Beloved Villains - Mara Harte - E-Book

Beloved Villains E-Book

Mara Harte

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Beschreibung

Eine Anwältin mit Idealen. Zwei Männer aus Londons Unterwelt. Und das Schicksal lässt die Würfel fallen. Velvety Prince Ich liebe meinen Job als Strafverteidigerin. Für eine große Kanzlei im Herzen Londons reise ich an viele Orte der Welt. Da bleibt nicht viel Zeit für ein Privatleben. In einem der gefährlichsten Gefängnisse der Welt treffe ich gleich auf zwei Männer, die mir den Kopf verdrehen. Sebastián Vargas Als Boss der berühmt-berüchtigten Mafia-Familie Vargas nehme ich mir, was ich will. Und ich will sie – Velvety Prince. Für eine Nacht! Was jedoch, wenn ich in dieser Nacht mein Herz verliere? Ciro Bennett Für König und Vaterland tue ich alles, was man von mir verlangt. Ich riskiere Kopf und Kragen, steige tief in kriminelle Unterwelten ab und verlasse die Frau, die ich liebe. Wer hätte gedacht, dass ich meiner Velvety ausgerechnet in Bolivien wieder über den Weg laufe? »Ich habe keine Zeit für Spielchen. Ich will dich in meinem Bett. Entweder du willst es auch oder wir lassen es. Ich reise morgen ab. Wir werden uns nie wiedersehen.« ~ Sebastián Vargas BELOVED VILLAINS ist Buch 1 und der Auftakt von MAFIA AFFAIRS, einer Why-Choose-Reihe, bei der die Protagonistin unter mehreren Verehrern NICHT wählen wird, und die mit einem Happy End enden wird. BELOVED VILLAINS ist die Neuauflage des unter dem Titel GEFÄHRLICHE BEGEGNUNGEN erschienenen Buches, enthält jedoch Bonusszenen und hübsche Illustrationen in der Printversion. Lesermeinungen: Wer bislang noch kein Fan von Mara Harte war, wird es spätestens nach diesem heißen Reihenauftakt sein! – Sommerlicht auf Lovelybooks Es ist eine Kunst, so bildgewaltig zu zeichnen, dass man sofort das Bild vor Augen hat. – Metalbride auf Lovelybooks Ein Muss für Dark-Romance-Fans. – Sheilo auf Lovelybooks

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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BELOVED VILLAINS

MAFIA AFFAIRS

BUCH 1

MARA HARTE

INHALT

MAFIA AFFAIRS

Die Autorin

Vorwort zur Neuauflage

Prolog

VELVETY

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Sechzehn

Siebzehn

Achtzehn

Neunzehn

Zwanzig

Einundzwanzig

Zweiundzwanzig

Dreiundzwanzig

Vierundzwanzig

Fünfundzwanzig

Sechsundzwanzig

Siebenundzwanzig

Achtundzwanzig

Neunundzwanzig

Dreißig

Epilog

Bonuskapitel

Weiter geht’s mit …

KENNST DU SCHON …?

KENNST DU SCHON …?

KENNST DU SCHON …?

KENNST DU SCHON …?

Bücher von Mara Harte

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2023 RebelYou Publishing

Mara Harte | Courtown | Ireland

mara-harte.com

Lektorat: Marion Mergen | www.korrekt-getippt.de

Korrektorat: Ariana Lambert

Cover: HollandDesign

Kapitelzierden: Melanie Strohmaier | www.belladonnasdream.com

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Erstellt mit Vellum

MAFIA AFFAIRS

BELOVED VILLAINS

ÜBER DAS BUCH

»Ich habe keine Zeit für Spielchen. Ich will dich in meinem Bett. Entweder du willst es auch oder wir lassen es. Ich reise morgen ab. Wir werden uns nie wiedersehen.«

~ Sebastián Vargas

Eine Anwältin mit Idealen.

Zwei Männer aus Londons Unterwelt.

Und das Schicksal lässt die Würfel fallen.

Velvety Prince ist passionierte Anwältin für Menschenrechte. Im Auftrag einer renommierten Kanzlei im Herzen Londons reist sie nach Bolivien, um eine Mandantin aus einer prekären Lage zu befreien.

Dort trifft sie auf korrupte Gefängnisbosse, skrupellose Auftragskiller und Ciro Bennett – atemberaubender Mann und Liebe ihres Lebens, bis er vor zwei Jahren spurlos verschwand. Entgegen aller Vernunft verbringt Velvety eine leidenschaftliche Nacht mit ihm.

Als Velvety nur knapp einem Mordanschlag entgeht, taucht der charismatische Geschäftsmann Sebastián Vargas auf, der eine besondere Anziehungskraft auf sie ausübt.

Die Welt steht kopf, als Velvety plötzlich Sebastián und Ciro gegenübersteht. Für wen soll sie sich entscheiden? Wäre es verkehrt, sich in eine Ménage-à-trois aus Lust, Begehren und Verlangen zu stürzen?

Schon bald erhält Velvety Gewissheit. Denn beide hüten ein tödliches Geheimnis.

Hoffen allein reicht nicht aus, um ihre Leben zu retten – und ihre Liebe.

BELOVED VILLAINS ist Buch 1 und der Auftakt von MAFIA AFFAIRS, einer atemberaubenden Reverse-Harem-Mafia-Reihe mit exklusiver Spannung und den besonderen prickelnden Szenen, wie sie nur Mara Harte schreiben kann.

DIE AUTORIN

Liebe. Passion. Worte.

Ich liebe Leidenschaften aller Art und ich liebe das geschriebene Wort.

Lovestorys von der Stange suchst du jedoch bei mir vergebens. Meine Geschichten sind nicht rosarot. Eine heile Welt gibt es ebenso wenig.

Manchmal ist das Leben dark, manchmal romantisch.

Bei mir ist es ungewöhnlich, spannend und amourös. Die Frauen in meinen Geschichten sind tough, selbstbewusst und äußern ihre Wünsche und Sehnsüchte. Dennoch oder gerade deshalb gewähren sie den Männern die Stärke, ihre Angebetete zu erobern.

Und trotz meiner Vorliebe für die Bad Boys dieser Welt garantiere ich dir ein Happy End. Vielleicht keines aus Zuckerwatte, aber eines, das zu meinen Figuren passt und dir hoffentlich jede Menge Leselust bereitet.

Lass dich verführen!

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Goodreads

She walks in beauty, like the night

Of cloudless climes and starry skies;

And all that’s best of dark and bright

Meet in her aspect and her eyes;

Thus mellowed to that tender light

Which heaven to gaudy day denies.

Sie wandelt in Schönheit

Wie die wolkenlose Nacht,

Und all das Beste an Dunkelheit und Helligkeit

Spiegelt sich in ihrem Gesicht und ihren Augen wider,

So gemildert zu jenem zarten Licht,

Das der Himmel dem bunten Tag versagt.

She Walks In Beauty – George Gordon Noel, 6. Baron Byron

VORWORT ZUR NEUAUFLAGE

Klappe, die zweite!

Dieses Buch ist eine erweiterte Version von Velvetys Geschichte. Velvety Prince, eine Frau mit Überzeugungen, Idealen, mit dem festen Glauben an Recht und Gerechtigkeit, aber auch mit dunklen Wünschen, düsteren Erinnerungen und Emotionen, die sie nicht selten aus ihrer schön zurechtgelegten Bahn schleudern – sie hat nichts anderes verdient als eine vom ersten Wort bis zum letzten Punkt perfekte Geschichte.

Aus diesem Grund erhält sie mit einer neuen Auflage ein neues Gesicht, einen aufgehübschten Buchsatz und … Bonuskapitel.

Lest selbst und erfahrt interessante Hintergründe zu Velvetys Geschichte und ihren Verbindungen zu einer anderen toughen Lady, die an anderer Stelle und im Zusammenhang mit grimmigen Königen ihre Geschichte bekommen.

Viel Spaß!

Eure Mara Harte

PROLOG

»Erfolg fordert seinen Tribut.«

Charlotte Lukas – Fotografin, Künstlerin, Weltreisende mit Leidenschaft für ihren Job

Charlotte Lukas, Fotografin und Weltreisende, wurde innerhalb einer Sekunde bewusst, dass sie in großen Schwierigkeiten steckte, als sie in die Öffnungen von gleich drei auf sie gerichteten Pistolenläufen starrte.

Schwitzend fuhr sie sich mit dem Handrücken über die Stirn. Es war heiß im bolivianischen Dschungel. Die Nächte waren unerträglich schwül, doch die Tage waren schlimmer. Nun, das war der Preis, nicht wahr? Wer den Gipfel erklimmen will, muss durch Dreck kriechen – in ihrem Fall durch die dunkelsten Ecken des Regenwaldes im schönsten Land der Welt.

Ihr Job hatte Charlotte schon in viele abgelegene Gegenden der Erde geführt. Ihre Fotografien wurden in einer bedeutenden Galerie im tansanischen Dar es Salaam ausgestellt, sie hatte Vorträge in Braşov gehalten und die außergewöhnlichsten Bilder in Montenegro, Kanada und auf den Faroer Inseln geschossen. Aber in Bolivien … hier war alles anders. Das Licht, die Menschen, der Regenwald.

Dies hier war ihre zweite Reise in das südamerikanische Land. Im Gegensatz zu ihrem letzten Ausflug hatte es sie dieses Mal jedoch nicht in die Hochebenen der Anden um die Hauptstadt La Paz verschlagen, sondern mitten in den Amazonas-Regenwald in der Nähe von Trinidad. Nur hier fand sie passende Motive für jene Fotografien, die ein englischer Multimilliardär in Auftrag gegeben hatte. Dieser superreiche Schnösel hatte ein Faible für seltene Tierarten. An den Wänden seiner karibischen Residenz auf den Britischen Jungferninseln hingen ausgestopfte Faultiere, nahezu ausgestorbene Papageienarten, Vicuñas und andere Alpakarassen und noch vieles mehr. Und jetzt wünschte er sich Echtaufnahmen seiner Lieblinge. Eine Farce! Aber es war nicht Charlottes Aufgabe, die moralischen Aspekte der Wünsche ihrer Kunden zu interpretieren. Wenn sie gut zahlten, war sie opportunistisch genug, um keine weiteren Fragen zu stellen oder zu urteilen. Und dieser Kunde – nun ja, er zahlte unverschämt gut.

Die meisten Bilder hatte sie bereits im Kasten. Heute stand ein längerer Ausflug in die Nähe des Carrasco-Nationalparks an. Nur wenige Aufnahmen fehlten noch. Wenn alles gut ging, konnte sich Charlotte morgen auf den Weg nach La Paz machen und in ein paar Tagen das Flugzeug nach Hause besteigen.

Die Empfindungen, in Kürze wieder in Berlin zu sein, waren so vielfältig wie die Arten von Aras im Amazonasgebiet. Sie würde das bolivianische Klima nicht unbedingt vermissen, aber in Berlin war es kalt und nass. Natürlich freute sich Charlotte auf ihr Zuhause. Sie hatte ihre Mutter seit fast einem halben Jahr nicht mehr gesehen, ihren Bruder länger nicht. Aber bei der Vorstellung an die Hektik der Großstadt, die Unzufriedenheit der Menschen, das Motzen über die Regierung, das Wetter, die Preise … ach, über alles, kam Wehmut auf. In Bolivien war alles anders. Die Menschen waren netter, zufriedener. Ihre Ansprüche hingen nicht in den Wolken. Charlotte liebte die Entschleunigung, die Unbeschwertheit, die Leichtigkeit, mit der die Menschen hier das Leben bestritten.

Traurig schaute Charlotte zu ihrer Reisetasche, die fertig gepackt neben dem Bett stand. Alle wichtigen Utensilien für ihren letzten Dschungel-Trip waren in einem Rucksack. Sie warf einen letzten prüfenden Blick hinein. Die Kamera mit dem Makroobjektiv, eine Ersatzkamera, das Funktelefon, ein frisches Shirt, damit sie sich in spätestens zwei Stunden umziehen könnte, wenn das, was sie trug, durchgeschwitzt wäre, ein Lippenpflegestift und zwei Flaschen Wasser. Bingo!

Mit einer routinierten Bewegung schob Charlotte ihren langen Pferdeschwanz auf den Rücken, schwang sich den Rucksack über die Schulter und öffnete die Tür ihrer vorübergehenden Bleibe. Der Absatz ihres Stiefels knallte mit dem ersten Schritt auf die morschen Dielen der Veranda, als sie abrupt innehielt.

»Scheiße!«

Ihre Stimme erschien ihr fremd – so voller Überraschung und Angst.

Charlotte Lukas, Fotografin und Weltreisende, wurde innerhalb einer Sekunde bewusst, dass sie in großen Schwierigkeiten steckte, als sie in die Öffnungen von gleich drei auf sie gerichteten Pistolenläufen starrte.

Die Stadt der Gefangenen

* * *

VELVETY

… furchtlose Anwältin, erschöpfte Reisende mit Abenteuerlust

»In der Welt ist nichts rosarot. Du kommst nicht weiter, wenn du darauf wartest, dass dir jemand die Welt zu Füßen legt. Geh raus und hol sie dir!«

Feine Sprudelbläschen perlten in dem niedrigen Glas. Der klare Gin Tonic reflektierte das Licht der Sonne. Es wirbelte umher, als ich den Trinkhalm aus Edelstahl rotieren ließ.

Auf dem Beipackzettel des Medikaments, das ich erst vor einer halben Stunde genommen hatte, wurde zwar von Alkohol abgeraten, aber ich fand, dass ich mir nach der langen Reise durchaus einen Drink verdient hatte. Mit dem Glas in der Hand stand ich vom Barhocker auf und lief ein paar Schritte zu der imposanten Glasfront des Hotels Atix, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf die Anden und die schneebedeckten Gipfel des Illimani hatte. Die Absätze meiner Pumps hallten an den hohen verglasten Wänden wider. Ich nahm einen Schluck des Gin Tonics und seufzte. Die Sonne ging unter und verzauberte den wolkenlosen Himmel in ein dunkles Pink.

Dann klingelte mein Telefon.

Ich seufzte schon wieder.

Eigentlich hätte ich mich dringend hinlegen und ein bisschen erholen müssen, mein Körper kam mit den Strapazen in den Höhen von La Paz schwer zurecht. Und morgen musste ich fit sein. Aber die Anzeige auf dem Display zeigte mir, dass ich keine andere Wahl hatte. Meinen Seniorpartner ließ ich nie warten. Das gehörte sich nicht. Auch nicht, wenn es in London jetzt vier Uhr in der Früh war. Wer Erfolg haben wollte, schlief nicht! Also setzte ich mein schönstes Lächeln auf und nahm den Videoanruf entgegen.

»Hallo, Geordan!«, begrüßte ich den Gründer der Kanzlei Beauchamp, Prince & Associates, in die ich mich letztes Jahr eingekauft hatte. Die Initiative war von ihm ausgegangen. Er wollte mich im Team haben. Und wie hätte ich das Angebot ablehnen können, in die größte Kanzlei in Westminster als Teilhaberin einzusteigen, in der ich schon während des Studiums gejobbt hatte?

»Bist du soweit?« Geordan wechselte nie auch nur ein einziges privates Wort mit mir. Ich als Person interessierte ihn nicht, es ging um den Job, um die Mandanten und die Höhe des Honorars. Kohle, Kundenzufriedenheit und Erfolg! Das war es, was zählte. Ich hatte nichts dagegen. Schließlich wollte ich Karriere machen.

»Vor zwei Stunden gelandet. Gerade im Hotel angekommen. Morgen früh bin ich pünktlich in San Pedro«, antwortete ich deshalb im Telegrammstil.

»Alles klar. Der Mandant will dich sprechen. Denk daran, hier geht es um alles!«

Auf eine Reaktion von mir wartete er nicht, sondern schaltete sofort Mister van Rensselaer in einem separaten Bildschirm hinzu. Der versnobte aristokratische Multimilliardär gehörte in die Top Ten meiner exzentrischsten Mandanten. Ashford van Rensselaer war nicht einfach nur reich und extravagant, er war ein Perfektionist und penibler Kontrollfreak. Aber er war eben der Kunde, der ein exorbitantes Honorar zahlte. Und ich würde weder seine Erwartungen noch die meines Partners enttäuschen.

»Miss Prince, entschuldigen Sie die Störung. Oh, Sie sind schon im Hotel, richtig?« Er stellte eine Offensichtlichkeit fest, und ich wusste, dass sie nur der Höflichkeit diente. Denn van Rensselaer wusste genau, wo ich war und dass er mich störte. Aber das war ihm egal, er wollte seine Kontrollsucht befriedigen.

Also schenkte ich ihm ein braves Nicken und lächelte weiter. Sein Anblick entlohnte mich schließlich fürs Erste. Der Multimilliardär sah umwerfend gut aus, da konnte ich ihm seine Marotten verzeihen. Makellos sitzende Frisur, edler, maßgeschneiderter Anzug, perfekt gestärkter Kragen, goldene Manschettenknöpfe, die immer dann schimmerten, wenn er seine Hand hob, um sich über sein glattrasiertes Kinn zu streichen.

Im Gegensatz zu Geordan, der übermüdet aussah und dessen Kinn den Ansatz eines Bartschattens zeigte. Er arbeitete zu viel.

Genau wie ich.

Für unseren Mandanten würde ich mir wie für jeden anderen ein Bein ausreißen – oder zwei. Noch hatte ich van Rensselaer nicht persönlich kennengelernt, denn Geordan hatte mir den Fall gegeben und am nächsten Morgen war ich aufgebrochen. Manche Aufträge erforderten eben eine mehr oder weniger überstürzte Abreise. Das war nicht selten der Fall. Als eine der erfolgreichsten Anwältinnen für Menschenrechtsangelegenheiten in Europa war unbedingtes Engagement, Flexibilität und Spontaneität ein Muss. Juristischer Beistand war in diesem Bereich oft ohne Aufschub notwendig. Ob ich mit dem feuchten Klima und der dünnen Luft in Bolivien klarkam, war nicht wichtig.

»Wie bekommt Ihnen die Höhenlage? In La Paz aus dem Flugzeug zu steigen, ist eine große Herausforderung für Ihren Körper. Sie befinden sich auf einer Höhe von fast viertausend Metern, Miss Prince. Haben Sie Medikamente, um den Auswirkungen begegnen zu können?«

Kontrollfreak durch und durch. Van Rensselaer wollte doch nur wissen, ob ich fit genug für den Auftrag war.

Natürlich hatte ich mir Medikamente besorgt, ich war schließlich keine Anfängerin.

»Danke, ja! Ich werde Miss Lukas morgen wie vereinbart aufsuchen«, sagte ich und lächelte weiter.

Wir hatten die Vorgehensweise schon besprochen. Charlotte Lukas war eine berühmte deutsche Künstlerin und Fotografin. Vor zwei Tagen war sie wegen unerlaubten Kokain-Besitzes festgenommen und in eines der berüchtigtsten Gefängnisse Südamerikas gesteckt worden. Juristische Unzulänglichkeiten lagen in diesem Fall zuhauf vor, allerdings auch gewisse Umstände, welche die Durchsetzung der prozessualen und eigentlich banalen, heute fast überall in den fortschrittlichen Ländern der Welt anerkannten Menschenrechte nicht ganz so einfach gestalteten.

»Señor Cinco wird Sie morgen um neun Uhr abholen. Ich denke, er ist eine gute Wahl. So kurzfristig konnte ich nur diesen einen Guide für Ihren Aufenthalt in San Pedro beauftragen. Also ist er auch unsere einzige Wahl. Es tut mir leid, Miss Prince, ich hätte Ihnen gern eine höhere Sicherheit zur Verfügung gestellt, aber offensichtlich befinden wir uns in einer außergewöhnlich seltenen Situation unter außergewöhnlich seltenen Umständen.«

Ja, das war nichts Neues. Im Grunde waren die Situationen, in denen ich meine Aufträge zu erfüllen hatte, immer außergewöhnlich. Diesmal jedoch handelte es sich tatsächlich um eine Seltenheit. Die deutsche Künstlerin war nach San Pedro gebracht worden, einem weltweit einzigartigen Gefängnis mitten in La Paz, der bolivianischen Hauptstadt. Ein Gefängnis ohne Wärter. Ohne Prozess. Ohne Anhörung. Ohne Rechtsbeistand.

Von den internationalen Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen, denen der bolivianische Staat zweifelsohne angehört, hatte man dort noch nie etwas gehört oder bemühte sich zumindest, sie demonstrativ zu ignorieren. Ebenso wenig von etwas wie einer Unschuldsvermutung oder rechtlichem Gehör. Es war zum Kotzen. Ein Verdächtiger galt grundsätzlich so lange als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen war. Aber nein, nicht in Bolivien, wenn es um den Besitz von Kokain ging, seit man auf Druck der USA der internationalen Drogenkriminalität den Kampf angesagt hatte.

»Das ist kein Problem«, mischte sich Geordan ein, nickte aber sogleich in die Kamera, was hieß, dass ich weiterreden sollte.

»Sie müssen sich nicht bei mir entschuldigen, Mister van Rensselaer. Wegen dieser außergewöhnlichen Umstände haben Sie sich an mich gewandt, richtig?«

Mir war nicht nach fishing for compliments, aber ich wollte ihm nochmals verdeutlichen, dass ich sein Geld wert war. Außerdem gehörte das Säbelrasseln für Geordan unabdingbar zum Geschäft. Tu Gutes und rede darüber! Jeder muss wissen, dass wir die Besten sind! Seine Worte, nicht meine.

»Sie sind die Beste, sagte man mir.« Bei van Rensselaer war unser Slogan schon mal angekommen.

»Das ist richtig«, bestätigte ich seine Aussage und kam dann zum Wesentlichen. »Charlotte Lukas dürfte gar nicht in San Pedro sein. Dort werden normalerweise nur Männer inhaftiert, und das unter schlimmsten Bedingungen. Es wird Zeit, dass den Bolivianern endlich mal jemand den Kopf geraderückt. Ich werde mich morgen bei Ihnen melden, wenn ich zurück bin. Danke für die Organisation des Guides.«

»Ich werde Sie unterstützen, wo ich kann. Haben Sie das Geld?«

»Hab’ ich.«

Dieses Mal nickte van Rensselaer.

Offensichtlichkeiten.

Bestechungsgeld für die Wärter von Charlotte Lukas. Dreißigtausend Boliviano, umgerechnet nicht mal viertausend Pfund Sterling. Kein Grund, darüber zu reden.

»Lassen Sie mich wissen, wenn Sie mehr brauchen. An monetären Mitteln soll es nicht scheitern.«

»Danke, das ist hilfreich.« Die genannte Summe entsprach mehr als dem Zehnfachen des Monatsverdienstes eines durchschnittlichen Bolivianers. Für den Anfang war es mehr als genug, um nach San Pedro überhaupt hineinzugelangen.

»Die behördlichen Genehmigungen und die des Direktors liegen bereits vor. Es war überraschend einfach, die Formalitäten zu klären. Miss Prince’ persönliche Assistentin hat alle erforderlichen Schriftsätze innerhalb eines Vormittages besorgt.«

Warum laberte Geordan so viel? Was war nur mit ihm los, dass er mir nicht vertraute?

»Nichts anderes habe ich erwartet, Miss Prince. Sie sollten morgen unbedingt noch die deutsche Botschaft in La Paz aufsuchen. Ich kümmere mich um den Termin.«

Van Rensselaer strich erneut über sein Kinn und ich fragte mich, weshalb er so viel Aufwand betrieb. Er war der Mandant, die Durchführung des Auftrags konnte ihm egal sein. Und warum legte er sich für diese Charlotte Lukas so ins Zeug? Sie sollte für ihn nur ein paar Fotos von irgendwelchen Tieren knipsen. Mehr nicht. Oder steckte mehr dahinter?

Na ja, was wusste ich schon?!

Vielleicht führten sich passionierte Kunstliebhaber so auf, Milliardäre im Besonderen. Möglicherweise hatten die beiden auch ein Verhältnis. Und selbst wenn. Was ging es mich an? Alles, was zählte, waren die Freilassung dieser Fotografin und eine pünktliche Zahlung meines Honorars. Punkt.

Trotzdem schlotterten mir die Knie, als ich mich von unserem Mandanten und Geordan mit ein paar warmen Floskeln verabschiedete. Gefängnisse per se machten mir keine Angst. Nicht einmal die heruntergekommenen Betonställe am Arsch der Welt. Der Umgang mit abgefuckten Kerlen, die sich wie Diktatoren fühlten, gehörte zu meinem Job. Aber San Pedro war eine Nummer für sich. Die Stadt der Gefangenen hieß das Gefängnis im Volksmund, weil es ein von der Außenwelt abgeschotteter Mikrokosmos mit nur einem Gesetz war – dem Gesetz des Stärkeren. Eine eigene soziale Welt innerhalb der Mauern. Die Polizei und Justiz blieben draußen. Der Knast wurde von den Insassen geführt und selbst verwaltet. Was bedeutete, dass die Stärksten und Korruptesten und Abgebrühtesten von ihnen das Sagen hatten. Wer sie bezahlen konnte, hatte eine Chance zu überleben. Wer nicht, musste sich bemühen, ein anerkanntes Mitglied dieser außergewöhnlichen Gemeinschaft zu sein. Hinter den Mauern dieses Gefängnisses ging es nicht um Buße oder Resozialisierung, sondern um die nackte Existenz. Offiziell war das natürlich komplett anders. Es gab Schulen, Werkstätten, Büchereien und sogar Kindergärten, denn nicht selten lebten die Familien der Gefangenen ebenfalls dort. Die Frauen und Kinder konnten sich frei bewegen, das Gelände nach Belieben betreten oder verlassen. Aber das war Bullshit. Wer raus und rein durfte, wer starb oder am Leben blieb, bestimmten die Bosse in San Pedro. Schwere Jungs, die sich mit Geld, Angst und Gewalt an die Spitze der Knast-Hierarchie hochgearbeitet hatten. Sie lebten dort wie die Fürsten und finanzierten ihr pompöses Leben mit einem privaten Drogenlabor und jeder Menge Schmiergeld.

Und an denen musste ich morgen vorbei. Mit diesen Wichsern musste ich verhandeln … über das ungewisse Schicksal einer Frau, die in dieser Sekunde höchstwahrscheinlich Todesängste ausstand.

ZWEI

»Wenn dunkle Magie dich einfängt …«

Velvety Prince – toughe Anwältin, mutige Frau mit einer Schwäche für einen geheimnisvollen Mann

Hatte allein der Gedanke an dieses überdimensionale Scheißhaus meine Knie bereits schlottern lassen, übertraf die Realität meine Befürchtungen um ein Vielfaches.

San Pedro lag tatsächlich im Zentrum in der Stadt. Ein maroder Betonklotz inmitten einer im Aufschwung befindlichen, im Übrigen sehr pittoresken Millionenmetropole. Mit einem einzigen Schritt überwand man die Barriere von Urlaub in den Anden zu Chaos und Kriminalität. Ein schmaler Eingang führte durch die Mauern, dunkel und feucht verschluckte er den ankommenden Besucher. Raus aus der Zivilisation, weg von allem, was normal war, hinein in eine Welt der Anarchie und Resignation.

Van Rensselaer hatte einen Guide engagiert, einen freundlichen jungen Mann, der mir auf der Taxifahrt vom Hotel hierher freudestrahlend eine Menge touristischer Sehenswürdigkeiten präsentierte. Ob er allerdings für die Bewältigung der bevorstehenden Aufgabe geeignet war, bezweifelte ich. Mir war nicht entgangen, wie er seine flachen Hände immer wieder an den Oberschenkeln abwischte und alle paar Minuten über seine Schulter blickte. Der nette Andres Cinco war sicher die perfekte Begleitung, wenn man etwas von den indigenen Urvölkern erfahren wollte, von den spanischen Einwanderern, und wahrscheinlich könnte er die Geschichte der Koka-Pflanze und deren ambivalenter Bedeutung für die Menschen des Landes rauf und runter rezitieren. Aber konnte er auch dafür sorgen, dass wir unbeschadet nach San Pedro hineingelangten und vor allem heil und gesund wieder heraus?

Ich war eigentlich keine furchtsame Schwarzmalerin, doch jetzt nagten durchaus berechtigte Zweifel an meinen Nerven.

»Señor Cinco, warten Sie bitte!« Er wollte gerade den Eingang passieren, vor dem zahlreiche Menschen standen, unter ihnen ebenso viele bewaffnete Polizisten und Militärs.

»Nur Andres, bitte!« Er blieb stehen und wandte sich mir zu.

»Gut, Andres. Was kann schlimmstenfalls passieren? Ich meine, die werden uns doch nicht einfach dortbehalten oder … umbringen oder so?«

Verdammt! Ich klang leider so ängstlich, wie ich mich fühlte.

»Nein, nein!«

Aha! Nun, ich wünschte mir, dass seine Antwort überzeugender geklungen hätte. Entweder war er naiv oder ich neurotisch.

Andres bemerkte meine Unsicherheit. »Miss, keine Sorge! Sie haben das Geld, richtig?«

Ich ruckelte an dem Griff meiner Handtasche, die ich mit beiden Händen fest umschlang.

»Sie sind die Freundin! Verstehen Sie? Freundin!« Andres trat dicht an mich heran. »Sagen Sie denen bloß nicht, dass Charlotte Lukas Ihre Mandantin ist. Wenn die Wind davon bekommen, dass eine Menschenrechtsanwältin in ihrem Laden herumschnüffelt, kann ich für nichts garantieren. Also verplappern Sie sich bloß nicht!«

»Jaja! Natürlich. Ich bin nur eine Freundin!« Die Show hatte ich schon öfter abgeliefert. Manchmal war es besser tiefzustapeln, vor allem als Frau. Mir war klar, dass ich hier nicht die toughe Lady mimen konnte. Jedenfalls nicht gegenüber den Wachen am Eingang. Erfahrungsgemäß waren das dumme Kerle, die von Frauen nicht mehr erwarteten, als was Anständiges zu essen, einen guten Fick … und bisweilen ein paar Scheine.

Seufzend marschierte ich mit Andres zum Eingang. Die Männer in Uniform beäugten uns skeptisch, ließen ihre Knarren jedoch im Halfter. Gut so! Bis jetzt lief alles nach Plan. Auf dem Weg hierher hatte ich mit Andres besprochen, wie wir vorgehen würden. Der Plan beruhte auf meinen Erfahrungen und seinem Wissen um die Bestechlichkeit eines jeden Offiziellen in Bolivien. Er hatte behauptet, selbst Polizei und Militär wären nahezu vollständig korrupt. Na ja, auch das war leider keine regionale Besonderheit. Selbst wenn die Vorstellung erschreckend war, kam dieser Umstand mir doch gelegen. Denn solange die Menschen bestechlich waren, würden wir sie bezahlen und bekommen, was wir wollten. Ein einfacher Deal.

Die Männer vor der Mauer hatten uns nicht aufgehalten. Das war gut, sonst wären die ersten zehntausend Boliviano schon weg gewesen.

Wir passierten den Eingang. Eine düstere Schlucht in der meterdicken Mauer, die bis zu einer Schleuse führte, hinter der die fremde Galaxie begann. Dort standen sechs Wärter, deren Gespräch abrupt verstummte. Alle Augen waren auf uns … Korrektur: auf mich gerichtet. Natürlich! Zwar hatte ich mein Outfit subtil gewählt. Eine dunkelblaue, nicht zu enge Jeans, ein schwarzer Rollkragenpullover und Lederstiefel mit flachen Absätzen. Also hey, absolut nichts Extravagantes. Doch Gefängniswärter waren letztlich überall gleich. Männer eben, die in ihrem Job nur selten Frauen zu Gesicht bekamen. Und wenn, dann erfahrungsgemäß weinende Geschöpfe, besorgte Mütter oder aber aufgetakelte Gattinnen der bösen Jungs, die absolut tabu waren.

Ich gehörte in keine dieser Kategorien, weshalb mich die Kerle selbst im Kartoffelsack angestarrt hätten, als wäre ich gerade aus einem Raumschiff gestiegen. Zudem konnte ich ein Detail, was mich hier von allen anderen abhob, nicht verbergen, und zwar mein blondes Haar. Klar, ich hätte ein Kopftuch tragen können, aber so eine Verhüllung machte Wärter in der Regel nur skeptisch. Außerdem konnte ich gegen das zweite wichtige Detail definitiv nichts ausrichten. Meine Größe. Ich überragte die meisten Südamerikaner um gut einen Kopf. Kurzum: Es war kein Wunder, dass die Kerle mich mit einer Mischung aus Neugier, Misstrauen und Geilheit anstarrten.

Andres sprach mit ihnen. Ich hielt die Klappe und die Knarren der sechs Wärter im Blick. Auch sie trugen schwere Bewaffnung, als rechneten sie jederzeit mit einem Anschlag oder Ausbruch.

Ich konzentrierte mich darauf, was Andres sagte, aber ich verstand kein Wort. Es war kein Spanisch, das sie miteinander sprachen. Er hielt mir seine offene Hand entgegen, ich drückte ihm den Umschlag hinein, er gab ihn weiter, und nach nur zwei Minuten spuckte uns die Schleuse in die fremde Galaxie.

Das typische Surren ertönte. Wir traten durch ein geöffnetes Gitter, das mich daran erinnerte, in einem Gefängnis zu sein. Das war aber auch schon alles. Die Wärter folgten uns nicht, sie durften den Bereich nicht betreten. Kaum waren wir auf der anderen Seite, schwoll hinter uns lautes Stimmengewirr an.

»Quechua«, erklärte Andres ungefragt. »Eine der Amtssprachen in Bolivien. Die meisten sprechen es hier und viele bestehen darauf.«

Deshalb hatte ich nichts verstanden. Diese indigene Amtssprache unterschied sich massiv vom Spanisch der einstigen Kolonialherren. Ich konnte nachvollziehen, weshalb die südamerikanischen Ureinwohner darauf bestanden, wenngleich diese Tatsache meine Situation – oder besser gesagt die von Charlotte Lukas – keinesfalls besser machte. Kommunikation war das A und O in meinem Job. Also hoffte ich, dass wenigstens der Big Boss kein allzu eifriger Patriot war.

Vor uns tat sich ein Areal auf, das alles in allem nicht größer als ein Fußballstadion war. Es gab eine kleine Kirche, die halbwegs intakt schien. Links und rechts weitere Gebäude, deren Fassaden bröckelten und deren Fenster zum Teil eingeschlagen und mit Holzbrettern vernagelt waren. Dazwischen ungepflegte Rasenflächen, wacklige Basketballkörbe und Bänke, auf denen Menschen saßen, rauchten oder sich unterhielten. Eine Gruppe Kinder spielte lärmend mit einem abgewetzten Fußball. Über unseren Köpfen verliefen Stromkabel von einem maroden Gebäude zum anderen, dilettantisch installiert. Daneben gespannte Wäscheleinen mit Kleidung in diversen Größen. Nichts hier erinnerte an ein Gefängnis, ich kam mir vor wie in einem Armenviertel, einem typischen Ghetto abseits der City.

Mit langen Schritten überquerten wir den Innenhof. Andres lief zielstrebig auf einen dunklen Eingang zu, hinter dem eine schmale Treppe ins obere Geschoss führte. Es roch modrig, die Stufen waren abgewetzt, der folgende Flur so eng, dass wir hintereinander laufen mussten. Ich fragte mich, woher Andres den Weg so genau kannte, und revidierte meine anfängliche Meinung, dass er für dieses Abenteuer nicht taugen würde. Er zögerte nicht, durchschritt souverän die erste Tür und betrat vor mir einen Raum, der wohl das Büro des Gefängnisbosses war.

Uns empfing rege Geschäftigkeit. Zwei Schreibtische standen nebeneinander. An einem saß ein großer Mann mit grimmigem Blick und tätowiert bis an die Kinnkante. Er war noch nicht alt, höchstens Mitte zwanzig, aber zweifelsohne der Chef dieses seltsamen Etablissements. Hinter ihm ragten stählerne und an vielen Stellen rostende Aktenschränke bis unter die Decke, auf seinem Schreibtisch lagen lose Zettel verteilt, darauf eine Knarre.

Obwohl er gerade in eine hitzige Diskussion mit einigen Männern eingebunden zu sein schien, blickte er zu mir, sobald ich den Raum hinter Andres betreten hatte. Das Gespräch verstummte. Alle Geräusche verstummten. Sämtlich Augen waren auf mich gerichtet. Schon wieder.

»Die Anwältin!« Übertrieben galant erhob sich der Boss von seinem Stuhl und streckte mir die rechte Hand entgegen – Andres betont ignorierend. Er wusste also, dass ich Anwältin war. Die Freundin-Nummer konnte ich mir also schenken.

Ich nahm die Begrüßung entgegen und registrierte seine enorme Größe. Gut, dieser Mann erntete schon allein mit seiner imposanten Erscheinung den nötigen Respekt.

»Velvety Prince.«

»Ich weiß, wer Sie sind.«

Natürlich! Ein Mann wie er überließ nichts dem Zufall. Und er sprach Spanisch. Die Kommunikation funktionierte also. Prima!

»Tomas Mamani. Es ist mir eine Ehre.« Er hielt noch immer meine Hand und war sich seiner Autorität mehr als bewusst. Ein süffisantes Lächeln lag in seinem Mundwinkel.

»Ich bin hier, um mit Charlotte Lukas zu sprechen.« Sein überhebliches Auftreten überging ich und startete spontan Plan B.

Langsam glitt seine Hand aus meiner. Mamani musterte mich eine Weile und tat dann ahnungslos. »Wer soll das sein? Eine Frau mit diesem Namen gibt es hier nicht.«

Im ersten Moment wurde mir kalt. Dann erhitzte die aufsteigende Wut meine Wangen. »Señor Mamani, halten Sie mich bitte nicht für eine Närrin! Ich schlage vor, wir verschwenden hier nicht gegenseitig unsere Zeit und …«

»Jaja, schon gut.« Er lächelte immer noch.

Ein Mann der Spielchen! Super!

Während Mamani nach dem Hörer seines Telefons griff, holte ich den Umschlag aus meiner Tasche und legte ihn auf den Tisch. Darin befanden sich zehntausend Boliviano, jene Summe, die im Vorfeld vereinbart worden war.

---ENDE DER LESEPROBE---