopfte auf meine Schulter, bevor er mich allein ließ. Immer noch wütend und den Körper zum Zerbersten angespannt, starrte ich in die Kanalisation.
Das war erst der Anfang, Baby. Für dich würde ich
einen eigenen Friedhof für diese Möchtegernliebhaber eröffnen, um sie allesamt loszuwerden. Du machst mich zu einem Mörder – nicht, dass ich das nicht schon einmal getan hätte. Aber Baby für dich würde ich diese gesamte fucking Welt niederbrennen.
„Ist das zu glauben, dass er mich einfach hat vor dem
Restaurant stehen lassen?“ Ich war fassungslos. Als ich das merkwürdige Telefonat in dem Restaurant angenommen hatte, war nicht mehr als ein Knacken in der Leitung zu hören, bis die Verbindung abbrach. Die Empfangsdame konnte mir keine Auskunft dazu geben, wer am anderen Ende dran gewesen war, außer einer Männerstimme. Völlig zerstreut ging ich zurück nach draußen und musste feststellen, dass Marc und sein Auto verschwunden waren.
„Süße, vielleicht gibt es eine harmlose Erklärung
dafür. Vielleicht ging es ihm doch zu schnell, direkt mit dir in die Kiste zu springen“, mutmaßte Lydia, die am Steuer ihres weißen Cabriolets saß und mich dankenswerterweise abgeholt hatte.
„Harmlose Erklärung hin oder her. Man lässt eine Frau doch nicht mitten in der Nacht vor einem Restaurant stehen. Er hätte mir wenigstens ein Taxi rufen können, wenn er schon meint, sich aus dem Staub machen zu müssen. Er arbeitet schließlich beim FBI! Sein Verhaltenskodex müsste ihm mehr klarmachen, als wem anders, dass es für Frauen nachts allein gefährlich werden kann!“, steigerte ich mich immer weiter rein.
„Sorry, wenn ich dazwischen grätsche, aber wenn
ich eines weiß, dann dass du definitiv nachts keine Angst hast. Du bist jeden Tag von den allerschlimmsten Männern dieser Erde umgeben. Nachts allein vor einem gutbesuchten Restaurant zu stehen, versetzt dich bestimmt nicht in Angst und Schrecken.“, scherzte Lydia.
„Darum geht es nicht – es geht um’s Prinzip. Er macht einen auf Gentleman, holt mich ab, bezahlt den Abend und lässt mich dann stehen. Pah!“
„Okay, was ist wirklich das Problem? Einfach abserviert zu werden ist nie schön. Das verstehe ich. Aber in dir brodelt doch noch etwas anderes.“
„Gott, ich wollte endlich mal wieder flachgelegt werden. Ein einfacher, guter Fick, der mich an nichts bindet. Ein Orgasmus und dann auf Wiedersehen!“, platzte es nun aus mir heraus.
Lydia hielt vor meinem Haus und drehte sich zu mir.
Ein schelmisches Grinsen lag auf ihrem Gesicht. „Süße, für einen guten Fick brauchst du kein Date mit einem Deputy. Du wolltest doch sowie so von dieser Art Männern Abstand nehmen, oder?“
„Wohl wahr, aber eine dieser Apps kommt nicht infrage. Eine Frau ist auch nur für einen Fick nicht sicher. Das sehe ich bei unseren Insassen. Da sind genug bei, die genauso eine Masche genutzt haben, um einer Frau schließlich die Kehle aufzuschlitzen und sie danach im Fluss zu entsorgen. Also was für eine Wahl habe ich schon?“
„Naja, ich habe Hugh im Supermarkt an der Kasse kennengelernt. Man muss nur die Augen aufhalten.“ In Lydias Augen bildeten sich förmlich kleine Herzen.
„Und das ist auch gut so. Nicht jeder kann so ein
Glück haben, Lyd.“ Ich drückte sie noch einmal an mich, bevor ich mich von ihr verabschiedete und ausstieg. Sie wartete am Bordsteinrand, bis ich das kleine Törchen des Vorgartens geschlossen und die drei Stufen zum Eingang erklommen hatte. Ironisch ragte das weiße Haus vor mir in die Höhe. Es war hübsch, daran gab es keinen Zweifel. Aber es war nicht das, was ich mir selbst ausgesucht hätte, wenn ich gekonnt hätte. Mit einem Vater als FBI-Direktor und einer Mutter als Richterin am Obersten Gerichtshof konnte man sich selbst allerdings nichts vormachen. Und ihnen schon gar nicht.
Nachdem ich den Zahlencode eingetippt und
meinen Daumen auf den Sensor gelegt hatte, empfing mich die bedrückende Stille. Das automatische Türschloss surrte hinter mir und verschloss die Tür. Erledigt bog ich direkt in mein Schlafzimmer ab und ließ mich auf das Bett fallen. Die Härchen in meinem Nacken stellten sich auf und ich hatte das merkwürdige Gefühl, beobachtet zu werden. Ich sprang vom Bett auf und ging zu meinen Fenstern, doch in unserer Straße war alles ruhig. Ich ließ die Rollladen herunter, um die Außenwelt auszusperren.
Auch, wenn ich den Nervenkitzel liebte und ich
wirklich einiges durch meinen Job gewöhnt war, musste ich zugeben, dass mir dieses merkwürdige Telefonat keine Ruhe ließ. Niemand wusste davon, dass ich mich heute mit Marc O’Nelly getroffen hatte und schon gar nicht, dass wir im Rose Garden dinieren würden, denn bis zu seiner Ankunft vor meiner Haustür hatte ich es selbst nicht gewusst. Und woher hatte die Empfangsdame gewusst, dass ausgerechnet ich Zara Harris war? Der Tisch war schließlich auf Marcs Namen reserviert gewesen. Oder aber der Anrufer hatte ihr gesagt, dass ich die Begleitung von Mr. O’Nelly war, was mir einleuchtend erschien.
Und doch blieb die Frage zurück, wer das war und
was er gewollt hatte. Doch darauf würde ich keine Antwort finden, es sei denn, ich würde Morgen noch einmal zu dem Restaurant zurückkehren und die Empfangsdame mit Fragen löchern. Da mich das allerdings wieder an den feigen Arsch von Deputy erinnern würde, würde ich es einfach sein lassen. Der Abend war abgeharkt.
In meinem Kleid ließ ich mich erneut auf meiner
Matratze nieder und legte mich auf den Rücken. Ich starrte an die Decke und trauerte dem nackten Männerkörper, der mir eventuell einen fabelhaften Orgasmus hätte verschaffen können, hinterher.
Ganz automatisch wanderte bei dem Gedanken
daran meine Hand zu dem Reißverschluss des Kleides. Das ratschende Geräusch war das einzige, welches für einen Moment die Stille in der Dunkelheit durchbrach. Sanft streichelte ich meine Brüste, bevor ich die Hand in mein Spitzenhöschen schob und meine Perle umspielte. Aber die Berührung meiner zarten Finger würde nicht ausreichen, weshalb ich zum Nachttisch griff und meinen Vibrator herausholte. Ich stellte ihn auf die mittlere Stufe und kreiste ihn für ein paar Minuten über meine empfindlichste Stelle. Dann führte ich ihn ein und wieder mal konnte ich nicht anders, als ihn bis zum Anschlag hineinzuschieben und mich mit harten Stößen zu beflügeln.
Was hätte ich dafür gegeben, es heute Nacht richtig
hart besorgt zu bekommen.
Sonntagmittag besuchte ich, wie üblich, meine
Eltern. Sie lebten in einer Privatstraße, die von hohen weißen Mauern umgeben und von dem Rest der Stadt mit einem Tor abgetrennt wurde, welches unter der strengen Aufsicht des Militärs stand. Wenn es nach meinem Vater ginge, würde ich hier ebenfalls leben. Doch der Deal damals war gewesen, dass man mir ein sicheres Haus schenkte. Meine Eltern waren der Auffassung, dass weder mit meinem Job zu spaßen war noch damit, welchen Berufen sie nachgingen und dass man mich für gewisse Verbindungen ausnutzen könnte.
„Ms. Harris“, begrüßte mich der Soldat, der mit
seinem Gewehr direkt am Tor patrouillierte. Er gab über Funk einen Befehl an seinen Kollegen weiter und das schwere Tor glitt langsam auseinander. Eine Villa reihte sich hier an die andere, gepflegte Vorgärten, ordentlich betonierte Einfahrten mit Luxuskarosserien. Es gab in dieser Straße sogar einen eigenen Supermarkt, eine Tankstelle und eine Apotheke. Man könnte meinen, dass diese Siedlung hier besser bewacht war, als der Präsident der Vereinigten Staaten.
Ich parkte in der Einfahrt hinter dem schwarzen
Mercedes meines Vaters. Meine Mutter winkte mir bereits von der Veranda aus zu, doch ihr Lächeln wirkte versteinert. Zögerlich zog sie mich in eine Umarmung, als ich zu ihr hinaufkam. Von drinnen hörte ich bereits die wütende Stimme meines Vaters.
„Was ist denn mit Dad los? Haben die Texas
Blackbirds verloren? Er ist doch sonntags sonst nicht so schlecht drauf.“
„Nein, Schätzchen. Irgendwas beim FBI. Du kennst das doch. Selbst, wenn er frei hat, ist es ein 24/7 Job.“
Gemeinsam traten wir in die großzügige Diele meines Elternhauses und folgten der grollenden Stimme meines Vaters ins Esszimmer.
„Was soll das heißen, meine Tochter wurde zuletzt
mit ihm am Freitagabend gesehen? Welche Unterstellungen wollen Sie mir hier gerade unterbreiten?“ Wie angewurzelt blieb ich stehen und beobachtete meinen Vater, wie er getrieben an der Poollandschaft auf und ab lief. Die Terrassentüren waren weit geöffnet und ließen die lauwarme Septemberluft hinein, dich mich allerdings frösteln ließ.
„Na, da sehen Sie es. Er ist mit seinem eigenen
Wagen wieder gefahren. Suchen Sie ihn gefälligst weiterhin. Niemand verschwindet einfach wie vom Erdboden verschluckt. Schon gar nicht ein Mitarbeiter des FBI!“ Er knallte sein Handy auf den Gartentisch und stützte die Hände auf. Sein Kopf sank tief zwischen seine Schultern, während er merklich durchatmete.
„Dad, was ist passiert?“ Er wandte sich zu mir um
und wischte sich gestresst durch das Gesicht.
„Deputy O’Nelly ist spurlos verschwunden. Es heißt, du hättest zuletzt Freitagabend mit ihm ein paar Stunden im Rose Garden verbracht. Offenbar verwechselt man dich, wobei ich mich doch sehr darüber freuen würde, wenn du dem jungen Mann eine Chance geben würdest.“
„Er hat mich tatsächlich Freitagabend in das Rose Garden ausgeführt.“
„Wie bitte?“
„Was soll die Aufregung? Er hat mich einfach danach dort stehen lassen.
Ich musste mich von Lydia abholen lassen, um wieder nach Hause zu kommen.“
„Was im Namen aller Sieben Höllen..? Du hast Freitag
nach der Arbeit doch überhaupt nicht mehr das Haus verlassen!“
Wieder überkam mich für einen Moment diese
seltsame Gänsehaut. Wieder stellte sich das Gefühl ein, beobachtet zu werden. Und wieder stiegen die Fragen in mir auf, wer im Restaurant angerufen hatte und wohin Marc verschwunden war.
„Hier, sieh selbst.“ Im Schnelldurchlauf zeigte mein Vater mir in der Homesecurityapp die Aufnahmen von Freitagnacht. Weder verließ ich das Haus, noch kam ich zurück.
„Bist du dir sicher, dass das die richtigen Aufnahmen sind? Dad, ich war Freitagabend nicht zu Hause. Marc hat mich sogar extra abgeholt für unser Dinner.“
Wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte mein Vater
zur Fensterfront im Eingangsbereich. „Hattest du das Gefühl, verfolgt zu werden, Liebes?“
„Was..ich .. nein!“
„War sonst irgendwas merkwürdig? Wieso hat O’Nelly dich in der Nacht stehen lassen?“
„Dad, kannst du mir bitte erklären, was los ist? Du machst mir Angst.“
„Beantworte die Frage!“, herrschte er mich an.
„Ich weiß es nicht. Für mich ging ein Anruf im Restaurant ein und ich ließ ihn kurz allein. Dann war er plötzlich weg, als ich raus kam.“
„Er ist am Samstag nicht zum Dienst erschienen. Und irgendwas stimmt mit deinen Kameras am Haus nicht. Ich werde sofort den Provider und den Sicherheitsdienst kontaktieren!“
Du besitzt meine Gedanken, Baby. Nun noch mehr
als vorher. Denn deine Show war einmalig gewesen. Es war fast so, als hättest du gewusst, dass ich in der Dunkelheit hinter deinem Türrahmen lauer und als hättest du dich meinem begierigen Blick hingegeben.
Nachdem ich zugelassen habe, dass du alleine nach
Hause gehen musstet, hat mich das schlechte Gewissen eingeholt, Baby. Ich hoffe, du verzeihst es mir. Ich musste sehen, ob du unbeschadet nach Hause gekommen bist. Die heruntergelassenen Jalousien haben davon gezeugt, allerdings haben sie mir den Blick auf dich verwehrt, weshalb ich schon wieder zu riskanten Maßnahmen greifen musste.
Über die Hintertür zu deinem Keller habe ich mir
Zutritt verschafft. So oft war ich schon in deinem Haus, Baby, weshalb ich mich erblindet vor Dunkelheit samtweich fortbewegen konnte, als wäre alles hell erleuchtet. Und dann warst du da. Du und die Silhouette von deinem perfekten Körper, die vom sanften Laternenlicht, welches leicht durch die Jalousien schimmerte, erkenntlich gemacht wurde.
Du und dein lustvolles Stöhnen, wie du mit heftigen Stößen deinen vibrierenden Luststimulierer in dich eingeführt hast. Fest hast du deine Fersen in die Matratze gestemmt und deinen Rücken durchgebogen.
Mein Schwanz war so hart gewesen, dass ich es zum
ersten Mal nicht ausgehalten habe. Ich habe ihn rausgeholt und nur zu gerne hätte ich mich neben dein Bett gestellt und ihn dir in deinen warmen Mund geschoben, während du es dir selbst besorgst. Aber noch muss ich darauf verzichten. Stattdessen habe ich mich selber gewichst und dir zugesehen, wie du dich von Orgasmus zu Orgasmus getrieben hast.
Denn Baby, du bist verdammt gierig. Und ich bin
bereit, dir deine Gier zu erfüllen. Allein dein Anblick und deine Töne dabei sind mehr wert, als all das, was ich je besessen habe. Ich habe es kaum bis zu deinem nächsten Höhepunkt geschafft und habe in den Topf deiner Palmenpflanze im Flur gewichst.
Nur der Gedanke daran, dass ich mich bei dir
verewigt habe und du mich nun immer bei dir hast, hätte mich fast noch einmal kommen lassen.
Ich sitze in meinem Büro und bin wieder mal kurz
davor durchzudrehen, Baby. Ich habe keine Ahnung, den wie vielten Whiskey ich bereits in mich reinkippe, aber definitiv beruhigt er nicht meine Nerven, sondern stachelt mich weiter an.
Alle Kamerabilder deines Hauses werden auf
meinem Handy mit „No Signal“ angezeigt. Egal, was ich versuche und wie sehr ich rumfluche, es ändert sich nichts an den schwarzen Bildern. Mit einem Knurren fege ich die Glaskaraffe vom Tisch. Baby, was auch immer du getan hast oder womit auch immer du mich bestrafen willst – lass es! Denn du weckst in mir eine Seite, die auch vor dir keinen Halt macht, wenn ich das Gefühl bekomme, dass du mich hintergehst. Auch, wenn du aussiehst, als hätte Gott höchstpersönlich einen Engel auf die Erde geschickt – ich weiß längst, dass in dir eine teuflische Seite schlummert.
Aber, nun gut. Wenn du willst, dass ich mich lieber
wieder wie ein Perverser vor deinem Fenster rumtreibe und dir dabei zusehe, wie du dich selber fickst – fucking Glückwunsch. Denn ich werde nun zu dir kommen und diesmal gebe ich keine Garantie dafür ab, dass ich dich nicht wie ein Neandertaler über der Schulter aus deinem Haus schleife und mit in die dunkle Burg des Biestes schleppe.
Ich trank den letzten Schluck aus dem Kristallglas, der mir noch von dem teuren Whiskey übriggeblieben ist und stopfte aggressiv meine Beretta in den Hosenbund.
Schweißperlen standen mir auf der Stirn, genauso
wie auf der tattoowierten Brust, die durch mein weit
geöffnetes, schwarzes Hemd zum Vorschein kam. Mit geballten Fäusten lief ich durch den dunklen, breiten Flur meiner Burg.
„Okay, das reicht!“ Johnny schob sich mir in den
Weg, als ich gerade durch die riesige Eingangstür treten wollte.
„Wo willst du schon wieder hin, Boss?“
„Bist du meine Mutter, verfluchte Scheiße? Geh mir aus dem Weg!“, knurrte ich, doch meine rechte Hand ließ sich nicht beeindrucken. Stattdessen verschränkte er die Arme vor der Brust und blickte mich provokant an.
„Wenn dir dein Leben heilig ist, solltest du besser Platz machen. Oder willst du ein Problem mit mir bekommen?“, zischte ich warnend.
„Don, du weißt, dass ich dich respektiere. Und daher: Bei allem Respekt, aber erstens brauchst du mich, zweitens bin ich für dich wie ein Bruder und drittens, wieso bist du in letzter Zeit so kopflos? So getrieben? Was ist los?“
„Ich muss zu ihr. Es wird Zeit. Also halt mich jetzt nicht auf!“
Ich schubste ihn nun beiseite und die Männer, die
auf dem Vorplatz patrouillierten, beobachteten uns kritisch.
„Alles in Ordnung, Boss?“, vergewisserte sich Vladimir, einer meiner treusten Männer. Knapp nickte ich und entriegelte den schwarzen Mustang.
„Don, bist du sicher, dass es schon an der Zeit ist? Soll ich lieber mitkommen?“ Natürlich ließ Johnny nicht locker.
Er wusste ganz genau, wofür ich Zara brauchte, aber
nicht, wie sehr ich bereits von ihr besessen war. Denn das gehörte eigentlich nicht zu unserem Plan. Wie schwierig konnte es schon sein, die Tochter eines FBI Direktors um den Finger zu wickeln, hatte ich damals gedacht. Und dann hatte ich sie das erste Mal gesehen. FUCK. Mit ihrer lieblichen Aura lockte sie die dunkle Bestie aus der tiefsten Ecke meiner Seele und mit ihrem teuflischen Wesen vereinigte sie sich mit ihr. Sie war die Perfektion. Sie war die Femme fatale. Sie war der Dämon im roten Abendkleid mit engelsgleichen Haaren. Sie war meine Königin. Mi Reina.
„Wage es dich, mir zu folgen!“, brüllte ich, bevor ich
die Autotür hinter mir zuschlug. Der Motor jaulte auf und meine Männer öffneten bereits die schwarzen schmiedeeisernen Tore. Mit durchdrehenden Reifen und einem gewaltigen Adrenalinpegel raste ich vom Grundstück. In Höchstgeschwindigkeit jagte ich durch die Dunkelheit des Waldes, um so schnell wie möglich zum Highway zu kommen. Ich verhielt mich wie ein Wahnsinniger, wechselte die Spuren und wurde von einem Hubkonzert verfolgt.
In Zaras Gegend angekommen, parkte ich den
Wagen wie üblich eine Querstraße weiter. Ich schlich durch die Dunkelheit und ballte die Hände in meinen Hosentaschen zu Fäusten. Baby, siehst du mich schon kommen? Spürst du meine Aura? Ab heute gibt es für dich kein Entkommen mehr.
Meinem Adrenalinpegel wurde schlagartig ein
Dämpfer verpasst, als sich das weiße Einfamilienhaus näherte. Ein Transporter einer Securityfirma parkte davor und demontierte die alten Kameras. Dafür schienen sie Neue zu montieren. Doch nicht nur die Securityfirma war anwesend, sondern auch der FBI Direktor höchstpersönlich, dessen schwarzer Mercedes in der Einfahrt stand. Vor dem Gartentor, vor den Verandastufen und vor der Eingangstür standen jeweils Männer in schwarzen Anzügen, die sich über Headsets zu verständigen schienen. FUCK – Was ging hier vor sich?
Ich blieb hinter der Hecke eines gegenüberliegenden
Grundstückes stehen und beobachtete die Szenerie. Baby, ist dir heute etwas zugestoßen? Gestern habe ich dir noch dabei zugesehen, wie du dich in deinen persönlichen Himmel getrieben hast und heute war vor deinem Haus die Hölle los. Ich habe nichts dagegen, dass man versucht, dich in Sicherheit zu wiegen, aber ich habe etwas dagegen, wenn man mir die fucking Tour versaut. Glück für dich, Baby. Denn jetzt kann ich ganz bestimmt nicht einfach dein Haus stürmen. Vermutlich nie wieder, wenn diese Hampelmänner in ihren zu engen Anzügen nun Tag und Nacht dort stehen würden.
Während die Securityfirma weiter an dem Haus
beschäftigt war, öffnete ich auf meinem Smartphone das Internet. Ich schaute nach den aktuellen News und die Schlagzeilen, die mir entgegenprangten, ließen mich fast die Nerven verlieren:
Deputy O’Nelly vermisst
Verhängnisvolles Rendezvous mit der Fbi-Direktors Tochter?
Gefängnisärztin datet Deputy – Inszeniert durch den Vater?
Wütend stopfte ich das Handy zurück in die