Wedel - Nachwuchs und Probleme - Eckbert Schulze - E-Book

Wedel - Nachwuchs und Probleme E-Book

Eckbert Schulze

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Beschreibung

Durch vielfältige Verbindungen, vor allem familiärer Art, gelingt es auf die Spuren vielfältiger Hinterlassenschaften des vergangenen Dritten Reichs zu kommen. Durch geschicktes Verhandeln und schnellem Ausnutzen dieser Informationen können die Ressourcen der Betriebe weiter nachhaltig aufgebessert und gewinnbringend eingesetzt werden. Dabei bewährt sich der Zusammenhalt sowohl der Großfamilie als auch der der Angehörigen des Betriebes nachhaltig. Ein Schwerpunkt ist mittlerweile die soziale Unterstützung anderer. Besonders die Arbeit mit den Kindern des Waisenhauses in Braunschweig ist hervorzuheben. Die Intensivierung des Reitsports innerhalb der Familie um Hubert, Ulla und deren Sohn fördert dieses ebenfalls. Nach der Vergrößerung der Großfamilie durch den weiteren Nachwuchs kommt es zu Bewährungsproben im Zueinander der Eheleute im sich weiter öffnenden privaten Umfeld der beiden. Zwischenmenschliche Probleme der Ehepartner während der Schwangerschaft wirken sich jedoch nicht auf die Firmen und den anderen Freundeskreis aus.

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Seitenzahl: 680

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Die Personen und deren Zuordnung in der Familien- und Firmenstruktur

Der engere Kreis

Vorwort

Die Geburt

Reichsbahnbekleidung

Ein neues Baugebiet

Bad Harzburg

Aufklärung

Zwei Aufträge und ein kleines Turnier

Der Zirkus ist da

Ein kleines, aber erfolgreiches Turnier

Täglicher Dienst

Turnier in Hannover

IHK

Mit Familie in Wittingen

Normaler Dienst

Erste Vorbereitungen auf den Winter

Die Lehrlinge

Sommer- und Erntefest

Erkundung im Südharz

Rübenernte

Gartenparty bei Büssing

Die Personen und deren Zuordnung in der Familien- und Firmenstruktur

Die drei Wedel Brüder, ihre Schwester und die enge Familie

Fritz Wedel

ältester Sohn, Landwirt

Barbara Wedel

Molkereibesitzerin, Ehefrau von Fritz

Hubert Wedel

2. Sohn, ehemaliger Offizier

Ursula Wedel

Leiterin Grundschule, Ehefrau von Hubert

Gert Wedel

3. Sohn, Landmaschinen- und Kfz Meister

Doris Kerner

Verlobte von Gert, Kauffrau

Christina Wedel

Arzthelferin,in der Hebammenausbildung

Hartmut Meier

Verlobter von Christina, Banklehrling

Heinrich Wedel

Landwirtschaftsmeister, Hofbesitzer, Vater

Malwine Wedel

dessen Ehefrau und Kauffrau, Mutter

Ludwig Huber

Patenonkel von Hubert,Staatssekretär Finanzen

Sonja Huber

Ehefrau von Ludwig, Schwester von Malwine

Der engere Kreis

Joachim Fischer

GF bei Hubert, gelernter Steuerberater

Heinz Dolle

Bauingenieur, ehemaliger Pionieroffizier

Heinz Becker

ehemaliger Jagdflieger, Immobilienverwalter

Gertrud Nicolai

Chefin Vorzimmer,Sekretärin u. rechte Hand

Jochen Bodeehem.

SS Offizier, Ltr. Fahrbereitschaft, Freund

Karl Kokoschka

Chef der Logistik im Betrieb

Egon Mielke

2. Ingenieur bei Dolle, Außendienst

Joachim Purzer

Tierarzt

Martin Weber

Reitlehrer, Koordinator Reiten bei Turnieren

Georg von

Klagenheim Reiterkamerad von Hubert,Industrieller

Hans Ehrlich

Cousin, Chef der Reinigungsfirma

Dr. Britta März

Frauenärztin

Dr. Max Hartig

allgemeiner Arzt in Cremlingen

Die Engländer

Oberstleutnant Allen

Stadtkommandant BS

Sergeant Woods Chef der Kriegsgefangenen, Allrounder, Tauschpartner

Im Laufe der Erzählung kommen ständig weitere Personen dazu. Bewohner des Dorfes, Heimkehrer aus der

Kriegsgefangenschaft, Flüchtlinge sowie Vertreter von Ämtern und Behörden.

Zum Freundeskreis gehören die Jagdkameraden mit ihren Ehefrauen, sowie die entsprechenden Förster.

Vorwort

Mit dem vorzeitigen Ende des Krieges für die beiden älteren Brüder der Familie Wedel beginnt eine Zeit des Überlegens, was nach dieser Zeit des Krieges für sie beruflich zu tun sein wird. Für den älteren Bruder Fritz ist das unproblematisch, als ausgebildeter Landwirt und geplanter Hofnachfolger ihrer Eltern ist sein Weg vorgezeichnet. Ähnlich ist es beim jüngeren Bruder Gert, der nach den beiden nach Hause kommt und seiner Liebe zum Motor und zur Technik nachgehen will. Für den mittleren Sohn Hubert Ist ein Studium erstrebenswert, allerdings ist ihm nicht klar, in welchem Bereich. Während bei den anderen Brüdern sich die Berufswünsche relativ schnell in geordneten Bahnen bewegen, ergibt sich bei Hubert eine andere Lage.

Mehrere Ereignisse bringen ihn in die Situation, seine erworbene und bewährte Führungsfähigkeit praktisch anzuwenden und daraus ergibt sich erst langsam, dann immer schneller, die Möglichkeit beruflich in die Situation eines Firmenchefs hineinzuwachsen.

Allerdings geht das nur mit der Unterstützung der Familie und mit guten Mitarbeitern, die er gewinnen kann.

Recht schnell ändern sich bei den drei Brüdern die persönlichen Situationen, wie bei ihrer jüngeren Schwester. Alle drei Brüder finden Ehefrauen und gründen eigene Familien, die Großfamilie findet sich und hält sehr gut zusammen. Andere verwandtschaftliche Beziehungen fördern den Erfolg des aufstrebenden Unternehmens Huberts, dazu kommt eine gute vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den britischen Besatzern. Zu Hilfe kommt den Brüdern die ungeordnete allgemeine Situation nach dem Kriegsende und die Entdeckung von lukrativen Überbleibseln der vergangenen Herrscherkaste. Die Nutzung dieser Möglichkeiten für den Aufwuchs der beiden Firmen und des Agrarbetriebes erweist sich als sehr hilfreich und führt zu einem wirtschaftlichen Erfolg. Mögen manche Wege nicht gerade und üblich sein, sie sind jedoch hilfreich für den gesamten Familien – und Firmenverbund.

Nach der ersten Konsolidierung der Bau – und Transportfirma, kommen bei Hubert weitere Leidenschaften hinzu, das Reiten, die Pferdezucht und die Jagd. Hier entwickeln sich neue Freundschaften, alte werden wiederbelebt und tragen zum weiteren Wachsen der Firma bei. Ein zweiter Wohnsitz zum Urlauben und Entspannen kommt in der Heide hinzu und bietet ein wenig Luxus in dieser Zeit. So oft es geht, nimmt sich die Familie Hubert Wedel die Zeit und Gelegenheit sich dort zu entspannen und die Familie zu genießen.

Neben der wirtschaftlichen Weiterentwicklung verändern sich die familiären Situationen, Nachwuchs kündigt sich an, zur Freude der Großeltern. Als erster wird der ältere Bruder Fritz Vater von Zwillingen, weitere Geburten in der Familie und dem nahen Umfeld stehen heran. Auch bei der Familie Hubert und Ulla Wedel ist Nachwuchs angesagt und wird geboren.

Allerdings werden die Probleme vor und nach der Schwangerschaft mehr und belasten etwas das Verhältnis zwischen beiden.

Trotz vieler Probleme, die sich durch den verlorenen Krieg, die Aufdeckung der vielfältigen Missstände der alten NS Zeit, der ungeklärten politischen Situation, der noch fehlenden eigenen Exekutive, der Not der Bevölkerung und einer heranstehenden Währungsreform ergeben, verläuft das Leben der Protagonisten sehr spannend, abwechslungsreich und letztendlich erfolgreich. Damit bildet diese Familie eine Ausnahme in dieser schwierigen Zeit. Hinzu kommt der unerwartete Erfolg der Firmen und der Betriebe, die dazu gehören. Neben den Erfolgen im wirtschaftlichen Bereich kommen erste Erfolge im reiterlichen Bereich hinzu. Die kriegsbedingte unterbrochene Karriere Huberts als Springreiter nimmt wieder Fahrt auf.

Bedingt durch gute Beziehungen kommen Aufträge zum Räumen von nach wie vor vorhandenen und getarnten Überbleibseln des alten Regimes hinzu und verbessern die wirtschaftliche Situation. Unabhängig davon konsolidiert sich die Firma auf einem guten Niveau.

Die Geburt

Als Hubert am nächsten Morgen beim Frühstück saß, kam Ulla im Bademantel in die Küche.

„Hubert, ich spüre die ersten Wehen, sie sind leicht, das wird sich länger hinziehen.“

„Ich fahre dich sofort in die Klinik.“

„Nein, nein, noch nicht, erst wenn sie stärker werden.

Geh in den Betrieb, ich rufe dich an, wenn ich dich brauche. Momentan ist alles ruhig.“

„Hast du alles gepackt?“ „Ja, der Notfallkoffer steht an der Garderobe.“

Besorgt fuhr Hubert in den Betrieb. Seine Mädels im Vorzimmer merkten sofort, dass etwas nicht stimmte und fragten besorgt nach. Hubert erklärte ihnen, was Ulla gesagt hatte. Monika nickte:

„Ich kenne das, habe es dreimal hinter mich gebracht.

Mach dir keine Sorgen, sie kennt das vom ersten Kind, wird rechtzeitig Bescheid sagen!“

„Danke Monika, übrigens, wie war es am Wochenende in der Heide?“

Die lächelte: „Sehr schön, so etwas hatte ich bisher nicht erlebt, ich meine ein paar Tage woanders ohne Sorgen und Hektik. Die Flasche Wein, die du uns mitgegeben hast, haben wir abends in Ruhe leer gemacht.“

Sie machte eine kurze Pause, sagte: „In ein paar Wochen heiße ich übrigens Tietz mit Nachnamen und meine Kinder auch!“

Gertrud klatschte in die Hände: „Das freut mich, Glückwunsch!“

Es kam der Bote seines Onkels, um die Sachen des SS Führers abzuholen. Nacheinander kamen die anderen zum Vortrag. Zuerst Fischer, der ihm mitteilte, dass die Firma zwei der Trümmerhäuser kaufen würde. Der Wiederaufbau würde nach und nach erfolgen, als Arbeitsreserve.

„Ich habe hier einen Stapel Abrechnungen, bzw. ein Kassenbuch über mehrere Jahre. Es besteht der begründete Verdacht, dass hier Gelder geschickt verschoben wurden. Wenn Regina Zeit hat, könnte sie sich damit beschäftigen,“ sagte ihm Hubert anschließend.

„Kein Problem, ich glaube, die mag so etwas sehr gern.

Werde ich ihr geben.“ Fischer und Lindner gaben sich die Klinke in die Hand.

„Ich habe den Neuen genau überprüft und mich in den letzten Tagen intensiv mit ihm unterhalten. Sein Soldbuch habe ich mir genau angeschaut. Der war durchgängig in der Truppe im Einsatz, bei keiner Wacheinheit oder ähnlichem. Man hätte zwar im Kameradenkreis hin und wieder über die KZ gesprochen, aber Genaueres hätte niemand gewusst oder es nicht gesagt. In der langen Zeit im Lazarett hat er viel davon mitbekommen und fühlt sich von der gesamten Führung verraten, offensichtlich hat ihm Bode einiges erzählt, was ihr hier herausgefunden habt, was ihn weiter zum Denken gebracht hat. Ich sage es mal so:

Der Junge versteht schnell und hat ein Händchen für die Organisation, ich möchte ihn behalten!“ „Tu das, wenn du davon überzeugt bist, teile das bitte Fischer mit.“

Mühsam kämpfte er sich durch zwei

Unterschriftenmappen, seine Gedanken schweiften oft ab zu seiner Frau. Zwischenzeitlich erschien Becker.

Der hatte mit der Frau gesprochen, der die Ruinen am Nordbahnhof gehörten.

„Zwei Fliegen mit einer Klappe. Zuerst wollte sie für jedes Grundstück 75.000 RM haben. Aber nach zähen Verhandlungen am Samstag bei ihr daheim, haben wir uns auf 55.000 RM pro Grundstück geeinigt. Danach ging es an die Renovierung der drei anderen Häuser.

Mielke hat die sich am Samstag angeschaut und ihr ein mündliches Angebot gemacht. Offenbar war das um einiges günstiger, als die anderen beiden Angebote und deshalb hat sie uns erst mal zugesagt. Der schriftliche Kostenvoranschlag wird gerade erstellt und ihr zugesandt. Was machen wir jetzt mit diesen Grundstücken?“ „Ich werde die kaufen. Mach das klar.“

„Die Sache mit der Villa müssen wir etwas nach hinten schieben, die Briten haben die nicht endgültig freigegeben.“ Hubert grinste: „Das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Das wird klappen, warte es ab. Wenn ich etwas erfahre, melde ich mich.“

„Gut, erst klären wir den Rest, da gibt es genug zu tun.“

Er machte sich wieder an seine Arbeit und war froh, dass das Telefon klingelte. „Dein Onkel ist dran!“

„Hallo, mein lieber Neffe. Du hast etwas sehr Gutes geschickt. Ich habe alles weitergegeben an die Militärgerichtsbarkeit der Briten. Die waren hocherfreut, das hilft ihnen sehr beim anstehenden Prozess gegen den Mann. Ich gehe davon aus, den werden wir nicht mehr in Freiheit erleben. Du hast bei denen einen großen Stein im Brett, die Akten von dem Richter werten sie aus. Das wollte ich berichten, wie geht es Ulla?“

„Denke mal, die werde ich heute ins Krankenhaus bringen.“ „Alles Gute, wir halten die Daumen.“

Hubert bedankte sich und legte auf. Stillsitzen konnte er jetzt nicht mehr. „Ich gehe zu Gert rüber, da kann man mich erreichen.“

Nachdem er Gert erklärt hatte, was er für Wittingen bräuchte, sagte der ruhig: „Ich werde mit Weber drüber sprechen, du hast momentan andere Probleme!“ Hubert nickte und sagte ihm, dass es bei Ulla jeden Moment losgehen könnte. „Kümmere dich da drum, wir bekommen das schon hin. Bruder Fritz hat da bestimmt eine Idee!“ „Du hast recht, macht ihr das so!“

Als er aus der Werkstatt trat, kam Anja ihm entgegengelaufen. „Bei Ihrer Frau geht es los, sie möchte ins Krankenhaus!“

Genau vor dem Hauseingang hielt er an und geleitete Ulla vorsichtig auf den Beifahrersitz, wo sie leicht stöhnend Platz nahm, lud den „Notfallkoffer“ auf die Rückbank und fuhr zügig, aber sehr vorsichtig, in die Klinik. Nach der Anmeldung wurde sie von Christina und Frau Doktor März übernommen und er war überflüssig, fuhr wieder in die Firma, erledigte seinen Papierkram. Ganz offensichtlich machten alle einen Bogen um ihn, niemand kam mit irgendwelchen Fragen oder Bitten um eine Entscheidung.

Wieder daheim bewegte er seine beiden S-Pferde und die junge Stute. Junior war die nächsten Tage bei seinen Eltern, das hatten Ulla und Malwine so ausgemacht.

Beim Abendessen leisteten ihm Sieglinde und Richard Gesellschaft. Anschließend holte er zwei der neuen Kartons, die Bode aus der Villa mitgebracht hatte und begann sie zu sortieren. Die Nacht verlief ruhig, nichts geschah. Bis gegen 09:00 Uhr am nächsten Morgen blieb das so, bis sein Telefon klingelte, Christina war dran. „Es gibt ein Problem, komm bitte sofort vorbei.“

Natürlich tat er das und wurde sofort zu Frau Doktor März geführt, die ihm erklärte: „Das Kind liegt falsch, wir können es nicht drehen, eine normale Geburt ist nicht möglich.“ „Und nun?“ „Wir müssen einen Kaiserschnitt durchführen, ich erkläre das.“ Das tat sie ausführlich.

„Wie sicher ist das für Mutter und Kind?“ fragte Hubert.

„Sehr sicher, ich habe damit große Erfahrung.“ „In Ordnung, wann soll es losgehen?“

„Nach unserem Gespräch, alles ist vorbereitet.“ „Kann ich meine Frau sehen?“ „Na klar, kommen Sie mit.“

Ulla lächelte tapfer, als er zu ihr kam. Sie war zwar schon sehr erschöpft, aber mutig.

„Ich bleibe hier, bis alles vorbei ist“, sagte er, wurde sofort er aus dem Zimmer komplimentiert.

Vor dem Krankenhaus war eine Imbissbude, dort gönnte er sich zwei belegte Brötchen und einen Kaffee, die Nervosität stieg. Nach einem längeren Spaziergang um die Klinik, ging er wieder hinein, setzte sich auf eine Bank vor der Entbindungsstation und wartete und wartete. Wie lange, wusste er nachher nicht mehr.

Gerade, als er aufstand, um ein paar Schritte zu gehen, öffnete sich die Tür, eine Krankenschwester kam heraus. „Herr Wedel?“ „Ja.“ „Sie möchten bitte zu Frau Doktor März kommen!“

Alles Mögliche ging durch seinen Kopf, als er deren Büro betrat. Die Ärztin saß an ihrem Schreibtisch und rauchte eine Zigarette.

„Setzen Sie sich!“ Hubert setzte sich zögernd. „Wie sieht es aus?“ Die Ärztin grinste: „Herzlichen Glückwunsch zur Tochter!“

„Und meine Frau?“ „Alles in Ordnung, den Umständen entsprechend. Die Operation verlief gut. Sie hatte einen hohen Blutverlust, aber nach der Transfusion ist das jetzt in Ordnung, sie braucht Ruhe. Aber wir haben ein Problem. Ihre Frau hatte mir gesagt, dass sie öfters Probleme hatte, Schmerzen an den Eierstöcken. Das haben wir überprüft und dort eine Entzündung festgestellt. Also mussten wir die herausnehmen. Das bedeutet, sie wird keine Kinder mehr bekommen können.“ Hubert schnaufte durch. „Wird das wieder?“

„Aber klar“, grinste die Ärztin und bot ihm eine Zigarette an. „Ich sage mal so burschikos: Sie werden zukünftig keine Kondome mehr benötigen. Aber sie bedarf vor solchen Aktionen sehr der Ruhe und Heilung!“ Hubert rauchte und sagte: „Aha, daran hatte ich zwar überhaupt nicht gedacht, aber gut, dass Sie mir das sagen. Darf ich beide sehen?“ „Ihre Tochter nur durch eine Scheibe, die Ehefrau momentan nicht, sie befindet sich im Aufwachraum.“

Beide gingen im Flur zu einer großen Glasscheibe.

Dahinter stand Christina mit dem Baby im Arm.

Lächelnd drehte sie sich so zu ihm, dass er ihr ins Gesicht schauen konnte, sie schien zu schlafen. „Wann kann ich meine Frau sehen?“ „Morgen ab 18:00 Uhr.“

„Darf unser Sohn mitkommen?“ „Ja, ausnahmsweise!“

Hubert verließ die Klinik, setzte sich in das Auto und schnaufte tief durch. Jetzt kam die Freude über die gut überstandene Geburt zum Ausbruch. Er fuhr zu seinen Eltern. Vor der Haustür stand Malwine, sagte nur:

„Und? Erzähle!“ „Mutter und Tochter gesund!“ lachte er.

„Endlich eine Großtochter, prima. Komm rein, das Essen ist auf dem Tisch. Deine Brüder sind da!“

In der Küche beglückwünschten ihn Heinrich, Fritz und Gert. Mitten darin kam Junior aus der Schule. Der freute sich über sein neues Schwesterchen und dass es seiner Mutter gut ging. Neben seinem Vater sitzend, hörte er beim Essen aufmerksam zu, als Hubert alles berichtete. Die „technischen Daten“ des Mädchens hatte Christina auf einen Zettel geschrieben und ihm geben können.

Während des Essens sagte Heinrich: „Heute Abend lassen wir deine Tochter pinkeln. Das muss gefeiert werden, wir haben alles vorbereitet. Fritz und ich kümmern uns um das Bier und Essen, Sieglinde weiß Bescheid und richtet alles her. Lass dich überraschen.

Wie soll das Kind eigentlich heißen?“ „Hannelore, darauf haben wir uns geeinigt, Junior fand den Namen gut!“

Der strahlte über das Lob. Nach dem Essen gab Hubert Heinrich 200 RM. „Für heute Abend und wenn du mehr brauchst, sag es!“

„Ach was, das reicht, kein Problem!“ Junior blieb bei seinen Eltern, würde nach den Hausaufgaben mit Onkel Fritz auf die Felder fahren. Im Büro schauten ihn alle erwartungsvoll an und natürlich berichtete er freudestrahlend.

„Alles Gute, wir freuen uns, dass es so gut abgegangen ist. Wir haben bereits einiges vorbereitet. Danzer kommt gleich, mit ihm sprechen wir alles ab“, sagte Gertrud, brachte ihm seine Mappe und frischen Kaffee.

Kurz darauf erschienen beide. Der hatte einen Entwurf für eine Anzeige in der Zeitung und für eine Karte dabei, die an alle Bekannten und Geschäftsfreunde zu versenden war. Der Name des Kindes wurde eingesetzt, das Geburtsdatum, Danzer brachte alles in Form und kurz darauf fuhr Monika bereits zur Druckerei.

Außerdem bestellte Hubert über Anja bei deren Mutter einen großen Blumenstrauß. Vier Seiten voll mit Adressen hatte Gertrud vorbereitet, die Hubert durchsah und absegnete. Er machte sich an seine Arbeit, aber das ging immer nur kurz gut, denn immer kam jemand zum Gratulieren. Nacheinander kreuzte seine gesamte Führungscrew auf. Als er schließlich auf seinen Hof kam, wurde er von allen freudig empfangen und beglückwünscht. Heinrich war bereits hier und hatte viel vorbereitet. Weber hatte Biergartengarnituren geholt und eine Zapfanlage. Gläser. Teller und Messer hatten Sieglinde und Richard besorgt.

Das Telefon im Haus ging ein paar Mal, sodass er gar nicht mitbekam, wie unter der Regie von Malwine und Heinrich vor dem Stall aufgebaut wurde. Die ersten Gäste und Gratulanten waren da. Manche blieben länger, manche machten nur ihre Aufwartung bzw.

gratulierten. Vor allem kamen viele mit ihren Frauen, oder ihren Gefährten. Einige der Frauen fragten nicht lange, sondern unterstützten bei der Bewirtung, so wie Regina, Anne, Monika und Gertrud.

Während einer kurzen Pause, sagte Regina zu ihm: „Ich habe die Unterlagen durchgesehen, das ist ein Paradebeispiel für Fälschung und persönliche Bereicherung. Ich bin nicht fertig, aber das zeige ich dir demnächst ganz genau.“ Hubert nickte. „Das habe ich mir gedacht, aber so fit bin ich nicht in Buchhaltung und die Zeit hätte ich nicht.“ Später kamen Frings und sein Cousin Hans zum Gratulieren. Natürlich war Junior dabei. Der freute sich schon am nächsten Tag seine Mutteund das neue Schwesterchen besuchen zu können.

Ziemlich spät kamen Christina und Hartmut. „Das alles war sehr knapp, lieber Bruder und wenn die Ärztin das nicht so gut gemacht hätte, würden wir heute nicht feiern. Ulla geht es gut, sie ist aus der Narkose aufgewacht.“ „Danke, das war meine große Sorge.

Danke für eure gute Arbeit!“ Christina lachte. „Gern geschehen, mach weiter Werbung für unsere Station, wir freuen uns über jeden Neuzugang.“

Es war schon dunkel, als die Letzten gingen. Hubert ging ins Haus, war froh, endlich ins Bett zu kommen.

Nüchtern war er nicht mehr.

Erst als er sich am nächsten Morgen zuerst unter den heißen, dann kalten Wasserstrahl gestellt hatte, ging es im besser. Sieglinde hatte ihm ein Frühstück vorbereitet, was er in aller Ruhe genoß und später in die Firma fuhr. Hier lag eine Menge an, die letzten Tage waren aufzuholen.

Während er sich durch die Vorgänge kämpfte, versorgten ihn seine Mädels mit frischem Kaffee, außerdem klingelte das Telefon öfters. Als erste rief Barbara an und sagte ihm, dass sie zusammen mit Malwine die Nachmittagsbesuche bei Ulla koordinieren würde, Gertrud würde dabei helfen. Das freute ihn sehr, denn er selber hatte sich die Abendtermine vorgenommen. Später riefen Onkel und Tante nacheinander an und gratulierten, Malwine hatte ihnen das mitgeteilt. Sie sagte dazu: „Deine Unterlagen habe ich erhalten, wir sind am Arbeiten, genaueres kann ich dir in der nächsten Woche sagen!“ „Ich habe etwas, das wird gerade von einer Spezialistin geprüft, scheint vielversprechend zu sein. Wenn ich Genaueres weiß, melde ich mich.“ Das lief gut, noch besser war das, was sein Onkel ihm mitteilte.

„Du hast den Briten sehr geholfen bei ihrer Anklage gegen diesen SS Lagerführer. Man will sich erkenntlich zeigen. Du willst die Villa von dem kaufen, da kommen sie dir entgegen und wollen nur 90.000 RM dafür haben. Wegen des Kaufens melden sich die örtlichen Besatzer bei dir.“

„Sehr gut, danke. Wie laufen die Vorbereitungen für euer Turnier?“ „Planmäßig, nächste Woche bekommst du die Ausschreibung.“ „Gut, über die Woche proben wir die Quadrille wieder.“ „Das wird gegen Abend geplant. Während der drei Tage kannst du bei uns übernachten.“

Anjas Mutter brachte zwei wunderschöne Sträuße, einen großen für Ulla und einen kleineren für die Ärztin.

Außerdem hatte er heute Morgen ein Paket für die Station zusammengestellt. Monika hatte von der Druckerei die Karten mit den Umschlägen geholt, die jetzt im Vorzimmer beschriftet und versandt wurden.

Becker wurde über den neuen Preis der Villa informiert.

Fritz kam vorbei und teilte mit, was er mit Weber abgesprochen hatte für die Bestellung Wittingen. Ein Trecker mit zwei Anhängern, einer davon mit hohen Bracken. Dazu eine Heupresse. „Dein Einverständnis vorausgesetzt habe ich deine beiden Traktoren mit Weber und Richard eingesetzt. Die mähen gerade das Grummet. Den Rest besorge ich mit meinen Leuten. Ich nehme das Grummet komplett für die Kühe und die Reiterstaffel, dafür bekommst du drei Wagenladungen Heu vom ersten Schnitt, danach sind die Erbsen dran.

Dafür brauche ich viele Helfer von den Flüchtlingen.

Aber das macht unser Vater.“ Schwarz kam und berichtete ihm von den Vorbereitungen für das Zeltlager mit den Waisenhauskindern. „Nach letzten Informationen sind es 21 Jungs und zwölf Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren.“

Zum Mittagessen fuhr er zu seinen Eltern. Malwine erklärte ihm, wer wann zu Ulla fahren würde. Sie selber würde morgen mit Barbara den Anfang machen. „Ich hole Hans-Wilhelm heute um 16 Uhr ab, wir beide fahren ins Krankenhaus“, sagte er ihr anschließend.

Während Junior seine Hausaufgaben erledigte, fuhr er zum Hof, sammelte seine Mitbringsel ein und besprach sich mit Weber, der gerade vom Mähen zurückkehrte.

„Morgen mähe ich in Völkenrode im Lager und in der ehemaligen Forschungsstätte, damit sind wir durch.

Wenn Fritz das Grummet eingefahren hat, werden wir Mist streuen, davon haben wir momentan genug.“ „In Ordnung, was liegt an mit Turnieren am Wochenende?“

„In Gifhorn ist ein kleines Turnier, da wollte ich mit den Leuten, die bisher L gegangen sind, hin. Ein M-Springen ist da. Niemann kommt mit, Harald und Peter wollten Ullas Pferde da reiten. Nächste Woche ist in Bad Harzburg ein Turnier. Da solltest du mit den S-Pferden reiten. Ein Jugendspringen ist dabei und ein Mächtigkeitsspringen, da will Fiete zum ersten Mal seinen großen Springer testen.“

„Gut, da können wir Junior beschäftigen. Wenn es dort ein L-Springen gibt, würde ich meine junge Stute gerne einsetzen.“ „Da ist eines dabei, können wir problemlos tun.“ „Wenn ich nachher von Ulla komme, werde ich auf alle Fälle meine S-Pferde reiten.“

Aus dem Vorzimmer holte er die Blumensträuße und holte Junior ab. Auf dem Weg zum Krankenhaus erklärte er ausführlich, was es mit der Geburt auf sich hatte und der hörte aufmerksam zu, fragte nach, bis er alles verstanden hatte. Beim Pförtner meldeten sie sich, sagten, dass ihnen von der Ärztin gestattet sei, heute zu kommen. Nach einem kurzen Telefonat war dieses bestätigt und gemeinsam gingen sie zu Frau Doktor März. Sie freute sich über den Blumenstrauß und das Paket für die Station. Junior saß artig und still neben Hubert, hörte gespannt zu.

„Ihrer Frau geht es besser, sie hat gut geschlafen und isst bereits wieder. Die Folgen der gesamten Operation bedürfen eine Woche der Behandlung und Beobachtung. Wenn alles gut verläuft, könnte es sein, dass sie Ende der nächsten Woche eventuell mit der Kleinen entlassen wird. Aber sie bedarf länger der Schonung und der Ruhe. Schwester Christina ist von mir beauftragt, sich nach der Entlassung intensiv um Mutter und Kind zu kümmern. Das gehört zu ihrer Ausbildung. Sehr gut geht es dem Kind, es ist bereits auf den Namen Hannelore amtlich gemeldet. Ich bringe Sie jetzt zu Ihrer Frau und Mutter.“ Ganz am Ende betraten sie ein Zweibettzimmer, in dem Ulla im Bett lag und sie anlächelte. Als erstes gab Junior seiner Mutter einen langen vorsichtigen Kuss, danach war Hubert dran. „30 Minuten kann ich Ihnen geben, dann müssen sie wieder gehen“, sagte Frau Doktor März und ging hinaus. Ulla machte einen guten Eindruck, fand Hubert, als sie sich unterhielten und dabei Junior einbezogen.

Eine Krankenschwester brachte eine Vase mit Wasser für die Blumen, Junior übergab sein selbstgemaltes Bild und Hubert holte aus seiner Jackentasche eine Schachtel. Neugierig öffnete sie diese und nahm die Hände vor ihr Gesicht.

„Hubert, wo hast du denn den her, der ist ja wunderschön.“ Es war ein Weißgoldring mit einem großen blitzenden Stein. Sofort probierte sie ihn am linken Ringfinger, er passte hervorragend. Heimlich hatte er bei dem Juwelier im Magniviertel den Ring auf ihre entsprechende Größe bringen lassen. Bevor sie jedoch weiter darüber reden konnten, öffnete sich die Tür, Christina kam mit Hannelore. Als sie in den Arm der Mutter gelegt wurde, gähnte sie herzhaft und blinzelte, öffnete die strahlend blauen Augen und gähnte wieder. „Sie ist vorhin gestillt worden und jetzt müde“, erklärte Ulla.

Mit Christina wechselte sie einige Worte über das Kind, die übernahm es wieder und brachte es hinaus.

„Hubert, ich werde hier gut behandelt, macht euch keine Sorgen, alles läuft gut.“ „Malwine und Barbara organisieren deine Besuche in Absprache mit mir. Wenn es einen oder zwei weitere Abendtermine gibt, mache ich die, nachmittags sind die anderen dran.“

„Ja macht das so. Beim nächsten Besuch kannst du mir alles erzählen, was daheim passiert, du natürlich auch mein Junge. Aber momentan brauche ich etwas Ruhe.“

„Völlig klar, wir müssen jetzt verschwinden, unsere Zeit ist um. Ist ja ein Sonderfall, dass wir heute hier sein dürfen.“

Wieder daheim überließ Hubert es Junior, Malwine ausgiebig über den Besuch zu berichten, er fuhr wieder ins Büro und erledigte dort seine Arbeiten.

Anschließend bewegte er seine vier Pferde und setzte sich daheim an den Schreibtisch, um zu überlegen, was er am Freitag Woods mitgeben sollte. Als nächstes notierte er, was er zu erledigen hatte. Morgen würde er sich auf alle Fälle mit Dolle zusammensetzen, um die Bauvorhaben abzusprechen. Dabei trank er ein Bier und aß die geschmierten Brote, die Sieglinde ihm hingestellt hatte.

Am nächsten Morgen im Büro erhielt Becker das Geld für den Kauf der beiden Trümmergrundstücke und die Villa. Kokoschka war der nächste, der ihm berichtete, dass die Zusammenfassung der Lager auf dem Gelände von Bauer lief, allerdings wäre es gut, dort ein weiteres Lager in einer Halle zu installieren. Das notierte er sich, um es mit Dolle zu besprechen. Nachdem er die Post erledigt hatte, kam Dolle. Der hatte Mielke mitgebracht und die Liste, wer wo arbeitete. „Wir müssen als nächstes Tietz und Alberts neue Aufträge geben. Hellwig ist so gut wie fertig mit dem Haus des Oberschlachters und Schubert ebenfalls an der Fallersleber Straße.“

Mielke ergänzte: „Vorbereiten müssen wir Aufträge für Fink, das Depothaus sieht schon gut aus, ist bald fertig und Graf kommt sehr gut voran. Als nächstes sollten die Blöcke an der Berliner Straße dran sein, für Alberts. Für Tietz sollten wir die zwei Häuser am Steinweg nehmen, da gibt es ein neues Konzept des Stadtbaurates mit viel Stahlbau.“

„Das ist sinnvoll. Was haben wir noch für Aufträge?“

„Gert sprach mich an, Doris möchte die Baracke durch ein größeres, festes einstöckiges Haus ersetzen. Das wäre kein Problem, das geht recht fix, das hatten wir schon konstruiert“, sagte Dolle.

„Da wäre zu überlegen, ob man Olbrich für seine Zimmerei nicht ein neues Gebäude gibt.“ Das hatte Hubert schon länger überlegt.

„Um diese beiden Sachen, Metall und Zimmerer, zu bauen, müssen wir drei Baracken abbauen. Das wäre kein Problem, denn mit dem neuen Haus im Depot können wir alle, die darin wohnen, dort unterbringen“, schlug Mielke vor.

„Nehmt Fink für die Neubauten und den Abbau der Baracken“, entschied Hubert. „Eine der Baracken sollten wir an die Sandkuhle bringen, die anderen zwei nach Cremlingen als Lagerräume“, schlug Dolle vor.

„Gute Idee, so machen wir das, hiermit beschlossen.“

„Fehlt nur der Anschlussauftrag für Hellwig.“ „Da sprecht ihr bitte mit Becker, der hat die Verbindung zu der ehemaligen Besitzerin der Häuser am Nordbahnhof.

Die will drei beschädigte Häuser renoviert haben. Das wäre genau das Richtige für Hellwig.“

Fischer war der nächste. Dem erzählte er, was bautechnisch geplant war und wie es mit den weiteren Zukäufen aussah.

Der notierte eifrig mit und sagte: „Ich kümmere mich um die Kostenvorschläge und die Abrechnungen. Willst du die Neubauten hier auf dem Gelände zahlen? Das Depothaus übernimmt die Firma.“ „Doris zahlt ihr eigenes Gebäude und ich übernehme die beiden anderen.“

„In Ordnung. Ich habe in der Zwischenzeit den Handel mit den Heringen, dem Obst und dem Kohl weitergemacht und etwas intensiviert. Dazu läuft das mit dem Thomasmehl sehr gut, das ist recht lukrativ.

Nebenbei stehe ich in Verbindung mit der BKB, um denen Briketts abzukaufen. Die sollten wir zwischenlagern und im Winter gut verkaufen.“ Hubert grinste „Solange das für die Firma Erträge bringt, mach das weiter, aber verzettele dich nicht.“ „Keine Sorge, seit Regina da ist, habe ich einen Teil an sie abgegeben, die macht das sehr gut. Wenn du damit einverstanden bist, erhöhe ich ihr Gehalt etwas.“

Es war Mittag und Hubert beschloss, sich mit Prinz die Beine zu vertreten. Als erstes ging er zu dem Platz am äußeren Rand des Geländes, wo die Zelte für die Feriengäste errichtet wurden. Sieben Zelte waren es und ein großes für die Essenszeit und andere Versammlungen. Schwarz wies ihn ein, sagte: „Ich habe mit meiner Frau gesprochen und die machte mir einen sehr guten Vorschlag. Wir können von ihr die Mittagsverpflegung bekommen, das würde uns den Aufwand des Kochens ersparen. Zu dem Zeitpunkt läuft keine Schulspeisung, da hat sie Kapazitäten frei,“ sagte Schwarz.

„Was würde uns das kosten?“ „Sie schlägt vor: Kein Geld, dafür zwei Schweine und einen Jungbullen.“

Hubert lachte: „Lebend?“

Schwarz lachte mit: „Nein, nein, schon geschlachtet. Du kennst doch den Schlachter, kannst du den fragen?“

„Das mache ich, kein Problem. Den kann ich fragen wegen Wurst, meine Mutter wegen Marmelade und den Bäcker wegen Brot und Brötchen.“ „Dann fehlen uns nur Margarine und Käse.“

„Den Käse und Butter bekommen wir von Barbara. Tee und Getränkepulver habe ich im Vorrat.“ „Eine Frau, die sich darum kümmert, haben wir. Toiletten können wir bei Gert benutzen, müssen die aber säubern. Einen Wasserwagen zum Waschen habe ich selber im Bestand, mit dem baue ich eine Waschanlage.“ Weitere Sachen besprachen sie, schließlich ging er weiter zu Grings. Der saß vor seiner Werkstatt, trank einen Kaffee und plauderte mit Bauer, dem er das Gelände abgekauft hatte. Stolz erzählte Bauer, dass er mit Grings zusammenarbeiten würde. Gemeinsam wären sie dabei, ältere Möbel aufzuarbeiten. Grings nickte lächelnd. „Ich muss mich um die Werkstatt kümmern, da haben wir genug zu tun. Harald macht sich gut. Der bekommt den richtigen Schliff, damit können wir ihn zur Meisterausbildung schicken.“

Schließlich ging er bei Gert vorbei und sagte dem, dass der Wunsch seiner Frau in Erfüllung gehen würde, das Gebäude sei in der Planung.

„Sie hat einen hohen Bedarf an Änderungen, mittlerweile arbeiten zehn Frauen daran, das ist alles zu eng.“ „Sie sollte mit Dolle reden, wie sie das haben will.“

„Werde ich ihr sagen, da hast du völlig recht.“ „Wie läuft es sonst bei dir?“

„Sehr gut. Drei PKWs und ein Laster stehen als Arbeitsvorrat hinter der Halle. Wir sind voll ausgelastet.

Übrigens, 39.350 RM kostet deine Bestellung für die landwirtschaftlichen Geräte, die kommen am Montag.“

„Das Geld gebe ich dir morgen. Könntest du mir einen Opel bringen?“ „Steht zum Feierabend bei dir auf dem Hof.“

Er machte mit Prinz einen Bogen zum Haus, was als Letztes hergerichtet wurde. Fink zeigte ihm alles. „Das sieht gut aus, wie lange braucht ihr?“ „Ende nächster Woche sind wir fertig. Klempner und Elektriker sind mit dem Rest dran, gestrichen werden muss es noch.“

Als er zurückkam, lachte Gertrud laut auf. „Du hast ungefähr zehn Anrufe bekommen, die zur Geburt gratulierten, ich habe sie aufgeschrieben. Die nächsten stelle ich durch.“ Hubert studierte die Liste, das war sehr erfreulich, mehrere Geschäftspartner waren dabei.

Kaum saß er, als es klingelte. Rudi der Schlachter war dran und gratulierte im Namen seiner Frau. Er bedankte sich und sagte: „Gut, dass ich dich dran habe, wir haben eine Bitte.“ Kurz erzählte er ihm, was Schwarz vorgeschlagen hatte. „Kein Problem. Bring die Schweine und das Rind vorbei, wir schlachten die, die können zerlegt abgeholt werden.“ Mit der Wurst gab es keine Probleme. „Das bekommst du so, ich brauche nur eine Bestätigung, damit ich es bei der Steuer als Spende absetzen kann.“ Sieben weitere Anrufe bekam er, notierte alle, um Ulla das weitergeben zu können.

Zwischendurch erledigte er die Post und beschloss um 15:30 Uhr zu gehen.

Zuerst ritt er seine S-Pferde, danach die beiden anderen.

Mit denen übte er zweimal das blitzschnelle Umsitzen von Sattel zu Sattel. Anschließend unterhielt er sich mit Weber, der seine Reitstunde beendet hatte. Nachdem die landwirtschaftlichen Fragen geklärt waren, kamen sie zu den Turnieren am Samstag. Weber wollte Tietz, Gertrud, Petra und Regina mitnehmen für das L-Springen. „Wenn das geht, bin ich mit der jungen Stute dabei und beim anderen Springen mit den beiden M-Pferden.“ „Klar geht das, Gertrud kann nachmelden.“

Junior hatte zugehört und wollte mit, was ihm Hubert zusagte. Nachdem er mit Weber die Termine für das Vorüben der Quadrille besprochen hatte, ging Hubert auf die hintere Terrasse des Hauses und sah eine Weile dem Treiben auf dem Springplatz zu. Später machte er sich daran, die Sachen für Woods zu packen. Ein Mocca-Service mit NS-Symbolen wurde verpackt, dazu neben anderen kleinen Dingen folgten sechs Jagdmesser aus dem Göringschen Bestand, zwei kostbare Revolver kamen dazu. Drei Fliegerjacken kamen auf den zweiten Karton und morgen würde er zwei Schrotgewehre dazu legen. Bis kurz vor 09:00 Uhr ließ er es am nächsten Tag im Büro ruhig angehen, plauderte mit den Mädels, gab Becker das Geld für die zu kaufenden Grundstücke und ließ Anja das Geld für die Geräte zu Gert bringen.

Pünktlich stand er mit seinem Opel in der Nähe des Tors zur MUNA und wartete auf Woods, kurz nach 09:00 Uhr erschien der. Als sie ausstiegen sagte Woods lächelnd: „Bevor wir zum Geschäft kommen, herzlichen Glückwunsch zur Tochter. Wir, mein Chef und ich, möchten dazu etwas an Stelle von Blumen überreichen.“

Aus dem Führerhaus holte er zwei 2.5 Liter fassende Flaschen. „Das ist für die Mutter“, dabei zeigte er auf den Whiskylikör, „und das ist für den Vater!“ Das war dieser feine schottische Whisky. Hubert lachte. „Dafür bedanke ich mich ganz herzlich im Namen meiner Familie.“ Nun musste er Woods die „technischen Daten“ des Kindes erklären und die Umstände der Geburt.

Schließlich kamen sie zum Geschäft. „Hier ist das Geld für die alten Sachen. Hat zwar etwas gedauert, aber dafür lohnt es sich!“ Hubert steckte den Umschlag ein und zeigte Woods sein Angebot. „Sehr gut, das geht gut!

Wenn du weitere Bücher hast, die würde ich nächstes Mal gern nehmen.“ Anschließend schob Woods mehrere Kartons auf den Opel. Hubert brachte das Auto auf den Hof und bat Frank, die Kartons in die Garage zu stellen.

Während er später seine Post bearbeitete, kamen weitere Anrufe und Gratulationen. Gertrud hatte ihm die heutige Zeitung zur Post gelegt, dort stand die Geburtsanzeige. Die schnitt er aus, steckte sie in seine Brieftasche, um sie Ulla zu zeigen, dazu kam die Karte, die verschickt worden war. Heute machte er wieder mittags mit Prinz einen Spaziergang, dieses Mal allerdings zu seinen Eltern zum Essen. Dort traf er Fritz, den er um die zwei Schweine und den Jungbullen bat. „Klar helfen wir dabei. Einen Teil der Leute kann ich bei der Ernte brauchen, geht das?“ „Wir wollen die tagsüber aufteilen in alle Bereiche, du bekommst ständig welche. Zur Ernte setzen wir die mit ein.“

Von Junior ließ er sich anschließend über seinen Schulalltag berichten und sagte ihm, dass er heute zu seiner Mutter fahren würde.

„Ich habe ihr ein Bild gemalt, nimmst du ihr das bitte mit?“ „Willst du nicht mitkommen?“ Der Junge schnaufte kurz durch. „Heute wird damit begonnen, das Grummet reinzuholen, da möchte ich gern mit Opa Heinrich fahren. Meinst du, dass Mama traurig wäre?“

Huber strich ihn lächelnd über den Kopf. „Nein, das glaube ich nicht. Kann mir gut vorstellen, dass du nicht so gern mit ins Krankenhaus willst. Außerdem ist das Grummet sehr wichtig für die Tiere, das versteht Mama ganz sicher!“ „Ich hole schnell das Bild.“ Als er damit zurückkam, sagte Hubert: „Morgen früh musst du pünktlich am Stall sein. Ab 07:00 Uhr wollen wir verladen.“ „Kein Problem, sag es Oma Malwine.“

Sicherheitshalber sagte Hubert den Termin seiner Mutter und fuhr ins Büro, die wöchentliche Besprechung musste er vorbereiten.

In der wöchentlichen Besprechung bedankte er sich für die Glückwünsche zur Geburt der Tochter und übermittelte den Dank von Ulla.

Danach erläuterte er die Ferienaktion des Waisenhauses und sagte dazu: „Wir werden das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Neben der Erholung für diese Waisen steht das Kennenlernen der Berufswelt auf dem Programm. Je nach den Wünschen und Interessen der Einzelnen werden wir sie den einzelnen Gewerken zuteilen. Landwirtschaft und die Werkstatt von Gert werden hinzukommen. Doris und die Verwaltung sind beteiligt, wie Schule und Kindergarten. Wenn es uns gelingt, hier zukünftige Lehrlinge zu gewinnen, haben alle Seiten etwas davon.“

Ein weiterer Punkt war die Erläuterungen für ein paar Tage Ferien im Häuschen in der Heide. Hier erklärte er genau, wie das geplant war.

Bis 17:30 Uhr zog sich die Besprechung hin, danach packte er die Unterlagen für Ulla in seine Aktentasche und fuhr ins Krankenhaus. Erfreut stellte er fest, dass es ihr besser ging. „Morgen soll ich das erste Mal einen kleinen Spaziergang machen!“ erklärte sie lächelnd.

Gemeinsam sahen sie sich die Post an und redeten über die Anrufliste. Christina brachte die Kleine zum Stillen, Hubert dabei dabei sein. „Aber keinem verraten“, lächelte sie, „das ist sonst nicht erlaubt!“ „Nein, nein, ich bin ganz still, Schwesterherz.“

Kurz vor 20:00 Uhr war er daheim und bat Richard die junge Stute zu satteln, er wollte sehen, wie gut sie drauf war vor ihrem ersten Turnier. Zufrieden sattelte er sie nach einer halben Stunde wieder ab und brachte sie in die Box. Für den nächsten Tag war alles vorbereitet und er ging ins Haus, duschte und aß anschließend. Dabei schaute er nach, was in dem Umschlag von Woods steckte: 75.000 RM, zufrieden legte er das Geld in den Safe. Gerade hatte er sich einen guten Schluck des edlen Whiskys eingegossen, als das Telefon klingelte.

Seine Tante war dran.

„Guten Abend Partner, störe ich?“ „Nein, bin allein und trinke gerade einen Whisky.“ „Das machst du alles richtig. Wie geht es Frau und Tochter?“ Hubert schilderte den letzten Stand, sie sagte: „Das freut mich, drücke alle Daumen, dass Ulla bald nach Hause kommt.

Dieser Eingriff war nicht ohne. Aber ich habe etwas für dich. Es ist mir gelungen, das Konto und das Wertfach dieses SS-Offiziers und seines Kameraden zu räumen.

Nach Abzug aller Unkosten verbleiben 150.000 RM, 60 Aktien einer großen deutschen Firma im Wert von 40.000 RM und einige sehr gute Schmuckstücke. Ich habe mir überlegt, das aufzuteilen. Wenn du 60.000 RM und die Aktien nimmst, verbleiben mir 90.000 RM und der Schmuck. Was hältst du davon?“ „Hört sich gut an.

Den Schmuck kannst du gerne haben, die Aktien und das Geld nehme ich.“ „Sehr gut. Ich fahre am Sonntagmittag zu meiner Schwester und kann es dir übergeben.“ „Das ist eine gute Idee, da bin ich sowieso.“

Fertig angezogen für das Turnier frühstückte er am nächsten Morgen. Sieglinde hatte einige doppelte Brote für beide eingepackt. Er berichtete ihr von seinem gestrigen Besuch bei Ulla. „Wenn du unterwegs bist, bereite ich alles vor für die Ankunft der Kleinen.“

Auf dem Hof herrschte bereits ein emsiges Treiben.

Junior war dabei, half beim Verladen. Pünktlich war alles erledigt, mit beiden Transportern, einem Käfer und Huberts Lieferwagen erreichte die kleine Kolonne das ländliche Turnier in der Nähe von Gifhorn. Während sich Weber um die Starterliste kümmerte und sich den Parcours anschaute, wurden die Pferde für das L-Springen abgeladen, gesattelt und vorbereitet.

Während alle anderen ihr Programm vor dem Start absolvierten, hatte Hubert damit zu tun, seine junge Stute an die neue Situation zu gewöhnen. Ihm war völlig klar, dass er in diesem Springen nicht um den Sieg reiten würde, die Stute sollte das heute kennenlernen.

In aller Ruhe und Gelassenheit ging er so in den Parcours und nahm es in keiner Weise übel, dass sie vor lauter Hektik zwei Fehler machte. Beruhigend klopfte er ihr beim Hinausreiten mehrfach den Hals, was sie schnaubend zur Kenntnis nahm. Mit Weber sah er bei den anderen Startern zu.

Tietz legte einen sauberen Ritt hin, fehlerfrei und in sehr guter Zeit. Gertrud hatte einen Fehler, Petra ebenfalls und eine Zeitüberschreitung. Regina schaffte es fehlerfrei, aber langsamer als Tietz. Gespannt stand der neben ihnen und fieberte bei jedem Ritt mit, aber niemand blieb nach Regina fehlerfrei, er war Sieger.

Strahlend nahm er jede der jungen Frauen in die Arme, als die ihm gratulierten. Gemeinsam gingen Weber und Hubert zu ihren Transportern. „Hubert, wir haben ein Problem, Irene hat sich die linke Hand verstaucht und kann nicht in der Quadrille reiten. Wer soll die ersetzen?“ Hubert überlegte kurz. „Wir nehmen Regina, die macht eine gute Figur auf dem Pferd. Aber sie sollte das Pferd von Irene reiten, weil das die Sache mit dem Damensitz kennt. Kümmere dich bitte darum?“ Huberts Pferde für das M Springen waren fertig, aber vorher machte er mit Junior eine Brotzeit. Beide saßen auf der Rampe eines Transporters, aßen ihr Brot, er trank Kaffee aus einer Thermoskanne und Junior eine Flasche Limonade. Beide hörten sie, wie die Siegerehrung lief.

Petra war Siebte, Gertrud Vierte und Regina Zweite, Tietz Erster. Plötzlich ertönte neben ihnen eine Stimme.

„Entschuldigen Sie bitte die Störung, sind Sie Herr Wedel von der gleichnamigen Baufirma?“ Neben ihnen stand ein Mann um die 50 in einer Kombination. „Ja, der bin ich, gibt es ein Problem?“ Der Mann lächelte.

„Ich bin Thomas Frühauf, der Besitzer einer Firma, die auf Straßenbau spezialisiert ist, komme aus Meine.“

Hubert erhob sich. gab ihm die Hand. „Was kann ich für Sie tun?“ „Ich wollte fragen, ob wir zusammenarbeiten könnten. Habe eine Kolonne von zwölf Mann, darunter vier Pflasterer und habe bisher hier in Gifhorn und im Landkreis gearbeitet. Wir würden gern Aufträge aus Braunschweig übernehmen. Aber dazu bräuchte ich Hilfe beim Transport der Baumaterialien und habe leider keine Kontakte zu den jeweiligen vergebenden Stellen.“ „Das hört sich gut an, da sollten wir drüber reden, grundsätzlich habe ich Interesse an solch einer Zusammenarbeit. Was halten Sie davon, wenn Sie mich nächste Woche bei uns in Lehre besuchen, da haben wir unsere Fachleute dabei.“ „Sehr gern, rufen Sie mich bitte an, hier ist meine Telefonnummer.“ Er gab Hubert seine Karte und erhielt dafür die von ihm. „Hier im Kreis Gifhorn habe ich sehr gute Kontakte, das wäre vielleicht für Sie interessant“, lächelte er. „Ja klar, daran sind wir interessiert.“

Harald hatte das Gespräch mitgehört, sagte lächelnd:

„Das hört sich gut an, das fehlt in der Firma. Wenn das klappt, hast du einen Joker!“

Richard bewegte den Schwarzbraunen und Hubert wärmte seinen Schimmel auf. Aber irgendwie steckte bei dem heute der Wurm drin, er war unkonzentriert. Erst als er ihn energisch aufmunterte, wurde es besser. Peter gesellte sich auf Ullas Schimmel neben ihn und sagte halblaut:

„Schau dir mal die blöde Kuh auf dem Fuchs da an. Das Pferd macht alles richtig und ist wirklich gut. Aber sie fällt dem beim Sprung ins Kreuz, die kann nicht reiten.

Und überhaupt, warum muss man dem armen Pferd beim Springen eine Kandare verpassen?“

Unauffällig schaute Hubert zu der Frau. Schnell sah er, das Pferd hatte sehr gute Anlagen, das war einer für hochklassige Springen. Aber sie konnte wirklich nicht reiten, machte Fehler über Fehler. Hubert verdrängte das und konzentrierte sich auf seinen Ritt. Aber der war gar nicht konzentriert, zwei leichte Fehler und alle Siegchancen waren dahin. Er saß um auf dem Schwarzbraunen und in dem Moment riss die Frau mit dem Fuchs das gesamte Probehindernis um.

Kopfschüttelnd konzentrierte er sich auf den nächsten Ritt und der lief sehr gut. Richtig aufmerksam war sein Schwarzbrauner, ging schnell, sicher und null Fehler.

Niemann und ein anderer Reiter waren ebenfalls fehlerfrei angekommen, das bedeutete ein Stechen um den Sieg. Junior setzte sich auf den Wallach und bewegte ihn im Schritt. Vom Turnierplatz ertönte ein Raunen. Die Frau war nach ihm eingeritten, hatte dreimal verweigert und war ausgeschieden. Mit hochrotem Kopf galoppierte sie in Richtung Parkplatz.

Peter und Harald hatten sich jeder einen Fehler eingehandelt, aber waren trotzdem zufrieden, standen rauchend am Transporter, Niemann kam dazu, während Petra sein Pferd bewegte. Neben dem zweiten Transporter wurde es plötzlich laut. Harald sah dort hin und sagte laut: „Das fasse ich nicht.“ Alle drehten sich hin und erstarrten. Die Frau hatte dem Fuchs an den Anhänger gebunden, traktierte ihn wütend mit einer langen Peitsche. Wiehernd wollte der fliehen, konnte es aber nicht. „So nicht, du blöde Kuh!“ schrie Peter, warf seine Kippe weg und stürmte dorthin. Weber, Niemann, Harald, Richard und Hubert rannten hinterher. Peter hatte die Frau erreicht, riß ihr die Peitsche aus der Hand, schrie: „Lass das Pferd in Ruhe, du bist schuld, weil du nicht reiten kannst.“ Die schrie zurück: „Misch dich nicht ein, du Mistkerl, morgen kommt der zum Abdecker!“ Bevor Peter handgreiflich werden konnte, schob sich Hubert zwischen die beiden. „Bevor der zum Abdecker kommt, nehme ich ihn, was soll der kosten?“

„Nehmen Sie die Krücke und brechen sie sich mit ihm den Hals. Nie wieder will ich dieses Scheißpferd sehen!“

„Nochmal: Was soll er kosten?“ „Wenn sie mir 300 geben, können Sie den Anhänger gleich mitnehmen, ich habe zwei andere.“ Hubert griff in seine Jackentasche, holte seine Brieftasche heraus, hielt ihr 300 RM hin. In diesem Moment kam der Turnierveranstalter dazu. „Was haben Sie eben mit dem Pferd gemacht?“ „Ausgepeitscht habe ich ihn, weil er dreimal verweigert hat.“ Der Veranstalter funkelte sie an. „So etwas macht niemand in meinem Bereich, packen Sie Ihre Sachen und verschwinden Sie auf der Stelle.“

Die Frau japste nach Luft, aber Hubert kam ihr zuvor.

„Wir haben das Pferd gerade mit dem Anhänger gekauft.

300 RM für beide, alle sind hier Zeugen, wir konnten das nicht mit ansehen!“ Der Mann nickte: „Danke, wir reden nachher darüber. Und Sie verschwinden jetzt sofort!“

Mit einem hässlichen Fluch drehte sich die Frau um, raste mit Vollgas vom Gelände. Ein jüngerer Mann stand ratlos neben dem Anhänger.

„Wer sind Sie?“ „Ich bin ihr Pferdepfleger, jetzt habe ich ein Problem.“ „Stimmt“, sagte Peter, „warum hast du sie nicht daran gehindert?“

„Ich war bei den Zuschauern. Als ich zurückkam, prügelte sie auf das Pferd ein und schon wart ihr da. Ich hätte sowieso morgen gekündigt, das ist eine Hexe.“

„Sind Sie schon lange bei ihr gewesen?“ „Eine Woche, kam aus der Gefangenschaft, brauchte Geld und einen Job, habe sonst niemanden mehr.“ Hubert mischte sich ein. „Was sind Sie von Beruf?“ „Maurer, war bei der Wehrmacht in der Division „Großdeutschland“.“

Niemann lachte auf: „Da haben wir schon einen von! Sie kommen mit, bekommen bei uns eine Stelle als Maurer.“ „Ich kann es ja kaum glauben, da würde ich zu Fuß hingehen!“ „Aber nicht heute. Richard kümmere dich um das Pferd, hängt den Anhänger an meinen Lieferwagen, ich muss jetzt reiten, Niemann du auch!“

Voll konzentriert ritt Hubert als letzter der Drei ein. Der erste hatte einen Abwurf, Niemann war fehlerfrei, aber langsam, das konnte sein Schwarzbrauner locker schaffen und er tat es. Sicher, schnell und aufmerksam beendete er den Parcours als Bester. Großer Applaus begleitete ihm beim Ausreiten. Kurz darauf erfolgte die Siegerehrung. Peter und Harald waren Sechster und Siebter geworden, so standen vier Mann der Wedeltruppe in der Reihe der Platzierten. Als es um Hubert ging, sagte der Vorsitzende am Mikrofon ein paar Sätze. Er bedankte sich bei Hubert für sein vorbildliches Verhalten und beschrieb den Ehrenpreis: Ein ganzer Rucksack voll mit Wurstkonserven, zwei Mettwürsten und einer Kugel Rotwurst, gestiftet vom Schlachter des Ortes. Der überreichte die Schleife, steckte sie an das Zaumzeug und beglückwünschte Hubert ausdrücklich.

Dabei sagte er: „Hier ist meine Karte, ich brauche ein neues Schlachthaus, rufen Sie mich an.“ „Sehr gerne“, lächelte Hubert, setzte sich den Rucksack auf den Rücken und brach auf zur Ehrenrunde, unter großem Beifall der Zuschauer. Als er absaß, sprang ihm Junior jubelnd um den Hals. Hubert nahm ihn hoch und drückte ihn lachend. Der Rest begann abzusatteln und die Pferde zu verladen. Gerade hatte er sich wieder den grauen Kittel angezogen, als der Veranstalter mit seiner Frau zu ihm kam. „Ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Diese Frau ist bekannt als eine bösartige Hexe. Mit dem heutigen Tag wird die hier in der Region bei keinem Turnier mehr starten. Aber etwas ganz anderes. Meine Frau und ich haben hier einen größeren Betrieb im Ort. Dank einer Erbschaft wollen wir uns vergrößern und verstärkt Kartoffeln anbauen. Dazu brauchen wir zwei neue Hallen, könnten wir ins Geschäft kommen?“

„Aber ja, sehr gerne. Hier ist meine Karte, rufen Sie mich an, wir machen einen Termin und sprechen in Ruhe darüber. Brauchen Sie eventuell landwirtschaftliche Maschinen?“ „Ja, ich weiß aber nicht genau welche.“ „Mein Bruder hat die Hanomagvertretung, der würde sich freuen, ebenfalls mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.“ „Wunderbar, das kann man in einem Gang erledigen! Hier ist meine Karte.“

„Ich muss mich verabschieden, meine Mannschaft und mein Sohn wollen nach Hause.“ Richard kam zu ihm.

„Das Pferd ist verladen, der Anhänger angekuppelt.

Völlig verängstigt ist das arme Tier. Der Pfleger und Petra sitzen jetzt bei ihm im Wagen und beruhigen ihn.“

„Gut, lass uns fahren, daheim gebe ich was von der Wurst aus und wir trinken ein Bier.“ Regina brachte Sattel und Zaumzeug zum Lieferwagen. „Regina, siehst du heute Herrn Graf?“ „Ja, der wartet auf mich im Stall.“ „Ich habe einen neuen Mann für seine Kolonne, den kann er gleich übernehmen und er soll mit in den Stall kommen, es gibt etwas zu essen und zu trinken.“

„Oh, sehr schön, da kommt er bestimmt mit.“

Auf dem Rückweg erzählte Hubert seinem Sohn die ganze Geschichte. Der war ganz entsetzt. „Um das Pferd müssen wir uns jetzt kümmern.“

„Da hast du völlig recht, da wird Richard für sorgen.“

Frank erwartete sie bereits, Graf stand neben ihm.

Richard kümmerte sich um den völlig verschreckten Fuchs, brachte ihn in eine freie Box. Der Pferdepfleger kam mit einem Rucksack zu Hubert. „Ich möchte mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken, Sie nahmen mich mit, ohne lange zu fragen. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Weiter kam er nicht, hinter ihm ertönte die Stimme von Graf. „Mensch Winkler, altes Rübenschwein, was machst du denn hier?“ Der drehte sich um, sah Graf an und sagte halblaut: „Ich fasse es nicht. Graf du alte Rakete, was machst du denn hier?“ Beide umarmten sich lachend. Graf sagte: „Regina sagte mir, dass sie einen Neuen für mich haben. Das ist Jürgen Winkler, Unteroffizier aus der Nachbarkompanie und bester MG Schütze des gesamten Regimentes. Mit zwei seiner MGs hat er mir und meinem Zug den Arsch gerettet!“ „Dafür hast du mich und meine Leute zweimal herausgehauen.“ „Stimmt, ich freue mich. Jürgen Winkler, EK II und Verwundetenabzeichen in Gold, sei mir willkommen, Herr Wedel, der kommt zu mir!“

Hubert hatte lächelnd zugehört, diesen Kampfgeist kannte er. „Klar bleibt er bei Ihnen, dafür müssen Sie ihn unterbringen. Aber jetzt wollen wir etwas essen und trinken. Alle ins Reiterstübchen.“ Sieglinde war tätig geworden. Vier Dosen mit Dauerbrot standen auf dem Tisch. Dazu war je eine Dose von jeder Wurst geöffnet, eine Mettwurst aufgeschnitten und ein großes Stück Käse vom letzten Dienstag standen auf dem Tisch.

Frank hatte aus dem Keller zwei Kisten Bier geholt und Hubert stellte zwei Flaschen Weinbrand und drei Flaschen Wein für die Frauen auf den Tisch.

Nacheinander kamen Frau Weber, Franks Freundin, Birte und Monika dazu, wollten eigentlich ihre Männer abholen, wurden aber mit an den Tisch geholt, mussten mitessen und –trinken. Gegen 20:30 Uhr kam Heinrich mit dem Rad, um Junior abzuholen. „Morgen Nachmittag gehen wir schwimmen, mein Sohn.“ „Toll Papa, da freue ich mich drauf.“

Schließlich kam Jochen Bode und Fiete, um Gertrud abzuholen. Die Gespräche kreisten um das Turnier und die Aktion mit der wütenden Frau.

„Da hast du ein richtiges Schnäppchen gemacht,“ sagte Niemann, „das Pferd ist ein gutes und der Anhänger ist alleine die 300 RM wert!“

„Was ist eigentlich mit dem Sattel und dem Zaumzeug?“

fragte Peter. „Das haben wir mitgekauft“, grinste Hubert, erntete fröhliches Gelächter.

Kurz nach 22:00 Uhr begann sich die Gesellschaft aufzulösen. Hubert verabschiedete sich, verabredete sich dabei mit Bode, Fiete und Weber für morgen 09:00 Uhr zu einem Ausritt. Während das letzte Bier und der letzte Weinbrand getrunken wurde, kam Peters Freundin mit dem Motorrad, um ihn abzuholen und der Rest brach auf. Sicherheitshalber gingen Hubert und Richard in den neuen Stall, um nach dem Fuchs zu schauen. Als sie vor seiner Box standen, drängte er sich in die hinterste Ecke und schnaufte heftig. Ruhig öffnete Richard die Boxentür und betrat die Box. Dabei murmelte er halblaut Worte, die Hubert nicht verstand.

Ganz langsam näherte er sich dem Pferd, dass aufgeregt zuckte. Aber es ließ Richard näherkommen und als der seine Hand auf dessen Widerrist legte und beruhigend weitersprach, wurde es ruhiger, das Zucken hörte langsam auf. Sanft streichelte Richard ihn, ging wieder hinaus. Jetzt stand der Wallach ruhig da und sah beide an. Dann senkte er den Kopf und begann, am Heu zu knabbern. „Da brauchen wir Geduld, bis der wieder normal wird.“ „Das denke ich. Wen sollten wir ihn anvertrauen?“ „Ich dachte an Regina, das ist eine ähnlich verletzte Seele“, sagte Richard lächelnd. „Aber du überwachst das!“

Frisch und ausgeschlafen trafen sich die vier im Stall zu einem längeren Ausritt. Nach einem großen Bogen in der Feldmark, mit zwei Galoppstrecken, ritten sie an der Försterei von Fietes Eltern vorbei, wurden dort freudig begrüßt und ritten weiter in Richtung Wagner. Dabei nahmen sie den steilen Abhang, den die Pferde sehr gut meisterten. Bei Wagner stand Kaffee für sie bereit.

„Woher wusstest du, dass wir kommen?“ Wagner lachte.

„Förster untereinander halten zusammen!“ Durch den Wald nahmen sie eine weitere Galoppstrecke, dann erreichten sie die Häuser im alten Depot und ritten im Schritt zu Hubert auf den Hof. Frank und Richard hatten bereits einen Schlauch vor den Stall gelegt. Die Pferde wurden gründlich abgespritzt und abgerieben, kamen in die Boxen. Die Männer verabschiedeten sich, jeder ging nach Hause. Nach der Dusche zog sich Hubert ordentlich an und fuhr mit dem Rad zu seinen Eltern zum Essen. Hier war heute seine Tante, für die er ein Paket mitgenommen hatte. Hauptgesprächsthema beim Essen war die Geburt, erst später kam es zu den Vorfällen beim gestrigen Turnier, von denen Junior seinen Großeltern berichtet hatte. Ein allgemeines Kopfschütteln war das Ergebnis. Das Gespräch lief weiter, nur Huberts Tante blieb schweigsam und schien zu überlegen. Plötzlich sagte sie: „Hubert kannst du mir die Frau beschreiben und das Auto, was sie fuhr?“

Hubert kam der Bitte nach und sie überlegte, sie schüttelte den Kopf. „Ich kann mich völlig täuschen, aber ich glaube zu wissen, wer diese Frau ist. Die ist bekannt für derartige Eskapaden. Ich denke, das ist die Frau eines verstorbenen SS Obergruppenführers, der lange im Protektorat in Böhmen und Mähren tätig war.

Unter der Hand wurde immer schon getuschelt, dass er daher ein größeres Vermögen besaß. Sein Tod wurde nie restlos aufgeklärt.“ Alle schwiegen, nur Junior löffelte weiter seine Portion Wackelpeter. „Na ja, was soll es, irgendwann wird die ihre gerechte Strafe bekommen“, sagte Hubert und kümmerte sich um seine Nachspeise.

Nach dem Essen gab es Kaffee im Garten, hier übergab ihm seine Tante eine kleine Collegemappe mit den Worten: „Wie abgesprochen!“ „Danke, für dich steht ein Paket in der Diele.“Verschwörerisch grinsten sie sich dabei zu. Lange blieben sie jedoch nicht sitzen, Malwine wollte mit Barbara zu Ulla fahren. Daher verabschiedete sich Malwines Schwester, wollte zu ihrer Freundin nach Braunschweig. Hubert und Junior fuhren mit dem Rad zum Hof und suchten ihre Badesachen zusammen. Mit dem Motorrad fuhren sie zum Firmengelände und gingen zum Teich dahinter. Gert hatte dort eine Umzäunung bauen lassen, so dass man hier abgeschieden war. Dolle war mit seinem Sohn dort und kurz danach kamen Tietz und Monika mit deren jüngeren Kindern. Alle genossen das warme Sommerwetter, plauderten miteinander, während die Kinder im Wasser mit einem Ball tobten. Hubert hatte von Malwine eine große Schale mit Kirschen mitbekommen und Dolle selbstgebackenen Kuchen dabei. Die Thermoskanne voll Kaffee von Monika passte gut dazu. Gegen 17:00 Uhr waren beide wieder auf dem Hof und gingen in den Pferdestall. Junior half beim Füttern, Hubert besuchte seine eigenen Pferde, verwöhnte sie mit trockenem Brot. Sogar der verängstigte Fuchswallach nahm nach längerem Zögern etwas. „Den habe ich heute Nachmittag auf einen Paddock gelassen, das fand er sehr gut, hat sich dort ordentlich ausgetobt!“ sagte Richard, der mit dem Futterwagen in den Stall kam.„Regina kommt nachher vorbei, die will mit ihm Verbindung aufnehmen. Ich bin da, kann ihr helfen.“

Junior wollte wieder zu den Großeltern. „Ich hole dich morgen um 17:00 Uhr ab, wir fahren zu Mama.“ „Prima, das ist toll,“ sagte er, schnappte sein Fahrrad und fuhr los. Nach einem Spaziergang mit Prinz holte sich Hubert seine geschmierten Brote aus der Küche, Sieglinde wusch dort ab. „Hubert, ein Drittel der Dosen wurden gestern verbraucht, den Rest und eine Mettwurst habe ich in die Speisekammer gebracht. Deine Mutter hat vorhin Sachen von Ulla mitgebracht, die wasche ich morgen. Neue Sachen habe ich in eine Tasche gepackt und neben deinen Schreibtisch gestellt. Nimm die morgen bitte mit.“ Er nahm den Teller mit dem Brot, dazu einen Krug mit Bier voll und setzte sich vor das Haus in der Abendsonne an den großen Holztisch.

Es dauerte nicht lange, dann kamen Gertrud und Fiete verschwitzt vom Reitplatz, spritzten ihre Pferde ab.

Während Gertrud beide trocken rieb kam Fiete zu ihm.

„Wir haben ein wenig trainiert, jetzt werden wir Schwimmen gehen. Kommst du mit?“ „Nein, danke, da war ich heute Nachmittag schon länger mit meinem Sohn.“ „Hoffe mal, dass wir dort alleine sind.“ „Hast du neuerdings Angst vor anderen Menschen?“

Fiete kicherte: „Nein, überhaupt nicht, aber ich wollte mit ihr nackt baden, da ist es schon besser, man ist allein.“ Huber grinste. „Hast du alles dabei? Handtücher und so?“ „Liegt alles im Auto, sie weiß es nicht!“

Grinsend verabschiedete sich Fiete, verschwand mit Gertrud. Kurz darauf kam Richard aus dem neuen Stall und setzte sich zu Hubert. „Gleich kommt Regina mit dem Fuchs, warten wir es ab“, sagte er und zündete sich eine Zigarette an. „Morgen kommen übrigens die neuen Sachen für Sigurd. Könntet ihr ihm die am Dienstag bringen?“ „Ein Trecker und ein Anhänger?“ „Ja, dazu eine Presse.“ „Das kriegen wir hin, bespreche ich morgen mit Weber.“ Als Hubert mit zwei Flaschen Bier aus dem Haus kam, ging Regina mit dem Fuchswallach über den Hof. Am Stallhalfter hatte sie einen Führstrick und führte ihn über den Hof, klopfte ihm dabei öfters auf den Hals, redete mit ihm. Als beide hinter der Eiche zum Platz verschwanden, sagte Hubert: „Momentan ist er ja ganz friedlich, hoffentlich bleibt das so.“ „Warten wir es ab“, kam die lakonische Antwort von Richard.

„Was ich dich schon immer mal fragen wollte, reicht euch die Wohnung eigentlich aus?“ „Ja bisher schon, warum fragst du?“ „Na ja, momentan werden so viele Kinder geboren. Könnte ja sein, dass dieses auch bei euch geschieht, dann würde es eng.“ Richard lächelte.

„Wir sind es gewohnt, so zu wohnen, aber wenn das geschehen würde, melde ich mich.“ Regina kam mit dem Pferd zurück. „Der kommt jetzt wieder in die Box, für heute ist genug, morgen versuche ich, ihn zu longieren.“

Beide Männer nickten. Als sie wieder zurückkam, bat Hubert sie sich zu ihnen zu setzen. „Wie geht es Graf und seinem alten Kameraden?“ „Ich glaube, die haben die halbe Nacht geredet, sind erst gegen 09:00 Uhr wach geworden. Jetzt zeigt er ihm alles hier.“ „Sag ihm bitte, der Neue soll sich morgen früh bei Fischer melden und seinen Arbeitsvertrag abholen.“ „Gerne, mache ich. Die Aufzeichnungen habe ich fast ganz durchgerechnet. Da wurde einiges auf drei andere Konten verschoben. Ganz genau kann ich das aber erst Ende der Woche sagen.“

Nachdem Regina mit dem Fahrrad gefahren war und Richard zum Essen ging, verzog sich Hubert ins Haus und leerte die Collegemappe seiner Tante. Wie besprochen, stimmte alles, er legte alles in den Safe.

Die Ruhe änderte sich am nächsten Morgen. Während der Stabsbesprechung gab er die Karten weiter, die er gestern erhalten hatte und sagte einiges dazu. Neben Dolle war Fischer sofort hellwach. „Möchte der Kartoffeln verkaufen? Wenn ja, habe ich da einige gute Ideen.“ „Lass den hierherkommen und dabei reden wir gemeinsam mit ihm.“ Weitere Dinge wurden geklärt, danach fand er auf dem Schreibtisch weitere Glückwünsche anlässlich der Geburt, die er Ulla mitbringen würde. „Der stellvertretende Leiter des Ausbesserungswerkes bat um Rückruf“, sagte Gertrud.

Kurz darauf hatte er den am Hörer. Er wünschte ihm und seiner Familie alles Gute und kam zu etwas anderem. „Wir hätten hier einige Bauvorhaben, das würde ich gern mit Ihnen vor Ort klären. Hätten Sie heute Zeit?“ „Habe ich, am frühen Nachmittag, bin um 14:30 Uhr bei Ihnen.“ Kurz fuhr er mittags zu seinen Eltern zum Essen, erledigte im Büro weitere Sachen.