Jakob - Damaris Kofmehl - E-Book

Jakob E-Book

Damaris Kofmehl

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Beschreibung

Ein packender Bibel-Thriller von Bestseller-Autorin Damaris Kofmehl, der von Gottes Größe erzählt. Jakob und Esau sind Zwillinge, doch sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Ein schwerer Betrug entzweit die beiden komplett. Jakob muss vor dem Zorn seines Bruders fliehen. Doch kurz darauf wird Jakob selbst Opfer einer grausamen List … Als er sich nach vielen Jahren auf den Weg zurück in seine Heimat macht, sinnt Esau weiter auf Rache. Jakob weiß: Es braucht mehr als nur ein vorauseilendes Geschenk, um das Schlimmste zu verhindern. Unerwartet und bewegend! Eine Geschichte voller Intrigen und in alledem Gottes Präsenz.

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Seitenzahl: 575

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Beliebtheit




SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe,

die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung,

die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher,

Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG (»Text und Data Mining«) zu gewinnen, ist untersagt.

ISBN 978-3-7751-7659-0 (E-Book)

ISBN 978-3-7751-6263-0 (lieferbare Buchausgabe)

© 2025 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH

Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen

Internet: www.scm-haenssler.de · E-Mail: [email protected]

Die Bibelverse sind folgender Ausgabe entnommen:

Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus

in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen

Lektorat: Christina Bachmann

Umschlaggestaltung: Stephan Schulze, Stuttgart

Satz und E-Book-Erstellung: Satz & Medien Wieser, Aachen

      Ich widme dieses Buch meiner Schwester Mirjam. Du gibst mir so viel Rückhalt!

Deine Liebe und Hingabe für alle, die dich »Mama« nennen, ist unbeschreiblich.

Ich bin so stolz darauf, dass du meine Schwester bist.

Best sister ever!

Inhalt

Über die Autorin

Über das Buch

Vorwort

Personen und Namensbedeutungen

Prolog

1. Mose 25 / 1. Mose 26 / 1. Mose 27,1-13 | Das Erbe Abrahams

Zwillinge

Esau und Jakob

Großvater

Für ein Linsengericht

Ein dunkles Geheimnis

Lea und Rahel

Vater

Der Brunnenstreit

Der Auserwählte

1. Mose 27,14-46 / 1. Mose 28 / 1. Mose 29,1-19 | Die Flucht

Der Segen

Der Betrug

Hastiger Aufbruch

Das Tor zum Himmel

Ein Schwur und ein Gelübde

Krieger im Sandsturm

Liebe auf den ersten Blick

Der Brautpreis

Verliebt

1. Mose 29,20-30 / 1. Mose 29,31-35 / 1. Mose 30 | In der Fremde

Königskrieger

Kriegspläne

Die Schlacht um Ur

Die falsche Braut

Schwesterliebe

Wie kann Gott das zulassen?

Leas Sehnsucht

Verschaffe mir Kinder!

Schwesternstreit

Labans Plan

Das Geschenk

1. Mose 31–33 | Die Rückkehr

Überstürzte Flucht

Der Gejagte

Die gestohlenen Götter

Engelskrieger

Die Nacht der Entscheidung

Jakobs Ringen

Die Geisterreiter

Israel

Zerbruch und Erneuerung

Die Versöhnung

Näher, mein Gott, zu dir

Nachwort

Dank

Anmerkungen

Leseempfehlungen

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Über die Autorin

DAMARIS KOFMEHL ist Bestsellerautorin und erzählt wahre Begebenheiten als True-Life-Thriller, Fantasy und Biografien. Ihre Buchrecherchen führten sie unter anderem nach Brasilien, Pakistan, Guatemala, Chile, Peru, Australien und in die USA. Sie lebte lange unter Straßenkindern in Brasilien und heute wieder in ihrem Heimatland, der Schweiz.

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Über das Buch

»ICH LASSE DICH NICHTEHER LOS, BIS DU MICHGESEGNET HAST«

Jakob und Esau sind Zwillinge, doch sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Ein schwerer Betrug entzweit die beiden komplett. Jakob muss vor dem Zorn seines Bruders fliehen. Doch kurz darauf wird Jakob selbst Opfer einer grausamen List… Als er sich nach vielen Jahren auf den Weg zurück in seine Heimat macht, sinnt Esau weiter auf Rache. Jakob weiß: Es braucht mehr als nur ein vorauseilendes Geschenk, um das Schlimmste zu verhindern.

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Vorwort

Nach sechsundvierzig veröffentlichten Büchern ist Jakob mit Abstand das herausforderndste Buch, das ich je geschrieben habe. Was für eine Geschichte! Eine Geschichte von Betrug, Eifersucht, Streit, von Liebe, Hass, Rache und Versöhnung, gespickt mit Ereignissen, die unseren Verstand bei Weitem übersteigen, wie Jakobs Kampf am Jabbok oder das Tor zum Himmel, das er in der Wüste sah. Aber vor allem ist es eine Geschichte, die schonungslos echt ist und in der es keine Helden gibt – nur fehlerhafte Menschen wie dich und mich. Und es ist die Geschichte eines unfassbar gnädigen Gottes, der sich zu ebendiesen Menschen bekennt und mit ihnen vorangeht, bis sie ans Ziel kommen.

Je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, desto mehr schälten sich die Charaktere der einzelnen Figuren heraus, und ich muss gestehen, sie brachten mich manchmal schier zur Verzweiflung mit ihren Streitereien und Täuschungen und ihrer Sturheit. Manchmal wollte ich sie einfach nur schütteln und sie dazu bringen, netter zueinander zu sein und sich nicht ständig zu zanken und übers Ohr zu hauen! Mehr als einmal fragte ich mich ernsthaft, warum Gott sich das alles gefallen ließ, warum er nicht eingriff und ein Machtwort sprach, warum er sich nicht jemand anderen aussuchte, um das Erbe Abrahams weiterzutragen, jemand, der gerechter und edler gewesen wäre als Jakob. Aber genau das macht die Geschichte so besonders. Weil er es eben nicht tat, weil er sein Versprechen eben einem wie Jakob gab, einem, der es gerade nicht verdient hatte, gesegnet zu werden. Das ist Gnade und das gibt mir Hoffnung, dass Gott mit jedem von uns seinen Weg geht und uns auch dann nicht fallen lässt, wenn wir versagen.

Vielleicht fragt sich der eine oder die andere, warum ich diesen biblischen Roman Bibel-Thriller nenne. Ganz einfach, weil es eine Geschichte voller Spannung und Nervenkitzel ist. Ich habe es geliebt, darin einzutauchen und die Szenen so auszuschmücken, dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, mitten im Geschehen zu sein. Dabei habe ich auch Charaktere erfunden, mich aber stets eng an den biblischen Bericht gehalten. Ich habe viel über Jakobs Zeit recherchiert und meine theologischen Fachbücher dazu durchforstet. Einige interessante Hintergrundinfos findest du im Nachwort.

Eine Person, die mir sehr wichtig war zu beleuchten, ist Esau, Jakobs Zwillingsbruder. Esau kommt immer sehr schlecht weg, wenn man die Geschichte von Jakob und Esau erzählt. Er ist immer nur der gottlose, raue, bärbeißige Bruder, an dem man kein gutes Haar lässt. Dann verschwindet er für zwanzig Jahre wie vom Erdboden und taucht erst zum großen Finale wieder auf. Wo war er während dieser Zeit?, fragte ich mich. Was hat er wohl gemacht? Wie hat er gelebt? Natürlich weiß ich es nicht. Die Bibel verrät es uns nicht. Also habe ich diese Lücke einfach mit meiner eigenen Fantasie gefüllt und Esau in den Krieg nach Babylonien geschickt. Babylonien?! Ja! Denn spannenderweise regierte zu jener Zeit ein König namens Samsu-iluna über Babylonien und dieser hatte alle Hände voll damit zu tun, sein großes Reich, das er von seinem Vater Hammurabi geerbt hatte, gegen Aufständische zu verteidigen. Und da passte Esau mit seinem wilden Temperament hervorragend hinein.

Neben Jakobs und Esaus Perspektive wollte ich unbedingt auch die von Isaak und Rebekka sowie von Jakobs späteren Frauen Rahel und Lea in die Geschichte einflechten. Ich bin in ihre Gedanken und Emotionen eingetaucht und habe sie dabei alle fest ins Herz geschlossen. Ich habe mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten und hatte irgendwann tatsächlich das Gefühl, ich würde sie kennen.

Während des Schreibens hatte ich stark den Eindruck, dass Gott mich immer wieder auf Ideen und Zusammenhänge brachte, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Ich fühle mich wirklich von ihm inspiriert und hoffe, liebe Leserin und lieber Leser, die Geschichte von Jakob wird auch dich für dein ganz persönliches Leben inspirieren.

Damaris Kofmehl

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Personen und Namensbedeutungen

Isaak – Sohn von Abraham und Sara, Bruder Ismaels, Vater von Jakob und Esau, Bedeutung: Kind des Lachens

Rebekka – Frau von Isaak, Mutter von Jakob und Esau, Schwester Labans

Laban – Bruder Rebekkas, Vater von Rahel und Lea

Ismael – Bruder Isaaks, Sohn von Abraham und Hagar, Bedeutung: Gott hört

Jakob – Sohn von Isaak und Rebekka, Zwillingsbruder Esaus, Bedeutung: Fersenhalter, Überlister

Esau – Sohn von Isaak und Rebekka, Zwillingsbruder Jakobs, Bedeutung: der Behaarte

Rahel – Frau von Jakob, Tochter Labans, Schwester Leas

Lea – Frau von Jakob, Tochter Labans, Schwester Rahels

Bilha – Rahels Magd

Silpa – Leas Magd

Söhne Jakobs – (vom Ältesten zum Jüngsten) Ruben, Simeon, Levi, Juda, Dan, Naftali, Gad, Asser, Issaschar, Sebulon, Josef, Benjamin (aus diesen zwölf Söhnen gingen die zwölf Stämme Israels hervor)

Samsu-iluna – König von Babylonien, Sohn von König Hammurabi (auch Hammurapi geschrieben)

      »Lass dich niemals von deiner Furcht leiten.Vertrau dem Herrn.Er ist alles, was du brauchst.

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Prolog

Ich stehe vor dem Altar und alle warten gespannt darauf, was ich nun tun werde. Es ist noch früh am Morgen. Ich atme die kühle frische Luft tief ein und trete auf den Altar zu, den ersten Altar, den ich für den Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs gebaut habe. Für meinen Gott.

Ich fühle immer noch ein Kribbeln in mir, wenn ich ihn so nenne. Mein Gott. Es ist viel geschehen, bevor ich den Mut aufbrachte, ihn so zu nennen. Zu viel. Aber vielleicht war dies auch alles nötig, um zu dem Mann zu werden, der ich heute bin und der ich mein Leben lang hatte sein wollen, auch wenn ich so oft versagt habe. Zu oft, um ehrlich zu sein. Ich kann noch immer nicht ganz begreifen, was es ist, das Gott in mir sieht und immer in mir gesehen hat. Wer bin ich schon? Warum hat er ausgerechnet mich auserwählt? Warum mich?

Meine Hand gleitet in meine Manteltasche. Ich spüre einen kleinen Stein zwischen meinen Fingern, einen kleinen, unscheinbaren Stein, den Großvater mir einst gegeben hat und den ich seither immer bei mir trage.

Großvater Abraham. Was habe ich ihn geliebt! Und bewundert. Er war der Erste, der diesem unbekannten Gott folgte, den niemand sonst zu kennen schien. Er war der Erste, der dem Höchsten einen Altar baute. Und zwar genau hier! In Sichem! Hier hatte er seinen ersten Altar aufgeschichtet, genau wie ich! Und genau wie er werde auch ich kein Tieropfer darauf schlachten. Denn das ist es nicht, was Gott von mir möchte. Nein. Er möchte etwas ganz anderes: Er möchte mein Leben. Meine Treue. Meinen Glauben – und mein ungeteiltes Herz. Und genau das ist es, was ich bereit bin, ihm hier und heute zu geben. Mich selbst. Denn alles, was ich bin und habe, verdanke ich ihm. Er ist alles, was ich brauche. Alles, wonach mein Herz sich sehnt.

Und so schreite ich auf den Altar zu, demütig, hinkend, doch erfüllt mit mehr Dankbarkeit und Ehrfurcht, als ich sie in Worten ausdrücken könnte. Schweigend schaut meine Sippe mir dabei zu, in stiller Erwartung, dass ich nun die Arme erheben und ein Gebet sprechen werde. Doch das ist es nicht, was ich tue. Das ist es nicht, wozu mein Herz mich drängt. Nein. Mein Herz, meine Seele und mein Geist drängen mich zu so viel mehr.

Und so lege ich meine Hände an den Altar und ziehe mich an den groben Steinen mühsam hoch. Ja, ich klettere auf den Altar und stelle mich oben mitten auf die Steine. Ich erinnere mich an die Geschichte, die mein Vater mir und meinem Bruder oft erzählt hat, wie er als kleiner Junge auf einem Altar hätte geopfert werden sollen und wie er dort auf dem Altar lag, gebunden an Händen und Füßen, und bereit war, sein Leben zu lassen. Weil er Gott mit seinem ganzen kindlichen Herzen vertraute. Und das tue ich auch. Aber anders als mein Vater lege ich mich nicht auf den Altar – ich stelle mich aufrecht hin, als Zeichen meiner Ergebenheit, als Zeichen meiner Weihe, als Zeichen, dass ich Gott ganz gehören will.

Und so stehe ich da, mitten auf dem Altar, den ich für meinen Gott gebaut habe, und ich breite meine Arme aus, lege meinen Kopf in den Nacken, schließe die Augen – und beginne zu singen. Mit Tränen in den Augen. Leise. Doch in meinem Herzen brennt es wie Feuer.

Näher, mein Gott, zu dir.Näher zu dir.Näher, mein Gott, zu dir.Näher zu dir.

Und während meine sanfte Stimme sich wie ein Segen über meine Sippe legt, schweifen meine Gedanken zurück. Zurück in die Vergangenheit. Zurück zu meiner Geschichte und wie alles begonnen hat …

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1. Mose 25 / 1. Mose 26 / 1. Mose 27,1-13

Das Erbe Abrahams

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Zwillinge

Im 18. Jahrhundert v. Chr., in Beer-Lahai-Roi im Süden Kanaans

Ein Blitz zuckte über den aschfahlen Himmel, gefolgt von einem krachenden Donnerschlag. Es war, als würde der gesamte Himmel auseinanderbrechen, als würden Licht und Finsternis hinter der schwarzen Wolkenwand erbittert miteinander ringen wie zwei hasserfüllte Feinde in einem Kampf auf Leben und Tod.

Schweißgebadet fuhr Rebekka von ihrem Schlaflager in die Höhe und legte ihre Hand auf ihren prallen Bauch. Ihr Stöhnen riss auch ihren Mann Isaak aus dem Schlaf.

»Rebekka, Liebste, was hast du?«

»Die Zwillinge!«, keuchte Rebekka. »Sie hören nicht auf, sich zu streiten. Sie bringen sich noch gegenseitig um, bevor sie überhaupt geboren sind! Hört auf! Hört endlich auf! Ah!« Sie schrie auf vor Schmerzen. In diesem Augenblick spürte sie, wie ihre Fruchtblase platzte.

Sie packte Isaak am Arm. »Es ist so weit!«

»Was? Du meinst – jetzt?«

»Ja!«, schrie Rebekka und ihre Brust hob und senkte sich immer rascher. »Ja, jetzt! Sie kommen! Sie kommen, Isaak!«

Isaak saß etwas hilflos neben seiner Frau, unfähig, sich von der Stelle zu rühren.

»Hol Hilfe!«, trieb sie ihn an. »Hol Hilfe! Schnell!«

»Sofort, Rebekka … sofort … Halte durch!«

Isaak warf die Felldecke zurück, sprang eilends auf und verschwand aus dem Zelt. Draußen erhellte ein verästelter Blitz den Nachthimmel. Kurz darauf dröhnte der Donner und ließ die Erde erbeben. Gewitter kamen nur selten vor in dieser Gegend. Doch wenn es welche gab, waren sie heftig und konnten innerhalb kürzester Zeit ganze Felshänge zum Einstürzen bringen und trockene Täler in reißende Flüsse verwandeln. Die ersten schweren Regentropfen klatschten auf die schweren Ziegenfelldecken des Nomadenzeltes. Augenblicke später schüttete es wie aus Eimern. Ein Gewittersturm fegte über die Ebene und zerrte so stark an den Verstrebungen und Planen des Zeltes, dass sie drohten, sich zu lösen und davonzufliegen.

Doch der Sturm draußen war nichts im Vergleich zu dem Kampf, der in Rebekkas Innerem tobte. Sie schrie und stöhnte und wand sich unter der Wehe, die sie mit brachialer Wucht überfallen hatte. Die ungeborenen Kinder traten gegen ihren Bauch und stießen sich so heftig, als würden sie sich darum streiten, wer zuerst auf die Welt kommen durfte.

»O Gott!«, schrie Rebekka und eine furchtbare Angst überkam sie mit einem Mal. »O Herr, sie töten sich gegenseitig und mich mit ihnen! Warum bin ich schwanger geworden, wenn meine Kinder sich schon in meinem Leib bekämpfen müssen? Sag mir, warum?!«

Wieder krachte ein Donner, und kaum war das Grollen abgeklungen, hörte Rebekka plötzlich eine Stimme, klar und deutlich, als wäre jemand bei ihr im Zelt, obwohl niemand da war.

Zwei Völker trägst du in deinem Leib. Zwei verfeindete Völker streiten sich in deinem Schoß. Das eine Volk wird das andere unterwerfen und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.

Verstört blickte Rebekka um sich. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Hatte sie sich das nur eingebildet oder hatte da gerade Gott mit ihr gesprochen?! Bevor sie überhaupt in der Lage war zu begreifen, was da passiert war, wurde sie von einer weiteren Welle des Schmerzes überrollt und schrie laut auf.

Im selben Moment hob Isaak die Eingangsdecke hoch und stolperte triefend nass ins Zelt herein. »Rebekka!«

Drei atemlose Mägde, ebenfalls durchnässt vom strömenden Regen, Tücher und Schüsseln mit Wasser in den Händen, folgten ihm auf dem Fuß. Isaak wollte zu Rebekka, doch die Mägde hinderten ihn daran und scheuchten ihn regelrecht aus dem Zelt hinaus.

»Wartet draußen, Herr. Wir übernehmen ab hier.«

Es wurde eine lange, schwere Geburt. Das Unwetter wütete die ganze Nacht, während Rebekka glaubte, vor Qualen sterben zu müssen. Sie presste und keuchte und schrie und stöhnte. Irgendwann im Morgengrauen, als der Sturm abflaute, gebar sie ihr erstes Kind. Einen Sohn. Er war am ganzen Körper mit einem rötlichen Flaum bedeckt wie ein Tier. Unmittelbar nach ihm kam sein Bruder zur Welt. Er hielt seinen Zwillingsbruder bei der Geburt an der Ferse fest, als hätte er bis zum letzten Moment versucht, ihn daran zu hindern, als Erster geboren zu werden. Die Mägde durchtrennten die Nabelschnüre, reinigten die beiden Neugeborenen, wickelten sie in trockene Tücher und legten sie der erschöpften Rebekka in die Arme.

»Wir gratulieren Euch, Herrin. Ihr habt zwei kräftige, gesunde Jungen zur Welt gebracht.«

Rebekka lächelte und betrachtete die Zwillinge in ihren Armen voller Liebe. Kurz darauf wurde Isaak ins Zelt geholt und stürmte zu ihr ans Bettlager. Er lachte vor Freude, als er die Zwillinge sah.

»Zwei Jungen!«, rief er fröhlich und küsste erst Rebekka, dann die beiden Kinder sanft auf ihre winzigen Stirnchen. »Wie wollen wir sie nennen?«

»Esau«, sagte Rebekka entkräftet und deutete auf den Erstgeborenen der Zwillinge. Esau bedeutete der Behaarte, was perfekt zu dem kleinen Kerlchen passte. Er lag in ihrer linken Armbeuge und strampelte wie wild mit seinen rötlich behaarten Beinchen und Ärmchen, als wolle er noch immer gegen seinen Bruder kämpfen. Ihr Blick wanderte hinüber zum Zweitgeborenen, dem kleinen, dreisten Knirps, der seinen Bruder bei der Geburt an der Ferse festgehalten hatte und im Gegensatz zu Esau ganz still in ihrer rechten Armbeuge lag.

»Und ihn nennen wir Jakob, den Fersenhalter.«

»Esau und Jakob«, nickte Isaak und der Stolz in der Stimme des frischgebackenen Vaters war nicht zu überhören.

»Jakob und Esau«, murmelte Rebekka und strahlte erschöpft.

Und während sie voller Mutterglück auf die Zwillinge in ihren Armen schaute und sich allmählich von den Strapazen der Geburt erholte, erinnerte sie sich an die Stimme Gottes und die geheimnisvollen Worte, die er ihr gesagt hatte und die sich messerscharf in ihren Verstand gebrannt hatten:

Zwei verfeindete Völker streiten sich in deinem Schoß. Das eine Volk wir das andere unterwerfen, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.

Was würde bloß aus diesen beiden Jungen werden?

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Esau und Jakob

Fünfzehn Jahre später, irgendwo in der Wildnis bei Beer-Lahai-Roi

Esau duckte sich hinter einen Felsen und griff über die Schulter nach einem Pfeil in seinem Köcher. Seit Stunden lag der Fünfzehnjährige bereits auf der Lauer. Aber das machte ihm nichts aus. Er hatte Geduld. Er konnte warten, egal, wie lange es dauerte.

Esau war der geborene Jäger. Nichts tat er lieber, als mit Pfeil und Bogen durch die Wildnis zu streifen. Er liebte die Freiheit, das raue Leben und die Nächte draußen unter dem klaren Sternenhimmel. Schafe hüten wie sein Bruder Jakob langweilte ihn zu Tode. Er hatte einen Hunger nach Abenteuern und einen unersättlichen Durst danach, auf die Jagd zu gehen. Und er war gut darin, wirklich gut. Vor allem, wenn man bedachte, dass er erst fünfzehn war. Vater meinte sogar, wenn er so weitermachte, würde er noch den gewaltigen Jäger Nimrod übertreffen. Das wollte etwas heißen. Jeder wusste, dass Nimrod einer der mächtigsten Krieger war, der je gelebt hatte. Viele Legenden rankten sich um den unerschrockenen Jäger. Mit ihm verglichen zu werden, ließ Esaus junges Herz höherschlagen und schürte das unbändige Jagdfieber, das in ihm brannte, noch mehr. Ja, eines Tages würde er so berühmt sein wie Nimrod, so dachte er. Und bis dahin würde er alles erlegen, was ihm vor den Bogen kam, angefangen bei dieser Hirschkuh, die sich zwischen den Akazienbäumen gemächlich seiner Schusslinie näherte. Sie würde ein leichtes Ziel sein.

Esau wartete. Hinter seinem ahnungslosen Opfer ragten schroffe, kalkweiße Felsen in die Höhe. Hoch am stahlblauen Himmel über der engen Schlucht zog ein Adler seine Kreise. Friedlich tappte die Hirschkuh durch ein Feld roter Anemonen, senkte schließlich den Kopf und begann zu grasen. Jetzt war sie nah genug. Esau legte den Pfeil auf die Sehne, spannte den Bogen und nahm die Hirschkuh ins Visier. Er liebte diesen Augenblick, kurz bevor er die Sehne losließ. Jeder seiner Muskeln war angespannt. Er war ganz bei sich, hatte sich ganz unter Kontrolle, seinen Körper, seinen Atem, seinen Geist. Er spürte seinen Herzschlag, das Adrenalin, das durch sein Blut rauschte. Es gab nichts Vergleichbares.

Sein Bruder würde das nie verstehen. Jakob war so komplett anders als er. Es gab so gut wie gar nichts, das sie gemeinsam hatten. Sie waren so verschieden wie Tag und Nacht oder Feuer und Wasser. Esau war der Draufgänger, Jakob der Denker. Esau war der Wilde, Jakob der Stille. Esau streifte tagelang allein durch Steppen und Wälder, während Jakob lieber zu Hause bei den Zelten blieb und Mutter bei der Arbeit half. Das war wohl auch der Grund, warum Mutter Jakob bevorzugte, während Esau Vaters Liebling war. Auch im Aussehen hätten die Zwillinge unterschiedlicher nicht sein können. Jakobs Haut war ganz glatt, während Esau stark behaart war. Aber am auffälligsten war Esaus widerspenstiges rotes Haar im Vergleich zu Jakobs schwarzen Locken. Mutter hatte schon vor Jahren aufgegeben, Esaus Haar zu kämmen. Sie meinte, es sei so unzähmbar wie er selbst. Also ließ er es einfach wachsen, drehte sich die rote Löwenmähne zu Filzlocken und verknotete diese auf der Jagd am Hinterkopf, damit sie ihm nicht ständig ins Gesicht fielen.

Esau fixierte die Hirschkuh und dachte an seinen Vater und wie er sich über das gebratene Wild freuen würde, das Esau ihm immer zubereitete, wenn er von der Jagd kam. Und diese Hirschkuh würde ganz sicher eine herrliche Mahlzeit abgeben. Gerade wollte Esau den Pfeil abschießen, als die Hirschkuh plötzlich den Kopf hob und in Panik davonstob. Ein gefleckter Leopard schoss mit unglaublicher Geschwindigkeit von einem Felsvorsprung herab, sprang das aufgescheuchte Tier von hinten an, trieb ihm die scharfen Klauen ins Fleisch und riss es in einem gewaltigen Satz mit sich zu Boden. Das Ganze dauerte nur wenige Augenblicke, bevor die Hirschkuh mit durchgebissener Kehle zwischen den Tatzen der Raubkatze lag. Esau zuckte nicht einmal mit der Wimper, während er das tödliche Schauspiel aus nächster Nähe beobachtete. Ein einziger Gedanke schoss ihm durch den Kopf, und ein schelmisches Lächeln umspielte seine Lippen.

Sieh mal einer an. Wen haben wir denn da?

Er hatte sich schon gewundert, wie lange es dauern würde, bis der Leopard, der in der Gegend sein Unwesen trieb, seinen Weg kreuzen würde. Die Raubkatze hatte schon etliche Schafe und Ziegen von Vaters Herden gerissen und bisher war es niemandem gelungen, ihn zu töten. Dabei hatten die Hirten extra Leopardenfallen aufgestellt. Sie hatten dazu aus groben Steinen eine Art niedrige Höhle gebaut. Zuhinterst hatten sie an einem Seil ein Stück Fleisch befestigt, um den Leoparden anzulocken. Sobald er in der steinernen Kiste war, konnte man die Öffnung vorne mit einem großen Stein verschließen, und das Tier war gefangen. So pflegten die Hirten in der Region seit Jahrhunderten Raubtiere zu fangen. Allerdings war dieser eine Leopard zu schlau für ihre Fallen und war ihnen bisher immer entkommen. Bis heute.

Na warte! Diesmal krieg ich dich!, dachte Esau, drehte seinen Oberkörper ein kaum wahrnehmbares Stück nach rechts, zielte und ließ die Bogensehne los. Ohne einen Laut schoss der Pfeil durch die Luft und traf den Leoparden in den Brustkorb. Das Tier gab ein seltsam quiekendes Geräusch von sich und sackte zusammen.

Esau sprang aus seinem Versteck. Der Leopard lebte noch. Er lag auf der Seite, der Pfeil ragte ihm aus der Brust. Das Tier fauchte den jungen Jäger, der sich ihm näherte, wütend an. Esau grinste selbstsicher, während er einen zweiten Pfeil an die Sehne legte. Mit gespanntem Bogen ging er langsam, in pirschender Haltung auf den Leoparden zu. Wenn auch verwundet, stellte die Raubkatze immer noch eine ernst zu nehmende Bedrohung für ihn dar, was Esau sehr wohl bewusst war. Er hätte den Pfeil jederzeit abschießen können, um das Tier zu töten. Stattdessen genoss er es regelrecht, dieser majestätischen Bestie so nahe zu kommen. Der tödlichen Gefahr unmittelbar ins Auge zu blicken war ein Nervenkitzel, dem er sich nicht zu entziehen vermochte – auch wenn er dies gleich bitter bereuen sollte.

Denn plötzlich machte der Leopard mit blitzartiger Schnelligkeit einen Sprung nach vorn und attackierte Esau. Er erwischte den Jungen mit der Tatze am linken Unterarm und die messerscharfen Krallen gruben sich wie Widerhaken in sein Fleisch. Esau schrie auf und ließ den Bogen fallen. Die Wucht des Prankenhiebs riss ihn regelrecht von den Füßen. Er fiel der Länge nach hin, während der Leopard weiter die Klauen tief in seinen Unterarm gekrallt hielt. Der Schmerz raubte dem Jungen schier die Sinne. Er, der siegesgewisse Jäger, war nun selbst zum Gejagten geworden und der Leopard war nicht gewillt, seine Beute wieder herzugeben.

Wäre das Tier nicht so stark verwundet gewesen, hätte Esau vermutlich das Schicksal der Hirschkuh geteilt, die nur wenige Schritte von ihm entfernt mit zerbissenem Hals in ihrem Blut lag. Doch da der Leopard deutlich angeschlagen war, gelang es Esau, sein Jagdmesser aus der Scheide an seinem Gurt zu ziehen und auf die Pfote des Leoparden einzustechen, bis dieser die Krallen einzog und ihn freigab.

Der Junge hatte sich gerade hastig aufgerappelt, da ging der Leopard bereits zum nächsten Angriff über. Diesmal war Esau vorbereitet. Im letzten Moment riss er das Messer hoch und der Leopard stürzte sich damit selbst in den Tod, aber nicht, bevor er Esau die Klauen seiner unversehrten Pfote in die rechte Schulter geschlagen hatte. Dann brach er tot über Esau zusammen und begrub ihn unter sich.

Für einen Moment blieb Esau still liegen, schockiert und erregt zugleich. Wie benommen vor Schmerz befreite er sich aus der Umarmung des Leoparden, wuchtete den schweren Leib zur Seite, zog das Messer aus dessen Brust, ließ es zitternd fallen und krabbelte dann blutbesudelt in die Freiheit. Ihm war auf einmal schwindlig. Der Kampf hatte ihm alles abverlangt. Er spürte warmes Blut über seinen Rücken und aus den schweren Kratzwunden an seinem Arm laufen. Den Blick auf den toten Leoparden gerichtet, fühlte er, wie seine Kräfte ihn verließen. Er starrte vor sich hin und konnte kaum fassen, dass er tatsächlich mit einem Leoparden gekämpft und gesiegt hatte.

Von den Krallen würde er sich eine Kette machen, so viel stand fest.

Vater wird so stolz … Weiter konnte er nicht mehr denken. Die Landschaft verschwamm vor seinen Augen, er kippte zur Seite und verlor das Bewusstsein.

»Du musst stillhalten«, sagte ich zu dem Lämmchen auf meinem Schoß. »Sonst wird dein Bein nicht heilen.«

Das weiße Schäfchen blökte und versuchte immer wieder, seine verletzten Vorderläufe wegzuziehen. Ich strich eine Kräuterpaste auf die Wunde und umwickelte das Bein mit einem Verband.

»Siehst du? War doch gar nicht so schlimm.«

Ich stellte das Lamm sachte in das Gehege zurück, das ich extra für das Tierchen gebaut hatte, damit es sich nicht aus dem Staub machen konnte, bevor ich es gesund gepflegt hatte. Ein halsstarriges Mutterschaf hatte das Kleine so sehr gestoßen, dass es gestürzt war und sich dabei verletzt hatte. Solche Streitereien kamen vor allem dann vor, wenn ein Schaf seine Stellung innerhalb der Herde behaupten wollte. Damit das kampflustige Schaf das Jungtier nicht weiter belästigte, hatte ich es kurzerhand von der Herde getrennt und ins Zeltlager gebracht. Hier kümmerte ich mich liebevoll um das Kleine, versorgte sein Wunde, gab ihm jeden Tag kräftiges Futter und frisches Wasser und nun war es schon fast wieder gesund.

Ich war zwar erst fünfzehn Jahre alt, aber mein Geschick im Umgang mit Schafen und Ziegen war im ganzen Lager bekannt. Wann immer Vater mir eine seiner Herden anvertraute, scheute ich keine Mühe, die besten Weideplätze für sie zu finden und dafür zu sorgen, dass es ihnen an nichts fehlte. War ich nicht auf der Weide, half ich Mutter beim Kornmahlen, Brotbacken oder Kochen. Oder ich unterstützte die Knechte und Mägde bei ihren zahlreichen Pflichten. Alle im Lager schätzten mich. Ich war hilfsbereit, gewissenhaft und fleißig. Ich war der perfekte Sohn, von dem alle Eltern träumten. Der Sohn, der nie Probleme machte und den Eltern jeden Wunsch von den Lippen ablas. Nur etwas fehlte mir, und zwar ausgerechnet das, wonach ich mich am meisten sehnte: die Anerkennung meines Vaters.

Isaak, mein Vater, machte kein Geheimnis daraus, welchen seiner Söhne er mehr liebte. Und es war eindeutig Esau. Ich glaubte, er liebte ihn, weil er so wild und unabhängig war. Wann immer er von Esau redete, veränderte sich seine gesamte Körperhaltung. Seine Brust schwoll an und er kam ins Schwärmen. Am schlimmsten war es, wenn mein Bruder von der Jagd kam. Dann leuchteten Vaters Augen und er feierte ihn wie einen Helden. Esau, der große Jäger wie der berühmte Nimrod. Es gab mir jedes Mal einen Stich ins Herz, wenn Vater so redete. Wie sehr hätte ich mir gewünscht, Vater hätte auch mich einmal, wenigstens ein einziges Mal, so gelobt, wie er Esau lobte, oder mich so angesehen, wie er ihn ansah! Aber er tat es nicht. Egal, wie sehr ich mich darum bemühte, Vater zu gefallen, ich schaffte es nicht. Nicht mit Fleiß, nicht mit Anstand, nicht mit Gehorsam. Ich kam einfach nicht an Esau heran. Nie.

Ich war wohl nicht rebellisch genug, nicht mutig und nicht Manns genug. Ich war eben nicht Esau. Ich war nur der Zweitgeborene, Jakob, der Fersenhalter, der den Ringkampf bereits im Mutterleib gegen seinen Zwillingsbruder verloren hatte. Dabei bedeutete mein Name ironischerweise genau das Gegenteil. Denn als Fersenhalter galt, wer seinen Gegner im Ringkampf zu Fall brachte, indem er ihn listig an der Ferse packte. Doch für mich bedeutete Fersenhalter nur eines: Verlierer! Und jedes Mal, wenn jemand meinen Namen aussprach, wurde ich schmerzhaft an diese Tatsache erinnert. Mein Bruder nannte mich manchmal sogar absichtlich Fersenhalter, nur um mich zu ärgern.

Jakob, der Fersenhalter. Oh, wie sehr hätte ich mir gewünscht, einen anderen Namen zu haben! Wie sehr hätte ich mir gewünscht, das Rad der Zeit zurückdrehen zu können und nochmals von Neuem geboren zu werden, nicht als Verlierer, sondern mit einem neuen Namen und einem neuen Leben. Aber natürlich war das nicht möglich. Ich würde immer Jakob, der Fersenhalter, bleiben, mein Leben lang. Der schale Nachgeschmack meines Namens würde mich bis zu meinem Tod begleiten. Solange ich lebte, würde ich im Schatten meines Bruders stehen und das nagende Gefühl in meinem Herzen verspüren, nicht zu genügen und für Vater unsichtbar zu sein.

Manchmal fragte ich mich, was wohl gewesen wäre, wäre nicht Esau, sondern ich zuerst geboren worden. Ob Vater mich dann mehr geliebt hätte? Ob er so stolz auf mich sein würde, wie er es auf Esau war? Ich würde es wohl nie erfahren. Letztlich war es müßig, sich solche Fragen zu stellen. Denn ich konnte ohnehin nichts daran ändern: Esau war der Erstgeborene und ich nur der Zweite. Dies war mein undankbares Schicksal, mit dem ich mich wohl oder übel abfinden musste – auch wenn sich alles in mir dagegen sträubte, es zu akzeptieren.

Ich füllte den Wassertrog in dem Gehege mit frischem Wasser und wartete, bis das Lämmchen zu dem Trog gehumpelt kam. Gerade, als es anfing zu trinken, hörte ich in der Ferne das vertraute Geräusch eines grunzenden Dromedars. Ich hob den Kopf und sah einen Dromedarreiter, der sich zielstrebig dem Lager näherte. Als er nah genug war, zwang er sein Dromedar mit einem Stock in die Knie und ließ sich aus dem Sattel gleiten. Sofort wurde er von ein paar lachenden Kindern umringt und ein paar Knechte und Mägde gingen auf ihn zu, um zu sehen, was der Mann wollte. Ich fragte mich, wer der Fremde wohl sein mochte. Ein Händler war er mit Sicherheit nicht, dazu war sein Dromedar zu wenig beladen. Ein Durchreisender auf dem Weg nach Ägypten schien er auch nicht zu sein, sonst wäre er nicht so rasch und unaufgefordert vom Dromedar gestiegen. Es machte viel eher den Anschein, als hätte er einerseits sein Ziel erreicht und wäre andererseits in großer Eile, was nur in einem Fall Sinn machte: Es musste ein Bote sein.

Aber wer hat ihn geschickt? Und mit welcher Botschaft?, fragte ich mich und versuchte, einen besseren Blick auf den Mann zu erhaschen. In dem Moment drehte der Fremde sich um und ich zog überrascht die Augenbrauen hoch. Es war Elieser, der Knecht meines Großvaters Abraham! Ich hatte ihn und Großvater seit Ewigkeiten nicht gesehen. Das letzte Mal, als wir Abraham in Mamre besucht hatten, waren mein Bruder und ich zehn Jahre alt gewesen.

Ob es ihm gut geht?, überlegte ich und wunderte mich gleichzeitig, was wohl der Anlass für Eliesers Besuch war. Immerhin war er nicht mehr der Jüngste und von Mamre bis nach Beer-Lahai-Roi brauchte man drei Tage mit dem Dromedar. Es musste also schon eine sehr wichtige Nachricht sein, die Abraham ihm anvertraut hatte, oder Elieser hätte den weiten Weg nicht auf sich genommen.

Aber was auch immer der Grund für seinen Besuch war, ich freute mich, ihn zu sehen. Ich eilte auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem herzlichen Kuss auf die Wange. »Elieser! Was für eine Überraschung, dich zu sehen. Was bringt dich hierher? Wie geht es Großvater?«

Elieser antwortete nicht. Eine Ernsthaftigkeit lag auf seinem vom Alter gezeichneten Gesicht, die nichts Gutes verhieß. »Ist Isaak da?«, fragte er knapp.

»Ja, aber …«

»Bring mich zu ihm.«

Ich nickte verwirrt und führte Elieser zu meinem Vater. Ein mulmiges Gefühl beschlich mich auf einmal, als wäre etwas Schreckliches passiert. So als wäre … ich wollte den Gedanken nicht zu Ende denken.

Mein Vater saß im Schatten seines Zeltes und war gerade dabei, ein paar Zeltschnüre zu flechten. Rebekka, meine Mutter, saß neben ihm und zermalmte Kräuter in einem Steinmörser. Als sie Elieser sahen, schienen sie über seinen Besuch genauso überrascht und erfreut zu sein wie ich. Flink erhoben sie sich und küssten ihn zur Begrüßung auf die Wange.

»Rebekka, geh schnell und hol unserem Gast Wasser für die Füße und frische Milch für die durstige Kehle und bereite uns etwas zu essen zu!«, sagte Vater rasch.

Mutter nickte und wollte sich gerade entfernen, als Elieser sie zurückhielt. »Warte, Rebekka. Erst muss ich loswerden, weswegen ich hergekommen bin.« Eine Schwere lag in seiner Stimme, die meinen Verdacht erhärtete. Doch ich weigerte mich, diesen Verdacht auch nur annähernd in Betracht zu ziehen, auch wenn alle Zeichen darauf hindeuteten.

Elieser ließ seinen Blick von Vater zu Mutter und wieder zurück zu Vater gleiten und dann, mit einem tiefen Seufzen, sprach er es aus: »Abraham ist gestorben. Dein Vater ist tot, Isaak.«

Es schoss mir wie ein Blitz durch die Brust. Meine schlimmste Befürchtung war mit diesen Worten wahr geworden. Ich blickte zu Vater, der einen Moment lang keinen Ton von sich gab. Wie erstarrt stand er da, als könne er nicht fassen, was Elieser ihm gerade offenbart hatte. Dann warf er sich dem alten Knecht plötzlich um den Hals und weinte herzzerreißend. Er weinte laut und haltlos und Elieser hielt ihn fest. Auch ihm liefen die Tränen übers Gesicht. Mutter stand hinter ihnen, schweigend, die Hand vor den Mund gelegt.

Ich schluckte, während ich von einer Welle von Emotionen überrollt wurde. Ich meinte, es müsste mir das Herz zerreißen. Großvater war tot?! Nein! Nein! Ich drehte mich um und rannte davon, rannte quer durchs Lager auf das offene Feld hinaus, wo ich mich irgendwo hinter einem großen Stein auf dem Boden niederließ und erbärmlich zu weinen begann.

»Nein, nein, nein, das darf nicht sein!«, schluchzte ich. »Großvater kann nicht tot sein! Nein!«

Ich wollte es nicht wahrhaben. Das konnte nicht sein! Nicht Großvater! Nicht mein geliebter Großvater! Natürlich war er alt gewesen. Hundertfünfundsiebzig Jahre waren ein stolzes Alter, das nicht viele erreichten. Aber irgendwie hatte ich trotzdem nicht damit gerechnet, dass er eines Tages sterben würde. Großväter starben nicht! So etwas taten sie einfach nicht! Vor allem nicht mein Großvater Abraham! Er war doch noch so stark und klar bei Verstand gewesen, als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Ich hatte es geliebt, zu seinen Füßen zu sitzen und ihm stundenlang zuzuhören, wie er von seinen unzähligen Abenteuern erzählte. Selbst wenn Großvater hundertmal dasselbe erzählte, ich konnte nie genug davon bekommen. Er war mit Abstand der eindrucksvollste Mensch, dem ich je begegnet war, und ich wünschte mir nichts mehr, als eines Tages so zu werden wie er.

Ich erinnerte mich an sein sonnengebräuntes, von Falten zerfurchtes Gesicht, an seine kräftigen Hände, an sein schulterlanges weißes Haar, das ihm eine Aura von Erhabenheit verlieh, als würde man einem König gegenübertreten. Am meisten aber hatten mich immer Großvaters Augen fasziniert, diese freundlichen, tiefgründigen Augen, die so viel gesehen und erlebt hatten und die so viel Liebe, Hoffnung und Gottvertrauen ausstrahlten, dass es mich jedes Mal kribbelte, wenn Großvater mich ansah. Dann war es mir, als könnte ich durch seine Augen hindurch in eine andere Dimension hineinblicken, als würde eine Kraft durch Großvater hindurchleuchten, die nicht von dieser Welt war.

Und jetzt war er tot. War einfach nicht mehr da! Warum? Ein Heulkrampf schüttelte mich, während ich an meinen Großvater und meine letzte Begegnung mit ihm vor fünf Jahren dachte. Ich sah ihn wieder so deutlich vor mir, als könnte ich ihn berühren. Meine ganze Familie hatte zusammen am Lagerfeuer vor seinem Zelt gesessen und gegessen, geredet und gelacht bis tief in die Nacht hinein. Es war mir, als könnte ich die Wärme des Feuers noch immer auf meiner Haut spüren. Ich hörte sogar Großvaters Stimme, diese ruhige, warme Stimme, die voller Feuer und Lebenserfahrung war und die getragen wurde von einem unerschütterlichen Glauben an seinen Gott.

Je länger ich an Großvater dachte, desto lebendiger wurden die Erinnerungen in mir, so lebendig, dass ich das Gefühl hatte, wieder dort mit ihm am knisternden Feuer zu sitzen und seinen Geschichten zu lauschen …

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Großvater

Fünf Jahre zuvor, in Abrahams Zeltlager in Mamre

»Erzähl uns noch eine Geschichte, Großvater!«

»Noch eine? Was für eine Geschichte wollt ihr denn hören?«

»Die von Ägypten und dem Pharao!«, rief ich eifrig.

»Nein, die von Sodom und Gomorra und wie Feuer vom Himmel fiel und alles zerstörte!«, rief mein Bruder Esau. »Oder die, wo du in den Krieg gezogen bist und Kedor-Laomer besiegt hast!«

»Wie wär's, wenn ihr Großvater jetzt in Ruhe lasst? Es ist sowieso langsam Zeit, schlafen zu gehen«, warf Mutter ein und sah uns Zwillinge mit jenem Blick an, der keinen Spielraum mehr für Betteln ließ. »Morgen ist auch noch ein Tag.«

»Ach Mutter, bitte!«, flehte ich.

»Nichts bitte. Euer Vater und ich gehen jetzt auch schlafen. Es ist schon spät.«

»Ist es gar nicht!«, wandte Esau ein, aber Mutter ließ sich nicht erweichen. Sie erhob sich vom Lagerfeuer und Vater stand ebenfalls auf.

»Vater, bitte«, bestürmte mein Bruder nun Vater. »Wir sind noch überhaupt nicht müde!«

»Überhaupt nicht!«, pflichtete ich ihm bei. »Lass Großvater noch eine Geschichte erzählen, nur eine! Danach gehen wir schlafen. Versprochen.«

Vater kratzte sich seinen Bart und lenkte schließlich ein. »Na schön. Aber nur, wenn Großvater damit einverstanden ist. Vater?«

»Ich kann euch gerne noch eine Geschichte erzählen«, meinte Großvater, woraufhin wir beide im Chor »Ja!« brüllten.

Mutter warf Vater einen vielsagenden Blick zu, als sei sie gar nicht damit einverstanden. Aber die Sache war entschieden. Und so zogen sich unsere Eltern zum Schlafen zurück und ließen Esau und mich mit Großvater beim Feuer zurück.

»Kommt her, ihr beiden«, sagte Großvater und winkte uns zu sich. Wir gingen um das Feuer herum und kuschelten uns links und rechts an unseren Großvater. Das Feuer war schon fast niedergebrannt. Großvater legte einen Ast auf die glühende Kohle und tanzende Funken stoben wie kleine Leuchtkäfer in den Nachthimmel hinauf. Ich blickte gespannt zu Großvater auf. Sein Gesicht schimmerte golden im Schein des Feuers.

Er überlegte eine Weile, dann fragte er: »Habe ich euch je erzählt, wie alles angefangen hat? Wie ich zum ersten Mal Gottes Stimme gehört habe?«

Wir schüttelten eifrig den Kopf und Großvater begann zu erzählen.

»Ich war damals fünfundsiebzig Jahre alt und lebte zusammen mit meiner geliebten Frau Sara in Haran, im Norden von Mesopotamien. Das ist weit weg von hier, drei Wochen auf dem Dromedar oder mehr. Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass es einen Gott gibt, der spricht. Die Götter, denen meine Familie damals diente und die ich von meiner Kindheit aus Ur kannte, hatten nie irgendein Interesse an mir gezeigt. Es waren allesamt rachsüchtige, unberechenbare und launische Götter, die mir Angst einjagten. Die Menschen bauten ihnen riesige Tempel, Stufentürme, die bis in den Himmel ragten, und brachten ihnen blutige Opfer dar, um ihren Zorn zu besänftigen. Aber die Götter schienen trotzdem nie zufrieden zu sein. Sie waren nicht für die Menschen da, sondern die Menschen für sie, immer darauf bedacht, ja nichts falsch zu machen, damit die Götter sie nicht bestraften und die Welt ins Chaos stürzten. Ich betete zu Nanna, dem Mondgott. Er hörte mich nicht. Ich betete zu den Unterweltgöttern. Auch sie hörten mich nicht. Ich wusste nicht, zu wem ich sonst noch beten sollte. All die Jahre war ich auf der Suche und wusste nicht einmal, wonach oder nach wem. Bis zu jener Nacht, als er mich fand. Der Ewige, der höchste Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, der vor aller Zeit war, der ist und immer sein wird, sprach zu mir. Ich konnte seine Stimme hören, so klar und deutlich, wie ihr meine jetzt hört.«

Großvater machte eine bedeutende Pause. Ich schaut ihn mit großen Augen an und platzte fast vor Neugier. »Und was hat er gesagt?«

»Seine Worte werde ich niemals vergessen«, antwortete Großvater und dann wiederholte er, was Gott ihm fünfundneunzig Jahre zuvor gesagt hatte: »Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen. Wer dich segnet, den werde ich auch segnen. Wer dich verflucht, den werde ich auch verfluchen. Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden.«

Die Worte hatten etwas Feierliches, Gewaltiges, beinahe Mystisches an sich, etwas, das ich nicht wirklich begreifen konnte, aber das mich unweigerlich in seinen Bann zog. Es fühlte sich an, als würden die Worte mir gelten, als sei ich auf geheimnisvolle Weise in die Erfüllung dieser Verheißung miteingewoben wie ein Faden in einen Teppich, auch wenn das nicht den geringsten Sinn ergab. Mein Herz pochte auf einmal schneller und meine Hände waren ganz heiß und schweißnass.

»Und dann?«, fragte ich. »Was hast du dann gemacht, Großvater?«

»Ich bin losgezogen. Ich habe meine Heimat und meine Verwandtschaft verlassen und bin losgezogen, ohne zu wissen, was mich erwarten würde. Alles, was ich hatte, war Gottes Stimme in meinem Ohr und die Gewissheit, dass er einen Plan für mein Leben hatte und es gut mit mir meinte. Mein Bruder Nahor und seine Frau Milka hielten mich für verrückt, was nicht anders zu erwarten gewesen war. Aber ich wusste, was ich gehört hatte, und ich wusste, dass ich diesem namenlosen Gott folgen wollte, egal wohin. Ich spürte in meinem Herzen, dass ich ihm vertrauen konnte. Und so landete ich hier in Kanaan, wo der Herr mir auf dem Berg Garizim erschien und mir versprach, dieses Land meinen Nachkommen zu geben.«

»Er ist dir erschienen?«, fragte Esau ungläubig. »Heißt das, du hast Gott gesehen?«

Großvater nickte. »Ja, das habe ich. Drei Mal. Nein, genau genommen vier Mal.«

»Und wie sah er aus?«, wollte ich wissen.

»Anders, als ihr ihn euch vorstellen könnt.«

»Wie anders?«, fragte mein Bruder.

»Das erste Mal, auf dem Berg Garizim, ist er mir als Hirte begegnet, als ganz gewöhnlicher Mensch.«

»Aber wie hast du dann gewusst, dass es Gott ist?«, fragte ich interessiert.

»Wenn der lebendige Gott dir begegnet, dann weißt du es, glaub mir«, sagte Großvater mit einem geheimnisvollen Lächeln.

»Und das zweite Mal?«, drängte Esau.

»Das zweite Mal sah ich ihn, als ich vom Sieg über die vier Großkönige zurückkam. Da hat er mir bestätigt, dass er dieses Land hier mir und meinen Nachkommen geben wird und meine Nachkommen so unzählbar sein werden wie die Sterne am Himmel. Als Zeichen, dass sein Wort gilt, schloss er einen Bund mit mir, den er mit einem Blutschwur besiegelte. Da sah ich ihn als eine gigantische Feuersäule, die aus dem Himmel auf die Erde herabschoss. Die ganze Erde bebte davon. Und es krachte und knackte, als würde der Himmel zerbersten.«

»Hattest du Angst?«, fragte ich mitfiebernd.

»Ich habe am ganzen Leib gezittert«, gestand Großvater. »Es war unheimlich zu sehen, wie mächtig er ist. Der Schrecken saß mir in allen Knochen. Gleichzeitig glühte mein Herz vor Ehrfurcht. Es war, als wäre die Trennung zwischen Himmel und Erde für diesen einen Augenblick aufgehoben und von Gott selbst durchbrochen worden. Seine Gegenwart war unglaublich stark. Ich kann es nur schwer beschreiben. Es war ein Erlebnis, das mich durchschüttelte wie ein Sandkorn in einem Wüstensturm. Es war …« Er suchte nach dem richtigen Wort. »Gewaltig. Ja, gewaltig.«

Ich hörte Großvater wie gebannt zu. Ich klebte förmlich an seinen Lippen und ich sah eine Ergriffenheit in seinen Augen, als käme er noch immer nicht aus dem Staunen heraus über all das, was er gehört und gesehen hatte.

»Und das dritte Mal?«, fragte ich und vergaß vor Aufregung beinahe, mit den Augen zu zwinkern.

»Das dritte Mal erschien er mir auf einem Berg, hier ganz in der Nähe«, sagte Großvater. »Er begegnete mir wieder in Menschengestalt und sagte mir, dass Sara einen Sohn von mir bekommen würde und ich ihn Isaak nennen solle. Er sagte, Völker und Könige würden von ihm abstammen und der Bund, den er mit mir geschlossen habe, würde später Isaak und seinen Nachkommen gelten und bis in alle Ewigkeit Bestand haben. Es war ein unglaubliches Versprechen, das er mir dort gab. Aber ich konnte es nicht wirklich glauben und lachte still in mich hinein, weil ich dachte: Wie um alles in der Welt soll das geschehen? Ich war neunundneunzig Jahre alt zu diesem Zeitpunkt und Sara neunundachtzig. Wir waren beide viel zu alt, um noch Kinder zu bekommen. Ich schlug dem Herrn vor, er solle doch seine Verheißung durch Ismael erfüllen, den Hagar mir geboren hatte. Aber Gott sagte mir klar, er würde Ismael zwar um meinetwillen segnen, doch seinen Bund würde er mit Isaak schließen. Etwa drei Monate später begegnete mir der Herr erneut. Dies ist das vierte und letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. Er stand nur einen Steinwurf von hier entfernt, gleich da drüben, gekleidet als einfacher Wanderer auf der Durchreise.«

Großvater deutete mit der Hand in die Dunkelheit. »Er war in Begleitung von zwei Männern. Sie haben nicht viel gesprochen. Aber ich spürte, dass sie nicht zu dieser Welt gehörten. Es müssen Engel gewesen sein.«

»Engel?«, wiederholte ich aufgeregt.

Großvater nickte. »Ja, Engel. Da bin ich mir ziemlich sicher. Sie hatten eine ganz besondere Ausstrahlung. Sie waren es auch, die später nach Sodom hinabgingen und euren Verwandten Lot retteten, bevor Feuer und Schwefel vom Himmel fiel und alles vernichtete.«

»Warst du dabei, als es geschehen ist? Als das Feuer vom Himmel fiel?«, wollte Esau neugierig wissen.

»Nein. Ich war nicht dabei. Ich habe den Herrn angefleht, die Menschen zu verschonen, auch wenn ich um ihre Bosheit wusste. Aber es war zu spät. Das Urteil war gefallen und am nächsten Morgen, als ich zu der Stelle eilte, wo ich vor dem Herrn für die Bewohner Sodoms eingetreten war, und auf die Jordanebene hinabschaute, war nichts mehr von der Stadt übrig. Dicke Rauchwolken stiegen aus ihren Trümmern wie aus einem großen Ofen. Es hat mich zutiefst erschüttert. Es war … grauenvoll, ein Anblick, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde.«

Er hielt inne und schaute ins Feuer, so, als seien die Bilder in seinem Kopf wieder lebendig geworden. Zu lebendig. Die Flammen warfen tanzende Schatten auf sein Gesicht. Für einen Moment war nichts zu hören außer dem Knacken und Knistern des Feuers.

»Und dann?«, fragte mein Bruder ungeduldig. »Was ist dann geschehen?«

»Ich bin nach Hause gegangen«, sagte Großvater. Er hielt kurz inne, um sich zu sammeln, und blickte uns an. Seine eben noch düstere Miene wich einem Ausdruck purer Dankbarkeit, als er fortfuhr: »Und neun Monate später hat der Herr mir das schönste und kostbarste Geschenk meines gesamten Lebens gemacht: Isaak, euer Vater, wurde geboren.« Er strahlte, sodass sich ganz viele Lachfältchen um seine Augen bildeten. »Ich hätte es nie für möglich gehalten, in meinem hohen Alter noch mal Vater zu werden. Das könnt ihr mir glauben. Es war menschenunmöglich. Aber was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich. Er hat sein Versprechen gehalten. Fünfundzwanzig Jahre lang haben Sara und ich auf einen Sohn warten müssen. Fünfundzwanzig Jahre! Ich kann euch nicht sagen, wie viele Nächte eure Großmutter durchgeweint hat, weil sie einfach nicht schwanger wurde. Deswegen hat sie mir auch ihre Magd Hagar gegeben, um durch sie endlich einen Sohn zu bekommen. Ismael. Aber es ist Isaak, euer Vater, den Gott auserwählt hat, um durch ihn zu erfüllen, was er mir damals in Haran und auf dem Berg Garizim versprochen und mit einem Blutschwur besiegelt hat. Und wenn ich einmal sterbe, wird dieser Verheißungssegen auf euren Vater übergehen.«

»Ich will aber nicht, dass du stirbst, Großvater«, wandte ich ein und blickte betrübt zu ihm hoch.

Großvater lächelte und fuhr mir liebevoll über mein lockiges Haar. »Jeder muss sterben, Jakob. Das ist der Lauf der Dinge. Ich bin alt und lebenssatt. Ich habe so viel mit Gott erlebt. Ich freue mich darauf, zu ihm zu gehen, in die himmlische Heimat. Dort werde ich meine geliebte Sara, eure Großmutter, wiedersehen … und ihn.«

»Ihn? Wen meinst du?«, fragte ich.

»Meinen Herrn und Schöpfer«, sagte Großvater. »Der höchste Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat … und der mich seinen Freund nennt.« Wieder nahmen seine Augen diesen unergründlichen Glanz an, als würde sich darin eine Welt spiegeln, die sich nur demjenigen eröffnete, dem Gott selbst begegnet war. Ich wünschte mir, Gott würde auch mir einmal so begegnen, wie er Großvater begegnet war.

»Und Ismael?«, fragte Esau und riss mich aus meinen Gedanken. »Was ist aus ihm geworden?«

Der Glanz in Großvaters Augen erlosch. Er atmete tief durch, als müsste er erst den Mut aufbringen, auszusprechen, was geschehen war. Dann sagte er: »Ich habe ihn und seine Mutter fortgeschickt.«

Meine Augen weiteten sich erschrocken. »Fortgeschickt? Warum?«

Großvater antwortete nicht sofort. Es schien ihm schwerzufallen, darüber zu reden. Dennoch sprach er weiter, vielleicht, weil er dachte, seine Enkelkinder hätten ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. »Ihr müsst wissen, Ismael, euer Onkel, hatte schon als Kind seinen eigenen Kopf. Er war wie ein wildes Tier, das niemand bändigen konnte, entschlossen und stark. Ich wollte ihn nicht fortschicken, ganz und gar nicht. Ich habe ihn geliebt und das tue ich immer noch. Aber eure Großmutter hat seinetwegen um Isaaks Zukunft gefürchtet.«

»Warum?«, fragte ich bestürzt.

»Sie wollte nicht, dass euer Vater das Erbe mit ihm teilen muss, wenn ich nicht mehr da bin.«

»Das verstehe ich nicht«, sagte ich verwirrt.

»Das ist auch nicht leicht zu verstehen«, gab Großvater zu. »Als meinem ältesten Sohn hätte Ismael nach meinem Tod das Recht zugestanden, mein Nachfolger zu werden. Doch Gottes Wahl fiel ganz klar auf euren Vater. Er ist der Auserwählte von Gott, der Sohn der Verheißung, geboren von meiner geliebten Frau Sara, der Erstgeborene in Gottes Augen. Ihm gilt eines Tages, was Gott mir versprochen hat. Ihm allein steht das Recht zu, in meine Fußstapfen zu treten. Seinen Nachkommen wird dieses Land gehören und durch ihn werden alle Völker der Erde gesegnet werden. Ismael weiß das alles, aber eure Großmutter fürchtete, er würde Gottes Wahl nicht einfach so akzeptieren und eurem Vater die Stellung streitig machen, die Gott ihm zugedacht hat. Sie fürchtete, er könnte nach meinem Tod die Führung der Sippe an sich reißen und euer Vater wäre nicht willensstark genug, ihm die Stirn zu bieten. Und damit würde nicht nur die Zukunft unserer Familie, sondern die gesamte Verheißung Gottes auf dem Spiel stehen.«

Er seufzte schwer. »Also bat mich Sara, Hagar und Ismael zu vertreiben. Oh, wie habe ich mich dagegen gesträubt. Schließlich ist auch Ismael mein Sohn. Nie im Leben hätte ich ihn fortgeschickt. Niemals. Bis Gott mir in der Nacht ausdrücklich sagte, ich solle es tun. Er sagte mir, nur die Nachkommen Isaaks würden das auserwählte Volk sein. Aber um Ismael bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Er würde sich um ihn kümmern. Am nächsten Morgen stand ich also auf, holte etwas zu essen und einen Ledersack voll Wasser, hängte Hagar alles um die Schulter und schickte beide fort. Ismael war siebzehn Jahre alt. Es brach mir fast das Herz, ihn gehen zu lassen. Aber es musste wohl sein.«

Er atmete schwer bei diesen Worten und eine erdrückende Stimmung machte sich breit. Es war Großvater anzumerken, dass ihm die Entscheidung nicht leichtgefallen war. Ich mochte mir gar nicht ausmalen, wie schrecklich es sein musste, vom eigenen Vater fortgeschickt zu werden.

»Hast du Ismael je wiedergesehen?«, fragte ich.

Großvater schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er und Tränen schimmerten in seinen Augen. »Nein, das habe ich nicht. Aber ich hoffe in meinem Herzen, dass er mir vergeben konnte. Er lebt heute in der Wüste Paran und ist offenbar ein ausgezeichneter Bogenschütze geworden.«

»Ich will auch ein Bogenschütze werden, wenn ich groß bin!«, rief Esau begeistert und reckte sein Kinn. »Ich bin schon richtig gut darin, sagt Vater. Soll ich meinen Bogen holen und es dir zeigen?«

»Vielleicht morgen«, winkte Großvater ab. »Vielleicht morgen.« Er fuhr sich flüchtig über seine feuchten Augen, und nachdem er sich wieder einigermaßen gefasst hatte, fügte er hinzu: »Ich glaube, wir machen Schluss für heute. Es war ein langer Tag und ihr braucht euren Schlaf und ich brauche meinen noch mehr.«

Mein Bruder seufzte enttäuscht. »Nur noch eine Geschichte«, bettelte er, doch Großvater ließ sich nicht mehr erweichen, sodass Esau aufhörte, ihn zu bestürmen. »Na gut«, meinte er achselzuckend und stand auf. »Gute Nacht, Großvater.«

»Gute Nacht, Esau.«

Mein Bruder trottete zum Zelt, während ich noch zurückblieb, eingekuschelt in Großvaters rechte Armbeuge. Ich war auf einmal sehr still und nachdenklich geworden. Was Großvater von Ismael erzählt hatte, hatte mich überaus verunsichert, und ein Gedanke hatte sich in meinen Kopf gebohrt, der mich nicht mehr losließ, ja, der mir Angst machte.

»Großvater«, sagte ich, nachdem Esau im Zelt verschwunden und ich mit Großvater allein war. »Glaubst du … glaubst du, Vater wird mich auch fortschicken?«

Großvater sah mich erstaunt an. »Wieso glaubst du, dass er dich fortschicken könnte?«

»Weil ich nicht der Auserwählte bin«, antwortete ich und blickte Großvater besorgt an. »Du hast Ismael doch auch fortgeschickt, damit er die Verheißung nicht verpfuscht, oder nicht? Warum sollte Vater nicht dasselbe mit mir tun?«

»Oh, Jakob, Jakob«, sagte Großvater und nahm mich fester in den Arm. »Dein Vater würde dich niemals fortjagen. Er liebt dich doch.«

»Tut er nicht. Tut er nicht!« Ich schüttelte heftig den Kopf. Eine Träne kullerte über meine Wange, und ein Kloß bildete sich plötzlich in meinem Hals. Ohne es zu wollen, kam alles in mir hoch, was ich mein Leben lang unterdrückt hatte, und es sprudelte förmlich aus mir heraus. »Er liebt Esau viel mehr als mich! Weil Esau so stark ist und so mutig und so gut jagen kann! Und weil er zuerst geboren ist! Ich habe bloß seine Ferse gehalten! Ich bin ein Niemand! Ein Versager! Mein Vater liebt mich nicht!«

»Jakob, du bist kein Versager! Und dein Vater liebt dich, glaub mir.«

»Tut er nicht!«, rief ich mit tränenerstickter Stimme. »Ich bin allen nur im Weg und eines Tages wird er mich fortjagen, wie du Ismael fortgejagt hast, damit ich Esau nicht die Zukunft kaputtmache! Ich wäre besser nie geboren worden! Es wären alle besser dran ohne mich!«

Ich löste mich aus Großvaters Arm, sprang auf und rannte davon. Ich rannte einen Steinwurf weit weg, zu der knorrigen Eiche unweit von Großvaters Zelt. Dort kauerte ich mich auf den Boden, umschloss meine angewinkelten Beine mit den Armen, vergrub meinen Kopf zwischen den Knien und begann bitterlich zu weinen. Ich wusste selbst nicht, was plötzlich in mich gefahren war. Aber Großvaters Erzählung, wie er Ismael fortgeschickt hatte, hatte mich so durcheinandergebracht, dass ich davon überzeugt war, mir würde dasselbe Schicksal drohen. Und das jagte mir entsetzliche Angst ein.

»Ich will nicht fort! Ich will nicht fort! Ich will nicht fort!«, schniefte ich, während ich meinen Körper vor- und zurückwiegte und eine Panik und Hilflosigkeit mich erfassten, die mir die Luft abschnürten. Die Vorstellung, dass Vater mir eines Tages einen Schlauch mit Wasser und eine Tasche mit etwas Proviant um die Schulter hängen würde, so wie Großvater es bei Ismael getan hatte, und dass er mich dann einfach in die Wüste jagen würde, schien mir auf einmal so lebendig, dass alles in mir zu beben begann. Meine ganze kindliche Welt brach unter mir weg wie ein loser Felsbrocken bei einem Steinschlag. Und unter mir war nichts als eine gähnende Leere. Ich fühlte mich so klein und elend, wie man sich als Zehnjähriger nur fühlen konnte.

Nach einer kurzen Weile spürte ich Großvaters schwere, warme Hand auf meiner Schulter. Er ließ sich neben mir auf dem Boden nieder und ich schlang sofort meine Arme um ihn und schluchzte noch einmal lauter auf. »Wieso bin ich nicht zuerst geboren worden? Wieso hat Gott nicht mich auserwählt? Wieso, Großvater? Wieso?!«

»So darfst du nicht denken, Jakob«, redete Großvater ruhig auf mich ein. »Gott hat für jeden von uns einen Plan. Er hat auch dich auserwählt, selbst wenn du noch nicht weißt, wofür.«

Doch ich schüttelte energisch den Kopf. »Hat er nicht! Hat er ganz bestimmt nicht! Er hat Esau auserwählt, nicht mich! Er ist der Erstgeborene, nicht ich!«

»Ich war auch nicht der Erstgeborene und Gott hat mich auserwählt«, sagte Großvater. »Gott lässt sich nicht von menschlichen Regeln und Traditionen einengen. Er ist so viel größer und anders, als du ihn dir je vorstellen kannst. Er hat Wege, wo wir nur Mauern sehen, und Möglichkeiten, wo wir nur Grenzen kennen. Vielleicht liegt das Geheimnis genau darin, dass du als Zweiter geboren bist.«

»Aber ich will nicht mehr der Zweite sein! Ich will der Erste sein! Ich will, dass Gott mich auserwählt! Ich will, dass er mich segnet! Ich will Gott erleben, so wie du ihn erlebt hast, Großvater!« Ich sah ihn unter einem Vorhang von Tränen verzweifelt an.

Er strich mir über den Kopf und blickte mich liebevoll an. »Du wirst ihn erleben, Jakob. Ich bin mir ganz sicher, das wirst du. Aber anders als ich.«

»Wie anders?«

»Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, was Gott mit dir vorhat oder welchen Weg er dich führen wird. Aber das eine weiß ich: Es wird ein anderer Weg sein als meiner oder der deines Bruders oder deines Vaters. Es wird dein Weg sein, dein ganz persönlicher Weg mit Gott, den nur du beschreiten kannst, niemand sonst. Verstehst du das?«

»Nicht ganz«, murmelte ich und wischte mir über die feuchten Augen.

Großvater deutete in den Nachthimmel hinauf. »Siehst du all die Sterne?«

Ich blickte in den Himmel. Es war eine sternenklare Nacht und der Himmel war überzogen von einem Meer aus glitzernden Sternen, die funkelten wie eine Milliarde von Edelsteinen.

»Kannst du sie zählen?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Der Herr hat mir einmal versprochen, dass meine Nachkommen so zahlreich sein werden wie die Sterne am Himmel. Wenn all diese Milliarden von Sternen meine Nachkommen wären und ich einen von ihnen herauspicken müsste, der etwas Besonderes ist, weißt du, welchen ich wählen würde?«

Ich sah meinen Großvater an und schüttelte erneut den Kopf.

»Dich, Jakob.«

»Mich?«

»Ja, dich.«

»Warum?«

»Weil ich dieselbe Sehnsucht in dir sehe, wie ich sie in deinem Alter auch hatte. In dir brennt ein Feuer, so rein und stark, wie es nur selten zu finden ist.«

»Wirklich?« Mir wurde ganz warm ums Herz.

»Du bist etwas Besonderes, Jakob, absolut einzigartig, so wie dieser Stein hier.«

Großvater klaubte einen kleinen Stein von der Erde. In der Dunkelheit war er kaum zu erkennen. Nur durch den schwachen Schein des glimmenden Feuers in der Nähe konnte ich sehen, dass es ein ganz gewöhnlicher Stein war, den Großvater zwischen Daumen und Zeigefinger hielt, ungefähr so groß wie ein Wachtelei.

»Für die meisten ist das hier nichts weiter als ein Stein«, fuhr Großvater fort, »einer von hunderttausend anderen Steinen, die überall herumliegen und auf die keiner wirklich achtet. Die meisten würden einfach an ihm vorbeigehen und ihn nicht einmal bemerken. Aber nicht Gott.« Er machte eine bedeutende Pause, seinen Blick auf den kleinen Stein gerichtet. »Gott bleibt stehen, bückt sich, hebt diesen winzigen, unscheinbaren Stein auf, betrachtet ihn von allen Seiten und sieht etwas darin, was noch nie zuvor jemand gesehen hat. Und weißt du, was es ist, das er sieht?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, Großvater. Was?«

Großvater drehte den Stein zwischen den Fingern und nickte mit einem Funkeln in den Augen. »Er sieht etwas Außergewöhnliches, Herausragendes. Er sieht eine Geschichte, wie sie nie zuvor geschrieben wurde, eine faszinierende Geschichte, die es wert ist, gelebt und von Generation zu Generation weitererzählt zu werden, deine Geschichte.«

»Meine Geschichte?«