Weihnachtswunder auf Sylt - Nele Blohm - E-Book
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Weihnachtswunder auf Sylt E-Book

Nele Blohm

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Beschreibung

Kurz vor Weihnachten erhält Svea Ahrens ein Jobangebot als Event-Managerin im renommierten Landhaus Janssen. Am liebsten würde sie sofort ihre Koffer packen und die Stelle antreten. Doch zu ihrem Leidwesen befindet sich das Landhaus Janssen ausgerechnet auf Sylt – jener Insel, der Svea vor knapp fünfzehn Jahren den Rücken gekehrt hat und auf die sie nie wieder einen Fuß setzen wollte. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Stelle anzunehmen, und der Angst vor der Vergangenheit, entschließt sich Svea schließlich, ein paar Tage vor Weihnachten auf die Insel zu reisen, um sich die Sache vor Ort durch den Kopf gehen zu lassen. Dumm nur, dass sie gleich bei ihrer Ankunft ihrer Jugendliebe Nils in die Arme läuft und ihr Herz allein bei seinem Anblick völlig aus dem Takt gerät. Dabei war sie doch längst über ihn hinweg. Oder etwa nicht?

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Nele Blohm

 

Weihnachtswunder auf Sylt

 

 

 

 

Über das Buch:

Kurz vor Weihnachten erhält Svea Ahrens ein Jobangebot als Event-Managerin im renommierten Landhaus Janssen. Am liebsten würde sie sofort ihre Koffer packen und die Stelle antreten. Doch zu ihrem Leidwesen befindet sich das Landhaus Janssen ausgerechnet auf Sylt – jener Insel, der Svea vor knapp fünfzehn Jahren den Rücken gekehrt hat und auf die sie nie wieder einen Fuß setzen wollte. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Stelle anzunehmen, und der Angst vor der Vergangenheit, entschließt sich Svea schließlich, ein paar Tage vor Weihnachten auf die Insel zu reisen, um sich die Sache vor Ort durch den Kopf gehen zu lassen. Dumm nur, dass sie gleich bei ihrer Ankunft ihrer Jugendliebe Nils in die Arme läuft und ihr Herz allein bei seinem Anblick völlig aus dem Takt gerät. Dabei war sie doch längst über ihn hinweg. Oder etwa nicht?

 

 

Über die Autorin:

Hinter Nele Blohm steht die erfolgreiche Bestsellerautorin und Selfpublisherin Mila Summers. Sie wurde 1984 in Würzburg geboren. Als Kulturwissenschaftlerin arbeitete sie lange für eine Onlinedruckerei, bevor sie in der Elternzeit zum Schreiben fand, dem sie sich nun ganz widmet. Sie liebt das Meer und Liebesgeschichten mit Happy End, die uns an wunderschöne Orte entführen. Mit Mann, Kindern und ihrem übermütigen Jack Russell Lizzy lebt sie in ihrer Heimatstadt.

 

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Bisher von der Autorin erschienen:

Wie das Leuchten von Bernstein

Dein Flüstern im Meereswind

Weihnachten auf Hiddensee

Die Liebe will Meer

Alles auf Sommer

Weihnachtszauber auf Föhr

Weihnachtsglanz

Meer Zeit für die Liebe

Lass den Sommer in dein Herz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NELE

BLOHM

 

 

Weihnachtswunder auf Sylt

 

Roman

 

 

 

 

Deutsche Erstauflage November 2024

Copyright © Nele Blohm

Lektorat + Korrektorat: Lektorat BuchAuszeit

Covergestaltung: Nadine Kapp

Covermotiv: Shutterstock ©Lana_marcy_art, ©Fresh_Vector

Impressum: D. Hartung

Frankfurter Str. 22

97082 Würzburg

 

 

Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Epilog

Danksagung

Weitere Bücher der Autorin

 

Kapitel 1

 

 

»Frau Ahrens, ich hoffe, ich störe Sie nicht.«

Bei Gesprächen, die so begannen, hatte ich stets das untrügliche Gefühl, dass es meinem Gegenüber herzlich egal war, ob er mich nun tatsächlich aufhielt oder nicht. Ich war kein Fan derartiger Floskeln. Aber ich wusste natürlich, dass ich meine Gedanken nicht laut äußern sollte.

Vor allem bei diesem Gespräch mit Hans Joachim Vogel. Der Mann war eine Koryphäe auf seinem Gebiet. In meinem bisherigen Berufsleben als Event-Managerin hatte ich ihn nur zweimal flüchtig auf einer Veranstaltung getroffen. Dabei war ich davon ausgegangen, dass der Mann nicht mal meinen Namen kannte.

Da er mich nun jedoch anrief, hatte ich mit meiner Einschätzung wohl danebengelegen.

»Keinesfalls, Herr Vogel. Was kann ich für Sie tun?«, antwortete ich also freundlich und legte dabei die Beine auf den Schreibtisch meines kleinen Büros, in dem ich Pläne für meine Kunden schmiedete, Rechnungen beglich und die Buchhaltung vorbereitete.

Besonders Letzteres gehörte nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben. Aber was sein musste, musste eben sein.

Als freie Event-Managerin gestaltete sich mein Tagesablauf sehr abwechslungsreich. Ich durfte also nicht klagen. Wobei mir so manches Mal eine Festanstellung lieber gewesen wäre, bei der ich genau wusste, was am Ende des Monats auf meinem Konto eingehen würde.

Aber bislang war es mir nicht vergönnt, einen dieser begehrten Plätze zu bekommen. Also würde ich auch weiterhin versuchen, all die kleinen und mittelgroßen Projekte unter einen Hut zu bekommen und dabei hoffen, dass am Ende des Monats noch genügend Geld auf meinem Konto einging.

Genüsslich biss ich in einen der leckeren, handwerklich gefertigten Nürnberger Lebkuchen, von denen ich in der Weihnachtszeit nie genug bekommen konnte. Das saftige Aroma aus Anis, Kardamom, Piment, Koriander, Nelken, Ingwer, Zimt und Nüssen brachte meine Geschmacksknospen auch nach dem dritten Lebkuchen noch zur Explosion.

»Das ist sehr freundlich, dass Sie mir ein wenig Ihrer kostbaren Zeit schenken. Heutzutage ist das ja nicht mehr selbstverständlich. Die Menschen haben ständig Termine, kaum mehr Zeit und verdienen doch weniger als wir damals in den Siebzigern.«

Oje, offenbar hatte mich Hans Joachim Vogel angerufen, um mit mir über die Vorzüge der Vergangenheit zu sprechen. Dumm nur, dass ich in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts noch nicht einmal gelebt hatte.

»Aber ich komme vom eigentlichen Grund meines Anrufs ab«, ermahnte er sich, während ich schon überlegt hatte, wie ich mich möglichst geschickt aus der Affäre ziehen konnte, ohne den Mann vor den Kopf zu stoßen.

»Frau Ahrens, ich habe Ihnen ein Jobangebot zu machen. Eines von der Sorte, die Sie nicht ausschlagen können.«

Bei seinen Worten verschluckte ich mich prompt an dem Stück Lebkuchen, das mir vor Schreck unglücklich in die Luftröhre rutschte und mich nun heftig husten ließ.

Als ich mich nach einem Schluck Wasser wieder gefangen hatte, räusperte ich mich verlegen.

»Entschuldigen Sie bitte, habe ich das gerade richtig verstanden? Sie haben eine Stelle für mich? Wie kommen Sie ausgerechnet auf mich? Und worum handelt es sich dabei genau?«, fragte ich schließlich, nachdem ich mich wieder ein wenig gefangen hatte.

Hoffentlich bereute der Mann inzwischen nicht schon, dass er mich für die Stelle vorgeschlagen hatte. Besonders professionell hatte ich mich in den letzten Minuten nicht verhalten. Dabei konnte sich jeder mal an einem Lebkuchen verschlucken. Vielleicht hätte ich ihn nicht unbedingt während des Telefonats essen müssen. Aber das war nun mal nicht mehr zu ändern.

»Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie das, was Sie tun, mit Herz und Verstand machen. Eine ganz wichtige Kombination, wenn es darum geht, in unserem Business Erfolg zu haben. Und da es sich bei dem Landhaus Janssen um ein renommiertes 5-Sterne-Wellnesshotel handelt, in dem ich selbst gerne Gast bin, möchte ich den Eheleuten Janssen natürlich nur die fähigsten Leute zur Seite stellen, wenn Sie mich schon um Hilfe bitten.«

Das hörte sich alles sehr spannend und genau nach der Art von Tätigkeit an, die ich mir langfristig für mich vorgestellt hatte. Nur, weil monatlich ein sicheres Gehalt auf mich wartete, musste ein derartiger Job nicht langweilig sein – ganz im Gegenteil.

»Wie genau komme ich dort ins Spiel? Was wäre meine Aufgabe?«

Ein Lachen war am anderen Ende der Leitung zu vernehmen.

»Liebe Frau Ahrens, Ihr Job ist es, das Potenzial des Hauses zu erspüren und gemeinsam mit der Familie zu ergründen, worin die Stärken liegen und wie man diese noch besser ausschöpfen kann«, erklärte er schließlich, nachdem er sich wieder beruhigt hatte.

Seine Antwort war so nebulös wie manches Wahlversprechen eines Politikers. Dennoch hatte er damit mein Interesse geweckt.

Konnte es am Ende sein, dass ausgerechnet Hans Joachim Vogel mir die nötige Sicherheit bot, nach der ich mich schon so lange sehnte?

Erst vor Kurzem hatte ich mich nach rund drei Jahren Beziehung von Matteo getrennt. Wir beide mussten irgendwann einsehen, dass wir nur noch zusammen waren, weil es bequem war und wir uns nicht um etwas Neues kümmern mussten.

Inzwischen war ich froh darüber, dass wir den Schritt doch gegangen waren. Dummerweise musste ich nun die Miete für meine Wohnung allein aufbringen, was mich jeden Monat aufs Neue ein wenig in Sorge versetzte. Aber nur deshalb mit Matteo zusammen zu bleiben, wäre falsch gewesen.

Vor allem da ich mir inzwischen bewusst darüber war, dass ich nach der anfänglichen Verliebtheit nicht die große Liebe für ihn empfunden hatte. Ohnehin war mir dies in meinem bisherigen Leben erst ein einziges Mal passiert. Damals, als ich noch jung und naiv genug war, zu glauben, der Junge an meiner Seite könnte dort für immer bleiben.

Schnell hatte ich erwachsen werden und lernen müssen, was es bedeutete, wenn einem das Herz gebrochen wurde. Aber darüber wollte ich jetzt nicht nachdenken. Die Erinnerung an die längst vergangene Zeit ließ mich jedes Mal in ein dunkles Loch fallen. Und darauf konnte und wollte ich mich gerade nicht einlassen. Nicht, wenn es darum ging, mein Leben endlich in geordnete Bahnen zu lenken. Zumindest in beruflicher Hinsicht.

»Das hört sich ganz nach meinem Geschmack an«, bestätigte ich Herrn Vogel und versicherte ihm, dass seine Entscheidung, mich anzurufen und mir den Job vorzuschlagen, genau die richtige war.

»Sehr schön, Frau Ahrens. Ich sehe, auch in dieser Angelegenheit habe ich mal wieder den richtigen Riecher bewiesen.«

Der Mann schien von sich überzeugt zu sein.

Für gewöhnlich hatte ich etwas dagegen, wenn alte weise Männer so daherredeten. Aber bei Hans Joachim Vogel ging es nicht um irgendeinen alten weisen Mann, sondern, wenn man so wollte, um den alten weisen Mann.

Er konnte einem Türen öffnen und gleichzeitig dafür sorgen, dass einem diese schnellstmöglich wieder vor der Nase zugeschlagen wurden. In der Eventbranche war er das, was alle sein wollten. Mit seinen Ideen und seinem Mut hatte er Dinge erreicht, von denen die meisten von uns nur träumen konnten.

Auch wenn es kaum jemand offen zugeben würde: Jeder wollte so sein wie er. Jeder wollte seinen Erfolg. Jeder war bereit dafür, ein alter weiser Mann zu werden. Also, im übertragenen Sinne, versteht sich.

»Es freut mich, dass Sie an mich gedacht haben, als es darum ging, der Familie Janssen zu helfen«, bedankte ich mich höflich.

Schließlich wusste ich, was sich gehörte.

»Schön, schön. Dann werde ich der Familie ausrichten, dass sie sich zeitnah bei Ihnen melden werden. Die Daten lasse ich Ihnen per Mail zukommen.«

»Das ist sehr nett von Ihnen. Ich freue mich schon sehr auf die neue Herausforderung.«

In Gedanken setzte ich bereits einen Haken hinter die monatlichen Sorgen um die Finanzierung meines Lebensunterhalts. Ab sofort würde ich viel zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Vielleicht würde ich mir irgendwann sogar eine Eigentumswohnung leisten können. Alles schien nun möglich, da Hans Joachim Vogel seine schützende Hand über mich gehalten und mir diesen Job vermittelt hatte.

Noch immer konnte ich mein Glück kaum fassen. Sobald das Telefonat beendet war, würde ich meine beste Freundin Bine anrufen und ihr alles erzählen. Heute Abend würden wir dann zur Feier des Tages ins Chez Fred gehen, uns herrlich französisch bekochen lassen und dazu einen der besten Rotweine Frankreichs genießen.

Ich sah uns schon in dem Restaurant sitzen, als mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung ein letztes Mal auf sich aufmerksam machte.

»Gut, Frau Ahrens, ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrem neuen Betätigungsfeld im Landhaus Janssen auf der Insel Sylt.«

»Sylt?«, fragte ich paralysiert und ließ dabei den Lebkuchen zu Boden fallen, den ich mir gerade aus der Schachtel genommen hatte, um ihn nach dem Gespräch in vollen Zügen zu genießen.

»Hatte ich das nicht erwähnt? Nun ja, das muss mir im Eifer des Gefechts entfallen sein. Aber wer ist nicht gerne auf Sylt, nicht wahr? Sylt ist die deutsche Insel, auf der wir alle gerne sein wollen. Und das nicht nur für vierzehn Tage in den Sommerferien. Merken Sie sich meine Worte, Frau Ahrens.«

Damit beendete er das Gespräch, während ich auf den Lebkuchen vor mir auf dem Boden blickte. Er war in der Mitte zerbrochen. Ähnlich wie mein Herz, als ich hörte, dass der Job, den mir Hans Joachim Vogel anbot, ausgerechnet auf Sylt sein sollte.

Die Insel, auf die ich seit gut fünfzehn Jahren keinen Fuß mehr gesetzt hatte – und das aus gutem Grund.

Kapitel 2

 

 

»Lass dir das doch noch mal alles in Ruhe durch den Kopf gehen, Svea. Ich an deiner Stelle würde nicht so voreilig absagen. Ich meine, das ist doch genau die Chance, nach der du dich seit Jahren sehnst. Und wenn ich mir das Landhaus Janssen so ansehe, dann hat es echt Potenzial. Du wüsstest, wie du der Familie helfen könntest, da bin ich mir ganz sicher. Willst du dir diese Gelegenheit wirklich wegen etwas entgehen lassen, das fünfzehn Jahre her ist?«

Ich seufzte bei Bines Worten und stocherte dabei ein wenig lieblos in meiner Ratatouille-Tarte mit Frisée-Salat herum, einem meiner absoluten Leibgerichte im Chez Fred.

»Außerdem weißt du doch überhaupt nicht, ob dieser Nils noch auf der Insel lebt. Womöglich hat er Sylt schon kurz nach dir verlassen, und du hast absolute Ruhe vor ihm«, gab Bine zu bedenken, ehe sie einen Bissen von ihrem Zitronenhuhn mit Gemüsesalat aus gelben und grünen Zucchini, Zuckerschoten, roten und gelben Paprika, grünem Spargel und Radieschen nahm.

Im Hintergrund liefen leise Weihnachtslieder. In knapp einem Monat war es so weit. Was sich in unserem Essen nicht unbedingt widerspiegelte. Aber da Bine und ich keine Familie im herkömmlichen Sinne hatten, feierten wir lediglich zu zweit Weihnachten – zumal sich auch meine beste Freundin in den vergangenen Monaten von ihrem langjährigen Partner getrennt hatte.

Beziehungstechnisch war das einfach nicht unser Jahr gewesen.

Gerade als die Klänge von Whams Last Christmas zu hören waren, versuchte ich, den Gedanken an Matteo zu verdrängen, der mir zwar letztes Weihnachtsfest einen Ring geschenkt hatte, mich allerdings nicht fragte, ob ich ihn heiraten wollte.

Rückblickend betrachtet, war das der Anfang vom Ende. Letztlich hätte ich noch am selben Abend mit ihm Schluss machen müssen. Aber es hatte noch Monate gedauert, bis wir beide endlich zu der Einsicht gelangt waren, dass das mit uns zu nichts mehr führte. Und im Nachhinein war man ja bekanntlich immer klüger.

Während mir Mariah Carey mit ihrem Lied All I Want For Christmas Is You suggerierte, was ich einzig und allein zu Weihnachten bräuchte, dachte ich über die Worte meiner Freundin nach und nahm endlich den ersten Bissen meiner Tarte, die wie immer exzellent schmeckte, nur heute irgendwie nicht ganz meinen Geschmack traf. Aber das lag an mir und nicht an der Tarte.

Die Tür des Restaurants wurde zum wiederholten Mal geöffnet, dabei war es bereits bis auf den letzten Platz belegt. Dennoch gab es immer noch Optimisten, die glaubten, an einem Freitagabend spontan einen Platz bei Chez Fred zu bekommen. Wie naiv!

Matteo und ich hatten uns über diese Menschen früher ein wenig lustig gemacht, sie veralbert, ohne dass sie es mitbekommen hätten. In Gedanken ließ ich die Erinnerung daran wieder aufleben, bis ich bemerkte, wer dort in der Tür stand.

»Sag mal, ist das nicht Matteo?«, fragte mich Bine prompt im nächsten Moment.

»Ich glaube schon«, erwiderte ich perplex und konzentrierte mich dabei vollends darauf, die Gabel, die ich in Händen hielt, nicht fallen zu lassen.

Denn der Anblick verschlug mir die Sprache. Also, nicht Matteo. Der sah aus wie immer. Vielmehr war es seine Begleitung, die meine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Frau war eine ehemalige Arbeitskollegin meines Ex-Freundes. Und sie war schwanger. Den liebevollen Blicken nach zu urteilen, die sich beide zuwarfen, war sie es von Matteo.

Mir wurde übel.

»Das muss nichts heißen«, meinte Bine, die offenbar denselben Gedankengang wie ich hinter sich hatte.

»Ach, nein? Die Frau ist überdeutlich schwanger, Bine. Und das sicher nicht erst seit letzter Woche. Der Bauch spricht dafür, dass er sie schon geschwängert hat, während wir noch zusammen waren.«

Nun war es raus.

Matteos Blick flog just in diesem Augenblick in meine Richtung. Wie versteinert sah er mich an, ehe die Tür des Restaurants vor seiner Nase ins Schloss fiel.

»Das war …«, hob ich an.

»… ein weiterer Grund der Stadt den Rücken zu kehren und Sylt einen Besuch abzustatten«, ließ meine beste Freundin nicht locker.

Und auch, wenn ich so überhaupt keine Lust hatte, auf die Nordseeinsel zu reisen, um mich davon zu vergewissern, dass Nils nicht mehr da war, verspürte ich nach der Szene mit Matteo den unnachgiebigen Wunsch, mir das Landhaus Janssen anzusehen und zumindest mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was mich dort erwarten würde.

»Ich befürchte, du hast recht«, gestand ich Bine ein, die dabei ihre Hand über den Tisch streckte und auf meine legte.

»Bis Weihnachten sind es noch gut vier Wochen. Beste Zeit also, sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Findest du nicht auch? Wenn du möchtest, begleite ich dich.«

Mit diesem Angebot hatte ich nicht gerechnet. Schließlich war Bine selbstständige Friseurmeisterin mit einem Team von vier Angestellten.

»Das würdest du wirklich für mich tun?«, hakte ich ungläubig nach.

Doch Bine winkte ab.

»Seit ich mich von Malte getrennt habe, hatte ich keinen Tag mehr frei. Ich habe durchgearbeitet, um nicht ins Grübeln zu kommen. Ich glaube, jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich mich dem Ganzen stellen muss. Dabei könnte mir ein kleiner Urlaub nicht schaden. Und dann auch noch am Meer. Was gibt es Besseres?«

Bine schien bereits Feuer und Flamme für die Reise zu sein, zu der ich bisher noch nicht mal meine Einwilligung gegeben hatte. Doch ich wusste, dass sie es nur gut meinte. Und, dass ich mit ihr an meiner Seite wesentlich leichter in Richtung Sylt aufbrechen würde als ohne sie.

»Wie schnell kannst du dir freinehmen?«

Meine Freundin grinste bei meiner Frage.

»Da bin ich relativ flexibel. Zwar ist Eileen nächste Woche im Urlaub und unsere Azubine hat sich mal wieder krankgemeldet. Aber Mareike und Conny sind da und können den Laden auch für ein paar Tage allein schmeißen. Momentan ist nicht so viel los«, erklärte mir Bine mit einem vorfreudigen Lächeln im Gesicht.

»Dann gehen wir also auf Reisen?«

Bine lächelte.

»Sieht ganz danach aus.«

Kapitel 3

 

 

Am Sonntag wollten Bine und ich mit dem Zug um 10:07 Uhr nach Sylt aufbrechen. Die Bahntickets waren gebucht, ein Doppelzimmer im Landhaus Janssen, in das ich mich erstmal inkognito begeben wollte, reserviert, und das Taxi, das mich gleich zum Bahnhof bringen sollte, gerufen.

Nun war es also so weit. Ich würde nach all der Zeit wieder auf meine Heimatinsel zurückkehren, die alten Orte besuchen, bekannte Gesichter sehen und dabei hoffen, das von Nils nicht darunter zu entdecken.

Nach unserer kurzen, aber äußerst intensiven Beziehung hatte ich meine Sachen gepackt und war mit einem One-Way-Ticket geradewegs nach Hamburg gereist. Eltern oder sonstige Familie hatte ich keine mehr gehabt, die mich von meinem Entschluss hätten abbringen können. Und meine beiden Freundinnen Ida und Nora hatte ich über meine Pläne nicht in Kenntnis gesetzt.

Als ich an die beiden dachte, spürte ich einen Stich in meinem Herzen. Wir drei waren früher unzertrennlich gewesen. Und dann hatte ich sie von einen auf den anderen Tag einfach verlassen, ohne mich von ihnen zu verabschieden.

Erst Wochen, nachdem ich nach Hamburg aufgebrochen war, hatte ich den beiden eine SMS geschickt und erklärt, dass ich nicht länger auf Sylt bleiben konnte. Sie hatten mich verstanden. In der Folge hatten wir sogar hin und wieder Kontakt zueinander. Aber in den fünfzehn Jahren, die seither vergangen waren, hatte unsere Freundschaft nicht gehalten. Dafür hätte ich doch das ein oder andere Mal zu meinen Freundinnen auf die Insel fahren oder sie zu mir einladen müssen.

Aber jetzt war nicht der Moment gekommen, über verpasste Chancen im Leben nachzudenken. Wenn ich nicht zu spät zu meinem Zug kommen wollte, dann musste ich zusehen, dass ich meinen Koffer endlich geschlossen bekam. Der weigerte sich nämlich all die Klamotten, die ich gestern Abend feinsäuberlich hineingelegt hatte, auch sicher zu verschließen.

Als wüsste er etwas, was ich noch nicht wusste.

Dummer Aberglaube! Ich schüttelte den Kopf, schloss den Deckel des Koffers und setzte mich auf ihn drauf. Nun endlich gelang es mir, die eine Lasche zu schließen – zumindest ein Teilerfolg. Warteten noch zwei weitere. Aber die würde ich auch noch geschlossen bekommen. Das wäre doch gelacht.

Und genau in dem Augenblick klingelte mein Handy. Reflexartig erhob ich mich von meinem Koffer, um nachzusehen, wer mich anrief. Vermutlich war es der Taxifahrer, der sich fragte, wo ich blieb.

Kaum war ich bei meinem Handy, sprang die Lasche meines Koffers wieder auf. Die ganze Arbeit umsonst. Auf dem Display war Bines Gesicht zu sehen. Eine ungute Vorahnung beschlich mich.

»Bine, ich sitze fast schon im Taxi. Mein verflixter Koffer hat nur noch etwas dagegen. Aber den werde ich schon noch zu besänftigen wissen«, scherzte ich.

Ein Seufzen in der Leitung ließ mich innehalten. Das hörte sich gar nicht gut an.

»Svea, auch auf die Gefahr hin, dass du mich federn und vierteilen wirst – ich kann nicht mitkommen.«

Nun hatte sie laut ausgesprochen, was seit einigen Sekunden wie ein Damoklesschwert über mir geschwebt und nun auf mich herabgesaust war.

»Wie meinst du das?«, fragte ich mit der Handfläche der rechten Hand auf der Stirn, während ich nach draußen auf die vom Schnee gezuckerte Straße blickte, an der soeben ein Taxi auf Höhe des Hauses hielt, in dem ich wohnte.

Bine seufzte abermals.

»So, wie ich es sage. Leider. Mareike ist jetzt auch noch krank geworden. Offenbar hat sie sich bei Jasminka, unserer Azubine, angesteckt. Ich kann Conny jetzt auf keinen Fall allein lassen.«

Während mir Bine schilderte, was dazu geführt hatte, dass sie nun doch nicht mit mir nach Sylt reisen würde, wurde mir das ganze Ausmaß der Tatsache bewusst.

»Das heißt, ich muss allein fahren?«

Die Frage hätte ich mir sparen können. Natürlich würde ich allein fahren müssen. Bine konnte ja nicht. Dennoch fiel es mir schwer, mich damit abzufinden.

Schließlich hatte ich bis vor wenigen Sekunden geglaubt, mich nicht allein meiner Vergangenheit stellen zu müssen. Die Erkenntnis, dass nun alles anders kommen würde, als erhofft, traf mich mit der Wucht eines Vierzigtonners.

»Es sieht ganz danach aus. Und bevor du jetzt einen Rückzieher machst: Du schaffst das auch ohne mich, Svea. Du bist eine der stärksten und toughesten Frauen, die ich kenne. Du wirst dich nicht von deiner Vergangenheit in die Schranken weisen lassen. Hörst du? Nicht einmal dieser doofe Nils kann dich aufhalten, Svea. Ich weiß das. Und wenn du mal ganz tief in dich hineinhörst, dann weißt du das auch. Du bist reifer, weiser und viel zu selbstbewusst, um dich von einer Romanze von vor fünfzehn Jahren davon abhalten zu lassen, deinen Traum zu leben. Also, schau zu, dass du deinen Koffer geschlossen bekommst, geh runter zum Taxi und rock das. So, wie du alles rockst, Svea.«

Bei den Worten meiner besten Freundin liefen mir einzelne Tränen über die Wangen. Bine glaubte an mich, wie es kaum ein anderer Mensch tat. Sie rüttelte mich wach, wenn ich mich in einem Traum verloren hatte, und sie machte mir Mut, wenn ich mir zu viele Sorgen machte, so wie es gerade eben der Fall war.

Und sie hatte recht. Ich würde mir von Nils Wells nicht mein Leben einschränken lassen, das ich mir allein und ohne fremde Hilfe aufgebaut hatte. Da stand ich drüber. Genau wie über der Tatsache, dass ich keinen anderen Mann mehr so geliebt hatte wie ihn damals.

Aber das war passé. Ein Kapitel meines Lebens, das ich nicht noch einmal aufschlagen wollte. Es war vielleicht ein Teil von mir, aber es gab keinen Grund ein weiteres Mal darin zu blättern.

»Danke, Bine. Ich werde fahren. Auch wenn es natürlich viel schöner gewesen wäre, wenn wir zusammen verreist wären. Das haben wir lange nicht mehr gemacht«, erklärte ich bedauernd.

»Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir holen das nach. Und dann zeigst du mir deinen neuen Wirkungskreis und ich komme dich jedes Wochenende auf Sylt besuchen. So weit ist das gar nicht von Hamburg«, redete sie mir und sich Mut zu.

Dabei wussten wir beide, dass es nicht so einfach werden würde. Während wir uns momentan spontan noch am selben Tag treffen konnten, würde es in Zukunft einiges an Planung erfordern, sich zu sehen. Aber wir würden es schaffen. Da war ich mir ganz sicher.

Das Hupen eines Wagens war zu hören. Sicher mein Taxi.

»Bine, ich muss Schluss machen. Das Taxi wartet auf mich.«

»Ist gut. Hab eine schöne Zeit auf Sylt und melde dich, wenn du dort angekommen bist. Ich will alles wissen. Nur, weil ich nicht mitfahren konnte, heißt das nicht, dass ich nicht auf dem neuesten Stand sein will. Ich hoffe, du bist dir im Klaren darüber.

---ENDE DER LESEPROBE---