Der Mörder von Wien - Adelhard Winzer - E-Book

Der Mörder von Wien E-Book

Adelhard Winzer

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Beschreibung

Hier bekommen die Wörter ihre wahre Bedeutung zurück. Die Wolken. Der Wind. Der Himmel. Die Erde. Das Meer und das Licht. Die Finsternis. Wörter und Sätze und ihre Assoziationsfähigkeit. Das Psychogramm eines Mörders. Geschrieben zu Hause, vor dem Fernsehgerät, unterwegs, beim Radiohören, Zeitunglesen, morgens, abends, beim Erwachen. Dies ist kein Krimi im herkömmlichen Sinn, sondern ein in Worte gefasster, spontaner Befreiungsschlag. Denn der Mörder von Wien steckt in jedem Menschen. Dieses Buch will nichts beweisen, nicht gescheiter sein als andere, verbirgt seine Schwächen nicht, lässt offen, was offen bleibt und dabei abgeschlossen erscheint.

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Hier bekommen die Wörter ihre wahre Bedeutung zurück. Die Wolken. Der Wind. Der Himmel. Die Erde. Das Meer und das Licht. Die Finsternis. Wörter und Sätze und ihre Assoziationsfähigkeit. Das Psychogramm eines Mörders. Geschrieben zu Hause, vor dem Fernsehgerät, unterwegs, beim Radiohören, Zeitunglesen, morgens, abends. beim Erwachen.

Dies ist kein Krimi im herkömmlichen Sinn, sondern ein in Worte gefasster, spontaner Befreiungsschlag. Denn der Mörder von Wien steckt in jedem Menschen. Dieses Buch will nichts beweisen, nicht gescheiter sein als andere, verbirgt seine Schwächen nicht, lässt offen, was offen bleibt und dabei abgeschlossen erscheint.

Adelhard Winzer, geboren in Karlshuld, Donaumoos, lebt heute im Chiemgau. Erlernte das Bäckerhandwerk. Spielte mit sechzehn in der ersten Band. War Discjockey und als Berufsmusiker in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Veröffentlichte ein Kinderbuch. Arbeitete in einer Großbank. Wurde zur Lesung in den Grünen Salon der Volksbühne Berlin eingeladen. Belegte den dritten Platz beim Fränkischen Kurzgeschichtenpreis. Widmete sich, nach dem Eintritt ins Pensionsalter, endgültig dem Schreiben und Zeichnen.

ES IST GEFÄHRLICH, DEM MENSCHEN ZU EINDRINGLICH VOR AUGEN ZU FÜHREN, WIE SEHR ER DEN TIEREN GLEICHT, OHNE IHM SEINE GRÖSSE ZU ZEIGEN. UND ES IST WEITER GEFÄHRLICH, IHM ZU EINDRINGLICH SEINE GRÖSSE OHNE SEINE NIEDRIGKEIT VOR AUGEN ZU FÜHREN. ES IST NOCH GEFÄHRLICHER, IHN IN UNKENNTNIS DES EINEN UND DES ANDEREN ZU LASSEN, ABER ES IST SEHR VORTEILHAFT, IHM DAS EINE UND DAS ANDERE DARZULEGEN. DER MENSCH SOLL NICHT GLAUBEN, ER GLEICHE DEN TIEREN ODER DEN ENGELN, ER SOLL AUCH NICHT IN UNKENNTNIS DES EINEN UND DES ANDEREN SEIN, SONDERN BEIDES WISSEN. / BLAISE PASCAL

Inhaltsverzeichnis

GEWISSENSERFORSCHUNG

DAS TREFFEN

ZWANGSJACKEN

UNVOLLENDETE GESCHICH-TEN

DIE ZEHN GEBOTE

DER ZETTEL

ALLEIN UNTER MENSCHEN

AUF DEM PHILOSOPHENWEG

DIE VATERROLLE

VORSATZ

HANDBUCH ZUM GLÜCK

DER KRITIKER

DIE WAHRHEIT

NICHT ZU ENDE GEDACHTE

DEUTSCHSTUNDE

AUFKLÄRUNG

FRAGE

VERBESSERUNG

BEWEISE

DAS FALSCHE WORT

LIEBE

NOCH EIN BEWEIS

ERTAPPT

DIE NEUEN WÖRTER

UNTER STÄNDIGER BEOBACH-

WEITER

VERHÖR

EINMALEINS

EUPHEMISTEN

ZUKUNFT

WAS DER GEFANGENE DENKT

FRAGEN

VERHÖR

DIE ANTWORT

GRUPPENZWANG

NOCH EIN BEWEIS

GELASSENHEIT

GERÄUSCHE IN DER NACHT

FREMDE WÖRTER

ANZEIGE

WEGWEISER

UNBERECHENBAR

CHARAKTER

KRITIKER

KUNSTMEILE

KANNST

EINE FREUDE

KINO

SCHULE

ERST DENKEN, DANN REDEN!

FEUER UND FLAMME

BESÄNFTIGUNG

NEUJAHR

EINWEGGEDANKEN

MILLIARDENMÖRDER

DER SCHWUR

WAS WICHTIG WÄRE

BEWEISE

GEGENÜBERSTELLUNG

FORTSETZUNG

NACHTRAG

MEMENTO

FUSSBALL

DER WEG ZURÜCK

GEHEIMZAHL

GRENZGÄNGER

FORTSETZUNG

DAS WORT

NOCH EIN BEWEIS

AUFGABE

HERAUSFORDERUNG

BEWEISE

FRAGEBOGEN

KLAGEMAUER

GEBROCHENES DEUTSCH

VERGANGENHEIT

SCHULZEIT

STRAFARBEIT

BLINDES VERTRAUEN

GITARRENMUSIK

DIE NACHFOLGENDE STILLE

ERKLÄRUNG

LEBENSUNTERHALT

DIE WAHRHEIT

BEGIERDE

UND DIE KUNSTMEILE

HAUPTSÄTZE

NEBENSÄTZE

DER GORDISCHE KNOTEN

LIEBE

IM TURM

DIE LÜGE

DAS LEBEN

DIE ZEITUNG

DIE BEICHTE

DER SPRINGENDE PUNKT

KOPFKINO

STEINIGUNG

ERBSÜNDE

DAS VERSTECK

DER WEG ZURÜCK

GEWISSENSERFORSCHUNG –

Ich habe die Bedienung meines Stammlokals umgebracht, weil sie so spöttisch an mir vorbeigegangen ist.

Ich habe die Lebensversicherung umgebracht, weil sie das Leben der Menschen umgebracht hat.

Ich habe den Priester umgebracht, der uns mit seinem Glauben umgebracht hat.

Ich habe den Rasenmäher umgebracht, der zur Mittagszeit den Rasen gemäht hat.

Ich habe den Oberbürgermeister umgebracht, der seinen Kontrahenten umgebracht hat.

Ich habe den Künstler umgebracht, der anderen Künstlern den Weg versperrt hat.

Ich habe den Mitarbeiter umgebracht, der mir nichts als Ärger gebracht hat.

Ich habe den Nachbarn umgebracht, der mir den Weg zur Garage versperrt hat.

Ich habe Wörter und Worte umgebracht, bei denen ich nicht wusste, sind es Wörter oder Worte?

Ich habe die Frau umgebracht, die mich betrogen hat.

Ich habe den Schiedsrichter umgebracht, der den Elfmeter nicht gepfiffen hat.

Ich habe ohne Grund den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika umgebracht.

Ich habe alle Leute umgebracht, die auf ihre Handys gestarrt haben.

Ich habe den Stammtischbruder umgebracht, der seinen Hund geküsst hat.

Ich habe alle Hunde umgebracht, die mir über den Weg gelaufen sind.

Ich habe den Präsidenten der EZB umgebracht, weil er den Leitzins nicht gesenkt hat.

Ich habe den Milliardär umgebracht.

Ich habe die Frau umgebracht, die geschrien hat: Oh, mein Gott!

Ich habe den Wirtschaftsminister umgebracht.

Ich habe den Diktator umgebracht.

Ich habe die Kinder des Diktators umgebracht.

Ich habe die ganze Familie des Diktators umgebracht.

Ich bin nicht der Mörder von Wien!

Ich habe notiert, was mir heute durch den Kopf gegangen ist.

DAS TREFFEN –

Muggenthaler, wer ist das? Ein blöder Hund. Gehört auch zu den Jungen, denen alles egal ist. Die Schulden haben über Schulden. Auch der Muggenthaler? Nein, der kommt aus der Schweiz.

Der Alte mit der zerfransten Hose wackelt durch den Biergarten. Wie alt ist er? Wo kommt er her? Die Gäste wissen alles. Ja, genau! Bei so einem Schülertreffen kommt viel zutage. Vor allem, was seinerzeit nicht hätte sein dürfen!

Johannes: Früher haben alle Hansi zu ihm gesagt. Jetzt muss man aber Hans sagen. Nein, den Hansi gibt es nicht mehr!

Die Angeber wollten ein Haus bauen, größer und schöner als alle anderen. Nach dem Rohbau ist ihnen das Geld ausgegangen. Jetzt steht nur noch so ein Gerüst in der Landschaft.

ZWANGSJACKEN –

Gefangene ihrer Firma. Gefangene ihres Vereins. Gefangene ihrer Prinzipien. Gefangene ihrer Religion. Gefangene ihrer Titel. Gefangene ihrer Vergangenheit. Gefangene ihrer Zukunft. Zwangsjacken ihres Lebens.

Wären die Menschen untereinander so liebevoll, wie sie mit ihren Autos umgehen. Was wäre dann?

Ein unermesslicher Raum? (Universum).

Eine schön anmutende Frau mit einer Männerstimme.

Die neue Zeit: Frauen allein (ohne Männer).

Zielbewusst durch eine Buchhandlung schlendern.

UNVOLLENDETE GESCHICHTEN –

Ich hatte eine Freundin, aber schon lange nichts mehr von ihr gehört. Kein Rückruf, keine E-Mail. Ich schaute ins Internet, in dem man alles finden kann (auch das, was niemanden interessiert). Dabei entdeckte ich die Todesanzeige – mit ihrem Namen! Ich war bestürzt, sah aber, dass das Geburtsdatum darin nicht stimmte. Ich rief nochmal an. Doch sie meldete sich nicht. Niemand meldete sich. Nur das Freizeichen war zu hören. Keine Anrufbeantworterstimme. Auch nicht der allseits bekannte Spruch: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“

Er grüßt nicht, schaut an dir vorbei. Hat eine Fahnenstange vor dem Haus, mit einer lockeren Schnur daran, die, wenn der Wind weht, Tag und Nacht gegen die Stange schnalzt, sodass die Nachbarin nicht schlafen kann. Beschwert man sich, behauptet seine Frau das Gegenteil, während er durch den Hof stolziert wie ein Großgrundbesitzer, rotzt und spuckt dabei, dass einem speiübel wird. Eklektiker? (Jemand, der keine eigenen Ideen entwickelt, sich nur mit Gedanken und Stilelementen anderer schmückt.)

Er war total besoffen, redete ohne Unterlass, war der personifizierte Drecksack, sodass man nicht wusste, soll man jetzt schweigen oder nicht? Schweigen fällt einem heutzutage so schwer.

DIE ZEHN GEBOTE –

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Verboten!

Eigentlich war alles in Ordnung. Dann kam der hinterlistige Kerl daher und warf alles über den Haufen.

Menschen allein. Menschen zu zweit. Menschen in Gruppen. Menschen, die alles besser wissen. Menschen, die sich selbst erniedrigen. Menschen, die nicht miteinander reden. Menschen, die sich lieben. Menschen, die sich hassen. Menschen allein am Rand des Abgrunds.

Kritiker, schreib endlich das Buch, das besser ist als alle Bücher, die du bislang kritisiert hast!

Die neuen Verbrecher reden sehr schnell, verschlucken drei Silben auf einmal (als wären sie nicht von hier), sodass du dich dabei ein bisschen schuldig fühlst. Bis du die gepfefferte Antwort erhältst dafür.

DER ZETTEL –

Eine Frau ging allein am Waldrand entlang. Sie hörte von Weitem eine Stimme. Bemerkte schließlich einen kränklichen Mann, der auf einer Bank mit geschlossenen Augen laut vor sich hin sprach: „Ich liebe meinen Körper. Er ist mein bester Freund. Die unendliche Intelligenz in mir heilt jetzt alle Wunden. Der Schmerz und die giftigen Stoffe verschwinden. Heilung tritt ein, Heilung für meinen Körper. Und ich bin frei!“ Als sie weiterging, war sie in Gedanken bei dem Mann. Nach ihrer Rückkehr saß er immer noch auf der Bank und rezitierte einen anderen Spruch: „Ich bin jung. Ich bin schön. Ich bin reich. Ich bin sexy. Ich bin groß. Ich bin stark. Ich bin einmalig!“ Die Frau tippte JUNG – SCHÖN – REICH – SEXY – GROSS – STARK – EINMALIG in ihr Handy. Schrieb zu Hause den gesamten Text auf einen Zettel und hängte ihn an ihren Toilettenspiegel.

Ein Mann stieg im Bierzelt auf einen Tisch, hielt mit ausgestrecktem Arm seinen Bierkrug in die Höhe, lächelte in die Runde, streckte den zweiten Arm auch noch aus und rief: EIN PROSIT DER GEMÜTLICH… als er das Messer in den Rücken bekam.

Der alte Schauspieler muss nicht mehr spielen, kann wieder sein, wie er war. Vorausgesetzt, dass er noch ein paar Eigenheiten beibehalten hat.

Im Traum: Ein frisch operierter Patient, breitbeinig vor einer Klinik hin und her schwankend.

Das Leben ist gewöhnungsbedürftig. Man darf nicht aufgeben. Egal, was auch geschieht.

Sie lächelte einem Fremden zu, mehr nicht. Ihr Freund benahm sich daraufhin, als hätte sie ein Verbrechen begangen. Sie lächelte einem Fremden zu.

Vorwurf: Er bezahlte das Benzin. Übernachtung. Trinkgeld. Was noch? Eigentlich die ganze Reise!

Ein zufriedener Mensch?

Was gäbe es Schöneres auf der Welt!

Die Liebe?

ALLEIN UNTER MENSCHEN –

Ein Mann mit Schnurrbart, dem keiner traut.

Ob jung oder alt, er sieht in jedem einen Dummkopf, Rivalen oder Feind.

Mit einem Wort ein Wort erklären.

Man glaubt immer nur das, was es nicht ist.

Kein Lächeln, kein Dank für das, was er für sie getan hat.

Sie hat nur spöttisch gelacht.

AUF DEM PHILOSOPHENWEG –

Er fühlte sich wie zu Hause. Die Umgebung erschien ihm plötzlich so, als wäre er schon einmal hier gewesen.

Lebensfreude, vollkommenes Glück!

Der Alte behauptete, er habe in seinem Leben sechstausend Bücher gelesen, sei aber kein großer Leser gewesen.

Die großkotzige Spende des Milliardärs für eine Behindertenschule rechtfertigt nicht das Ausspionieren der Menschen.

Alles tut ihm weh, wenn er an ihn denkt.

Die Sprache als Waffe.

Das abgelutschte Wort:

Fulminant!

Grandios!

Gigantisch!

DIE VATERROLLE –

Der Vater fragte, magst du keine Bratheringe? Der Junge wusste nicht, was er antworten sollte, weil er keine Bratheringe mochte. Worauf er gefragt wurde, interessiert dich im Fernsehen nicht das Eishockeyländerspiel Deutschland gegen Russland? Er wusste nicht, dass es dabei um die Weltmeisterschaft ging, er wusste nur, dass der Vater ein großer Fußballnarr war. Wieso interessierte er sich dann für Eishockey?