7 Der satanische Triangel - Alex Gfeller - E-Book

7 Der satanische Triangel E-Book

Alex Gfeller

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Beschreibung

Diese moralische Barschheit steht ihr nicht an und steht ihr auch nicht zu, möchte man ihr zu bedeuten geben, und eine unkritische Meinungseinfalt bringt die Meise ja auch nicht weiter.

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Seitenzahl: 76

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Wer der durchaus berechtigten Meinung ist, diese Belastung reiche gegenwärtig moralisch und psychisch, arbeitsrechtlich und auch gesellschaftlich bei weitem aus, um die laufende Unternehmung augenblicklich wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, um den Auftrag auf der Stelle abzulehnen und entschieden zurückzuweisen, um also die Aufgabe unumwunden abzulehnen und abzubrechen, ja, auch zukünftig zu verweigern, der kennt den rachsüchtigen und nachtragenden Charakter der Katzen und der Mitmeisen nicht. Wir haben bereits gesehen, dass das Katzenprotektorat infolge seiner komplexen Zusammensetzung und seiner aggressiven Konsistenz, sowie auf Grund seiner destruktiven Methodik eigentlich nur Blut sehen will, und nichts als Blut, nämlich frisches, warmes Meisenblut, und infolgedessen alles, was das Katzenprotektorat beschließt oder auch nicht beschließt, ausschließlich dazu beitragen soll, das Meisenblut in Strömen fließen zu lassen, entgegen allen scheinheiligen Beteuerungen, massiv absurden Behauptungen, empörten Zurückweisungen und reichlich obskuren Rechtfertigungen, denn was heimtückische Katzen vor einer desinteressierten Öffentlichkeit alles wort- und gestenreich beteuern mögen, und was sie schließlich in aller Heimlichkeit beschließen und anschließend gewohnt gnadenlos umsetzen und durchziehen werden, sind grundsätzlich zwei völlig unterschiedliche Dinge, sind „zwei ganz verschiedene Paar Schuhe“, wie der Volksmund salopp sagt, ausgetretene, abgewetzte, ausgeleierte und ausgelaugte Schuhe allerdings, die grässlich stinken, muss man gleichzeitig anfügen.

Im eindringlichen Beteuern, im bedeutungsvollen Versichern, im nachdrücklichen Belobigen und ausdrücklichen Beglaubigen ist ein eingespieltes Katzenprotektorat nämlich enorm geübt und geschickt, extrem selbstsicher, überaus prädestiniert, also täuschungstechnisch mehr als ausgezeichnet qualifiziert und verlogenheitsrechtlich absolut unschlagbar; es ist sich – nur als Beispiel – nicht einmal zu schade, im Bedarfsfall blanke Lügen und Erfindungen zu verbreiten, nur um anschließend das pure Gegenteil von dem, was es hat verlauten lassen, zu erwirken, und zwar mit aller ameisischen Nachhaltigkeit. Da kennt es nichts, das arglistige Katzenprotektorat, da hat es keinerlei Hemmungen, und so liegen denn die wahrhaft üblen und abscheulich stinkenden Dinge offen herum, zur freien Verfügung wie zur Selbstbedienung, als öffentlicher Gesprächsstoff und als Generalthema für Treppenhäuser, Mittagstische, Tiefgaragen, Vereinslokale, Wirtshäuser, Ehebetten, Herrenpissoirs, Tea Rooms und Damentoiletten. Genau damit muss die Meise klarkommen, und zwar alleine, ohne jede Unterstützung, ohne jede Hilfe, ohne jeden Beistand.

Wie denn auch? Wer sollte denn eine simple, dämliche Meise unterstützen wollen, wo doch dabei nichts als endloser Ärger und unabsehbare Nachteile herausschauen würden? Wer wäre denn so blöde, sich für eine Meise einzusetzen, wo man sich doch als undankbare Belohnung nur noch selber in die Nesseln setzen kann, wobei man sich also nur selber schadet?

Wir erkennen sogleich, dass der Meise Lage recht eigentlich hoffungslos ist, und zwar ganz und gar und prinzipiell, als Charakteristik des korrumpierten Systems, gleich von Beginn weg, schon von Anfang an, als Voraussetzung sozusagen, als unausweichliches und unumgängliches Start Set up, denn was immer die Meise unternähme und wie immer sie entschiede, in welche Richtung sie auch immer gehen möchte und wohin sie sich auch immer wenden würde, wenn sie sich denn wenden könnte: Alles, was sie jemals gemacht hat, jetzt gerade macht oder später noch machen sollte, würde jederzeit postwendend zu ihren Ungunsten ausgelegt werden können und in den Augen der gesamten, gerne mal empörten Katzenwelt und der schadenfreudigen Meisenwelt von Vornherein zwangsläufig falsch sein, denn in dieser Kette von unausweichlichen Reaktionen steht sie als Faktor ganz am Schluss, und zwar als längst vorausbestimmtes Opfer und nicht etwa als tätige Botanik, als aktive Fauna, als geschäftiges Gevögel, als bewegliche Meise oder als regsame Ornithologie generell. Nein, als Opfer. Als Verliererin.

Der Grund ist einfach: Sie ist in einer normalen Unternehmung wie der gegenwärtigen einfach nicht der handelnde Teil, und deshalb können wir an dieser Stelle durchaus von einer antiken Tragödie hellenischen Ausmaßes sprechen, wie bereits angedeutet, und es stellt sich alsbald die unausweichliche Frage: Hätte die Meise die ganze Unternehmung nicht besser planen, nicht vernünftiger vorbereiten und nicht viel vorausschauender durchführen können? Hätte sie all ihre jahrelangen Erfahrungswerte nicht in die Waagschale werfen müssen, also in all ihre Vorkehrungen umsichtig und vorsichtig mit einbeziehen können? Die Antwort ist nein. Hätte sie nicht. Erfahrungswerte haben hier nichts zu suchen.

Eine mehr als nachdenkliche Meise erinnert sich an dieser Stelle ihrer tapferen und unverzagten Anfänge, als sie eine Unternehmung nicht nur am Schreibtisch geplant, sondern an einem freien Sonntag sogar im Maßstab eins zu eins abgeschritten hat, nur um sicher zu gehen, auf keinerlei unliebsame Überraschungen zu stoßen und um auf alle Eventualitäten gut oder zumindest ausreichend vorbereitet zu sein. Doch im Verlaufe der späteren Jahre hat sie von diesen lobenswerten, persönlichen Vorvisionierungen abgesehen und bewusst Abstand genommen, nicht nur wegen der unausweichlichen Gegebenheit, dass sie all diese Unternehmungen und all deren mögliche Verläufe und denkbaren Abläufe allmählich auswendig gekannt hat, sondern auch durch den unwiderlegbaren Umstand, dass sie kraft ihrer nun doch bereits reichlichen und unausweichlichen Erfahrung mit solcherlei Unternehmungen davon ausgehen konnte, zu wissen, was ein Unternehmen überhaupt bedeutet, wie es abgewickelt werden muss und was es erbringt.

Was sie jedoch in dieser ihrer ganzen Kalkulation rundweg nie hat voraussehen und auch nie hat berücksichtigen können, ist die klare Tatsache, dass sich die Wurmausschüsse im Verlaufe der vielen Jahre voller Veränderungen, Verschiebungen und Verdrehungen sowohl in ihrer ganzen Art und Konsistenz, also in ihrer ganzen Ausbildung und Ausformung, als auch in ihrer qualitativen Zusammensetzung sehr stark verändert haben, und dies nicht zu ihren Gunsten und auch nicht zu der Meise Erleichterung und Freude, kann man dazu nur anfügen, respektive andeuten. Sie will jetzt aber nicht auf dieses mehr als bedauerliche Thema eingehen, denn eine schnell mal überhebliche, weil oberflächliche Auseinandersetzung mit dem generellen Zeitgeschehen scheint ihr in diesem Zusammenhang und zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich notwendig und auch nicht gerade angebracht zu sein, zumal ihr diese durchaus denkbare Vertiefung in keiner Wiese weiterhelfen könnte und sie auch bestimmt nicht weiterbringen würde – heute jedenfalls nicht mehr. Dafür ist es ihrer Ansicht nach längst zu spät.

Wir haben es hier mit einer typischen Generationentragödie zu tun, die auf der völlig unterschiedlichen Einschätzung der Lage auf Grund absolut andersgearteter Erfahrungswerte beruht – zum Glück, muss man dazu anfügen, denn wenn nur die lückenhafte Einschätzung der Alten und Erfahrenen zählen würde, dann wäre die Ornithologie geradewegs am Ende; darauf können Sie Gift nehmen. Die intensive Beschäftigung mit dem Ausschuss und seinen so wandelbaren Erscheinungsformen hat sie in Tat und Wahrheit seit langem ad acta gelegt, in der durchaus diskutablen Meinung, das sei nicht ihre, also der Meise Aufgabe, noch ihre wahre Bestimmung und schon gar nicht ihr ureigenes Interesse oder gar ihr persönlicher Wunsch.

Man kann sich über diese befremdlich abweisende Haltung in anscheinend individualistischem Egoismus durchaus heftig streiten, doch man muss anderseits auch verstehen können und berücksichtigen wollen, dass die Meise in ihrem hartnäckigen Aussitzen der gesellschaftlichen Konstellationen, also der widerlichen, ameisischen Umstände, in denen sie gegenwärtig steckt, in Anbetracht der unappetitlichen vögelischen, würmischen und kätzischen Faktoren, der ganzen unerfreulichen, ornithologischen Unbill, den unnatürlichen Zuständen und nicht zuletzt auch der globalen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und auch kulturellen Veränderungen längst an ihre physischen und psychischen Grenzen gestoßen ist. Verstehen Sie? Da haben wir die wahren Zusammenhänge zu suchen.

Eine Konfrontation mit dieser müßigen Frage wäre in diesem Fall nur noch eine zusätzliche und absolut unnötige Belastung und käme einer überflüssigen Aufgabe und überdies einer das Leben der Meise massiv erschwerenden Arbeit gleich, welche die Meise zudem alleine gar nicht mehr zu bewältigen vermöchte. Wie denn? Wie sollte das denn geschehen können? Selbst eine Gemeinschaftsarbeit, also eine dieser beliebten, doch unsäglich banalen Kollektivaufbereitungen, zusammen mit anderen verstörten Meisen, die es durchaus und sogar in großen Mengen gibt und die alle Fehler großzügig verzeiht, weil sie, auf mehrere Schultern verteilt, nicht mehr personifiziert werden können, so dass eine einzelne Meise gar nicht mehr verantwortlich gemacht werden kann und ihr umgekehrt gestattet, sich einfach bequem und feige hinter den Rücken anderer geschlagener Meisen zu verbergen, brächte diesbezüglich gar nichts, überhaupt nichts, rein gar nichts, denn es würde im gebeutelten Meisenschwarm ja doch immer nur so getan, als ob die Fehler ausnahmslos bei den Meisen selber lägen, dass also die Meisenheit selber das Problem wäre, dass der gebeutelten Meisen persönliche Konzeptionen dringend gehirnwäscheartig überarbeitet werden müssten, und so weiter, und die ganzen, absolut unnützen und unnötigen Gruppenarbeiten, immerzu tödlich langweiligen Gruppendiskussionen, furchtbaren Gruppensitzungen, lächerlichen Gruppenmeditationen, nutzlosen Gruppenerfahrungen, absolut blödsinnigen Gruppentherapien und stets unausweichlichen Gruppenmasturbationen bestünden nahezu ausschließlich in lauter fadenscheinigen Ausflüchten und weinerlichen Bekenntnissen der lächerlichsten Art, in überraschend oberflächlichen Besänftigungen, in unerhört lapidaren Verharmlosungen, in sehr peinlichen Beschönigungen, in extrem krassen Verfälschungen, in katastrophal destruktiven Selbstbezichtigungen, in lächerlichen Verlautbarungen, in äußerst absurden Standortbestimmungen und in geradezu hanebüchenen, richtig perversen Selbstverurteilungen. Eine nützliche Zusammenarbeit oder eine gemeinsame Aufarbeitung wäre in diesem Zusammenhang, also im Kollektiv, gar nicht erst denkbar, noch in irgendeiner Weise nutzbar – so weit sind all diese bedauernswerten Dinge in der längst nachhaltig zerrütteten Ornithologie bereits vorangeschritten; die Meise ist an die Grenzen dessen gestoßen, was sie überhaupt zu leisten imstande ist.