Die drei ??? und der rote Büffel (drei Fragezeichen) - André Marx - E-Book

Die drei ??? und der rote Büffel (drei Fragezeichen) E-Book

André Marx

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Beschreibung

Ein neuer Kriminalfall für die beliebten Detektive aus Rocky Beach. "Der rote Büffel" ist weg! Alba findet auf einer Kassette eine Nachricht ihres verstorbenen Vaters. Sie ist überrascht, da sie ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. In seiner Nachricht bitter er Alba, ein wertvolles Gemälde zu retten. Wo könnte sie es finden? Sie braucht Hilfe bei ihren Nachforschungen und wendet sich an Justus, Peter und Bob. Die drei ??? sind sofort begeistert dabei. Schnell stecken sie in einem neuen Fall, der eine ungeahnte Wendung nimmt. Während ihrer Ermittlungen stoßen sie auf Namen, die ihnen bekannt vorkommen. Wie verknüpfen sie die einzelnen Spuren? Was finden sie heraus?

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Titel

Die drei ??? und der rote Büffel

André Marx

KOSMOS

Impressum

Alle Angaben in diesem Buch erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen. Sorgfalt bei der Umsetzung ist indes dennoch geboten. Verlag und Autoren übernehmen keinerlei Haftung für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die aus der Anwendung der vorgestellten Materialien und Methoden entstehen könnten. Dabei müssen geltende rechtliche Bestimmungen und Vorschriften berücksichtigt und eingehalten werden.

Distanzierungserklärung

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Umschlagsabbildung: © Silvia Christoph, Berlin

© 2025, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG

Pfizerstraße 5–7, 70184 Stuttgart

kosmos.de/servicecenter

Alle Rechte vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

Based on characters by Robert Arthur.

ISBN 978-3-440-51201-2

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Übersicht

Cover

Titel

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Hauptteil

Die geheime Botschaft

Wie ein Comic-Bösewicht

Ein Geschäft mit Rubbish

Überfall!

Öl und Wachsmalkreide

California City

Le buffle rouge

Informationsquellen

Victor Hugenay

In Handschellen

Vorsicht, Hochspannung!

Das Haus der tosenden Wasser

Hinterher!

Links oder rechts?

Das Echo der Lawine

Komplizen

Übermorgen

Chapeau!

DIE GEHEIME BOTSCHAFT

»Hilfe!«

Justus Jonas zuckte zusammen. Da hatte eine Frau geschrien! Der Erste Detektiv der drei ??? hängte den Lötkolben, den er für die Reparatur eines Toasters gebraucht hatte, in die Halterung und verließ die Freiluftwerkstatt. Der Schrottplatz seines Onkels – oder besser das »Gebrauchtwarencenter T. Jonas« – war an diesem verregneten Nachmittag verlassen. Bei solchem Wetter war das nichts Ungewöhnliches. Selbst Tante Mathilda war nirgendwo zu sehen. Saß sie vielleicht im Haus und schaute einen ihrer Lieblingsfilme? War es bloß ein Filmschrei gewesen?

»Hiiilfeee!«

Nein, das kam von der Straße. Justus rannte quer über den Platz und verließ das Gelände durch das Tor. Da! Auf der anderen Straßenseite zerrte eine junge Frau verzweifelt am Riemen ihrer Handtasche. Ein Mann auf einem Motorrad hatte neben der Frau gestoppt. Er versuchte, ihr die Tasche zu entreißen.

Die Frau bemerkte Justus. »Hilf mir! Ich werde bestohlen!«

Justus sprintete hinüber. Jetzt bemerkte ihn der Motorradfahrer auch. Er ließ die Handtasche los und fuhr so rasant an, dass das Vorderrad kurz vom Asphalt abhob. An der nächsten Kreuzung bog er in weitem Bogen rechts ab. Ein roter MG kam ihm entgegen. Justus erschrak. Das war Peters Auto! Beide Fahrzeuge wichen einander aus. Das Motorrad geriet ins Schlingern, aber der Fahrer konnte es halten und schoss davon. Die Bremsen des MG quietschten. Der Wagen kam von der Straße ab und prallte mit verringerter Geschwindigkeit gegen einen Laternenpfahl. Die Motorhaube sprang auf und weißer Dampf zischte darunter hervor.

»Peter!« Justus wusste einen Augenblick lang nicht, ob er sich um die Frau kümmern oder zu seinem Freund rennen sollte. Doch da wurde die Fahrertür bereits aufgerissen und ein aufgebrachter Peter Shaw kletterte aus dem Wagen. »Verfluchter Mist!«, brüllte er. Körperlich schien er unversehrt zu sein.

Justus atmete auf und wandte sich der Frau zu. »Wie geht es Ihnen?«, fragte er besorgt. »Sind Sie verletzt?« Sie war einige Jahre älter als er, vielleicht Mitte oder Ende zwanzig, hatte kurzes, schwarzes Haar und trug einen Sommermantel.

»Nichts passiert«, keuchte sie. »Ich habe mich nur wahnsinnig erschrocken. Der Kerl kam plötzlich von hinten angerauscht und wollte mir die Tasche von der Schulter reißen. Aber ich habe nicht losgelassen.« Sie zitterte leicht und zog ihre Schultern hoch. »Danke, dass du gekommen bist.«

»Wissen Sie, wer das war, Mrs –«

»Ich bin Alba.« Sie reichte ihm die Hand. »Nein, ich habe keine Ahnung.«

Peter kam angelaufen. »Habt ihr das gesehen?«, fragte er aufgeregt. »Wisst ihr, wer das war?«

»Ein Unbekannter«, sagte Justus und erklärte seinem Freund, was vorgefallen war.

»Dieser Vollidiot! Der MG war gerade wieder richtig in Schuss. Ich habe so viel Zeit und Arbeit reingesteckt, und jetzt? Ein Riss im Kühler. Und Stoßstange und Motorhaube sind im Eimer. Das kann ich nicht allein reparieren. Der Typ muss mir den Schaden bezahlen. Wir müssen ihn finden. Der saß auf einer Honda. Nachtblau. Hast du das Kennzeichen erkannt?«

Justus schüttelte bedauernd den Kopf. »Dafür ging alles zu schnell. Aber es war ein kalifornisches Kennzeichen, da bin ich ziemlich sicher.«

»Ich habe noch einen großen Aufkleber gesehen. Batman. Also das Batman-Logo. Das müsste uns doch irgendwie weiterhelfen. Wir müssen den Kerl unbedingt finden.«

»Später, Peter«, bat Justus. »Alba, willst du die Polizei rufen? Ich wohne gleich da drüben beim Gebrauchtwarencenter. Es gehört meinem Onkel und meiner Tante. Du kannst auch ein Glas Wasser haben oder ich mache dir einen Kaffee, wenn du willst.«

Alba nickte dankbar. »Kaffee wäre gut. Ich stehe ganz schön unter Schock. Und außerdem wollte ich sowieso zu euch.«

Kurz darauf saßen sie mit zwei dampfenden Tassen Kaffee unter einer Überdachung in zwei gemütlichen Sesseln, während um sie herum leichter Nieselregen niederging. Peter wartete an der Straße auf Bob, damit dieser ihm mit dem MG half.

»Es tut mir so leid für deinen Freund und sein Auto«, sagte Alba und nahm dankbar einen ersten Schluck.  

»Das war ja nicht deine Schuld, sondern die des Hondafahrers. Kannst du dir einen Reim auf diesen Überfall machen? Hast du eine Idee, worauf der Täter es abgesehen hatte?« 

Alba schüttelte den Kopf. »Da brauchte vielleicht einfach jemand Geld und hat versucht, mich auszurauben. So was kann passieren, ich will mich davon nicht verrückt machen lassen.« Sie nahm einen weiteren Schluck und entspannte die Schultern. »Der Kaffee tut gut. Vielen Dank noch mal.«

»Wirst du den Vorfall der Polizei melden?«

»Das sollte ich wohl. Aber vorher kannst du mir eventuell bei etwas anderem helfen. Eine Freundin hat mir euer Geschäft empfohlen. Hier würde man alles finden, egal, was man sucht. Ich brauche etwas, womit ich das hier abspielen kann.« Sie kramte in ihrer Handtasche und zog einen kleinen schwarzen Gegenstand hervor, so groß wie eine Streichholzschachtel.

Justus wusste gleich, was es war. »Eine Kassette für ein Diktiergerät. Eine Mikrokassette, um genau zu sein.«

»Ich habe sie gewissermaßen geerbt. Aber ich konnte sie noch nicht abspielen, weil ich nicht wusste, wo ich ein passendes Gerät herkriegen soll. So was wird heutzutage nicht mehr verkauft.«

»Zumindest nicht neu«, gab Justus ihr recht. »In solchen Fällen ist es tatsächlich immer eine gute Idee, das Gebrauchtwarencenter Titus Jonas aufzusuchen. Wir haben so ziemlich alles. Auch Diktiergeräte. Einen Augenblick.« Justus verließ die Überdachung und ging zu einem wackligen Schrank, in dem verschiedenste Tonbandgeräte aufbewahrt wurden. Schnell hatte er gefunden, was er suchte. Er brachte Alba das Diktiergerät. »Bitte sehr.«

Alba war begeistert. »Danke! Äh … wäre es auch möglich, es einfach kurz auszuleihen? Ich möchte mir eigentlich nur einmal dieses Band anhören.«

»Klar, kein Problem.«

Alba trat ein paar Schritte zur Seite, war aber immer noch in Hörweite. An das Diktiergerät waren keine Kopfhörer angeschlossen, und obwohl Justus nicht lauschen wollte, kam er nicht umhin, mitzuhören.

Ein Mann sprach mit gebrochener, heiserer Stimme. Das Reden schien ihm schwerzufallen. »Meine liebe Alba, hier ist dein Vater.« Es folgte eine Pause, als hätte der Mann sich vorher nicht genau überlegt, was er sagen wollte. »Ich hätte mir gewünscht, dich noch einmal zu sehen, bevor … bevor es zu Ende geht mit mir. Es sind zwanzig Jahre vergangen. Es tut mir so leid, Alba. Ich weiß, ich kann nichts wiedergutmachen. Die verlorenen Jahre sind unwiederbringlich. Du sollst wissen, dass ich immer an dich gedacht habe. Aber ich konnte dir kein Vater sein. Bitte verzeih mir.«

Alba stoppte das Bandgerät. Sie sog die Luft ein, blickte in den wolkenverhangenen Himmel und schien mit den Tränen zu kämpfen. Justus war es unangenehm, diese sehr private Botschaft mitzubekommen. Er tat so, als würde er die alten Aschenbecher in einem Regal neu sortieren.

Nach ein paar Sekunden hatte Alba sich gefasst und setzte die Wiedergabe fort. »Ich habe eine wichtige Botschaft für dich, die dein Leben verändern wird. Ich spreche sie in dieses alte Ding von einem meiner Zellenbrüder und hoffe, dass die Wärter sich nicht die Mühe machen, ein Abspielgerät zu suchen, um meine Nachricht zu prüfen. Also, hör zu. Der rote Büffel. Der Fortunard. Du musst ihn finden und retten. Sonst tut es früher oder später jemand anderes und dann ist er für immer verloren.«

Justus wurde hellhörig. Der rote Büffel? Fortunard?

»Wenn ich sonst schon nichts für dich tun konnte in deinem Leben, sollst du wenigstens den roten Büffel haben. Er befindet sich nicht im Mandeville Canyon, wie alle glauben. Ich werde dir nicht nur dieses Tonband zukommen lassen, sondern auch einen Schlüssel. Fahr damit nach Kalifor–«

Wieder stoppte Alba. Diesmal gelang es ihr nicht, die Tränen zurückzuhalten. Sie schluchzte, zog ein Taschentuch aus der Manteltasche und schnäuzte sich lautstark.

Es war unmöglich für Justus, weiterhin so zu tun, als würde er nichts mitbekommen. »Ist alles in Ordnung?«, fragte er.

»Ja, ja, ich … Verzeihung. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so mitnehmen würde. Die Kassette ist von meinem Vater, weißt du. Ich habe ihn zwar seit zwanzig Jahren nicht gesehen, aber …« Sie brach ab. »Er ist gestorben«, fuhr sie nach kurzer Pause fort. »Vor ein paar Wochen. Ich wusste nicht einmal, dass er noch lebte.«

»Das tut mir sehr leid.«

Alba winkte ab, wischte sich die Augen trocken und steckte das Taschentuch entschlossen wieder ein. »Schon gut. Ich kann mich ja kaum an ihn erinnern und habe mich schon vor langer Zeit von ihm verabschiedet. Gedanklich, meine ich. Verzeihung, das willst du alles gar nicht hören.«

»Schon gut«, sagte Justus, weil er nicht wusste, was er sonst sagen sollte.

Alba drückte erneut auf den Wiedergabeknopf, doch nichts war zu hören. Seltsam, die Aufnahme war doch noch nicht zu Ende gewesen?

Auch Alba wunderte sich. Sie schüttelte das Diktiergerät und spielte am Lautstärkeregler. Nichts geschah. »Hier scheint etwas kaputt zu sein«, sagte sie und wandte sich an Justus.

Er nahm das Gerät entgegen und sah sofort, was nicht stimmte. »Du hast statt auf Start aus Versehen auf Aufnahme gedrückt.« Er betätigte die Stopptaste und spulte zurück. Die letzten Worte von Albas Vater wurden abgespielt: »… sondern auch einen Schlüssel. Fahr damit nach Kalifor–« Es knackte, man hörte ein paar Umgebungsgeräusche und nach wenigen Sekunden schließlich: »Hier scheint etwas kaputt zu sein … Du hast statt auf Start aus Versehen auf Aufnahme gedrückt.« Justus sah Alba bedauernd an. »Es tut mir leid, du hast ein Stück der Nachricht überspielt.«

WIE EIN COMIC-BÖSEWICHT

Alba sah Justus bestürzt an. »Kann man das wieder rückgängig machen?«

»Leider nicht. Es ist ein Magnetband. Einmal gelöscht, lässt sich die Aufnahme nicht wiederherstellen. Aber warte, vielleicht ist noch mehr drauf.« Er ließ das Band weiterlaufen. Nach einem Knacken war wieder die Stimme von Albas Vater zu hören: »… und du musst auf der Hut sein. Vergiss das nicht. Es ist ein gefährlicher Ort, wenn man ihn nicht kennt.« Er seufzte. »Es tut mir wirklich leid, Alba. Ich wäre dir gern ein Vater gewesen, aber …« Seine Stimme brach und er führte den Satz nicht zu Ende. Es knackte erneut und die Aufnahme stoppte.

Wieder stiegen Tränen in Albas Augen auf. Diesmal mischte sich Trauer mit Wut. »So ein verdammter Mist! Die erste Nachricht von meinem Vater seit über zwanzig Jahren und ich Idiotin lösche die Hälfte.«

»Ich hätte dir assistieren sollen«, sagte Justus.

»Unsinn. Ich bin doch kein Kleinkind. Ich war einfach nur zu blöd! Ich habe ja nicht einmal begriffen, was er mir sagen wollte. Ich muss das alles noch mal hören.« Sie wollte zurückspulen, hielt aber inne und streckte Justus das Diktiergerät hin. »Kannst du das machen? Sonst lösche ich aus Versehen auch den Rest.«

Justus ließ das Band von vorne laufen. Er wollte sich abwenden, doch Alba hielt ihn zurück, bis die Nachricht endete, und sah ihn fragend an. »Der rote Büffel? Der Pforte nah? Sollte mir das was sagen?«

»Ich kannte deinen Vater nicht«, begann Justus.

»Ich auch nicht.«

»Aber der rote Büffel sagt mir etwas. Es ist der Name eines sehr berühmten expressionistischen Gemäldes vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Maler war ein Franzose namens François Fortunard. Dein Vater hat nicht ›der Pforte nah‹ gesagt, sondern ›der Fortunard‹.«

Alba sah ihn mit großen Augen an. »Meinst du wirklich? Ich habe noch nie von diesem roten Büffel gehört. Was für ein glücklicher Zufall, dass ich an einen so schlauen Burschen wie dich geraten bin. Aber ich verstehe trotzdem nicht, was mein Vater damit gemeint haben könnte. Den roten Büffel retten? Wovor? Und wo soll ich ihn finden?«

»Das kann ich dir auch nicht beantworten. Dafür würde ich mehr Informationen benötigen.«

Alba unterdrückte ein Kichern. »Du klingst wie ein Polizist oder ein Detektiv.«

»Nun, zufällig bin ich das auch.«

»Polizist? Ich hatte dich für viel jünger gehalten.«

»Nein, Detektiv. Ich habe gemeinsam mit Peter und unserem Freund Bob eine Detektei. Wir haben bereits etliche Fälle erfolgreich gelöst.« Justus durchsuchte seine Hosentaschen nach einer Visitenkarte der drei ???, doch für die Reparatur am Toaster hatte er seine Arbeitshose angezogen und in deren Taschen befanden sich nur Schraubenzieher und eine Rolle Lötzinn. »Wir hatten es sogar schon einmal mit einem Fortunard-Gemälde zu tun. Einem anderen allerdings.«

Sie runzelte die Stirn. »Willst du mich auf den Arm nehmen?«

»Ganz und gar nicht.«

»Noch so ein Zufall! Erst rettest du mich auf der Straße und jetzt … Das ist ja, als hätte das Schicksal uns zusammengeführt.«

»Der Überfall«, murmelte Justus nachdenklich. »Alba, wäre es möglich, dass der Hondafahrer es nicht auf das Geld in deiner Handtasche, sondern auf das Tonband abgesehen hatte?«

»Meinst du?«

»Ich halte es für möglich. Immerhin ist auf dem Band von einem wertvollen Gemälde die Rede.«

»Aber woher sollte der Hondafahrer wissen, was sich in meiner …« Sie brach ab. »Augenblick. Es ist durchaus plausibel. Mein Vater ist im Gefängnis gestorben. Er war … nun ja, ein Verbrecher. Wer weiß, mit was für Leuten er dort zu tun hatte. Wer weiß, was er selbst alles angestellt hat. Er könnte in alles Mögliche verwickelt gewesen sein. Ich habe ja keine Ahnung.«

Justus hob die Augenbrauen. »Du weißt nicht, wofür er verurteilt wurde?«

»Ich weiß generell nicht viel über ihn. Da gab es wohl verschiedene Dinge, deretwegen er angeklagt war. Er hat meine Mutter und mich verlassen, als ich noch ganz klein war. Nur ab und zu ließ er sich mal sehen. Bei seinem letzten Besuch muss ich fünf oder sechs gewesen sein. Meine Mutter hat nie viel über ihn gesprochen. Aber das Wenige warf kein gutes Licht auf ihn. Ich glaube, er war … ein gewalttätiger Mann. Tja, und dann kam vor ein paar Tagen dieser Brief aus dem California-State-Gefängnis: ›Sehr geehrte Mrs Juárez, es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Vater kürzlich verstorben ist. Bitte holen Sie seine persönlichen Besitztümer ab. Mit freundlichen Grüßen …‹ Es war ein Schock. Ich fuhr hierher und bekam die Kassette und einen Schlüssel ausgehändigt.«

»Den Schlüssel, der in der Aufnahme erwähnt wird?«

»Vermutlich.« Sie griff in die Handtasche und zeigte Justus einen einfachen Hausschlüssel an einem ebenso einfachen Metallring, an dem ein Plastikkärtchen baumelte. Darauf stand: Washington Street, CC. »Bevor du fragst: Ich habe keine Ahnung, wozu der Schlüssel gehört oder was CC bedeutet.«

»Wo bist du denn aufgewachsen?« 

»In Pacific Palisades. Da gibt es meines Wissens keine Washington Street. Nach der Trennung ist meine Mutter mit mir nach Oregon gezogen, wo ich immer noch lebe. Ich bin nur wegen der Sachen meines Vaters nach Kalifornien gekommen. Gerade wohne ich in einem Motel.«

»Okay. Und wie hieß dein Vater?«

Alba schmunzelte. »Du meinst das wirklich ernst mit deinem Detektivsein, oder? Das ist ja ein richtiges Verhör.«

»Ich möchte einen Überblick über die Faktenlage gewinnen.« 

»Also schön. Für den besseren Überblick: Mein Vater hieß Javier Juárez.«

Justus zuckte innerlich zusammen. Dieser Name war ihm geläufig. Und nicht nur das. Der Javier Juárez, den er kannte, war ebenfalls ein verurteilter und eingesperrter Verbrecher. War er …? Nein, das war unmöglich. Es gab sicher viele Menschen mit diesem Namen. Und Albas Vater war bestimmt älter gewesen als der Juárez, den er im Kopf hatte.  

»Soweit ich weiß, litt er an einer sehr aggressiven Krebserkrankung«, fuhr Alba fort, ohne etwas von Justus’ Gedanken zu ahnen. »Er war erst Mitte vierzig. Wahrscheinlich hat es deshalb nicht geklappt zwischen meinen Eltern. Die beiden waren noch sehr jung, als ich auf die Welt kam. Das ist fast alles, was ich weiß. Ich habe ihn mal im Internet gesucht. Er hatte anscheinend eine Art Spitznamen: der Nachtschatten. Klingt ein bisschen wie ein Comic-Bösewicht, oder?«

Justus musste sich zusammenreißen, damit Alba ihm nichts anmerkte. Es war derselbe Javier Juárez. Der Nachtschatten! Justus erinnerte sich gut. Denn es waren die drei Detektive gewesen, die ihn ins Gefängnis gebracht hatten.

»Ist irgendwas?« Alba hatte gemerkt, dass etwas nicht stimmte, und schaute Justus fragend an. »Kommt dir der Name bekannt vor?«

EIN GESCHÄFT MIT RUBBISH

Justus öffnete den Mund und wusste nicht, was er sagen sollte.

»He, Just!«, rief Peter in dem Moment vom Tor aus. »Meinst du, ich kann den Wagen erst mal neben der Werkstatt parken?«

Der rote MG rollte auf den Hof. Peter saß drinnen und lenkte, während Bob und ein bärtiger Mann in einem fleckigen Trenchcoat von hinten schoben. Auf dem Dach des Wagens stand mit dem Trichter nach unten ein riesiges Blasinstrument aus Blech. Zwischen dessen Windungen und Ventilen hing Seetang. 

»Klar!«, rief Justus, froh über die Ablenkung. Er sprang auf, um ein paar kaputte Kinderfahrräder, die im Weg standen, beiseitezuschieben.

Erst, als Peter den Wagen langsam um die Kurve lenkte, erkannte Justus den bärtigen Mann, der beim Schieben half. Nicht nur sein Mantel war fleckig, er war insgesamt ziemlich ungepflegt, sein Haar war ungekämmt, lang und leicht fettig. »Hallo, Rubbish George!«, begrüßte Justus ihn. 

Der alteingesessene Stadtstreicher von Rocky Beach war ein Bekannter der drei Detektive. Justus hatte ihn schon länger nicht mehr gesehen, war aber von seinem plötzlichen Auftauchen auch nicht überrascht.