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Sie planen einen Urlaub in Südtirol? Oder Sie kennen das Land der Berge, Täler und Weinreben bereits, möchten aber mehr davon entdecken? Sie werden überrascht sein, was es (noch) alles zu sehen und zu erleben gibt.
Sie starten Ihre Tour mit einem ausgiebigen Frühstück in Brixens »Wohnzimmer«. Dann schauen Sie bei dem Krokodil im Apothekenmuseum vorbei und erkunden eine friedliche Festung im engen Eisacktal. Weiter südlich, bei Barbian, bietet sich von der Panoramabrücke ein Ausblick auf wild herabstürzende Wasserfälle. Oder Sie besuchen am Kalterer See die älteste Kirchenruine Südtirols, erfahren viel Neues im Weinmuseum und genießen das beste Eis Südtirols. In den Dolomiten können Sie dem Christomannos-Adler bei seinen Flugversuchen zusehen und auf der Anfahrt am Panider Sattel die originellste Schaukel Südtirols zum Aufwärmen nutzen. Im sonnigen Vinschgau erkunden Sie den Schmusbichl, erfahren im Laaser Steinbruch Interessantes zum Marmorabbau, flanieren durch die kleinste Stadt Südtirols, in der Sie sich beim Mittagessen im Restaurant Flurin erholen. Danach geht es in ein schneeweißes Kloster mit farbenprächtiger Krypta. Und zum Tagesausklang geben Sie sich im ältesten Steinhof des Landes dem Törggelen hin.
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Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2025
Sie planen einen Urlaub in Südtirol? Oder Sie kennen das Land der Berge, Täler und Weinreben bereits, möchten aber mehr davon entdecken? Sie werden überrascht sein, was es (noch) alles zu sehen und zu erleben gibt.
Sie starten Ihre Tour mit einem ausgiebigen Frühstück in Brixens »Wohnzimmer«. Dann schauen Sie bei dem Krokodil im Apothekenmuseum vorbei und erkunden eine friedliche Festung im engen Eisacktal. Weiter südlich, bei Barbian, bietet sich von der Panoramabrücke ein Ausblick auf wild herabstürzende Wasserfälle. Oder Sie besuchen am Kalterer See die älteste Kirchenruine Südtirols, erfahren viel Neues im Weinmuseum und genießen das beste Eis Südtirols. In den Dolomiten können Sie dem Christomannos-Adler bei seinen Flugversuchen zusehen und auf der Anfahrt am Panider Sattel die originellste Schaukel Südtirols zum Aufwärmen nutzen. Im sonnigen Vinschgau erkunden Sie den Schmusbichl, erfahren im Laaser Steinbruch Interessantes zum Marmorabbau, flanieren durch die kleinste Stadt Südtirols, in der Sie sich beim Mittagessen im Restaurant Flurin erholen. Danach geht es in ein schneeweißes Kloster mit farbenprächtiger Krypta. Und zum Tagesausklang geben Sie sich im ältesten Steinhof des Landes dem Törggelen hin.
Florian Fritz wurde 1967 in München geboren, wo er bis heute lebt. Seit 2000 arbeitet er als freiberuflicher Autor und Fotograf und hat bereits Reiseführer zu Südtirol, den Dolomiten, dem Latium und mehrere Wanderführer veröffentlicht. Südtirol bereist er seit seiner Kindheit und bei jedem neuen Besuch entdeckt er bisher Ungekanntes.
www.flofritz.de
INHALTSVERZEICHNIS
Reise nach Südtirol, Reisen in Südtirol
VOM BRENNER BIS BOZEN
Das Museum am Brenner
Straße am Grenzkamm
Wo Südtirol beginnt – und endet
Die Marmorschlucht
Wo die Sachsen klemmten
Die friedliche Festung
Das achte Weltwunder
Das schrumpelige Krokodil
In Brixens Wohnzimmer
Zwischen Keschtn und Kaskaden
Reben in der Stadt
Seilbahn in die Sommerfrische
Das Waaghaus am Kornplatz
Der Alpenadvent in Sarnthein
Steinmännchen mit Aussicht
Kirchturme überm Spiegelsee
ÜBERETSCH UND UNTERLAND
Das Dorf an der Kurve
Ruine mit Rundbogen
Pergl, Eis und Marmorbrunnen
Weiße Schlucht und schwarzes Horn
Altrei-Ort im Bann der Ape
Kulthügel mit Aussicht
Ein Badeplatz weitab vom Trubel
MERAN UND UMGEBUNG
Krokusweiß und Lärchengold
Tief verschneit beim Hirschen
Stolpern wider das Vergessen
Das Schloss der Landesherren
Träumen am Flecknersee
Das nie endende Tal
Reich an Kräutern
Die Wächter des Waldes
Die Berghöfe am Felsenweg
DER VINSCHGAU
Das stille Klosterdorf
Im wilden Tal der Almhöfe
Mit Schafen unterwegs
Südtirols Sixtinische Kapelle
Die Hütte des Alpenkartografen
Weißes Gold zum Anfassen
Am Schmusbichl
Spuren am Bühel
Mittelalter im Miniaturformat
Glaubenskunst und Klosterwein
Das versunkene Dorf
Im höchsten Bergdorf Südtirols
Die Drachenzähne von Plamort
PUSTERTAL UND NÖRDLICHE DOLOMITEN
Von kapriziösem Ziegenkäse
Wo Ritter Iwein hauste
Wiesenpracht im Gadertal
Im Reich der Fanes
Das Tal der Wassermühlen
Im Herzen Ladiniens
Auf dem Gipfel des Kunstgenusses
Pyramiden der Vergänglichkeit
Pass-Geschichte im Ahrntal
Im Winterwanderwunderland
Hüttentraum am Höhenweg
DOLOMITEN RUND UM DIE SELLA
Die Schaukel am Sattel
Das Kreuz in den Wolken
Im langen Tal der Adler
Hofkapelle mit Geislerblick
Im hintersten Villnösstal
Törggelen im Steinhof
Goldknopf mit Sitzbankerl
Wie man einen Knödel isst
Im wilden Herzen der Dolomiten
Der Christomannos-Adler, eine Familiengeschichte
Register
Reise nach Südtirol, Reisen in Südtirol
SUEDTIROLERLAND.IT: INFOS ZU UNTERKÜNFTEN UND FREIZEITAKTIVITÄTEN
SUEDTIROLMOBIL.INFO: ALLES ÜBER DIE MOBILCARD
SUEDTIROL.INFO: OFFIZIELLE SEITE DES TOURISMUSVERBANDES
PROVINZ.BZ.IT: SEITE DER SÜDTIROLER LANDESVERWALTUNG MIT INFOS ZU VERWALTUNG, NATUR UND KULTUR
Südtirol ist ein Sehnsuchtsort für die Deutschen. Spektakuläre Berggipfel, idyllische Almwiesen, grüne Täler mit rauschenden Flüssen, eine deftige Küche, guter Wein, eine hervorragende Infrastruktur – und man befindet sich in Italien, was dem deutschen Touristen ohnehin immer einen Schub Glückshormone beschert. In dieser Zuschreibung steckt auch schon das größte Missverständnis zwischen Deutschen und Südtirolern. Für Letztere ist ihre Heimatregion alles, aber nicht Italien. Eher europäisch, ladinisch, tirolerisch.
Wobei das auch nicht wirklich stimmt. Denn Südtiroler haben das Italienische in ihre Küche ebenso integriert wie in ihre Barkultur und in die Art des Autofahrens: schnell, ein bisschen drängeln.
Die Dreisprachigkeit Südtirols ist außerdem eine Garantie für den Schutz der ladinischen Minderheit und einen stabilen Tourismussektor, denn die Italiener haben ihrerseits eine Vorliebe für Südtirol. Dort spricht man in etwa ihre Sprache. Zudem lieben sie seine Knödel, seinen Speck, seine Weihnachtsmärkte, seine Berge, seine Hütten, seine Ordnung. Da treffen sie sich wieder mit den Deutschen.
Insofern ist eine Reise nach Südtirol immer auch ein Treffen alter Bekannter.
Deutsche, Italiener und Südtiroler leben ihre Schnittstellen und Gemeinsamkeiten in dieser fruchtbaren, mit Naturschönheiten gesegneten Region im Herzen Europas mit Leib und Seele aus. Damit fahren alle drei Völker richtig gut, die Südtiroler sogar so gut, dass der steigende Tourismusverkehr sie zu Vorreitern im öffentlichen Nahverkehr gemacht hat. Mit der überall verbreiteten Mobilcard können Sie Ihr Auto stehen lassen und mit pünktlichen, gut getakteten Bahnen und Bussen jeden noch so abgelegenen Talwinkel erreichen.
Einmal angekommen, gilt es vor Ort dann, die Wanderstiefel zu schnüren, denn die Region will draußen in der Natur erlebt werden. Nicht nur Frühling (Blumenpracht), Sommer (Gipfel- und Badefreuden) und Herbst (Törggelen) sind dafür geeignet, auch der Winter lockt mit präparierten Fußwegen oder Schneeschuhrouten. Wer einmal da war, der kommt ohnehin wieder. Die Vielfalt Südtirols mit seinen bis zu 300 Sonnentagen im Jahr reicht für ein ganzes Reiseleben.
Vom Brenner bis Bozen
ANFAHRT: VON SÜDEN BESCHILDERTE AUTOBAHNAUSFAHRT, VON NORDEN AUF DEN GROSSEN BRENNER-PARKPLATZ UND ZU FUSS DURCH EINE UNTERFÜHRUNG.
Das Museum am Brenner
FABRIZIOPLESSI.NET, AUTOBRENNERO.IT (PLESSI-MUSEUM), LANZ-SUEDTIROL.IT
TGL. 6–22 UHR
Grenznaher geht nicht: Das Plessi-Museum steht am Brennerpass, man begegnet ihm also auf jeder Reise zweimal: auf dem Hinweg und auf dem Rückweg. Es ist ein mächtiger Bau aus Beton, Glas, Stein und Cortenstahl auf der nordwärts führenden Seite der Autobahn. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2013 trotzt er Wind und Wetter auf immerhin 1370 Metern Höhe. Im Sommer spiegeln sich die grünen Wälder in der riesigen Glasfront, und die Sonne lässt den braunen Stahl Wärme ausstrahlen. Im Winter türmen sich Schneeberge auf dem Dach und um das Gebäude, weißgrauer Matsch lässt es düster und fast bedrohlich erscheinen.
Die meisten rauschen daran vorbei, weil sie dringend in den Urlaub oder nach Hause wollen. Eigentlich wollte man immer schon mal hier anhalten, aber jetzt hat sich gerade der Stau aufgelöst, und es ist auch schon recht spät am Tag, und … dann eben beim nächsten Mal.
Einzig der Toilettendrang bringt Sie vielleicht dazu, dort die Ausfahrt zu nehmen, und wenn Sie ohnehin schon da sind, im Bistro Lanz einen Espresso zu trinken und im angehängten Feinkostgeschäft den letzten Schinken, Käse, Wein und ein paar Grissini, ach ja, und noch einen guten Alpenkräutertee, einzukaufen, bevor es hinuntergeht nach Innsbruck.
Dabei ist das Gebäude mehr als nur ein paar Minuten Aufenthalt wert.
Geplant wurde das Museum von einem der bekanntesten italienischen Künstler der Neuzeit, dem 1940 geborenen Fabrizio Plessi. Er gilt als Begründer der Videoskulptur und stellte auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig aus. In seinen Werken sind die Elemente Wasser und Stein und das Material Holz und ihre Beziehung zueinander ein beherrschendes Thema. Die gewaltigen Ausmaße des nach seinem Schöpfer benannten Baus, mit einer Fläche von 55 x 30 Metern und einer Innenhöhe von 12,90 Metern, symbolisieren die Mächtigkeit der Alpen. Die Installation im Inneren mit großen Leinwänden, über die Wasserfälle rauschen, Wolken im Wind ziehen und Bäche plätschern, steht für das Gemeinsame der drei Regionen Tirol, Südtirol und Trentino. Im Zentrum des Raumes ragen, sinnbildlich für die Gebirgslandschaften, gezackte Kuben und Pyramiden aus Cortenstahl empor, die man über eine Treppe begehen kann. Erstmals auf der Expo 2000 in Hannover zu sehen, wurde die Installation in den Neubau des Plessi-Museums integriert. Die Verknüpfung der Regionen bildet sich wirtschaftlich und touristisch im Euregio-Netzwerk ab.
Das Museum befindet sich unweit des früheren Zollgebäudes. So ist es auch ein Symbol des modernen Europas ohne Binnengrenzen. Innen ein Ort der Ruhe, spiegelt es außen in seinen Scheiben die Rastlosigkeit des Transitverkehrs durch den immerwährenden Strom der vorbeigleitenden Lkws. Die werden irgendwann im Brennerbasistunnel verschwinden, aber das ist eine andere Geschichte.
ANFAHRT: DER WEG NR. 80 BEGINNT AM E-WERK SÜDLICH DES BRENNERPASSES AN DER SS 12, DORT GIBT ES AN DER STRASSE AUCH PARKMÖGLICHKEITEN. VOM SÜDLICHEN ENDE BEI PFLERSCH (ABZWEIG GIGGELBERG, WENIGE PARKMÖGLICHKEITEN ENTLANG DER STRASSE) GEHT ES AUF DER KURVIGEN, TEILS GETEERTEN MILITÄRSTRASSE NACH OBEN RICHTUNG GIGGELBERGER ALMEN.
Straße am Grenzkamm
Hoch über dem Brennerpass, für Durchreisende nicht einmal zu erahnen, erstrecken sich weitläufige grüne Hänge und sanfte Kämme, durchzogen von alten Militärstraßen, die fast ohne Steigungen in sanften Kurven dem Profil der Landschaft folgen und auf einer Tagestour per Mountainbike erkundet werden können. Unterbrochen werden sie hin und wieder von Bunkeranlagen und Forts aus der Zeit zwischen 1938 und1942, errichtet von Mussolinis Arbeitern als Teil des Alpenwalls. Der Duce wollte sich gegen einen Angriff Nazideutschlands absichern, mit dem er zwar paktierte, dem er aber nicht über den Weg traute.
Der höchste Punkt am Nordende des Brenner-Grenzkamms ist der 2143 Meter hohe Sattelberg, vom Brenner aus zu Fuß in etwa zwei Stunden zu erreichen. Die Straße verläuft wenig unterhalb des Gipfels. Bis es bei Gossensass wieder hinuntergeht, sind es zehn Kilometer. Die langen Zustiege bzw. Zufahrten sind der Grund, warum der Grenzkamm nur von wenigen Wanderern begangen wird – wenn man oben angelangt ist, kann man eigentlich schon fast wieder kehrtmachen. Für Mountainbiker dagegen ist das Gebiet ein Paradies. Seit das E-Bike auch den durchschnittlich Sportlichen die Auffahrt ermöglicht, ist die Grenzkammrunde mit ihren etwa 30 Kilometern Länge ein beliebter Ausflug in eine fantastische Landschaft.
Heute bröckeln die Betonmauern und -dächer der zahlreichen Befestigungsanlagen entlang der Grenzkammstraße vor sich hin und bieten den Kühen und einigen Pferden willkommenen Unterstand bei einem Gewitter. Hinter jeder Kurve eröffnen sich neue, spektakuläre Ausblicke. Im Frühsommer sind die Wiesen von einer farbigen Blütenpracht überzogen, und das Gesumme unzähliger Insekten erfüllt die Luft. Nach Osten erstrecken sich die mächtigen Zillertaler Alpen, nach Westen hin die ebenso beeindruckenden Gipfel der Stubaier Berge, nach Süden die Jaufenspitze. Der Alpenhauptkamm im Norden ist gespickt mit 3000ern, ein erhabenes Panorama. Hier oben ist man weit weg vom Durchgangsverkehr des Eisacktals und dem Trubel der Städte Sterzing, Brixen und Klausen. Die Straße verläuft weitgehend unterhalb des Grenzkamms zwischen Italien und Österreich. Nahezu überall können Sie sich ins Gras werfen, die Augen schließen und den Frieden und die Ruhe genießen. Da es weder an den beiden Zugängen noch oben eine bewirtschaftete Alm gibt, sollten Sie ausgiebig Proviant einpacken.
ANFAHRT: AUTOBAHNAUSFAHRT STERZING NEHMEN. DIE SS 12 FÜHRT DURCH DEN ORT. PARKEN AM CENTRUMS-PARKPLATZ ODER AM NÖRDLICHEN ORTSRAND ODER BEIM EUROSPAR AM KREISVERKEHR.
Wo Südtirol beginnt – und endet
RESTAURANT-PIZZERIA NEPOMUK RALSERGASSE 1, MI – MO 12–14 UND 18–21 UHR, NEPOMUK.IT
STERZING.COM
Formal beginnt Südtirol am Brennerpass. Ein Spaziergang zwischen dem futuristischen Outletcenter, dem weitläufigen, etwas heruntergekommenen Bahnhof und dem aus Kneipen, Lokalen und Würstlbuden bestehenden Zentrum, das eigentlich keines ist, hat zwar durchaus seinen Reiz, aber rein gar nichts Südtirolerisches.
Dagegen Sterzing: Dort gelegen, wo sich das düstere Eisacktal zum ersten Mal weitet, umgeben von Bergen wie dem Rosskopf und Ausgangspunkt für Ausflüge in Täler wie das Pfitsch-, Ridnaun-, Ratschings- oder Jaufental, markiert das mittelalterliche Städtchen den Beginn des wahren Südtirols. Im kompakten historischen Zentrum mischt sich die gedrängte Architektur rauer Bergorte mit eher südländisch inspirierten Elementen wie Arkaden und Erkern.
Die autofreie Hauptgasse führt durch die nach dem Brand von 1448 im gotischen Laubenstil wieder aufgebaute Neustadt. Schmucke Bürgerhäuser mit Innenhöfen, Erkern, Zunftzeichen und überdachten Arkaden reihen sich aneinander. Immer im Blick ist der schlanke, 48 Meter hohe Zwölferturm am Ende der Neustadt mit seinem mächtigen Zifferblatt, das einen schon von Weitem die Uhrzeit lesen lässt. Vor allem aber: Hier gibt es die ersten richtigen Cafés, die erste Filiale der in Norditalien omnipräsenten Speck- und Käseverkaufskette Maso dello Speck und den ersten Aperitivo oder Espresso im historischen Ambiente inmitten der lebhaften Melange aus grummelnden Einheimischen, entzückten Norditalienern und rucksackbewehrten Deutschen.
Die von außen schlicht gestaltete Heiliggeist-Spitalkirche in der Altstadt, die hinter dem Zwölferturm beginnt und noch älter ist als die Neustadt, stammt aus dem Jahr 1399 und ist innen pure, mit farbenfrohen Fresken verzierte Spätgotik.
Wer einkehren mag, wird sich im stilvoll restaurierten Restaurant Nepomuk an der Rathausgasse wohlfühlen. Dicke Mauern beherbergen ein historisches Gewölbe, das behutsam modernisiert wurde. Es gibt Pizza, aber auch leckere Schlutzkrapfen – und geräumige Zimmer für den, der bleiben will.
Aber Sterzing, die farbenfrohe nördlichste Stadt der Region, ist ja erst der Anfang … Es zieht uns nach Süden, dort lockt noch so viel Südtirol.
Auf der Rückfahrt ist Sterzing die letzte Chance auf Erinnerung und Mitbringsel. Nicht umsonst gibt es nahe der Autobahnausfahrt einen riesigen Eurospar. In seinen langen Gängen schieben deutsche, österreichische und holländische Heimkehrer mit glückseligem Lächeln Einkaufswägen voller Pasta, Käse, Schinken, Wein, Grappa, Lavazza-Espresso, Grissini und Biscotti an die Kasse.
ANFAHRT: VON STERZING ZUNÄCHST AUF DER SS 44, DANN RICHTUNG RATSCHINGS, IN STANGE GROSSER PARKPLATZ AN DER SPORTZONE.
Die Marmorschlucht
JAUFENSTEG.COM
RATSCHINGS.INFO (DIE GILFENKLAMM IST IM WINTER GESCHLOSSEN UND KOSTET 7 €/ERM. 5 € EINTRITT)
Bei Stange im Ridnauntal, oberhalb von Sterzing gelegen, mündet der Ratschingsbach in den Ridnaunbach. Nur wenige hundert Meter oberhalb musste er sich im Lauf der Jahrmillionen durch den Marmor schneiden. Dabei entstand die schmale, bis zu 15 Meter tiefe Gilfenklamm – Europas einzige Marmorschlucht. Der Sterzinger (Ratschingser) Marmor wird auch heute noch abgebaut. Die Stiegen in der Hofburg, im Dom und in der Hofkirche in Innsbruck sind aus Sterzinger Marmor, ebenso die Treppen im Naturhistorischen Museum, im Parlament und in der Universität in Wien. In der Gegenwart wird er überwiegend industriell verwendet, so in gekörnter Form für Wandputz oder in Dämmmaterialien.
Schon 1896 baute man einen Steg, der seither auch weniger Bergerfahrenen und Familien die Möglichkeit gibt, dieses Naturwunder zu bestaunen.1961, 1991 und 2014 wurde der Weg durch die Schlucht instandgesetzt und zuletzt erweitert und neu befestigt. Die Felsen schließen sich an einigen Stellen über der Klamm fast zusammen, so dass Dunkelheit, immerwährende Feuchtigkeit und der ohrenbetäubende Lärm des herabschießenden Wassers die Sinne überwältigen. Im Herzen der Klamm stürzt ein 15 Meter hoher Wasserfall in ein tief ausgewaschenes Becken. Im Wegverlauf überquert man ihn an seinem oberen Ende auf einer Brücke, was einen eindrucksvollen Blick hinab ins senkrechte Inferno ermöglicht.
Der Weg beginnt am Parkplatz in Stange. Die Klamm überwindet auf knapp drei Kilometern einen Höhenunterschied von 175 Metern, man ist also 30 Minuten bis eine Stunde zur höchsten Stelle unterwegs. Dichter Bewuchs aus Büschen und kleinen Bäumen klammert sich an vielen Stellen an den Felsen und dessen Abstufungen. Im Frühsommer, nach der Schneeschmelze, lohnt sich der familienkompatible Ausflug besonders, die Wassermassen schäumen dann weißglänzend und donnernd zwischen den Wänden hindurch.
Beim Gasthof Jaufensteg (Einkehr) verlässt man die Klamm. Zurück geht es auf dem Weg 1a bis zur Weggabelung Burgt, dann links abzweigend, vorbei an der Ruine der aus dem frühen 13. Jahrhundert stammenden Burg Reifenegg und von dort hinunter zu den Parkplätzen unterhalb des Eingangs zur Klamm. Von der Burg steht heute fast nur noch der gewaltige Bergfried. Mit 23 Metern Höhe und einer Basismauerdicke von 2,30 Metern ragt er düster und grauschwarz in die Höhe aus dem dichten Wald heraus. Der ursprüngliche Zugang liegt gut sichtbar in acht Metern Höhe. Die einstmals bedeutende strategische Funktion der Burg ist heute nicht mehr zu erahnen: Sie schützte den Zugang zum Jaufenpass. Der damalige Saumweg verlief unmittelbar unter der Burg (die heutige Straße hat einen gänzlich anderen Verlauf).
ANFAHRT: DIREKT AN DER SS 12 GELEGEN, VON NORDEN AUTOBAHNAUSFAHRT BRENNER-SÜD, VON SÜDEN FRANZENSFESTE.
Wo die Sachsen klemmten
WIRTSHAUSBRAUEREI SACHSENKLEMME, SACKWEG 1, FRANZENSFESTE, MI – MO 12–14 UND 18–22 UHR, PIZZERIA DURCHGEHEND, SACHSENKLEMME.IT
JG-ATELIER.COM (JOCHEN GASSER), MUSEUM.PASSEIER.IT
Ein aus grauen Steinen gemauertes Hotel mit rotweißen Fensterläden, daneben der flache Bau einer Wirtshausbrauerei, umgeben von steilen, bewaldeten Talflanken an der Straße zwischen den Ortschaften Sterzing und Franzensfeste – es ist ein durchaus eng wirkender Ort, im Winter schattig und ungemütlich. Aber wo um Himmels willen sich hier sächsische Mitbürger eingeklemmt haben sollen, erschließt sich einem beim besten Willen nicht.
Der Ort heißt nämlich »Sachsenklemme«. Und das hat eine historische Bedeutung. Hier wurden die Franzosen und die mit ihnen verbündeten Sachsen 1809 von Tiroler Schützen überfallen, die sich im Wald oberhalb der Talenge verschanzt hatten. Der legendäre Freiheitskämpfer Andreas Hofer war beteiligt, als die Truppen eingeklemmt und kurzzeitig besiegt wurden.
Andreas Hofer ist darum hier als rundlicher Gnom mit körperlangem Bart und großem Hut als Figur und Wandbild draußen und drinnen omnipräsent – man hofft insgeheim, dass er in Wahrheit anders ausgesehen hat. Die Brauerei nennt sich »erste zertifizierte Biobrauerei Südtirols« und produziert das AH-Bier, von dem jährlich bis zu 800 Hektoliter über den Tresen gehen. Abgefüllt wird es in Flaschen, die so knubbelig daherkommen wie Andreas Hofer, dessen Initialen namensgebend für das Gebräu sind.
AH Bräu ist eine von elf Wirtshausbrauereien in Südtirol. Dazu gehören außerdem der Brückenwirt in St. Leonhard in Passeier, der Martinerhof in St. Martin in Passeier, der Pfefferlechner in Lana, Hopfen & Co und Batzenbräu in Bozen, der Gasslbräu in Klausen, Köstlan in Brixen, Hubenbauer in Vahrn, der Rienzbräu in Bruneck und der Putzer mit seinem Viertelbier am Eingang des Pustertales. Einige produzieren mittlerweile auch saisonale Craft-Biere, so gibt es im AH Bräu neben Hellem und Weizen Ingwerbier zu Pizza oder Speckknödeln oder als Digestif den Likör »Bierly’s«. Wer’s mag …
Der rundliche Andreas Hofer stammt aus der Feder des Karikaturisten und Designers Jochen Gasser, eines gebürtigen Brixners. Das lässt den Schluss zu, dass der Knubbelbursche in Wahrheit doch wie ein wirklicher Freiheitsheld ausgesehen haben könnte. Wer mehr über sein Leben, Wirken und sein tragisches Ende erfahren will, dem sei das beeindruckende Andreas-Hofer-Museum beim Sandwirt im Passeiertal empfohlen, wo der Freiheitskämpfer 1767 geboren wurde. Hier wirkte er als Wirt, bevor er in den Widerstand gegen Sachsen und Franzosen ging. Als populärer Anführer des Tiroler Volksaufstandes musste er nach verlorener Schlacht am Bergisel im November 1809 fliehen, wurde wenige Monate später durch Verrat gefasst, nach Mantua gebracht und dort am 20. Februar 1810 erschossen.
Jenseits der düsteren Historie ist die Sachsenklemme vor allem im Sommer, wenn die Sonne auch den Talgrund erreicht und man sein AH-Bier im Freien genießen kann, ein beliebter Treffpunkt von Einheimischen und Durchreisenden.