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Eine Anwältin mit Zweifeln. Zwei Männer mit einem Ziel. Triff eine Wahl oder gehe unter bei dem Versuch, dir alles zu nehmen! Ciro Bennett ist verschwunden. Meine große Liebe hat mich verlassen … mal wieder. Was er hinterlässt, ist ein schmerzendes, klaffendes Loch in meinem Herzen. Werde ich mich allein der Bedrohung stellen können, die immer noch wie ein Damoklesschwert über meinem Kopf schwebt? Allerdings gibt es da immer noch den anderen Mann, der heute eine große Rolle in meinem Leben spielt – Sebastián Vargas. Liebe und Verlangen sind große Motivatoren, um nichts unversucht zu lassen, Geheimnisse aufzudecken und gegen mächtige Widersacher und sogar die englische Krone ins Feld zu ziehen. »Sie waren mein und sahen aus, als hätte ich sie mir gebacken. Beide in schwarzen Smokings. Natürlich! Mit allem Drum und Dran: makelloser Galon, Kummerbund, Fliege, weißes Hemd, auf Hochglanz polierte Oxford-Schuhe. Perfekt, in optima forma, tadellos und definitiv dafür geeignet, oben auf die Hochzeitstorte gesetzt zu werden. Zum Anbeißen!« ~ Velvety Prince BELOVED BASTARDS ist Buch 2 von MAFIA AFFAIRS, einer Why-Choose-Reihe, bei der die Protagonistin unter mehreren Verehrern NICHT wählen wird, und die mit einem Happy End enden wird. BELOVED BASTARDS ist die Neuauflage des unter dem Titel VERZWEIFELTES BEGEHREN erschienenen Buches, enthält jedoch Bonusszenen und hübsche Illustrationen in der Printversion. Lesermeinungen: Wieder mal ein Potpourri aus Spannung, Action, Intrigen und natürlich richtig guten Szenen!!! – Bonzei auf Lovelybooks Dieses Buch bringt einen nicht nur zum Schwitzen mit seinen **** Szenen und viel Gefühl, sondern bringt auch den Kopf zum Qualmen, auf der Suche nach dem Bösewicht. Zeitweise war jeder für mich verdächtig das hat mich sehr unterhalten beim Lesen. Natürlich komme ich nicht drumherum, mal wieder Mara Hartes fantastischen Schreibstil zu loben. – Baumlr auf Lovelybooks
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Veröffentlichungsjahr: 2025
MAFIA AFFAIRS
BUCH 2
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2023 RebelYou Publishing
Mara Harte | Courtown | Ireland
mara-harte.com
Lektorat: Marion Mergen | www.korrekt-getippt.de
Korrektorat: Ariana Lambert
Cover: HollandDesign
Kapitelzierden: Melanie Strohmaier | www.belladonnasdream.com
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Erstellt mit Vellum
BELOVED BASTARDS
»Gelegentlich sollten wir uns daran erinnern, nicht jedes Buch nach seinem Cover zu beurteilen. Denn welche interessanten Weisheiten sich darin verbergen, sehen wir erst, wenn wir hinter den Deckel schauen.«
~ Velvety Prince
Eine Frau.
Zwei Männer.
Und das Schicksal kann dir alles nehmen.
Ciro ist verschwunden und hinterlässt nicht nur in Velvetys Herz ein klaffendes Loch. Auch Sebastián hadert mit dem Verlust seines besten Freundes.
Sollten sie Ciros Entscheidung einfach so akzeptieren?
Was, wenn er nicht aus freien Stücken ging?
Was, wenn die Sehnsucht, das Verlangen, die geheimen Wünsche so übermächtig werden, dass Velvety und Sebastián keine andere Wahl bleibt, als ihm zu folgen?
Können massive Drohungen, mystische Kräfte oder ein schwingendes Damoklesschwert über ihren Köpfen sie davon abhalten?
Dunkle Geheimnisse kommen ans Licht, doch die Leidenschaft brennt, während Verräter der englischen Krone den drei Liebenden auf den Fersen sind.
BELOVED BASTARDS ist Buch 2 von MAFIA AFFAIRS, der atemberaubenden Reverse-Harem-Mafia-Reihe mit exklusiver Spannung, einer außergewöhnlichen Liebe und den besonderen spicy Szenen, wie sie nur Mara Harte schreiben kann.
Liebe. Passion. Worte.
Ich liebe Leidenschaften aller Art und ich liebe das geschriebene Wort.
Lovestorys von der Stange suchst du jedoch bei mir vergebens. Meine Geschichten sind nicht rosarot. Eine heile Welt gibt es ebenso wenig. Manchmal ist das Leben dark, manchmal romantisch. Bei mir ist es ungewöhnlich, spannend und amourös. Die Frauen in meinen Geschichten sind tough, selbstbewusst und äußern ihre Wünsche und Sehnsüchte. Dennoch oder gerade deshalb gewähren sie den Männern die Stärke, ihre Angebetete zu erobern. Und trotz meiner Vorliebe für die Bad Boys dieser Welt garantiere ich dir ein Happy End. Vielleicht keines aus Zuckerwatte, aber eines, das zu meinen Figuren passt und dir hoffentlich jede Menge Leselust bereitet.
Lass dich verführen!
Deine
Goodreads
All her bright golden hair
Tarnished with rust,
She that was young and fair
Fallen to dust …
Ihr helles goldenes Haar
Mit Rost befleckt,
Sie, die jung und schön war
Zu Staub zerfallen …
Requiescat – Oscar Wilde
Velvety, Sebastián und Ciro bekommen einen neuen Auftritt. BELOVED BASTARDS ist die neu aufgelegte Geschichte aus VERZWEIFELTES BEGEHREN mit einem neuen Cover, einem aufgehübschten Buchsatz und Bonusszenen, die Velvetys Part im Mara-Harte-Universum abrunden und sie in heiße Gefilde des bolivianischen Dschungels führt.
Viel Spaß und lass dich verführen!
Deine Mara Harte im Dezember 2023
Vor zwei Jahren
»Ein Job ist ein Job. Der wird erledigt. Ohne Nachfragen. Auch wenn er wehtut.«
Ciro Bennett – Undercoveragent Ihrer Majestät, ambitioniert, verliebt, aber käuflich
Das hier war das beste Gefühl auf der Welt – besser als Whiskey, besser als Sex. O ja, es war ein verdammter Orgasmus. Dieses Kribbeln im Bauch, das Vibrieren unter den Fingerkuppen. Mein Herz schlug mit Wucht gegen meinen Brustkorb.
Ein Job war erledigt. Ein Riesenarschloch saß im Knast. Dank mir. Dank meiner Arbeit, die nicht ungefährlich war, sich am Ende aber immer lohnte. Ja, ich hatte viele Kugeln einstecken müssen, riskierte Kopf und Kragen für mein Land, für meine Königin. Aber das war es, was ich konnte, was ich gern tat. Ein Nine-to-five-Job wäre nichts für mich. Angestellt im Büro? Jeden Tag der gleiche Einheitsbrei? Bäh, bloß nicht!
Nein, ich war dafür geboren, durch die Scheiße zu kriechen, die Drecksarbeit für andere zu erledigen. Für mein Land, für die Menschen, die mir am Herzen lagen, und letztlich für jeden da draußen.
Denn wenn ich nicht meinen Arsch riskiert hätte, würde der Riesendrecksack Diarmaid Rooney immer noch unschuldige Kinder von der Straße klauen und wie Vieh an den Höchstbietenden verschachern.
Der Kopf einer kleinen, aber nicht unbedeutenden irischen Mafiagang hatte seit Jahrzehnten einen Arsch voll Kohle verdient mit Drogen, Waffen, Gold und dem dreckigsten aller Geschäfte – mit dem Handel von Menschen. Illegale Arbeitskräfte für die Gastro, für Baustellen, Hafenarbeit, Fischerei – überall wurden billige Tagelöhner gesucht. Asiaten, Araber, Afrikaner oder Slawen waren aufgrund der eigenen Not froh, die Drecksarbeit übernehmen zu dürfen. Frauen und Kinder wurden für die Prostitution in Schiffscontainern, in Lastwagen und weiß der Teufel wie noch illegal nach Irland und Großbritannien geschleust.
Aber jetzt nicht mehr.
Game Over, Arschloch!
Lächerliche fünf Monate Infiltrierung. Keine Verletzungen. Nicht mal ein Streifschuss. Gar nichts! Und ich hatte meinen Job erfüllt.
Ja, das war geil!
Verdammter Wichser! Leg dich nie mit Ciro Bennett an!
Mit diesem Hochgefühl fuhr ich entlang der verlassenen Straßen durch das kleine Städtchen wenige Meilen nördlich von London, dessen Namen ich mir nie merken konnte. Doch wir trafen uns immer hier. Alle Welt schlief. Die Türme der Kirche, an der ich abbog, ragten in den schwarzen Nachthimmel. Die kahlen Zweige der Bäume, die die schmale Straße säumten, griffen nach mir, sobald die Scheinwerfer sie anstrahlten, und sausten in der nächsten Sekunde aus meinem Blickfeld. Und dann tauchte vor mir das Firmenschild der Zementfabrik auf. Mein Ziel in dieser Nacht. Neben meterhohen Kiesbergen stoppte ich den Wagen, ließ die Zündung aber an. Nur das blaue Licht der Armaturbeleuchtung schickte ein Lebenszeichen in die tiefschwarze Dunkelheit.
Jetzt hieß es warten. Also wartete ich.
Ich hätte das Radio anstellen und mich von Musik besäuseln lassen können, die Nachrichten hören, den Wetterbericht. Doch kam mir diese Art von Zeitvertreib gerade zu banal vor. Störend. Unpassend. Warten war einfacher, wenn man sich aufs Warten konzentrierte.
Nach einer halben Stunde beschloss ich, mir eine Pause zu gönnen. Ich öffnete das Fenster einen Spalt, zündete eine Zigarette an und zog zwei Mal, bevor der andere Wagen um die Ecke bog. Kein Licht, nur ein Geräusch, ein vager Umriss. Ich musste den Wagen nicht sehen, um zu wissen, dass es ein Jeep war.
Er kam immer in einem Jeep.
Ich stieg aus, schnippte die Zigarette weg und lief los. Der Mann aus dem Jeep kam mir entgegen. Grant Baron, meine Kontaktperson.
»Gute Arbeit, Bennett!« Er behielt seine Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Kein Händeschütteln, keine Begrüßung. War auch nicht nötig. Schließlich würde das hier kein Treffen unter Freunden sein.
»Danke!«
»Rooney sitzt. Sicher für eine ganze Weile. Sein Laden ist führungslos. Das wird ein Leichtes, den zu zerschlagen. Aber wir haben ein Problem.«
»Ein Problem?«
»Sie! Genau genommen haben Sie ein Problem, Bennett. Diese Frau, mit der Sie zusammenleben. Verlassen Sie diese Frau, noch heute!«
»Was? Vel? Ich soll Velvety verlassen?« Wovon zum Teufel redete der Kerl? Mein Hirn konnte in keiner möglichen Kausalkette eine Verbindung zwischen Baron und Vel herstellen.
»Herrgott, Bennett, werden Sie jetzt nicht melodramatisch! Sie kennen die Regeln. Und …«
»Moment! Ja, natürlich kenne ich die Regeln, aber wie … welche Rolle spielt meine Freundin?«
Eine Sekunde lang sah Baron mich an, als wäre ich ein Kindergartenkind und wüsste nicht, wie man allein aufs Klo geht. »Sie machen es heute mal wieder komplizierter, als es sein müsste. Aber gut, für Sie und zum Mitschreiben: Velvety Prince. Dreißig Jahre alt. Summa cum laude im Master of Law an der University of Law London. Anwältin mit Spezialisierung für Menschenrechte. Angestellt bei der Kanzlei Beauchamp & Associates. Mutter Mia Elizabeth Prince. Vater unbeka…«
»Schon gut. Schon gut.« Diesen Schwachsinn hatte ich unterbrechen müssen. Baron legte gelegentlich eine Überheblichkeit an den Tag, die mir gehörig auf den Sack ging. »Ich habe verstanden, von wem Sie reden, aber was zum Teufel hat Vel mit allem zu tun? Und warum verlangen Sie, dass ich sie verlasse? Das ist meine Privatsache. Velvety geht Sie nichts an.«
»Sie irren sich, Bennett. Natürlich geht mich Ihr Privatleben nichts an. Doch Velvety Prince vertritt einige der Kinder, die Rooney aus Südamerika ins Land geschleppt hat. Ihre … Freundin steckt mittendrin. Und dieser irische Bastard weiß das. Ich muss Ihnen nicht erklären, dass er seine Leute auch im Knast hat. Das bedeutet, sollte sich Rooney von dieser Anwältin ans Bein gepisst fühlen oder was auch immer, darf keine Verbindung zu Ihnen … zu uns bekannt werden.«
Fuck!
»Und warum zur Hölle soll ich sie dann verlassen? Sind Sie noch bei Trost? Ich muss zu ihr und sie beschützen!« Wütend lief ich einen Kreis auf der Stelle. Dann noch einen. Ich musste mich beruhigen, mit Baron eine Lösung finden, klar denken. Doch wie sollte ich das anstellen? Es ging um Vel, meine Vel!
»Nein!«
Ich erstarrte. »Nein? Wieso nein? Natürlich müssen wir für ihre Sicherheit sorgen. Vel ist in Gefahr.«
»Wir sind in Gefahr, Bennett. Die Organisation. Ihr Job. Mein Job. Was glauben Sie, wie schnell wir in den Verdacht der Korruption geraten. Das kann ich nicht riskieren. Verlassen Sie diese Frau! Jetzt!«
Fahrig griff ich in meine Tasche, suchte nach der Schachtel Zigaretten. Verdammt, die lag im Auto. »Warten Sie! Warum sollten Korruptionsvorwürfe hochkommen? Weil meine Freundin die Opfer des Arschlochs vertritt, das wir hopsgenommen haben? Das ist doch Schwachsinn!«
Rollte Baron gerade mit den Augen?
»Zerbrechen Sie sich bitte nicht meinen Kopf! Befolgen Sie Befehle, Bennett! Und der Befehl lautet: Verlassen Sie die Anwältin!«
Ich schluckte. Immer wieder. Da war dieser Kloß in meinem Hals. Es musste eine andere Möglichkeit geben. Niemals würde ich Vel verlassen. Ich … mochte sie. Ich war verliebt. »Nein!«, knurrte ich. »Schmeißen Sie mich raus, mir egal, aber ich kann Vel nicht verlassen. Ich muss … ich will …«
»Na schön, Bennett, weil Sie es sind, ist hier mein Angebot: Dieser Job, von dem ich Ihnen erzählt habe … Sie haben die Akte gelesen?«
»Sebastián Vargas? Der Kolumbianer?«
»Genau der. Sie können ihn haben. Sie fangen sofort an. Er sucht einen Sicherheitschef und ist gerade auf seinem Anwesen in der Nähe von Coventry. Ich habe alles hier. Neue Papiere. Referenzen. Kleidung. Waffen. Alles, was Sie brauchen. Sie setzen sich jetzt in Ihren Wagen, fahren direkt dorthin und machen Ihren Job. Und«, Baron hob den rechten Zeigefinger wie ein Lehrer, »Sie fahren nicht zu dieser Frau. Sie nehmen keinen Kontakt auf! Solange Sie meine Befehle befolgen, werde ich Velvety Prince im Auge behalten. Ihr wird nichts passieren. Deal?«
Jetzt hatte er mich natürlich. Sebastián Vargas. Ja, ich hatte die Akte gelesen. Und ja, ich wollte diesen Job. Ein stinkreicher Kolumbianer, der sein Geld mit Edelsteinen und Kaffee verdiente. Offiziell zumindest. Aber er hatte sicher irgendeine kriminelle Scheiße am Hacken kleben. Darum ging es. Ich sollte das Schmutzige seiner Geschäfte aufdecken. Geldwäsche vermutlich. Steuerhinterziehung ganz sicher. Im besten Falle auch noch was mit Drogen oder Menschenhandel. Genau mein Ding. Außerdem gab es Verbindungen zur irischen und zur kolumbianischen Mafia. Dieser Punkt war das i-Tüpfelchen.
Ein neues Abenteuer. Ein weiterer Scheißkerl, den ich hinter Gitter bringen konnte.
Verdammt! Damit hatte er mich am Haken.
Aber was war mit Velvety? Ich konnte Barons Befehle nicht ignorieren. Dass er mir einen Deal vorschlug, ging weit über die Norm.
»Sehen Sie es doch mal von der positiven Seite, Bennett! Glauben Sie wirklich, dass Sie der Typ für ein Heim, eine Frau, Kinder, Gartenpartys, Elternabende sind? Das passt doch gar nicht zu Ihnen. Sie sind unser bester Mann. Sie kennen keine Skrupel, sind stark und halten eine Menge Scheiße aus. Ich nehme Ihnen lediglich eine Entscheidung ab, die Sie über kurz oder lang treffen müssen. Denn Frauen stehen vielleicht auf coole Typen, aber letztlich wollen sie einen Mann, der verlässlich ist und abends nach Hause kommt. Meinen Sie nicht?«
Die Antwort musste ich Baron schuldig bleiben. Natürlich hatte er recht, aber das konnte ich unmöglich zugeben. Jedes seiner Worte entsprach der Wahrheit. Ja, so war ich. Immer auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick. Ich brauchte das Abenteuer wie andere Menschen ihre Routine. Nahm er mir eine Entscheidung ab, die ich möglicherweise in einem Jahr … in zwei … in zehn Jahren schmerzvoll treffen müsste? Wenn ich merkte, dass ich zugunsten einer Frau, einem Zuhause, einer Familie, Kindern mein Leben aufgegeben hatte? Oder wenn ebendiese Frau keine Lust mehr hatte, mich mit einem gefährlichen Job zu teilen, über den ich nicht sprechen durfte?
War das der Preis?
Der Preis, den ich zu zahlen hatte?
Velvety?
Von Idealen und irischen Mythen
* * *
»Empathie steht nicht jedem gut. So mancher glaubt gar, sich mit derartigen Gefühlen ein zu enges Korsett anzulegen, das ihn nur hindert, seine Ambitionen zu verfolgen.«
Velvety Prince – toughe Anwältin, traurige Frau, an bestimmten Lebensentscheidungen zweifelnd und auf der Suche
Nichts war mehr wie zuvor.
Alles hatte sich verändert. Alles!
Wo war mein Drive, den ich sonst jeden Morgen spürte, wenn ich die Kanzlei betrat? Dieses Summen im Kopf, das Vibrieren in den Muskeln, das Hochgefühl in dem Wissen, die Welt zu verändern, sie zumindest in einigen Teilen zu einem besseren Ort zu machen und den Menschen zur Gerechtigkeit zu verhelfen … dieses unverkennbare Gefühl, das immer von mir Besitz ergriff, wenn ich in unsere Büroräume am Orchard Place kam, keine zehn Minuten Gehweg vom Buckingham Palace entfernt.
Es trat nicht ein.
Heute nicht. Gestern nicht. In der gesamten vergangenen Woche nicht. Seit einer furchtbar langen Woche, seit … seit meiner Rückkehr.
Ich war nicht mehr ich selbst. Ich fühlte mich beschissen. Ich hatte keine Lust zu irgendwas. Dafür jede Menge Angst. Mein Kopf arbeitete auf Hochtouren. Ja, mein Hirn funktionierte. Doch das genügte nicht. Der Rest war seltsam taub. Nichts passte mehr zusammen.
Nun, das war jetzt keine Überraschung.
Ich war nicht mehr dieselbe.
Ich war nicht mehr vollständig.
Ständig dachte ich an die beiden Männer. Sie fehlten mir furchtbar. Sebastián und Ciro beherrschten meine Gedanken, mein Herz, alles in mir. Unglücklich verliebt zu sein, war einer der zerstörendsten Gemütszustände. Keiner kannte sich besser damit aus als ich. Seit Ciro mich vor zwei Jahren verlassen hatte, lebte ich mit all der Sehnsucht, den Fragen, der Ungewissheit. Dieser Zustand war nicht leicht gewesen, aber ich hatte ihn ausgehalten, wusste ich doch, dass Ciro keine Schuld trug, dass er mich liebte. Als verdeckter Ermittler für den britischen Secret Service stand es nicht in seiner Macht, wann er wo und mit wem leben konnte. Auch wenn er mir das Herz gebrochen hatte, wärmte mich doch in diesen zwei Jahren der Gedanke, dass er irgendwo da draußen war und an mich dachte.
Aber jetzt war alles anders.
Jetzt gab es nicht mehr nur Ciro. Ein anderer Mann … Nein, Korrektur: Ein weiterer Mann hatte mein Herz erobert. Ich litt in doppelter Hinsicht. Sebastián Vargas war so anders als Ciro. Er war dunkler, mystischer, geheimnisvoller, mächtiger, aber so verdammt gut aussehend und mit einer Ausstrahlung, die mich von der ersten Sekunde unseres Kennenlernens gefangen hielt.
Doch was nützte das?
Es gab zwei Männer in meinem Leben und es gab sie wiederum nicht.
Ciros Verschwinden hatte mich tief getroffen.
Sebastián ebenfalls.
Diese Nacht … diese außergewöhnliche, berauschende Nacht voller Ekstase, voller Liebe und unvergesslicher Momente. Wir hatten uns geliebt. Wir hatten gefickt. Wir hatten verdammt noch mal Mauern zum Einsturz gebracht. Sebastián und Ciro war es gelungen, mich auf einem Level der Erregung und der Lust zu halten, bis die Sonne hoch am Himmel stand. Wir waren verschmolzen, hatten uns einander hingegeben, Grenzen überschritten, nach den Sternen gegriffen, uns Zuneigung geschenkt und Orgasmen beschert, die ich nie vergessen würde.
Und dann war der nächste Tag gekommen.
Die Ernüchterung nach dem Rausch der Sinne.
Sebastián und ich hatten im Bett gelegen – aneinandergeschmiegt, den Geruch des anderen atmend, die Erinnerungen an eine unvergessliche Nacht im Kopf, deren Geschmack auf den Lippen, zwischen den Beinen.
Und dann waren wir aufgewacht.
In der kalten Realität.
Ciro war verschwunden.
Ohne Abschied.
Ohne Nachricht.
Ohne Anhaltspunkt.
Nichts.
Als hätte sich der Erdboden aufgetan und ihn einfach verschluckt.
Er war gegangen. Wieder einmal.
Und er würde nicht wiederkommen.
Er brach mir das Herz. Wieder einmal.
Es würde nicht mehr heilen.
Und ich? Ich ging auch.
Sebastián hielt mich nicht auf. Ihn traf Ciros Verschwinden ebenso, die gleiche Taubheit. Von jetzt auf gleich war alles anders. Eine einzige Nacht hatten wir zusammen verbracht, und doch waren wir zu einer Einheit geworden, die nicht losgelöst funktionieren konnte. Es gab nicht mehr Sebastián und mich oder Ciro und mich. Nein, wir waren ein Trio, ein perfektes Kleeblatt, das unvollständig nur ein unnützer Stängel Grünzeug darstellte.
Natürlich war es Sebastián schwergefallen, mich gehen zu lassen. Ich hatte es gespürt. Er hatte Angst um mich. Immer noch war unklar, welcher mysteriöse Engländer Mamani dafür bezahlt hatte, mich und meine Mandantin zu töten. Doch seine Ermittlungen konnte Sebastián auch ohne mich weiterführen. Und ich konnte auf mich selbst aufpassen, das hatte ich schon immer getan.
Trotzdem fehlte er mir so sehr. Ciro auch. Ich fühlte mich einsam, verlassen und unvollständig. Das erkannte sogar Emma, meine persönliche Assistentin, die mir meinen Mantel abnahm, als ich das Büro betrat.
»Guten Morgen, Miss Prince. Geht es Ihnen gut?« Eine Sorgenfalte bildete sich auf ihrer Stirn.
»Hm, danke. Ich hatte noch keinen Kaffee. Können Sie mir einen bringen?«
»Natürlich! Mister Beauchamp möchte Sie sprechen.«
»Er ist wieder da?« Mein Blick huschte zum Kalender an der Wand hinter Emmas Schreibtisch. Eher aus Gewohnheit, denn mein Seniorpartner Geordan Beauchamp hatte bei seiner Abreise kein Datum seiner Rückkehr angegeben. Also war er nur zwei Tage in Berlin geblieben. Gestern war die Beisetzung der sterblichen Überreste meiner Mandantin Charlotte Lukas gewesen. In Begleitung seiner persönlichen Assistentin Romy hatte er teilgenommen und mir ausdrücklich verboten, ihn zu begleiten.
Er machte mich verantwortlich für den Tod der Mandantin.
Nicht im juristischen Sinne. Natürlich nicht. Aber es sah nicht gut aus, wenn die Anwältin um die halbe Welt flog, um die wegen Kokainbesitzes in Bolivien festgenommene Mandantin zu vertreten und aus dem Gefängnis zu holen … und die Mandantin dann starb. Wenn man dann noch berücksichtigte, dass Charlotte Lukas nicht einfach nur gestorben, sondern vom Gefängnisboss Mamani höchstpersönlich ermordet worden war, bekam die ganze Sache einen mehr als bitteren Beigeschmack.
»Wie ist es gelaufen?« Seine Bürotür stand offen. Also trat ich ohne Umschweife ein, vergeudete keine Zeit mit Small Talk, sondern kam direkt zur Sache. Das war eine Art Credo in unserer Kanzlei – Konzentration auf die Wesentlichkeiten. Zeit war Geld, Plaudereien gehörten zum Fünf-Uhr-Tee, und das auch nur, wenn man älter als siebzig war, adliger Herkunft und steinreich.
Geordan hob den Kopf und rollte seinen Stuhl zurück. Er schnaufte und verschränkte die Arme vor dem Bauch. »Anstrengend.«
»Will heißen?«
»Will heißen, dass es mühsam war. Aber ich bin zuversichtlich, eine Klage abgewendet zu haben.«
»Eine Klage?« Ich hatte eigentlich wissen wollen, wie die Bestattung abgelaufen war, wie es den Hinterbliebenen ging, doch Geordan interessierte sich wenig für die emotionalen Belange unserer Mandanten im Besondern und seiner Mitmenschen im Allgemeinen.
»Natürlich wollen die uns verklagen. Was glaubst du? Das sind Deutsche. Die Eltern sind verzweifelt und in großer Trauer. Die suchen einen Schuldigen. Und die Sache sieht nicht gut aus, Velvety. Der Leichnam von Charlotte Lukas wurde eingeäschert. Ohne forensische Untersuchung. Ohne Obduktion. Und das, während ihre verfluchte Anwältin vor Ort war.« Mit Schwung erhob er sich von seinem Stuhl und kam auf mich zu.
Vor fast zehn Jahren, noch während meines Studiums, hatte ich in der Kanzlei angefangen und war für Kopien und Kaffeeholen verantwortlich gewesen und hatte Anzüge in die Reinigung getragen. Damals war ich heimlich in Geordan verknallt gewesen. Natürlich! Geordan Beauchamp war der Typ Mann, in den sich wahrscheinlich jede junge naive Frau … jedes unerfahrene Mädchen verknallt hätte. Ein erfolgreicher Anwalt, immer in maßgeschneiderten Anzügen, mit breiten Schultern, glattrasiertem Kinn, mit Geld ohne Ende, einem souveränen Auftreten, einem schier unendlichen juristischen Wissen und den absolut notwendigen Erfahrungen aus Verhandlungen, Vernehmungen, seiner Dozententätigkeit … einem gigantischen juristischen Portfolio, auf das ich mit Anfang zwanzig keinesfalls zurückgreifen konnte. Das hatte mir imponiert. Tat es immer noch. Allerdings stand ich meinem Boss heute in puncto Know-how in nichts nach. Und seit Geordans Vater und Kanzleigründer in den Ruhestand gegangen war, hatte ich als Partnerin die gleichen Stimmrechte, das gleiche Ansehen, die gleichen Gewinnbeteiligungen und trug das gleiche Risiko wie er.
»Eine Klage ist lächerlich. Ich bin selbst fast gestorben. Und wir reden hier von San Pedro in Bolivien, nicht von irgendeinem westeuropäischen Wohlfühlknast. So etwas gibt es kein zweites Mal auf …«
»Für die Fakten interessiert sich keine Sau, Velvety.«
Genau wegen dieser unsensiblen Art hatte sich meine anfängliche Verliebtheit, meine Bewunderung für meinen Chef schnell gelegt. Geordan war smart und eloquent, sah unverschämt gut aus, aber er war ein emotionaler Krüppel mit null Sozialkompetenz. Empathie war für ihn ein Fremdwort. Gefühle schien er ebenso wenig zu haben wie ein Privatleben. Das war okay. Für ihn. Für unsere berufliche Zusammenarbeit. Aber nicht für mich als Person, als Mensch, als Frau.
»Also schön, du konntest eine Klage abwenden. Fein! Und weiter? Machst du mich etwa jetzt verantwortlich? Oder hast du dich endlich um van Rensselaer gekümmert und mir die Informationen zur Verfügung gestellt, die ich dringend brauche? Bei ihm müssen wir ansetzen. Wie oft soll ich das noch sagen?«
Abrupt wandte sich Geordan von mir ab und schaute aus dem Fenster, von wo aus man einen Teil der Westminster Abbey sehen konnte. Von meinem Büro ging der Blick nur in die Büroräume der angrenzenden Gebäude, aber zwischen denen blitzte ein Stück des St. James Parks hindurch. Ich fand, ein Stück Grün war mehr wert als historische Gebäude. Das sah Geordan offenbar anders, jedenfalls starrte er gerade nach draußen, als verpasste er sonst eine Prozession der königlichen Garde. »Van Rensselaer ist gerade nicht erreichbar.«
»Was? Warum nicht?«
»Warum nicht?« Geordan wirbelte herum, die Arme immer noch vor der Brust verschränkt. »Du kapierst es nicht, oder? Der Typ ist der Mandant. Ein Goldesel mit so viel Geld, dafür reicht deine Vorstellungskraft nicht aus. Er finanziert quasi diese Kanzlei und das soll auch so bleiben. Deshalb noch mal in aller Ausführlichkeit: Wenn van Rensselaer nicht zu sprechen ist, dann ist er nicht zu sprechen. Wir werden ihn keinesfalls mit unseren Unzulänglichkeiten nerven.«
Geordans nicht vorhandene Empathie – ein Paradebeispiel für seine Unfähigkeit, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als geschäftliche Belange. Es nervte mich gewaltig.
»Unzulänglichkeiten?«, wiederholte ich fassungslos. »Weißt du, was mich nervt?« Ich riss beide Hände nach oben und wollte mir die Haare raufen angesichts dieser empathischen Niete vor mir. »Herrje, zwing mich bitte nicht, dich anzuschreien. Es geht hier um mehr als die Befindlichkeiten eines exzentrischen Mandanten oder deinen pragmatischen Geschäftssinn. Geordan, ist dir immer noch nicht bewusst, dass van Rensselaer hinter den Mordanschlägen stecken könnte, dass er Mamani dafür bezahlt hat, Charlotte Lukas und mich töten zu lassen?«
»Das ist doch Blödsinn!«
»Wie bitte?« Langsam nervte Geordans Apathie nicht mehr, sie machte mich rasend. »Ich habe es dir bereits gesagt. Er ist der Einzige, der eine Verbindung zwischen Charlotte Lukas und mir hatte. Ein reicher Engländer, sagte Mamani. Wie viele Indizien soll ich dir noch vorlegen, bis du endlich in die Pötte kommst? Oder ist dir die Aufklärung … Bin ich dir scheißegal? Was, wenn ich nach wie vor zum Abschuss freigegeben bin? Das liegt doch auf der Hand. Und wer soll es sonst gewesen sein? Du vielleicht?«
Geordan lachte. Na toll! Na toll! Amüsement war es nicht, was ich bei ihm hervorrufen wollte. »Klar, weil ich auch so verdammt reich bin.« Sein Sarkasmus war echt zum Kotzen. »Und welches Motiv sollte ich haben?«, fragte er spöttisch. »Neid auf deinen Erfolg im Job?«
»Geordan, ich meine es ernst.« Mit zwei Schritten war ich bei ihm, stellte mich bewusst an seine Seite und schaute ebenfalls aus dem Fenster. »Du nimmst das auf die leichte Schulter, aber ich habe Angst um mein Leben. Also gib mir bitte die Infos über van Rensselaer!«
»Jetzt machst du dich lächerlich, Velvety! Warum sollte van Rensselaer deinen Tod wollen? Es gibt lediglich eine Verbindung zu Charlotte Lukas, weil er sie als Fotografin beauftragt hat. Aber ich sehe keine Verbindung zu dir. Es gibt nichts, keinen noch so winzigen Anhaltspunkt, warum unser Mandant für deinen Tod einen Haufen Geld bezahlen sollte.«
Ach, verflucht, er hatte recht. Ich hatte mir schon selbst den Kopf zermartert und war auf keinen grünen Zweig gekommen. Die Informationen, die Ciro gesammelt hatte, die Auswertung des Prepaid-Telefons, von dem aus Mamani die Instruktionen erhalten hatte, nichts davon half uns weiter. Möglicherweise hatte ich mich in die falsche Spur verrannt.
Bedauerlicherweise war es die einzige.
»Ich weiß es auch nicht, aber das ist alles, was ich habe. Und wenn ich mehr Informationen hätte, und sei es auch nur, um seine Unschuld zu bestätigen, könnte ich nachts weitaus besser schlafen. Wenn ich ihn ganz sicher ausschließen kann …«
Bevor Geordan etwas erwidern konnte, flog die Tür auf und seine Assistentin kam ungefragt herein. Seit wann betrat Romy dieses Büro ohne Aufforderung? Ach, was wusste ich von den Absprachen zwischen den beiden? Und was sollten sie mich interessieren? Genauso egal war mir Geordans Erwiderung auf mein Gejammere, seine verfluchte Gleichgültigkeit ging mir am Arsch vorbei.
Romy nickte mir zu, und ich verstand auch ohne Worte, dass dieses Gespräch beendet war. Also ging ich. Ohne Veto. Ohne Gruß. Natürlich konnte ich mich über Geordans mangelnde Unterstützung ärgern. Doch was brachte es? Genau! Nichts! So war er eben. Solange es keine Auswirkungen aufs Geschäft hatte, waren private Belange irrelevant.
Noch niedergeschlagener als vorhin trottete ich durch das wunderschöne Foyer, ignorierte die hundert Orchideen, die im Zentrum des Raumes auf einem hüfthohen Tresen standen. Sonst genoss ich den unverwechselbaren Duft, ergötzte mich an der schlichten Schönheit. Nur eben nicht heute. Mir war nicht nach Gesellschaft, nicht nach Gesprächen. Am liebsten hätte ich auch meine Assistentin ignoriert, doch Emma sprang von ihrem Platz auf und rief: »Miss Prince, Sie haben einen Besucher.«
»Ein Mandant?« Instinktiv drehte ich meinen Kopf und sah zu der Sitzecke vor den Fenstern, wo gewöhnlich die Besucher der Kanzlei warteten. Aber dort saß niemand.
»Er ist in Ihrem Büro.«
Emma wirkte nervös. Sollte sie auch. Denn niemals gestatteten wir den unbegleiteten Zutritt zu den Büros. Niemals. Es sei denn …
Ich rannte los. Mein Herz klopfte. Keiner der Mitarbeiter käme je auf die Idee einen Mandanten, einen Besucher in eines der Büros zu lassen. Wenn jetzt jemand in meinem war, dann nur … Es gab nur einen Menschen, dem es gelingen konnte, derart überzeugend zu agieren. Nur einen Mann, der sich galant über sämtliche Prinzipien hinwegsetzte. Nur ein Mann, der stets bekam, was er wollte.
»Oft sind es die stillen Wasser, die nach außen hin seriös und souverän wirkenden Menschen … Männer mit den schmutzigsten Gedanken, die eine anständige Frau verleiten können, unanständige Dinge an unpassenden Orten zu tun. Na ja, genau genommen stimmt an diesem Satz nichts. Und das ist auch gut so.«
Velvety Prince – authentische Anwältin, Frau voller Sehnsucht und bereit, sich von dem Mann ihrer Träume verführen zu lassen und verruchte Dinge zu tun
Von einer Sekunde auf die andere fiel sämtliche Anspannung von meinen Schultern. Ich atmete aus und wieder ein und genoss das vertraute Summen meines Körpers, das sich jedes Mal einstellte, wenn ich Sebastián gegenüberstand.
Nur diesem einen Mann gelang es, mich allein mit seinem Äußeren zu fesseln, mit seinem Auftreten und dieser geheimnisvollen Aura, die ihn umgab. Er musste nichts tun, nur dastehen wie das Model aus einem Fashion-Magazin, und mir verschlug es die Sprache – vor Begeisterung, vor Faszination, vor Erregung. Genau in diesem Augenblick. Sebastián sah besser, heißer, verführerischer aus als je zuvor, was vielleicht auch daran lag, dass meine Sehnsucht unfassbar groß war. Und meine Überraschung.
»Sebastián!« Gehaucht verließ sein Name meine Kehle. In meiner Stimme schwang Lust aber auch Unsicherheit. Stand er wirklich dort vor meinem Schreibtisch oder spielte meine Fantasie mir einen Streich?
Er drehte sich abrupt zu mir um und verharrte genau wie ich in der Bewegung. Das hier war mehr als nur ein Wiedersehen. Es war Magie! Ich hatte nicht vergessen, wie unaussprechlich gut dieser Mann aussah, wie perfekt sein pechschwarzes Haar frisiert, wie ordentlich sein kurzer Bart gestutzt war. Schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarzer Mantel – dunkel und klar, Sebastiáns Statement an die Welt. Nur die silberne Schnalle seines Gürtels bildete einen Kontrast, ebenso das strahlende Weiß seiner Zähne, als er mich anlächelte, und die stechend blauen Augen. Sie leuchteten wie das London Eye in einer sternenklaren Nacht.
»Velvety … hi!«
Mehr wollte ich nicht hören. Ich wollte gar nichts hören. Wie ein bis über beide Ohren verknallter Teenager schloss ich die Tür hinter mir und flog auf Sebastián zu. Er fing mich auf und presste seine Lippen auf meine. Mir wurde unzweifelhaft bewusst, wie sehr er mir gefehlt hatte, wie sehr ich nach ihm gehungert hatte. Doch jetzt konnte ich mich an seinen Küssen laben. Die Frage nach dem Grund seines Auftauchens würde ich mir und ihm später stellen. Nichts spielte im Moment eine Rolle, nur die Tatsache, dass er hier war. Ich nahm, was ich kriegen konnte. Nicht schüchtern und schon gar nicht zurückhaltend schmiegte ich mich an Sebastián, rieb meine Brüste an seinen festen, starken Muskeln, schlang meine Arme um seinen Hals und inhalierte den lang ersehnten Kuss. Sebastián verschlang meinen Mund, strich mit seinen Händen über meinen Körper, ließ keine Stelle aus, packte meinen Hintern und hob mich von den Füßen.
Mein Bleistiftrock war eng und ließ nicht viel Bewegungsfreiraum, doch Sebastián ließ sich davon nicht beirren. Er zog den Stoff höher, riss förmlich daran, bis ich meine Beine um seine Hüften schlingen konnte.
»Kann jemand hereinkommen?« Seine Stimme klang rau und dunkel vor Erregung. Fest drückten seine Fingerkuppen in die Muskeln meines Hinterns, während er mich gierig küsste und auf den Schreibtisch setzte.
»Nein! Abgeschlossen.« Meine Antwort war kurz, atemlos, bevor ich meinen Mund wieder auf seinen presste.
Es kam sowieso niemand unaufgefordert in mein Büro, aber ich hatte vorsorglich den Riegel gedreht. Und das war gut so. Hektisch wischte ich einige Papiere vom Schreibtisch, mit einem lauten Knall landete irgendwas Schweres auf dem Boden. Egal! Sebastiáns Lippen lagen wieder auf meinen, seine Zunge drang vor, okkupierte meinen Mund, als wäre er ebenso von dieser schmerzvollen Sehnsucht befallen gewesen wie ich. Unser Kuss wurde wilder, gieriger, ungehaltener und erregender. Die Welt stand still. Ich dachte nicht, hörte nicht, fühlte nur … seine Lippen auf meiner Haut, seinen harten Schwanz an meiner Mitte.
»Du hast mir gefehlt, Velvety!« Er keuchte die Worte in mein Ohr, griff ohne zu zögern unter meinen Rock und zerriss mit einem Ruck meine Strumpfhose. Das Geräusch fungierte als eine Art Startschuss. Beherrscht von unbändigem Verlangen küssten wir uns gieriger, atmeten beide so heftig und laut, dass man uns sicher außerhalb des Büros hören konnte. Egal! Sebastiáns Finger glitten unter den Stoff meines Höschens, zielsicher zwischen meine Schamlippen. Ich stöhnte ungeniert, als sie in mich drangen.
»Fick mich! Jetzt!« Entschlossen zog ich an seiner Gürtelschnalle. Kurz erwog ich, zu dreist zu handeln, zu impulsiv, zu kindisch und unreif. Noch nie hatte ich in der Kanzlei etwas derartig Frivoles und absolut Unpassendes getan. Ich kam mir vor wie ein Teenager, der seine Hormone nicht unter Kontrolle hat, stets und überall geil. Ja, genau das war ich: Geil, verrückt nach Sebastián, dass ich keine Sekunde mehr warten wollte … keine Sekunde mehr warten konnte.
Und ihm ging es nicht anders. Er schob seinen Mantel von den Schultern und ließ ihn unbeachtet auf den Boden fallen. Beinahe unbeholfen zerrte er seine Hose über den Hintern, befreite seinen Schaft und fummelte sofort wieder an meinem Höschen. Wie ein Teenager – hektisch, gierig und ohne jegliche Wahrung der Contenance. Mit einem harten Stoß eroberte er mich, ließ mir keine Zeit, mich an seine Größe zu gewöhnen. Er eroberte mich mit einem Streich und fuhr mit einer einzigen Bewegung in mich, bis ich vor Überwältigung meinen Mund aufriss, um Luft in meine Lungen zu saugen.
»Du gehörst zu mir, Velvety! Verstehst du? Ich will dich, alles! Deine Pussy, dein Herz, ich brauche dich, Dios!« Sebastiáns Hüften zuckten, als er weiter vordrang, sich in mich presste, als wäre es niemals genug, als könnte er mir nicht nah genug sein, nicht tief genug in mir. In einer einzigen Bewegung hob er mich vom Tisch, erhöhte den Druck und fickte mich – hart, tief, verzweifelt, unerbittlich.
In unser Keuchen mischten sich gestöhnte Bitten, Flehen und Wimmern, alles beschleunigte sich, bildete einen Kokon um uns. Wir bildeten eine Einheit, wurden eins – wie in unserer ersten Nacht und in der letzten.
Ich umklammerte seinen Hinterkopf, hing an ihm, um nichts zu verpassen, keine zu große Distanz entstehen zu lassen – an keiner Stelle unserer Körper. Wer wusste schon, ob ich eine weitere Chance bekam. Was er gesagt hatte, klang nach mehr. Aber hielt das Schicksal tatsächlich Hoffnung für uns parat?
Kaum wahrnehmbar hörte ich mein Telefon brummen … das interne Bürotelefon.
»Verdammt! Ich muss … da muss ich …« So weit wie möglich lehnte ich mich nach hinten und tastete nach dem Hörer.
»Nicht!« Sebastián zog mich näher zu sich, verstärkte die Bewegungen seiner Hüften, als wollte er mich mit Gewalt davon abhalten, an dieses verfluchte Telefon zu gehen.
»Ich muss …«
Während ich mich wieder über den Tisch lehnte, legte Sebastián einen Finger auf meine Klitoris. Geübt begann er, sie zu streicheln. Nicht zart oder vorsichtig, sondern mit der brachialen Berechnung, mich an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Zusammen mit der Wucht seines Beckens, das gegen meins knallte, könnte er damit sogar Erfolg haben. Ich schloss die Augen und sah kleine weiße Pünktchen in der Schwärze. O Gott, ich konnte doch jetzt nicht zum Höhepunkt kommen.
»Fuck, Sebastián!«, fluchte ich, ließ mich nach hinten fallen und griff nach dem Hörer. »Jetzt nicht, Emma!« Und bevor sie glaubte, irgendetwas wäre wichtiger als das, was ich gerade als Nonplusultra empfand, fügte ich hinzu: »Sagen Sie alle Termine ab. Alle!« Ich knallte den Hörer zurück auf das Telefon und klammerte mich erneut wie ein Affe an Sebastián.
Der zog mich an sich. »Mach das noch mal und du kriegst Ärger!«
Den sich beinahe berührenden Augenbrauen nach zu urteilen, war das keine substanzlose Bemerkung. Er meinte das absolut ernst.
Ein gehauchtes »Bestraf mich!« konnte ich mir dennoch nicht verkneifen.
Durch seine Brust rumpelte ein gefährliches Knurren. Er packte mich schwungvoll und drückte meinen Körper an die nächstbeste Wand. Neben mir baumelte meine in einen Goldrahmen gefasste Zulassungsurkunde und fiel herunter. Ob das Glas heilgeblieben war, kontrollierte ich nicht. Unwichtig!
Meine gesamte Konzentration galt diesem Mann. Alles – mein Fokus, meine Lust, meine Gedanken, mein Körper, selbst mein Herz – richtete sich auf ihn. Wir reagierten so zwangsläufig aufeinander, dass sich alles andere nicht wichtig anfühlte. Als wir uns in San Pedro zum ersten Mal begegnet waren, hatte mich die Erkenntnis überrollt, dass ich in Flammen aufgehen würde, sollte ich diesem Mann noch einmal in meinem Leben begegnen. Ich hatte es gewusst. Er gehörte zu mir und ich zu ihm – und ich brannte. Lichterloh.
Genau jetzt!
Hitze flutete meinen Bauch, meine Pussy, einem Flächenbrand gleich breitete sie sich in meinen Zellen aus, ließ sie anschwellen und vor Erregung vibrieren. Da war aber auch die Wärme in meiner Brust, jenes gute Gefühl, das sich aus meinem Herzen ergoss. Dabei kannte ich Sebastián erst lächerliche zwei Wochen, aber die Intensität der gewaltigen Anziehungskraft war nicht zu leugnen.
So erging es mir und so fühlte auch Sebastián.