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Äpfel und Apfelbäume begleiten mein Leben von frühester Kindheit bis ins Alter. Da war der Apfelbaum im Garten meiner Großmutter bis zum Apfelbaum, den wir in unseren Garten gepflanzt haben. Äpfel gehörten und gehören zu meiner täglichen Nahrung. Als Biologielehrerin brachte ich den Kindern die Befruchtung der Apfelblüten bei. Bei der Gartenarbeit interessierten mich die Schädlinge und deren Entwicklung. Der Platz unterm Apfelbaum zeigte mir das `Stirb und Werde. Der Glockenapfel und der Baum der Erkenntnis beflügelten meine schriftstellerische Fantasie.
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Seitenzahl: 52
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Apfelleben
Text:Brigitte Klotzsch
Bild: Brigitte Klotzsch
Photos: Brigitte und Manfred Klotzsch
Titelbild: Miko Klotzsch
Ich widme das Buch der Birke Raun
Januar 2025
1. Der Apfelbaum mit den roten Äpfeln im Garten meiner Großmutter
2. Großmutter kocht Apfelgelee und erklärt die Würmer im Apfel
3. Der Tod lauert über dem Futterplatz
4. Herr Engels und sein Apfelstand auf dem Riehler Markt
5. Brennnesseln und Raupen unterm Apfelbaum August 2024
6. Die Tagpfauenaugen kommen
7. Ohrenpitscher kriechen aus dem Apfel
8. Apfelernte und selbstgemachter Apfelsaft
9. Glockengießen in Maria Laach
10. Das verbotene Wort
11. Schreibblockade und Merlin der Greif
12. Der Hahn in der Küche bricht den Bann
13. Die Wörterretter
Der Apfelbaum meiner Großmutter stand seitlich an dem geschwungenen Weg zu ihrem Haus, der von Augentrostblumen gesäumt war. Als kleines Kind habe ich immer Augentrostblumensträuße gepflückt. Der Apfelbaum war nicht sehr groß, so dass Kinder gut drankamen. Er hatte winzig kleine rote Äpfel mit rotem Furchtfleisch, die köstlich schmeckten. Selbst wenn die Kerne weiß waren, was anzeigte, dass er noch nicht reif war. Ich wusste, dass Kerne dunkel sein mussten, konnte aber einfach nicht abwarten, bis die Äpfel voll ausgereift waren.
Meine Großmutter sah mich Äpfel schmausen und warnte: „Wenn man unreifes Obst isst und danach kaltes Wasser trinkt, bekommt man Bauchweh oder Durchfall!“ Aber was schert sich eine Fünfjährige, wenn doch der Durst so groß ist. Und das Wasser aus der Leitung von Großmutti war so herrlich frisch und prickelnd. Und dann gab´s wieder unreife Äpfel, einen nach dem anderen und hinterher Wasser. Nichts passierte. Kein Durchfall. Die Großmutter hatte sich bestimmt vertan.
Da kam die kleine Schwester Karin angehoppelt. Sie war zwei Jahre jünger und vermisste mich. Sie trug einen blonden Pferdeschwanz und hatte lockige Haare. Ich fand sie total süß und pflückte für sie den rötesten und schönsten Apfel des ganzen Baumes.
Meine Schwester biss herein und war selig. Nach dem zweiten Bissen spie sie ihn aus und warf den Apfel in hohem Bogen weg und schrie:„Igitt! Da ist ein riesiger rosa Wurm drinnen. Der klettert bestimmt in mich rein und beißt mich!“ Sie weinte erbärmlich. Ich war unschlüssig, was sie machen sollte. Karin jammerte: „Ich muss ganz, ganz viel Wasser trinken, dann kommt der Wurm unten wieder raus!“ Sie rannte ins Badezimmer zum Waschbecken und ich hinterher. Ich kriegte Angst um die kleine Schwester und warnte: „Bitte, kein Wasser trinken, sonst kriegst du Durchfall!“ Sie stoppte wie auf Kommando das Weinen und sagte trocken: „Du hast doch auch Wasser getrunken und viele Äpfel gegessen. Vielleicht hatten deine Äpfel auch Würmer und krabbeln alle in deinem Bauch herum!“ Mir wurde bei dem Gedanken etwas mulmig zumute, was ich aber auf keinen Fall zugeben wollte. Ich sagte beiläufig:
„Die Durchfallregel gilt für Kinder unter fünf Jahren, für so große Mädchen wie mich ist das nicht zutreffend!“ Karin fing wieder an zu weinen und sagte trotzig:„Ich trinke auch Wasser, wie du. Und wenn ich Durchfall kriege, können die Würmer alle raus ins Klo! Und vielleicht deine direkt mit!“ Ich war mir nicht sicher, wie das gehen sollte, aber ich ließ sie gewähren. Ich nahm mir vorsichtshalber vor, in Zukunft in alle Äpfel vor dem Essen reinzuschauen. Ich erinnerte mich, dass meine Freundin Würmer mit schrecklichem Bauchweh und Durchfall hatte: Sie musste ganz bittere Medizin essen. Das war furchtbar! Ich schüttelte mich und bemerkte, dass meine kleine Schwester fast den ganzen Wasserhahn leer trank. Es erinnerte mich an die Geschichte von Judith Kerr, in der der Tiger zum Tee kam und so viel Wasser trank, dass kein Wasser zum Baden übrig geblieben war. Ich überprüfte schnell, als Karin fertig war, ob noch Wasser rauskam und es kam! Ich atmete auf. Meine Schwester sauste inzwischen aufs Klo und es gurgelte und polterte, dass es mir angst und bange wurde. Ein wenig blass aber zufrieden stolzierte sie raus und konstatierte: „Ich habe alle Würmer ins Klo gedrückt, deine gleich mit!“ Ich atmete auf. Das war nochmal gut gegangen. Ein wenig verlegen standen wir beiden Mädchen auf der Terrasse als die Großmutter uns herein rief.
Vier Wochen später waren die Äpfel richtig reif, gerade rechtzeitig, dass wir beiden Mädchen noch Ferien hatten und das Apfelgeleekochen mitkriegten. Vater, Mutter und wir Kinder halfen, die winzig kleinen roten Äpfel zu pflücken und vom Boden aufzuklauben. Wenn meine Schwester einen Wurm vermutete, warf sie den Apfel angeekelt in hohem Bogen von sich weg. „Au!“, schrie der Vater, den sie an der Stirn getroffen hatte, „pass doch auf!“ Karin rief: „Wollte ich nicht!“ Aber der Vater hatte ein rotes Horn auf der Stirn, ob Karin das mit oder ohne Absicht getan hatte. Berge von Äpfeln wurden in der riesigen Porzellanspüle der Großmutter gewaschen und dann halbiert, bevor sie in den großen Kochtopf kamen.
Neugierig schauten wir Mädchen zu, wie die Äpfel in dem Topf blubberten. Meine Schwester fragte die Großmutter zweifelnd. „Kochst du die Würmer mit?“ Die alte Dame bejahte das und das Kind platzte heraus: „Krabbeln die dann in dem Apfelgelee herum und später in meinem Bauch?“ Entsetzt starrte sie die Großmutter an, sie schüttelte sich vor Ekel. Ich griff ein:„Nee, die Würmer sterben doch beim Kochen!“ Großmutter nickte und sagte:
„Während die Äpfel kochen, erzähle ich euch mal die Geschichte der Würmer. Die haben nämlich nicht vor, in deinem Bauch herumzukrabbeln. Die mögen den nicht!“ Die Mädels hockten sich auf den alten Küchentisch.
Großmutter nahm ein Butterbrotpapier und einen dicken Bleistift hervor und erläuterte: „Die Raupen kommen von einem winzigen Nachtschmetterling.“ Ich fragte: „Ist das eine Motte?“ „Ja!“, lautete die Antwort. Meine Schwester graulte sich vor Motten, die abends immer in die Tischlaterne flogen.
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