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Baltasar Matzbach, einem seiner angeblichen Freunde zufolge "Mischung aus Falstaff und Kater Garfield, als Hobbydetektiv auf die Menschheit losgelassen", langweilt sich manchmal frenetisch. Guter Wein, teure Zigarren und alte Bücher können ihren Reiz verlieren, wenn einem das Fell juckt oder wenn ein Mann der Tat nach Tätlichkeiten schmachtet. Hin und wieder hat Matzbach dann das Glück, von Bekannten und anderen Fremden um Hilfe bei der Lösung verwickelter Probleme gebeten zu werden. Meistens drängt man ihm dafür auch noch Geld auf. Dann fährt er zum Beispiel nach Schweden, um herauszubekommen, wieso in einer ganz frühen Phase der elektronischen Revolution Kollateralschäden angefallen sind. Oder er trifft sich mit alten kriminell inspirierten Bekannten, um Eifel-Zweifel im Zusammenhang mit einem Todesfall zu erörtern. Drei dieser acht Matzbach-Geschichten sind neu, die übrigen erstmals in einem Band versammelt.
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Seitenzahl: 202
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Gisbert HaefsZwischenfälle
Matzbach exklusiv bei KBV:
Acht Neuauflagen und zwei Neuerscheinungen
Mord am Millionenhügel
Und oben sitzt ein Rabe
Das Doppelgrab in der Provence
Mörder und Marder
Matzbachs Nabel
Kein Freibier für Matzbach
Schmusemord
Feuerwerk für Matzbach
Finaler Rettungskuss
Zwischenfälle
Gisbert Haefs, Jahrgang 1950, lebt und schreibt in Bonn; als Übersetzer/Herausgeber verantwortlich für Borges, Kipling, Brassens, Dylan u. a., als Autor haftbar für Erzählungen, historische Romane (Hannibal, Troja, Raja, Die Rache des Kaisers, Das Labyrinth von Ragusa u. a.) und Krimis (»Matzbach«).
Gisbert Haefs
Matzbach-Geschichten
Originalausgabe© 2015 KBV Verlags- und Mediengesellschaft mbH, Hillesheimwww.kbv-verlag.deE-Mail: [email protected]: 0 65 93 - 998 96-0Fax: 0 65 93 - 998 96-20Umschlaggestaltung: Ralf KrampPrint-ISBN 978-3-942446-75-4E-Book-ISBN 978-3-95441-131-3
Aus: Jakob Grunewald, Willkürliche Biogramme,319971
»... wurde Baltasar Matzbach als ›Universaldilettant‹ bezeichnet, der sich in die Gefilde der Kriminalistik verirrt habe. Das Etikett ... beklebt einen, der von vielen Dingen zu viel weiß, um sie ernst zu nehmen, zu wenig, um von ihnen ernst genommen zu werden, und genug, um Experten zu bluffen und Laien zu amüsieren ... Ein Bekannter mutmaßte auch, B. M. leide (?) an Elephantiasis der Seele. Interessanter sind jedoch andere Aspekte, so z. B. Matzbachs verwegene Verfressenheit; wie zu Zeus Sein Donner und zu Jehova Sein Zorn gehört zu Baltasar Sein Wanst. Immerhin kann er es sich seit vielen Jahren leisten, Hecht zu essen und zum folgenden Fleischgang einen Grand Cru zu trinken. Er wuchs nach dem Verscheiden seiner Eltern bei Verwandten auf und studierte später Philosophie und Atomphysik. Dabei erfand er etwas für ein Betatron, so kompliziert, daß er es selbst schon längst nicht mehr erklären kann, aber das Patent wird international verwendet und wirft einiges ab; anschließend wandte Matzbach sich der Musik zu und komponierte ein bißchen, darunter einen vollendet schwachsinnigen Schlager, der noch immer läuft und zwei- bis dreimal pro Jahr neu aufgenommen wird, und so schickt die GEMA ihm bisweilen einen freundlichen Scheck. Ein Hauptgewinn im Lotto sorgte 1962 dafür, daß Baltasar aus dem Gröbsten heraus war. Er investierte klug und ergab sich der sinnlosen Bildung, wobei er von den exakten zu den diffusen Gebieten überging; so stammt aus seiner Feder ein in Fachkreisen geschätztes Werk über Monotheistische Strömungen des inselkeltischen Druidentums*. Einige Jahre hielt er sich an der bretonischen Nordküste auf, bevor die touristische Völkerwanderung sie verwüstete, und weilte dort als Mäzen und Manager junger Künstler, Veruntreuer von frühen Touristinnen und Privatdozent gegen Okkultismus. Dabei verfaßte er zwei weitere Standardwerke: Schamanistische Einflüsse in die Analekten des Konfuzius*und Sexualpathologische Aspekte der Psychokinese*. Und tat zahllose weitere unsinnige Dinge, die ausnahmslos zu Gold wurden (er habe, behauptete er, in dieser Beziehung etwas durchaus Eselhaftes an sich). Jahrelang verdiente er sich ein regelmäßiges Zubrot mit seinem Kummerkasten Fragen Sie Frau Griseldis; außerdem droht irgendwann die Veröffentlichung seines geheimen Hauptwerks Der Leichnam in der Weltliteratur. (Die Mutmaßung, seine detektivischen Aktivitäten seien nur ein Vorwand dafür oder umgekehrt, ist nicht von der Hand zu weisen.) ...«
Der Mann hielt den Oberkörper steif, wie beim irischen Zappelbeintanz. Er stieg auf einen Schemel rechts von uns, stöhnte und sagte: »Calvados.«
Wir spielten Räuberskat und tranken sauren Wein. Matzbach, der feiste Zyniker, war heute nur dick, aber unerträglich seriös. Er langweile sich mit dem investierten Lottogewinn, ausufernder Lektüre und seinem Kummerkasten (»Fragen Sie Frau Griseldis«), und wann ich endlich einen Verlag für meine Blankvers-Klamotte Ein Körnerfresser beißt ins Gras fände.
Der Mann jaulte leise und sagte: »Kirschlikör?«
Am anderen Ende des Tresens bestellte der persische Medizinstudent Persico – heute, genau einen Monat nach Erstürmung der US-Botschaft, wolle er auf den Schah trinken, den er gehaßt habe und zu vermissen beginne.
Der Mann jaulte lauter und sagte: »Slivovitz?«
Ich deckte den Herzbuben auf, Matzbach schnaubte, und der Mann stieß eine Art Wolfsgeheul aus. Er musterte die drei vollen Gläser, sagte: »Kastanie? Nußlikör, anstatt. Und aus Rotdorn macht man nix, oder? Aber Holunder!«
Als fünf Gläser vor ihm standen, nickte er, jaulte, leerte eines, heulte, leerte das zweite, dann die übrigen, immer mit Geheul. Der Perser ging zur Musicbox, warf Geld ein, drückte einen Knopf und kam zurück. Der Mann zog seine Jacke aus, kreischte und fiel vom Hocker. Wir sahen, daß sein weißer Hemdrücken rot schraffiert war, und Roberta Flack sang Killing me softly.
Der Perser beugte sich über den Mann, berührte einen Fleck, roch an seinem Finger und sagte: »Blut, was?« Der Wirt telefonierte nach dem Notarzt. Dann runzelte er die Stirn und nickte, als Matzbach fragte, ob die Schwarze Barbara noch nebenan praktiziere.
»Was hat Heino damit zu tun?«, sagte ich.
»Trottel«, sagte Baltasar. »Der da hat sich nen netten Nachmittag mit Peitschen und Ruten gemacht. Am Namenstag der Domina. Apfel, Kirsche, Pflaume, Kastanie, Rotdorn, Holunder? Schon mal von Barbarazweigen gehört, Junge?«
»O Mann. Vielleicht solltest du Detektiv spielen.«
»Blöde Idee.« Matzbach grinste. »Aber – wieso eigentlich nicht?«
Der Student bestellte noch einen Persico.
Historischer Krimi aus dem Jahre 1980
Es geschah kurz nach der Zahnbürstensache2. Anders als seine Bekannten glaubten, war dies keineswegs Baltasar Matzbachs erster, wiewohl bisher größter Fall gewesen. Einige Wochen nach dessen Abschluß wärmte den Dicken die Sonne des Erfolges nicht mehr sonderlich; er mußte daher mit dem Gestirn des feinen Herbstnachmittags vorlieb nehmen. In diesem späten September 1980 plagten ihn viele Dinge; neben der allfälligen Langeweile wegen Ausbleibens der Sensationen war eine im weitesten Sinne libidinöse Frage zu klären. Ob nämlich die nette Dame, die er im Verlauf der aventiure kennengelernt hatte, wirklich nett genug sei, ihrethalben eine Weile der Monogamie zu frönen. Da jedoch auch auf diesem Gebiet harte Arbeit die beste Anästhesie ist, saß Baltasar Matzbach in seinem Appartement und hämmerte auf der Schreibmaschine. Der Schweiß sammelte sich in seinen Geheimratsecken, floß um die Augen und bildete Bächlein, die dem wuchtigen Kinn zustrebten.
Eigentlich hatte Matzbach einen Schönheitsschlaf tun wollen und den Wecker gestellt, daß die Schönheit nicht überhandnehme. Da er aber nicht schlafen konnte, hörte er Bach und dachte nach. Hierbei fiel ihm die Antwort auf einen problematischen Brief ein. Wenn Matzbach, der Universaldilettant, nicht gerade als Hobbydetektiv marodierte, betätigte er sich als Seelentröster. Um gesundes Geld gestaltete er die Wochenkolumne ›Fragen Sie Frau Griseldis‹, die allen Lesern einer großen Illustrierten ein Begriff ist. Diesmal war ein heikles Problem dabei; es erinnerte ihn unangenehm an sich selbst und betraf libidinöse Großväter. Frei nach Sherlock Holmes war es ein Problem für fünf Zigarren und zwei Liter Kaffee. Deshalb hatte Baltasar den großen Emaillekessel auf eine zaudernde Herdplatte gestellt. Heftige Inspiration trieb ihn alsdann an die Schreibmaschine, wo er die Welt vergaß.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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